Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1498 (15.4.1923)
- Date
- 1923-04-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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X 'Vkv I?®5 -MN, EMMA fQtenj, JVitdprelmörkt 2, ’ fHodeles <Jfls°ztttaw£emü f?e6es, JCostumeSjJtlanleaux, Seagonms et fourrures , fernste Ma&mfertigunp STelefon L52V. Verkauf \ von fertigen JÜeidem bas feit Kveiixmsmd Jahren der Verfolgung, Tortur' prä» dem Dode getrotzt hat, das heute in gary Europa ge- Mngt und säst MNS Leben gebracht wird, das laßt sich picht von em paar ZMrngsarttkeln oder Zeitungsbesitzern ^schrecken. Lebhafter Beifall.) LSenn das jüdische Ball so gleicht Kn verruchten gewesen Ware, so Hütte es schon langst fmsgchörtzn existieren. Ich zweifle nicht daran, daß die «etzige Regierung so wie die frühere das Mandat 'ehrlich erfüllen wird, welches Groß-- ibritamneu ans den Händen des Böllerbundes angenommen hat. Ich La«n nicht vevstchen» wie irgend jemand so töricht ssem kann, sich voryustellen, daß es jemals für eine «britische Regrermng möglich sein wird, Palästina zu verlassen und es de» Türken oder den Arabern zu überliefern. England ist die Mandatarmacht, und wenn sie ihr Mandat aus den Händen zn geben wünscht, muß sie au die Quelle gehen, Woher es gekommen ist. Es ist kein Geheimnis, daß andere Mächte sehr gern das Mandat genommen hätten zu einer jZei^ wo die Zionistische Organisation England cmfforderte, ps antzunehmen, wenn der Völkerbund zustimme, und ich zweifle uicht daran, daß auch jetzt noch / andere Nationen bereit wären, die ehrenvolle Stellung des Mandatars dieses großen Landes anzunehmen. Ich fürchte nicht, daß die heutige Regiemag ihre. Zulage nicht erfüllen wird. Die britische Natron W^vgert sich ebensowenig, ihre Zusagen zu erfüllen, wie ei» britischer Geschäftsmann seine Verträge. Dies ist ein ß^rtrvg -wische« allen Mschen Gemeinschaften der Wett rmd der britische« Regierung, ^in Vertvatz, «rf Grund dessen die britische Regierung inmitten einer großen Krisis Unterstützung und Hilfe von dm Mkdm i» Palästina und in der übrigen Welt für ihren großen Kampf schalten hat. 1500 Juden haben in den britvschm Bataillone« in Palästina gekämpft. Die britischen Friedhöfe döst haben zwischen den Kreuzen Gräber, die den David-Schild zeigen, wo jüdische Soldaten begraben sind. Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgend eine Regierung oder irgend er» Parlament so niedrig, so e h t l os handeln könnte, Zusagen zu verlangen, für die so diele Juden ihr Leiben bei dw Befvomug ihres Landes hingegeiben haben. Ich komme nun 'dazu, was uns hier vereinigt hat, zum Palästina-Gründuugsfonds. Ich freue mich, rings um mich so viele Leute zu sehen, dir recht wohlhabend anssehen. (Heiterkeit.) Man sagt, daß jeder Jude ein guter Schnorrer fei. Aber ich sichle mich besser, wenn ich gebe, Äls wemt ich verlange. Der Chief Rabbi hat mit Recht gesagt, die Hauptgefahv sei rächt Gegnerschaft von außen her, sondern UttemWert von Ihnen. Die Gefahr für das neue Judaea sei rächt die SchwieriMt der Verleumdungen von anhen >her, sondern der Mangel an Energie und der Mangel an Opferwillen von seiten derjenigen, die es zur MMWeit machen können. Der Keren Kajessvd ist mit großen Ideen und mit der Forderung nach großen Summen ins LeÄn getreten. Er hat in zwei Jahren 750.600 Pfund aufgebracht. (Hört, hört'.) Ich würde nicht Kört, hört! sagen, es wäre denn, daß noch eine Null dastünde. Ich kenne die Schwierigkeiten. Die großen Gebiete von Ostmtd Mitteleuropa sind außer Gefecht gefetzt. Aber die britischen Juden haben nur fünf Prozent der Beitrage geleistet. Ist das rühmlich Kr uns? Wir find schwer besteuert, aber das Palästina-Budget, das die Juden der ganzen Welt angeht, besitzt keinen Stenenxekutor, 'der Steuern eintreiben kann. Uns« Steuerexettrtor ist das Gewissem der Inden in der ganzen Wett. Wird dieses Gewissen so stark sein wie die BorschveWuntzen, die uns zwingen, unsere Steuern hiev zu bezahlen? Ich hoffe, daß jeder ein Opfer für den Keren Hajessod bringen wird. Mr. Joseph Eowen: Ich bin entlarvt. Ich bin einer -der „vuuo'uu von Zion", einer von jenen, die an der geheimnisvollen Versammlung in Basel im Jahre 1897 teilnahrnen, an dem ersten Zionistenkongreß, wo wir uns zur Zerstörung der- Welt verschworen. (Heiterkeit.) Ich könnte Ihnen manches Yon der Versammlung «Wählen, aber in Den Zeitungen ist schon so viel von unseren schrecklichen Manen erschienen, daß wir die übrigen unbesprochen fassen, bis sie erfüllt sind. Aber etwas gab es im Jahre 11897, was wir nicht wußten. Wir wußten nicht, daß wir >im Jahve 1923 dasitzen, und uns über das Mandat Und die Errichtung des Jüdischen nationalen Heims freuen :.ME» MvryMzemmz. — würden. Als einer dev ältesten Verschwörer möchte ich betonen, daß wir dieses nationale Heim nicht als ein zionistisches Vvivllea. sondern als eine alliüdische Angelege »h.e i t: betrachteten. Ich muß Sir Alfred Mond bericht^em Der britische Beitrag beläuft sich nur auf zweieinhalb Prozent der bisher gesammelten Summe. 477.000 Pfund kamen aus Len Vereinigten Staaten, 47.000 Pfund aus Kanada, 28.000 Pfund aus Südafrika, 25.000 Pfund aus Polen und nur 17.000 Pfund aus Großbritannien, worauf sogleich Deutschland, dieses arm gewordene Land, folgt. Ich hoffe, wir werden das in Ordnung bringen, bevor wir diesen Saal verlassen. MCiull AUflAft hlrtrth* UWui igPjlW) «öwpww» Hier, wo ich neben einem der „Aeltesten von Zion" sitze, ist es mir wirAich angenehm, daß meine Paten mir bei. der Taufe den guten, alten, christlichen Namen Josua beigelegt haben. (Heiterkeit.) Anders als mein königlicher Namensvetter, habe ich aber nicht die Absicht, im Meggrdo zu fallen, wenn ich mich zwischen zwei so hervorragerwe Gegner stürze, wie Sir AlsrÄ» Mond und Philipp Snowden. (Heiterkeit.) Zweifellos wird das Duell zwischen ihm« fortgesetzt werden, aber hoffentlich nicht über meiner Leiche. Man hat behauptet, wein Interesse an der zionistischen Bewegung komme allem däher, daß Moses eine richttge Ansicht von der Landfrage hatte. (Heiterkeit.) Das ist uicht, so. Ich spreche für den K e r e n Hajessod, weil die Partei, der anzugehören ich die Ehre habe, die Forderung nach einer Vermögensabgabe erhebt. (Heiterkeit.) Wenn wir die Chaluzim in Palästina mtterstützen, so fördern wir nicht nur die Chaluzim, sondern schaffen eine Möglichkeit für die Zukunstder Millionen eines verfolgten Stammes, .der zufälligerweise Ihr Stamm ist, der aber jedem ehrlichen Christen ebenso teuer ist wie jedem Juden. Wir tun mehr als das. Gerade vor etwa dreihundert Jahren wurde ein ähnliches Experiment, wie unser palästinensisches, auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans unternommen. Die Pilgrimfachers kamen und schufen die große Republik. Sie gingen durch Schwierigkeiten, die denen der Chalnzim sehr ähnlich sind/Sie gingen ihren Weg und schufen etwas, was nicht nur für sie selbst, sondern für die ganze Menschheit von höchstem Werte ist. Diese „Pllgrmifachers" schufen ein RE nicht nur für eine verfolgte Klasse in England, sondern für die ganze Zukunst der Menschheit, und gerade wie sie der Welt die wahren Grundlagen der Demokratie gäben, so erwarten wir von den Chaluzim in Palästina nicht nur, daß sie ehte Heimstätte für sich selbst und für andere jüdische Flüchtlinge schaffen, sofern auch gewisse prinzipielle Grundlagen, die vlm unschätzbarem Wert ' für die ganze Menschheit sein werden. : Ihr warst so lange eine Nation. JLr wäret eine Nation unter so vielen anderen Nationen. und wenn man dies von irgendeiner Rasse mit größerer Bestimmtheit als von den anderen Men kann, so wäret Ihr die internationale Rasse. Von Palästina kann der Geist des wahren Internationalismus kommen. Wir brauchen nicht engherzige religiöse oder RasstnAnpfmdungen von 'dem Lande zu blichen, das sich aus Verfolgung und Unduldsamkeit befreit hat. Wenn Jür in dieser Richtung internationaler BrüderlicWeit eirbaeaeMhrt. dann werdet Ihr wirklich einen Geist brüderlicher Liebe schassen, der mein Ziel und Euer Ziel ist. (Beifall.) Hierauf erklärte Sir Robert Waleh-Cöheri, es sei Pflicht der jüdischen Gesamtheit, für den Keren Hajessod ernzutreten. Es wurden noch mehrere Reden schalten, von denen wir die Ausführungen Mr. Snowdens bereits mitgeterlt haben. Auf dem Bankett selbst wurde ein anschnlicher Betrag für den Kalästtna-Aufbausonds gesammelt. Re Kämpfe in Wna. London, 14. April. Das Reattevsche Bureau meldet aus Schanghai, daß die Mannschaften eines chinesischen Kreuzers und dreier Kanonenboote in Schanghai gemeutert haben. Der Marrnebefthlshaber Admiral Tu-schr-nai ist infolge der Haltung der Flotte zurmckgetreten. Die Meuterei hat sich auf andere Hasen ausgedehnt. * Die letzten Ereignisse in China lenken wieder die Ausmerksamkeit auf das Reich dev Mitte, wo seit längerer Zeit innere Wrrven herrschen. Arvdevevserts scheint die Ueher-- nahme desAußenmrnisteriums von Wm durch Wellington Koo nicht nur für den fernen Osten, sondern auch für Europa von Bedeutung zu sein. Wellington Koo gchört jenem jungen China an, welches sich bereits im Westen ausgebsldet hat, jenem chinesischen Menschenmaierial. aus welchem das Reich des Himmelssich seine Aerzte, Ingenieure, volkswirtschaftliche Fachnräuner, feine Chemiker und seinen ganzen industriellen n>nd kulturellen Generalstab und uicht zuletzt auch seinen rmlitarischen Gelnevalstab schuf. Diese Tausende von Kultmzöglingen des Westens haben bereits wertvolle innevPoMsche Arbeit geleistet und sind auf dem besten Wöge, dem Parttkularismus, der dm Norden vom Süden schiä), wieder zu> Vevewigen und die poliüsche Macht der Generäle zu brechen. Sein Gegenpart ist Dr. Suujatsen, das Haupt der südchiwsischen Gegenregierung. Dr. Ämjatsen ist Doktrinär, Idealist und 1v. Apm Tiizs - ' ... Sekke 8 Schuhe! Prinzipienreiter, ohne xed« praktische Kenntnis, während- Wellington Koo, der den größten Teil seiner politischenj Laufbahn außerhalb Chinas zurücklegte, wohl dasselbe Ziel! wie Suujatsen im Auge hat, aber im Gegensatz zu diesem.! alles nüchtern erwägt und nur nach Vi-Äer Ueberlegungi bat praktischen Möglichkeiten einen Schritt vorwärts tut.- Wellington Koo hat bereits in europäischen Fragen! eine -Rolle gespielt, und zwar nicht nur im Zusammenhang! mit 'der Friedenskonferenz. Er -war auch Vorsitzender der zweiten BollversarnmlWrg des VolkeMmdes, nahm an W, Washingtoner KoufereiH teil und wurde in mehrere wichtige Ausschüsse deS Völkerbundes hinemgewäWt. In allen, europäischen Fragen hat Wellington Ko dieselben Ideen- und Grundsätze vertvetm, wie der Ministerpräsident des^ südafrikanischen Staatenbundes, General Smnts. Auch! Koo hat der alten Kulturwelt dieselbe Perspektive vor- Augen geführt, wie General Smuts: Entweder wirklicher Friede, gemeinsame Arbeit Schulter an. Schulter, Weg«- räumung des Ruinenschnttes mit vereinten Kräften oder^ Mrettbarer Zusammenbmch und -Untergang. Diese Idee? propagiert Wellington Koo auch für den fernen Osten und-, dieser Gedanke durchdrmgt heute eure immer größer werdende Schichte des größten Reiches der Welt, dessen Bevölkerung nahezu viermal größer ist als diejenige der Bereinigten Staaten von Nordamerika und an Zahl die Bevölkerung des russischen Reiches fast um >das Dreifache übersteigt. In einer Unterredung, die Wellington Koo! emenr Journalisten gewährte, sagte er: „Die Äufllärungsarbeit in China schreitet viel rascher vorwärts, als man! im Westen anzunehmen geneigt ist. China habe große Aus-- sichten für die Zukunft, denn unter seinem Boden ist eines der reichsten Kohlemeserboire der Welt verborgen und die BsmA)uüg des jungen China, das an ttmneNserc Schätzen! reiche Land aus der Rolle einer Quanttte negligeable, in. welche es durch Verschulden der früheren Führer des Volkes geraten ist, in diejenige eines der wichtigsten Faktoren der Weltpolitik und der Weltwirtschaft hinüberzuleiten, werden ganz sicher von Erfolg gekrönt stirr. Die Cut wickhmg im Laude schreitet rasch vorwärts." Oesterreich. Das Kabinett Seipel 11. Zwischen den MchrHeitsparteierr ist bereits eine Einj. Mvg über die Zusammensetzung des Kabinetts Seipel 2; zustande gekommen und, wenn nicht unvorhergesehene! Schwiettgkeiten anstauchen, wird schon in der Dienstag-^ -sitzu-ng die nene, nur mehr aus nenn Männern bestehende. Regierung vom Nattonalvat gewählt werden. Die Großdeutschen beschl-osien gestern, ten Handelsminister Kraft nicht mehr in das Kabinett zu emtse-nden und an seiner Stelle den Abg. Dr. Schürfs für das Handels- und Berkehrsressort zu kandidieren. Der chrisÜrchfoziale Verkehrsmi-nister Doktor Odchnal, dessen Ressort dom Abbau zum Opfer siel, wird gleichfalls aus der Regierungausscheiden. Im übrigen dürste das neue Kabinett keine Veränderungen gegm- Mr dem jetzigen auftveism. Die neue Minifterliste wird >wie folgt lauten: Bnn-, deskanzleramt mit den Ressorts für Aeußeres, Inneres nnp Justiz: Dr. Seipel, Bizakanzler: Dr.-Frank, Handel! und Verkehr: Dr. S ch ü r f f, Soziale Verwaltung: Richard, Schmitz, Heerwesen: Ba ugo i-n, Finanzen: Dr. K i e n-. -böck, Ackerban: Buching er, Unterricht: Dr. Schnei-! der. Der bisherige Minister des Aeußeren Dr. Grün-! berger wird <M Minister ohne Portefeuille mit der- Führung der auswävttgen Angelegenheiten unter der politt-! schm Verantwortungdes Bundeskanzlers betraut sein. Die- Angelegenheiten der Ju-stiz und der inneven Verwaltung! solle« vom Bundeskanzler und vom BizÄanzler Dr. Franr kollegial verwaltet werden. Dr. Schürfs, der als neuer Mann ms Kabinett! eintritt, verfügt über gute Umgongsformen und hat alg; Schn emes großen Fuhrwerksbesitzers in Mö dl in gl immerhin die Möglichkeit gehabt, gewisse EiMicke irr das- Verkehrswesen mW den Handel zu gewinnen und sich so aus! fein Amt, das er in ziemlich jungen Jahren antritt, vor-! zubererten. Im Parlmnent Mt er sich geflissentlich vorr. den Radaumrtrsemiten rm großdeutschen Lager fern- und, ist im großen -u-rck ganzen ein recht umgänglicher Atensch./ Seme Reden, die er im Nattonalrat Mt, hatten immer^ ein gewisses Niveau; wiederholt -war er Referertt über', wichtige Angelegenheiten und -hat, sehr im Gogerrsatz zu! den vielen sailopp gearbeiteten Referaten der letzten Zeit/ manchen gründlich und fleißig ausgearbeiteten Bericht an das Haus erstattet. Namentlich sein Referat über -beit sogenannten Reichrammger ^lzabstockungsflandaL verrat', den gewandten und -fleißigen Juristen und auch einen aufrechten Charakter, der ungefcheut das ausspricht, -lvas itzni! als Ergebnis einer lanOvierigen Untersuchungals rechtober unrecht erscheint. Unter diesem'GesichtsplMkte kan»! der Eintritt Dr. Schürffs in die Regierung für das! Kabinett Seipel , immerhin als ein Gewinn betrachtet' Werden. 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