Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1496 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980577--14416-3001149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 149o 1 Wien, Freitag Ae Srspanmgrkommisfio« abgebaut. Wien, 12. April. Da die ErsParnngskoMmission, ^hve ftotuteiMnäferiigc AWabe erfüllt hat'und sich die Möglich-' M Mer weWoren Betütig'mr'g daE erübrigt, daß zur ein- IHMichen Durchsichmng der ErfParungsmaßnahnEn uittfo der befonidere Vosimgen getoofen wurden^ jfpat dve BundeSrWerung von einer Ernmerung der Mandate -der Kommission albgefehen Aus diesem Anlaß .hat der iBundesVcmzller tat den Präsidenten der Kommission Dr. Beck lind am sömMche MitgVitzder DanMschrMen für ihre Tätigkeit igevichtet. Mndigung der Waremusta«schiiberein> tommens mit llngam. Wien, 12. April. Wie die Politische Korrespondenz erisährt, hat die-ungarische Regierung mit Wirksamkeit vom 11. d. den Teil des Warenaustausch-Ue'öereinikommens mit Oesterreich gekündigt, der die Kontn> jgente der zur Einftchr nach Ungarn ziHulassenden Waren enthält. Da das Warencmstausch->UeLeremkonrmen aus einenr Gegenseitigkeitsverhältnis anfgeöaut ist, hat sich 'die österreichische Regierung veranlaßt gesehen, auch ihrerseits ■ jirte korreispondbereulde Liste des Ablkornmrens, tvolche die zur Ginsiihr nach . Oesterreich Kü-Mlassenideu ungarischen Waren Enthält, vierzehntägig zu kündigen, was am 10. d. erfolgt!ist. Bei Vornahme der Kündigung ist beiderseits die Absicht szvm Ausdruck gebracht worden, die Verhandlungen über eine Revision des Wkonrmens alsbald aufzunehmen. Ser Schirdsgerichtrvertrag mit Ungarn. In Budapest hat am Dienstag die Unterzeichnung des 'zwischen Oesterreich und Ungarn abgeschlossenen Schieds- ^gerichtsvertwges durch beit österreichischen Vertreter Calice und den mit der Leitung des königlich ungarischen Mniste-!riumS des Aemßern betrautem Justiznrmister vi Daruvary jstattgesunder.'. Die Bestimmungen des Vertrages sind aus der ' ^Sitzung des Ausschusses für Aeußeres vom 11. Jänner d. I.! bekannt. Das Wkommen wird als politischer Vertrag dem ^^tianalrat vorgelegt werden./ Achecho-Slowakei. Sr. Senesch und die RationaMätra. - Pretzbmg, II. APrll. (Korr. Herzog.) In einem Vorßwg über den Sinn der tschechischen' Revolution äußerte tsich Minister des Amhern Dr. B e ne sch in sehr inter- Eter Weise über die aktuellen Fragen der Politik seines^ tes. (§* betonte das Prinzip der Nichünterventionin and -und -bezeichnete es als Errungenschaft des Weltkrieges, daß in der Nationalitätenfrage sich das Prinzip der Selbstbestimmnivg der Nationen bewährt ihat, natürlich nur in den durch die politischen Realitäterl igogebenen Grenzen. Die große Bewegung zu sozialer Geirechtigkeit hat den Zufluß der Arbeiter- .und Bauemklassen gesteigert, gab ihnen in einer Reihe von Staaten die Mit-' wegentschaft und führte zu Bodenrevalutiown. Eine Rückkehr zu den alten Zeiten ist hier unmöglich und der Einfluß ides S o z i a l i L m u 3 und der b ä u e r l i ch e n S ch i chte n muß als dauernd angenommen werden. Das . alles bedeutet schon einen grandiosen Umsturz, -eine soziale Revolution, von der an emst eine neue Epoche >Gu>roPas gerechnet werden wird. Herrscht trotzdem noch jrndjt überall vollkommene Ruhe, so liegt der Grund darin, daß man einerseits im Kampf mn die Sowjetdemokratte ^u teils"bolschewikischen, teils faszistischen, also rmtionabMerspannten Extremen^ griff, andererseits darin, daß die politische Revolution, namerrtlich im geistigen Sinne, nicht überall in dorr letzten KonfegueWn durchge- Iführt wurde. Dies gilt besonders von Deutschland, wo ein 'namhafter Teil der Nation, bisher die Vorkriegsideologie verteidigt. Dies gilt auch von Ungarn. 'Im allgemeinen kann man sagen, daß -wir mit dein ganzen Sinn unserer nationalen Revolution mit Westeuropa verknüpft sind, zu dem wir auch kulturell gehören. Mit Jugoslawien und Rumänien verbinden uns «nicht bloß Gefühle, sondern auch Politische und andete Interessen. Wir muffen uns' danach einrichten, das sve-mrdschaftsiche Verhältnis zu Italien und Polen zu erhalten, auch unsere Bezichungen zu Rußland pflegen und verjtiesen, zu Rußland,^das in seiner demokratischen Form fähig sein wird, das 'Gleichgewicht in Mitteleuropa Mit Rücksich t auf Deutschland und'den Westen zu erhalten und auch unsere staatliche Existenz zu sichern. Irr der IrruenpoMk ist es notwendig, das Prinzip .zur Geltung zu -bringen, das die BÄsis unserer Revolution war. Dies bedeutet an -Masgryks Washingtoner Deklaration festhalten, mit Rücksicht auf die Minoritäten nicht einmal das , Prinzip der nationalen Gerechtigkeit verleugnen, ein Bor-!gehen, das allerdings nicht Lauheit in der Verteidigung der >Exjstenz -er Demokratie bedeuten kann. . . . Dies muß namentlich den Deutschen gegenüber betont werden, die 'den Weg M Versöhnung mit der tschechischen jDeinMrtie fMden «werden, wenn sie ihre bisherigen Traditionen revMren und von allen Neigungen zm Borkriogsphilosophie der Gewalt ablassen.. Wiener Morgenzeitung. 13. Avril 1923 Seite 3 19 Bh0rli^^i{lliÜiil^^ii^l^ili(l{i^^(^ifiSSIilili^^iI(liililiil(fIIIII!Illii((lfHt WIEN, II., PRATERSTRASSE 48 llngam. Ae Habsburgerftage im Parlament. Budapest, 12. April. (Ml. der „Wiener Morgenzeitung".) In der heutigen Sitzung der' Nationalversammlung. begründete Abg. Andor Szakaes seine hrmWche Anfrage in der - AngelegenhM der Habs>bur>ger-Pwpagan>da. Die Regierung du'lide und n-nterstlütze die immer kräift'iiger tv-erdende Habsbunger-ProPagattda, oibwohl das. Mtige D-ethro nisa-. t io ns ge fetz diese verbiete. An der Gedächtnismesse für Kaiser Karl nahmen die Regierung und der Reichsverweser offiziell teil. Diese amtliche Devronswation [eil daldtirch noch Prön-oncierter, daß an dem in -der. Kirche archgerstellten KatafaA nicht n-ur die ungarische,^ sondern sämtliche Kronen -der Habsburger auijigeftellt waren, so die österreichische, tschech-ische und sogar die lomibardiische. Das wird im Anslande böses Blut machen. Redner fragt den Ministerpräsidenten, öb die Regierung geneigt ist, dem DeihronisievwnigÄgesetz Geltung zu ver- 'schassen. Ferner solle der Ministerpräsident die Nationalversammlung darütberauifklären, öb das Verbot der Großmächte über die Rückkehr der Hcibsburger. eine Aendernng erfahren halbe,- oder ihr StaNdPunA derselbe gelblielben sei. Ministerpräsident Bethlerr erMärte, die Regierrnrg stehe auf dem StandprinAc des Dethroni>sierungsgesetzes, sehe sich a-ber nicht veraMßt, die versassnngsmäß'ige legitim ist ischc Propaganda einzudämtnen. Dagegen werde sie auch in der Zukunft gegendie. repuiblikanasche Propaganda entschreiten^.weil'das Geifetz vom Jahre 19}3 die republikanische Agitation verbiet«. Das beanstandete Requivm sei bloß ein M der Pietät. Dm-Erzherzog Otto M König zu bezeichnen, stehe im Gegensatz zum Dechronisierltngsgefetz; «die Regierung. werde m konkreten ^Fällen gegen diejenigen emschrarten, die sich dieser. Bezeichnunig bedienen. üngaru und Sowjetmhlaud. - Berlin, 12. .April. (Tel. der ,Mr. Morgenztg.") Als Folge der vor kurzem -erfolgreich beendeten Verhandlungen wirtschaftlicher. Zratur zwischen ungarischen Industriellen und Sowjetvußland werden hier demnächst offizielle Verhandlungen zwischen Sowjetrußland und Ungarn beginnen, die einen Austausch kommunistischer Gefangener in Ungarn gegen ungarische Gefangene in Rußland bezwecken sollen. .. Ser Strett in dm stMischen Betrieben. Budapest, 12. April. <M. der „Wiener MoMnzetAmg".) In sämtAchen sMtiischen 'LÄensflUittelbetvieben ruht -die Arbeit voHlkommeu.'Aneinzölnen Stelwn kam es zu Zusammenstößen Kvkschen.Polizei und Streikenden, well letztere einige ApbeitswiMge vechimdern wollten, die Arbeit anfzu-nehnren. Der Betrieb der städtischen Brotfabrik und des Schlachthauses-wird durch die Dechniüsche Nothiffe der Studen- ' ten aufrecht erhalten, ebenso der. öffeMiche Reirvigungsdvrnst. Auch in den Elektrigiitiätswerke-^ Phvbus, welche einen, Dell von Bndapest und der Umgebung mit elektrischem Strom vers-chm, ruht die Mbert. Die elMvische LokaLbahn nach Neupest verkehrt wicht.'Auch die Wasserwerke mußten den Betrieb wagen Strommangels einstellen. Gestern abends tvnrden sämtliche Arbeiter des Phöbus, 110 an der Zahl, festgenommen .und in das Schnbhans überiführt. Das.Strafverfahren wegen Ansveignng ist im Gange. Da das Pnmpenwer§ des Ka-nalnetzes sb-enlfalls sMgslegt ist, sind die tieferlieigMden Tülle der Stadt von enver Kambüberschwemmung Fortdmer der anüsemMschen Bewegung an den Bndavefter Hochschulen. Arts Budapest wivd uns berichtet : Mcht Mr irr der svgetmnnten Preßburger Universität, sondern auch an anderen Hochschulen fahven die studierenden Erwachenden Ungarn fort, den Mischen Hörern ohne Rücksicht darauf, daß sie auf Grund des Numerus clausus-Gesetzes inskribiert sind, den Zutritt zu den Vorlesungen zu vettoeiger« und die Mischen Studenten aus den' Hörsälen zu verdrängen. So ereignete es sich in den letzten Tagen, daß an der Tierärztlichen Hochschule. vor dem.botanischen Kolleg ein Hörer des zweiten Jahrganges der 'Tievarzneischnle. im Couleur den.Lchrsaal des ersten . Jahrganges betrat, auf den Katheder stieg und sichmit foligettden Worten andie Hörer lvandte: „Kameraden, eri innert ^mch an den 18. und 16. März, erinnert euch, daß wir uns in der Universiiätsanla versammelt und dort beschloffen. haben, daß, solange wir keine G enugtnuug erhalten, - k e i n I u d e a n d e r Uni Vers i 1 ä t i l e rtten dürfe. Die Gerrugtuung verzögert sich. Dem- >" Leinenwaren, 2(J Unerreicht I HM Wäsche,StrlcWaretf |||||p PfeiSe« ■ IlM nächst werden wir uns mit^der bisher 'erhaltenen an geblichen Satisfaktion 'in ei-n-er Versammlung befassen, bis dahin aber fordere ich die jüdischen Hörer auf, sich zu ent* ernen." Auf diese Aufforderung verließen die jüdischest Hörer das Gebäude und die Vorlesug wurde, ohne -daß Rektor oder Professor irgend etwas veranlaßt hätten, -ohne die , jüdischen Hörer ab ge halten. Ueber die Vorgänge an der sügenannten Preßburger Universität haben wir -bereits berichtet. Aus dieser Haltung der christlichnationalen Stu-denteir gcht hervor, daß. sie sich mit bent seinerzeitigen, mit schwerer Mühe zustande, gebrachten Kompromiß zwischen der Regierung und Horthy als Protektor der Studenten nicht abzufinden gedenken und daß man noch weiteren größeren Unruhen an -den Universitäten gewärtig sein kann. __ Polen. Silorski und Witor. ' Warschau, 12. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In den Verhandlungen der Wi tos-Partei mit den Nationaldemokraten ist eine Stockung eingetreten, da die. mit den Nationaldemokraten - koalierte Dub a n o w i c z- Gruppe gegen.die Durchführung der Agrarreform auftritt/ ivas dem Abgeordneten Witos -die Position mnechalb seines^ Klubs erschwert. Ministerpräsident Sikopski soll -. erklärt haben, daß er nicht geneigt fei, an die Spitze eines- Kabinetts zu treten, dem die rechten Parteien angchöre» würden. ' __ Die „Rzeczpospolita" wird eingestellt?.Aus Warfchan wird uns berichtet: Das Ha-üptorgan der N atiönald emotraten „Rzeczpospolita" soll demnächst 'eingestellt wevde,ch Dieses größte jndenlhetzorische Matt kämpft bevehts seit längerer Zell mit großen mabevi>ellen Schwierigkeiten. Seitdonr der frühere Ministerpräsident PalderewsL'l a.ufgchört hat, aus- Amerika Dollar zu schicken, -ist die Zeitung nicht in der Lage, . ihr BndM-t selbst zu decken. Wie velllautet, sollen die Redakteme mit 1. Mai gMMgt vwrden fein. ' Eine Propagandareise des Mg. Grünbamn. Aus W a oschau wird uns gemeldet: Abg. Grün bäum begibt sich in den nächsten Lagen nach Engl and, um an der dortigen Keren Hajfessod-AMon tellzunchmen. Abg. Grünbaum wird in England mehrere Wochen weilen und >in Wevsammstmgen für den Keren Hajchod Propaganda machen. Georg Brcmdes Wer dm Ausweg am dem Weltchiws. In einer Unterredung, welche dieser Tage ein Jpurmalist mit dem bald achtzigjährigen Schriftsteller Georg Brandes in Kopenhagen hatte, kam die Rede auch auf die allgemeine politische Weltlage und insbesondere aus das Ruhr-Problem. Brandes sagte unter anderem: „Für mich, der ganz außechalb der Bühne steht und vor den Vorgängen im Ruhr- Gebiet nur so viel weiß, was ich hierüber in den Zeitungen lese, ist die aufregendste Frage die, ob die Deutschen heute einig sind, beziehungsweise, ob sie einig bleiben können. Bisher haben sie alles getan, nur einig waren sie nicht. Es wurde viel zu viel auf einander geschossen. Mit Ausnahme von Rußland hat es in keinem anderen besiegten Staat sovielepolitische Morde gegeben wie in Deutschland, wo die Pafteien in 'jeder Frage einander in.der schärfsten Weise gegenüberstehen. Wann werden sie wohl diese Haltung aufgeben? Denn wenn hierin keine gesunde Aenderung eintritt, dann wird die französische Brutalität siegen. Die Gewalt besiegt jeden .Widerstand, -den nicht die Einigkeit zusammenfügt. Welcher Weg mrs diesem Chaos hinausffchrt und wo dieser Weg gesucht.werden soll?, Frankreich befindet sich in einer schwierigen Lage. Hören Sie: als'Alfred Dreyfus nach langjähriger Hast mölich freigelossen wu-de begegnete ich ihm in Basis und ftagte iOr, ob qr die französische Armeehasse. „Nein," antwortete Dreysus, „ich kann sie nicht Haffen, denn nur schwer will jemand einbekennen, daß er Unrecht habe.- In dieser unangenehmen Lage befistdet sich heute P o i w care und mit ihm die ganze sränzösische Politik..Er nmß cinsehen, daß er nicht im Rechte ist, und dies einzusehen, ist sehr schwer. Das Jntereffanteste jedoch ist, daß dasselbe Frankreich, welches seine Forderungen jetzt unbarmherzig eintreiben tottt,, selbst ein säumiger Schuldner ist. Was wurde man zu. einem! ShYlock sagen, der der WM kurtd und zu wissen.täte, daßer nicht, die geringste Neigung habe, seine eigenen Schulden zu! II., TaborstraSe 48 Telephon 47-1-7Ö : En gros En detail j 534891482323235323484853232323482353232353534848234848482323