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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-11 · Heft 1494 (11.4.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1494 (11.4.1923)
Date
1923-04-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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-o»- Mm. M Mlmev Mmigrnreituns. 11, AM IBS E^Elk Zionistische SMMM LEOPOLDSTADT SONNTAG, k5. April, )0 Uhr vorm. Vortrag Dr. NABOM GüLDMJSH (Berlin): Festsaal des HOTEL KONTINENTAL (Taborstrasse) Außer Fallen von Blutarmut, Fettsucht, Verände-vMArn ides Mutes wurde von Dozent Jalta ein Fall von Riosen- -wuchs denwnstmmt, welcher, wie 'das RöntgenbM zeigt, durch eine Erkrankung des Hirnanhanges bedingt ist. Herr I. .Bauer stellte di» mannigfMssten Zlwevgtypen vor und erörterte die ver-schiedonen Ursachen des Zwergwuchses. Ueber ^DvlmSPlmrtat.ionen der männlichen Kermdrüfe gab Dr. Lichäenst-ern sehr interessante Ausschlüsse; ,er konnte zwei!Mmmer demonstrieren, bei denen es ihm Pnvch Transplantationen von männlicher Keimdrusensubistanz, oi« bei Operationen anderer Personen gewonnen worden war, gelang, glänzende sResultabe M erzielen. Pwf. Wagner-Jaure.gg brachte eins -KranSe aus seigrer Klinik, die im -Anschluss« an eine Influenza fettsüchtig und schwachsinnig wurde, ferner einen Mann mit Entwicklung von eigentümlichen FMgeschwülsten am Halse. Zum Schlüsse sprch Pros. Wenckobach über Trichterbrust und deren Bedeutung für die Lagenmg des Herzens inl Brustpamn. Re Gröber der Achtlmdvierziger-Mer. Em Wiener Abendblatt brachte vorgestern die senfa- Kionelle Nachricht, daß die Gräber der Revolutionsopfer des Pres 1848, Messenhauser, Blum, Becher und ll! n ek, die bisher nicht bekannt waren, und nach welchen seit langen Jahren Nachforschungen gepflogen werden, auf dem Wahrmger Friedhof gefunden worden seien. Die Gemeinde plant die Errichtung eines Revolutionspenkmals zu Ehren dieser Opfer an der Stelle ihrer Grabiftäitetw Wie wir im Rachcmse erfahren, entspricht die Meldung ßn dieser Fo-vm nicht ganz den Tatsachen. Die Araber dieser vier Revolutionäve sind auch bis heute noch nicht authentisch erkannt -worden. Man vermutet nur, |bajj die auf dem Wähvinger Friedhof liegenden Gräber, die Grabstätten der genannten Revolutionssührer sind. jDiese Gräber werden in Wirklichkeit bereits seit einer ganzen Reihe von Jahren als die Gräber MessenchmserZ, Plnms, Bechers und Jellineks gezeigt. Tatsächlich tottb die Gemeinde an dieser Stelle ein Denkmal errichten, wobei es keine Rolle spielt, ob dies tatschlich die letzte Ruhestätte der Achtrmbvierziger-Heldm ist. Es handelt sich lediglich ium ihre Ehrung. , ' Re FrMüenzimmerabgabe wird Serabgesetzt. Der Stadtsenat befaßte sich heute mit der Herabsetzung der Fremdenzimmerabgabe. Bis jetzt gilt für die unterste Stufe eine Abgabe von- 30 Prozent, für die oberste eine Abgabe von 60 Prozent. In dieser obersten iStufe sind jedoch nur Luxuslokale eingereiht, die in Wirklichkeit auch nicht 60, sondern nur 55 Prozent bezahlen. Nunmehr 'hat der Stadtsenat beschlossen, für Mai bis iAugust dieses Jahres bei sämtlichen Abgaben, und zwar -von der endgültig zu bezahlenden Summe 20 Prozent nachzulassen. Die Stundenhotels nehmen an dieser Ermäßigung keinen Anteil. Jüdische TUciigeselischaft Innere Stadt HEUTE 8 Uhr abends Cafe Sille*, . .1, Per d In and »platz, Mezz. VORTRAG Dr. LEOPOtö SÖFFER Ofi« Aalbau Paläntinas Gäste willkommen! Jin Aebsgeuie. 85 VkeWhle eingeftande«. - Ser Reb als GedöchtukMnfiler. Seit etlichen Wochen faß in der Untersuchungshaft des Ländesgerichtes Wien 1 als Mitglied einer Diebsbande, die unrfaugreiche Diebstähle bei einer Speditionsfirma ausgeführt hat, der Chauffeur Johann Lehrer. Im Laufe der Vorerhebungen ergab sich der Verdacht, daß Lehrer allein mit verschiedenen Komplizen noch eine ganze Reihe anderer Diebstähle verübt hat, hie aus Jahre zurückdatieren und deren Schaden, valorisiert, h u nherteMillionen betrögt. Die Liste der ihm nach gewiesenen Diebstähle beträgt fünfundsechzig, und säst bei jedem einzelnen Faktum konnte sich Lehrer au 0 r t unpZeit an den Abnehmer, an die empfangene S u m m e erinnern. In der Mehrzahl der Fälle war eine Airzeige, wenn auch der Schaden hoch war, nicht erstattet worden. Mitunter kam man auch erst durch das Geständnis darauf, daß überhaupt gestohlen worden war. In manchen Fällen, sogar bei einem Automobil, ließ sich die Tatsache gar nicht Nachweisen. Durch das Geständnis Lehrers sind viele Personen kompromittiert. Eine Anzahl seiner Spießgesellen ist schon in Haft. Ein Teil ist noch flüchtig und wird noch verfolgt. Die Hehler sind zum Teil in Haft. Lehrer hat eine Berbrecherlaufbahn von Zwanzig Jahren hinter sich; denn schon im Juni 1903 wurde der vierzehnjährige Bursche wegen Diebstahls mit drei Tagen Arrest bestraft. Ein so vielseitiger Dieb wie Lehrer hat wohl selten die Polizei beschäftigt. Er hat sich fast auf jedem Gebiet der Gaunertätigkeit versucht, und seine Geliebte Margarete Heimerl hat ihm dabei oft geholfen. Lehrer war, wie seinerzeit berichtet, bei der Parfumeriefirmä „Nuphar" als Hausbesorger und Chauffeur im Jahre 1920 bedienstet gewesen und hatte in dieser Eigenschaft Diebstöhle begangen. Als Hehler waren damals das Ehepaar M ö h s, Hasbesitzer, mitangeklagi, doch wurden sie freigesprochen. Unter den zahlreichen Diebstahlsfakten, die Lehrer eingestanden hat, ist auch der große Maschinengewehrdiebstahl vom Jahre 1919. Nach seinem Geständnis war Lehrer an dem Diebstahl von 18 Maschluengüvehre», die aus dem Hangar des Flugfeldes Aspern gestohlen wordtSk sind, beteiligt. Mer zu dem Diebstahl sollen ihn samt fernem Auto drei Bolkswehrleute des ehemaligen Bataillons Nr. 41 in der Kaserne in der Selzergasse förmlich gezwungen haben, Die drei rüsteten sich wie eine Sanrtätspatrouille, bestehend aus einem Oberarzt und zwei Sanitätssoldaten, aus, und fuhren mit seinem Auto auf das Flugfeld, von wo sie die 18 Maschinenge-I wehre in die Kaserne in die Selzergasse brachten. Lehrer will! unter einem Zwang gehandelt haben, denn die drei Volkswehrleute sollen mit geladenem Revolver neben ihm gesessen sein. Die gräßlichsten und schauerlichsten Folgen hätte ein Dieb stahl, den Lehrer im September vorigen Jahres verübt hat, haben können. Von einem Wagen der Firma Siemens u. Halste stahl er nicht weniger als zehn Kilogramm Zyankali. Lehrer, der erst nicht wußte, was die Büchse enthielt, will beim Auspacken daraufgekommen sein. Er hat aus der Büchse nur einige Deckagramm herausgenommen, die Dose dann wieder verpackt, sie in der Habsburgergasse in der Nähe eines Wachmannes zu Boden gestM. Tatsächlich war die Dose mt dem gefährlichen Gift damals vom Hausbesorger des Hauses Habsburgergasse 7 gefunden worden. Lehrer hat auch das Kunst stück zuwege gebracht, in der Trostkaserne ein ärarisches Fuhr« werk, bestehend aus einem Train wagen und zw ei Pfet> d e n zu stehlen. Wiederholt hat Lehrer oder mit seiner Frau Marie, von de, er jetzt geschieden ist, Hotels ausgesucht und Bett- oder Tisch-, Wäsche gestohlen. Bei den geplanten Diebstählen, Hie Lehrer arrangierte, war auch oft seine Geliebte, die Heimerl, die Helferin. Einen ganz besonders ftechen Diebstahl hat Lehrer im. Juli 1919 in der R otund e ausgeführt. Die Rotunde war da-' mals mit ärarischen Automobilen vollgepropft. Ein Personenauto hat Lehrer gestohlen und dieses einem Monteur verkauft. Die 66 Diebstähle Und Einbrüche verteilen sich auf' die Jahre 1919 bis jetzt. Groß« Znweleudiebstahl an einem Men« in Paris. Die „Stunde" meldet aus Paris: Der Wannte Wiener Waschefabriiant Cmanuel Braun ist in einem Hotel in dör jfttte de la Paix das Opfer eines großen Diebstahls gesworden. Während das Ehepaar Braun von einem Ausgang jzurückbehrte und den Zimmerschlüssel verlangte, war dieser nirgends zu finden. Als man die Tür de§ Zimmers öffnete, 'entdeckte man, daß mit einer Schere der Kaisten und ein iKoffex erbrochen worden waren. Äußer -den Schmucksachen ldes Herrn Braun wurde der gesamte Schmuck seiner Frau ^geraubt. Der Wert der Juwelen beläuft sich aus 6ÖÖ.ÖÖ0 igmnien. : Die Polizei veranstaltete sofort eifrige Nachforschungen nach Un Tätern. Das Hotelpersonal konnte jedoch keine 'Aufklärungen gelben. Das Stubenmädchen sagte aus, sie chatte sich nach dein Fortgehen des Ehepaares Braun ebenfalls für eine Vierieistunde entfernt. In dieser Zeit dürste Der Diebstahl ausgesührt worden sein. Bo« Schreibe» und Zeichne». Eine Ausstellung von Schularbeiten. Im Hofe des Anrtsgebaudes des Stadtschulrates, Burgring 9, werden jetzt während des Schuljahres periodische Ausstellungen veranstaltet werden, um der Elternschaft und der Fachwelt des In- und Auslandes Gelegenheit zum Einblick in die- Entwicklung auf schulpraltischem und schultheoretischem Mblete zu geben. Gestern wurde die erste Sondemusstellung durch den Präsidenten des Wiener Stabtschulvates Nattonalrat Glockel eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache teilte er mit, daß diese Ausstellung von Ausstellungen folgender Art abgelöst werden wird: „Schülerarbejten auf dem Gebiete des Werkunterrichtes", „Der physikalische Unterricht", „Zeichnerische Darstellung", „Weibliche Handarbeiten", „Moderne Unterrichtsbehelfe", ,^Jugendschriften und Klassenlektüre", „Anschauungsbilder und künstlerischer Wandschmuck". Jede dieser Ausstellungen wird durch 14 Tage zugänglich gemacht werden. Die gegenwärtige Ausstellung zerfallt in drei Abteilungen, in eine Ausstellung von Schülerschriften, in eine Ausstellung von Schülerzeichnungen und Schulreformliteratur. Die außerordentlich interessante SchriftenouSstellung zeigt zwei Unterabteilungen. In der einen werden durch das vom Fachlehrer A. Legrün beigestellte für den Fachmamr sehr wertvolle und für den Laien äußerst interessante Material die Folgen der Verwendung der Liniensysteme vavgeführt, in der anderen wird an zahlreichen von Bezirksschulinspektor Steiskal gesammelten Schriftproben von Schulkindern der ersten zlver 'Schuljahre der Unterschied zwischen vierlinigew, einlinigem und linienlosem Schreiben gezeigt. Die Zeichenausstellung zeigt die Ergebnisse von fünf psychologisch höchst interessanten Versuchen des Zeichemnechodikers Richard Rothe, Fachreferenten im Unterrichtsministerium, der entgegen den Anschauungen anderer Psychologen die kindlichen Zeichner nach zwei streng getrennten Begabungsrichtungen in Impressionisten und Expressionisten scheidet. Jmpressionfften sind die Umrißzeichner, die das z-eichnM, ivas, sie gesehen haben, die bisher schlechtiveg die zeichnerisch Begabten genannt würden.' Expressionisten sind die, die Vas zeichnen, was sie -wissen, und das ist die große Mehrzahl der SchMr. Sie bringen keim geschlossene Umrißsinich sondern bauen das Ganze aus den Teilen Ms, sie konstruieren, sie bringen einen Ausdruck, eine Zu« sanmrenfassung dessen, was sie vom Dinge wissenaber nicht die Niederschrift eines optischen ZufaMMs^ einer Impression. Damit erklären sich auch die Mißerfolge des vergangenen Zeicheckmterrichtes, der nur auf Impressionisten eingestellt war. Bon ganz besonderem Jnterche sind die ZusaMnttv> steÜUttgen der zu den einzelnen ReformsvaM erschienettM Literatur, die mehrere VitriMn - füll-em Swunenstvert ist die Fülle vyn pädagogischer Kleinarbeit, die da gMstet wurde. Es gibt k-e'rm wesitttliche Reformfrage, die da nt Oesterreich nicht ihren Bearbeiter gefunden hätte. 150.000 Mat aus Amerika nach PalWno Merwkse». Me das amerKanische Keven Hajessod-Komitee mitteilt, wurden seil der Anwesenheit Dr. Weizmanns in Amerika 160.000 Dollar vom Keren Hajesso-- nach Palästina überwiesen. Ritualmordmarchen k» Kowno. . - Die Kownoer ^Jüdische Stimmt berichtet: Am 30. März gegen Abend lies eine polnische Frau durch die- Straßen und rief, ihr sechsjähriges Kind sei verschwunden. Sie drang in das Haus eines Thoraschreibers ein- und schrie, sie wolle den Keller durchsuchen, wo gewiß ihr Kind ermordet liege. In den Straßen sammelte sich eine große Menschenmenge an und der jüdischen B-evölkerumg bemächtigte sich eine große Panik. Die Situation wurde bedrohlich und erst als Miliz einschritt, zerstreute^ sich -die Menge. Die Frau verschwand, da ihr Vorhaben nicht geglückt war. __ Kleim Lokklchroulk. Für die GMrmndschaft, die die auf der Durchreise nach lder Tschecho-Slowakei befindlichen Araber m Men ger-ießen, revanchieren sich die braven Wüstensöhne dadurch, daß sie. Wiener Kausisnte beschwindeln. Gestern wurde einer der Araber, Kassrm Bim aus Tripolis, verhaftet, weil er in einem Geschäft einen größeren Geldbetrag gestohlen hatte. Der ungarischen Gräfin Hildegard Na ko wurde im Ostbahnhof gestern bei ihrer Ankunft Schmuck im Werte vor.«- 700 Millionen Kronen gestohlen. Am Ufer des DonauLanals spielte« vorgestern Knaben Fußball. Dabei ist einer der Jungen ins Wasser gefallen und in den Wellen verschwunden. Me Person des Verur.glückten ist Noch nicht festgesiM. *Das Neueste ist ... Das Neueste ist nämlich, daß eine Vurgtheaterkrise losgebrochsn ist. Keirner der Wiener Theater-- Verhältnisse behaupten, es sei die sechszehnte im Verlauf der letzten zwei Jahre, doch scheint das dem unbefangenen Beobachter durchaus unglaubhaft. Wer die Burgtheaterkrise nicht mehr zählt, sondern nur noch schätzt, würde mindestens die doppeltes Zahl annehmen. Aber die Nummer ist in diesem Fall gar nichts das Entscheidende, obwohl bei dieser unnumerierten Krise! Zahlen.die Hauptrolle spielen. Während sonst' die Ursachen her Thaterkrisen in der Regel in rein künstlerischen Momenten zu' suchen find, zUM Beispiel, weil es sich nicht mit der Auffassung' des ersten Liebhabers vertrug, als Othello eine schwarze Woll-. Perücke aufzusetzen, er vielmehr blonde Locken als strlgemäß er- AollleUeedtz Bezirkesektion leopoUstadt Jeden Donii^liktg^ ^ailgldäe Zusötttnenkunfte für Mitglieder und eingeführte Gäste Morgen Dönnerätag den 12. April 1. Jv 8 Uhr abends, im Cdfd Petzer, IL, Prateratrasse Schrifwteilet JOSEF GROB: VORLESUNG aus eigenen Werken m

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