Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1494 (11.4.1923)
- Date
- 1923-04-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980575--14393-3001124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
€Wte % 11. April 1928 K’;’,,?i'1:,liiP' M Wien, Mittwoch * *4wfc s. i *.' Ui'1 . _ ix >i-*w3EOn zu entrichten! i'l <,i4fej i . - * 'ff? iliach dresbetzöjgRch otögeholten Jnfovnrattonen kamt soligendes mitgetoitt Werdau:- *Ms Jopcmererklärte ein japanischer Diplomat, ,haWn sich vMnhclltÄch der Balso.urschen,Erklännrg ange-, Moffsn; sie bsgjLnstiyM %k Schaffturg onver nationalen He'rmstäte für die Juden mH haben den vorischrcdenen züuusiifchm Vertretern wiedecholt Ore Shmpachie ansgedrückt." Ein bekannter chinesischer Gelehrter, der gogeujvärt-ig in Wien wollt, äußert sich im fÄsn Ginne: „Es ist Wrr. gerecht, wenn man heute, ivo -Msrall von nationaler Be-, sromng gäspvocherv wird und inan den verschiödeaPM. Völkern klutonomie Abt, auch den Juden, die sich, wie die Geschichte leigt, um die Menschheit große Derdbenfte erüvorlben haben, das Recht zu einem eigenen Staategibt mrd ihnen behiWch Dt^ dichen ihren Staat auWbauen." Der bckmmte indisch«Wissenschaftler D Ro^ sagte: Mr, die wir IE Mn unsere SeMstmchiOeit kämpftn, M- -en am deutlichsten die Bestrebungen der Juden nachompsiivßen. Und es wäre im höchsten Maße ungerecht, toeun wir tzder sonst jemvanL», der ojnen- Staat erftwdt oder gar schon ssinen solchen hat, den gleichen Bestrebungen anderer. Aindcr- ^isft in den Wog legen würden. Was speziell die Jriden archeßangt, so muß ich bemerken, daß es brr Menschheit im höchsten Grade als Undank angerechnet werden mutz, ' wenn sie tznmnrt ohne zu gaben. Und die Menschheit hat von den Juden Kultur, Ethik irrch Geist übemmmnen, ihnen dafür ihren nativ« imLen St-aat zu gebenist eine Wicht ncenschlichen Gewissens." Die Türken sind den Juden MgsMber bekaMftich jchr tokevavt; Pogrome und Num«Ws clausus sind dort ggnzsich unbÄamrte Begriffe. Ms Gründen, die mit der eingangs /rrwahnten WmslamiMchen Bewegung schammenhäugen, s-md sie — diese Wsicht erscheint heute durch hie. geänderten Mtischsn BechÄwisse Lä^ich veraltet — gegen MeStaatenistdung an Staate. Tenn für sie bedeutet die heutige Lage ie-iuen stabilen Zustawd. Därmoch sind sie bereit, den Juden die kwDmögsichste Autonomie MlHchevn, Ernst Wottr^ich. SHtff ÜW NllNÜmAk. (Bo» rchsepM Bukar^ßw K o^PovdÄW - Dre.emtisemiLischen AMchreitungen, bei weichende kerfügungen der Regierung vielfach umgangen werde», sieben naturgeMß den Gedanken einer politische» Schutzorganisation .der .Juden Gro^> sumäniens immer mehr in dm Bordergvmch gerückt. Diese Orga-nrsatiousbeftrebuugm werden zunächst in dm rinzelnen Gebieten desKömgresches als PvovttrzkÄ-Ortzamstrtionen durchgeführt, die, wenn die BorauHchnugen dafür gegeben fein werden, sich Kr einer edcheWchen Vertretung des Judentums in Großrumamen MsayvnmMeßen dürften. Inzwischen bestcht zwischen her Lertmrg des pB e r-b a n d e s d e r e i n h e j m i s ch e u I u d e.»" in R»r- Manien mw den einzelnen Regierungsstellen eine rege Fühlungnahme. Der Verband setzt alles daran, der Regierung alle Beschwerden der Juden und BorWäge zur Beseitigung der MWarwe vorWlegen. So hat vor einigen Dogen derSekre-Lar des Berbarwes M adg e r beim Untervichlsrnintster Anghe lesen vorgesprochen und dessen Ausrnerksamkett auf manche im Jusammen'hange mit der Judenfvage' bestehende AmnnalöÄ zelenkt. Das Unterrichtsministerium laßt alljährlich statistische Formulare drucken, welche in dm Schulen mit den entsprechenden Daten Äer die SchAer ausgeML werden. Im vorigen Schuljahr wurde.noch ein FormuEar verwendet, welches für die StaaMüvgerschaft zwei Rubriken hatte, und zwar die eme für die RuwäNen und die andere für die Frändev, mit der Bemerkung jedoch, daß auch die neuen rumänischen Staatsbürger in die Rubrik.„rumänisch" einzntragen seien. Das jetzt in Verwendung stehende neue Formular hat nun auch die Rubrrk für die Fremden in zivei Teile geteilt. Die eine dient, für die eigentlichen Stoatsfvemden, .-während die andere zur Emtragu-ng der „Fremden vrrmämscher SÄmAbüvWschaft^^ dient. Sekretär Madg er wies auf diese Anomalie hin wrd gab ßrtt Ateiwmg Ausdruck, ■ daß, auf diese Weise sich ein Numerus clausus für die'irMchischm Juden, hie nunmehr rumänische Staatsbürger srrch, hercmsbildrn konnte. Die Regierung habe nämlich mit RüMcht auf die Ueberfüllung der Hövsäle auf den Universitäten eine Einschxäntung der Zahl ausländischer aW wirklich fremder Hörer verfügt. Es besteht nun die Gefahr, daß bei AusvechtechÄtung iäeser Rubrizierung in den Schulen entgegen dem Sinne ldes Gesetzes und der Verfassung der Numerus elaufns auch für die Mischen StoatsbÄger RM durch die!Berfässtmg Staatsbürger geworden sind, angswendet swerden Vnnte. Mmister Angheleseu erklärte in.seiner Antwort, daß die Regierung keine solchen In- ‘i e n t i o n e n habe und daß die EmschränAng der Zahl!der HLretz. sich ausMeKich ans Ausländer, d. h. auf ifvemde Staatsbürger Leziche. Im übrigen versprach »daß in den künftigen.statMMn.WAmlaven Keinerlei- HüteHchied Kölschen MtwättWen» SjMtsMgevU '. 4Wgckt MM« Bergmann. ‘ Dr. Hugo. Berg mann, einer der wertvollsten Männer der jüdischerr Erneuerung, weilt auf der Durchreise nach Pmg vorübergehend in Wien, um einige wichtige Angelegenheiten der jüdischen NatiomlbiMothek zu erledigen: Bor allean will er in Wien den Transport der Bibliothek von Josef.Popper-Lynkeus nach Jerusalem veranlassen, die bekanntlich der jüngst derstorbene Dichterphilosoph der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem letztwillig vermacht hat. Ferner wird Doktor Bergmann den Wiener Aufenthalt benützen, um die Sammelarbeit für die Bibliothek in Wien zu fördem. Es ist ihm gelungen, sich in Rom ^die wertvolle, Unterstützung des italienischen Untertichtsministeriurns in Sachen der Mischen NattonalLiblivchek zu sichern, wie ja auch die f r a n z ö sische Regierung-durch die Zusendung von vielen hundert Bänden die jüdische Nattonalbibliothek außerordentlich beveichert hat. In der ganzen zivilisierteu Welt, insbesondere in Amerika, England und.Polen, sind Komitees an 'der Arbeit, das Kulturgut der neu erstandenen Jerusalemer Nationalbibliothek zu vergrößern und besonders geglückt ist die bisherige Arbeit des Berliner jüdischen Gelehrten Dr. Heinrich Löwe für^dis Nationalbibliothek. Hugo Bergmann mißt seinem Wiener Aufenthalt deshalb besondere Wichtigkeit bei, weil die Organisierung der Arbeit in Wien für die Bibliothek wegen des wiffenfchaftlichen Ruhmes, den . Wien genießt, und wegen der Sprache, ist welcher die Wiener Bücher geschrieben sind, von größter Wichttgkeit ist. Im jüdischen Palästina rangiert die deutsche Drache sofort hinter dw hebräischen und mssischen, und es Herrscht großes Verlcmgen nach den Memr wissenschaft- Kchen WsÄen mrf dem Gebiet der Juris PM d e n z, dse Geschichte und Soziologie. " -Dr. Bergnimm wiÄ seinen AuferHalt in Europa- Mrr auch dazu benützen, üm fü« d e n Pälästi n ä- Grundfonds, den Ke re n Ha je s so d, zu wirken. Da die Zionistische Opgamsatton in Oesterreich gerade jetzt in in-enftv^ Arbett für deu^Keren Hajefsod dMikffen ist, dürften die Aeutzerungm eines so hervorragenden Mannes wie Dr. Hugo Bergmann, über die Lage vt Palästina mrd Wer bk Notwendigkeit größter Anstrengungen zur BerfiäMmg des Keren Hajessod von besonderem Interesse sein. . Dv. Hugo Bergmann äußerte sich einem unserer MtaÄbertzer gegenüber ungefähr folgerchermaßen: ,0k wissen, daß die augeMickliche Lage in Palästina nicht rosig ist und Ihr Blatt hält sich nüt Recht von jeder SWnfärHevei fem. Die Krise in Palästina — das Wort ,Mise" erscheint mir in diesem Falle zu schivach — ist vor allem eine Krise des Keren Hajessod, well der Palästina-Grundfonds die einzige Institution ist, welche gegenwärtig für den Palästina-A ufb a u i n B et rächt k o m m t. Die drei wichtigsten, Zweige her AufbMrbeit: die kulturelle Siedlung, die ärztliche.Fürsorge und Sanierung sowie das MtervichtÄvesen hänge» ' völlrg v.om Keren Hajessod a b. Durch die geringe» Eingänge unseres Staatsfö-M sind' diese drei Zweige üngehemr gehemmt. So 'hat z. P. die Leitung dev ^Hadassa" <Kes amerstanifchen AeWchAfswerA) vor meiner Abreise beschlössen, das E^iM in Del-Äwiw (Besag 80 Betten) zu Mießen, und man fürchtrt, daß auch äüdeve Spitäler awpie Peihe körn-, men werdw. Die Stadtverwaltung von Tet- Awiw und die Arbeiterkra-Nkenkasse Mächen allerdings die größten Nnskrengunge», den Betrieb des Spitales wenigstens in Leschvankteni Maße aufrecht zu echatteu, aber so west däs Spital -vom Keren Hajessod erhälten wurde, kann es wohl nicht werter bestehen, wobei zu erwägen ist, daß nebst dem Jerusalemer Krankenhaus das Spital von Del-Awiw das zentrale S P i t a l des neuen Jischuw tvar. Jm ag rikultureXien Budget des Keren Hajessod wurden twtz des Protestes der Acheiterschaft solche Kürzungen Vörgenömnren, daß die ganze F-r ü h j a h r sarbeit in Frage steht. . Die schwerste Folge diesot Budgriknrzung ist «cher, daß die Arbeitslosigkeit in diesem. Hahi^e msi Einbruch des Kühlings' n i ch t b ehoben werden kann, während ' dies' früher infolge de- Bedarfes an ÄrbeitMisten für die Landwirtschaft möglich War. .'-v. - .. > _ Das Versagen des Keren Hajessod wegen nicht genügerwrr Eingänge zeigj: sich ferner darin, daß die Jmmi- .gration weder den gewünschten Umfang anninlmt noch Vtch,. .haß das erforderliche Menschenmaterial ins Land gebracht werden kan». Die Einwanderung setzt sich gegenwärtig vornehmlich , aus n a ch k o.m m.e n d e ».. Fa m is ill g ng/eh-Ü' rig e n znsaWNM. Wd Mp-M^gerM i M. dar snLmwrvcksL Mr die m&m komurenden ANverwandterr bereits Seßhafter muß man., dabei ebenso sorgen und Auswertungen machen, wie für j Palästma-Plonieve,. -während doch nur diese letzteren, die: Chaluzim, später die für den Aufba» .notwendigen pro-) duktiv an Elemen te sürd. An dieser Erscheinung trägst -leider auch die R-egieru^ng schuld, denndie Fauiilienange-,j hörigen bekonrmen die Erlaubnis zur EiMvanderung,! während für die.so nötigen Urbeiterrinwanderer n o ch immer Beschränkungen h-estehen. Eine wLitere^j Folge ist, daß die Wrzahl der!hibräisch sprechenden palä-! stinensrschen Juden in der letzten Zeit relativ grruiger, ivurde. Sie häben von der Fertigstellung der erste n e l e k-s irischen Kraftstation im Rahmen des sogenanntep^ Ruchenberg-Pvojekts gehört. In Del-Aüviw sicht das riesige Gebäude dieser ersten Kvaftstation nicht nur Palästinas, sondern des gesamten Orients, die von jüdischen Ingenvmren und jüdischen Arbeitern errichtet wurde. Aber gerade dirses mächtige Gebäude erinnert andie großartige Baubewegung m Palästina, die infolge der tristen Lage bei Anbruch der Bausaison ui cht im wünschenswerten Maße fortgesetzt werden kann, tv-S ebenfalls die Arbeitslosigkeit im Lande erhöht. Durch die Veveinigten Kredite des Keren .Hajessod^ und der Brandeis-Gruppe wurden m der U-Mgebnüg von Tel-Mwiw bisnun drei prächtige Siedlungen, nämlich dir Nordau-Siedlung, die Bovuchow-Siedkmg 'und Jr-Gamm errichtet, ferner m der Nähe von Jerusirkum die beiden Siedlungen Dalpioth. und Bone-Baijtth. Alle fünf Gablungen sind durchaus von jüdischen Arbritom gebaut Wörden. Wie es vor zwei Jähren gelungen ist, ausgezeichnet« jüdische Straße narb eiten zn ertzielen, gelang es späterhin, hochqualifizierte jüdische Bauarbeit-rt in immer größerer Anzahl änszubijldei^ Dies war nur möglich nn Wege der kooperativen Organisation derÄrbeiterschast,welche.durch daS- MtüMlcke. KähM^ 'durch de» Keren Hajessod, gestützt wurde. Diese Arbeiterorganisatton, dir Misrad l'Äwodoth' Ziburioth, die gsgemtvärtig 3000 Arbeiter umfaßt und be-. strebt ist, sich stchöchg zu erweitern, läßt ihre^^ Mitglieder schichtenwerse arbeiten und nur so ist es möglich, auch bei steter Erhöhung -der Arbeiterzahl über die Krise hrnweAzukommen. Diese Arbeiterorganisation steht jetzt ganz aus eigenen Füßen und ist heute die größte Unternehme rfirma des Landes. Da diese, ArbeAerorganisatiou ein Interesse hat, die Genossen zü beschäftigen und' neue j Genossen ausßunehinen, imrß sie forttvWvend A-rbeitj suchen, und das heißt, Arbeit schaffen. So ift g. der Initiative dieser kooperativen Arbetterorgänisatton die Errichtung der herrlichen Avenue in Del-Äwiw, der Msmbystraße, zu danken, welche bis zum Meer führt. Hier zeigt sich vor allem der große soziale Wert des Keren Hajessod. Es soll auch besonders vermerkt sein, daß sich die englische Regirrung dieser Arbeiterorganisation bedient Und,ihr unter anderem die Drainage eines großen Militärlagers übertragen hat. Die wichtigste und aktuellste Aufgabe des Keren Ha» jessod,. die er nm. dann glücklich lösen kann, wenn di« StemMsttmgen der europäischen Judenschckft zur Bildung des nattonalen Kapitals reicher fließen, ist die E r r i chtung landwirtschaftlichev Siedlungen im Umkreis der Städte. Es hcnchelt sich um kle'me, aus fünf Dunmn beschränkte Wirtschaften mit minimalem Bichstand, etwa mit eimr Kuh. So wird bewirkt, daß die städtischen Arbeiter, d've nur einige Tage der Woche im Lohn sichen, mit ihrer Familie durch Selbstversorgung und Mit arbeit der Familie zu einer normalen LebenGaltnng'gelangen. Solche landwirtschaftliche Siedlungen werden aber auch die moralische Stütze und das Entgelt für diejenigen sein, die als ausgebildete LandLvirtschaftler nach Evez Israel kamen und bisnün beim Bau von Straßes und Hausern sestgrhailten blieben. ' ' Weiß inan es in der europäischen Judenschaft zu wür digen, WÄche sittli cheT a t unsere Palästtneustschen Ar< beiter vollbringen, 'wenn sie mch muen Ernwandevernimmer lauter rufen und sich selbst dir' Konkurrenz' ins Lartd bvriWN? -Man erwäge, daß rms-eve Arbeiter in.Polä-- stim heute bloß die H ä l f t e oder gar nur ein. D rittet j e n e s E % x ft e «3 m i it i m u nt I verdienen, das ihney^ nach dem ehernen Ähngesttze zukäme. Nicht zu vergesse», daß auch das Pr.rv'a\laPito\. dessen Betätigung allseits gewünscht wirdvöin W a ch stum des nationalen Kapitals, des Kere'st Hajessod, abhängt. Mn Bei-spiel: die SyMtfäM in Del-Äwiw steht M, Mil die nätiöMen Batchen kMen BauLvrdit griben können und die Produkte 'dieser Fabrik Uq folge dessen keinen Absatz finden« Diese Tatsachen müssen'hl«! ^Lander anspornm,/Mt.weniger eW'hemig.M