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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-11 · Heft 1494 (11.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1494 (11.4.1923)
Date
1923-04-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ppAimnnerSlOOO W i e p: Zum Abholen in der peditionlH.,Taborstr.l»3, oder in einer VerocfcleisateUe (Trafik) monatl. K 28.000 M&FosWersand für Wien«. OÄiterr. monatil K 28.000 Ts eh ech o-SIowake is Mon. K17. Ungarn: Mob, K600.Jugoslawien: Mon, War 3b. Po.lent Mon. Mlc.10.000.Deuf schland: Mon. Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 DU» Naohsablungen “WU bei Preiserhöhungen Vorbehaltes v-'S ' 1 1 * -’i' lener r«di«cfie «Siowaktl ■ tschech. K t**r'~* ' Italien: Monatl. 10 Lira Romanien» Bulgarien Monatl, 75 Leibezw. Lewa^ Schweiz und das übrige, Ausland monatlich 'Frc&»:3j Redaktion u.Ädministroriön! Wien, II., Taborstrasae 1—3. Telephone: 44-0-38,'43-3-19,] ab 6 Uhr abds.19-483,16^3011 Tel-Adr.: ,Morgerizeitung0l Wien Oesteneichisches Postspar-; kaasen-Konto Nr. 150,693 Rr. 1494 asten. Mittwoch. 11, Wrll 1923 5. LMscher Medemnsba«. -y. Wien, 11. Avril. In der Türkei hat die Wahlkampagne begonnen. ie Angora-Kammer, das a-uf das nationalisttsche Gemse Werführte Rumpfparlament, das bis zum Kriegsende in Äonftanünopel getagt hatte, nähert sich dem Müde ihrer Legislaturperiode und sie steht naturgemäß an alletl ihren Debatten und Beschlüssen unter dem schweren Druck der politischen Agonie, und wie es auch jin anderen Körperschaften solcher Art ' zu geschehen pflegt, ükberbietet sich die Opposition an Radikalismus. Es ist .auch in der Türker fo wie in Europa, und die Entwicklung der politischen Ideen durch die drei Stadien der Bockereittmg, oes Entschlusses und der Ausführung zeigt auch dort die gleichen dunklen Stellen. Es gibt auch in der türkischen Kammer Personen, die nicht bei der Tat zu sehen waren, aber jetzt mit der Kritik hervortreten, die sie der. Natur der Sache..nach, weil ja Neuwahlen kommen,. stark, persönlich fätben. Keine politische Bewegung ist von dieser Erscheinung frei, und die Geschichte jÄer Idee weiß davon zu. erzählen, daß jeder Schritt, jede Absicht der durch Geschick oder Wahl zur Leitung Berufenen nachher die schärfste Beurteilung findet, die gerade von jenen am erbarmungslosesten ge-' übt wird, die m den entscheidenden Augenblicken ftrn von . jeder Verantwortung und Entschlußnotwendigkeit sich, ihres oppositionellen Lebens freutest. Mustafa Kemal, der, wie immer man seine politische Richtung einschätzen mag, doch in schicksalsschwerer Stunde den Mut zur Lat fand und seiner niedergebrochenen Nation, neues SeMtLewußffein ejnstößLe, muß 'sich jetzt - mit seinen iGegnern in He' 'HaÜMex' 'cMerngrchersi^esi?^Er' will mrzttch uver eme smn^ RedeN'beWwt,M^ dev"er den^ jin Smyrna versammelten MrtschastÄöUtzckß beschwor,' jbom Schwert zum Pflug zurüctzuMrew Als Leiter des ltzeeres kennt er die Grenzen der' Widerstandsfähigkeit des Heeres und damit auch des BÄkes, und er will das Sichere dem Unsicheren vorziehen. Das türkische Volk geht seit zehn Jahren durch den jKrieg und die innere Krise. Seit dem jungtürkischen Aufstand bis zum heutigen Tage hat das Reich keine jvuchige Minute gehabt, und alle die nachfolgenden sSturme konnten an seiner inneren Geschlossenheit nicht spurlos Vorbeigehen. Die Türkei hat in dieser Zeit ihren Europäischen und. afrikanischen Besitz zur Gänze, ihren Asiatischen' zu einem sehr großen Teil verloren, und sie (ist heute, selbst nach demsieMeichen Krieg, nur ein jSchatten der einstigen Großmacht. Sie ist zwar noch Sner ein Staat von anschnlicher territorialer Ausmmg, sie hat auch an Autorität in der islamitischen sslLelt gewonnen, aber die schweren Blutverluste der Zehnjährigen Erschütterung und der ' Verlust reicher Mrtschaftscfuellen stellen die tüMsche HoMk für sehr lange Zeit vor. die unbedingte Notwendigkeit des Frie-. dens. Günstig für den Staat ist ehtjtg der Umstand, daß jdie nichttürkischen Minderheiten auf einen geringen Eiest znsmnmengeschmolzen sind, daß also ein ziemlich omogenes Volk in die neue Zeit hineingeht. Die Aufgaben, die es §u lösen hat, sind außerordentlich schwer. Mustafa Kenia! hat eine VoKsparter Imit einem ausgesprochenen Friedenscharakter gebildet jund ihr Programm in einer Wahlversammlung erklärt. jEs muß das Transportwesen, erneuert, die Gesetzgebung Modernisiert, die Landwirtschaft, das Schulwesen geihoben und schließlich der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete in Angriff genommen werden. .Das ist ein Programm, das ohne innere und äußere Rühe nicht verwirklicht, ja kaum begonnen werden kann. Es wäre notwendig, daß die europäischen Mächte diese Sachlage anerkennen und der Türkei in dem abschließenden Frieden, nichts Unannehmbares zmrmten. Es ist aber auch kür die Führer der türkischen Politik notwendig, die für die Ausrichtung der Wirtschaft notwendigen Kräfte heranzuziehen und zu organisieren. Auf diesem Gebiete ist es mir notwendig, die seit jeher.bestandene Freundschaft zwischen Türken und Juden zu erneuern und die wirtschaftlichen Fähigkeiten der so hochstehenden jüdischen 8^völkernng der Türkei dem Allgemeinwohl dienstbar zu machen.. Die .Juden der Türkei' haben keine dem Staat, widerstvebemien Interessen' und "sie sind kein Werkzeug irgendeiner äußeren Macht. Auch die im Wnjdchr begriffene jüdische' Konzentvatipn in Palästina tzaygiert kein türkisches StaatsinterW, und' sie vollzieht sM durchaus auf einer Basis, die heute abseits vom tüMHu Staat und Volk liest. Den wfttkchaWcheu Ae Lage im Ruhrgebiet. Sie Beisetzung der Sssener Arbeiter. Essen, 10. April. (Tel.-Komp.) Heute vormittags fand hier die feierliche Beisetzung der von den Franzosen am KarsaMtag erschosiemn Arbnter und . Angestellten auf dem Kruppschen Friedhose vor den Toren von Esten statt. Der Weg bis zum Friedhöfe war von dergesamten Belegschaft der Kruppschen Werke*umsäumt gehalten. Eine ungeheure Menschenmenge man schätzt.sie auf eine halbe Million — folgte den Särgen, und es dauerte mehrere Stunden, bis der Zug an den offenen Gräbern vovbeidefiliert war. Die Stadt selbst zeigte in den Vormittags- und Mittagsstunden einen vollständig toten Anblick, da der Verkehr eingestellt und die Läden geschlossen waren. Irgendwelche Zwischenfälle hatten sich nicht ereignet. Die Franzosen -Hatten ihre. Zusage, die Straßen nicht zu ■ betreten, schalten, so daß man bereits frühmorgens keinen -französischen Soldaten in Uniform auf den Straßen sah. j 1 Keine Herabsetzung der französischen Paris, 10. April. (Hävas.) : Der diplomattsche Mit-' arbeiter der Agenoe Havas erfahrt, Ministerpräsident P o i n c a r e werde bei der. kommenden Sonntag erfolgenden Einweihung der Kriegerdenkmäler in Dünkirchen den' StcrndfAnkt -dep französischen Regierung bezüglich, tzes.. Re- PavationsPrMerys: K e r n e..H e ra bfe tz u.n g der französischen Zahlungsforderung ' und AufxechtcrhaW tu ng/der Besetzung.des Ruhrgebietes bis zur Erfüllung! der Verpflichtungen seitens Deutschlands neuerdings he-i kräftigen. Loücheur ' werde als Deputterter'des Departenrents Nord der Feierlichkeit beiwohnen. ' Staatrsdretiir Hm« tztttzaftet. Berlin, 10. April. (Wölff.) Der von der ReiDrMerüna nach Esten entsandte Staatssekretär Hamm fft sir Scharst-! Horst von den Franzosen verhaftet worden. Mtzevdem vmr-! den der frühere Reichspostminister Giesberts, der frühere Preußische Ministerpräsident Stegerwald sowie der Iüdustrielle Hugo Stinnes verhaftet, aber heute morgens wieder! fveigelaffen. Die Verhaftung des Maatssekretärs Hamm wird noch auftecht erhalten. > ' Sar Befinden »mar Laws. Lond»«, 10. April. (Wolfs.) '„Pall Mall -nd G»be" erfährt von maßgebender Seite, daß, obwohl das.Ällge-j meinbefinden Bonar Laws keinen Anlaß!zu Besorg«! nis gäbe, doch Spezialisten, die zu Rate gezogen worden! seien,-wenig Hofstmng auf eine baldige Besserung der hartnäckigen K e h! k o p f b e s ch werden haben,' miermmister war heute'im Uuterhaus anwesend. Er beant-, wortetejedoch keine der" an. ihn gestellten Fragen, auf die! statt seiner Münster B'a l d w i n erwiderte. Wert'der. iü itt peH. aiMrevend^n Geltung gestiegen ist, große und' fi für.- ihr Werk M mMsisieren. - Die Türkei ist übel beraten, wenn sie jetzt am Beginne einer neuen Enttvichlung, den EinMsterungen europäischen Gesindels folgend, zu - UnterdrückungsmaßM'hmen f gegen jüdische Siedelungen sich verlocken läßt. Es ist ein. sehr falscher Schritt, wenn die Kemalisteu getzt. die Wische Bevölkewng von Smyvna mit Steuern und Kontvibutionen drangsalieren. Das Schicksal Salonikis, das zu einem Dorf geworden ist, ' sollte ihnen warnend vor, Augen stehen.' Ohne, die Mthrlfe der jüdischen Bevölkerung kann es keinen Wiederaushau der Türkei Men. Dagegen ist das Wische Volk sehr wohl in der Lage, der Türkei die intellektuellen. Kräfte ' zur Verfügung zu stellen, die sie heute nicht besitzt. Und unter-^der breiten.BMlkeruM AKcherwHe.. ütt den UnWHuÄf^müMchketten M' st^ich^n nttd!rWei«ü'We«t- PamsiatiMw. Die Stellungnahme asiatischer BStter zmn Jndenstaate. Im Spiel drr politischen Kräfte hat ein gut gomachtes Schlagwott oft n<^hihaltiger einTewirlkt als das. bestauW°> avbeitete, spitzfindigste Programm. Als. Präsident M o n x o c ün Icchhe 1828 itt- LWer, dem Bufmetzman eigenen, ruhigen Weise „Amerika den AmerÄanern!" ausvief, ahnte wohl, niemand, daß in dwhä'ltnismäßig: kurzer Zeit dieses ,in der PvlW-. seeLe tief. Wurzel fassende.Wort bon anderen Völkern übernommen tvechen^ würde. Das. territoriale LöslöisürrgsbestrÄen, das der amerikanischen Devise zugrunde lag, 'würde von den exot-vschen. Völkern, Annächst den Asiaten/.später den Afrikanern, mit RassenLmanzipationsÄbjsichten verbunden. Der BölkewuÄan Hochasiens war lange Zeit hindurch untätig; aber in seinem Innern sammelten sich unterdessen unvechrauchte Energie mengen an, bis sie durch das geschickt hingeworsene „As \ e n den Asiaten!" das Ventil M-Mnentärerr Entladung fänden: Der Pä n a s i a t i s m u s war geboren. Diese neue Bewegung, von Europa noch viel zu wenig be^ achtet, ist 'eigenMch das Pvodnkt zweier, auch heute'' noch' fort* wwkender.Belwegungen: der Panislam'itischen,und der Paniüranischen Bewegung. Die panislaMitiische Belwegurrg hat als solche erst, mit Vvginn dieses Jahrhunderts eingesetzt; es war ..die Zeit, in der die ÄvloniaDölker zu „erivachen" begannen. Die NHustieidsnheit. mit. dem, fremden Regime, tuurde. von.der vmn Kali-' sät ausgehenden religiösen ^Propaganda' ausgenützt;' unb 'waS den europäischen Missionären nicht gelang, brachte der Islam .in kürzer -Zeit .zwoehet - mehr - nnid mehr duMiringt diese, politisch stäÄ gefäMe' Religion däs innere Miän.' Heute schon gilbt es dort^eine ununterbrochene Kette mohammredLndscher Völker, die alle 'durch iMchicktt Guggettevünig des natiäMen Desreiungsidsales imwer lauter nach'positiischer Freiheit rufen. Und je stärker der. Drangs ^sich' ses-bst zu 'regieren, hervottritt, dkfto «ehr Werpe« biefe Völker auch' Mer Mionaleü ' Einhött geengt svcht), macht der PamÄMnisnMs!Fottschritte. Die Bewe-j gung mufäßt 'auch alle PartsivichtungM, weil - sie ihnen alle«;' Mcherweise der-Weg zur., VLribesftrunig der fiozialeu Lage zr^ sein scheint. Daher richtet sich auch die . ganze Bewsgung nicht foj sehr gegen die verschiedenen europäischen 'Einrichtungen als: vielmehr gegen-die polit'i'sche HerrschaftMnvpas-über, MvhaMmedanische Volker und gipfeü in der Zufaimmenfastu^ aller 'Muselmanen -und ihrer Beherrschung durchdie islamÜ tische Weltmacht, der Türkei, veKo.- des^^ Kalifats.' - Die andere, Pa -n t u rä n i s che Bewegung ist im Uyter-> ' schied von der vel-igiöis-on pamÄlamit-ischon' e»ine -völkische; siü erstrebt den Zusammenschluß aller Wrkisch-tatarischen Bolks^ stämme. Ausgangspunkt dieser Bewegung fft die Türkei^ erstes Betätigungsfeld Turke fta n. .Im Kriege verlegte die Türkei das HauptigÄvicht der militärischen Operationen auf kaukasische Offensiven^ durch die sie ' Verbindung mit bettj Turaniern suchte..Ein Erfolg in dieser Hinsicht war di^ mit Hllfe türkischer OffGere ziustande gekommene tatarische; Stäateugvünduwg Aserbaidschan. .S6lLst als die Bolsche-: wiken wch dem ZusammenbMch der Mttelmächte. vorrückten und -dieses Gebiet besetzten, mußten sie diesen Völkern voll«! Autonomie gewähren; heute gibt es außer der SowjetvepübM AserbeiAschan noch die selLständigen T a i är e n- und B a s ch^ kirenrepubiiken. Die pantmranische Bewegung ist oben am Werke, diese selbständlgen Staaten zusammienzuschließLu und! sie dann der Türkei näherzubringen. Der Panturauismusi erhofft ein Reich von^K o«st a n ti no pel bis zum Altais gebirge. Allerdings ist diese Bewegung noch nicht ganz aus-, gerefft und daher auch nicht mtt voller Stärke ans den Plan! getreten. Die Angora-Regierung bedient sich in geschickter Weist beider Bewegungen. Stärksten Widerhall fand die SeWandigkeitIbewsgung^ in« Indien. Ihr Führer ist Gand h i, der den Indern, jegliches^' Zusammenarbeiten mit den Ewgländerir verbot. Seine Beilegung - verstand es, den Gegensatz' zwischen Hindus und 'Mos-- ibrms zu üLerbrücken, mn vereint gegen England marschieren zu' können. JMens Beispiel ermuntert natürlich auch die an* deren Völker. - v Ein geistiger Führer der pakvasiatffchvn Bewegung ist' n. a. auch der japanische Wiffenschastker Nakoha'mato, der. wiadecholt «Märt«,-'daß Wen . die Hegommiie über sich sokbst erhalten ümsst.- Er 'anerkennt' nicht den Mandpllnkt Europas daß die asiatischen-Völker noch nicht -reff zur SevbständWken wür-ey, -da dies am bfften - durch Japan rmd die Türkei widerlegt würde?,Mir'wollenür ÄsMn -Nationen -und nicht 'KolymaDvöMer!" ruft er ans. r; Die panasiatische Bewegullig ist auch ssnr die. Judeyschast von großem JUteresse. Taucht doch sitt sie die Frage «iff,' .w'i« sich die asiatffchen BAker wäL)vend. noch nvdfyc aber nöch Durchs Whwmy der Bewvgnyg gm PEPiva-GtaQt«

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