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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-08 · Heft 1491 (8.4.1923) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1491 (8.4.1923)
Date
1923-04-08
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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0&- 1491- Wieu, SoSndag ♦ V, Zu Zürich rotiette Jbie. österreichische Krone . . 0.0076'/, ( 0.0076'/, am 6. April) hie Lsterr.. gestempelte Krvue 0.0077'/, ( 0.0078 am 6. April) die tschechische Krone ... 16.27'/, ( 16.25 am 6. April) hie Mark . .... ... 0.0260 ( 0.0266 am 6. April) Holland ......... 213.90 (213.66 mn 6. April) Reto-^jork . « . « , » » . 546.60 (544anl 6. April) London ......... 25.44 ( 25.41 am 6. April) Paris ......... 36.15 ( 35.76 am 6. April) Atailand. 27.10 ( 27.05 im 6. April) Belgrad.. . 6.45 ( 5.42 V* frut 6. April) Bnlorest.. —■ sm 6. April) Sosta ......... 4.15 ( 4.10 4m 6. April) Budapest ........ 0.12'/, ( 0.12'/, firn 6. April) Warschwl . . . ..... 0.0135 ( 0.0140 am 6, April) Cs scheint, als ob sich auch auf dem Börsenparkett der Frühling einstellen wollte. Wer die letzten Börsenberichte verfolgte» konnte mit Verwunderung das Steiger, der Papiere und die feste Tendenz, die sich allmählich durchbrach, beobachten. Mit ausländischen Käufen hat es angefangen und mit der IHaussestnrmrung des Wiener Publikums wird es fortgesetzt. Allerdings haben nicht die Mammutpapiere die Riesensieigerung aufzuweisen. Es sind die kleinen Effekten, der bisher von der -retten Masse der Börsenspreler vernachlässigte „Mist", von ibem eS bisher immer hieß: „Nicht anrühren!", die sich jetzt regen Interesses erfreuen. Die Kurse dieser kleinen Papiere steigen um das Doppelte und das Dreifache. Sie überkollern sich im Wachsen. Man steht mit offenen Augen da, blickt darauf jmb kann sich das Wunder nicht ganz erklären. Ursache besten? Früher eimnal konnte immer für das ßteigen und Fallen eines PapiereS, für die feste oder schwache Tendenz der Börse irgendein logischer Grund gefunden werden. Doch'jetzt? Alle , die Kenner, die auf dem Börsenparkett er- .graut, die die Krisen- und Hausseperioden mehr als einmal durchgemacht, können keinen Grund dafür finden. Vor zwei und einem Jahre war die Inflation das Allheilmittel -er Entschuldigung. Die Krone sank, deswegen mußten die Valuten« Papiere steigen, die heimischen' Werte folgten nach: Die Auswirkungen. der Inflation waren immer zweifellos Las beste ^Gärungsmittel. Jetzt aber ist die Krone seit sechs Monaten stabil. Offizielle und nichtoffizielle Kreise behaupten steif und fest, sie werde auch weiter stabil bleiben. Die österreichische. Negierung denkt nach der gestrigen Rede -eS Finanzministers Kar Nicht daran, irgendwelche Stützungsaktion für die Ktone zuunternehmen. Don einem Fallen der Krone ist auf absehbare Zeit ebenfalls keine- Rede. Ein anderes, sonst eventuell ins Feld geführtes Argument, die größere Beschäftigung eines Unternehmens, kann jetzt auch nicht als Ursache herhalteu. Die Krise lastet schwer aus dem Wirtschaftsleben Oesterreichs und behindert die Entwicklung der Produktiön. Die Zahl der ArbeitL- Lrsen ist fast dieselbe geblieben. Die Notstandsarbeiten, die wohl Kn deu Erklärungen der Regierung und der einzelnen autoamten Behörden einen breiten Raum einnehmen und mit denen die Regierung nicht genug Aufhebens machen kann, weil sie im Rahmen der produktiven ArbeitSlosenfürsorge der Beschäftigungslosigkeit entgegenwirken soll, sind verhältnismäßig gering. Wenn schon bisher aus Grund dieser Notstandsarbeiten viertausend Arbeiter Beschäftigung finden konnten, ist dies doch im Verhältnis zur großen arbeitslosen Armee eine verschwindend geringe Zahl. Ein Tropfen auf einen heißen Stein. In einem der wichtigsten Produktionszweige Oesterreichs, in her Maschinenindustrie, in der chemischen Industrie und m anderen Industriezweigen, ist die Krise noch sehr schwer fühlbar. Die vielgeriihmten isländischen Aufträge haben sich nur bei vereinzelten Untemehmungen eingestellt. In einzelnen Zweigen erzeugt die österreichische P^duktton um 25 Prozent teurer ihre Waren, als diese auf dem Weltmärkte von den anderen Staaten angeboren werden.. Unter diesen Umständen ist aus einen günstigen Beschäftigungsgrad in den Industrien, welche durch die auf der Börse gehandelten Jndustriewerten repräsentiert werdennicht zu rechnen. Die günstigen, Jahresbilanzen der Banken und Industrien können auch nicht allzu Kloße Hoffnungen erwecken. Eine Bankdividende von 3600 K. dies ist die Durchschnittshöhe der Bankendividenden, auf Welche allgemein gerechnet wird — bedeutet in Goldkronen umgerechnet, nicht mehr als 20 Friedensheller. Und selbst, wenn man dies schon bet dem geringen Werte als Berzinsungsmaßstab nimmt, ist dies auch, wenn ht Betracht gezogen wird, -aß heute eins wichtigere Bankaktie zirka 160.000 K. kostet, eine S bis 4 prozentige Verzinsung. Bei den derzeit in Mitteleuropa herrschenden' Zinssätzen, wo für gut fundierten Kredit mit Leichtigkeit 8 Prozent gerechnet werden können, eine minimale Kapitalsverzinsung. Welches mögen also die Ursachen für dieses Emporflackern eer Kurse sein? Vielleicht sind sie nicht so sehr in der Wirtschaft!rm allgemeinen «nd in der Privatwirtschaft der einzelnen Individuen zu suchen, als vielmehr in Umstünden, welche vollkommen außerhalb der Wirtschaft stehen? Eines der wichtigsten Montente ist die sich hier betätigende Wirtschäftspsychologie der Massen. Sie ist noch lange nicht erforscht, daß man hier Ursache und Wirkung detailliert beschreiben Wnn'te. Die bessere Stimmung, die sich vielleicht tu dem einen Papier äußert, wirkt massensuggestiv auf das Publikum und ierstrockt sich bald auf andere Papiere. Die Spielerpsychologie!des Börsenpublikums glaubt am ehesten den Erfolg in einem steigenden Papier zu sehen. Ein Papier ist lange vernachlässigt. Kaum aber wird eine kleine Bewegung darin bemerkt, wie eia Vwin sich dmalam Lebt, wett» eine Kröte unter Mr M vw» Wiener; Movgenzeitung. 8. April 1928 Sei.te.1L Winterschlafs erhebt, so erweckt schon dieses kleine, allmähliche Austauen ans dem Nrchestande sofort die Aufmerksamkeit aller. Die Masse stürzt sich daraus'und 'sucht auf jede mögliche Weise, sich dasselbe änzueignen. Je stärker das Papier steigt, desto mehr wird es begehrt, desto stärker steigt sein Kurs. Jeder will es haben, bis es seinen Kulminationspunkt.erreicht und diejenigen, die um jene Zeit eingestiegen, dann» blutig draufzahlen müssen. Wann dieser Kulminationspunkt aber erreicht ist, dies zu ermessen, fehlt der Masse fast immer die Erkenntnis. Sie rennt dem Papiere nach, bis ihr der Atem ausgeht. In der Periode des Steigens werden die haarsträubendsten Momente herangezogen, die dieses Steigen begründen sollen. Das Gerücht flattert auf. Einmal heißt es, irgendeine kompakte Grrcppe wolle sich dieses Papier aneignen/und wenn auch.von den Syndikatstellen mit noch' so großer Beharrlichkeit festgestellt wird, baß ihr die Majorität nicht genommen werden könne, wenn auch die Generalversammlung dieses Unternehmens ganz klar beweist. Laß jeder, der in diese Majorität nur eine geringe Bresche schlagen wollte, sich einen blutigen Kopf holen würde, daß ein solcher Majoritätskampf ganz wahnsinnig wäre, so läßt sich die Masse dennoch nicht von ihrer vorgefaßten Meinung abbringen, glaubt trotzdem an das Gerücht und verhilft dem Papiere zum weiteren Steigen. Das andere Mal wieder heißt e§, das ausländische Kapital habe sich an dem und dem Unter- , nehmen stärker beteiligt. Hie und da ist dies wohl der Fall. Im großen und ganzen aber hat das ausländische Kapital nur in einzelnen Fällen den Weg zur österreichischen Industrie gesunden. Hier ist wohl vergessen worden, daß das Ausland vor drei Jahren, knapp nach dem Zusammenbruche, sich in Oesterreich stärker beteiligen wollte.- Es hat dabei viel verloren. Papiere, für die damals 12 Pfund gezahlt wurden, kann der ausländische Kapitalist jetzt mit 12 Schilling einkaufen. Solche Verluste vergißt man vielleicht in Oesterreich, nicht aber im Auslande. So findet sich nur allmählich ünd-zögernd das Ausland wieder ein, welches langsam die Gewißheit erlangt, daß die österreichische Krone sich doch stabilisieren-werde. Wenn aber alle die Gerüchte, die über Auslandskäufeaufflattern, wahr sein würden, müßte Oesterreich von ausländischem Kapital überflutet sein. Davon kann leider noch lange Zeit keine Rede sein. Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Die Beteiligung Morgans an den Mafien" besagt noch nicht, daß er schon an vielen anderen Unternehmungen sich beteiligt habe. Und wenn Beitscher Magnesit im Auslande gut abgeschnitten hat, so heißt das noch lange nicht, daß der steirische Magnesit in der Qualität ebenso gut ist, daß das Ausland nach ihm lechzt. Es-sind nur einzelne Beispiele. ES könnten eine Unmasse anderer auf* gezählt werden. Wo Majovitäts- und Auslandskaufgerüchte nicht mehr ziehen, schafft das Gerücht gewaltige Lluftrage, welche sich aus dem Auslände eingestellt , haben, um der betreffenden Industrie erhöhte Beschäftigung zu verschaffen. W wird nicht bedachtdaß wenn -tatsächlich die Beschäftigimg-so groß wäre, die Zähl der Arbeitslosen keine so gewaltige wäre. Vom Ruhrkonflikt hat wohl die Eisenindustrie profitiert. Die minderwertige österreichische Braunkohle wird stärker zur Produktion herangezogen. Aber die deutsche Maschinenindustrie, die weltbekaimte deutsche Farbenrndustrie, die großen Industrien Böhmens suchen noch immer auf dem Weltmarkt ihr Absatzgebiet, «nd trotzdem die Reichsmark wieder gestiegen fit und da die Preise Deutschlands das Weltmarktniveau erreicht haben, beginnen sich auch die Jndustrieprodukte Deuschlanbs, der Tschecho-Slowakei, Englands, Amerikas den Weltmarktpreisen anzupaffen. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Absatzkrise auf dem Weltmarkt noch immer sehr groß ist. Wenn Felten und Guilleaume einige Aufträge erhalten hgben, heißt es noch lange nicht, daß alle anderen Industrien mit Aufträgen überschüttet find. Und wenn der Direktor einer' Holzinduslriegesellschaft in Italien wegen Anteilüberganges einer Forstgesellschast in Rumänien von einer italienischen Bank, welche bei dieser Forstgesellschast schwere Verluste erlitten hat, an sein Unternehmen verhandelt, so will das noch lange nicht bedeuten, daß das. Unternehmen dabei ei» so gewaltiges Geschäft gemacht hat, daß das unverhältnismäßig hohe Steigen dieses Papieres gerechtfertigt Ware. t Etwas mehr -Kritik wäre bdi all diesen Nachrichten rwtwendig. Vorläufig ist dies leider nicht der Fall. Die Reaktion dieses unkritischen Glmcbens zeigt sich in den Kurssteigerungrn Es ist richtig, wenn behauptet wird, daß ausländische Käufer die meisten Bcknk- und Jndustrieaktien nur kaufen, um darin ihr Geld anzulegen. Sie woll eneinfach spekulieren. ES wäre ihnen aber am liebsten, auf die Krone zu spekulieren. Aber die von allen Seiten verkündete Stabilität der Krone läßt eine solche Spekulation nicht allzu vorteilhaft erscheinen. So glauben sie nun, daß die in Kronen ausgedrückten österreichischen Werte eine Steigerung exfahren werden und kaufen sie au. Ob solche Käufe für die österreichische Wirtschaft von Vorteil sind, mag dahingestellt fein. Es sind spekulative. Kreise des . Auslandes, die jetzt aus Mangel an Betätigung arr den Devisenmärkten ihren spekulativen Gelüsten auf dein österreichischen Effektenmarkt nachzugehm versuchen. Zum großen Teil sind es unzuverlässige Käufer, welche nur zu Spekulationszwecken diese Papiere gekauft und in dem Moment, wo sie sehen, daß sich ihre überspannten Erwartungen nicht erfüllen, sie wieder rasch abstoßen. Ein solcher ausländischer Besitz' verhältnismäßig schwacher Hände kann nicht wünschenswert sein, und es ist sehr gefährlich, darauf seine Hoffnungen bei der Entwicklung der österreichischen Papiere.aufzubauen., Niemand wird leugnen, daß die österreichischen Werte, in Goldparität gerechnet, stark unterwertet sind. Es kann aber momentan, so lange nicht die Wirtschastsverhältnisse tatsächlich vollkommen konsolidiert sind, auch nicht genau bestimmt werden, wieviel sie wert sind. Ob sie tatsächlich bei dem großen Kapitals- Verlust und den geänderten' Verhältnissen der österreichischen Wirtschaft den Vorkriegswert erreichen werden, daß dieser als Maßstäb der BmMlung'Lichen-' < L J Gewisse Kreise, 'die Mr Zeit per deutschen. Inflation ihr . MättsunLSteld «gch M pflegt M jetzt wiche« «sch Nie» zurückkehren, suchen sich auch hier wieder reger zu beschäftigen^! Es ist vielleicht nicht ganz vorteilhaft, daß sie jetzt mit dazu ver>! helfen, die Kurse allzu sehr emporwirbeln zu lasse». Sei der«: wie immer. Der April ist ein äußerst unzuverlässiger Gesell. ES! ist der unsicherste Frühlingsmouat. Ob sich nicht auch diejenigen/, die ans dem Börsenparkett ans die rasche Entwicklrmg des Hör--! senfrühling rechnen, vom Aprilwetter überrascht werden, däs^ kann nicht ohne weiteres verneint werden. Wenn je Vorsicht' notwendig war, so ist diese jetzt besonders am Platze. —g. Starke ZMahrrle des Barschatzes. NoteMMakfsrneM 4459 Milliarden. Dep gestern veröffentlichle Stand der LWerreichischerp Nationälhank vom 31. März 1923 weist beim Barschatze! eine recht beträchtliche Stei-geru-ng um rn>nd 115 Milliarden!. auf 1422 Milliarden aus, die L^rrauf zurückzuführen ist/ daß die Nationäl'bank in der letzten Märzwoche von der Bu-rchLsVegieruu-g Devisen aus den Erlösen der internationalen V o r s ch u ß k r e d i t e übernomnwn hat. - Mit dieser Transaktion hängt auch die ausZe-wiesene PevnrindermlH der anderen Aktiva. mÄ 'svnstigtzn Passiva uch über 100 .Milliarden zusammen... Der Stand des Eskoncipteportefeuilles hat in der Tlusweisperiode infolge des ziemlich starken GMLedarftZ' zu Ultimo ebne Erhöhung^ um 137,3 Milliarden auf 820 Milliarden erfahrerr. $>k Stärdcng -des Barschatzes und die Jnanfpruchnahnw der Notenbank im Eskompte komntt in der entsprechenden Zunahme des- Notenumlaufes um rund 221 Milliarde.^ auf 4459 Milliarden zum.^ Ausdrucke. Die Steigerung W Grrovevpftichtuoen tun rund 30 Milliarden auf 329 Milliarden, "ungeachtet der stärkeren.Ansprüche zu Ultmw, ist dara-uf zurückzuführen, daß die Finanzverwaltung über einen Teil der ihr auf Girokonto gutgebvachten Erlöse für die übernommenen Davisen am Ausweistäge noch mcht verfügt hatte. Jas SHWal der MetrekchWen Kraue. Abgeordneter Dr. Bauer nnd Finanzmimfier Dr. Kien- 'bock gegen jede Mnftliche Höherwertüttg der Krone. In der hmtigen Sitzung des Außerordentlichen Ka-. lbinettsrates kam die Frage des zukünftigen Schicksals der, österreichischen Krone in,bezug auf ihre Kursgestaltung anläßlich der Beratung über die Evhöhung der FinanWlle - zur Sprache. Der äußere Anläß zu der Diskussion war darin gegeben, daß in einem Teile -der Oeffentlichk-eit für^ eine Höherbeüvertung der Krone plardiert wurde. Wirhaben in der Sonntagsnuwmrr der Vorwoche alle diedafür und dagegen sprechenden Argnnrente eütgehend gewürdigt und gegen eine Hüherwerttmg Stellung genorrmren. Irr ihE ErklärmtgÄt habe süwohl der Sozialdemokrat Dr. Bauer als auch der FinÄHminisL-er Dr. Kr-rnbock sich -ebenfalls gegen eine solche künstliche Hebmm ausgesprochen.? Dr. Bauer erklärte: Jede Politik, die auf die Hebung des Krynenkurses a-nS» gcht, hat «ine ungeheure Verfchärfung der Wirrt-, schaftskrise, Äw ungehsuerliche Bevmchrimg der Arbevtslosigkeit, der Kurzarbeit, des Kohndnuckes und danrrt des. Maffenelends mwevmeidlich zur Folge; denn wenn der . Geldwert steigt, hält die Nachfrags auf dem Jnlandsinarkte zurück, weil sie erwartet, spater zu günstigeren Gedinigungen kaufen zu körmen, und es ist daher ein grober Irrtum, -wenn, wie man so oft gehört, gesagt wnL, daß zwar einte sprunghafte Steigerung des KronenkuvseS ein Hngliück, eine langsame utL allmchliche Steigemlug aber eine wünschenswerte Erscheimmg wäre, weil gerade eine Lange Periode wenn auch langsam steigender Kurse unvermeidLrch eine ständige DrosfelÄNg der Nachfrage «wd damit e-me ständige^Berscharfnng der Wirtschaftskrise bedeutet. Noch Mvmnver xedoch find die Wirkungen einer PolM der Steigerung des Ära» tur-fes auf den Export; und da nun unse« Industrie und uns« Gewerbe zunr großen Teil dom. Export Leben, st, müffen sie in eine katastrophale Lage, geraten,, wsnu man eine solche Polrtck betMbt. In. der Zeit der. Inflation rmwde dE Erfahrung -gemacht, da bei sinkendem Geldwert der innere Kaufwert des Geldes dickl langfcuner -sinkt als der Kurs auf den ousländikchen Geldmärkten und daß infolgedessen eine Prämie für den Export entsteht.. Die umgekehrte -Evscheinung entsteht bei steigendem Geldwert. -Da hebt sich der BimreMvevt des Geldes langsamer als sein Autzenävert, es finken die Preise auf den Jnlandmärkten d»iel langsamer als dar Kurs auf den ausländisck?n Geldmärkten.steigt. -Daraus entsteht zunächst eine Drosselung per Ausfuhr, eine Förderung der Einfuhr, ebne Verschärfung -der Ko-rvlurrenz der mcsländischen Jndustvie auf dem heimischen Markte. Das ist es, was in -solchen Periode» inrmer zu einer Verstärkung -dcr -schutzzöllnevifcheu Tendenzen führen muß, und das war der Grund, warum «in Europa heute jen$ Schutzzöllrkevei herrscht, jene maßlose AbsiperrungspolitN der Staaten gegenoürLnder, deren. -Opfer nicht am wenigsten gerade Oesterreich ist. Es -ist daher ganz unMifelhaft, daß jede Politik, dte -die Hebtrng des Kronenkuvses - sich zmn Ziel setztunvermeidlich,eine ungeheure Verschärfung der Lkrise in Industrie, Gewerbe «nd Handel und damit eine empfindliche Verschlechterung der Lebenshalt-ung der Massen herbeiführe» nc u ß. Man stellt bei uns solchen Befürchtungen immer ein Wort gegenüber, da§ zu den vechängnisvollsten Schlagwovten in unserer ganzen;v>rischoftspolitischen Diskussion geworden ist. das Wort von der Sanierungskrise. Bor. diesem' der«, haugnisvollrn Worte, mit dem rau« , sich von jeder Verantwortung her-umdrückt. sei aus- . drücklich gewarnt. '

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