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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-08 · Heft 1491 (8.4.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1491 (8.4.1923)
Date
1923-04-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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JHJWv 8i» WeneichWrr Lra«8üaser i» Aarismhr beschlamnchmv SaeTs««»e, 7» April. (Tel. r>. .Mie. ^er Vrorgenzeitung") Im Laufe des heutigen Tases wurde das hiesige Transitlager: dar „£>csterrelchifche« Haudel-gef e l l f ch a f t „Dona u" in Wie» von dev OkkuPationSbehörde - e f ch lag na hmt. Es' ist dies der erste Fall einer gegen eine nichtdeutsche Niederlassung gerichtete» Maßnahme. , Gegen Kriesrgefahr «Ad Farrirmiu. Berlin, 7. April, (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Hier hat sich, hsk bereits kurz gemeldet, sinintemattonales AktionSkom-itee gegen KviegSgeftchr und FaSziSmuS gebildet, das <m 13; d. über die Fmge wr BÄLmpfung der faszistkschen (vöMschen) Be weyungen zum erstenmal beraten wird. DtefeMKormtee hat'sich mm auch Henri Barbusse cmgeschloffen. Der MttonsvUSschutz hat seinen Sitz fei Berlin, Rosenchslevsttühe 56, und besteht aus Klara Zetkin und Henri Barbusse. In der Zart vom 15. bis 82. d. stnvet eine international« Propagandawo ch« zur Popn* larPeamg der Ideen des KouMeSstatt.©5 tawben in den verschiedsnen Hauptstädten offsnÄche VersammLungen unter Beteiligung auÄondffcher Dele^erter sowie agitatorische Rnrwreisen durch die Pwvmz veranstaltet werden. Me Mkicheeer Hakeukre«rlertitt var Gericht. München, 7. April. Molff.) - Bor dem Volksgerichte L^rmr heute ein umfangreicher Prozeß gegen 18 Ruhrflüchtlirrge, größtenteils Berg- und Hüttenarbeiter, bie am 1 März Ausschreitungen im Gebmcke des Blattes ü n ch n e r P o st" verübt haben. -Rach der .Münchner fßoft" war der Uebersall von den Münchner Nationalsozialisten angezettelt worden. Die Anklage kautet auf LandsriedeuSbruch. Antisemitische Srotmsimd« der nMche» Nonarchlfte» i« Pattr. Die rrrssssche demokvaMche Zeitung ^Poslodnja Ro- ^osti" das Organ Milfukows, berichtete über eine intensive antisemilt.ischs Propaganda, die von der ruffischen monarchistischen Kolonie in Paris gchstm «cd öffentlich betvttden wird. Eise von dev russischen Dvnoka^en ans ArSaß deS Jahrestages der bstrArrlichen Revolution m SivMcnch veumstaltete Yeier wmÄe von einer Anzahl gleichfalls tat Saale erschienener Monarchisten gestört. Die Redner TschaiLow-ki und Rechtsanwalt Winawer, wurden fortwährend durch «tt^mitffche Zvvtkfc rMterbvochen. VS «Ustand ein Tnmukt, wovarrf die Berstmrmkmg ausgcAösk wurde. An russischen demckattstzeü. Kressen wird bchauptet, daß d« «Lsiifchen MouanchPeA für ihre Zwecke vom amerScmffchen VvtormchüWaLg Ford 5 Millionen Dollar Dhrtich rchcckten. Ser Kampf ma Rems» Hlatz im tzaMM. Aus Paris wird svrS berichtet: Wie bereits gemeldet, tomrde im franMschev Senat der Antrag tzefielltdaß Hh' fleberrche von Renan, Mi chelet mch Qu inet' iüS Pantheon überführt und dort Lsigosetzt werden mögen. I« Senat entfessell-s dies« Antrag eine heftige Debatte, da &e Redner der ikleritalen Parteien dagsgen protestierten, daß Renan und die beiden lKercrlen GeschichtSschrriber im Pantheon ihre ewige Ruhe finden. Während der EirMß der Klerikalen m der fvanzosischen Kammer m der letzten Jest stark angewachseu ist, wurde, d« «wähnte Antrag im Senat, kotz dem heftige« Ansturm von seiten der Klerikalen vnd obgleich einer der Führer der fterifokn Parteien, Gau bin de Villa ine, Rena« sogar der DeutschfreundlichLeit beschuldigte, mit 200 gegen 48 Stimmen angenommen. Ob trotz dieses ALsLimmungsevgsbnisses die Uebwfirhrrrng mS Pantheon w absehbarer Zeit wird dmchgefühtt werde, kSnnen, .ist sehr fraglich, weil dieser Beschluß auch noch die Kammer passieren mutz, wo das Schicksal des Antrages zumindest sehr zweisechast ist Im Z-usammerchang damit D auch ome andere Dckatte tw« Interesse, die dem künstigm Schicksal des Saint- Svlpice-S eminars gast, worüber gieichsalls im Senat ^gestimmt wurde. Dieses' Seminar hat somergeÄ anläßlich der poßen kirchenpolrtffchen MsrÄwndevsetznngen in FrmiLreich nne große Rolle gespielt und wurde noch der Schaffung des Petzes über die Trennung von Kirche «Nd Staat en-wignet. Fn di-cstr Anstalt studirtte auch Renan. Rach der Tronmrng Rieb das Anstaltsgebäude lange Zeit «nibenützt und diente vcchrend des Krieges zur Unterbringung der FlüchtKnge aus kn vorden Deutschen besetzt«, Gebieten. Jetzt, nachdem daS Sckbäude wieder völlig efcafemt ist, beantragten die kler'ckalen Vruppen, das Gebärdde der Kirche KurüSzustelle« mch wiesen IU Wien. L Tuehlanöen 16 Wien, fl., Yuchfawben 18 Das Allerneueste FeiBle Hsodr^nesM 6» fürs Frühjahr kmm KHI|8 Preise ^sswxfcesmzwts^sapmsuitac: Wiener Mprsenzettuns._ 8. April 1SW _ - M Ae Lage der Juden in " " . Gescherte Wirtschaftslage. - Warschau, S. Wvil, lI. C. B.)Der Dinttor der wiMhen AbbeÄnns des Joint DfftrMÜion EormnÄ« De. Bögen, de» auf der Durchreise von Moskau in Warschau enrtraf, erklärte, daß in dar wittfchaftkiche« Page der Mffifchen Juden seit einiger AM «ine mvrNiche Bessernng zu beobachten sei. , 8JM± Bezug ans die MaAMwersorgung der russischen Juden sagt« Dr. Bogen, die Jomt-VertvotMg habe in gang RuAand die Benforgung der Mischen Kreise mit Mazzoth übernomuden und. dmchgcführt. Eine henlbe TriMon Rubel firr Mazzoth. Der. Sonderb^'richte'rstMeir. ^8 I. C. B. in. Moskm tobegraphstvt: Der MosLmer Mische Kubtvstxrt hat ein« halbe Trillion Rubel M ÄnschWung'vvn^Mazoch sür die un» bKnittelie jüdische BevöllWmg MoÄauS gesammelt. Die grscmvmelie Ännme genügt für die Herstellung eines Quantums, wie eS die Moskauer Bäcker herzusrellen gar nicht imstande stM Dreieinhalb Millionen Dollar für MG avbeit in Nutzrand. Der Leiter deS Hilfswerkes deS Jonyt m Rußland, Dok., tor hat der N-ew-PorLer Joint-Exekirdiv« vine Depesch^, über die w^^"ctt Erfovdermsse des russischen HtlfSwerveS gesandt. Dr. SSacjS.' berlchtvt, daß das HkkfSwerk noch eine.Mmi ' destzeit von a n d e r^ h a^b Jahren und «ine Summe voq Zß Millionen Dollar erfordevt. Mt. nach dieser Zöft und nach diesen GeL-dopsern iverde die russisch-ukrainische Judenschaft imstande svin, die Kimg des HilifsproblemS selbständig in dii? Hände zu nehmen.' / ' ®5c „3cu" füe die ansgewirsene» russischen Flüchtlinge. Der Vorsitzende des Wavschatler Gerrerällomiloes für Hils^ an die ukrainischen Flüchtftuge, Dr. S. Golds!amm, ist soeben aus Pavis zurückgelchÄ, wo er mit den leitenden Pe^ sonen der Jea über die Hffssaltion für die aus Polen aus-A> wiesonen msfisch-aikrainischen Flüchllnrge unterhanldekt hat. Die Leitung der Jca hat sich unter gewissen Bedinguugei bereit erklärt, 80 Prozent der GvakuationS- und Reisekosten der Flüchtlinge aus ihren Mitteln zu bestreiten. daravf hin, - daß orne solche Grst« der Regierung sehr gosignet wäre, das sich allmählich eniwickelnde gute Verhältnis zwischen Frankreich und dem Batikon imriger zu gestalten. Der Senat lehnt« diesen Antrag mit dem Hinweis davauf ab, daß staatliche Gebäude nur auf Grund eines eigenen Gesetzes anderen Aieken tzugesührt werden dürfen. DarauffM. erklärte der. Vertreter der Regierung, daß. die. Regrevung nicht gesonnen sei, das Geßäude WMer seiner «r-fprünglicheu Bestinrnmug Zuxuführen. Zer Mfrkchene Harbins. AuMsta, (Georgia). 7. AprÄ. (Havas.) Präsident Harbin g hielt hier eine Rede, worin er jede Beunruhigung wegen der iutevnationalen Bziehungen für unbegründet erklärte; diese feien «i e m a l S b e s s e r gewesen. Weqn die Vereinigten Staaten nicht das tun,, was einige.Luwpäisch^ Freunde wünschen, so werde Europa, sobald es fein Gleichgewicht wieder gestruden haben werde, zu der Einsicht gelangen, daß die Vereinig» ten Staaten die gerechteste Ratisn der Wett seien. ' Afghsmiftim «m der Seite der LSrtei. Äortstantinopel, 7. April. (HavaS.) Der Derrreter von Afghani st en hat Pressevertretern, gegenüber erklärt, daß der enMch-oWMffche Vertt^ hinfällig wurde, wenn. die ' Tiyckei die. Unmöglichkeit, Frichsn zu schließen, feststelle. As- Mnistan wortze die Türkei unterstützen, Ar »oiiolari mb die Zkerrei-lscheu Shristiichsoriale». Rom, 7. AM. Wie die Agenziä Bolta mÄdet, werde Do« Sturzo 'demnächst Wien besuchen und Besprechungen mit der österreichischen christlichsozialen Partei pflegen. (Don Stnrzo ist der Führe« der katholische» Popolan.) Aus aller Welt. Budapest. 7. April. (U. T. K. B.) Die Straßenkehrer, die Aprihwaaenkutscher. die Chauffeure der SpritzwagmautoS, die Ävberber des häuptsbardtÄchon Reinigungsamies, die Arbeiter der Markthalle, die städtüschen Fuhrwerksarbeiter, die Angestellten d« GarteubManlager.« und di« Friedhöfe sind honte nachmittags wegen Lohndifferenzeu m dm AnSstand getrete«. Berlin. 7. Apoll. (WM.) Der Polizeipräsident Von Berlin hat die „Note Fahne" für die Dmer von zwei Woche» wegen etter Reche von ÄLschimpfungLn und Barle u m d« « g« » .von Mitgliedern der Reichsregieruna nutz der prmßischen Landesregierung Ws Grund des Gesetzes zum Schuh der RepM-ck v e r b o t e n, Äo nh o n, 7. April. (Del.-5donip.) Me Zerttnigen teilen mit. daß im Verlauf des Monats März w Jrlar-d infolge deS Bürgerkrieges 135 Personen getötet, 80 verletzt und 12 entführt wurden, femer wurden 4? Gebäude zerstört. Parks, 7. April. (Tel.-Komp.) Die Rheinlicmds-Komnttffion teLt mit. daß vom 15. März bis 1. d. 1170 Personen aus dem besetzten Gebiet auSgewiesen wurden, davon M aus der fraWösisckM Zone. Unttr der.« Ausgewiesenen besrndeu sich hauptsächlich Zoll- und Eisenbqhnbeamte. Seit dem 20. Jänner find 3000 Personen ausgewiesen worden. aooaoDDoaaaaDaaciDaaoQCioaaoaonDODQncicin a ■ " .. '■ ■ □ D Die er o WIENERBERCER STEINNUSS-KNOPFFABRIK X, LAAERSTRASSE 157F TELEPHON 54340 hat aüssßr ihrer gross angelegten Fabrikation für 5telnnU88kn0pfe in verschiedenen Orössen und Sorten die Erzeugung von ScBtiili" unä Camaschenknopfen „Wl^rl11 in verschiedenen Fassons und Farben sowie eine Neuheit In VogeBaugen aufeenommen. Ein Quantum von 90.000Sros DiusenknOpfen In »Usn Farben ist sofort greifbar lOäaaaaoDoqqDaaaooaoa LasesberW. Sie bittere« KÄrrter Äes MenrmWer. Die lachende Ostersoime hatte auch ums, allw Thermo», meterdrohamgen zum Trotz, ins Freie gelockt, mch wir klomq men zwar zähneklappernd, aber ganz vergnügt die Straße am Ramde der Stadt bergan. Aus einer kleinen Veranda mit woitgeöffneterr Fenstern saß ein etwa füntzehnjährigerf Junge und lernte einen hebräischen Psalm. Laut schrillt seine raache brüchige Stimme dllrch die stille Gaffe, im Mfeh des Lerwns beugt sich der Bursche vorwärts und zurück undj sein zchnsähviges Schwesterchen, das emsig mit ttem Fttlgep die schwierigen hebräischen Worbe im Buch verfolgt, fühlt sich verpflichtet, die Bewegungen nritgumachen, vielleicht in der Hoffnung, daß das ,Meten" dann leichter^ geht.- Die beiden sahen sehr possierlich aus und jeder nattrrbich empfindende Mensch mußte sich an dem AMick der hübschen Kinder srsuen. Mer die beÄen Damen, die in funkelnagel-«. neuer Sportdreß — unverfälschtes Meüer Englmtt-eMm — vor uns gehen, geben ganz anderen Gefühlen Arrsdvuck. Sie sttbd unveÄMnibar entrüstet. „Nein, we>ißt du, Sauna (Gott allem weiß, welcher Namen „Sainna" bedeutet), das gcht doch w'Mich schon zu wsit! Mom könne ja seinen iKmttL M ReliWpn beihÄngen, aber so über die gange Gasse hebräisch zu brüllen, das ist doch hsutzutage eine Taktlosigkeit, Hnd ivemr die Ostjuden provozievon, daun wundern sie sich,, tvenn. dve Chrfften e§ sich nicht gefallen lassen. Wer muß eS aber schließlich entgelten, wir, immer nur wir. Die SÖtti*. semiten haben scmz recht — diese Ostfuden benehmen sich gang unmögilich." Samoa pflichtete bei. Es war doch wirklich sine Frechheit von dem Jungen, hebrä'isch zu rezitiereu.^ Ja, wenn es latoinisch gewesen wäre, oder wenn die Kleine gar irgendein gang Mverstanldenes Marienilred geleiert hätte, wie „sti-ttMMNgsvoll" wävs düs gewesen! Aber hebräisch — da gcch eS nur ein Wovtr skandalös. Die beiden Danren beschleunigten ihre Schritte, wahvschoiEch um von dem zu erwartenden Pogrvnr verschont zu bleiben. Merich korutte doch noch hören, wie sie einander von ihren Ostevzuvüstungen erzählten. „Nraiürlich essen wir sagte Sanua,/lber ich Hab' doch drei Kilo Mazzes genaust, erstens! damit ich den Papa geben kann und dann damit die Kindes doch wissen, wie das schmeckt. Sonst halten wir selbstvevstmÄich nichts .. Ausgezeichnet, wackere Frau! Man, entfremdet die Kinder Venr alt enBvauch, man entzieht ihnen : die ganze Poesie, den ganzen geistigen und ethischen Gehalt! der alten Sitten. Aber damit man sich ousweisen kann, doch irgendettvas, irgendwie, irgendwann noch mit dem Judentum gemeim zu haben, kauft man drei Kilo „Osterbvot". Es schmeckt auch gut zunr Kaffee und sonst braucht ja utienrand davon zu wissen. Dem lieben Gott und dem Vater zeigt man die drei Kilo. — Es geht nichts über Uöber« zougungStveue. ' Bor entern ländlichen Wirtshaus spaziert ein junger Bursch mit einem winzigen, überaus spring- und stoßlustigen Zicklein Horum. Das Mne Tier ist rrrkomitsch und die Borübergehenden treiben alle ihren Scherz mit ihm. Da wir über das.Älter des Zickleins in Disput geraten smd, fragen wir den jungen Menschen. Er betrachtet uns eingchsnd und wendet sich tvortlos ab. „Hsil!" schallt es vom Fenster des Nachbarhauses anerkmnen^ dein Grobian herüber Und wir ziehen beschämt ab. Denn es wäre wiMich lächerlich, die Nngezogenheiit mit einer Szene zu beantworten. Lächerliche und ansstchtslos. Die'Banke sind mit Hakenkreuzen gegiert. Wir Men ein paar junge Burschen, rmr die Erknchnis, einen Blick in ihre Gettevalstabskarte tun zu dürfen, da toir unseren Weg nicht finden können. Die omstichste touivWche Höflichkeit wird versagt. „Mr hab'n ka Zeitt^ sagt der Angesprochene. Zehn. Schritte entfernt brechen sie in wieherndes Gelächter aus — ettr sehr behagliches Gefühl. , Eine Grichpe junger Mädchen zieht vorüber. Sie haben die traditionelle „Klampfen" mit und singen. Sie.singen sehr schlecht, das muß Augestzarrden werden, aber sonst sind sie durchaus harmlos. „Ei weih, er weih! Freilein Sarahleben!" spottet's hinter ihnen dveirr. Die Mädchen werde«, blaß vor Zorn und Beschämung. Ich umß meinen Go- / führten an die Leine ueümen. danrtt er nickt dreinkäbrt. 5949

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