Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1485 (1.4.1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Um Valerie M a r- <en§, die die Geliebte wider Willen mit reizender Munterkeit spielt und entzückend aussieht, schart sich ein Trio, in bau Herr Jc r.-sen für den verliebten Minister gute Haltung und überlegenes Spiel beisteuert, Konstante Linden die erfahrene Tante mit treMcherem Humor zeichnet und Herr Forest einem tadädlhasten Baron die Züge seiner bewährten Komik verleiht. Gut am Platze auch die übrigen. Die Novität wurde mit. lautem Beifall ausgenommen. —r. —d. Wien« StadMeater. (Uraufführung von „8 ibellentan z". Dperetle " on T. Lombards und Dr. A. M. W-illner, Musik von Fvarlz Lehar. Die Operettentheater haben es gcgenloärt-ig nicht le-icht. Die Libretti werden immer einfallsloser und nachlässiger,'die grrt« alte Walzermusik ist im A-ussterben begriffen, auch die Hochkonjuncknrr der Schiebertänze flau: ab uud die Konkurrerrz der Theater ist groß. So wird die äußere Aufmachung immer mehr zur Hauptsache, Zirk-uskünste und Belouchtnngswunber, Moderevue und Errtkleidungsszsuen drängen allmählich die Operette ganz in.den Hintergrund. Äon bühnenmäßiger Handlung kann im „Libellentauz" kaum mchr die 3d>de fein: Ein blaublütiger Hagestolz fängt sogleich Feuer, da er auf die Richtige trifft, und so bekommt der Herzog von Nancy schließlich seine Helene Eliquot von der bekannten Ehampagm-rdynastic. Vorher wird Schlittschuh gelaufen und von einem amerikanischen Tanzduo eine Pferdedressur gemimt, es wird Theater gcspielt, geulkt und geflirtet, run drei Akte anszufüllen. Oberregisftur Artur Guttnrann sorgt freigiebig für die Unterhaltung des Publikums: Er verwandelt die Damen in wandelnde Lampenschirme, ununterbrochen führt er neue Sport-, Theater- und Ballkostüme vor undmacht uns auch zu Zeugen eines recht prkartten Toilhttenwechsels, vorläufig freilich bekommt man nnr die Silhouette zu schien! Ein Scherzwort auf der Bühne, das ans der Psyche 'des PnbMums und des mofo-rnen Regisseurs schöpft, versicherte,: Das Ariszichende ist das Änzicheirde! Zu dieser Entklsidungsszene 'hat Lehar ein hübsches Geigensolo komponiert, sein reiches Können zeigt sich auch sonst wiederum im Ensemblebau, in der Fmal-eglicderung, im Melodram und in der äbw?chs'lnugs reichen farbigen Jnstru- Entation. Sein schmachtender Walzer vom „Frühlingswmd" wird wohl bald in Wien allgemein bekannt sein, auch das FrauenLerzetL „ob du willst oder nicht", das „mythologische Quartett", der Apachentanz -und manch - andere Nummer haben Aussicht auf Popularität. Trotz der zahlreichen musikalischen Schönheiten hat man jedoch auch diesmal den Eindruck, daß der originelle Einfall selten ist und daß die musikalische Kultur überwiegt. Die Mütwirkenden waren ihren Aufgaben vollauf gewachsen. Herr Stv-rm bewegte sich stolz und elegant, jeder Zoll bin Herzog, Frau Bartvs-T r a u, die so reifend zu tanzen und zu schäckern versteht, ist ein süßes Wiener Mädels aus dem Nngarland, Herr Josef König war ein richtig urwüchsiger Schmierenkomödiant, Frau C-hristl M a r d a h n eine reizvolle Schauspielerin und Sängerin. Lisa Nado und Gustav Koka n h i vervollständigten das vorzügliche Ensemble. Wiebei jeder Lehar-Premiere war der Komponist, der perönlich das Orchester leitete, Gegenstand ffsr7'--r'lck»er Ovationen. slb. Sie BltrgtheateMse. Gegen Direktor Paütsen sollen nicht mehr und nicht weniger als 32 Beschwerdeschriften eingelaufen sein. Angeblich ist ihm auch nahegelegt worden, zurnckzntreten. Es heißt, daß Pcmlsen für seinen Rücktritt eine Abstandsforderung von 360 Millionen Kronen verlangt. In Theaterkreisen wird als Nachfolger Paulsen der ehemalige Intendant der frühereen Münchner Hoftheater Klemens Franckenstein genannt. Fra« Jkka Skern-SlraSofch veranstaltet am Sonntag den 8. April um halb 4 Uhr nachmittags im Kleinen Mnstkvereinssaal mit ihren Schülern und Schülerinnen einen 2we*» und Liederabend. Am Klavier Frau Ilta Stern-Strakosch. Ranlicke Karten an der Musikvereinssaaliasse. a Spiellplan fec§ Bnrgthe at e»8. Morgen Montag, i nachm. 2 Uhr: „Die versunkene Glocke"; abends 7 Uhr: „Die verloren« Tochter". Dienstag: „Anna Karcn i ri a" (7). Diittwoch:. „C Y r a n o von B e r g e r a e" (7). Donnerstag: „Dies irae" (7). Freitag: „Die Stützen der Gesellschaft" (7). Samstag: „Die Zu ngsr au von Orleans" (7). Sonntag, nachm. 2 Uhr: „Rose Bernd"; abends 7 Uhr: ,/Der Bauer als Millionär". Spielplan des Akadem ietheaters. Morgen Montag, nachm. 3 Uhr: ,/Der Bibliothekar"; abends halb 8 Uhr: „Die Sch.western". Dienstag: „Das blaue Wunder" (halb 8). Mittwoch: „Hochzeitstage" (halb8). Donnerstag: Zum elften Atale: „Der gute Kvnig" (HM8). Fwitag: Keine Vorstellung des Burgtiheaters. Samstag: ,/De r gute König" (halb 8). Sonntag, nachm. 3 Uhr: „Doktor Klaus"; abends halb 8 Uhr: „Der gute König". Volksoper. Morgen, nachm, bavb 3 Uhr: ,^La Tratz ia t a"; abends halb 8 Uhr: „Die Kinder der Don". Spielplan des Deutlichen V olkstheaters. Morgen, nachm. HM 3 Uhr: Großstadtluft" (mit Dr. R. Tyrolt); abends 7 Uhr: „Endstation". Dienstag: ,^L olv § Vater" mit Dr. R. Tyrolt (7). Mittwoch: „Endstation" (7). Donnerstag: „Die beiden Söhne der Madame D-uverny" (7). Freitag: „Die große Katharina". „Blanco Posnets Erweckung" (7). Samstag: „D-ie beiden Söhne der Madame Duvernh (7). Sonntag, nachm, halb 3 Uhr: „Wienerinnen"; abends 7 Uhr: „D i e beiden Söhne der Madame Dnverny". ^Johann Strauß-Theater. Täglich: a t j a, ie Tänzer in". Als Nachmittagsvorstellung, heute: it Försterchr istl"; nwrgen: ,/Die Fledermaus". In der Neuen Wiener Bühne findet heute die Premiere von .Leidenschaft", Schauspiel von M. Artzixbaschow, mit Annemarie Steinsreck und Hugo Werner-Kahle in den Hauptrollen, statt. Als nächste Novität wird die amerikan-ische Konrodie ,/Das Zeichen an der Tür", ein Prolog und drei Akte von Channming Pollock, vorbereitet. In der Renaissancebühne geht als eine der nächsten Ikovitäten das Stück „W. U. R." (Werstands Universal Robots) von dem Prager Dichter Karel Capeck in Szene. BolkMirt. StabUifimrng oder HSHerwertungt In den letzten Tagen ist das Problem der zukünftigen Gestaltuing der österreichischen Krone in den Vordergrund des Interesses getreten. Zwei Richtungen stehen sich hier gegenüber. Die, eine will auf alle Fälle die Stabilisierung der Krone ausrecht echalten, die andere will eine Höhevwertung, weil sie sich davon günstige Folgen für die Wirtschaft Oesterreichs verspricht. Aus beiden Seiten wird mit Elan nnd gut begrändeÄm -geistigen Rüstzeug der Kampf geführt. Dem Schiedsrichter fällt es oft -Mver, im Widerstreit der Wteinungen das richtige Urteil zu fällen. Dieses Problem ist Nicht nur für Oesterreich aktuell. Es hat seine Bedeutung für ganz Mittelenropa, überall, wo die Währung eines Landes tief unter den Goldpunkt ^gesunken und wo das Mittel des Papiergeldes das Bedürfnis des Derkehrcs an Umlaufsmittel fiktiv gedeckt hat. In der Tschecho- Slowakei kristallisiert sich dieser Kamps in den ztvei Gruppen um Raschin und Dr. Euglisch. Während Raschln selbst und seine Anhänger unbedingte Verfechter einer möglichst intensiven HöhevbÄvrrtung der Kwne waren, trat Englisch, der gsschülte Nationalökonom nnd Statistiker der Wiener Schule, für eine Stabilisierung der Tfch.'chenkrone ein. Es ist bekannt, daß in dieser Hinsicht Raschln in den letzten. Monaten seiner Wirksamkelt seine radikalen Ansichten revidieren nmßte und im Sinne der Poftulate des Englisch gewisse Konzessionen in seiner Wähnmgspolitick machte. Auch in Deutschland wird dieses Thema jetzt sehr stark besprochen. Die Reichsbank stM sich aus den Standpunkt der nunmehrigen Stabilisierung. G-w-ichtige publizMsche 'Kreise mtb euch nationalistische Schichten trünschen eine weitere Stöigerilng der Mark und ein neuerliches Valutendumping, während der Bankenverband sich ans Standpunkt stellt, daß an eine Stäbilisierung solange nicht gedachr werden könne, solange sich nicht die politischen und Wirtschaf ilichen Voraussetzungen dev lveiteren Entwickln-ng Deutschlands so weit geklärt haben, daß dann an sine Stabilisierung geschri-tten weiden kann. In manchen Staaten mit unterwwteter Währung ist dieses Problem wohl noch nicht in den Vordergrund der Diskusii-on getreten, weil die Konsolidierung ihrer Wirtsthaststzschältnisse noch nicht so weÄ sort-geschritten ist, daß sie dazu schon reif wären. Sei dem wie auch immer. Diese Frage tritt an jeden Staat naturnotwendig heran, und jeder Finanzminifter wird sich in mehr oder weniger entschiedener Weise bald zu einem Standpunkte entschliirßen muffen. So hat die Entscheidung dieser Frage nicht nur für Oesterreich allein seine Bedeutung, sondern auch für die anderen unter der Wahmngskrantkhert leidenden Gebiete. In Oesterreich wußte vor einiger Zeit eine parlamentarische Korrespondenz zu melden, daß sich ein großer Dell der Parlamentarier dafür ansspreche, daß die Krone unbedingt gehoben werde. Dar Zeitpunkt sei für eine solche Maßnahme ungemein günstig, da das Ansehen der österreichischen Wirtschaft im Auslände stark gestiegen sei. Durch eine HÄMbewertung der österreichischen Krone würden auch die Valuten stärker fallen. Dies würde ein-erfeits für den Staat von großer Bedeutung sein, da sich durch -das Fällen des Index die Staatsausgaben vermindern würden, andererseits hätte es auch smne 1. April 1923 Nr. 1« -günstigen Folgen aus die Pvivatwirtschaft, well bei faHlender, Valuta die Ittdustri« 'billiger einkausen -würde. Sie Lönntü dann 'billiger tzroduzieien und danrch der Konkurrenz auf dom Wett-, markte leichter standhalten. Auch die Löhne würden infolge des: Sinkens der Nahrnngsiirittelp-reift ein-e Reduktion erfahren^ können. Dies sind die ha-u-pffächlichsten Argunmrie der Befürworter eines höheren Kurses der Krone. Weite Schichten der Bevölkerung haben sich diesen Ansichten nicht beschlossen und: -namentlich in den deni Börsenleben nähestchenden Kreisen! konnte man in der letzten Zeit die Beobachtung machen, daß allgemein an eine höhere Bewertung dor Krone geglaubt werdet Es wurde-sogar mit dieser Tatsache -gerechnet, zeidwe-rse sogar derhöher« Kurs von 0,0080 und 0,0000 als dasjenige Niveau genarmt, auf welches ,die Krone gchcben werden soll. Als vor leimigen Dagen ein -etwas höherer Kurs der Krön« aus Zürich gemeldet wurde, ist dies von jenen Kreisen als Bewsis dieser Ansicht ausgelegt worden, trotzdem es ganz klar evsicht'lich war, daß diese Höherbewertung nicht so sehr als eine, HöherbÄpevtung der Krone als solche anzusehen -war, sondern: vielmehr nur ein Reflex auf die vorübergehende Senkung, des Schweizer Franken auf den inbe-rnotionalen Plätzen war. Die- Reckati-on ztvffchrn österreichischer Krone imd Goldwährung war: -dieselbe gMi-eben. Auch -in Wien waren die fremden Valutennicht stark gefallen, was sonst als Reaktion ■ ans eine höhere- Kursgestalt-ung -der Krone im Auslande unbedingt der Fall^ hätte sein müssen. Trotzdem erhiolt sich hartnäckig das Gerüchts daß die Krone toc^itersteigen werde. Gewisse Kreise suchten noch nach anderen Anzeichen dafür. Es itrurden die haarsträiibendsteu Argumen-tc ins Feld geführt. Trotz alledem ist diese Ansicht eine vollkommen verfehlte. Es -kann ruhig gesagt werden, daß in absehbarer Zeit, von einer Höherbewerinng der Krone auch' nur nm ein Geringes gar n.icht div Rode sein, kann. Sowohl die Finanzbehörden als auch bi«; für die Geldumlanfsverhä -ltisfe maß geben-! de-nS toll en sin d ent sch ieden für die weitere Sta-j bilif.iernng der Krone ans demselben Niveau.: Bon diesen Faktoren -werden folgende Gründe für ihre; Stellungnahme angeführt: Es ist nur damr -für eiive Währung von Wert, daß sie auf -ein höheres Niveau hinaufgehoben! wird, wenn sie durch Gold gedeckt ist -und das etwas ii-eferei Niveau von -diesem G-oldpunkte nicht iveit entfernt ist. Um dasj normale Bcichältnis wieder hevzustellen, -hat es dann wohl einen- Sinn, wenn die Wähvmig künstlich zu diesem' Gol-dniveau, hinaus-gehoben -wird. Anders aber ist es, wenn «line Währung! durch allzu starke -Anwendung des Papiergeldes aufgebauscht! wurde, wenn sie nur ein künstliches Gebilde ist, fm deffen Be«> wevt-ung nicht die Golddeckung als -solche die einzig nmßgebendej Grundlage bildet. Bei einer solchen kinfft-lich anfgebcruschten> Währung ist es n'icht -dis Hauptsache, ob sie um einige Punkte! höher notiert. Das Wesentlichste ist, daß sie auf einem Ni-; veau sich stabilisiere und diese stabile Lage bevbe-: halte,, damit das Vertrauen des Auslandes zu dieser stabilen; Währung wi-vderkÄhve. Das ist in erster Reche aMstvebew Es! nützt einer -Wähnmg gar nicht, -weim man-' hurch Hinausschrauben ihres Kurswertes ihr Ansehen wohl vergrößert^' aber sie auch dabei gNchzeltig zum Objekt der aelsländischen, Spekulation macht. Es fragt sich, ob das für die Dauer von! Bortvil wäre. Die Spekulation -ist ein sehr -untzuverlässiger Ge^ selle. Solange sie der Gewinn lockt, sucht sie mit allens Mitteln sich derjenigen Währung, welcher sie ihre Aufmerksamkeit widmet, zu bernächtigen. Cs würde dadurch die österveichische Krone allzu stark steigen. Für die innere Wirtschaft eines Lan-j des hatte dies keinen großen Vorteil. Es würden sich beii einer! forcierten Steigemng dieselben unangenehmen Wirkungen! Herausstellen, wie es seinerzeit in der Tschecho-SlÄvakei dar! Fall war, wo die sogenannte Deslaüonskrise bis heute noch nicht ganz überwunden ist. Man körnte sich -vielleicht mit dieferj Erscheinung, die mit furchtbaren Wunden für die Wirtschaft! verbunden ist, -noch abfinden, wenn dadurch tatsächlich etwas Positives erreicht werden würde. Dem ist aber nicht so. Einmalist die große Gefahr der raschen Senkung der Währung wieder! vorhanden, wenn das Jnter-effe der Spekittation wieder äbfta-ut. Da-nn müßte der österreichische Staar die Krmre mit eigmen Mitteln stark stützen, rmn sie aus eineuc -halbwegs annvhntbaren Niveau weiter zu Haliten. Man hat dasselbe Scha-ufpiel in der. Tschccho-Slowakei erst vor sechs Monaten erlebt. Als die Spekulation sich stärker der tschechischen Krone Kuwendete und dieselbe über das irormale Maß aus 19,60 stieg, war die Wirtschaftskrise am schärfften. Als aber das Interesse der SpcAllation wieder aufhövte -und Amerika und England tschechische Kronen abgaben, da sank die tschechische Krön-: sehr rapid, nnd die tschechoslowakische Regierung ha-ttie> Mühe, ein annehmbares Kursniveau zu halten. Damals hat die -t-schecho-slowakische Rogierung für tö>cfie Zwecke einen Großteil ihrer Devisenbestände verwenden müffeu. Dis österreichischen WährungspoMker wollen nicht dasselbe Schickkal bei der österr-eichischerr Krone erleben. -Sie sagen sich, daß wenn auch die Krone weiter steigen würde, damit noch lang nichts erreicht wä-vv, -weil sie von dem normal-en Golddeckun.gsyustand cnch dann noch -ungemein weit entfernt wäre. Die österreichischen Finanzbehörden sind zufrieden, wenn sie die Kronejetzt stabil halten können, ohne irgendwelche Stütznn gaktion dazu in ,Szene setzen zn müssen. Sie sind i! r t i •' TUNGSRAM .. < iluit}'