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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-01 · Heft 1485 (1.4.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1485 (1.4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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WN^WWWWWWWAWWWWPWW «MD Metz, SöEttag Mermv 1. APM1M3 Nr. MS Lirliillsr Exporteure kaufen am vorteilhaftesten erstklassiger Qualität und Ausführung bei Reumann. Gummimäntelfabrik, Wien m Hl., Beatrixgaase 26 Tel. 585 III., Heumarkt 7 schwermütige Skepsis, die im Problematischen des Wischen .Sems wurzelt, urch wie «in zarter Schleier spinnt sich die schicksalsschwere Universalität der „Nacht aus dem alten Markt" Mn so Manches jiddische Meisterwerk der letzten -Ach«. . Pevez vollzog den Wendekreis der jiddisch-Viterarischen indem er die unerschöpfliche FaLülieMst naiver Volksdichter mit straffer Eigenart eines modernen Künstlers verband. Er überwand das Ghetto, indem er idasislbe n eine Fülle von Problemen und heißringenden .Gestalten «mflöste. Was bei den „Badchomm", den fahrenden Sängern des Ghettos^ und bei GisikDik bis Mendele! selige Unbekümmertheit erwachender BoLksrnaffen war, das i verdichtet sich bei Pevez in schöpferisches Wissen um alles Gärerwe itn neuen Judentum urch in eine sublime GeistÄtungskraft, die das Primitiv-Ghettohafte ins Allmonschiliche hinüberlertet. Waren es früher evdenschweve, an die .Scholle gebundene Existenzen, die als „kleine Menschalech" ivon TunejadeSvka in anormaler Lusttgkeit oder Trauvigkeit :dah insiechten, so offenbaren Perez' Gestalten eine abgrundtiefe Problematik vollwertiger Individualitäten. M die Batlaninl und MelaMdim, sall die Kutscher und Luftmenschen aus der jüdischen Kleinstadt des vorigen Jahrhunderts wachsen pVtzlich zu grübelnden und wühlenden Neuerern heran, die als eirrzckne vom höchsten Ethos einer .uralten Religiosität durchgWht sind imb als Gesamttypus vom RÄiAös-PatriarchMs^n ins Sotzial-R^ckrttionäre hinüberfteuern. All das exotische Treiben intib Streben dieser jüdischen Alltagsmerrfchen zuckt bei Perez auf in einer Fieberglut unendlichen Lvöds, und neben der Urgewalt reiner, ringender Seelen Kettet das Jüdische zur bloßen Staffage herab: was sklavisch an das Ghetto gebunden ist, «stickt unter der Wucht des Alltags, diewell im Wetterleuchten sozialer Umstürze eine neue Jttdensecke um Freiheit ringt . ., Pevez uberwand als erster die sterile Traunchastigkett Wischer Dienschenthpen und gab ihnen die natürliche Aktivität der Seele wieder. Die dumpfe Menge, die in der bisherigen DÄWlitsvatur geradezu überschwommt wurde von der Fülle äußerer Erlebnisse, der sie''sich HÄflos-fabalistsich ergab, erMte Pey^ mit einer Fieber-Kut gÄvaltigen Sehneus mA vinem Lebenstrotz, der in Wut und Empörung auffchaivmt. So verwandeln sich die im Luftummeines GüttesgnaVeutmns schwebenden Existenzen in tätige SckiHalsbeKwMger, und die immanente Passivität der von der Tradition erdrückten Volls-seele erzittert svrmlich in Ah^rung und Erwartung siWaler und' nationaler UMwatzungen. . Tunejcchewka, di^es Zur Groteske erstarvte Syntbol des jüdischen Lebens, löst sich allmählich aus in ein grandioses GemäLde'leidender unv auffauchzerÄer Menschen, deren frei-werdende seelische Potenzen ans dumkle Tor des mropäischvn Lebens zu hämmern beginnen. Gelehrte und Amvazim, Fortschrittliche und Konservative kehren bewußt zum ZÜltag zurück und erfüllen ihn mtt bsm heißem Odem vmgender Höhenmenschen. Leben ist's, Ivemr es auch vom Hauch des historischen Verfalles gezeichnet wird, und ein Ringen ist's, wenn es auch oft in Wahnsinn oder Possierlichkeit ausartet. So formte Perez unt sublimster Technik einen neuen Menschentypus der Judengasie, und in einer Sprache, die an MM-vuckssähigiwtt, Plastik, Wucht und Eigenart unübertufffen dastcht. In dieser neuen Kongoption birgt sich oben das Ewige des Dichteriverckes. Perez' Welt ist im steten Werden begriffen. Alles wird erst angedeutet, in Anrissen gestaltet, ins Zukünftige projiziert und vom Echo haltender Urkräfte übertont, die erst allmählich wahrnehmbar werden. Im Traume und in der Realität, im Religiösen und im Sündhaften sinsachvr Menschenkinder rauscht die Welle von Jahrtanseirden sMscher Erlebnisse, urck diese stete Erneüermrg ist's, die alle Schöpfungen^ Perez' ins Gwlgmenschliche erhobt. Wenn auch die übersprudelnde Vitalität mitun-tor den Epiker überwuchert und den Dramatiker nicht ausreifen läßt/ fo nulweht ein Hauch der Unendlichkeit all diese Seelerr und stempelt sie zu Trägern neuer' Geschicke ent der Wende von Jahrhunderten. Dieses Prinzch ewigen Werdens offenbart sich wohl m trefflichsten in Pevez' chaffidischen Novellen und Dramen. In dieser geheimmsvoflen Welt, in der mystische ^Schatten alles mit einem Zauber von Rätseln umhüllen, tauchen einzelne Individualitäten toie Ausstrahlungen einer unendlichen Geschlechterreihe auf („Goldene Kette"), und her „Gilgul" der im Weltall herumirrenden Soeilen gemahnt an den Trieb ewiger VervoWattmrnung ' alles SeierÄev. der sogar den Tod zu übeviMdeu vermag. Ein Inferno ist's, .voll ©fort und Inbrunst, in dem sich die Unendlühkait jüdischen Lebens birgt. Ohne Ende sind die jüdischen Geschlechter, wie ohne Ende das Leid und das menschliche Sehnen. Die Grenzen zwischen Mehr und Schern stick verwisch!, die Lichter, der ReaMt erloschen, und aus den dunklen Fluten derKabbabrst^schicksalsfch^ das sich stets erneuernde Leben des uralten Gottesvolkes .. g Me Mof« ft«b. (Nach der Darstellung des Midrasch von G. E.) Ms die Tage Möses' HetmmaHten, wo . er von dev Welt scheiden sollte, sprach Gott zu chm: „Siehe, deine Zeit ist g^onmren!" Dir sagte Moses: ,ß, Herr der Wett, Nach all den M'chen, die ich gehabt, sagst dar mir: ,>eine Zeit ist gekomilnen!" Nein, ich will nicht sterben, sondern leben und Verkünden die Weicke Gottes!" Gott erwiderte: „Das rannst du nicht! Der Dod ist aller Menschen Bestimmung." Rabbi Johanan bemerkte: Zehnmal sicht in der heiligen Schrift das Wort Tod in Verbindung mit dem NaMen Moses, das lehrt: Es war zehnmal beschlossen, daß Moses nicht m das Land Israels Anziehen solle, bis ihm endlich das harte Urteil von dem großen Gerichtshof verkündet wurde: „Es 'ist von Gott entschieden, daß du nicht Übet den Jordan gehen sollst." Moses nahm dieses Wort zuerst leicht auf, denn er dachte: Wie oft hak Jkfvack schwere Sülchen begangen, aber als ich^für das BoA um Erbarmen sichte, erhörte . der Ewige "mein Gebet und sagte: ,^Fch verzeche!" Ich aber habe von meiner Jugend an nicht gesündigt, um wie viel mchr wird Gott mein Gebet erhören, wenn ich für mich um Erbarmen siche. Als Gott sah, daß Moses die Sache nicht ffchwer genommen und noch nicht im Gebete stand, schwur er eilends bei seinem großen Namen, daß Moses nicht in das Land Israel kommen solle. Ms mm Moses erkannte, daß das Urteil über ihn besiegelt sei, legte er sich Fasten auf, zog einen kleinen Kreis, itt dessen Mitte er sich stellte, und sprach: „Ich Weiche nicht von der Stelle, bis der Beschluß Mer mich aufgehoben ist!" Was tat Moses? Er hüllte sich in einen Sack, bestreute ihn mit Asche und stand in GÄ-et und Flehen vor Gott, bis Himmel und Etzde und die Ordnungen der Schöpfung erbebten und sie schon dachten: vielleicht ist es der Wille Gottes, seine Welt $u erneuern." Da erscholl eine Himnwlsstnmne und rief: „Noch ist es nicht Wille Gottes, eine neue Welt zu erschaffen!" Was tat Gott? Er rief in jedes Tor der Hirruncksfeste und in jeden Gerichtshof, Laß sie das Gebet Moses' nicht annehmen und nicht vor den Thron Gottes mögen auffteigen lassen, denn der Beschluß über ihn sei besiegelt! Und Gott rief den. Engel AchresiÄ, welcher über das Ausrufen gesetzt ist, herbei und befahl den Dienstengeln ,Msiget hinab, verschließt alle Tore fax Himmelsfeste, denn mächtig dringt die Stimme des Gebetes in die Höhe." Das.GÄÄ des Moses glich einem Schwert, das zerreißt und zevsc^reDet und durch nichts Mrückgchalten werden Lärm; Mr GÄet war gleich dem unausspvechlichen Namen Gottes, dM er von seinem Meister Gagjagel, dam Lehrer in den Himmslshöhm, gelerrtt hatte. Als die Seraphim sahen, daß Gott das Gebet des Moses nicht annehmekeine Rücksicht für ihn anerkennne, ihm nicht das Leben schenken und ihn ni.cht in das Land Israels ziehen baffen wolle, riesen sie: „Gepriesen sei die Hettlichkeit Gottes, vor dem kein Ansehen der Person M, weder für die Kleinen noch für die Großen!" In dieser Stunde sprach Moses vor Gott: ,^)ir. ist offenbar und bekannt, was ich gekämpft und gelitten, W ^rael an deinen Nanten giliaubte, wie ich mich bsmühte, bis ich dem Volke deine Lchren und Vorschviftert zur Erkenntnis brachte. Ich dachte, so wie ich Israel in seiner BÄvangnis gesehen, werde ich es einst in seinem GGcke sehen! Jetzt ist das Glück gekormnan und du sprichst zu mir: „Du sollst, nicht über den Jordan ziehen!" Siehe; du widersprichst dadurch deiner Thora, demc es heißt m ihr: „An demWen Tage sollst du dem Arbeiter seinen Lohn gebe», lass' nicht die Sonne darüber rmtevgehen, den» er ist arm urch senve Seele schmachtet danach, damit er nicht Wer dich kliage zu den: Ewigen . . SiÄ das der Lohn für die bjerzig Jahve der Arbeit sein, bis ich Israel zu einem heÄigerr und treuen Volke gemacht hatte?" ‘ In dieser Stunde lauerte der böse Engel SamaÄ, das Oberhaupt aller Stttane, aus den Tod des Moses. Er sprach: „Wann kommt der AngerMck seines Todes, daß ich hevab- . steten und seine Seele holen kann?" Nun war die letzte Stunde Moses' gekomnien! Da; sprach er zu Gottt „Herr der Welt, wenn du mich nicht m das Land JsvaA ziehen läßt, so laffe mich doch in dieser Welt, Lasse wich leben und nicht stechen!" Da antwortete ihm Gott: ,Mönn ich dich nicht sterben laffe in dieser Wüt, wie soll ich dich beleben in der ffinftigen Welt? Und nicht allein das. Du wilfft meine Lehre falsch, machen, denn es sieht in meinem, von dir sebbst geschrrebenem Gesetz: ,ßtämm& kann vetton aus mMer. Hand!" ' . . Da. flehte Moses Wester: ,^erv der West, weM du mich nicht in das Land Israels kommen lassen^ wstlst, st> laß mich sein gleich den Tieren.des Feldes, die Gras essen und Wasser trstckvn, aber dir West scheu. Laß meine Seele wie eines von ihnen fern!" **' Da ries Gott: «Sprich uW wÄter^- OVUDNESi & CHINI SÖHOTTENCASSE2 ORIGINAL-MODELLE IN KLBIOERN HANTELN KOSTÜMEN IN DEN FILIALEN: VI., Unk« Wlnnxnile Q (neben Theater a.d. Wien) III., Rennweg N. 13 ,GROSSE PARISER MODELLOCCASIÖN! A Moses fuhr aber fort: ,Herr der Welt, wenn das nicht, so laß mich in dieser Welt wie einen Pogel sem, der nach allen HimmelsrichtuWen fliegt, täglich seine Nahrung sucht und am Abend zu seinem Nest zurmkkehrt. Möge Meiw Seele wie eine von ihnen sein!" Da rief Gott: „Sprich nicht weiter!" Als Moses nun sah, daß ihn kein Geschöpf vom Tode erretten könne, sprach er die Worte: „Der Fels, fehllos ist sein Wirken, denn alle seine Wege sind Gesetz; ein-Gott der Treue, ohne Falsch, gerecht und gerade ist er." . Was tat nun Moses? Er nahm die Rolle und schrieb darauf den unaussprechlichen Gottesnamen und das Buch des Liedes. Er hatte noch nicht zu Ende geschrieben, da war die Zeit herangerückt, wo er sterben sollte. .: Da sprach Gott zu Gabriel: „Geh', bringe mir die Seele des Mc^es!" „Herr der Welt," entgegnete dieser, „wep allein so kostbar ist wie Myriaden von Menschen, wie kann ich dessen Tod ausehm? Und wer solche Tugenden wie Moses besitzt, wie kann ich gegen den mtt Härte auftreten?" Darauf sprach Gott zu Michael: „Geh', bringe mis die Seele des Moses!" / ' 1 ,Herr der Welt," antwortete dieser, „ich war ihm ein Lehrer, er war mir ein Schüler, wie soll ich seinen^ Tod ansehen können?" Da rief Gott Samael den Bösen: ,MH', bvMge mi, die Seele des Moses!" Sofort hüllte sich dieser in Zorn, umgürtete sich mtt ffeinenr Schwert, erfüllte sich mit Grausamkest und schrstr aus Moses zu. Als er Moses sitzen sah, beschäftigt, den mvcmsfprechlichen Namen des Ewigen mederzuschreiben,' als er merkte» daß der Glanz seines Anllitzes der Sonne und er einem Engel Gottes ähnlich sah, da ergriff Hn Angst vor Moses, und er dachte: Wahrhaftig, EWÄ Lömven die Socke des Moses nicht nehmen! Bevor sich noch Samack gezeigt hatte, wußte schon Möses, das er gekmtmren sei. Aber als Samack dvm Moses ins Antlitz sch, erfaßte ihn Zittern Und Beben wie sine Gebärerin, und er fand kein Wort, um ihn anzuspvechen, bis Moses den Samael zuries: Kein Frtede, spricht der Ewige den Frevlern! Was tust du hier?" . Samael vMvortete: Seele M holen Au ich gekvmmen." Mer sendet dich?" „Der, der alle Geschöpfe ins Leben gerufen hat!", „Du wirst meine Secke nicht bekommen!" „Die Seelen aller Eüdgebovrml sind fat meine Hände gegeben!" . ,^Fch habe mehr Kraft als alle Erdgchornen!" ' ,Morin besteht deine Kraft?" ,^Jch bin der Sohn Amrams. Beschnittsn kam ich aus dam Leibe möiner Mutter. Am Tage, an deyt ich geboren wmÄe, konnte ich sprechen' und gehen. Ich sprach mit! meinem Vater und meiner Mutter und wukde nicht mst Milch gesäugt. .Als ich drei Monate alt war, pvohezeite ich,! daß ich das Gesetz aus Feuersflcrmmen empfangen wevde. Als ich auf die Swaße ging, trat ich in den.Palast des Kömgß und nahm die Krone von seinem Haupte. Als ich achtzig Jahve alt war, tat ich Zeichen und Wunder in Aegypten, führte Myriaden vor den Augen der Aegypter ans dsm Lande, spaltet das Meer str zwölf Tolle und vev- > wandelte das bittevs Waffer in süßes. Ich stieg empor in die Höhen des .Himmels, rrahm Dell an den KämPfen der Engel, empfing das Gesetz aus Himmelsslammen; ich wellte unter dem Throm von Feuer, barg mich unter emer FsuersäuL und spvach mit Gott von Angesicht zu Angesicht. Ich siegte in den himmlischen Kreisen urch enthüllte ihre Gcheinmiffe den Menschenkindern. Ich ernpfing die Thora Mvs der Rechten Gottes und lehrte sie Israel . . . Wer ist mtter den Stmckgebormn, der solches zu vollsühren vermag? Hinweg, Frevler, du hast kem Recht, nvit mir zu. sprechen! Hinweg, fliehe vor mir. Ich gebe dir mein« Seele nÄht!" * Samael kehrte um und erstattete der Akstmcht Bericht. Da befahl Gott abermals dom Samack: „Geh^ imü bringe die Seele des Meises!" Sofort zog Samael das Schwert aus der ScheLe, ging hm und steMe sich vor Moses. Dusetl erfaßte der Zorner nahur deu Stab die; Hand, m welchen der Gottesname eingegraben war, hieb" 'mit chm heftig <mf Samael, bis dieser die Flucht ergriff.! . Moses verfolgte ihm mft dem G-otteSymnen, schlug de»! ' Sjrahl der Macht aus seinen Augen, so daß er erblindete.; Der letzte Augenblick nahte für Moses. Eme Himancks-! st'mnne erscholl: „Das EM deines Sterbens ist gekommen!"- Da spmch Mose vor Go-ttt ,^err der West, gedenke dvs DatzeS, au tvelcham du um im brennenden Dombusche av- WZ — - ~nrm um mii —

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