Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1484 (31.3.1923)
- Date
- 1923-03-31
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, SamStog Wiener Moegenzeitnns. 31. Mürz 1923 Nr. 1484 ohne daß zu jener Zeit eine polizeiliche Anzeige erstattet hx» den wäre. Nun haj dieses scheinbar so rätseM-ft« Verschwinden -ferne Aufflärung gefunden. Offenbar ist die Handtasche in die .Falte Kovschen Titz und Seitenlehne des Fauteuils gerutscht und! doü durch mehr als ein Jahrzehnt unbemerkt liegen geblieben. * Die Irchen in Memel. In Memel wohne» die Juden bereits •fett dem Jcchre 1664. MoseS Jcckolbisoyn ist der erste jüdische Name, dän man in den Akten des Memdler Stadt» archws begegnet. Mn daZ Jahr 1668 erhallt er die Erlaubnis Mm Erwerb eines Hauses in der Stadt Memel. Dis zum Jahre Y-~ lv"'v“je“ Fadem mit tende an der 8 Wohnten im Memeler Kreise nur wem mklien. Die 1815 eigentliche Siedlung beginnt sich erst nach 5 zu vergrößern. Als nach den Kriegen Kemel im deutsch-russischen Handel eine bedew Jahre 1816 granlreich Memel im" dMtsch-russüschen Handel tellnW einzunehmen begmnt, nehmen die Juden Entwicklung des Handels hervorragenden Anteil. Bor allem betätigen sie sich als Hotz-, Getreide-, FlachshäMer und Lieferon'en. Sie vermitteln den Handel zwischen Rußland und Deutschland und sichren über den Njemen bedouterDe Warentransporte. Im Jahre 1818 tvaren bereits in Memel 95 Judenfcmrilien angesiedelt. Außerdem befand sich in Memel ein« größere Anzchl von fremden Juden, die hier M Handelszwecken -mehrere Monate im Jahre verbrachten. Nach dem Jahre 1618 wird bereits eine jüdipHe Gemeinde und ein MHches Bethaus begründet. Die Stadtgemeinde verweigert ihnen jedoch die Analoge eines Friedhofes, die Juden waren daher gezwungen, ihre Lerchen außerhalb Memels zu bestatten. Im Jahre 1831 vermehrt sich die Anzahl der Mischen Bevölkerung derart, daß die jüdische Gemeinde gezwungen war, drei neue Bethauser gu bauen, llon diese Zeit gründen aufgMärten Juden von Memel eine fortschrittliche deutsche Synagoge. Die Anerkennung der Mischen Gemeinde erfolgt erst 1858 nach langjähri-gen BerhaMungen mit der Regierung. Die Regierung vereinigt mm sämtliche Mischen Einwohner in der StÄ>t uüd im Kreise Memel zu einem Synagogenverband und bestätigt einen Vorstand, der von einer Repräsen antenversammlung gewühlt wurde. Das enÜUÄtige Gemeindcstatut wurde jedoch erst im Jahre 1862 bestätigt, in welchem ZeitpmEte bereits die jüdische Gemeinde über 1660 Seelen zähl e. Nach diesem Stattlt war die Gemeinde berechtigt, Steuern zur Deckung ihrer Ausgaben auszuschveiben. Wahlberechtigt war nur jener Jude, der eine längere Zeit die Gemeindesteuer entrichtet hat. Ein ganzes Netz von Wohltätigkeitsvereinen besorgt die Fürsorgeagenden der Gsmeittde. In den letzten Jcchren wurde auch eine Reihe von Vereinen zur Verbreitung jüdischer Wissenschaft und Li eratur, wie auch eine bedeutete GemeindcbMiothel begründet. Zum Unterschied von den anderen jüdischen Städten Ostpreußens Pulsierte hier stets ein reges jüdisches Leben. In Memel wirck e auch lange Zeit Dr. R ü 1 f, einer der ersten Begründer des modernen Zionismus und Der irrstische Gruppe in Deutschland * HeldenMutige Judenbekcünpfer. Aus Wels wird berichtet: In einer der letzten Räche wurden ein 18 Jahre alter und ein LOjähriger Bursche, beide Oft«* vcmer des Bundesgymimsiums, von Wachbeamten betreten, als sie mit noch drei anderen Leuten, deren Jdenti ät pkicht festgestellt werden konnte, an Uns verschiedenen Stellen in der Stadt Plakate Herabriffen, darunter die Plakate, die das Kleiderhaus ^ntz im Einvernehmen mit der Sickerheitswache hatte anqchlvgen lasten und ans denen für das Zustandvbvi-ngen des bei einem Einbrüche gestohlenen Gutes eine BelohnrvM von einer Million Kronen ausgdsetzt erschien. Die beiden jungen Leute erklärten, daß sie als Gymnasiasten die Juden und ihre hreiende Reklame bekämpfen, auch wollten sie dagegen demcmffiede^ist dem Abg. Dr. Hertz von der rechten Seite das Wort ^Judönjunge!" M-gerufen worden. (Plfui-Rufe links.) Ich frage, vb sich ein Abgeordneter zu diesem Zuruf bekennt. Das oeschieht nicht." (Sozialdemokratische und kommunistische Abgeocknete weisen mit den Fingern auf die Dmtschnationaken und Mlfen: ,Mese Feiglinge!" düngen — neue Kurse für Jugendliche und Kinder beiderlei Geschlechtes eröffnet. Die Einschreibungen finden statt: a) in der Schule, 20. Bez., Othmavgaffe 46. von Dienstag bis Freitag (3. bis 6. AprU, CHÄ-Hmmno-ed) von k bis 7 lchr nachmittags; b) im Schullokale, 2. Bez.. Große Mohrengaffe 16, ab 9. April, täglich von 4 bis 7 Uhr nachprittags. Es hmfo ersucht, die Eirffchreibungen raschestens vorrung oder Evwachurfe tonnen nur solche Schüler ausgenommen rden, welche über die erforderlichen Vorkenntniffe verfügen. * Der Verband -er Kriegerwitwe» und -Waisen Oesterreichs ersucht uns, zur Kenntnis zu bringen, daß die Krieger- Witwen und -Masten in Hinkunft ihre Interessen in einem eigenen Verband ausschließlich selbst vertreten werden. Die Geschäftsstelle des vollkommen unpolitischen Verbandes der Kriegerwitwen und -Waisen besuchet sich in Men, 1. Bez., Hofburg, Levpoldinentraft, wohin sich die Kriegerwitwen und ^Vasten in ihren Angslegenherten wenden mögen. * Die Donauüberjuhr Dutz-ors—Jedlesee eröffnet. Nach jahrelanger Unterbrechung wird morgen die Donauuberfuhr Nußdorf—Jedlese mit neum, modernen Motorbooten wieder eröffnet. * Schneebericht -es Sporthanse» Lazar, 9. Dez., ^vlingafse 13. Semmering: Temperatur + 5* C., 50 Zentimeter Altschnee auf Nordseite, auf Nordhängen gute Skifähre, Ostwind. Aussichten für die nächsten Tage r Schönwetter. Sonnjag den 1. April internationales Skispringen. Auf Sonnseite 30 bis 35 Wärmegrade. — Rax, Ottohaus: Südseite von 1200 Meter aufwärts fahrbarer Schnee, nordseitig bis nahezu ins Tal, Raxplateau Schneelage meterhoch unverändert, Keffelgrabm bis ins Tal fahrbar, für Skifahrer noch immer die besten Verhältnisse, Törlweg gut gangbar. Karl Senne »nachtsüber 0°. Vor Klettersteigen ist zu warnen, da noch alles tief imS chnee liegt. — Kitzbühel: + 1* C., klares Wetter, auf den Bergen bis zu 1 Meter Schnee. Die sonnseitigen Touren sind teilweise aper, wahrend die anderen firnig und bis ins Tal fahrbar find. — Waudeck: Temperatur -f 15°, Wetter schön, Wegverhaltnisse sehr gut. — Schladming: Günstige Skifahre bis ins Tal, morgens 0», oben-Pulverschnee, unten feuchtsalzig. — Pretulalpe: Hohe Lage Firn, gut fahrbar bis 800 Meter, Morgentemperatur 0», klar, windstill. — Tirolerkogel: Altschnee 1 Meter 20 Zentimeter, Firnschnee, Witterunasaussichten gute, Aufftteg Aunaberg oder Türuitz, Abfahrt fast ins Tal. — Saalbach: Wetter schön, Firnschnee, nordseitS bis ins Tal, füdseitig ausgeapert. / * Wetterbericht. Das Wetter hat sich wieder rasch gebeffert. Vorgestern fielen noch in Salzburg und Oberösterreich Niederschläge. Gestern morgens war es überwiegend heiter und auch tagsüber trat nur vereinzelt mäßige Bewölkung auf. Die Temperatur erreichte mittags stellenweise wieder 15 Grad. Voraussage: Sckönwetter. "-eist beiter, trocken, mäßige nördliche Winde- Di« i» den Nachfolge»-«» Rubriken mit a be-eichneren Aett-en «nd Artikel sind entnettlich« AnbSn-i- _gungen (§ 26 -es Prebgefehes)._• * Di« besten Tischan- Süßweine für die Osterfeiertage bezieht mm: en groS und en detail <mS dem altrmsmnierte» Stadtgutkeller, 2.' Bez., Stadtgutgaffe 36. o * ger-inan-sbiao. Unser GesinnungSgmosse Herr Siegmund O e h l b e r g bat mit heutigen» Tage die Direktion des Jfa-Palast-(FerdinandS-)Kino übernommen. Die neue Direktion wird nebst erstklassigem Programm jeweils am Abend die sportlichen Wettspielresultate verlinttbaren. a Berekne, BortrSge uud Bersammbmsr«. Hebe, ätschen Kl«-,'2. Bez:, Taborstraße 1. Montag, halb 8 Uhr abends, Bortrag M. Ungerfeld r Unsere religiösen und nattonalen Feiertage. Zamonsky: Peffachfeier in Palästina. Gäste willkommen. — Vortrag im Wiener Bet Hamidrasch. Heute, 11 Uhr vormittags, hält Herr Lektor Dr. S. Rubin im Bet Hamidraschlokale, 2. Bez., Ferdincmdstraße 23, einen halachischen Vortrag. Thema: Peffachim 22 oder re» ertr» eommeroium im Talmud und 6orp", iuris. — Vereinigung jüdischerAkademiker, 2. Bez., Im Werd 13. Samstag, 2 Uhr, Dinim von Peffach, Vortragender Rabbiner Wundermcmn. Derselbe wird Sonntag, 5 Uhr, im Bethcmverein Brüderlichkeit nnd Freundschaft über die Hagada sprechen. Gäste willkommen. — Zionistische Jugend« ruppe (Kultnrsektion> XX. Heute, 3 Uhr nachmittags, in der hebräischen Schule,' 20. Bez., Othmargaffe 46, Vortrag Herr S. Taubes: Kriterimn der jüdischen Literatur. Vorlesungen von Herm Schwager und NeumWN. Dienstag, halb 7 Uhr abends, in der Toynbeehalle, 20. Bez., DeniSgaffe 33, III. ordentliche Generalversammlung. Vorher Schekelabrechnnng. Mittwoch Theatervorstellung im Barrffchen Hof, 2. Bez., Taborstraße 39, zugunsten des Herrn Reines. Aufgeführt wird Dymows .Schwa Jisruel". Karten im Vereinslokale uud bei den Ausschußmitgliedern. — Jugendv e r e i n A h a w a t h Zion, Restaurant Menczer, 2. Bez., Ausstelluugsstraße 15. Montag, 7 Ubr abends, dringende Mitgliederversamnlluna. Erscheinen Pflicht. — Z i o n i st i s ch e Sektion XVI/XVtt. Donnerstag im Vortragssaale, 8. Bez., Bennovlatz 1, Paffahseier. — Der Verein Jüdische Volksbibliothek Zion, 2. Bez., Glockengaffe 30, veranstaltet während der Peffachseiertage einen Vortragszyklus über Entwicklung des Zionismus. Morgen um 4 Uhr nachmittags Herr Dr. Gelber: Ansänge des Zionismus. Samstag den 7. Avril Herr Dr. Finkelstein: Leo Pinsker. Samstag den 14., 6 Uhr, Herr Dr. Tartakower: Dr Herzl. Heute, 3 Ubr, dringende Sitzung. Kartenverrechnung Montag von 3 bis 5 Uhr im Vereinslokalr. NichtabgeMrte Karten gelten als verkauft. Urania. Heute: Großer Saal: Halb 3 Uhr: Die Paffion. 5 Uhr: König Dachstein. Halb 8 Uhr: Aus der Glanzzeit der heiteren Wiener Musik. Kleiner Saal: Halb 6 Uhr: Eduard G alias: Erziehung zum Gemeinschaftsleben. Halb 8 Uhr: Minnesang :md Minnesänger in Oesterreich. Kurssaal: 6 Uhr: Ing. Josef L ö w y: Grundlagen der elektrotechnischen Meßkunde, X. Klubsaal r 6 Uhr: Unid.-Lektor Ferd. Mat ras: RednerkurS, III. Halb 8 Uhr: Dr. Werner Riemerfchmied: Eduard Stucken. Vorlesung aus seinen Werken. krnühruug. LieSstermSrNr. Don dem sonst in früheren Jahre« beobachteten Treiben Ms den Ostermärtten ist bish« nichts zu bemerken. Einerseits haben die Leute vor dem Ultimo kein Geld, anderersetts fürchten viele Hausftauen, daß gewisse Artikel infolge des warmen Wetters zu Hause leiden würden. So konzentrierte sich das Hauptgeschäft' ans die gangbaren Arttkel, namentlich auf Fische «nd Gemüse. DaS Angebot an Seefischen ist ausreichend, ungenügend das an Flußfischen. Entsprechend der großen Nachfrage wurden die Preise für Seefische um 1000 K. in die Höhe gesetzt, so daß sich ein Kilogramm auf 12.000 bis 13.000 K. stellte. Lebende Karpfen notierten 22.000 bis 35.000 K., Schleien 22.000 K. pro Kilogramm. Bei den letztgenannten -Fischen wurden die Preise der Konjunktur entsprechend gleich um 7000 K. pro Kilogramm in die Höhe getrieben. Das Fleischgeschast stockte begreiflicherweise im Kleinhandel vollkommen, nur^ Gastwirte und Hoteliers machten im großen bedeutende Einkäufe. Tie Händler haben sich infolge des wärmeren Wetters nicht getraut, neue Vorräte zu beschaffen, so daß gestern überhaupt keine frischen'Bahnznfuhren zu verzeichnen waren. Kälber Halen sich im Großhandel um 1600 bis 2000 K. pro Kilogramm im Preise erhöht, der Preis für Kitzfleisch betrug 24.000 bis 30.000 K. pro Kilogramm. Auf den Gemüsemärkten war Spinat der am rnilsten begehrte Artikel. Der Versuch, die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben, wurde durch energische Intervention der Marktämter hintangehalten. ’ Anlätzlich -er Ofterfeicrfaac vergeffe die Hausfrau ni cM,. ih r.e» B eh a,r.f a u F i c i f chwaren bei den Koscherfleischständen der W i e n e r F l e i f chbänkegesellschaft m. b H. zu decken. T a b o rstraße 51, Sechshauser st raße 3b untz Turnergasse 2 3. Aelteftes und bestrenommiertes Größtmternehmen in der Fleischbranche. Verkauf von Rind- und Kalbfleisch vorzüglichster Qualität und mäßigster Preise. Die VerklNlfsstellen sind heute Samstag den ganzen Tag bis 7 Uhr abends geöffnet. Montag Verkauf bis 12 Uhr mtttags. Man verlange M eigenen Interesse Zchlungscoupons! a Bühne und Kunst. „gfotiffas halbes Herr". (Max Brod-Premiere im Theater in der Josefstsdt.) Diese Komödie, wölche im Theater in der Jofefstadt mit allen Zeichen eines starken Erfolges in Szene ging, besteht riHentlich aus zwei HÄlften: einer psychologischen Grübelei über das Lebensbedürsn'is der Frau, und, einer mit allechand netter, stellenweise ins Ulchaste gestvenveter Heiterkeit ausgestatteten erotischen Spielerei. Clavissa Purpus, eine große Tragödin, ll<bt chren Gatten, «irren steinreichen Baron» der zu allem Uebersluß noch Pttvatgtzlchrter oder so etwas Achnliches ist, also sür ine Tolerierung erotischer SeitenUprstnge nach Mer Lustspielsirle prädestiniert erscheint, mit aller Hingebung. Ihrer Veranlagung nach ist Clarissa jedoch — trcr Gatte weißdies und als Naturforscher ergibt er sich eben ins Unvermeidliche — eine Art Quavtalsäuserin der Kiebe. Sie muß für sich. für ihre Krmst, iurmer eine große Liebesaffäre haben. Die Liebesaffären der Frau Elaviffa haben aber stets etwas vo» eins.» tragischen Konflikt in sich, da die Schauspielerin ihrem jowsiligen Liebhaber nur ihr halbes Herz schenkt — das anders halbe gchört. ihrem Gatten.. Soweit das Problem erotischer Psychologie, welches Brod in dem dialogisch anfangs etwas umständlichen, aber recht straff gcfühvten ersten Ak« seines Lustspieles ent-! wickelt. Dort, gibt es auch eine sehr gelungen« KomödrcnsM«^ wie Clarissa ihr letztes LiebeserlehnlS ihrem Gatten vovsipielt. Dann aber zwinkct — um die Worie zu gebrauchen, die Brod einer seiner Lustspiclfiguren in den M-und legt — der Autor! mit den Angst und das Problem ist fort, um nur gelegentlich rm dritten Akt wilder als flüchtige Erinnerung aufzutauchen. Es geht nun wcirerln» in dem Lustspiel ohne problematische, Beschwerung recht seicht, manchmal aber auch — was dankbar vermerkt sei — recht leicht und lustig zu. Fran Clariffa hat ihr letztes Onaptalserlebnis vom Kurtheater in Riesen-brunn in.die Residenz gebrach:, um den unbedeutenden Sck>we!zer Mederjüngling zur künstlerischer Geltung zu bringen und für immer bei sich zu haben. Tsber der junge Mann ist schon verlobt und Clarissa ba^ wieder eine Enttäuschung erlebt (daß die Sache mit dem halben Herzen dabei unbedingt mitspielen müßte, steht nicht so unweigerlich fest). In ihrem Schurerze verläßt Clarissr das Thear.'r. Gott sei Dank nicht für lange, denn »ach vierzehn Tagen ha: sie bereits in einen: Spvrttvottel, der die Bekanntschaft mir ihr durch allerlei Finten errei.^t, ein taugliches Ob-! jakt ihres liebesdürftigen halben Herzens gosimdcu. Der Gatte tut. was weiland Octavio Piceolonrirti t<tt: er blickt schmerzvoll gen Himmel. Das Stück hat einen trefflichen Einfall Wusälle sind stets de Angelpunkt -in Brods Arbeiten), der für eine Komödie entschieden ausreichen dürfte. Doch, gefesselt von einem zweiten Einiall — das > ethische Problem der Liebe einmal auf den Kopf gestellt zu betrachten —, hat Brod den ersten Einfall nnauöae^'ihrt gelassen. Für die Ausführung des zweiten fchlt im freilich ettvas: die Unbefangenheit, die dazu gehört, um etviche Probleme auf den Köpf zu stellen. Oder — er hat zu viel Respekt vor ihnen. So hielt er sich denn in hätffig beganzellen, wohlerprobten Geleisen und brachte twtz mancher bodereklich den Kitsch streifenden Szenen sine recht saubere, Lnstsrielarbeit zustande. Bezwingend ist ihr Humor nicht, aber, liebenswürdig. Es ist jedenfalls weil bessere Lustspielkost, alS> wir in letzter Zeit vorgesetzt bekommen haben. Dies ist auch im künstlerischen Interesse von Konft a n r in, welche die halbherzige Clariffa mit entzück, parodierendem Humor darsteltte <»ur mit dem Parodiere» der Tragödin gchi es nicht recht, weÄ man nur das parodierenj kann, was man ist), sthr zu bsgrühen. Frau Konftankin Hatz endlich einmal wieder eine Rolle, die ihrer schausiMevischeuj Eigenart entgegenkommt und doch nicht Schund tb Sie ließ cll? Register ihrer mondäne» Bühnenammtt und chvuj Kunst. Toilletten zu tragen, spiele». In der von Josef Jar^ nos sichere Regie im Tempo erofflich boschwimgten Ausführung waren auch alle übrigen Mrtw'rkerden m» leichten Lustspielton bemüht; er gelang Hrns Rhoden am bestem Einen Theaterdirektor karikierte Herr Ritter recht amüsant^ Jarno hatte auch für geschmackvollr Szene gesorgt. Das Pu^ blÄum nahm die Novität und Frau Konstant!» mit gleich herzlicher Därme auf. Der Autor uud fe&ae HauptdarstellenW maßte» sich immer wieder zeigen. S. S, Komödlea-lms. In der neuen Operette ^Drei auf einmak" hat sich der Librettist Oskar Friedman« fein« Aufgabe recht leichtz gemacht: Ein reicher, junger Mann, der um seiner feWft willens geliiebt sein rnocht« und sich darum für bettelarm ausgibt, wrrd,> wie dies vorkonlmt, von drei Mädchen zugleich begehrt, zweien kommt er bis, der dMen, seiner reichen Cousine, geht er auf den Leim. Sie wendet freüich die stärksten Mittel tritt chm als armes Mädchen, Äs Tochter seiner Quart» rin, gegenüber und reizt ihn da»a bei einem Feste durch efa| Kostmn, nein, durch eine Kostümlosigkett, vor der er sich in diej Ehe mit ihr retten muß. Neben dreier Eva, deren pikante Rol von dem verführerischen Fräulem Elly Kreith mtt Charme gespielt und gesungen wurde, gibt «8 in Operrtten-,Maradies" auch eine Ast Adam, der sich Wotanj nennt und steißig Richard Wagner zitiert. — Die MufA if^ von Edmund Eysler. Er hat sich der Zeit angepatzt »nd ein« Anzahl flotter GhimmyS geliefert, doch hat feine Musik auchj gelegentlich Humor und ein Un-tertäi von Gemüt schwingt mit, der in der Operette Men geworden ist. Mit dem EntreÄietzj des Braurreibesitzers, das zwischen Münchner Hoftwau- und Wiener Heurigenstiimmung di« Mut« hält, hotte sich Her« Glawatsch mit seinem breiten, behaglichen Humor dinerst Sepa-rätopplaus, auch manche anHere Schlager, wie dep „Hottentottentrott", vechalfen dem Wcrke^im Bersi» mit detz lebendigen AuMhrung zu einem stürmischen Erfolg, der denp besch-öidenen, in der letzten Zei-t wenig verwohnten Kom-, ponisten wohl zu gönnen ist. Neben Fräulein Kreith und Herr» - Glawatsch fanden Frau Werginz für ihr graxiosrA SpieL und Herr Glaser für sein Extemporieren und seine ExzentEi künfte lebhafte Anerkennung. Auch ein norwegisches Eisläufe^ paar, das auf einer Kunsteisbahn tanzte, erregte das Interesse^ des Publikmns. " flh. Wiener Aeatrrkrlse«. Direktionskrise im Burgtheater. — Der Kampf ttm dah Josefstädter-Theater. Wie verbautet, besteht im Bürgtheater neuerdings eine Kvise. Die Schauspieler nehmen gegen den neue« Direktor Paulse« schävffte Stellrmg. Sie behaupten, «j mache ungerechtfertigte Unterschiede zwischen dm Künülevn in bezug au^ ihre künstlerische BeMenduna lowi» Ü