Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1484 (31.3.1923)
- Date
- 1923-03-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980565--14285-3001006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'TSST üS?l Mm, SaiMSdag MLe, daß das Nagelbrett, auf Welches sich Fräulein Martha kFarra legte, mit stumpfen, eng aneinander liegenden Nägeln!verschen ist. Wahr ist vielmehr, daß diese Drcchtstiften nicht jstumpf, sondern spitz sind und sich in nichts von gewöhnlichen »Drahtstiften unterscheiden. ES . ist unwahr, daß die Mitglieder [bet Kommission sich von diesem TM'dadurch Überzeugten, Daß sie auf daS Nagelbrett loSschlngen und sich dann darauf [setzten. Wahr ist vielmehr, daß niemand daS getan hat, weil er [sich sonst erhebliche Verletzungen zugezogen hatte. ES ist uujwahr, daß ein Versuch eines Kammiffionsmitgliedes, das ^Kunststück nachzumachen, von mir verhindert wurde und zu 'einem vorzeittgen Fallen deS Vorhanges geführt hat. Wahr ist vielmehr, daß niemand daran verhindert wurde, und der Vorhang dabei nicht gefallen ist. ES ist unwahr, daß die Mitglieder der Kommission festgesiellt hätten, daß der Ambos des Fräuleins Martha Fmna so leicht sei, daß man auf der Bühne damit Fangball spielen kann. Wahr ist vielmehr, daß mit diesem Am« VoS niemand Fangball spiele« kann, daß derselbe SO Kilogramm schwer ist, da derselbe amtlich geaicht wurde. Es rst unwahr, daß ein ähulicher Ull mit den angeblich 8Ö0 Kilogramm schweren Steinen getrieben wurde, wahr ist vielmehr, daß diese Steine in ihrer Gesamtheit von keinem einzelnen Menschen auch nur einen Millimeter vom Platze gerückt werden können. Es ist unwahr, daß das von Fräulein Martha.Farra verwendete Eisen zum Teile ganz, zum Teile an jenen Stellen, wo e8 gebogen werden sollte, durch Weißglühen erweicht wor^ den sei. Wahr ist vielmehr, daß dies nicht geschehen ist. ES ist unwahr, daß sich irgendein Mensch im Besitze eines eigenhändig von mir unterschriebenen und Unterzeichneten Briefes, in dem ich präpariertes Eisen bestellte, befindet. Wahr ist vielmehr, daß ein solcher Brief und eine solche Bestellung nicht existiert." Abschied Ir. Marti« RoseuMths. Herr Dr. Martin Roisenblüth, dom die Zionistische ^xeLuttve in der Zeit des starken Aufschwunges der Mijah nach Evez Israel, die venmtwortungsvolle Ausgabe zugswiesen hat, die Wanderung im Knotenpunkte Wien in geregelte und syflrmisierte Bahnen lenken, verlaßt nach zwevMviger Tätigkeit Wien. Seit dem Jahre 1910, in dem er M Sekretär der dasMÄigen Zionistischen Leitung in Köln, in den Dienst der ZiojnPüschen Organisator trat, ist Dr. Rosenblüth ununterbrochen zionistischer Beamter geblieben. Er arbeitete nach der Ueberpedlung der Leitung aus Köln sodann in Berlin Wetter, wirkte pn der Borberettunig des Wiener KMgvesses (191©) mit und Übernahm bei Kriegsausbruch di« Leitunig des Zionistischen Bureaus in Kopenhagen, welches als Verbindungsglied zwischen peu.durch dm Weltkrieg abgeschnittenen Landesorganisationen Und der Zentrale in London dient?. Mitte 1921 wurde er zur Leitung de8 Palästina-Amtes in Wien berusm. Seme auf dem Gebiete der Abiftch geleistete Arbeit, der in jeder Beziehung unibeschräntte Anerkennung gezollt werden muß, läßt es echofftn, daß Herr Dr. Rosen blüth. wenn auch nicht ln Wien, weiterhin der Mijah rhoÄten bleiben und damit unseren Mischen Sachs den bHen Dienst leisten wird. Am 28. d. versammelte sich im Arbeitsvanme Dr. Rosenblüths die Beanttenschast sowie Vertreter der Palästina- Kommission, und der verschiedenen zionistischen Föderationen und Institutionen, um anläßlich fernes Scheidens in entsprechender Weise seine ersprießliche Tätigkeit auf dem Gebiete der Ali sah während seiner zweijährigen Leitung des bisherigen größten Palästina-ÄlrchWngs-Zentrnms Wien zu würdigen Nach einleitenden Worten drs Herrn' Dr. N. Blaue r, Sekretärs des Palästinas-Amtes, würdigten die Herren B o gdanowsky, Fischers Lanczener, Retter (MiÄrachi), Dr. Tariakower (Hitachduth), B reg m a nn (Zcire Zion), Dr. Taglicht, Dc. Weiner, Dr. Korn, Dr. Hirsch! (Keren Hajessod) die Verdienste Dr. Rosenblüths. Ans sämtlichen Reden ergab sich die allgemeine Beliebtheit, der sich Herr Dr. Martin Rosenblüth in allen Kreisen und Pavteittchttwgen erfreut, sowie das aufrichtige Bedauern über sein Scheideiu Die AMner Hechnluz-Konferenr. Die vor einigen Tagen geschlossene zweite allweltliche. /korrferenz der Hechciluz-Organisalron in Berlin hat beschlossen, gegen die palästinensische Regierung, die die Tore des Landes vor deir Chaluzim schließt und gegen die Emigrationsbeamten, die den eintrcffenden 'Immigranten Schwierigketten bereiten, energischen Protest zu erheben. In einer an die internationale Arbeiterklasse und insbesondere an die englische und arabische Arbeiterschaft gerichteten Proklamation erklärt der Hechaluz, daß die jüdischen Pioniere nicht zum Zweck der Ausbeutung oder der Verdrängung ins Land gehen, sondern um eine gesunde Arbettergemeiuschaft, aufgebaut auf der ^Grundlage der sozialen Gerechtigkeit, zu schaffen. Die Konferenz drückte ihr Bedauern aus, daß die Zionistische Organisation die Wichtigkeit der Arbetterrmmigration nicht richtig eingeschätzt, und sich deshalb den äußerlichen Hindernissen nicht [genügend entgegengestellt hat. Die Konferenz hat ferner den ^Entschluß der allgemeinen jüdischen Arbetterorganisation in [Palästina, für die Schaffung einer lebendigen und organischen Verbindung mtt der Hechaluz-Beivegung in der Diaspora Sorge igtt tragen, warm begrüßt. und die Initiative ergriffen, um lalle zionistischen Arbeitersraktionen zur Vereinheitlichung ihrer praktischen Arbeit zu bewegen. __Wiener Morgenzeitupg.__ Betreffend die professionelle Ausbildung der Chaluzim hat die Konferenz beschlossen, daß Chaluzim ausschließlich in enen Berufen, die gegenwärtig für den Palästina-Aufbau nötig sind, ausgebildet werden sollen (Landwirtschaft, Häuserbau, Fischerei, Wassertransport, Hanstierzucht, Geflügelzucht usw.). Die Ausbildung der Chaluzim soll nach drei Arten erdigen: a) in speziellen, von der Organisation Hechaluz geschaffenen Anstalten; b) von Produktivgenossenschaften; c) Privatunterbringnng. In das neue Zentralkomitee wurden gewählt: S. Lewmohn, M. Bogdanowski, S. Rubaschow, M. Schapiro und A. Jriedland. Hierauf wurde die Konferenz geschlossen. Mitteilungen aus dem Publikum. MMMWUWWMck^ UücKet LSMWWÄWM«. tmwia Kvmerol dem feinsten Pflanzenfett am Kokosnüssen ■ Kus\eroi 7 Snea bestes streacKha Xttndmachttttit Der Verein *fDfi (Humanitas) gibt hiemit bekannt, dass in. seinem Bethause Wien, II., Schiffamtsgasse 5, während der Pessachfeiertage der berühmte Ofcerkantor Salomon Kreuzstein aus Baden den Gottesdienst sowohl abends als auch , morgens verrichten wird, zu welchem die verehrlichen Mitglieder herzlichst eingeladen werden. Gäste willkommen! Beginn des Gottesdienstes abends 7 Uhr, morgens präzise */a9 Uhr. 7t« Die Tempelverwalttmg. Hv»piai«Bm»»ni«mfli»oiit«Biiin««a«iiumniimniiiinuu*uin»n g ELEGANT UNO BILLIG f KLEIDEN SICH DIE f |H E R R E N | BEI RONIS & ALTSCHÜLER IM j 6 KLBIDERHAVS M5 n MODERN“ 100 III., LAND STR. HAUPTSTR. Streng orthodox Hotel find Restaurant BARSCHAK H. Grosse Schiffgasse 3 Telephon 40-1-39 nDD p WD sowie vorzflgl. Meth und Sliwowitz Breitmann Ki«krsMl,WerleiI>ttl L Bez., Operngasie 14 Kiilüis-ii.Jiistiztaiare u. Barette 235 liefert in schünster AaBfOhrang Äe bekannteste Speüalfirma RUDOLF Wim W^nJllTaborstnÄrAS-S^ Gegründet 1866 - OroBe Auswahl feinster Stoffe für Maßbestellungen MES-FABRE Telephon 69-1-23 | Telephon 69-1-23 I Knishacher & Winflsctoer, Mi. I. fleulorgasse 6 1 NM -bbsn aj«5nj 1 Export nach allen Staaten Gontinental-Speditions-Gesellschaft,WI T^kphlfS 2»| Direkter SammelverkehTKrakau'Lemberg'War schau / Eigenes Transitlager mit Geleiseanschlussj 31. mn 1928 SeÜe 9 i --:-3—--—^ Wie Barnhagen v. Snse wer khrkftm mü» Juden dachte. Die anttsemitischen Journale haben einen beträchtlichen Teil ihrer irdischen Seligkeit erreicht, wenn e8 ihnen geling^ in einem Buche, Und fei eS selbst von einem notorischen Dnmiwi köpf der Welt geschenkt worden, irgendeine gehässige Aeußs^ rung über die Juden zu entdecken. Die wird dann zittert und abermals zittert und so lange wiedecholt, hjs der ohnehin mtt Judenhaß genügend gefütterte Leser des Blattes zu der Mer. nung kommt, der betreffende Schriftsteller habe überhaupt nichts anderes auf Erden getan, als mit den mttisemitischeu Journalisten um die Wette aus die Juden geschimpft. Daß di, judenfrenndlichen Bemerkungen, und mögen sie von den nam, Hastesten Autoren herrühren, dagegen von diesen Blättern sorgfälttg verschwiegen werden, fft nur logische Konsequenz, Ist dies aus irgendeinem Grunde nicht gut möglich, dann kann man die Wahrnehmung machen, daß die mitunter komv schesten Versuche unternommen werden, die Bedeutung solcher Aeußerungen herabzudrücken. Das bequemste ist, und wirp daher auch häüfig angewendet, den betreffenden SchriststelleZ zum Juden zu stempeln oder, wenn dies aus irgendeinem Grunde unausführbar ist, doch als einen von Juden abhängig gen „Judenknecht" zu denunzieren. Selbst ein Hermann Ba^ ist diesem Schicksale nicht immer entgangen; man kann ihp in Bartels judenfrefferischer Lsteraturgeschichte — aus dem Bartels holen die kleinen Skribler ihren Most — als dev Typus des dem arischen christlichen Volke gefährlichen Juden, schreibers angenagelt finden. Was wird so ein armer antisemittscher Federheld aber zum Beispiel.mit einem Manne wie Barnhagen v. Ensi anfangen, dessen unverfälscht arische Abstammung ebenso uaj bezweifelbar ist wie die außerordentliche, vor keinör Kühnheit zurückschreckende Wahrheitsliebe und Geistesschärfe, die sich itz seinen Werken kundgibt? Barnhagen schreckte selbst vor der Ungeheuerlichkeit nicht zurück, gelegentlich -- es ist furchtbar! nicht allein an den Juden ein gutes Haar zu finden, sonder« sie noch auf Kosten der Christen zu loben. Er wagt es, in seinen jetzt allerdings nur noch von literarischen Feinschmeckern gv lesenen „Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens" — nach eine! Bemerkung über die Seltenheit des wahren Glaubens — urttei anderem buchstäblich zu schreiben: „. . . Und wenn ich nichj nur auf den Glauben, sondern auch aus den Wandel und dtt Werke schen wollte, so dürfte ich mit allem Rechte gegen meine jüngeren Freunde und auch gegen Steffens und Schleiormacher die ärgerliche Forderung aufstellenj man möchte mir doch einmal Christen zeigen, denn ich hätte deren leider noch keine getroffen, wenn ich nicht etwa ein paar fromme Juden so nennen sollte^ die ich in Amnut und Verachtung nicht nur stteng rechtt schaffen, sondern gottergeben und milde ihren Bedrückens Liebes erzeigen gesehen." Hm... es muß sich doch irgendein Mttel finden, um Barnhagen, wenn auch nicht zum Juden, so doch zum „Indens knecht" zu machen. Es muß . .. nn. Mine LokalchroM Von der Wiener Polizei wurde ses^eftellt, daß der hf einem Wosserlcmf zwischen Hamburg und Hardurg anfgesundenq Tote, an dem offenbar ein Raubmord verübt worden war^ mit dem aus Jugoslawien stammenden Franz Waldmayer identisch ist, der einige Monade in Hernals ein Gennischtwaven-, geischäst betrieb, im Jänmr dieses Jahres, in der Msicht, nach Ämevcka auszuwandern. mit 17,5 Millionen Kronen, dem Erlös aus dem Verkauf des Geischäiftes, nach Hamburg geifahr-eni war und seither demrißt wurde. Von einem Hund wurde gestern in Tribuswinkel die Leiche e^ines etwa 14 Tage alten Kindes entdeckt, das offenbar! ermoxdet wurde. * Die Goldparität miversnöeel. Die Geschaftslettuug der Oesterreichischen NationMank teilt mit, daß die G o l df Parität (Umrechmmgsverhaltnis betteffend die Zollzahlungeq in Gold) für die Periode vom 2. Apttl biS 8. Apttl 1923 mis 14.460 K. festgesetzt worden iä. * Sterbesall. Am 29. d. ist hier Frau Marie AiachWde (vormals Freifrau von H e i n e -- G e l d e r n, die Gemahlin des Max Heine-Geldern, kurz vor Vollendung des 59. Lebensjahres gestorben. Sie lvar die ältere Tochter des Freiherrn Adolf von Seidler und 'seit dem 90. September 1884 vermählt. Ihr Bruder Hans Seidler ist'Gesandter, ihre Schwester Margarete nril Richard Coudenhove-Kalergi verheiratet. Sie hinterläßt zwei Söhne, Dr. Robert und Wolf Heine-GeDern, und eine Tochter, die mit dem Obersten Moritz Fischer-Ledenice verinählt ist. * Der Orienlalist Clermont Gauneau seftorben, Der bedeutende Orientalist und Archäologe Professor arn Colle^« de France, Charles C he r m o n t Gauneau, ist rq Patts im Alter von 77 Jahren gestorben. Der Gelehrte hat aq den Ausgrabungen iü P a l ä st i n a und anderen Länden: des Orients oft hervorragenden Anteil genommen. Im Jahre 187g publizierte er als erster den Text der von dem deutschen Missionar Klein anfgefundenen Jnschttft deS Königs M e s a v o n Al o a b, deS ältesten erhaltenen Doküments iq hebraischerSprache und Schrift. Der Denkstein M Mesa berichtet von dem Siege des Königs der Moabiter über König Joran: von Israel (9. Jahrh. v. Chr.) und steht mit den, biblischen Bericht (2 Kön. 3 ff.) durchaus in: Einklang. * Die Goldtasche im alten FnuteuU. Wie berichtet, wurde in einem alten Fauteuil, der schon jahrelang im Magazin deq MibeWimra Müller am Einsiüdlevplatz gestanden ist, diesen Tage eine kastbave Handtasche aus GM und Platin mit Brillanten gesunden. Gestern hat sich mm der Gutsbesitzer Dr. Al-, sred Porada-R-aPPaPo r t, L Bez., Plößlgasse 8 wohnhaft, gerneldet, und die Handtasche, die Millionen wert ist. irn Fundamt als sein Eigentum rekla-nttert. Gelegentlich der Neueinrichtung seines Hauses in der Plvtzlgaffe hat sich Dr. Povada-, Rappaport von der Firma Müller leihweise im Jahre 191^ Möbel beistellen lassen, unter ihnen war auch der Fauteuih Damals ist aus rätseHaste Weise die Handtasche verschwunden^ Kr vamsn und Hsrrsn, sowls s.11s Lsjdsuwsron hAoa»*»— > 4,»* g aaseb!l Kann & Fried VI., Linke Wien: zeile 40. im Hole