Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1484 (31.3.1923)
- Date
- 1923-03-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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I ftt. 1484 _' Wie«, Samstag_ jwntt'Hari-ates beschlossen. Der zu evndnrren-de ErtzrqpuWZLoWnMr wird im Einv^stäudnis mit dem Mist4stevpräsiden1en die nötigen Ersparungen in der. Staat sverwLlimrg und den staatlicher Anstalten durchführen. In der nächsten Zeit wird auch ein beso «derer Minister für die Agrarrefornr ernannt werden, in -dessen Kompetenz die endMtige Durchführung der Agrarreform gehören knrd. Me Lemberger Universitiit ««d der Numerus clausus. Lemberg, 30. März. (I. C. B.) Entgegen der BehaiuPlung der itatronaldsnwkwtrschen Presse, daß die Professoren der Lemberger Umversität die Einführung der Prozentnomr für jüdische Studieverlde einstimmig befohlen -hätten, ist jetzt zweifelsfrei festgestellt worden, daß mehrere Professoren, darunter gerade diejenigen, .von anerkanntem wissenlschaMchen Ruf, gegen den Nn- 'MermS clausus gestimnrt hüben. Segen dar Mische Rechtsschutzbureau i» Lemberg. Lemberg, 30. März. (Tel. der „Wr. MovgenZeitung".) Die 'bereits genveldet, wurde hier vor längerer Zeit ein ßüechtsschntzburean der vstgolizischen jüdischen Abjgoovdrveten gegründet, das in verschiedenen Rechtsfällen mrterveurerte. In den letzten Tagen hat der L^nberger Doiwode an -die ihm unterstellten Organe ein Zirkular gerichtet, in den: den Beamten verboten -wird, die Interventionen des genannten Rechtschutzbuveaus zu berücksichtigen. PalSftiaa. Verschiebung der Hauptwahlen in den gesetzgebenden Rat. Jerusalem, 29. März. (I. C. B.) Die Regierung von Palästina hat Lc schlossen, die H a u p t w a h l e n in den G e f e tz g e b e n d e n Rat für u n b - st i m m t c Zeit zu verschieben. Bekanntlich war auch der Zeitpunkt der Urwahlen, die ursprünglich am 28. Februar hätten beendet sein sollen, um dite Woche verlängert werden. Das Ergebnis der nun beendeten Urwahlen ist folgendes: Es wurden als Wahlmänner gewählt: 120 Mohammedaner, 90 I rr den, 27 Christen und 8 Drusen. In diesem Züsammerchange fei darauf hingewiesen, daß der Unterstaatsfekretär der Kolonien O r m s b y Gore am 15. März dem englischen Untevhaufe mitgeteilt hat, der Staatssekretär -der Kolonien ha-be die Verlängerung der Wahlperiode um zwei oder drei Monate bestätigt. Gesellschaftsreisen nach Palästina. Die zweite Gruppe ver vom Wiener Palästina-Amt veranstalteten Gesellschaftsreisen nach Erez Israel wird sich, wie nunmehr feststeht, mit dem am F-r e i t a g b e tt 13. April vom Triester Hafen auslaufenden Eildampfer des Lloyd Triestino einschiffen. Die Abfahrt von Wien erfolgt Donnerstag d e n 12. A p r i l mit dem Slbendeilzuge ab Südbahnhof. Anmeldungen zur 'Teilnahme an dieser-Gesellschaftsreise werden noch bis zum 10. April beim Palästina-Amt, Wien, 1. Bez., Bauernmarkt 24 (Telefon 63-1-27) entgegengenommen. m Wiener MovgenzeitnM._^ ——i—udfutmeei.-.»'? •-.■.mmmmasattmw < mwi— ’RUttwö'ch den k April im Saale der ToynbeehaUe, XX.. Dentssasse 33, VjS Uhr abends JOB. VOLKSVERSAMMLUNG TAGESORDNUNG ,A.k4nelle raI仫Mi«*r»j|©tt* Referenten die Herren:. Rabbiner HOROWITZ, Doktor in WALDMANN, Dr. LÖWENHERZ Rundschau. England gegen die Sowjettegiernns. London, 29. Mai. (Reuter.) Jur Laufe einer Erörterung im Unterhaufe.betreffend die Frage der Anerkennung der Sowj-etregieru^tg als de juve-Regie» rnng erklärte der Unterstaatsfekretär im Auswärtigen Amte Mac Neäll, solange die rnMche Regierung ihre gegenwärtige Politik befolge, werde sie nur als de facto- Regierung anerkannt werden. Er fügte hinzu, die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit seien nicht danach angetan, das Parlament und das Land zu veranlassen, einer Regierung, die für Akte-der Barbarei verantwortlich sei, die die ganze zivilisierte Wellt entpöven, die Freundeshand zu reichen. Mlkerbmdschutz für weibliche Emigranten. Die VÄkevbnndkomnriffion zur Bekämpfung des Mädchenhandels hat beschlossen, eine besondere Unterkonmnission zum Schutze der weiblichen Emigranten einzusetzen. In Anbetracht der großen Zähl der jüdischen Emigranten sind bei der Zusammensetzung der Unterkommilsiicn die jüdische n O r q a n i sat i o n e n b e r ü cksichtigt worden. Die Unterkommission besteht ans je einem Vertreter der Vereinigten Staaten, Italiens, Japans und Uruguays und einem Vertreter der jüdischen Vereinigung zum Schutz junger Mädchen. Serbisch.bulg irische AnMerung. Sofia, 30. März. (Bulg. TÄ.-Ag.) Amtlich wird mitgeneiü: Die bulgarischen Delegierten der gemischten serbischbulgarischen K o m m i s s i o n sind nach Ttbschluß der Verhandlungen in Risch hierher zurückgekehrt. Das Ergebnis der Arbeiten der Kommission wird als -beiderseits befriedigend betrachtet. Die Kommission befaßte sich insbesondere mit Maßnahmen, die ergriffen lverden müssen, um die Siche rheit der Grenze zwischen 'Bulgarien und Jugoslawien zu gewährleisten. Die Delegationen., die von freu-ndschasilichen Gefühlen beseelt waren, haben ncb über getvisse Maßnahmen geeinigt, deren -Anwendung auf beiden Seiten sicherlich die -besten Erfolge bringen Joirb. fiT SELTENE UND BILLIGSTE ü Gelegenheitskäufe in 4)10 Anzügen, Raglans,' kiSfeX’o. Heinrich Weinberger l„gSf,r- 6 31.' März 1988 - - Tagesbericht. Erwachende Studenten im Wischen Brrftet Ans der Geschichte des Weltkrieges wissen wir auf Grund der Erzählungen nichts»bischer Teilnehmer, wie oftdie Offiziere während der russischen Besetzung Galiziens, um vor den Russen Schutz zu finden, als polnische Jude» verkleidet, in jüdischen Familien Unterkunft fanden und wie Farnilienangehörige behandelt wurden. - Es waren mit» unter Offiziere, die, solange sie noch zu befehlen hatten, ihre jüdischen Untergebenen mit wahrer Wollust, peinigten, und gar mancher von diesen, die es nur den Juden zu danken haben) daß sie heute überhaupt noch am Leben sind, steht jetzt an der Spitze der H a k e n k r e u z l e r b e w e g u n g, die den Mord gegen die Juden verkündet. Ein Gegenstück hierzu er» zählt „E gyeu löseg" aus der Zeit der letzten Exzesse der Erwachenden Uügarn, im Verlaufe lvelcher die Pol,zei sich veranlaßt sah, die Radanstudeuten mit derblanken Waffe auseinanderzutreiben. An diesem Tage — so erzählt ein Leser des genannten Blattes — sitze ich einsam zu Hause und grüble über mein trauriges Schicksalnach. Plötzlich höre ich Schritte im Hauch ein Flüstern vor meiner Türe. Erschrocken denke ich an die Unruhen, die sich da unten auf der Straße abspielrn. Da klopft es an der Tür. Ich spähe durch das Guckloch, vor meiner Tür stehen vier junge Leute. Ich würde lügen, wollte ich bchaupten, daß ich über den Besuch sehr erfreut, gewesen wäre. Es waren vier Studenten. Ich wollte nicht ansgehen, mn mitv ihnen nicht zusammenzutreffen und nun suchen sie nricl, in nwiner eigenen Wohnung auf. Das Klopfen an der Tür wiederholte sich. Es war kein starkes, befehlendes Klopfen, vielmehr ein bescheidenes,, bitten» des Pochen. „ Ich bitte sehr die Wre zu öffnen," kam cs vo, draußen. Ich öffnete. Die vier jungen Leute, na wo ins Zimmer. - . . Wir bitten um Entschuldigung " begann der eine, „saß. wir in ihre Wohnung eindringen, aber draußen an; dcr Straße ist jetzt eine Demonstration imb die anfzicheude Glu»!i-nnnstl»,:fr ist -mit der Polizeibereitschaft. z>-sammenaei:oßen. Die Stndentenmassen werden ouseinandergetrieben m.rd die Po'izei zwingt viele zur Ausweisleistung. Wir möchten dies vermeiden, deshalb suchten wir Schutz-zuerst im SticgenlMls, und aus diesem Grunde wagten wir es, bei Ihnen, hochverehrter Herr, anzuklopfen. Mein Rann ist . . ." und er nannte, seinen Rainen. Auch ich nannte den meinen: Neufeld. Die tote*. Studenten sähen einander verlegen an. „Bitte Platz zu nehmen.* Ganz verwirrt setzten sich die vier Studenten und so selr sie es auch zu bemänteln suchten^ sah mau ihnen doch ihre Befangenheit an. Es war auch wahrhaft eine ganz eigenartige Situation. Vor zwanzig Minuten noch haben die vier jungen Leute wahrscheinlich mit den übrigen mKgesungen: „Erger, Berger . .. jeder Jude ist ein HalurEe^ und jetzt sitzen sie da -m dem omKigen Zimmer eines arm« Juden, in. welchenr -wahrlich keine Spur ist von jenem verschwenderffchen Pomp und Luxus, der nach ' den Hetzbesichten der Rassenfchutzpvesse di« Wohnungen der Inden besonders charakterisiert. Jetzt sitzen sie da im Zimmer eines JÄden, der bereits fernem Lebensäbend zufchreitet, kein Schicker, kein Börsianer, auch, kem Pveistrekber oder Wucherer P, wie ,Me Juden", sondern bloß ein trauriger, zurückgezogen lebender veckrt-t-eter Mensch, der vor vier Jahren ohrve jML Urteil unter denr Drucke, de» Strafe in nnivürdigster We^e seines täglichen Brotes berauA Leinenwaren, Wascstvaren, 8tokke,>Vä8cbe, Strickwaren n unerreicht I Warenbip Preisen S Igys Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gro» En detail ■ (Nachdruck verboten.) Herzl beim GroWeftr. <fludem dritten Bande von Theodor Herzls Tagebüchern *) . Mophvigjht 1923 Hy Jüdischer Verlag Berlin.) 39. Jul-i, an Bord des Minen -Konstawt-mos. ' Der gestrige- Tag mit seinen müßigen Aufregungen hat ek mir nicht gestattet, die Vorgänge des Sonntags einzuträgen. Sonntag (vorgestern) nachmittags echielt ich ein Telegramm von Ibrahim, ich möge sofort ins Palais kommen. Ich kleidete mich um und stihr auf unserer Mieffacht -nach Beschiktasch. Im Palais erwartete -mich schon Ibrahim, T-cchsm nud des Sultcnts Kämmerer Aavif Bei. Der Sultan habe befohlen, mich zum Großwesir zu fiihreu. Ibrahim und Aarif sollten mich begleiten. Zum Kwtzen ° Staunen der BaKschvsch-Mrhäden aut Nildiz-Eingang erschien ich zwischen diesen beiden gros leguines, gefolgt von drei verschwiegenen Dienern. . Im Okzident hatte man es wohl für den cortege einer Hinrichtung gehalten. Zu Said Pascha, Hoheit! : Ich fuhr in Ibrahims Wagen vormrs, die beiden Herren in einem zwetten hinterdrein. Beim Großwesir gab es ivieder langweiliges, entrrerven- >es Warten. Zuerst Vevschwamden meine Hessen Kavaliere im Zimm-er Sr. Hoheit. Nach einer sehr langen Weile öffnete sich die Türe; ein Wmr, fettlicher, welker alter -Herr ün Kranken-schlafrock erschien urch bat .mich näher. *)A«S dem anfangs April erscheinenden dritten Bande der Tagckücher Theod. ^rzls, mit d«m daS WerT adgefchloffen Das war Said Pascha. Er bat mich um Details meines Exposes, das -ich dem Sultan überreicht hatte. Den JÄhalit unserer /Unterredung, der Ibrahim und Aavif als lautlose Sekundanten, die Hände respektvoll über dein Bguch gefaltet, beiwohnten/ habe ich in bdft Brief von gestern an den Sultan zieinlich genau wredergegdbem Hinznzufngeu nur, daß Said, der schr klug aussicht und sehr liebenswürdig War, meine .JndeNhilfe für eine sehr hiMMn-itäre und Miche erklärte. Zu bemerken aber besonders der lange Seitenblick nach den ztvei Zeugen hin, mit de»n er die Frage begleitete, aus welchen Personen das Syndikat bestehe. Für diesen Seitenblick, resp. die ostensible Klucheit, welche sich darinausdvückt, ist er Großwesrr. ' Uebvigens erklärte er schließlich, sich über mckne Bekanntschaft zu fteuen, und unter Selamaleks Erster Klasse mit Eichenlaub verabschiedete er mich.' Dieser Uuterredung hatte -ich nugefähr mit deuselbeu Erioavbungen entgogen-geschen wie vor vier Jahren in Potsdam der mit Chlodwig Hohenlohe. Auch Se. Hoheit Said Pascha a fait son Petit Hcheulohe. Bei aller Li§bens4vüMgkeit erkältend. Wir sichren nach Aildiz zurück, ich . wieder in Ibrahims Wagen voraus, die beiden Kavaliere hinterdrein. Aarif ging zum Sultan und brachte uvir den. Bescheid, einen Rapport über meine Unterredung mit dem Großioesrr zu erstatten. So kontrolliert der Sultan die Nichtigkeit de.ssen, was mau ihm vorlegt. Das System -ist-zweifellos klug, ober es erfordert einen genialen Hervscher. Die Oeffentlichkeit bedeutet jedenfalls eine größere Sorgl-ofigfeit für -den Herrscher.. Ich versprach uvei-nen Bericht ftir gestern morgen, wurde o-ber erst mittags. fertig. ' Die Nacht hatte mir -noch der erkältenden Lieibenswürdigkeit des (evWteten und cm eine»n Zahngeschwür leidende») Grohw^rrS, und »och oex »och viel Minm«ren fühl, als ich meinen Brief fertigbrachte, einen guten Zug « der Schachpartie gemacht zu haben. Meinen Brief legte ich versiegelt, tote es der Sultan ge« Nmnscht hatte, in ein Kuvert und sandte es durch Wellisch nach dem Palais, ioährend ich mit Wolffohn in unserer Mouche blick, tot Beschiktasch auf den blauen Wässern. .Die. ent. , setzlichen. Wartestunden wollte ich wenigstens in guter Lust verbringen, statt in Jbrähinrs Zinuner, dessen Dsppichmuster ich bereits auswendig tveiß. Eine Stunde wollte ich vo» Beschiktasch kreuzen, daun nach Pera fahren und dort im Palai» die Befehle ertvarteu. In dieser Stunde karu nichts; ich sichr nach Pera; aber kaum hatte ich meiu. Mitt<bgsmahl hnumtergeschlungen, karn . schon Wellisch augerasselt und rief mich' ins Palais. Ich sichr aber nach Golata und von dort mit der Jachtnach B-eschaktasch. / ' Im Ml-diz, der Hauptstadt von ÄAmdersänd, errvartet« rnich eine Ilebermaschn..^ Mich erwarteten Jbvahiru, TaWn und Aarif. Letzterer gab mir -den noch.nicht entsiegelten Brief zurück, den ich an den Sllltan gerichtet hatte. Der Sultan wünsche, daß' ich meinen Brief von mriiiem eigenen Vertrauensmann übersetzen baffe und -dannversiegelt ihm. direkt einseüde. Der Sultan hatte Wellisch' dazu bestimmt; aber dieser erklärie sich außerstande, es zn machen, weil er nicht türkisch lestu urw schreiben könne. . Ich mußte' versprechen, die llckersetz-nng 'bis zum Abend abznlieserw Wo sollte'ich aber in dieser Geschwindi-ff-est einen ' vertra-ueuswnvdigeu llebersttzer hernehmen? Gleichirohl der» sprach ich den ettvas verlegenen Herren, nstin möglichstes;n tun. Etz war immechi-n ein -Mißtrmt-erSvotüm, das; der Herr rhneri gob. Dam: kanl noch mwii Verblüffendes. Tahsin sagte mir durch Ibrahim hiudnrch, -der'Sulitau -wünsche, daß ich die Schecks) ine ich chsn gejchick» Hab» mxnd&vix. Ich verstand nicht --*"■ - - - •- V-Jk' «„WMU.U.