Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-03-31 · Heft 1484 (31.3.1923) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1484 (31.3.1923)
Date
1923-03-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980565--14282-3001003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

fcfetfeS Wien, Damstag Wiener Morgenzeitung. 31. März 1828 Set Bundeskanzler in Italien. Mailand, 80. März. (Tel. der „Wr. Morgenzettltng".) gestern um halb 3 Uhr nachmittags fand in der Präftktur eine Besprechung zwischen dem italienischen Mnisher- Präsidenten Mussolini itnd dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel statt. Der Bundeskanzler dankte dem Ministerpräsidenten für alles, was Italien zugunsten der finanziellem Wiederauffichtung Oesterreichs getan habe. Er sprach zugleich die Hoffnung ans, auch fernerhin auf die llnterstützung der italienischen. Regierung in allen Fragen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Oesterreichs rechnen zu könne«. Daher empfahl er den raschesten, Abschluß der gegenwärtig in Rom stattfindenden Verhandlungen zur Herstellung günstiger Hände lsbeziehungen zwischen dem Leiden Ländern. Der Bundeskanzler urrtechielt sich slodaM mit dem italienischen Ministcrpräsidertten über verschiedene politisch^ Frage n a llgcm einer. Natur, die beide Länder in gleicher Weise interessieren. Ministerpräsident Mussolini versicherte den Bundeskanzler seinerseits des lebhaftesten Interesses Italiens an der günstigen Lösung aller Fragen, die mit dem wirtschaftlichen Aufbau Oesterreichs in Zusammenhang stehen, indem er die Ueber- ^tgung aussprach, damit am erfolgreichsten daran mitzu-wirken, daß Oesterreich ein Element des Friedens in Zentraleuropa bleibt. Er erklärte dem Bundeskanzler, daß ohne Zweifel 'die im Zuge befindlichen BevhaMungen zum Wschluß eines befriedigenden Handelsabkommens sichren müssen. Dies werde >cn Interessen Leider Staaten entsprechen und gerade dadurch ihnen, zu enver ersprießlichen Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen verhelfen. In: Laufe der Be- Peechung wurden schließlich verschiedene s ch w e b e n d e fragen in Erörterung gezogen und deren beschleunigte Lösung in die Mvge geleitet. Nach Beendigung der Aussprache zwischen dem öfter* peichischen BundeLLrnzler und dem italiemschen Mnister- Präsidenten, die eineinvicrtel Stunden dauerte und der zunr Schluß der Generalsekretär im Ministerinnr des Aoußevn Sonator Coirtarini sowie der österreichische Gesandte beim königlich italienischen Hof Dr. Kwiatkowski bei- «zogen waren, stellte der Bundeskanzler dem italienischen Ministerpräsidenten die Herren seiner Begleitung vor. Ter J&eft des Nachnrittags war nrrt Besuchen verschiedener Persönlichkeiten «beim Bundeskanzler ausgefüllt. Unter puderen erschienen der Generalvat der Oesterveichischen Rationalbank Mylius und Senator de Nava. Um t Uhr abends erwiderte Ministerpräsident Mussolini den Besuch des Bundeskanzlers im Hotel de la Bille. Gegen 9 Uhr abends erfolgte die Abreife Dr. Seipels nach R o m, Wo er heute früh eintrifft und im Grand Ho-tel als Gast der italienischen Regievu-ng absteigt. Um halb 12 Uhr vormittags wird er vom Kö nig -in Audienz empfangen. Die Audienz beim Papst kann wegen des Osterfestes erst Montag stattsinden. Seipel Mer den zweS seiner Reise. Mailand, 3V. März. Bei dem Empfange der italieiüichen Pressevertreter beantwortete der Bundeskanzler nrehrere an ihn gerichtete Fragen, wobei er darauf, verwies, daß die Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich besonders wichtig feien, weil Italien.der größte Nachbarstaat Oesterreichs ist. Ferner sei Italien eine der vier Mächte,, die feie Genfer Konvention zusammen mit Oesterreich unterzeichnet haben. Als solche habe Italien bisher in wirksamer Weise mitgchoGen, daß seit einigen Monaten der finanzielle Haibitus Oesterreichs sich wenigstens dadurch gebessert habe, daß die Krone eine gewisse Stabilisierung erreichte. Die bisherigen, mit den: Sanierungswerk erzielten Ertsparungen berechtigen uns, sagte der Kanzler, zu der Zuversicht, daß in der uns gesetzten Frist von zwei Fähren Oesterreich wirtschaftlich sein Gleichgewicht finden, und politisch sein normales Leben wieder toitib' ausnehmen können. Der Zweck meines Besuches ist, Italien zu danken für seine bisherige Anteilnahme an unserem Sanierungswerke und es zugleich zu bitten, cm den weiteren Schritten auf diesem Gvbiete sich gleichfalls zu beteiligen. Ferner stehen wir mit Italien in Handelst) ert ragsv er Handlungen in Rom, und es liegt uns daran, diese Verhandlungen so rasch als möglich ab zu sch ließen, weil wir schon bestimmte Termine für den Abschluß ähnlicher Vecha-Mungen mit anderen Staaten haben. Auf eine Anfrage eMärte der Bundeskanzler, Oesterreich schabe es vermieden, in eine der neuen Mächteko«- st eil a L i o n e n der Nachkriegszeit eilMtreten, und dies verlange auch niemand von ihm. Oesterreich suche mit allen seinen Nachbarn die engsten wirtschaftlichen Beziehungen zu. erreichen und daher habe der Bundeskanzler auch vor seinem Besuche in BÄgrad Budapest besucht, Sr. zimmermans Reise nach Prag. Wie wir aus politischen Kreisen erfahren, gilt die Oster- «eise Dr. Zimmermans nach Prag nicht bloß einem -Höflichkeit sackt. um sich der tschechoslowakischen Regierung als!Generalkommissär vorzustellen, sondern vielmehr der Ueberbringung des Ansuchens, sich, an der Sanrerungsaktion für ^Oesterreich intensiver zu beteiligen. Der General« konrmissär will aus diese Weise der Wegsbereiter für den in; Balde nach Prag fahrenden Bundeskanzler sein. Dr. Zimmevman beabsichtigt, bei seinen Besprechungen init Dr.' Benesch auch sich über.hie Möglichkeiten eines engerenwirtschaftlichen Zusanmienorbeitens der Äoationalstaaten zu / jMfcttmkagifc Sie Achecho < Slowakei und das Judentum. Minister Aechyne über die Sieinherz-Affstre. Wie schm berichtet, hat der tschechische Ämtervichtsnünister Bechyne einem Mitarbeiter der Präger. :Mahcheit" gegenüber Aeußernngen über Äef GtsujhvrzMfä-ve.'gemacht, wobei/ er den Slandpunkt, des Staates, zur »Häckenkrsuz-Bergif« E tnng'Kärlegie. .Der Minister sagte:' ' Mein Standpunkt gegenüber dein Resignationsbegehren des Rektors S t e i n h e r z war sofort gegeben, als nur bekannt wurde, daß dieses Nücktrittsgesnch nicht infolge des Gesundheitszustandes des Rektors, sondern unter dem Druck der Verhältnisse, d>ie heute auf der deutschen Universität herrschen, eingebracht worden ivar. Daraus schloß ich, daß der Rektor der terroristischen Agitation gewichen lvar, und es geht selbstverständlich unter keinen U m st ä n d e n an, einen Staatsfunktionär aus Gründen, die den verfassungsmäßig gewährleisteten Grundrecht Leu geradezu ins Gesicht schlagen, seines Amtes zu entheben. Mir ist die Stimmung auf tert deutschen Univers itä-i e n sehr wohl bekannt. Ich sehe mit Bedauern, daß sie langsam zu Hochburgen der Reaktion werden. Aber diese Einstellung entspricht absolut nicht der Mentalität mrserer tschecho-stowakischen Oeffeittlichkett. Bedenken Sie, daß wir in den vier Jahren Zrationalversammlung keine einzige antisemtische Debatte hatten, daß es keine tschechische-Par tr i gibt, die progvcmunatisch antisemitisch wäre. Der Kampf um den Antisemitismus ist bei uns anläßlich der Hrlsner-Affäre endgültig durchgekämpst worden. Ich sagte mir also: wenn dieser Kanrps gegen die Reaktion auf den Universitäten irgendtvo ausgekämpft werdeir kann, so kann er n urinBrag ausgekämpft lverden. Ich schäme nrich allerdings als Untervichtsnrinister, daß so etivas überhaupt bei uns Vorkommen kann. Sie fragen mich, welche Rolle der in den Tageszeitungen viel besprochene Senator Dr. Mayr-Harting gespielt hat? Ich kann darauf nur antworten, daß es sich um die Privatm einungen des Herrn Senators handelte, die auf nieine Entscheidungen keinen Einfluß genommen haben und keinen nehmen konnten. Ueber die definitive Lösung der Angelegenheit kann ich mich heute noch nicht äußern. Ich sage mir soviel: Solange ich keine anderen triftigen Gründe habe', bin ich fest entschlossen, meinen bisherigen Standpunkt nicht zu ändern. Es sind Wohl in der ' Zwischenzeit MitgIieder des akadentischen Seu a tes im Ministerimir erschienen und haben eine Entscheidung verlangt, ivobei siebenderkten, daß der akademische Senat selbst seine Beschlüsse fassen werde, trenn eine solche Entscheidung im Mnsiterium nicht bald falle. Daraushln erhielten die Herren die Antwort, daß es sich überhaupt u t ch t m e h r u m e -i n e A Mg e l e'g r n h e i t d ’c s o f a* bemischeu Senates, sondern um eine Angelegenheit handle,Hie nur zwischen dem Unterr4cht8ininistei und dem Rektor auSzutvagen ist. Im übrige.« kann -ich imnrer nur wieder mein tiefes Bedanem darüber au^spvechen, daß es an einer Kulturstätt9 zu solchen Erscheinungen kommen komrte, an einer Kultun stätte, an der, wie mir bekannt ist, jüdische Pr ose fi soren wirkten und wirken, die der Universität nur zur Zierde gereichen. Die politischen Dendenzen, die in die Uni» vevsität hineingebracht wurden, gereichen weder ihr, noch. .. dem geistigen Niveau des deutschen Lebens zur Ehre. Ich kann nur hoffen, daß die deutsche Strchente;^ schuft noch in letzter Stunde zur Einsicht komme, daß ihre; Taktik weder der deutschen Wissenschaft, noch der Würde! des deutschen Elementes im Inland und in* Ausland förderlich ist. Merkwürdige deutsche Fustiz. Dem B. T. wird aus Breslau MtÄdet: Auf ge»' wisse politische Zustände wirft die Be»lMdlnng.eines Strafprozesses vor dem Benthener Schöffengericht, ein bezeichnendes Licht. Ein sozialdemokratischer G e w c r kfchaftssekretär nahm damn Anstoß, daß auf offtner Straße in Bouthen von dem Mitglied einer Selbstschutzorganisatron die Republik beschimpft und das be< kannte Lied von der. Indenr.epublik gebrüllt; wurde. Ein in der Nähe postierter Schu-tzmann dachte auch) nach Anffordevmrg des Gewerkschaftssekretärs nicht daran^ gegen den vuhestörendell Lärm einGuschverten. Gesinmurgs«- genossen des Selbstschutzmannes inszenierten einen Keinen; Stmßanflanf, der mit der Festnahme nicht ettva des! Rachestörers, sondern des G e w e r k s ch a f t s s e k r c-t tärs endete, obwohl sich dieser auch der Polizei gegenüber einivandfiei beuahnn Das Schöffengericht verurteilt den Gewerkschaftssekretär zu einer Geldstrafe! und sprach den SÄbstschntzmann frei. In der Urteilsbe-i gvündung fichrte der Borsitzerrde aus, der Geiverkschafts-! sekretär habe sich unbefugt in die Kompetenzen der Po-i llzci e i n g c misch t, und es sei nicht angängig, daß „pri-^! vate Interessen" öffentlichen vorgingen. Danach stellt sich" also die öffentliche Beschimpftrng der bestöhenden' Staats«! form als eine lediglich Private Interessen be-j rührende Angclcgenheit dar. Auch das Lied auf die Iude-N-i republik fei keine republikfeindliche Kundgebung, denn' ernj Teil der Bevölkerung sei der Ansicht, daß die Juden tat-! sächlich zu stark in der Rogrerung vertreten seien. Es be-i deute daher Wahrung berechtigter Inter es^ se n, wenn man der Mißbilligung .dieses' vernMrtlicheq Zustandes durch dieses Lied Ausdruck gebe. Mit denr Ür»j teil wird sich noch die Berusimgsinstanz zu beschäftige» haben. Prag, 30. März. Wie-die Blätter melden, ist eine Ber-- ordnuna des Landesverteödigungsnlinisterüuns erschienen, derzufotge von nun an Offiziere der Reserve zu beliebigen Terminen zu Uebungen, je nach Bedürfnis der'Wehrmacht,' ein berufen werden können. In außerordentlichsn iFällen erfolgt >die Eiuberufimg der Wehrpflichtigen durch einfache ^mdmachung des La-ndesv erteidigringsmiwister iuins. Ungarn. ■& ßinstellmg der tschechischen varkohlenllesemngen für Andlcheft. Budapest, 30. März. (Tel. der ,Mr. Morgenzeittrng".) Die tschechischen Kohleniverke haben die hwsigeir Gaswerke verständigt, die weiteren Liefevungen von Gaskohle ^Ünzustell««, insolange die vssÄichon Schulden durch die Devisenzentraie nicht, angelwiesen werden. „Mult er verboten. Aus Budapest wird uns ^berichtet: Das Anttsblatt meldet, daß der Minister des Innern >das weitere Erscheinen und die Verbreitung der Mischen Wochenschrift „Mult es Iödö" „wegen ihres die öffentliche Ordnung und Sicherheit sowie die außenpolitischen Interessen des Landes gefährdenden Inhalts" verboten habe. In der Begründung wird ^hevvorgehobetr, daß das Blatt die Ereignisse und die gesetzlichen Verfügungen mit einer rücksichtslosen Tendenz erörtere und lbestvebt fei, das in die UuparteÄichkeit der uingarrschen Gerichte und Polizeibehörden gesetzte Vertrauen der OeffeMichkeit zu schmälern, daß e8 >das Ansehen der ungarischen Nationalversanunlnng schiver verletze und ge-LWket sei,- die außenpolitischen Interessen des Landes zu gefährdvn . .. Die Verfügung dor' ungarischen Regierung ü&cr rascht uns in keiner Weise, Obgleich „Mult es Jövö" sich stets tbemühte, die Ereignisse der letzten zwei -Jähre und die Menseindliche Ha-ltu'ng dev Regievu-ng uich ihrer BehördAr mit jener. Objektivität zu behandeln, die in HorchY-Ü-ngarn einem jüdischen Blatt überhaupt Noch zu. ist es, -die die Interessen der anstvärtitzou Politik Ungarns gefährdet, sondern die nackten Tatsachen, die ein jüdisches Blatt dorr Woche zu Woche auch ohne jedert Koni-; mentar §u registrieren in der Lage ist. Wir haben schon vop längerer Zeit darauf hingewiesen, daß das OvdnMlgsgefttz' der ungarischen Regierung nur dazu da ist, um die Blattes mundtot zu inachen und der auswärtigen unabhänMeWj Presse >das Viaterial für die .Propaganda gegen den arnÄ^ jüdischeir Terror in Ungarn zu entziehen. ,MttlIt es. Jövö"! hat allerdings das Verbrechen beMrngen, das 4vas tim täglich von der Regierung, ihren Behörden und den vo« ihr ausgohaltenen' . antisemitischen Organisationen am Judentum verbrochen wich, nicht zu verschweigen. DM Meümng über die. wahren, Vorgänge im unklaren zu lasfeu und irvezuführen, nicht erreichen wich. Möge sie in UtW«a die Pvesie und ganz bespnders die Mischen Qvgane rroch so sehr knebeln, es tvich dafür Sorge getvagon sein, >daß .da8j Ausland 'über das, 'was in Hovchy-Angavn geschicht, «W getäuscht werde. , , Polen. tzi» Aufmf des MiniftervMdenten an Arainer nnd Weißrnffen. Warschau, 30. Mlärz. (Del. der Mr. Movgenzeitung-^ Mmifterpräsident Sikorsk'i hat cm die ukrainisch« und weißrussische Bevölkerung Men Aufruf ge^ richtet, in dem er unter BeKugnahmie auf die letzte darrch den Boffchasterrat getroffene Regelung dev Ostgrenzen di^ Bevölkerung der Ostgebiete auffochert, an der Entwicklung der pobwischen RepuMk aktiv teilzun-chmen. 'Im Aufvus wird den «betreffenden Nationen die -Zuficherrmg der freiem Entfaltung ihrer kulturetlen, na-j tionalen und religiösen EntwicklnivgA^ Möglichkeiten sichergestellt. . , Das iveißrussische Konritee in Warschau veröffer in 'der Warschauer Presse ehr Eomnmnigm, in dem Entscheidung des Botschafterrates betreffs der Regelt 'der Ostgrenzen znr Kenntnis genommen «wich. Kn krsparnngskommiffSr. Warschau, 30. März. (Del. «der „Wr. Movgenzertnng^ In der letzten Sitzung des polnischen Käbmstts «wWÄe. .ii

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.