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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-31 · Heft 1484 (31.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1484 (31.3.1923)
Date
1923-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ElBzelmmmerRimrO Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taboratr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 MitPoatversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 36. Polen: Mon. Mk.10.000. D eut $ cb I a n a: Mon. Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 r Nachzahlungen 'MW Preiserhöhungen Vorbehalten rsch«cho-Slöwak«l ( tschech. K 1.— Italien; Monatl. 10 Lür^ Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Lewa Schweiz und das übrig* Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—5 Telephone: 44*0*38,43-3-19| ab 6Uhrabd».19-483,16-30J Tel.-Adr.: »Morgenzeitungl Wien Oesterreichiscbes Postspar« hassen-Konto Nr. 150.695 Nr. 1484 Wien. Samrtag. 31. Mrz 1923 5. Fahrgmg Die tschechische Demolratte. —y. SB i eit, 31. Marz. Ein Prager Mitarbeiter des „Berliner Tageblatt" hat vor kurzem bei Besprechung des neuen Schutzgesetzes der tschechischen Republik darauf hingewiesen, wie ernst es die tschechische Regierung mit ihren kulturellen Pflichten nimmt und wie sehr sie darauf bedacht ist, durch eine gerechte Behandlung des jüdischen Problems ihre / Staatskunst zu beweisen. Tatsächlich ist die Tschecho-Slowakei eine feste Insel in dem trüben Gistsumpf des Völkisch-nationalistischen Antisemitismus, und ihre Regierung hat zu wiederholten Malen gezeigt, daß sie die Gefährlichkeit dieser sittlichen Pest erkennt, die bei den! Juden beginnt und schließlich jcken aat . zugrunde; richtet. Gewiß hat auch das tschecho-siotvakische Volk! antijüdische Strömungen, und es ist an verschiedenen '-Punkten des jungen Staates in der Sturmzeit nach der « Revolution recht lebhaft zugegangen. Aber die Regierung hat diese Umtriebe mit sicherer Hand gezügelt, und sie hat so energisch durchgreifen können, weil sie stets in Uebereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit des demokratisch fühlenden Volkes handelte. Es ist eine Binsenwahrheit, daß.für die Dauer.keine Regierung int Widerspruch zur Volksstimnmng bleiben kann. Sie kann sich niemals für längere Zeit in Gegensatz zu den Jmporckerabilien befinden, die das Leben eines Volles beherrschen und seine seelischen Triebkräfte dirigieren. 'Mit Stolz konnte der tschechische Unterrichtsminrster in ieinem Interview über die Stemherz-Affäre hervori hoben, daß es keine tschechische Partei gibt, die den Antilsemitismus im Programm führt. Auch die traurige iHilsner-AMre ist nur infolge der bekannten Wiener iErnMsse zur Justizschande ausgeartet. Die vorurteilsfreie Einstellung der tschechischen Oeffentlichkeit zur Judenfratze haLLey^Gtze^UoW Ansehen des Staates nür genützt. Manerkennt aus dieser Tatsache, daß in Prag weitblickende Persönlichkeiten am Werke sind, die den hohen Wert kultureller Sympathie verstehen und die auch die wirtschaftliche Bedeutung einer vyn Rechtlichkeit und Loyalität gestützten Regierungsmethode einzuschätzen wissen. Im diametralen Gegensatz zu,dieser im wahrsten Sinne des Wortes ausbauenden Politik steht die deutsche Minoität. Sie ist durch ihre Radikalisierung in ein unfruchtäres und politisch durchaus falsches Verhältnis zur Mehrheit und zum Staat gedrängt worden und stößt mit allen ihren Beschwerden an jedem Punkt mit der nun einmal gegebenen realen und robusten Konstruktion der Republik zusammen. Untersucht man diese Beschwerden näher, so findet man, daß sie trotz ihres sicherlich sehr ernsten Inhalts auf dem Wege der direkten Aussprache mit der Majorität zu beheben wären. Es gibt kein Problem in der Stellung der Deutschen, das sich nicht restlos klären ließe, wenn die Deutschen nur erst zur Erkenntnis ihrer Minorität und daraus zur Bejahung des Staates gelangten. Dazu müßten sie jedoch auch die unbedingt notwendige Rückkehr zur Realpolitik vollziehen und im eigenen Haus die Prinzipien der Vernunft akzeptieren. Eine Minorität aber, die das Hakenkreuz- Programm bekennt, die sich nicht nach gleichem Recht, sondern nach Vormacht sehnt, untergräbt ihre eigene Position. Die deutsche Minderheit ruft die Hilfe des Auslandes an, sie appelliert an den Völkerbund, an das international« Gewissen. Das tut sie an Feiertagen. An den Werktagen demonstriert sie gegen einen jüdischen Rektor, preist den Ludendorff und schielt nach Horthh. Wer soll die . Klagen dieser Minorität, die sich in nichts pon dem unterscheiden, was sie unter dem Schutz des A. O. K. erstmals den Tschechen getan haben, ernst und seriös behandeln,. wenn er. gleichzeitig davon Kenntnis erhält, , was an der Prager deutschen Universität gegen die jüdische Minorität von diesen selben Deutschen geschieht? Es kann, mid darf im politischen Leben keine Doppelmoral und kein zweierlei Maß geben, und die Fälschung kultureller Ideale rächt sich so schwer wie jede Zweideutigkeit. < Das deutsche politische Leben ist auf ein beschämend Niedriges.Niveau herahgedrückt worden. Es hat Sinn und Zweckckerloren und es kann sich nirgends damit abinden, daß sich mit den politischen auch die kulturellen Nachtverhältnisse von Grund aus geäickert haben. Die Deutschen der Tschecho-Slowakei sind ein Opfer dieser Umgruppierung geworden, an deren Intensität sie-nicht schuldlos sind. Unter gewissen Gesichtspunkten kann mvn jmch die Ludendorfferei als Schöpfer der tschechischen Republik ansprechen, und es ist eine grausam-ironische Konsequenz der Weltgeschichte, daß dem so ist. Diese Tatsache kann durch keinerlei Ryautasterei. durch loirr-r- Bethlens neuester Trick. 'tie Ansstchten auf eine Anleihe für Ungarn aussichtslos. — Sondierungen Bethlens in Prag. — Ohne Aendernng der politischen Methoden kein Kredit. Prag, 30. Marz. (Del. der Miener Morgenzeitung".) Die ungarische Regierung befindet sich in. einer unangenehmen Lage. Die finanziellen Schwierigkeiten werden immer größer mrd die Aussichten auf eine ausländische Anleihe sind fast aussichtslos geworden. Die ausländischen Banken, an die sich die Ungarische Regierung wegen einer Anleihe wandte, haben ausweichende oder auch direkt ablehnende Antworten erteilt und die bis jetzt ungeklärte Frage der ungarischen Reparationen spielt -bei diesen Allleiheversuchen eine sehr wichtige Rolle. Da die Budapester Regierung mit den nreisten Nachbarstaaten in keinem guten Verhältnis steht und die „Erwachenden" jede passende Möglichkeit zu wüsten Hetzen gegen die Tschscho-Stowakei, Jugoslawien und Rumänien benützen, ist das politische wie auch wirtschastlicheVerhältnis zwischen Ungarn und der kleinen Entente sehr gespannt. Dies trägt auch dazu bei, daß die westlichen Bankkveis« kein Vertrauen zu her ungarischen Wirtschaft haben können, unr so weniger als auch die innerpolitischen: Verhältnisse Ungarns infolge der immerwährenden Juden Hetzen immer verworrener werden. Bethlen will nun versuchen, mit dem tschechöHoivakischen Außenminister Dr.> Benesch Persönlich zu verhandeln, um eine Annähevmbg an die kleine Entente zu. erzielen. Cr' läßt dccher von der, Budapester Presse die Meldung verbreiten, daß er demnächst uaH Prag reisen werde, um mit Dr. Benesch in dieser Rich, tung zu verhandeln. Nach maßgebenden Information^ die ihr Korrespondent erhielt, ist es Tatsache, daß dij. ungarische Regierung dmch Mittelspersonen in Prag daj Terrain sondieren lies, ob ein 'Besuch Bethlens anj genehm 'wäre, und daß bisher ein Entschluß seitens bei tschecho-siowakischen Regierung nicht vorliegt. Falls Bethlen ^bedingt nach Prag reisen will, wird er fetbstz .verständlich Dr. Benesch verhandlnngsberert finden. Diesi Verhandlungen würden sich aber nur auf der politische« Linie bewegen körmen, die von seiten der leitendere Staats« männer der kleinen Entente für den Wiederaufbau Mittel« europas als einzig richtig und gangbar befunden wurdej Ungarn müßte gewisse Garantien geben, daß es ^diesem Plan zustinmrt und wirtschaftlich und politisch an des konstruktiven Politik Mitarbeiten will. Fall-s Bethlen diese Garantien nicht geben kann — und es wich ihm mit Rücksicht auf seine ,Erwachenden" recht schweij fallen — so ist auch die Prager Reise ganz überflüssig- De- Wey nach Paris und London führt über Prag: Ohne A e « d e r u n g d e r M e t h o d e n der inneren und äußeren ungarischen Politik gibt es für Horthy keine» Auslandskredit. t\" KÄM MrMWVMMS MAYlAkoiMK. Frankreich will nur -rrK verhm-eln. Paris, 29. Marz. (Havas.) In der heutigen Nachtsitzmrg der Kammer stellte Deputierter Herriot an den Ministerpräsidenten P o i n e a r e die Anfrage, ob er im Ruhrgebiet noch immer wirtschaftliche Ziele verfolge und ob er jeden ernsten und direkten Vorschlag Deutschlands einer gerechten Prüfung unterziehen würde. . MiMteipräsideut Poincare antwortete ans beide Fragen in unzweideutiger Weife und in bejahendem Sinne. Er wiederholte, Frankreich würde keinen Versuch einer offiziösen oder indirekten Besprechung annchmen. Er wies die Beschulvigung zurück, Hintergedanken betreffend eine Annexion zu hegen, gab aber dem Willen Ausdruck, jedem Manöver aus dem Wege zu gehen. Wir werden, sagte der Ministerprasivent, die Pfänder mir gegen Wirklichkeiten aufgeben. Wir weiden uns aus dem Ruhrgebiet nur nach Maßgabe und im Verhältnis der Zahlungen Mrückziehen, die low erhalten werden. Diese Zahllulngen müssen die Gesamtheit unserer Schäden gutmachen, Der Stürz der Mark hat fast die ganze Schuld Deutschlands beseitigt. Dieses ist also heute weniger belast et M Frankreich. Die Erklärungen des Mmisterpräsideuten wurden mit Ausnahme der äußersten Anken vom ganzen Hause, em- Wveßlich Herriots, mit langa-rchaltendem Beifall ausgenommen. Das Budgetprovfforrum wurde nach stürmischen- Obstmktionsversuchen der Sozialisten mit 445 gegen 67 Stimmet angenommen. Es folgte der Beginn der Debatte Werden China-Bankskaudal, worauf sich die Kammer um 2 Uhr früh bis nach den Feiertagen vertagte. Ae Bläue der deutschen Putschisten. Berlin, 30. März. (Dell der,Menor Morgeripost") Wie der vorwärts" berichtet, ist bei einem der im Zustvlnmenhang mit der Rvßbach-Affäve Verhafteten, «einem fvüheven Generalstabsoffiziere, neben anderem Material ein vollständiger Plan für den Depeschenlei romantische Hoffnung auf ein bayrisch-magyarisches Einkreisungssystem aus der Welt geschafft wecken. Denn die Tschecho-Slowakei ist nicht,-wie es die demokratisch schillernde neudeutsche Hypothese glauben machen will, auf Militarismus angewiesen. Sie findet ihre Zebenscmelle in berschten Demokratie. i-m Bekerrntnis iw einer d reust^HerÜq und Breslau vorgesuuden -wocken- sowie auch chiffviertä Briefe. : Auch, der seit dem KaPP-Putsch steckbrieflich verfolgte Oberst Bauer ist in diese ÄugÄegNch'ert! verwickelt. Unter den ' bei' den HausÄurchfuchmrgen Vorgefundenen ^militärischen Plänen befindet sich auch ein Plan zur voll-i ständigen Zernierung Berlins und die „Vo^- tvagumg des Angriffes" vonder Havelseite aus. Unruhen i« Bulgarien. Sofia, 30. März. (Bulg. Tel.-Ag.) Die Behvrdell Haber; strenge Maßnahmen zur Unterdrückung einer t e r-, roristischen Aktion ergriffen.. Gewisse anarchii stifche Gruppen haben einige Zwischenfälle iq Sofia soime in Jamboli hervorgerufen, wo die Po-, lizei, als. sie mehrere Verhaftumgen vornehmen wollte, auf bewaffneten Widerstand stieß, s^er Zwischenfall in Sofia! fand mit dem Selbstmord eines Terroristen seinen Ab-, Muß. In Jambsli fc' ~ es zu einem Zustumnenstoß zwiq schvn einer Gruppe von Anarchisten und Gendarmerie, wobei es auf feiten der Anarchisterr e i u i g e O p f e r gab und ein Gendarm getötet wurde. Die Ordnung wurde alsbald vollständig wieder hergeftellt. Im übrigen ist die Ruhe im Lande nicht gestört worden. Vtaßvegeln zur Verbürgung vMonmrener Sicherheit aus dem g a n z e n G ebiete des Königreiches sind getroffen. > MMMchtsnRMc'? Belgrad, 30. März. (Avala.) Eine der Presse, zngega^ genen D'-ttci>ung des Ju-Azmin'ster^ stellt in ^;rf bi-«' jüngste Resolution der kroatischen Bauernpartei fest, daß: das Programm Radie' gegen die von der herrschenden^ Partei als Grundbedingung der Zrckurrft, der Fve,'cheit und. der Unabhängigkeit des jugoslawischen Volkes augesehelreir Interessen gerichtet sei. Die Entschließung bedeute auch^ einen Angriff gegen die Verfassung. Da die Absichten R<rdic' es nicht ausschließen, daß eine R e v is i o n der Verfassung auch ans einem Wege gesucht wecken könnte, der in der Bersassumg nicht vorgesehen-sei, müsse die Regierung diese Aktion aufmerffam verfolgen rmd entsprechend auf sie re-agiereu. Was die Konferenz Nadir' mit- Späh o Md K o r o s e e anlange, so beMndM die Bieirmugsverschickenheiten fort, so daß die Bildnug eines revisionistiMn Blocks unlvahrschemlich sei. . modern erfaßten Raison der Vernunft. Sie . hat die staatserhaltende Bedeutung des Judentums . erkannt und zieht daraus die. Konsequenzen nach der.politischell . wie nach der kulturellen und 'moralischen Seite hin. Die deutsche Minorität trägt das Hakenkreuz'

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