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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-30 · Heft 1483 (30.3.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1483 (30.3.1923)
Date
1923-03-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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rtSmTMW "SSBICItf Wiener MorgenzeitnnK. ß« den nachfolgenden Aubrihen mtt & bezeichnelen «0M«» «n- Artikel find entgeltliche Ankündigungen (8 28 -es Pretzgefetzes). Juli d. I. zur Perlosung zu briy-yt.. Bezüglich der näheren /DtzailS wird auf die in der „Wiener. Zeitung" vom 30. März 'd. I. erscheinende Publikation verwiese«. a -. ' Sie Keren Haiessod-Kingönge im Februar 1833. .3« Februar laufenden Jahre» sind aus insaesmnt M Ländern 80.052 Pfund 18 Schilling 9 Pence beim Haupt- '^reau des Keren Hajeffod eiyaegangen, einschließlich einer Zonderspenbe der kanadischen Hadafsah flir die Chaluzim im Betrage von 8823.75 Dollar. Davon entfallen (in Pftmd Sterling) <mf r Amerika 16.860/2/11, Kanada 2907/5/2, Rumänien 1925, England 1008, Südafrika 1000, Russische Flüchtlinge 1000, Argentinien 998/0/11, Tschecho-Slowakei 769/0/5, Holland 759/1/10, Bulgarien 634/4/10, Litauen 501/16/8, Estland 428/10/8, Polen 259/17/2, Deutschland 214/4/11, Chile 200, Bukowina 170/19/3, Lettland 114/6,7, Brasilien 91/8/6, Frankreich 57/1/8, O-e st erreich 57, China 36/16/11, Oste igaltzien 35. Belgien 20, Danzig 3. Die Gesamteinnahmen des Keren Hajeffod beien somtt bis Ende Februar 1923 753.008 Pftmd 17 Schwing >ence. __ Austritte aus dem Fudeutum. , «ellinek Gerhardt geb. 5. Oktober 1915, Raab, 12. Bez., Meidlinger Hauptsttaße 27. Wagner Maximilian, geb. 8. Oktober 1901 Wien, Wehrmann, 16. Bez., Fröbelgaffe 56. Keßler Anna,!geb. 29. August 1915, Wien, 20. Bez., Hannovergaffe 16. Köhler j Fritz, geb. 1. März 1897, Wien, 2. Bez., Obere Donaustraße 35.! KraS Johanna, geb. 22. Juni 1908, Agram, Schülerin, 18. Bez.,! Am Schafberg 208. Jellinek Betta Aloifia geb. Cuk, geb.! 4. Mai 1891, Marburg, Erzieherin, 12. Bez., Meidlinger Haupt-; tzaße 27. Jellinek Jsabella, geb. 6. Oktober 1917, Wien,!^2. Bez., Meidlinger Hauptstraße 27. Pollak Erwin, geb. j9. Oktober 1896, Briinn, Privatbeamter, 7. Bez., Kandlgaffe 32. «Wechsel Emil/ geb. 10. Oktober 1877, Wien, Privatbeamter, 9. Bez., Liechtensteinstraße 80. Dr. Kowanik Karl, geb. 21. Marz 1895, Reichenau, 6. Bez., Köstlergasse 7. Brenner Pauline, geb. 2. Februar 1901, 20. Bez., Dresdnerstraße 136. Kriwacek Priska geb. Pauline geb. 18. Jänner 1892, Höstein, 2. Bez., Vorgartenstraße 221. Kriwacek Leopold, geb. 25. September 1882, Wien, 2. Bez„ Voraartenstraße 221. Heller Franz, geb. 29. August 1900, Weikersdorf, 8. Bez., Salesicmergaffe 2. Schneider Agnes, geb. 24. Jänner 1891, Gran, 3. Bez., Oberzellergcrffe 8. Deutsch Siegfried, geb. 2. Februar 1882, Wien, 3. Bez., Seidlgaffe 24. Glaeßner Robert, geb. 11. November 1900, Wien, 3. Bez., Kölblgasse 17. Gorcey Anna geb. König, geb. 17. August 1883, Brünn, 3. Bez., Metternichgaffe 2. Fuchs Franz, geb. 19. Februar 1895, Prag, Kaufmann, 4. Bez., Belvederegaffe 6. Hajos Geza (Harttetn), geb. 13. September 1893, Nyreghaza, Student, 4. Bez., xavoritenftraße 50. vereine. BorttSge «nd Versammlungen. Trödler-Massenversammlung. Altwaren- ^ündler, Trödler, Altleiderhausierer, Hausiererinnen erscheint in Maffeu zwecks Gründung einer Trödlerhalle am 3. April 1923 im Restaurant Sternbach, 20. Bez., Jägerstraße 2, präzise 6 Uhr abends. Erscheinen ist Pflicht im eigenen Interesse. Technisches . M u s e ü nr. Morgen, 8 Uhr nachmittags, Führungsvortrag von Dr. Ing. F. Sedlacekr Seifen- und Kerzene«eugung. — Sonntag den 1 April, 10 Uhr vori mittags, im Hörsaal, Lichtbildervortrag mit Demonstrattonen von «Prost Dr. R. Schmidt Die Rötgenstrahlen. — Am Ostermontag bleibt das Museum geschloffen. krnShmng. Sie Lstemärtte. Mich gestem waren die Käufer auf den Märkten im allgemeinen mit den Einkäufen für die Osterfeiettage noch zurückhaltend, da einerseits die hohen Preise, andererseits das WocheniNnd Monatsende zur größten Sparsamkeit zwingen. Die Nachlftage in der Großmarkthalle konzentrierte sich hauptsächlich auf «Fische. Das Angebot an kleinen Karpfen war sehr knapp, was gleich zur Folge hatte, daß die Preise um 1000 K. pro Kilogramm in die Höhe gingen. Der Kilogrammpreis stellte sich auf 120.000 bis 85.000 K. Auch Seefische wmden lebhaft begehrt, ihr Preis betrug 12.000 K. pro Kilogramm. Die .Fleischzufuhren haben infolge der geringen Nachftage der letzten Tage nachgelassen, mit der Bahn sind acht Waggons eingetroffen, die Zuffuhrerr per Axe entsprachen gestern auch nicht den Erwartungen. Die Kühlhäuser können jedoch die etngelagerten Vorräte kaum Men und so ist also jede versuchte Erhöhung zu den Feiertagen unberechtigt. Gestern haben sich im Großhandel Schweinefleisch um 2000 K., Fleischschweine um 1600 K., Speck um 2500 K. verbilligt.' Auch Fett ist um 1000 K. billiger geworden. Speck stotterte 30.000 bis 33.000 K., Filz 32.000 bis 36.000 K. pro Kilogramm. . Die Grünwarenmärkte waren mit Grückvaren aller Art reichlich beschickt. Besonders groß waren die Zufuhren cm Spinat, her sozusagen der Artikel des Tages war. Die enorme Nachftage Mrde gleich zu leichten Preiserhöhungen ansaenützt und trotz der tzroßen Vorräte reichte das Angebot nicht überall znr Deckung deS Bedarfes. , Hiesiger Gärtnerspinat kostete bis 8000 K., Stengelspinat bis 6000 K. das Kilogramm. Bemerkenswert ist, daß sich der ungarische Spinat viel Miger stellt, der Preis betrug heute 3000 bis 4000 K. bw Kilogramm. Wie bekannt wird, hat die ungarische Regierung vie Ausfuhr von Gemüse fteigegeben, wodurch die hiesigen Gärtner ffchon in der nächsten Zeit gezwungen sein werden, mit den Preisen herunterzugehen. Vielfach wird darüber Klage geführt, daß oer iaus Ungarn kommende Spinat durch die schleppende Zollbehand- MNg an der Grenze viel zu lange aufgehalten wird, wodurch ein Dell der Ware in verdorbenem Zustand hier ankommt, was be- Mtfllicherweise sehr verteuernd wirkt. Es wäre im Interesse der Wiener Bevölkerung dringend zu wünschen, daß die maßgebenden Behörden hier energisch und rasch eingreifen und den unhaltbaren tZulländen ein Ende bereiten. Die Preise der übrigen GrünwarensaMel hielten sich auf der Höhe der Vortage. . Sehr unmrgenehm macht sich die Zurückhaltung der inländi- W» Butterproduktton MS spekulativen Gründen, da mit dem gesteigerte« Bedarf zu den Feiertagen gerechnet wird, bemerkbar. Western wmden für Teebutter und dänische Butter geradezu phanstastische Preffe gefordert, die eS dem größten Teil der Bevölkerung «am unmöglich machen, Butter zu kMfen. In eingeweihten Kreisen «spricht mw jedoch beretts von dem auf dem Weltmarkt eingemetene» Rückgang der Preise, der sich auch bei uns in einer Herabsetzung der Preise ausdrücken wird. Allerdings wird vor den Feiertagen noch der Versuch gemacht, den auf dem Weltmarkt einlgetretene» BnÜerkrach rasch MSznnützen. i Cier sind in großen Mengen vorrättg. Dev DÄaüvreiS be- -ftug gestem Bis höchstens WOO K. pro Sttick- MitteAunUN Mr dem HMWm. EN QR05 EM bET/HL MNQ/IKISCI1E WEINE prima Qualität zu billigen Preisen . streng orthodox ftDÖ kaufen will, wende sich an die Firma d. EHQCLMdNN &* SOHN WIEN, II.. SOiIf’FdnT5<IASSl! 4 LeopoldS5ßsse3l Hin Flaschen n&p bw "nrn Streng orthodox Hotel find Restaurant BARSCHAK II. Grosse Schiffgasse 3 Telephon 40-1-39 HDD p1* sowie vorzügl. Meth und Sliwowitz L. & C. HABDTMUTffs KÖH-I-NÖOR-BLEISTIFTE MEPHISTO-KOPIERSTIFTE ANERKANNT UNERREICHTE FABRIKATE ZU HABEN IN ALLEN BESSEREN PAPIERHANDLUNGEN 363 Bühne und Kunst. Ne Sanierung des Wischen Theaters. Eine Anregung von Sophie Wolfsohn. - Die ausführlichen und gewiß nicht ohne Sachkenntnisse geschriebenen Worte >des Herrn Dr. S. Schmitz wirkten wie e.in Blitz ans heiterem Himmel. Dvefer Umstand im Zusammenhang mit der von anlir längst vorgefaßten Absicht der Veröffenibichnng eines Planes xur Sanierung des jüdischen Theaters ist die Ursache, daß ich vorzeitig mit meinem Vorschlag komme. Bon der Ueberzeugung ausgehend, daß M jüdisches Theater in Wien nm dann existieren kann, loenn eine materielle Grundlage vorhanden sein wird — was sich auch mit den Ausführungen Dr. Sterwbergs deckt, suchte ich dieses Hindernis zu -überwinden; «es dünkt mich, daß dies nicht so schwer ist, wie es viele glauben. Gottlob nicht alle. Einige Sachkundige, denen ich die Grundzüge mcknes Vorschlages, mittcilte, bekräftigten mich .in meinen Anschauungen. In Rußland setzen sich die prominentesten Persönlichkeiten, mit Schaljapin und Stanislawski an der Spitze, für das jüdische Theater (Habimah) ein; es wäre zu traurig, wenn dies Interesse für die jüdische Kunst in Wien fehlen würde! Wen es tatsächlich eine ,/Tragödie des jüdischen Theaters" gibt, so glaube ich, nicht der Mangel an Repertoire oder talentierten Schauspielern ist schuld, vielm«chr die traurige Erscheinung, daß, während sich eine Anzahl kunstsinnig:r Leute uMrenschliche Mühe gibt, das Mische Theater zu erhalten, sich andere finden, welche den zarten Bau dieses Werkes immer wieder gefährden. .Ich wende mich mit meinem Plan Nicht an ein paar Mllionäre, die vielleicht größere Summen geben werden «vielleicht auch nlicht), sondern an den Mittelstand, än die kunstsinnige Intelligenz des Judentums und die Jugend. Man wird mir vielleicht «einwenden, das; in der Zeit der .wirtschaftlichen Krise und des Numerus clausus der Mittelstand und die Jugend andere Sorgen häben, aber eben aus allen Sorgen und Niederungen des Mtags wollen wir von Zeit zu Zeit unseren Geist genesen lassen an den'Werken unserer Dichter, und darum wollen wir ein jüdisch>e s Theater haben.Die Mittel dazu wären nicht von einzslnen anfznbringen, nickst/geschnorrt" soll werderr. (Kein Geringerer als Theodor Herzl sagt'in seinem Lagebuch, daß das „Schnorren" der Much des Judentums ist.) Mein Vorschlag gcht dahin, einen Verein zu gründen. Me Mitglieder wüvdeu einen bestimntten Beitrag zahlen und bekämen dafür Karten zu beliebigen Vorstellungerr mit 50 Prozent Ermäßigung. Nach Rücksprache mit Theaterfachleuten würden 600 bis 700 SOUtglichet vollständig genügen, um öiner Truppe das Existenzmünimum zu garantieren. Man wird staunen, wie wenig dazu eigentlich nötig ist. Ich denke mir die Ausführnng meines Planes folgendermaßen: 1. Ein Arbeitskomit.ee, das sich mit den technischen Ausführungen der Gründung und Erhaltung des Vereims befaßt; doch soll sowohl die künstlerisch>e wie administrative Leitung des Theaters dem jeweiligen Ensemble vollständig, sve-i von jeder Bseinslnffung durch das Komitee, überlassen blei'ben. 2. Gin großes Ehre-nkomitee, von prominentesten Persönlichkeiten des Judentums gebildet, um deck Verein das Ansehen beim PMikNm zu ' verschaffen. 3. Ein Wer'bestock itee mul: 6ck> stonltitunreu. das die Ausgabe hat. Mit- 30. März 1923 Seite 5 glieder heran>zuziehen. Mitgieder werden durch Mchilfe dq Pvcsse und durch persönliche Begehungen geworben. In kurzem hoffe ich mit einem Aufruf zur Gründung eines jüdischen Theaterv'rreins in die Oesfentlichkeiit zu tvekÄ und dann zu beweisen, daß die geistige Mte des JndeniumI für ein jüdisches Theater ist. Vielleicht wird der eine oder de^ andere der Leser erstauilt sein, wie es kommt, daß gerade üss für ein jüdisches Theater plaidiere. Gibt es doch in Wien, vielf verdiente Menschen, die fiir das jüdische Theater große OPfe, gebracht haben, und zwar nicht nur materieller Natur. Alß Lebensgefährtin eines Künstlers, der seit Jahren mit Hingab^ für die jüdische Kunst eintritt, stche airch ich dieser Knustfrag« begreiflicherweise nicht ftemd gegenüber und nehme' mir da^ Recht, für sie emzutretcn. Ich bin optimistisch genug, zu hoffen! . daß diese meine Anregung, auf ftuchkbaren Boden fallen Mtf] und werde mich glücklich schätzen, w<nrn ich mit meiner Arbest etwas zum Bau dieses Werkes beitragen werde können. Sara Bernhardt an der Arbeit. Unter diesem'3DiM veröffentlicht Siegmund Feld maun, der mit der jüngst verstorbcnen großen ftanMsischen Tragödist lange Jahre in künstlerischer Verbindung stand, eine bemerkenswerte Studie, der wir folgende Stellen entnehmen:; Zwanzig Jahre und darüber folgte ich Sara auf Freundespsaden getreulich von Rolle zu Rolle und immer wieder bestaunte ich von neuem die Poetische Kunst eiiver Darstellung, die alles zu machen verstand, aber dort um so stärker wirkte, wo sie nichts zu „machen" brauchte. .Ihre Cleopatra! ihre Tosca und die übrigen Gestalten ihres knalligen Wander-! repertoires sind mir längst verblaßt, ihre Phädra haftet wie mit! Nägeln in meinem Gedächtnis. Die größte Erschütterung schenkte sie mir jedoch in der „Medea" des Catull Mendes. Da ist im zweiten M eine Szene, die mir zum Erlebnis wurde. Nie habe ich teilt Weib so hilflos dem Manne verfallen,^ nie die Gier des Schoßes so schicksalshaft ansgedrückt geschaut.^ Medea mißtraut dem heuchlerischen Versprechen Jasons, sich in der HochMsnacht von. Kreusa zu ihr sortznstehten. Sie weiß, daß er sie belügt, aber der heiße Hauch feiner Worte, gießt Feuerströme in ihre Glieder, und innerlich gerüttelt von Empörung, gepeitscht von ihrer Schmach, schmiegt sie sich fiebernd in seinen Arm, weil sie von ihm nicht loskommen kann. Hier fand sie Bewegungen und Laute von enter Animaliiät, die die Bestie vorausahnen ließ, deren stöhnende Enttäuschung sich nur im grauenhaftesten aller Morde auszuwben verniag. Dieses Grauen, diese Bestie blieb sie uns schuldig Vielleicht lag es auch daran, daß der Dichter erlahmte. Bor! allem lag es auch daran, daß ihr, so heftig sie zeitlebens darum? rang, das Dämonische versagt war. Sie hatte nie einen großen Schrei in der Kehle, den tragischen Schrei, der Mark und Bemdurchdringt. Aber ihre Stimme war eine Betörung, ihre Seufzer schwollen und verschwöbten wie WindharfenAaug. und ihrej Tränen waren unwiderstehlich. * Sie war ein wundersames Spiel der ^Kontraste. Bor einer, Waruum-Reklame ^bengalisch belichtet, spukte sie in der Vor-! stellung der Menge als eine Märchenfigur, die ungebunden! durch eure Welt der Abenteuer, Laumn und Mbson^erlichkeiten tollt. Sara lachte über die Ausgebuvten einer von Ma-! nagevgeist überheizten Reportage; aber ihre phantastische Natur wuchs ungezwungen in ihr Märchen hinein: sie konnte auchi diese Rolle „kreieren". Und etwas davon nahm sie artch ins! ßcfren mit, in ihre Häuslichkeit, ihren Verkehr, ihren Alltag;? sie schien imnter, chne jede Pose, ein Bild abseits unseres Zeit und WrrWchkeit. Sie kleidete sich nie nach der Mode, aber! köstlich und mit einem visionären Geschmack, der unerschöPflicht in überraschenden Abwandlungen war. Zn den Proben kam siel Fmneist in einer ^grundsätzlich einfarbigen) Robe aus ganz? weicher Seide oder starrem. Samt, einer Art Dalmatika van> besoivderem Schnitt, der ihre schlanke, hieratisch äufgereckte Ge»! statt bei jeder Bewegung nm stilisievte. Und wie sie so, den! von ihrer goldenen Haarfülle, ^krönten Diarvenkopf gum? Gruße leicht vorgeneigt, inmitten ihrer heraneilenden Truppe! dastand und die verschwenderisch beringte Rechte wie zum Hul»! digungskusse darreichte, während die Linke, in der Spitzenflut? der Aermel noch halb begraben, an dem vier- und fünffaches Iuwelengehänge um Hals und Brust fingerte — wie sie so da-> stand, geschmeidig und gebieterisch zugleich, hätte ein ahnungs-. loser Fremdling wähnen, können, eine byzanttnische Kaiserin! sei unter die Schar ihrer Höflinge getreten. Doch beim ersten! Zeichen des InsPiAienten verwandelte sich die byzantinische! Kaiserin sofort in eine durchaus ntoibente, bürgerlich tüchtige, Frau, ganz Ernst, ganz Eifer, ganz Wicht, ganz Sachlichkeit/ aufgezchvt von ihrem Berus und ihrer Arbeit fanatisch ergeben. ■ Dieser Arbeit habe ich häufig angewohnt und sie mit ihr geteütt in den paar Wochen, als ich mit ihr Sirdernranns! „Magda" („Heimat") einstudierte; und dann zwei Jahre später, als sie den „Dornen>weg" herausbrachte. Ich hatte ihr^ diesen Reißer Felix Philippis übersetzt, um ihr eine Brück'! ins „reifere" Fach zn bauen. Des Erfolges war ich sicher. Er war sogar über Erwarten groß, und er wäre kaum viel geringer gewesen, wenn Sara den Mund gar nicht ausgatan hätte, <o hinreißend wirkte ihre Erscheinung. „Notre-Dame de la Reisig-. Nation" flüsterte mir am Abend Oetave Mirbeau, der grim-. mige Mimerrtöter, über die Sitzlehne ins Ohr. Leider standen! wir beide nicht allein unter diesem Eindruck. Von allen Seiten,! aus allen Zeitmrgen tönte ihr der Lobgesang auf die schönst«! alte Frau entgegen. Da faßten sie der Aerger mch in einem! raschen Entschlüsse setzte sie das Stück nach einer Äochc ab.! Auch späterhin saß ich, als müßiger Kuli'ssenbummler^ noch manche Stunde unter der breitschirmigen Lampe ihresj „Guignol", um Zaungast ihrer Arbeit zst sein, '„Gnignol", im! eigecklichen Wovtisinn di« Kasperle- oder WursteMhne, heißt! im Theaterjargon das hölzerne, ganz einer offenen Jahrmarkts-. Hude gleichende Gehäuse, das während her. Proben über den,! niedergeklappten Sonffleurkafterr hart an die Rampe gerückt! I wftd, um.den Autor, den Reaiüeur und den Direktor ru be-! 8945756222902837423

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