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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-25 · Heft 1478 (25.3.1923) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1478 (25.3.1923)
Date
1923-03-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Rh MW WSüWk Mvrsvn-ekturrs.25. März 1923 Re Lage der F«den in Persien. Der Waad Leu-nrr vn Icrusalen: erhielt aus Dshercur - firten Brief -des Zerrtralkomiiees der Zionistischen Organisation in Persien, in welchem über die»"' schlechte Lage der Juden im Larrde geklagt wird. In dean jövief wird eine Schilderung des noch in: Spätherbst Vorigen Jahres in Teheran statlgefundemn P o g r o nr s gegeben, der fast sechs Tage anhieli. Zahlreiche Mische Geschäfte wurden ausgeraubt und die Besitzer schwer mißhandelt.In der Provinz ist die Lage nicht besser. Unter der persischen Jndenheit macht sich daher das Bestreben immer prehr gelterw, nach Palästina aus zu wandern. . Eitrige Familien haben sogar schon chre Geschäfte liquidiert 1 ttttfc ihr Hab und Gut zu Geld gemacht. Da gab aber die , Regierung eine Verordnung heraus, die bfen Juden das; Verlassen des Landes verbietet. Auf die Proteste der Mi-; scheu Vertreter hin wurde ztvar die Verordnung znrückge- ^ogen, dagegen brachte die Regierung im Parlament ein! Gesetzprojekt ein, laut welchen: allen Persischen Staatsbürgern die Emigration verboten wird. . Pie Palästina-Wanderer, die ihr Vermögen liquidiert haben, sind >deshalb in eine unglückliche Lage geraten. ' Zum Schluß wird gesagt, sollte das Projekt Gesetz werden, werde das den Todesstoß für den Zionisrmts in Persien bedeuten. Das Zentralkomitee bittet daher die palästinensische Exekutive, Schritte zu unternehmen, daß das , Projekt zurückgezogen wird. (I. C. B.) Re Geheimmethoden der Fes. . ' Aus Berlin meldet das I. C. B.: In dee Repräsintanienversmnmlung der Berliner jüdischen Gemeinde stand die Interpellation der jüdischen Volkspartei auf der Tagesordnung, laut welcher der Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde bei der Jca ersucht wird, über die B e r h a n d l u n g e u in der letzten Sitzung, die in Paris stattgefunden hat, Bericht zu erstatten. Rechtsanwalt Dr. A. Klee begründete die Interpellation damit, daß mit der bisherigen Methode, nach ivelcher die jüdische Oeffentlichkeit über die Vorgänge und Beschlüsse der Jca nichts erfahren habe, es sei dtnn später aus gedruckten Jcchresberichten, gebrochen werden müsse. Joa sei ein bedeutender Faktor für die Kolonisation und den wirtschaftlichen Ausbau. Ihre Tätigkeit müsse von der jüdischen Oeffentlichkeit kontrolliert werden können. Der Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde in der Iba Ge he iw rat Stern schloß sich dieser Auffassung an, nur bäte er mit Rücksicht darauf, daß er erst an einer Sitzung teilgenommen habe, ein ausführliches Referat in einem etwas spateren Stadium erstatten zu dürfen. Die Fraktion der BoWpartei erKävhe sich von dieser Antwort befMng. (Die Joa verwaltet die große Mische Stiftung des verstorbenen Bavo« Hirsch, welche sich hmtptsächläch in Argentinien betätigt.) ' * Re Mllnft der rmepiiische« Krrttur. Dm Professor Dr. Emmmel RM, Prag. Der Prager UniversiMsprofesior Dr. Gm-anM Rabl, der gu den -hervorragendsten Biologe« uafc Mrlosoplhen der Gegenwart zWt» hat> bekanntlich eine längere Studienveiise in den fernen Osten rMternommen und über sletne Studien mHrere cuEi-chenerregende Werke veMeEcht. Seit der Revolution - nimmt er auch an der akbiven PoUÄ lebhaft teil, ist in Gemsichchasi mit Prof. Ignaz Nejedly Begründer uwb Hervmsgeber der „CesEa Straz" p-rch. gehört des» 'linken Flügel des Klubs der Realisten an. Der Prager Korrespondent des „B. M. U." hätte ' *. drcher Tage eine Unterredmrg mit Prost Ra dH im Verlaust welcher dieser sich Wer die Zukunft der europäischen Krullmr und ihren Mnfluß auf die Kultur der Dona-uftaaten wie folgt äußerte: „Während meiner Reise um die Welt war es mir nicht möglich, das politische Leben der Völker des Ostens emgehender zu studieren, ich vermochte sie bloß in einzelnen Evschermmyen übevgangÄveise zu beachten. Dwtzdem war ich bemüht, so viel als möKich zu sehen und habe mich auch in der politischen Litemtm der Völker orienüert. Die Ergebnisse meiner Beobachtungen über das Verhältnis der Zukunft der eMopäischen Kultur zur Entwicklung der Donaustaaten mochte ich wie folgt zusammenfassen. Der ferne Osten steht unter dem Einfluß der enAisch-amer'ckani« schen Kultur. Die überaus starke Wirkung dieser Kultur gegenüber dem verschwindend geringen Einfluß der französischen Kultur in diesen Ländern fällt in die Augen. Der Nationalismus ist im Osten im Ansteigen begriffen und weist alle guten und häßlichen Eigenschaften des europäischen Nationalismus arrf. Im allgemeinen begreife ich Vieles von dem, was England getan und unterlassen hat. Ich könnte mich mit der englischen Politik in Indien nicht eirwerstanden erklären, aber ebensowenig konnte ich mich für den indischen Nationalismus ereifern. Was uns betrifft, so ist festzustellen: England und Amerika lebt jetzt eine starke internationale Bewegung durch und wir erscheinen m unserer Art vor diesem modernen paziftstischen Jnteriationalismus ein wenig orientalisch kleinlich. Ich bin überzeugt, daß diese Bewegung die Zukunft beherrschen wird und daß das Schicksal Europas davon abhängt, öb es dürfen JnterncckorEsnmZ aufzunshmen permag oder nicht. , .. ■ Es llegt ans 8er Hand, daß diese Frage vom Gesichts- 'Punkte der Donaustaaten von außerordentlich großer Bedeutung ist. Ich habe den Eindruck, daß eg nicht ausschließlich Krärnerinteressen sind, die die Amerikaner dazu führen, die parüliMristische Politik der Donaustaatsn zn Vevurteileu. Mich hat meine Reife um: die Welt in meinem Mcmben an der: JnternationäliÄmts bestärkt." Der Streik in der Kultusgemeinde hat seit gestern nachunttags insofern eine Aenderung erfahren, als die Streikleitung die für die Abhaltung des Gottesdienstes im Stadt- und Leopoldstädter-Tempel freigegebene» Funktionäre zurückgezogen hat und für diese sofort dem KnltuHvyrstande befähigte Gemeindemitglieder zur Verfügung standen, welche in würdigster Form sich ihrer Aufgabe entledigten. Es wurden ferner von der Streikleitung, nur die Vornahme der Leichenbegängnisse für Sonntag zu verhindern, die freigegebenen F ried hofsange st ellt e u aHberufen und auch für diese traten sofort ausreichend und in selbstloser Weise freiwillige Helfer aus dem Kreise der Gemeindemitglieder in die Bresche. Um Verwirrung ins Publikum zn bringen wird von der Streikleitung in Aussendungen an die Zeitungen immer wieder die Nachricht zu verbreiten gesucht, daß die Abhaltung der Trauungen und die Beerdigung der Toten in Frage gestellt sei. Der Betrieb im Spital der Kultusgemeinde sowie im Versorgungs- und Siechenhause ist im vollen Umfange aufrecht und hat seit Ansbruch des Streiks keinerlei Störung erfahren. Die Opferwilligkeii der Gemeindenlitglieder und ihre Abneigung gegen diesen mutwilligen Streik kommt insbesondere auch dadurch zum Ausdruck, daß dieselben, obgleich alle Funktionen nur in einfachster Weise vollzogen werden, die ihren Vermögensverhältnissen entsprechenden klassenmäßigen Taxe:: und Gebühren an die Gemeindekasse entrichten. Dagegen haben jene zahlreichen Gemeindeangestellten, welche aus Anlaß ihrer Funktionen 'seitens der Parteien Seperathonorare zu empfangen Pflegen, sicherlich eine ansehnliche Ein» büße zu erleiden. * Entgegen der in mehreren Tageszeitungen veröffentlichten Mitteilung daß infolge des Angestelltenstreiks keines Trauungen und Leichenbegängnisse stattfinden, ersucht uns derj Vorstand der Israelitischen Knltnsgemeind^ bekanwzngeben daß die Abhaltung der Trauungen, ebenso, wie der Vollzug der Bestattungen unbedingt zu der mit der Partei vereinbarten Stunde und an dem festgesetzten Orte sichergestellt ist. Die Entrüstung unter den Gemeindcmitgliedern über diesen mutwilligen, jeder Berechtigung ent-, Lehrenden Streik findet durch die Bereitwilligkeit, mit der sich die Gemeinde-Mandatare zur Verschung. aller benötigten-1 Funktionell und Dienste selbstlos zur Verfügung gestellt haben, > beredten Ausdruck. So wurden auch gestern die Gottesdienste in den Gemeindebethäusern in würdigster Form von Gemeindemitgliedern versehen. Die Irreführungen, welche vom Streikkomitee durch Verbreitung unzutreffender Zeitungs- Nachrichten versucht werden, tragen naturgemäß zur Verschärfung der Situation bei. So wird zum Beispiel auf einen Lehrer hingewiesen, bei dem der christliche Schulleiter die schadhafte Kleidung beanständet hätte.. Dabei handelt es sich um einen nicht nur den Gehalt eines städtischen Bürgerschullehrers, sondern auch ansehnliche Zulagen.für Vorbeter- Funktionen beziehenden israelitischen Religionslehrer der durch seine Kleidung bei Ausübung des Lehrberufes. Mitleid zu. erwecken und gegen die Israelitische Kultusgememde aus diese sonderbare Weise Stimmung zn machen versucht. Irr SfterreMche Keren Hajeffod-Momt. I Die Aktion für den Palästiruv-Grundforids im April. Die. Leitung der Zionistischen Lalldesorganisation hat -beschlossen, den Monat April als Werbezeit f ü r d e n Palästina-Grundfonds, den Keren Hajessod, zu -bestimmen und die österreichischen Zwnisten angewiesen, die zionistische Arbeit'dieses Monats ausschließlich für Zwecke des Keren Hajessod zu leistem . Es handelt sich um großzügige Propaganda in der gesamten jüdischen Bevölkerung und es geht um den Staatsschatz des Mischen Volkes, das keine Steuerhoheit besitzt und durch Iliuftlänüig der jüdischen Zeitgenossen, soweit , sie noch abseits stehen, bewirken muH, daß die OpferleisturMn. der Juden für jenes FinarMrstitUt reicher fließen, von dessen Kraft das Gedeihen und Fmtschreiten der Immigration jüdischer Massen in Palästina, der Kolonisirrirng eines GMetes, Ms-nach. Berechnung Ballots sechs Mllionen Juden fassen könnte und bis mm Pcmnr mehr als 120.000 Juden faßt, vornehmlich abhängt. Die Zeit für Massenpropaganda unter der jüdischen Bevölkerung ist im Hinblick auf die seelische Verfassung der osierverchffchen ^chen gürvstig, int Hinblick auf die materielle Klüse nicht günstig. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich, daß durch größte Intensität der Agitation zu ersetzen ist, was an materieller Leistungsfähigkeit weiter Kreise ausfällt. Biele, möglichst jeder jüdische Famklienvat-er, jeder wirtschaftlich Selbständige muH Wch Kräften beisteuern, damit M-ngelrrde große Geldlörstungen wettgenrachi: -werden. mal ■ Sonntag den 1. April L J.: erscheint unsere : in besonders grosser Auflage j önd versenden wir viele * tausende Exemplare » als Propaganda-Nummern nach i Polen, Jugoslawien, Rumänien, s England, Holland etc. I ANNONCEN! welche in dieser Festnummer S erscheinen, verbürgen bei » sehr geringen Kosten \ guten Erfolg! : ■ * * : * ■ 5 Auf Wunsch Näheres »durch unsere Ver- 2 treter oder telephonisch (44038, 43319) » ■ » ■ -■ ■ M ■ « ■ ■ B B V ■ M ■ ■ ■ a ■ » a ■ ■ B B B B fl ■ B B ■ ■ ■ Wenn jentals, so wird mau gsgerrwartig bereite! Herzen finden. Drei GrundgefM« sind, jetzt' bis weithinaus an die äußerste Grenze, -wo noch ein Funken Mi-! scheu ZusammengehörigkeitSempsinden lobt, allen Juden! gemeinsam. Vor allem die Sehnsucht nach Wrederaufrichtulipg der> jüdischen W ü r d e. Sie ist wahrhaft -brennend gowor-! den, seitdem jeder Bube förmlich seine Schuhsohle cm jü!»] bischer Eigemrt und Sittlichkeit wetzen darf. In Art—M „Dybuk", jenem Drama, das die „Wilua«?^ in Wien so erschütternd davstellten, zerbricht ein junger Mensch bfc* ran, daß mm ihm ,?)ie Krone vom Haupte genommen", daß rnan ihn entwürdigt hat. Wcchvlich, wir alle tragen! es jetzt wie ein Schandmal, dah nran uns „die Krone! vom Haupte" nehmen darf. Me Juden, tvelcher GesimMng Und AMMchäüMtzj sie auch sein mögen, srrch ftmer mehr denn je von denn Rettungsgedanken beherrscht — seitdem vor ihren Augen die shstentatrsche ÄusschlachtNug des ukrainischen ^rdentmns, des besten, .gesün>dssten, entwrcklungsfcchigstett Zweiges am Stamme Judas, vor sich gehsy konnte. Kernet kann — wenn et nur immer auf den. Kern dev Frage! gelenkt wird — die Vermrtwortung übernehmen, daß durch! seine LäsMeit auch imr der tausendste dieser Mischen! Brüder ungeretbet bteibt. . End twtz -dev rohen, vevtogenen, skrupellosen .Hetzjagd gegen uns, wie sie insbesondere von den Wetckzeugen der! Hakenkveu^Demagogen etUfesielt wird, fühlt -man im; Judentmne mehr denn je die Sehnsucht, emen Ausweg zni finden ans diesen: Mrvsal des ^Hasses und wmigstenSj was uns Juden betrifft, nichts zu unterlassen, -der B e r<* söhnung ome Gasse zn mache::. Die Sehnsucht nach Wü-rd.e,. der Rettnngsgedanke und der Ver.söhuurrgL,!' gedanke finden ihre Befriedigung in der Arb eit für das jüdische P^ l a st i n a. Nichts tut mi als Aufklärung über den Sinn des Mandates, das -der englischen Rogiermtg vom Völ« serbuud ertM wurde, und über beu Pv-lästinagrundsouds, ohne dessen Kvaftleiftung das Sauitätswerk, das Kultur^ Werk, die Jmmvgratiousnmßtuchmen und die Koloutsa-, tionsarbeit in Erez Israel nicht geleistet werden kaitrn. Dann wird sich keiner der Sebbstbesteuerwng Artziehen. Setzeü wir der unerträglichen Verunglimpfung, Verleumdung» dev haßwütigen -Berfoligung des Judentmns die Opfer-« svsudiAUt für Erez JsjvaÄ entgegen. Rüstet zur Arbe it füt drn Kercu Haje s sodl #■ Das Ziortistische. LalndeskoMse für Oesterreich und die österreichische Keren Hajessod-Konrmission tveffey Maßnahmen, um den Keren Hajessod-Monat, süy Welchen der Momt April bestinnnt wurde, tmrkungsvolk zu gestalten. Nach Pessach treffen Herr Dr. Nahum Gold^ m a n n Md Herr Julius B e r g e r in Wien ein, unr sich der ProPagattdayOeit für den PMstiMgmudfonds zu widmen.! Für Ende APörb ist Ne AMttP öeS gwtzen ziorMschen Führers Nahum Sokolow sowie des Direktors des Keveuj Hajessüd, des Herrn Dr. Bertold Ae iw eil (London),, cmgekündigt» Montag den 26. APM mn 8 Uhr abends findet eine. Sitzung der Keren Hajessod-Kommifsärtz sämtlicher Bezirksorganisationen im Sbt tzmrgsfaale, 2. Bez., Taborstvaße 20a, statt. Erscheinen ist Pflicht.

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