Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1478 (25.3.1923)
- Date
- 1923-03-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«wen, yvmuag ffi&cae 9£ßjaf&2 täaiterivnar^ i3^1Q fo&fat» &}£3Qe&rte f-iÄVj Samstag bis S Uhr geöffnet Und fo wanderte ich beim barhaupt, meinen Tropenhelm keusch vorhaltend, durch den Damenflor, zog barhaupt «am Mewsu-Hotel vorbei in ein kleines, menschenleeres jKaffeoharrs, nahm Nadel und Zwirn und machte mein Möglichstes, um wenigstens ohne Gefährdung der öffentfichen Sicherheit nach Kairo zurückkehren zu können. Für Pie Zweifler sei ausdrücklich bemerkt, daß ich die Hose nach Pen modernsten Grundsätzen der Chirurgie behandelt«, die zerfransten Stellen in sano abtrug und dann die Wund-> Länder mit zwei Wereinawderliegenden fortlaufenden Nähten sorgsam vereinigte. Trotzdem war eine Restitutio ad integrum nicht zu erzielen. Die resultierende Narbe wirkte so entstellend, daß ich mich entschließen mußte, in Kairo eine Neuanschaffung vorzunehmen. Ich entließ meinen Führer, wanderte trüb durch 'das Menschengewimmel der ägyptischen Hauptstadt und wurde dabei mit einem Araber bekannt, der schuld daran war, daß ich zwei Stunden später Proviant einkanfte, den Rucksack packle und wieder zu den Pyramiden als Ausgangspunkt eines kleinen Ausfluges in die Lybische Wüste zu-- rückkehrte. Hoch zu Kamel diesmal. Nicht mit der Tramway. Was mir dabei passierte, wie ich Gast bei erner BeduLnerihochzsit wurde, wie ich §WE Nächte in der Wüste Unter freiem Himmel zWrachte , das alles erzähle ich Wnen ein andermal. , >- Me Rmsems clausns-Fraze on der Harvard UniverstW. Ein offener Brie) des Negerführers Bruce an Rektor Lowell. Wir berichteten wiederholt ' über die Versuche des Rektors der Bostoner Harbard-Umversitüt A. Lavrence- Kovell, an dieser wegen ihrer freiheitlichen Traditio» weltberühmten Hochschule den Numerus clausus gegen föe Wischen Hörer einsufühven. Der Nniversitatsseuat wiesjedoch diesen Versuch energisch ab und kam dem Rektor nur msoferme entgegen, daß er seinen Antrag einem Komitee zur Beratung ÄberwieS. Seitdem schien die Numerus ÄcmPus-Frage cm der Harvard-Universität von der Tagesordnung verschwunden zu ein, bis sie vor wenigen Dagerr, wie ans New Anck belichtet wird, im Zusaummchang mit der Negerfrage abermals aufs Tapet kam. Die Vorgeschichte dieses neuen Zwischenfalles ist recht lehrreich. Der bekannte Negovmtellektnell« Roseoe Conkling Bruce, ein gewefener Schüler der Harvard-Universität, richtete im New Aorker ,M o r l d" ein offenes Schreiben an Rektor Lowell, in welchem er ihn um Ausnahme feines Sohnes Bruce junior an der Harvard-Universität ersucht. Rektor Lowell antwortete auf das Schreiben und vertrat den Standprmk, daß man den weißen Mann mit dem schwarzen nicht in geifÄlschastliche Berührung bringen dürfe, welche dem eine« oder dem anderen widerstrebt. Nun muß man wissen, daß die liberale Auffassung der Rassenfvage und die Pflege des RaffenliberaliSmus zu den heiligsten Traditionen der Harvard-Universität gehört. Iw Sklavenbefreiungskriege ist der Neger Robert Gonld Shaw, Hörer des Jahrganges 1860 au /der Harvard- Universität, an der Spitze eines Nvgerwgiments für die Befreiung der Sklaven gefallen. Sein Standbild schmückt noch heute die Vorhalle der Universität. Der große gemeinsame Speisesaäl der Harvardhochschule ist 'dem Andenken an die Kämpfe für die Emanzipation der Neger geweiht. Im Jahre ISA ereignete es sich zum ersten Male, daß der Rektor — es ist derselbe Rektor Lowell — die Aufnahme neuer Negerintevnisten an der .Harvard-Universität Veriveigerte. Die offene Korvesporckeiiz zwischen Bruee Md Lowell % ..World" hat in der öffentlichen Meinung großes Aufsehen yervorgerufen. Die ehemaligen Hörer der Havvard- Univevsriüt, unter andevem auch die noch am Leben befindlichen Studiengenossen des gefallenen Robert Gould Shaw, protestierten in heftigster Weise gegen dir vocck- Ä0NÜN7 Praxis des Rektors LowÄk. Selbst der gewesene Rektor der Hrnvarv-Umverstlat Eliot, de-r bereits das '8&, AroenHsyr überschritten hat, meldete sich zu Wort, tmb mipK gegen die einer Hochschule unwürdige« Rassenvorurteile entrüstet Stellung. Die gesamte Presse verurteüt die Politik LowellS, der nebenbei im Verdachte stcht, ein Exponent der Kn«Kux-Klan zu sein. Durch diesen Svifchensall wmde die Aichnerkamkett der öffentlichen Meinung a*f die noch immer nicht ganz begrabene Hoffnung Lowells, an der Harvard-Universität den RmueruS elau- "M «vduWven, gelenkt, Die Prche jjoS^ck tinrätfI ed» Wiener Morsim-ekt««-. 25. Marz 1923 f Pfarrer Hock im Exil. Me katholische Predigt im Wische« Tempel. Unter den Emigranten, die vor dem weißen Terror aus Ungarn flüchten mußten, ist der katholische Geistliche Johann Hock sicherlich der interessanteste Kopf. Johann Hock, der heute schon im hohen Alter steht, war bis zum Kriege der beliebteste katholische Kanzelredner Ungarns, und so oft Hock in Steinbruch in Budapest, wo er seine Pfarre hatte, eine Predigt hielt, war die Kirche überfüllt. Hock war auch als Politiker — er war viele Jahre hindurch Mitglied des ungarischen Parlaments — sehr populär, er gehörte dem liberalsten Flügel der Unabhängigkeitspartei an und feine Parlamentswden waren Meisterwerke politischer Redekunst. Johann Hock hin: stets ein aufrichtiger Verfechter des Friedens, und trotz seiner scharfen magyarisch-nationalen Haltung auch ein Verfechter des Friedens mit den Nationalitäten. Nach dem Zusammenbruch schloß sich Hock der Karolyi-Revolution an und war auch Mitglied der Karolhi-Regierung. Als echter Demokrat trat er für die Republik ein. Was Wunder, daß Hock, der auch den Kommunismus bekämpfte, krach dem Sturz der Räteregierung vom christlichnationalen Kurs verfolgt wurde und flüchten mußte. Auf seiner Wanderung als Heimatloser ist der greise katholische Geistliche nach Amerika gekommen, um dort über die wahren Verhältnisse in Ungarn aufklärend zu wirken. Aber der"Bannfluch, der vom Pogrombischof Prohaska geistig geführten katholischen Kirche Ungarns war ihm vorangeeilt. Der katholische KleruS in Amerika verschloß ihm sämtliche katholische Kirchen und Johann Hock muß nun seine Äufklärungspredigten in den Klubheimen der ungarischen Arbeiter in Amerika abhallen. Hier allerdings wird er mit Jubel ausgenommen und hier antwortete auf die Frage, warum wohl seine geistlichen Berufskollegen ihn mit solcher Verbissenheit verfolgen: ,Zch bin Republikaner, sie sind Habsburger, ich bin fteisinnig, sie sind es nicht, ich verurteile jedes blutige Regime, sei es nun der rote oder der weiße Terror, sie hingegen schützen <rr die weißen Mörder und nützen sie für politische Zwecke ans. Ich urgiere die Bo< denaufteilung, weil wir damit Ungarn retten können, sie aber weigern sich, die großen Grundbesitze des Klerus aufzuteilen. Das ist der Unterschied zwischen uns. Es ist kein Wunder, wenn sie mich deshalb angreifen und verfolgen, und doch glaube ich, daß ich, indem ich die Millionen der Armen verteidige, den wahren christlichen Ideen näherstehe als sie, die ihre großer^ Vermögen verteidigen." Hock kam auch nach Kalifornien .in die Stadt Los-An-, geles. Hier traf er seinen Landsmann, den Oberrabbiner be3', Sinai-Tempels Dr. Meier-Winkler, der vor etwa zwei! Jahren aus Budapest, wo er zwölf Jahre hindurch als Rabbiner und Religionsprosesior tätig war, nach Amerika be-j rufen worden war. Auch in Los-Angeles waren dem Pfarrer; Hock die Tore der katholischen Kirchen verschlossen. Oberrabbiner j Dr. Winkler lud nun Johann Hock ein, im Tempel der ©inai*; Kongregation einen Vortrag über den ewigen Frieden unter. den Menschen und den Völkern in englischer Sprache zu halten.! Pfarrer Hock entsprach der Einladung und die große Synagoge von Los-Ageles war überfüllt von Juden und Christen, von Arbeitern uni Intellektuellen, die dem Redner andächtig lauschten. Es ist eine zeitgeschichtliche Groteske, daß, während zik- Hause in Ungarn ein Guerillakrieg gegen die Juden geführt! wird, der Numerus clausus die jüdische Intelligenz in ihrer! Entwicklung bedroht, die katholischen Kirchengrößen Feld-! bischof Zadravec, Bischof Prohaska und Pater' Banha die Kirchenkairzel dazu mißbrauchen, den Judenhaß! immer von neuem anzufeuern und zu Judenpogromen aufzu-, stacheln — ein anderer Geistlicher, gehetzt und verfolgt, fern s von seiner Heimat in der Synagoge einer kalifornischen Stadt Unterkunft für eine Predigt findet, nachdem ihm der! amerikanische Klerus auf Geheiß von Budapest die Stätte für! feine geistliche Funktion verweigert hat. BE unzweideutige Stellungnahme der Universität, weil sie begriechisch-orthodoxe Russen, welche die Gebräuche der jüdischen Juden mc die Einleitung für eine offene Raffenverfolgu-ng wäre. Im allgemeinen herrscht die Ueberzeugmrg vor, daß Lowell sich abermals, und diesmal endgültig, überzeugt haben wird, daß für seine rückschrittlichen Experimente die Harvard-Universität nicht der geeignete Boden ist. Zn bemerken ist, daß die Harvard-Universität ebensowenig wie die anderen amerikanischen Hochschulen ein staatliches Institut ist und daß die Hochschule einen vollständigen InternmÄveiMV Vezrtzi. Gerd« io PaWlrra. Gs ist bekannt, daß es in verschiedenen Teilen Rußlands eine Anzahl von jüdisch-christlichen Sekten gibt, das sind chriechisch-orchodoxe Russen, welche die Gebräuche der jüdischen Religion angenommrnen haben rürer ganz zum Judentum übergetreten sind. Solche Neübekenner des Judentums dürste es im russische» Reiche ein paar Millionen geben; genau ist die Zahl nicht bekannt. Die größte Zahl erreicht die Sekte der ,^8erjudeten" im Wolga- und im Kaukasusgebiet. An der Wolga gibt es viele große Mrser dieser Sektierer, im Kaukasus ist die Gegend von Kuban mit jüdisch sektierenden Kosaken stark besetzt. Der größte Teil dieser Gerim sind Bauern, es gibt aber auch mtier ihnen viele Fuhrleute, Handwerker ufw. Sie halten die jüdischen Bräuche sehr genau ein, haben eigene Bethauser, Kinderschulen, Lehrer und Schlachter. Die Vermögenden unter ihnen lassen ihre Kinder in den großen Städten mit jüdischer Bevölkerung in den JeschiwaS studieren. Die Verehelichung mit Juden halten diese Gerim für eine große Ehre; Einige dieser Sektierer rühmen sich der Abstammung von den C h a s a r en, deren Reich au der Wolga lag. Historische Erinnerungen aus dieser Zeit haben sie nicht, dagegen sind unter ihnen die Leiden sehr lebendig, welche sie und ihre Vorfahren infolge der Annahme jüdischen Glaubens ertragen mußten. Gefängnis, Zwangsarbeit, Sibirien, all das haben die Zarenregieruugen über diese Sektierer nur allzu häufig verhängt. Im Zusammenhang damit ist schon' vor langer Zeit ein verhältnismäßig starker Auswanderungsstrom von solchen Sektierern nach Palästina gegangen und es leben besonders in den jüdische« Kolonie« bis heute verhältnismäßig ziemlich zahlreiche Familien von Gerim. Unter den Gerim-Familien kosakischer Abkunft aus berj Gegend von Kuban hat sich durch mündliche Traditionen fol-, gende Geschichte erhalten: Einmal bereiste Zar Nikolaus der. Erste den Kosakenrayon von Kuban. Ein Kosakendorf mit! jüdischen Sektierern entsandte eine Deputation seiner Ern-' wohner, welche dem Kaiser nach russischem Brauch Salz und! Brot und nach jüdischem eine Thorarolle überreichen! sollte. Der Generalgouverneur des Rayons stellte diese Sektiererdeputation zusammen mit den übrigen Kosaken aus; sie! unterschieden sich in nichts von ihnen, nur chre Kopfbedeckung nahmen sie nicht ab, Ms der Zar das sah, schrie er zornig:! ,Mas ist das für eine Revolte? Warum nehmen die die Hüte! nicht ab?" Der Generalgouverneur antwortete: „Majestät, es! ist keine Revolte, diesen Leuten erlaubt es chre Religion nicht,! die Hüte abzunehmen, sie gehören zum jüdischen Glauben."! Verwundert rief der Zar: „Was soll das heißen? Das ist doch! unmöglich! Meine Kosaken gehören zum jüdischen Glauben?^ — ,Me waren früher rechtgläubig, dann sisd sie zum jüdischen! Glauben übergetreten", erklärte der Generalgouverneur. Wut-! entbrannt sprang der Kaiser auf, streckte die geballte Faust ge-> gen die Gruppe und schrie: „Ich will ihnen zeigen, den Hundesohnen, was bas heißt, vom heiligen Glauben der Kirche abzufallen l Man lege sie sofort. . Milten im Worte brach der Zar ab. Er wurde weiß wie die Wand, setzte sich in den Wagen, die Hand auf den Wagenrand gestützt, und saß lange Zeit in Nachfinnen versunkm da. Dan« hob er den Kopf, schaute lange auf die Thorarolle, welche die kosakischen Gerim gebracht hatten, und sagte leise, wie zu sich selbst, den Satz der Thora: „Das Herz der Könige und Herrscher ist in Gottes Hand." Darm ließ er den Wagen weiterfahren und befahl, die Gerim in Frieden zu lassen; sie sollten sich nur an einem anderen Ort anfiedeln, um nicht mit chrer Settiererei die übrigen Kosaken des Rayons von Kuba» «Mstecken. Nach dem Besuch des Zaren wurden die jüdischen Sektierer im Kubangebiet eine Zeitlang im Frieden gelassen, in den andere» Gebieten Rußlands aber wurden sie auf Schritt und Tritt verfolgt. Diese Verfolgungen bildeten ein Hauptmotiv für die Auswanderung nach Erez Israel, überdies aber wolle» sie die erste» sein, welche den kommenden Messias sehen werden. Einige dieser Gerim, rvelche etwas von der zionistischen Bewegung gchört haben, glauben, daß Herzl der verheißene Messias gewesen sei. Es geht unter ihnen auch das Gerücht nm, Herzl habe noch dem Sultan Palästina um viel Geld abgetanst. In der letzten Zeit wandern wieder Sektierer aus der Ukraine nach Palästina und manche legen oft große Teile des Weges bis zum Triester Hafen zu Fuß zurück. Reuerüffnung S Das — gm tw»»85s 12B m( ei»® Z*10*1 - 1. Aöleraasse 5 521