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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-23 · Heft 1476 (23.3.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1476 (23.3.1923)
Date
1923-03-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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wfrfcKf-aw»*»- «wen, iffvevms Der ahnuugsose Schuster. Bvr ttem VevwckltungsgerLchtshos fanden in den letzten rtriagen wiedevmn zahlwiche Verhandlungen über die Be- ^Wvecken gegen das Bundesmmisterium für Inneres wegen der Abweisung von Optionsansuch en (natÄÄich Wischen) statt. Die Beschwerdeführer Lezeichueten es als gesetzwidrig, daß ihre Optionsansuchen bloß deshalb, weil sie Juden feien, abgewiesen weichen. Es traten bei diesen Verhandlungen einige besonders krasse .Fälle zutage. So wurde das Optronsgesuch einer in Harniburg lebenden bekannten Schriftstellerin abge- -wiesen, für welche das Optronsansuchen an die Regierung vom österreichischen Konsulat eingebvacht worden war. In einem anderen Falle tvurde die Option einer Mutter und ihrer drei Kinder angenommen, die des vierten Kindes aber ab ge wiesen,, so daß bei der bekannten Motivierung, daß der Optant nicht ttat Rassermachweis erbracht hat, es innerhalb einer und derselben Familie vier Personen mit erwiesenen Rassen und eine Person mit nicht erwiesener Rasse gibt. Der Verwwltungsgerichtshof unter dem Vorsitze des Präsidenten .Schuster wies natürlich sämtliche Beschwerden ab. Herr Schuster begründete das damit: wie immer man den Begriff Rasse auffasse, selbst wenn er als gleichbedeutend mit Nation aufgesaßt werde, so müsse daran festgehalten tvevden, daß die Beweispflicht dem Options- Werber z u r L a st fällt. Die Fehlerhaftigkeit dieser Motivierung ist umso größer, als niemals und nirgends angegeben ist, wie dieser Beweis anzutreten ist. Herr Schuster leistet sich aber noch ein anderes Stückchen; er erklärt, für die Annahme, daß das Religionsbekenu tn i s der Beschwerdeführer für die Abweisung des Optronsansuchens maßgebend gewesen wäre, liegen keinerlei Anhaltspunkte vor. Wie naiv und. ahnungslos doch der Präsident des Verwaltungsgerichtshoses ist! Wenn einer Jude ist, so erbringt er nicht den Nachweis der Rassenzugehörigkeit und wird daher mit seiner Option abgewiesen; aber es liegen keine Anhaltspunktedafür vor, daß er deshalb abgewiesen wird, weil er Jude ist! Durch diesen Zirkel will sich Herr Schuster vor jedem Vorwurf sichern! Kein Engel ist so rem! Tscheche-Slowakei. Vas Stifte ftes Sftrauer Kohlenarbetterftreik«. Prag, 22. März. (Tsch.-flow. Pr.-Bur.) Die Verhaftungen über den Abschluß eures neuen Kollektivver- Ä r a g e s für die SteMkohlengrubeubetriebe im Ostrau- Karwin er Revier sind heute nur 2 Uhr früh im Ministerium für öffenÄrche Arbeiten beendet worden. Die getroffenen- Vereinbarungen, die noch von der Rerchs-konf-ereriz der koalierten Bergarbeiterverbände am Lä. d. und 'der Konferenz der Bergarbertervertreter des Ostrau-Karwmer Reviers am 25. d. genehmigt -werden müssen, regeln vor allem die Frage der Samstagss ch i ch t fiir die unter Tag beschäfügten Arbeiter. Die Arbeiter willigen ein, über Aufforderung der Unternehmer am Samstag zwei Stufen Ueberzeit, das sind insgesamt acht Stunden, zu arbeiten, -venu an allen übrigen Arbeits- -tagen der Woche gearbeitet werden wird. Für diese Ueber- -zeitarbeit wurde auch die Entlohnung vereinbart. Dieser Teil des Vertrages wurde bis zum 30. Jrmi 1924 verernbart und kann nach diesem Dermin vierwöchig g-Mndigt werden. Ein werterer strittiger Punkt, -der die Arbeitsleistung mud den - damit verbundenen G r n n d l o h n betrifft, wurde durch die Feststellung einer Leistung, die mit der i-n den letzten drei Mo-naten erzielten Leistung in Einklang steht, und durch die Honorieumg eines größeren Arheitsergebnisfts gelöst. . Die übrigen Bestimmungen des bisiherigen Bertvages bis auf jene betreffeich die. Entlohnung für die Ueberzertavbe-it an Samstagen wurden erneuert. Der neue Vertrag gilt ab 11. d. Wegen des Streiks darf -nivmand ^bestraft noch verfolgt werden. Die Arbeit soll spätestens Dienstag den 27. d. wieder ausgenommen werden. Ungarn. Nach faszWchem Muster. Budapest, 22. ALirz. (Del. der ,Mr. Morgeuzeitnulg".) MimsterPväsideM Bethlen fuhr heute mittags plötzlich nach Göidüllö und erschien beirn Reichsverwes-or Horthh zur Audienz. Diese Audienz ist mit den Umstnvzplänen der Rechtsradikalen im Znsanunenhang, die nach Informationen der Negiermog sowie der li'bevalcn Opposition einen gewalilsaimen Umsturz nach faszistischein Mnster planen. Die RechtsralWalen erklärten in den Couloirs der N>at'wnalversammlung offen, daß sie die Wäre zwischen Polizei irrud Erwachende Studentenschaft durch die ErAäMngen Beth- Seils und Rakovszkys noch nicht für erledigt betrachten und nötigenfalls einen offenen Kamps gegen die Regierung im ganzen Laude provozieren worden. Die Stimmung ist in sänMchen politischen Kreisen sehr erregt. Roch teilte Ruhe an ften Hochschulen. Budapest, 22, Marz. (Tel. bet ,Mr. Morgenzeitun^.) Au der Technologie gab es heute vormittags wieder Schlägereien. Die Erwachenden trieben die jüdischen Hörer aus den. BortragssÄlen, wobei es mehrere schwere Bermsittttr WftAkWe iijcttuitg. Sonntag den 1. April 1. J. erscheint unsere in besonders grosser Auflage und versenden wir viele tausende Exemplare als Propaganda-Nummern nach Polen, Jugoslawien, Rumänien, England, Holland etc. ANNONCEN welche in dieser Festnummer erscheinen, verbürgen bei sehr geringen Kosten gu en Erfolg! * * Auf Wunsch Näheres durch unsere Vertreter oder telephonisch (44038, 43319) letzungen gab. Die Polizei stellte fest, daß die Wunden von Blei und Gummiknütteln herrühren. Das Gebäude blieb bis in die Abendstunden von den Erwachenden belagert. Eine Untersuchung wurde nicht omgoleitet. Polizei und Metallarbeiter. Budapest, 22. März. (Tel. der „Wr. Movgenzeitung".) Die Metallarbeiter hielten heute sechs Bolksversanunlungen llve-gen der Ardeit-ewusisperrungen ab. Nach den VersammMugw kam es an verschiedenen Punkten der . Stadt zu Demonstrationen der Arbeiter. Unter , der ^Marseillaise zogen etwa. 10.M Arbeiter' m die .Innere.ÄM, wo 'ihnen Polizei entgegentvat. , Vor dem Gebäude der .„Nsps§ava" kenn es zu einem Zusammenstoß, bei welchmr die Polizei mit dem Sä bell gegen die Demonstranten vorging und viele schwer verletzte. In: BeTaiffe der iveiteren Mtion -der Wache gab es noch eine Menge Schwerverletzter. An verschiedenen Punkten kam es Zu förmlichen Attacken der Wache. Kn erwachender Mnlerer angeschMen. Budapest, -22. März. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Heute nachts gegen 2 Uhr verließ der römisch-katholische Privatier Ladislaus Ronay nrit seinem Freunde namens Chhzbek ein Reskmrrmt in der Rakoczystraße. Auf der Straße' trat ihnen eine vierköpfige Gesellschaft von Erwachenden Studenten entgegen und forderte sie unter den üblichen antisemitischen Anflegeleien zur A u sw eisleist u ng auf. Ronay weigere sich und die EvwacherÄen beschimpften die beiden vermeintlichen Inden. Ein Sllvdent nanrens Anton Schilling, Hörer lder volkswirtschaftlichen Hochschule,' packte Ronay beim Ohr. Dieser schoß dem Schilling eine Kugel in den Unterleib. Die übrigen drei Erwachenden.standen abseits und mengten sich nicht ein. Schilling wurde im Röchnsspital sofort operiert, doch wird an seinem Auftonrmen gezweiselü Ronay wurde vo-rdecharkd in Polizeigewahrsam behalten. Die Tchiebmgm bei der Kommerzialbank. Budapest, 22. Mürz. (Tel. d. ,Mr. MorgenzeÄung".) Nach Ueberprüftrng der Bücher und Korrespondenzen der hiesigen Filiale der Wiener Kommerzialbank erklärten die Sachverständigen, daß Generaldirektor Richard Sebestyen au den betrügerischen Manipulationen keine Schuld trage. Hierauf ordnete ^de-r Untersuchungsrichter die E r n st e l l -u n g des Verfahrens gegen Sobestyen und die Freigabe seines beschlagnahmten Mlliardenvermögens an. ,_ . Polen. Sie Zaworiria-Frage. In ei'mer Unterredung, die ^der KorresponLelll des „Temps" mit dem polnischen Mmster des Aeußem Grasen Skrzynski hatte, wurde auch die Differenz besprochen, die wegen des Jcüvov'ma-Gebietes gwischm Polen und der Tschecho- Sloivakck roch ünmer besteht. Müister Skrzynski sagte, daß Polen bereit sei, das Vergmtgene M vergessm und ein Bevhältnis der engen Freundschaft mit der Nachbarrepublik-Herbeizu-, sichren, doch vermisse Polen von seiten der Dschecho-Slowakeieine Geste, die als ein Entgegenkommen und als eine Garantie sirr die Zukunft angesehen -veidon könnte. Polen verlange von «v. smevff' ttita •&*** - der Dschecho-Slowakei bloß das Opfer einer Gemeinde^ und wolle dasiir zwei in Tausch geben. Das verlangte Opfer! ist also nicht sehr groß. Wenn das Prager Kabinett sich zu. diesem Opfer bereit fände, würde Minister Benies ch, der die! Absicht hat, sich -demnächst nach Warschau M begeben, eir.es sehr! tvarmen Gnchfanges sicher sein und niemand wüche sich in! Polen mehr einer endgültigen Annäherung der beiden Länder! entgegensetzen. Minister Skrzhnski versicherte, daß Polens nur den Frieder,» wolle, weil es seiner für die innere Konsoli«! diermvg bedürfe. In diesem Sinne wolle er auch seine Arbeit' in Bukarest zu Errde führen. Jüdische Volksstatisttt in Ostgalizie«. Nach den AnM. lnngen der Letzten Volkszählung beläuft sich -die faktische Anzahl, der Juden im Bereiche der Woiwodschaft L e -m b,e r g auf! 313.033 (11,5 Prozent der Gssam-tbevöKeMNg) gegen 1,261.200! römisch-batholischer und 1,121.606 griechisch-Eatholischer und 12L76 evangelischer Konftssion. Ihrer Nationalität nach gibt es: 1,637.819 (56/8 Prozent) Polen, 972.388 (38,5 Prozent) Ukrainer, 189.878 (6,9 P-ogent) Juden, 12.358 (0,5 Prozent) Deutsche. Daraus geht hervor, daß sich 150.000 Griechisch-KachMche und 120.000 Juden pr polnischen Nationalität bekennen oder in vielen Fällen ohne ihr Dazutun hinzugevechnet werden. Rundschau. Das unbeugsame Rein. Eine Rede De. Cunos. München, 22. März. (Tel. der „Wiener Movgerrzeitung^ Reichskanzler Dr. Cuno hielt gestern abends 'bei einem Ernpfang eine Rede, in welcher er ausfnhrte, Deutschland habe sich immer 'bereit erklärt, bei seinen Leistungen bis zur äußersten Grenze zu gehen. Mer es müsse Forderungen abkehnen, die nur dazu dienen, ihm einen Strick um den H-als gu legen. Jede Diskussion Wer die Beendigung -des gegenwärtigen Konfliktes müsse von der vorbehaltlosen Räumung des Einbruchsgebietes ausgehen. Den feindlichen Plänen gegenüber gebe es -mir ein u nbeugsames Nein. Daran vermag das Gesumme über den angeblicher: deutschen Berhandlungstvillen, mit dein von Paris aus die Lust erfüll» werde, nichts zu ändern. Die Reichsregierung hat niemanden um Vermiittluug gebeten, dagegen manchen Fühler empfangen. tznthufiMscher Stnftfang Weizmanns in Rew-Rork. Aus Nelv-N ork wird uns berichtet: Der EmPfanA der denr Präsidenten der Zionistischen Organisation Doktori Chaim. W e r z m a n n bei seiner Ankunft in New-Zork be-i reitet wunde, stehtHr Geschichte New-Forks vereinzelt da. Eine mrübsrsehbare Menschenmenge harrte der Ankunft! der „Paris", auf welcher Weizmmrn die Ueberfahrt machte,: um den Fiihrer der Zionistischen Organisation zu begrüßen.- Mehr als 500 Automobile brachten die Gäste der Empfangsfeier an den entlegensten Teil New-Aorks, an^ die Landüngsstelle. Das Empfangskomitee bestand ans 500! Personen, rmd als Weizmann Ne Landungsbrücke bestieg, erscholl vieltausendstimnrig das Hoffmrngslied Hatit-, wah. Die Mitglieder des jüdffchen Sportklubs Bar: K o ch b a mit ihrer blau-weißen Sportunifown bildeten: Spalier und die Straßen des Judenviertels, durch welches! der Einzug sich vollzog, ruwren nrit Fahnen m der jüdischen Nationalfarbe geschmückt. An der Ecke der Rotgers-- Square ivar eitue Tnibüne errichtet, von welcher die Rabbiner Jskolski und Judelowicz Weiznlatrn ittc Jlamen der Jttden NÄv-Aorks und der Vereinigten Staa-- ten begrüßen. Der Zug bewerbe sich weiter durch die Ostseite New-Dorks mtd HM an ttLr Ecke der Zehnten Straße, und'! der Zweiten Avemre, wo sich ans einer großen Tribüne Bürgermeister Murray HAlbert und der Präsident des Bezirkes Jtllius M i l l e umgeben von einem großen Staat von städtischen Funktionären als Ehrettgäste beenden. Bürge-rnreister Murmy Hulbertbegriitzte Weizmann, indem er hervorhob, daß chm sowie Professor Dr. Einstein zur Zeit ihres Besuches in Mw-Mrk das B n r g e r r e ch t der Stadt Ncw-T)ork vcvliehM wurde. Nun akklamierte die Menge Dr. Weizinontr, der sich schließlich' gezwungetr sah, einige Worte an die Lrschienenerr zu richten. Weizmann sprach i'l'ber die Situation in ztworsichtlichen Wortett mÄ gab seiwr Ueberzeugmtg AusdMck, daß die Juden in Atnerika sich der gegenwärtigen Zeit wüvdig zeigen und alles atffbieten werden, um nicht den Vorwurf auf sich zu laden, daß sw diese seit zwei JÄlhrtatffetcken erhoffte Gelegenheit, für beit Wiederaufbau, Palästinas, ohne ihren Kräften entsprechend witgearbeitet zu haben, vorübergehen ließen. Er hege deshaG die UeberzmMrg, daß die Inden 9rew-Z)orks die eben begonnene Kampagne für die Ausbringuug ihres Beitrages voll zwei M i l l i o n e u D o llar für den Ke-ren Hckfessod erfolgreich zu Ende führen und Äunit den Jndsn der Bereinigten Staaten mit gutem Beispiel Vovangchen tvcrden. Die kntente ««ft die %Mtl London, 22. März.' (Tel. der „Wr. Morgenzeit-ung".) Die Konferenz der alliierten Sachverständigen wurde- Mrttlvoch nachmittags von Lord Curzon eröffnet. An der S-itz-nr.g nahmen außer den Sachverständigen auch die Botschafter Frankreichs, Italiens und Japans in London teil. Lord Curzon wies in seiner Eröfsimngsrede ans die Nottvendigkel-t hin, die E i rr- OsterOkkasion Leinenwaren, Waschzg llNKffölKtlt f waren, Stoffe, Wäsclw, ||||||j|jj? mmmmmammwmrnmmammmm Waren- I Schiff mann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 Engros En detail ■BBanBBBBBnHMni

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