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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-20 · Heft 1473 (20.3.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1473 (20.3.1923)
Date
1923-03-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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' Rfc 1473 Wien, MenStag Wiener Morsenzeltüns. 20. Marz 1923 Seite 3 Sesterreich. Scflctrelflrtm!) der VSlkerbund. 50tU|s April tritt das Kontrollkomitee des!Volkerdundrates zu einer Tagung öl Genf zusammen, um sich mit den österreichischen Angelegenheiten zu befassen. Zu dieser Tagung werden sich außer dem Genevalkommiffär Dr. Z immer mann und dem Bundeskanzler Dr. Seipel auch der Minister des AeußernßDr. Grunde r g er und Fmanztnimster Dr. Kienböck nach Genf begeben. Gegenstand der BerhaMungen wird zunächst der Be. richt Wer die AufteMNg der Jnterimsanloihe und über die Vorbereitungen zu der großen Anleihe sein. Nach dem Genfer Protokoll muß Genevallominissär Zinrinermann dem Kontrollkomitee, dem die Vertreter der Signatarmächte des Genfer Vertrages angehören, allmonatlich einen Bericht über den Fortgang der Sanievungsaktion erstatten. Der erste Ende Jänner bei der Tagung des Völkerlbundvates in Paris erstattete Vortrag ist bereits veröffentlicht worden. Der zweite Bericht sott sich, wie in parlamentarit'chen Kreisen de-rlaintet, in der. Hauptsache mit den Verhältnissen bei den Bundesbahnen beschäftigen und eine Reihe von Maßnahmen Vorschlägen, deren Durchführung eine Verringerung des Defizits der Bundesbahnen ermöglichen könnte. Die Entscheidung über die Reform der Bundesbahnen ist zunächst noch nicht zu erwarten, da die Regierung die Absicht hat» rin Anschluß an die in der Vorwoche abgehaltene Enquete nun auch das Urteil einer Reihe ausländischer Experten einzuholen. Der Kommlffär für die Bundesbahnr«. Wie tttir erfahren, ist die Kombination, den amerikanischen Oberst Causey als Kommissär für die Bundesbahnen zu berufen, endgültig fallen gelassen worden. Man ist infolge der vielfach gcäußertcn Bedenken davon überhaupt abgekommen, einen Kommissär mit weitgehenden Vollmachten für die österreichischen Bundesbahnen zu bestellen. Es ist geplant, zunächst einen Experten zu berufen, pm die Lage der österreichischen Bundesbahnen und die Sämerungsmöglichkeiten zu studieren. Fiir diesen Posten lift, wie wir an maßgebender Stelle erfahren/ ein englischer Fachmann in Aussicht genommen. ' Dar russische PM?s in Wie«. Wie ims mitgeteilt wird, wiitd das Palais der vlssischen Gesandtschaft in Wien schon in den allernächsten Tagen von der österreichischen Regierung der Wiener Sowjetkommission übergeben werden. Schon vor einigen Tagen hat der Wiener spanische Gesandte, der seit Kriegsausbruch zugleich mit dem Schutz der in Wien verbliebenen Russen auch die Verwaltung des Botschaftspalais übernommen hatte, das Gebäude o f f i z i e I l der Bundesregierung übergeben. Diese hat einen Ministerialbcamten damit beauftragt, das Inventar des übernommenen Gebäudes auszunehmen. In der Zwischenzeit ist die Buudesvcgierrung an die Sollst.tiuission wegen Austausches des Wiener Gebäudes gegen das Palais der gewesenen österreichisch-ungarischen Botschaft in Rußland herangetreten. Die diesbezügliichen Verhandlungen sind noch im Gange.. Wie wir weiters hören, ist Herr Schabeiski,- der bisherige Bewohner des russischen Botschafterpalais, nach Baden bei Wien übersiedelt. Ae passive Resistenz der PO Telegraphenangestellten. Die passive Resistenz der Post-, Telegraphen- und Telephonangestettten hat gestern morgens programmgemäß Eingesetzt. Die Regierung steht weiter auf dem Standpunkt, daß die Wiedergewährung der Regiekartenbegi'mstignng gegen /das Genfer Wiederaufbauprogvamm Verstößen würde und fantm nicht bewilligt tvevden könne. Die Angestellten vertreten nach wie vor die Meinung, ein wohlerworbenes Recht nicht aufgeben zu können. Die Bewegung dürfte sich im Verkehr erst in zwei bis drei Tagen fühlbar machen; die Wirkung der Passiven Resistenz wird sich hauptsächlich in großen Umteitestellen zeigen, wo sich eine Verspätung der Postabfertigung durch die Stauung der „streng nach der Vorschrift behandelten" Sendungen ergeben muß. Das Schwergewicht der passiven Resistenz liegt in der internen Manipulation der Postanstalten. Da die passive Resistenz erst heute morgens einsetzte, ergaben sich bei der Zustellung -der Frühpost zunächst nur kleine Verspätungen bis zu einer halben Stunde. Empfindlicher machte sich die passive Resistenz schon an den Parteienschaltern größerer Posta-nstaiten bei der Ausgabe von Einschreibesendungen rmd Paketen geltend. Es ergaben sich zahlveiche Anstände, die zum Teil nicht widerspruchslos hMgenommen wurden, so daß es an einzelnen Schaltern Jugoslawien. Nr. Seipel kn Fnmbrnik. Innsbruck, 19. März. In einer nachmittags im große»: Etadtfaal abgehaltenen Versaiumlung hielt Buuidtekcmzler Dr. Seipel eine Rede, in der auf die Kvvditaktwn z»» sprechen kam. Der Kammer erklärte u. a.: Es wäre ganz falsch, wenn wir aus dem Erfolg einiger Morale die Schlußfolgerung ziehen wollten: Jetzt ist schon alles gewonnen, uns kann kein Unheil mehr drohen. Das ist nicht wahr. Unser Staat, sein Haushalt und unsere ganze Volkswirtschaft gleichen euren» Menschen, der vor kurzer Zoll vorn Krankenlager an gestanden ist und schon ein paar Schritte, ohne gestutzt zu w:rxm, gehen kan», aber noch taumelt. Ein kleiner Anstoß kann ihn umwersm. So steht cs »m» »»ns. Wir wollen uns nicht von falscher Zu »erficht blenden lassen. Wir wissen, daß wir rar de»» ersten Teil der jur eine äpiuci Jahre dauernde Sainernngäperiodr in Aussicht gestellten Anteihe erhalten haben und daß unsere Vertreter m Rom, Paris ur.d London und vteUciht auch in Amerika verhandeln müsse, um dort die große Ausländsanleihe nnterzubrmgen, die uns erst für o»e gurzm zwei Jahve sichern soll. Wir sind auch sonst noch in Gefahr, dte Erfolge des Anfanges unseres San'rernrngswerkes »weder zu veritecen, mtö zwar deswegen in Gefahr, weil wir von dem. wrS wir im Innert? unseres Landes selbst tun müssen, noch nickt alles vollbracht haben. Wir sind in der besonderer» Gefahr, daß unS die tägliche Sorgen und Känii'fe und olle die Schwierigkeiten, die wie im eigenen Lanive haben, cwitiueu lassen, aus dem tocte teren Wege zur Sanierung, um) wir müssrn uns daher wiederum alte Tage selbst vorsagen, was in der Zukunft rottut. Cm Bölk kam» die Fortführung der Sanierung heute nicht rinfach seiner Regierung allein überlassen, Seipel gegen die Sozialdemokraten. ' Irr seinen weiteren Ausführungen wandte sich Doktor Seipel gegen die Koalitivusgerüchte und erklärte: Ungam. Friedrich rmd Kemai. Re SknMünawahlen. Belgrad, 19. Marz. (Awtr) Die gestrigen Wahlen für die Sknpschtina sind ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Tie bis heute früh bekannt pewocd.-nen Ergebnisse lassen sich selgevdermaßen zusammensassen, wöbe» für den Vergleich mit den letzten Wahlen in Betracht zu zichm ist, daß damals 417 Abgeordnete gÄvählt wurden, während die neu §u wählende Kammer wt 313 Sitze zählt. Die Radikale Partei, a-e früher 92 Mandate besaß, hat gestern 116 erhallen. Die Dcn^raim, die früher 91 Sitze innehcvtten, erlangten nur 46 Mandate. Me Kommunisten und di: Republikaner haben?nn iOtuoii errungen. Die Bt'Sncschmt'selm-an'ische Parte» und de ksirckalm Sl.-senen haben ihren früheren Besitzstand behoup'et. Tie Kroatisch: B-luern-lRadü-) Pertm, die in der früheren Sk »p,ch:'.ni 5V Mitglieder gczäbll Hai, erhieilit 68 Mandate. Die Kan.)'.da:en der deutschen Minderheiten sind -m Slowenien unterlegen; in der WoÄood'ma erlangten sie 6 Mandate. Ministerpräsident Pasie wurde außer in Belgrad rn noch zwei anderen Wahlbezirken geivählt. Die unter Führung Prolic' stehenden radikal»» Diffidenten erlitten eine vollständige Niederlage. , Boi den gestriM Whaben SO Prozent der in die Listen aulfgervmmenen Wähler von ihrem Stimmrecht Gebrauch g-macht, während bei den letzten Wahlen nur 65 Prozcn: der Wähler zur llwe göschritten waren. Budapest, 19. März. (Tel. der „Wr. MvrgenMung".) Wie aus Smyrva berichtet wird, -ist dort am 17. März der getoefene ungarische Ministerpräsident Stephan F r»e d r i ck angeLvinmen. Bon Smyrna begibt er sich nach Aidana, wo Mustapha Ken» al sich derzeit aüfhält. Man hört in diesem Augenblick wieder viel von einecn Wechsel im Regierungssystem, von einem Wiedereintritt der bisherigen Opposition in die Regierung. Bald beschuldigt man irgendeinen von uns, in dieser Richtung Verhandlungen zu führen, bald wirft man uns vor, hartnäckig die entgegengestreckte Hand der Opposition anszuschlagen. Ich bin, wie alle wissen, in diesem Staate einer von denjenigen, die für eine Koalition mit den Marxisten nicht zu haben sind. Ich bin derjenige, der sich vor einigen Monaten gegenüber ähnlichen Anregungen ablehnend verhalten hat, und ich bin das ans einen» ganz bestimmten Grund: Ich habe bisher von Seite der Opposition noch nicht ein Bekenntnis zur Sanierung unseres Staates erhalten. Wer sich nicht rückhaltlos zu diesem einmal eingeschlagcnen Weg, z»»r Sanierung, bekennt, den habe ich noch immer lieber als offenen Gegner in der Opposition, denn als heimlick-^-n Gegner in der Reaterung. Ost habe ich seither Gelegenheit gchabt, in Versammlungen zu sprechen, in denen Christlichsoziale und Großdeutsche vereinigt Ovaren, und ich habe Leine Gelegenheit vorüoergehen lassen und will auch diese GetegLiihvit in Innsbruck nicht vorüberyehen lassen, ohne zu sagen, daß diese Zusa»mne»mrbcit sich bisher bewahrt hat und daß wir die Hoffnung hab:.^, daß alle, die sich zu einem Programm beten»en, das nicht den Klassenkampf zum Gegenstand hat, sich auch in Znkunfdurch »»ichts werden trennen lassen (bobhafte Zustimmung), wenigstens solange n'icht, als wir rroch den Kamps gegen die Bekenner des Klassertkatttpfes werden zu Mren haben. Budapest, 19.. März. (Tel. der „Wr. Movgenzeitnng".) Der städtische Oberrechnnngsrat Stephan Kornay, ern Mit-. ßUcb. des Luvanischen , Rossenschutzverbandes, klagte schon m den ersten Morgenstunden zu lebhaften AM«! einaudersetzuttgen kam. Störungen des Telegraphenbetrübes konnten bisher nicht wahrgeuommer» werden; betl Fevllsprechdienst funktionierte nicht schlechter, als man es! in Wien getvohnt ist. Passive Resistenz in deir Wiener Spitälern^ Zn» Bundesbeamten-Spitcü wurde das weltliche Pflege«; personal gekündigt und durch geistliche Pftegeschwesteru ersetzt. Dies führte zum Streik. Die Gefahr, daß auch iw anderen Spitälern das weltliche Personal durch geistliches' ersetzt lvevde, hat zu starker Erregung des gesamten Pflöge^ Personals der Wiener Spitaler geführt, zumal bisher ohne-i hin etwa 400. organisierte Krankenpflegeriunen arbeitslos! sind. In einer gestern vormittags, abgehaltenen Berfamm-z lung der Vertrauensmänner sämtlicher Wiener Spitäler; wurde nun beschlossen, heule früh in allen Wiener SP»-, tälern einschließlich des RothschiD-Spitals mit dep Passiven Resistenz einzusetzen. Der Dienst in den Kränkelte znnmern wird wie gewöhnlich verrichtet werden, biej NesiAnz soll sich vorläufig auf die übrigen Arbeits-! lerstuugen, besonders die Auskochevei für die Allgestellten und Spitalsärzte, erstrecken. Benedikt Baraiosi-Dalog, weil dieser rhu des Fvvimamrertums und des Vaterlandsverrales beschuldig! '.. Bei der heutigen Vechairdlurg beim Strafbezirlsgerich» erklärte Baratosi-Balog, daß er in der Lage sei, die Schulde Kornays zu beweisen. Kornicry habe den von den Rassenschirtzvecbändr»» vorbereiteten Aufst-and in Westungarn vor dessen, Ausbruch den Ententem-issionen in Budapest verraten. Ein Zeuge bestätigte vor -den» Gerichte, daß ihm Kornay über seine Intervention bei der französischen und italienischen Miffion erzählt habe. Zwecks Einverr.«hrne wichtiger Zeugen wurde'dte> Verhandlung vertagt. Sokolow bei EikorE. Warschau, 17. März. (Del. der „Wiener MorgenzeitiMg".^ Der Präsident der Zionistischen Exekutive Ncchum Sokolow, der soeben von seiner Toumee Wilna—Bialistvk zurückgetehrt« ist, wo ihm die jüdische BevvRerung einen grandiosen Empfang bereitete, wurde vom Ministerpräsidenten S t f o r § f i'. in einer omstündigen Audienz empfangen. . Paris, 19. März. (Tel. der „Wteuer Morgenzeitung".) Der polnische'Außenminister Skrzynski ist gestern nach London abgereist. Es verlautet, daß er sich von dort über Paris nach Mailand begeben wird, wo eine Besprechung mit Mussolini stattsinden wird. Besrei««g der jüdische» Schiller vom 8ch»lbes«ch mn Samstag. Warschau, 17. März. (Del. der,Miener Margenzettmig".) Dank den Interventionen des Michen Klubs hat das Unter-, richtsmmistermm eine Verordnung erlassen, wonach die jüdischen Schüler in den Voliksschullen vom Schulbesuch am Sa bb ar befreit werden. Die diesbezügliche Verordnung ist bereits pMiz-iert. Kowno, 17. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung" ) Hier ist ein Dekret des Staatspräsidenten veröffentlicht worden, wonach für den Monat Mai Neuwahlen ausgeschrieben sind. .s Franksn r t a. M., 19. März. (Wollf.) Das W i bade ne x Staditheater ist in der vergaugenen Nacht voll» ständig abgebrannt. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Berlin, 19. März. (Wobst.) Boi der Eröffnung der Frühfghrsmesse in Kiel stürzte ein Gerüst, auf dem eine landwirtschaftliche Maschine stand, ein und bogriib vier Messedesucher unter sich; zwei von ihnen blieben, tot. Budapest, 19. März. Montag abends verließ das erste Dampfschiff in dieser Saison den Budapester Hasen mir der Richtung Wien. Budapests 19. März. Als Erwachende eine in Komoru albgehaltene oppojitlonelle Versanmnlnng sprengen wollten, wurden sie vom Publikum verprügelt. Die Versammlung wurde -von der Polizei aufgelöst.. Auf der Straße wurden die Abgeordneten.Rassay und Beniczky angegriffen. Berlin, 19. Marz. Donnerstag wird eine neue LuslverkÄ)rsstraße Danzig—Warschau—Lemiberg eröffnet. Der Verkehr teil nach Bukarest, eventuell Konstantiuvpel, ausgedchnt werden. Warschau, 19. März. Mt Rücksicht aus den von der. polnischen. Regierung festgeüetzteu PräAusivtermin vom' IS. April, biS zu'welchem alle Ausländer, die' rchne behördliche. Erlaubnis in Polen weilen, ausgewiesen werden solle»», mach:' sich eine starke Au Avanderungsbelveauug nach Südamerika, Kuba und Mexiko bemerkbar. Ans Warschän allein , sollen bis zürn 20. d. gegen dreitausend Personen anSgewiesen ivevden. Il/aren unerreicht billige Kaufgelegenheit m Mto Schiff mann!!.. Taborstraße 48 ■MwaaM.Siwi.iaua,.«, ' .st

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