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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-20 · Heft 1473 (20.3.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1473 (20.3.1923)
Date
1923-03-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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T"Ti l'TP^T>'i£^n '♦'Trfjs'r HW •*'jj?',’‘'i?v.<•■.!■• (’ll* j'Wjj lt^ ent*» Men, Dienstag Wiener Morgenzeitnng. 20. März 1928 Nr. 1«» Der gesetzliche -ie Kundmachmg der Rektors Sie««. Me Von Uns am Sonntag auszugsweise mitgeteilte neueste Kundmachung des Rektors der Wiener Universität lautet folgendermaßen: „In der Gemeinderatssitzung am 9. Marz sink» sowohl gegen die deutsche' Stuben' enischast Äs auch gegen die alademffchen Behörden schwere Vorwürfe erhoben und von dem Herrn Bürgermeister in seiner Jnterpellationsbeantwortung Äs gerechtfertigt bezeichnet worden. ES wurde bvhaupj«', daß eine kleine Minderheit der Studentenschaft durch terroristische Mte der Majorität ihren. Willen cvu-fzuHwingrn suche und daß die akademischen Behörden gegenüber dieser gefährlichen Agitation Äne besorgniserregende Schwäche zeigen. Seit den Unruhen in der 'letzten Novemberwoche hat weder ein terroristischer Mt, noch eine Demonstration auf akademischem Boden stattgefuÄxn. Kein Hörer wurde am Besuch der Dorlestmgen gchindert. Der Versuch, die llni» devsi Lt in drn Morgenstunden des 5. März Zu blockieren, ist von einer außerhalb der Hörerschaft stchen-- den Grrrppe unternommen und von den Führern der deutschen Hochschulkammer Mist verekelt worden. Die heut« zur Erhaltung deZ bedrohten deutschen Charakters unserer Hochschulen geinte deutfchnationale und deutfchkatholische Studentenschaft, aGo die Mehrheit der dryonffierten deutschen Studenten, hat ihre Wünsche den ÄÄdvmWen Behörden m durchaus legaler Weise zur Kenntnis gebracht. Der akademische Senat spricht die sichere Erwartung aus. daß die geeinte deutsche Studentenschaft mich in Zukunft den allein Massigen Weg eines gesetzlichen Vorgehens nicht verSassen wird. Beyuglich der Verweigerung der Saakükerlasiung an die „Sr^raDemoikratHche Studen en- und Akademiker-Vereinigung" für einen Vortrag Dr. Renners erklärt der akademische Senat, daß der Rektor in Ausführung des Senatsbeschlusses vom 17. Juni 1822 seine Entscheidung gefällt habe." Die Kundmachung fft selbstverständlich in keiner Werse eine Entkräftigung der von den jüdischnationalen Vertretern erhobenen Anklage. Sie vermeidet es auch, ßus den sachlichen Inhalt der am 9. März gehaltenen Reden einzugehen, jongliert vielmehr mit einem Datum, freilich recht ungeschickt. Deshalb z. B. teilt der Rektor nicht mit, was e r in den Morgenstunden des 6. März zur Beseitigung der Blcckade der Universität unternommen hat? Die Kundmachung ist aber auch darum sehr anfechtbar, weil sie die Solidarität der akademischen Behörde mit den Krawallmachern sehr deutlich ausspricht. Der Rektor möge doch endlich einmal einen Beweis dafür au treten, daß der „deutsche Charakter der Hochschulen" bedroht ist. Wodurch wird er bedroht? Ter Charakter einer Bildungsstätte wird einzig und allein da-durch bestimmt, ob die an ihr vermittelte Bildung auf der Höhe der Wissenschaft steht. Der Rektor und die Völkischen erblicken aber in dem Charakter die Aernhallung der jüdischen Koickurrenz, und diesem Zwecke dient — wie dies ja die Kundmachung deutlich genug betont — die Einigung der deutschnationalen und deutschkatholrschen Sttl-dentenschaft, der angeblichen Mehrheit der organisierten deutschen Studentenschaft. Hier finden wir schon wieder das Spiel mit Worten. Diese geeinigte Studentenschaft ist nämlich die Minorität. Von 12.000 Hörern gehören 3000 dem Verbände „Judäa" an. Von den restlichen 9000 Hörern haben für die ,Phechschulkarnmer" 1560 dentschnationale und 880 katholische Studenten, also insge-amt 2440 gestimmt. Die Geeinten sind also knapp ein Fünftel der gesamten Hörerschaft. Und dieses Fünftel ist -der unbedingte Herr der Universität! An der Technik sind sie ein Drittel, an der Hochschule siir Bodenkultur ein Sechstel der Hörerschaft. Diese Diktatur nennt'der Rektor die Mehrheit der organisierten Studentenschaft. Obzwar also die jüduche Hörerschaft allem stärker wäre, bengt sich der Rektor widerspruchslos einer künstlich konstruierten Mehrheit. Der Bundeskanzler und die Hakenkreuzler. Wie das Wochenblatt der Wiener nationalsozialistischen Hakenkreuzler mitteilt, sprach auch Dr. Walter Riehl als Parteiobmann der Nationalsozialisten beim Bundeskanzler Dr. Seipel vor, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß in den völkischen Kreisen eine „maß'ose Erbitterung über die verschiedentlichen jüdischen Provokationen herrsche. Ta das Ausland die arischen Blätter nicht lese, wäre es Pflicht der Regierung, ,/die bodenständige Bevölkerung gegen die unerhörte und ständige Berl-eum- ZIONIST1SCHE SEKTION XVI/XVtl HEUTE V28 UHR ABENDS im Siale des Arbeiterheims, XVI., Kreitncrgasse LichtbiWervartrag: Das neue Palästina Referent: Dr. ISIDOR SCHALIT düng" durch eine Regierungserklärung in Schutz zu nehmen und so das Ansehen Oesterreichs gegoniiber dem Auslande torctet Herrn stellen. Es ist wirklich ein rührender Zug des edlen Dr. Riehl, daß er sich so sehr um das Ansehen Oesterreichs im Ausland besorgt zeigt. Di« Fenster, welche die Parteigenossen des Herrn Riehl einschlagen, sollen durch eine Regierungserklärung gekittet werden! Interessant ist, was das Blatt über Dr. Seipels Antwort zu melden weiß: „Bnndekkanzler Dr. Seipel gab gegenüber Doktor Riehl die Richtigkeit dieser Forderung z u und wind bei nächster sich bietenden, passenden ßklegenheit die Lügenhaftigkeit der von den jüdischen Zeilenschindern ausgestventen Verdächtigungen au nageln. Dr. Riehl machte den Bundeskanzler daraus aufmerksam, daß die Erbitterung der deutscharischen Bevölkerung ohne Unterschied sonstiger Parteizugehörigkeit so groß ist, daß sie ohne eine selche Regierungserklärung zur S e l b st h i l f e gegen die journalistischen Verleumder schreiten würde." . Wenn dann berichtet wenden wird, daß die Hakenkrouzler die Ruhe in Wien gestört, mit Gummiknütteln und Stinkbomben operiert, friedliche jüdische Passanten auf der Straße überfallen und blutig geschlagen haben und wt der Presse und von den Behörden unbehinderten Straßenplakaten ihren Unflat Wer die jüdischen Bürger und deren religiöse Ueberzeugung ausgießen, kann der Bundeskanzler mit einer neuerlichen Regierungserklärung herausrücken! Nationalsozialistische Versammlung. Für heute abends hat der völkisch-antisemitische Kams'fausschuß in den dritten Bezirk eine antisemitische Mästendersammlung eirrberusen. Die Mitteilungen über die Jnstruktionsstunde dos Freikorps Krüger auf der Bude der „Vandalen" scheinen in den Kreisen der Nationalsozialisten ziemliche Erregung hervorgertvfen zu haben. Ihr Organ veröffentlicht die folgende unwirsche Warnung: An die Spitrel in der Ordner-Gruppe! Durch drn raschen Ausstieg in den letzten Tagen ist, wie leicht evklärlich, auch etwas roter und sonstiger Mist mit hinei ng. rutscht. Da aiber das Sturmkommando unbedingt auf Reiwheit halt, werden alle, die es angeht, aufgefordert, noch rechtzeitig bei gutem Wind abzudampftu, ehe der eisern? Beijen rücksichtslos und für Pie Betreffenden gewiß unliebsam in Aktion tritt. Allen Marxisten, Legilimisteii, Monarchisten und sonstis-em Zeug erteilen wir aber den guten Rat, weitere Bespitzeluygsversuche auszugoben, da es für die Abgesandten eine.äußerst ris.au'e Sache wäre. Das Kommando der Stmmleitung. Es scheint also mit der Gesetzlichkek, die den Herren von allen berufenen Stellen bestätigt wird, nicht gar so gut zu stehen. Tonn woher sonst die Angst vor den Spitzeln? Die Hakenkreuzler in Magenfurt. Wie wir am Sonntag kurz berichteten, wurden kn Klagcnfurt in der Nacht vom 13. auf den 14. Marz sämtliche Fensterscheiben in der Synag'-ge eingeworfen. In der folgenden Nacht flogen wieder Steine gegen die Wohnung des Rabbiners, wobei dis kleine Kiud des Seelsorgers in ernste Gefahr kaut. Zwei Scheiben wurden bet dieser Gelegenheit zer'cblagen. Am folgenden Tag, dem 16. März, trat die Aktion schon deutlicher auf. Eine Gruppe von jungen Lettten, die mit dem Hakenkreuz geschmückt waren, erschien plötzlich im Hotel Traube und durchsuchten, es nach Juden. Außerdem hatten sich etwa 50 junge Leute vor dem Cafe Moser postiert. Die jüdischen Gäste, welcbe das Kaffeehaus verließen, wurden belästigt und schließlich stürzten sich alle versammelten Burschen heldenmütig auf einen jüdisch auss-ehenden Passanten, der mißhandelt wurde. Tie Klagenfurter Judenschaft ist entschlossen, alle legalen Mittel gegen den Terrorismus zu ergreifen. Mau muß aber auch nachdrücklichst fordern, daß der Minister >des Innern die Klagenfurter Behörden an ihre Pflicht erinnert. Simon Stark. Me man ans Prag meldet, haben sich die Natvonals '-zialisten in der Tschecho-Slowalei mit den sogenannten Freistgialisten des gewesenen Falkenauer Abgeordneten Simon Stark fusioniert. Die staatsgefährlichen Nationalsozialisten. Aus Leipzig wich gemeldet: Ter Staatsgerichtshof verhandelte unter Vorsitz des Senatspräsidenten Doktor Schmidt über die Beschwerde der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei gegen die von einer Anzahl von Landeszentralbehörden erlassenen Verbote und Auflösungsverfügungen,' wie sie in Berlin, Baden, Thüringen, Hamburg und Sachsen ausgesprochen worden sind. Die Partei wurde am 5. Jänner 1919 gegründet und wird von Adolf Hitler (München) geleitet. Nach dem Bericht des Reichskommiffärs arbeitet sie Hand in Hand mit dem Deutschvöitischen Schutz- und Trutzbund. Sie soll auch an den Hetzereien gegen Rathenau tellgenommen haben. Am Tage seiner Ermordung erschien in der Geschäfl^leiiung der Partei das Plakat „Rathenau ist tot, Ebert und Scheidemann leben noch! Die Inden aus dem Lande!" Aus 'der Anklage ging die systematische Verächtlichmachung der Regievung hervor. Nach mehrstündiger Beratung kam der Staat-q' Gerichtshof zn einer Verwerfung der Beschwerde. I» der Begündung heißt es, daß der Hauptverein auch für die Tätigkeit seiner Zweigvereine haftbar sei. Die Tendenz de» Partei sei ftaatsgefährlrch und erstrebe di«, Herabsetzung des Ansehens der Republik. Auch die Persönlichkeit Hitlers, der sich offenkundig über Regiert! ngsmaßnahmen hinwegsetze, rechtfertige die Auflösung der Nationalsozialistischen Partei hinreichend ans Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik. (In Oesterreich erfreuen sich die Nationalsozialisten eines weitreichendest Schutzes.)* Die unberufenen Führer -er Fügend. Nus Budapest wird uns berichtet: Die Budapests H o ch s chu l j ug e >nd hat die nationale Märzfeier dazu benützt, um für ihren Fonds zur Linderung der Not der ungarischen Hochschüler eine öffentliche Sammlung zu veranstalten. Man Keß bei dieser Sammelaktion selbstverständlich auch die Juden nicht aus und quittierte die Freigebigkeit der Inden nech am selben Tag, wie atls den Berichten bekannt ist, mit einer patriotischen Judenhatz und mit einer Attacke auf die Polizei, die diesmal den Pogrom nicht zug-eben wollte. Dieses Verhalten der Erwachenden ungarischen Studenten hat selbst in den reinrassigsten feudalen Kreisen Widerwillen erregt. Dem Ekel - vor der heutigen ungarischen Hochsthuljugend gibt Gras Berthold S z e ch e n I) \ in einem Brief an den Chefredak-. teur des „-Budapest! Hirlap", Eugen R a k o c z i Ausdruck. Graf Szech.'uyi hatte schott früher eine Spende von 300.000 ungarischen Kronen für die notleidenden ungarischen Studenten zugesagt. Er erklärt nun, -daß er diesen Betrag jetzt nur deshalb einsende, weil er ihn noch vor der letzten Dem-nstra-tion der Studenten versprochen hatte, und fährt dann fort: „Die Valuta der Hochschuljugend ist seit diesem Tage in den Augen jedes nüchtern denkenden Menschen tief gesunken. Ich kann den See lenz ustand dieser Jugend nicht begreifen, die 48 Stünden hintereinander von Haus zu Haus nrit dem Klingelbeutel fechten geht, die Redaktionen^ zur Unterstützung ihrer Aktion auffordert und den Samnteltag mit Demonstrationen vor den Redaktionen der Mätler beschließt. Es wäre wirklich angezeigt, die u-nbenlfc'nen Führer, die zu solchen Handlungen anffovdern, öffentlich an den Pranger zu stellen. Ich will wenigstens, hoffen, daß meine Spende nicht in die Hände solcher turbtllenter Elemente geraten wird." Die Preßorgane der Erlvachenden Ungarrr sind über diesen sonderbaren ungarischen Grasen natürlich sehr entrüstet und es würde unZ gar nicht wundern, we-nn sie deinnächst mit der Feststellumg heraus kämen, daß in den Adern des Grasen Szechenyi jüdisches Bürt fließt. Die Staatsgefährlichen. Die Lcntberger Universität und der Numerus elausuS. Lemberg, 18. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Sowohl die juridische als auch die philosophische Fakultät der hiesigen Universität haben sich für die Einführung des Nunierus clausus ausgesprocheit. Die Beschlüsse erfolgten nicht einstimmig. Die annullierte Ehrenmitgliedschaft des Ivan HeZjas. Aus Budapest wird uns berichtet: Bor einiger Zeit wurden Ivan Hejjas und sein Gesinnungsgenosse, der anüsentitische Abgeordnete Georg Hir, zu Ehrenntitgliedertt^ des Büraerklubs von Szeghalom gewählt. Das Klub-. Mitglied Dr. Martin Makai meldete gegen diese Mahl die Berufung an den Vizeg-efpan an nrit der Begründung, daß dir jüdischen Mitglieder des Klubs zu dieser Sitzung, nicht geladen wurden, so -daß die Sitzung nicht als Plenar-- sitzung angesehen werden könne, welche allein für die Wahlvon Ghrenmitglicdern zuständig ist. Vizegefpan Alexander Daimel gab dem Rekurse Folge und annullierte die Wahl Hejjas und Hirs zu Ehrenmitglie-derrt des Klubs. Das Zentralorgan der Erwachenden Uttgavn „A Nep" griff den Vizegespan in heftigster Weise an wird beschintpfte ihn persönlich. Dieser Angriff wird nun m sämtlichen christlichen B-ättern 'des Komitates Bekcs mit. Entrüftuug zurückgewiesett und es ist Wohl seit dem christlichnationalen Regime das erste Mal, daß ungarische Blätter, die sich offen als christliche Organe,bekennen den Mut aufbringen, gogen den allmächtigen Ivan Hejjas und seine Presse Stellung zu nehnten. Hakenkreuzverbot für Staatsbeanrte in Deutschland. Aus Berlin wird uns berichtet: Eine Verordnung des Reichsarbeitsmin-isteriuins verbietet den Beamten das Tragen von politischett Abzeichen, wie Hakenkreuz und Sowjetstern, während des Dienstes, weil dadurch die dienstliche Ordnung gestört wird. i tt- 270 (Adlermarke) in allen Preislagen * Gummimäntelfabrlk 10. SASS Wien, I., Bauernmarkt 24. Tel. 65-^25 Engros Export A«35aSwuu«i

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