Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1471 (18.3.1923)
- Date
- 1923-03-18
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 1471 Men, Sonntag Ernährung Me Lebensmtttelmiirlte. Die Prelserhölhungen machen aiuf den wichtigsten MaMflckbieten weitere Fortschritte und schallen so breite Schichten der BevMevung vom Konsum vieler Artikel aus. Im Vergleich Mm vorigen Samsiag hat sich Rindfleisch um 2000 bis 4000 K. pro Kilogramm verteuert, Schweinefleisch ist um 1000 bis 2000 K., amerikanisches Schma-lq um 400 K., Speck um 4000 K., Filz nm 2000 K. pro Kilogramm: im Preise Mieten. Schäifibeisch und Würste hckben sich mn durchschnittlich 2000 K., Fettgänse um den gleichen Betrug pro Kilogramm gegen die porige Woche verteuert. Der Preis für Kalbfleisch blieb unverändert und ist setzt dm: von NiMleisch fast gleich. Der Fleilschkvnsun: ist infolge dieser Erhöhungen stark zuvückgegangen. Dagegen zeigt sich crugLnblicklich so großes Interesse für hessische, wie es bisher lange nicht in Wien beobachtet wurde. Es stehen momentan genügende Vorräte von Fischen zur VersüMNg, da die Fänge minstig ansaefallen sind und große Quantitäten für Wien gesichert wurden. Bei guttr Qualität Huben sich die Preise für Seefische in den letzten Tagen ettvas ermäßigt. Große Mißstimmung erregen immer wieder die n:cht unbeträchtlichen Differenzen der Preise avtif den Märkten und in Veit Bezirksgeschäften. Dies gilt nicht nur für Fleisch und Gemüse, sondern für die meisten ArliEel, wie beispielsweise für afrikanisches Schweinefett, das in guter Qualität aus den Märkten un: 26.000 K. pro Kilogramm zu haben ist. während in vielen Geschäften höhere Preise gefordert werdet:. Dasselbe gilt vom Zuck r. Würfelzucker notierte gestern in den LeibensinitteHallen 13.000 K., Kristallzucker 12200 K. pro Kilogramm, während ia: den Bezirksgeschäften viel höhere Preise bezahlt werden. Gemüse war gestern in bedarfdeckeuden Mengen vorrätig. Gemüse hiesiger Erzeugung ist jedoch für den größten Teil der B-evMkerung unevsckiwinglich teuer. Eier sind in genügender Anzahl zu unveränderte:: Preisen zu haben. Butter hat sich etwas verteuert. Mhne und Kunst. Hosmmmthal« „Der Anbestechliche". (Raimund-Theater.) Auf Schloß X. i-n Niedevösterreich haust oin merkwürdiger Diener. Er ist der alten Baroirin so ergebe::, wie es sich für eine seit Jahrzehnten aufgefütterte Bcdieuteukreatur in blaublütiger: Fami-lien ziemt. Aber den jüngdecheivateien Sohn der alten Baronin haßt er, wie etwa der Jean in Strindbergs .Fräulein Julie" die Herrschostsleute haßt. Er sagt's auch sreiimitig der alten Dame, und sie hört's gemütlich an, während sie den anderer: Domestiken mit ererbter Schnoid „Abtreten" befiehlt. Er hat ferner nicht bloß eine äußerst differenzierte Seele, sondern weiß auch Mannigfaches, etwa den Unterschied Mischen herzloser, spielerischer Liebelei und ftabkeu: Liebesempfinden literarisch fein anszudrücken. Gekränkt, tvöill er vorübergehend nicht entsprechend gewertet wurde, fordert er von der Baronin eine Genugtuung, die nnes Jbsenschen Helden würdig wäre: Nicht etwa unumschränkte Herrschaft über die gesäurte zahlreiche Dienerschaft, 'andern Vollmacht, das freiherrliche Schloß sittlich zu reinigen. -Die Bollnracht wird ihm von der Frau Baronin gegeben-. Krause Laune der Schlloßherrin. Da sie das alte Möbelstück von Theodor nicht entbehren kann, darf er sich in die intimsten Verhältnisse ihres Sohnes einmengen und den Herrn Baron kirre machen. Dieser hat sich nämlich ztoei Geliebte auf Schloß bestellt und durch Herstellung eines Verbuidungsgauges Vorbereitungen getroffen, in der luftigen Mansarde die Ehe zu brechen. Der Diener Theodor übernimmt es nun in der Exposition (nicht, weil die Baronin-Mutter es will, sondern weil er es will, der Diener Theodor), das Ungehörige zu vereiteln, die beiden Geliebten« des Barons Jaronrir rechtzeitig zu expedieren und den Baron in die Arme seiner Gattin zuvückznführen. Der Dichter und stin Diener lasser: nichts unversucht, die Aufgabe prompt zu erfüllen. Zu diesem Behuf entpuppt sich der famose Herrschaftsdiener als Graphologe, zu diesen: Behufe lasse:: die beiden Damen aus gsulen vornehmer« Häusern mit sich reden, wie noch niemals ein Fräulein Marie An:-Rain und eine Frau Melanie Galattis livrierte Herrschaftsdiener mit sich reden ließen, zu diesem Behufe flattern ferner Tagebuchblätter des flatterhaften Barons über Veranlassung des Kammerdieners aus dem offenen Fenster in den Park, werden einer der beiden Gelebten aa:s ihren Schreibtisch praktiziert, so daß es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, zu diesem Behufe gestattet der Herr Baron, daß brr Herr Kammerdiener ihn bei jedem Stelldichein stört. Wunderbare Fügung! Alles kommt, wie es komme:: mutzte. Die beiden Geliebten verduften, und statt den romantischen Der-bindungsgang in die Mansarde zu benützen, wird der Herr Baron, wenn der Vorhang zun: letzten Mal gefallen ist, über eine Wendeltreppe, die der gütige Kammerdiener sorglich beleuchtete, >n neu entflammter Liebe ins Schlafzimmer fainer Gattin eilen. Freilsth hat man nicht den Eindruck, daß er geläutert ist, oer Herr Baron, durch des Kammerdieners löbliche Tat. Im süßduftenden, von Mondschein überglänzten Schloßpart überkommt ihn nach kurzem Dialog mit der schönen Mutter seiner Kinder so vasch und so fiebrig die Sehnsucht, daß die anbrechende Rächt doch nur wieder einen Ehebruch verdeckt: zur Abwechslung einen mit der eigenen Gattin... Mcht gerade geglückt ist dieses neue Lustspiel Hosnmnnsthals. Nur die Maschinerie ist äußerst, ja, was bedenklicher ist, gewailtsam kompliziert. Ich tveiß nicht, ob für diesen Kamnverdicner das schminkende Beiwort „Der Schwierige" (bekanntlich der Titel eines arderer: Lustspiels Hoftnannsthals) nicht tätlicher wäre als „Der Unbestechliche". Aber welches Gpithethon man auch immer für' den Diener Theodor wählt — Max Pallenberg spiett ihn und der Abend ist groß. Aergerlich, wie häufig, wie unzeitgemäß die Leute lachen. Ist Pallenbergs Diener Theodor nicht lies empört ükoc die Eruiedricmna der verebrtm: jungen Frau Wiener MorgenzeUung. Baronin, deren Söhncher« er liebt, wie Vater und Mutter zugleich? Schreit nicht unsägliche Quäl aus seiner Bedientensccle, wem: die Wagen anrollen, welche des Barons Maitvessen auf's Schloß bringen, Freilich erlebt man überdies abgrundtiefe Komik: W4e er, der zmn Schicksalslenker beförderte Kammerdiener, das Gefühl der Sendung Hoheitsvoll und würdig in Gang und Haltung ausdrückt, wie er mit kurzen, scharfen Bewegungen sozusagen Bände spricht, wie er, sorglich ans die Würde als Chef der Domestiken bedacht, seinen Schatz behandelt. M^r diese Komik ist doch nur „überdies" zu bewundern. Gemäl, erschütternd ist die Charaktergestait. Und sie ist weit mehr von Palleuberg als von Hosmamsthal. In dieser von Direktor Beer mit bestem Geschmack geleiteten, wohltemperierten Vorstellung wirken neben dem großen Pallenberg die hmnorvolle Frau Emmy Förster, die liebliche Nove Gregor mit .der ksusÜM Stimme sowie die Damen Marion Regler und Lore Busch auf ^>as erfreulichste mit. Rührend die kleine Stillmark in einer Kiirdrrrolle, klug powaiert die Kammerftmgfer der Frau Emmy Schleinitz. Hin-Mgen recht fragwürdig der Baron deS Herrn Otto Storni, der durch lcmgjähvige Opwettentätigkeit dem Luftfpieldiassog ziemlich entrückt ist. Voll Verdienst in einer kleineren Rolle Alfred Neugebauer. — Druckfehlerberichigung vom Vortage: Wir fanden im Vorbericht Hofmannsthals jüngstes Opus „recht rmcrheblich". Der Setzerkasten machte ein „nicht unerheblich" daraus. Der Referent muß nach dom Vorstehenden bei seiner Lesart bleiben. Otto Abeles. .Minna von AarnhelM' (Im Deutschen Volkstheater.) Die Vorstellung fand zugunsten der „Aktion notleidende deutsche Kinder aus dem Ruhrgebiet nach Oesterreich" (das hat kein Goethe g'schrieb'n, das hat kein Schiller 'dicht') statt. Der edle Zweck hemmt nebst den: seit Äindheitstagen genährten Respekt vor dem „Musterlustspiel" jede unfreundliche Kritik und verhindert den wohlerzogenen Menschen, öffentlich zu sagen, wie langweilig der Abend gewesen. Man muß sich damit begnügen, den guten Willen im allgemeinen anzuerkennen, der durch die Veranstaltung als selche zutage trat und daneben noch den guten Willen, der zweifellos die Darstellung beseelte. Darüber hinaus verstanden noch Annemarie S t e: n s i e ck, reizend und liebenswürdig wie immer, ein munterer Gast, Paula Müller, die das artige Kammerzöfchen mit viel Witz und Grazie verkörperte, ferner Herr Gibiser als überaus beweglicher Wirt und Herr Dum out (Just) sich mit der unnatürlichen Natürlichkeit des klassischen Werkes zu besrennden. Herr Klitsch (Tellheim) entsprach insofern der Mstcht des Dichters, als er sich sichtlich unglücklich fühlte, was zu verstehen ist, wenn man bedenkt, wie wenig der schweigsame, verschlossene Held dem Temperament deS Künstlers entspricht. Noch weniger wußte allerdings Herr Schreiber mit der Rolle des Wachimeisters anzufangen und half sich durch einigermaßen wüstes Toben, das zum großen Teil unverständlich blieb. Der Riccanl de la Marliniere des Herrn Günther war sicherlich eine vortreffliche Leistung, nur verließ sich der Darsteller attz.l sehr darauf, -aß das Publikum jedes Wort innehabe. Von den hübschen Bemerknngen des Glücksritters kam auch nicht eine zur Geltung, und wenn bei dem berühmten ,corriger la fortune" ein Lächeln über die Gesichter flog, so nur deshalb, weil alle Welt auf die Pointe wartete. Uebrigeas ist es gan; erstaunlich, wie wenig bei einem Lustspiel gelacht wird. Allerdings ist es ein klassisches, ein deutsches und noch obendrein ein Muster'lustspiel. Die Bühnenbilder tvaren gefällig, die Spielleitung fromm Und bieder. Der Beifall strömte heiß und sechzehnjährig. K. M. Klub der jüdischiationa en Mandatare W.en-Leopotdstadt Donnerstag, den 22. März 1923 in den Olympia* Sälen, Rothgässe 3, präzise halb 9 Uhr abends 6 088« Künstler-Akademie tritt Tanz Mitwirkende: FRITZI MASS AR Y Catlthoater SIEGSRUHD BREITBART EISENKÖNIG Kammersänger Hermann Wiedemann, st&aisoper Frl. Erika Wagner Denisohes Volhsthoater Herr Hans Wengraf Douteches Volkstheater Frl. Nelly Hochwald Deutsches Volksthea'er Herr Prof.’Boschetti Staatsoper 12 Uhr: Sei'pmiintn- und KorinmVAitehhchl Jan-Hand JBine Xnoh1' der TJebWaschunge » T nt-ßar Beginn orä iso '/XJ> Wir AbtndkMdung Ende? Das gesamte Roinerträgnis füllt jüd. Armen der Leopoldstadt zn. Herr Max Brod Johann Strauesthealer Herr Alfted Schreiber Deatsohes Volksthoater Herr R. Duschinsky Raimnndtheater Frau vr. Boiko Volksope* Karten vorverkanf s \t „Wiener Morgenzeilong“, II., Tahorstr. 1—3, B.*üdor SchtfiTmanri, il.. Taborstrasso 4?-, Mori>z Friedmnnn, lt.,Ileine5ir. 27, Inspektor l^naz Stern, 11., Grosso Plarrg. 30. «191 xJ 18. Marz 1923 Sette 11 Demnächst erscheint in deutscher, hebiäisclier und englischer Sprache ,Menorah‘ Illustriere Monatssshrift für die jüdische Familie ® unter der Mitarbeit hervorragender jüdischer Schriftsteller, Künstler und Forscher mit zahlreichen künstlerischen Abbildungen nach Werken aller und neuer jüdischer Kunst. Die Monatsschrift .,MENORAH*‘ ist völlig parteilos, sie dient den national-kulturellen Interessen des Gesamtjudentums, nimmt zu allen jüdischen Problemen objektiv Stellung, behandelt alle den gebildeten Juden aller Länder interessierenden Fragen und berichtet über alle literarischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Neuerscheinungen. — Die „MENORAH“ enthält eine Frauen- und Jugendbeilage, eine Musik-, Sport- und Schachrubrik, sie bringt Interessantes für Mann, Frau und Kind, kurz sie ist die Monatsschrift für die jüdische Familie Alle Zuschriften sind zu richten an die Verwaltung der „Menorah“ Wien, 1t, Koiowratring Nr. 9 7114 Branchenkundige Vertreter für den Vertrieb im a a □ □ o Ausland gesucht. a □ o □ □ Sentfäps BoM''»akr. (Dr. Tyrolt in „Lolos Vater".) Es sind geimu dveißig Jahre her, da dieses harmlos L'Arronge-S^nck im Deutschen Bolksiheater zum erstenencl ausgesührt wurde. Damols spielte Rnbolf Tywlt den Bvieftväger Klemm, und er spielt ihn heute noch mit jener sicheren Gestaltungskraft, durch die er weit mehr M, als das Stück vevlaniZt: einen Menschen. Die reine Kunst Tywtts wurde stürmiisch Qefc?ert. Dom Künstler stand das Volks, theater-Ensemble wacker zur Seite. S. s. Fräulein Eleonora Muchammervom Buvgcheater wurde :mch erfölgreichM: EugaglemeniMstspiel als Lu>ise als erste Senttmentale an das Badische Stadtlheater m Karlsruhe verpflichtet. Die Festakademie zu Ehren des Prof. Josef Sulzer findet beute um 3 Uhr nachmittags im Festsacrl der Hofburg statt. Neben dem. JMlar. der l)e>nte sein . funf-rWähviges KünstleriubÄäum beacht, wirken Alfred Grünseld und andere Künstler mit. ResKiche Karten an der Kasse. Das Hakoah-Orchester bringt anläßlich des fünften ordentlichon Konzertes am 26. d. im großer- Konzerthausiaal . unter Leitung des Dr. Ernst Bachvich von der Volksoper Werke von Me-ndalschn. Beethoven sowie das Bl-olinkonzert in D-Moll von Bruch (Solist Herr Konzertm-eister R-uvi Lampel) .zur Auffühvung. Der Kartenvorverkauf hat an der LLonzerkhauskasse und im Sekretariat der Hakoah, 1. Be:z., Wiosirgerstvüße 11. bereits begonnen und gibt sich für die Veranstaltung das größte Jnteveffe kund. Altwiener Quartett Schreimer. Donnerstag um halb 8 llhr abends findet in: großen Saal /der Urania oin Mnsikabend des Al!wiener Quartetts Schreinzer (Karl Schreinzer — Violine, Karl Machet — Violine,, Josts Mitnlas — Harinor.-if'Ct und Franz Kriwanek — Gstarre) mit vollständig neuem Programm statt. Theater am Mittersteig, linier Leitung des Direktors Hans Sonnleitthal wird im ahemaliaen Wiedner Grand-Kino^ 4. B-eq., Mittersteig 16, ein neues Theater begründet, welches Au sehr kleinen Preisen volkstümliches Repertoire bieten wird. Die Vorstellungen finden vorläufig jeden Dienstag, Mitrmoch ur:d Donnerstag statt._ Aus den Theatern. Burgtheater: Morgen mn 7 Uhr „Libussa". Akademietheater: Morgen um haÄ 8 Uhr „D1 tz Neise in di e Mä d ch e u zeit". Raimund-Theater: „Der Unsterbliche^ mit Palleuberg. : Rolandbühne: Heute um 3 Uhr mrd mn halb 8 Uhr „Mama Blaustein" mit Gisela Werbezirk. . ' Ka m n: er spiel t:' Täglich bis einschließlich Dienslag den 20. d. um 7 Uhr. abends Gastspiel Korff-Karstcn „D: e Frau o h n e B e d e t: t:i n g". Johann Strauß-Theater: Dienstag findet die 76. Ailffi'chrnng der Operette „Katja, die T ä n z e r i n" statt. Deutsches Volkstheater: „Lolos Vater". ' W i c i: o r B n r g e r 1 h e a t e r: Heute um halb 3 Uhr nachmittags zugunsten des Ferialfonds des Wiener Bürgertbeater-Enienrbles „Ein Bvüm tu Amerika"»