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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-18 · Heft 1471 (18.3.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1471 (18.3.1923)
Date
1923-03-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■ ' ^'" Ht. t«Tr wKtlin SVi0K§fll]|Ci»VnB* 18. Mr) IMS Sette 8 44 Zie „elektrische Der bEgavische Photochemigvaph Moritz Z i 8 m ann, her' gestern früh von der hiesigen Polizeibehörde samt einer üeötrssch betriebenen Wersstätte zur Erzeugung falscher polnischer Banknolev zu, 10.000 Mark sestgenömmen wurde, wird sicherlich in der Kriminatzeschichte der Banknoten- Fälschungen, einen dauepnderi Platz, omnehmon. Es ist ihm gesuni^en, sogar das Wasserzeichen nachKuaihmen. Seine sDerkstatte war wohl die vollkommenste, di«/ in der« Vchien Vahren übechaupt ausgehoben worden ist. . Wir erfahren über die sensationelle Angelegenheit fob geivde EmMlheiten: Die Polizei brachte in Erfahrung, daß in kLien falsche Bankroton zu 10.000 polnische Mark in tauschender Nachahmung erzeugt werden und m großen Massen abgesetzt tverdeu sollten. Man brachte heraus, daß ein junger sllcann schon im Besitz einer beträchtlichen Summe falscher Banknoten sein sollt«, um sie zu vertreiben. W-ahvscherMch sollten auch die Nachbarstaaten, vermutlich in erster Lime Polen selbst, mit den Mschen Banknoten überschwemmt werden. Daher wurden auch die Grenzen überwacht, and tatsächlich würde am 16. d., früh, in Hohenau au der niederösterreichisch-tschecho-slowakischen Grenze ome Frau angehalten, die mit einem Koffer mit mehrfachem gehe im e^.«. Bo den die Grenze überschreiten wollte. Der Koffer wurde ganz genau untersucht, und man fand' darin nicht weniger als 3177 falsche Banknoten zu je 10.000 polnischen Mark, also 31,770.000 Mark. Di« ßrwm war die Uhvmochersgattin Etie Stockhamuter aus Wier«. Sie wuvde nach Wien gebracht und im Sicherhettsbureau von Dr. Barber einvernommen. Nach lcnrgjwievigen Verhören gestand sie, die Falsifikate von dem Kaufmann Leo Brücker, Praterstraße 60 wohnhaft, erhalten zu haben. Brücker wurde mm auch verhaftet. Aber auch er war nicht der Erzeuger. Aus seinen Worten konnte man nur so viel entrahmen, daß ein junger Bulgare, desien Name wie Zima oder Zisam klang, chm die Noten übergeben habe. Nun galt es, den Dritten in der Kette ausfindig zu machen. Schließlich brachte man heraus, daß Brücker den Holzwarenerzeuger Moritz Z i s m a n n, §u Sofia geboren, 20. Beg., .Jägerstraße 30 wohnhaft, gemeint haben dürfte. In ihm vermutete man den sigeutlichen Falscher, Gesten.« schritt die Polizei zur Verhaftung. Bei einer Durchsuchung der Wohnung fand man in einer kleinen Handkasse, die im Kleiderkasten aufbswahrt war, 280 Note« zu je 10.000 polnischen Mark, die sich als falsch erwiesen. Die Polizei erfuhr, daß Zismann seine Werkstatt« in der Röhe in einem. Kellerlokal des Hauses H e i n ze l ma n r..ga s s e Nr. 18 habe. Di« Werkstätte besteht Ms fünf Räumen. Vier Räume wurden durchsucht; sie hatten keinen bedenklichen Inhalt. und waten mit den verschiedenen Maschinen zur Holzbearbcitung ausgestattet. 'Dann kam man zu einer derschlosser.-en Tür, dem Eingang zum fünften Werkstättenraum. Der Schlüssel war anfangs nicht zu finden. Schließ.ich wu,vde das Schloß doch geöffnet und der Raum repräsentierte sich als eine , auf der Höhe der Technik stehende Fasscherwerkstatte mit elektrischem Betrieb. Beherrscht wurde der Raum . durch eine ,große, Tiegeldruckpresse mit elektrischem-Antrieb mit f Transmissionen. Sie hat zur Erzeugung der falschen Banknoten gedient/ Dann stand eine große Papierschneidemaschine dort, mit der die Noten haairscharf.^geschnitten wurden. In großen Tiegeln und Tuben fand man die verschrienen Farben zum Druck der NotenbLder. Den vollgültigsten Beweis der Berwondmg der Workstätte erbrachten viele Msschees, teils von-Negativen, dann ZinMischees mit den Zeichnungen der beiden Textseiteu in ihren verschiedenen Stadien und deS Untergrundes. Alles haarscharf ausgeführt amd der.» BehelsÄi in staatlichen Notendruckeveien gleichend. | Außerdem fartd man rwch eine Angahl nicht 'benützter Zmkklischees. Man konnte an den Behelfen förmlich alle Staoien des Fabvikationsprozesses verfolgen; man sah die auf Brom-- silberpapier verstrtig'en Photographien der Noten rr>« stark > vergrößertem Maßstaib, man sah Lichtbilder des Untergrundes, man sah Zmkplatten der böHdm Notensorten, man sah Kopwrrahmen, vielfache Utensilien, wie sie. Photogvaphm benötigen, Schalen usw. I« hohe« Bündel» fand mar.« noch in der Werkstatt« 3800 Banknoten zu je 10.000 polnischen Mark, also zusammen 98,M».600 Mark. Fast alle Noten waren gebrauchsfertig Md gebündelt. Bei den . Erzeugnissen des Zismon sieht man einen wirklichen i Wasserdruck. Er hat sozusagen das Problem für den Fälscher gelöst. Bisher wurden vierzehn Verhaftungen in der Sache vorgenommen, wobei aber noch nicht seststeht, ob die Zahl der ' Verhaftungen damit abgeschlossen, ssh In Wien scheinen Exemplar« der Fälschungen noch nicht verbreitet wortdon zu sein. Wie erwähnt, sird um 70 Missionen polnische Mark beschlagnahmt. In den Abendstunden wurde noch der Chsmigraph . Theodor Kölz, HaGgaffe 25, ermittelt- und verhaftet, da er im Verdachte stand, an den Fälschungen tvilgenommen zu haben. ORIGWALMODELLE VON WORTH, PAQUIN PATOU. PREMET u. a. EINGELANGT' C. iiinumii l I., KfiRNTNERSTRflSSE 34 (EINGANG MAYSEDERGASS» 2) fftindirtm ‘GeUphonnammtr 74114 IW 1 8amstag bis 8 Uhr geöffnet Die 140.000 Pftmd-Tpende ffir den Stete» Hateffod. Jerusalem, 14. Marz^ (I. C. B.) Der Jevüsalsme« I. C. B.-Korvespondent erhält die fotzenden Details über die große Spende des Philanthropen Ezechiel Gurdschi S ch e m T o w aus B a s r a (Mesopotamien) Zugunsten des Keren Hajessod: ' Der Wert des gespendeten Vermögens beläuft sich auf insgesamt 140.000 Pfund. Auf Grund der Schenkung^ urkunde fcVtrf der Besttz des Spenders (Hauser, Garten, Güter und Kaufhäuser) ewig nichtverkauft werden. Die Einkünfte aus diesen Objekten sollen zum Bau Mischer Schulen, Spitaler oder Kolonien in Palästina verwendet werden, die den Namen des Spenders tragen sollen. Auch eine Abteilung der Jerusalemer Unrversität soll aus diesen Mitteln errichtet werden. Nach dem Tobe 'des Spenders, der1 das 70. Lebensjahr bereits überschritten hat, übergeht das gesamte Vermögen in die Verwaltung des Keren Hajessod. Der Philanthrop hat aber die Verfügung getroffen, daß n ö t i g e nfalls schon jetzt ein Teil des Vermögens angegriffen wird, um Anstalten in Palästina zu gründen. Die gerichtlichen Formalitäten, die acht. Monate in> Anspruch genommen haben, sind, nunmehr erledigt, die Zustimm u n g des Gerichtes liegt bereits vor. Die diesjährigen Einkünfte aus dem Vermögen betrugen 12.000 Pfund. Dieses Einkommen dürfte sich jedoch vergrößern, da der Spender die Renhabiütät seiner Güter stets ausbaut. Als Verwalter des Vermögens wurde» Dr. Eh. Weizmann und Dr. Ätitzl Ben-Zion bestmrpit. Mnalmordhetze In MMstok. *. Warschau, 17. März. (I. C. B.) Angesichts der nahen» de» Passahtage sind dunkle Elemente am Werke, die Legende vom jüdische» Ritualmord aufloben zu lassen. Wie aus Bia, lystok gemeldet wird, hat ein polnischer Einwohner der Rabbingaffe seinen christlichen Nachbarn e^ählt, daß die Mischen Nachbarn bei ihm erschienen wären, und ihm vorgeschlagen hatten, ihnen sein Töchterchen zu verkaufen, damit sie deren B l u t für MaMh benützen können. Diese Erzählung hat bereits in der christlichen' Umgebung große Erregung hervorgerusen. Die Staatsanwaltschaft hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Sie Tragödie der jüdischen Theaters. In Wien wurde durch ein paar Jahre jüdische- Kunsttheater gespielt; es wurde das versucht, was in anderen großen jüdischen Zentren versucht worden war, ein ständiges jüdisches Kunsttheater zu schaffen. Der Versuch ist bisher in Wien nicht gelungen, aber — in den anderen jüdischen Zentren (Berlin, Warschau, Wilna) ebensowenig. Ein ständiges jüdisches Kunsttheater besteht heute nur in New-Aork, isnd da wird immer wieder von den Schwierigkeiten berichtet, unter denen es sich gegen die Konkurrenz ds leichten Genres zu behaupten hat. Daß alle Versuche zur Schaffung eines ständtzen jMschen Kunst« ihaters bisher mit einem Mißerfolg endtzten, läßt sich ans den wirtschaftlichen ■ Verhälnisfen der Länder, in denen diese Versuche miternommen wurden, nicht ausreichend erklären, ebensowenig aus der langsamen kulturellen Durchdringung der Juden in diesen Ländern mit profaner jüdischer Kultur; hier müssen die Gründe auch im Wesen des jüdischen Theaters selbst, wie es sich uns heute darbietej, liegen. Es wäre sonst unmöglich, daß jüdische Theatergründungen wie die Wilnaer Truppe (besser: die beiden Wilnaer Truppen) und die in Wien entstandene Freie jüdische'Volksbühne sich keinen stabilen Platz in den jüdischen Zentren erringen konnten, sondern aus die schiefe Bahn der Gastspielreisen gedrängt wurden, welche — es fei offen hevausgesagt — für ein Kunstthater unbedingt künstlerischen Abstteg bedeu>ten. ' Für ein Theater sind die ausschlaggebenden Momente des Erfolges seine Stücke und seine Da r st eil u n g. Wie sieht es mit beiden im modernen, jüdischen Kunsttheater aus?'Das Repertoire des jüdischen Kunsttheaters glicd.'rt sich in zwei Teile: die jüdischen Ortzinalstüüe und die Uobersetzungen aus der europäischen Literatur. Die originale Dramatik in d:r jüd'vschen Volkssprache ist nicht viel'älter als das jüdffche Theater. Denn wenn wir von den, mehr tendenziösen als dichterischen Versuchen absehen, pelche die Schriftsteller der ostjüdischen Aufklärung, d<>r Haskala, auf dem Gebiet der Dramatik machten — unter ihnen befindet sich übrigens kein Geringerer als Meudele Mocher Sforim mit zwo! ebenso umfangreichen »««vevamentvoll tRndeuzüisen Argm-p gegen Kehillamißstände sowie ein entschieden dramatisch begabter Autor, S. E t t i n g e r, auf dessen 'Komödie „Serkele" m einer zeitzemäßen Bearbeitung die jüdischen Bühnen nach-; drücklichst hingewiesen seien —» so fällt mit der Entstehung des Mischen Theaters auch der Beginn der jüdischen dranmtischen Produktion zusammen. Goldfaden, der Schöpfer des jüdischen Theaters, war sein eigener dramattscher Autor. Das Goldsadensche Singspiel, auf der Mischen Bühne noch honte he'mrisch, hat frviAch in einem modernen jüdffchen Kunsttheater wentz Raum, es sei denn, daß sich ein mutiger dramaturgffcher Bearbeiter fände, welcher diese Singspiele, in ihrer Art einen wertvollen volkstümlichen Besitz, sozusagen modern „ansmacht" und in würdigem Gewände stellen läßt. Weiter aber ist die dvamatische Dichtung m der jüdischen Volkssprache eigentlich über das Milieu / nicht hinausgekommen, eine Tatsache, welche schon mit den primitivsten Grundsätzen der dramatischen Form >- der Darstellung eines menschlichen Schicksals, abgewandelt an einem Einzelsall — sich schwer vereinbaren läßt. Es ist interessant, Ärß der fruchtbarste und theatralisch begabteste dvamatische Schriftsteller der jüdischen Literatur. Jakob Gorhin, seine dramatischen Konflikte stets aus fremden Mustern holte und sie eigentlich nur mit einem Misch-familienbürgerlichen Milieu umgab,, dabei häufig eine lehrhafte Tendenz hineinschob. Gorhm hat auf diese Messe die gesamte dvamatische Literatur von Shakespeare vis auf Sudermann und Hauptmann in ihren dramatischen Konflikten milieuhaft verwendet. Die übrige dramatische Produktion ist höchst selten sehr über das Mrlieu - hinäusgekommen. Zu nennen Ware hier nur PinskrS ' Arbeiterdrama „Eisik Scheftel", welches demWiener Püblikunr durch die hervorragende Darstellung.' in der, Freien jüdischen Volksbühne bekannt ist, ein Ve^, in dem das Ersticken der künstlerssch-ersinderischen JndwiLuaUtät durch die kaPitalM'sche Ausbeutung^ über 'das Mische Milieu hinausreicht, ferner mit gewissen Einschränkungen desselben Autors allerdings dramatisch nicht restlos-.gelungenes Schauspiel „Jedem sein Gott", sowie.Leiwsiks von der Freien jüdischen Volksbühne mit so großem ■ Erfolge trefflich aufgeführtes Schauspiel „Schmales". Damit i^t »ber ds» Vorrat an einigermaßm über das Bdilieu hinaus dramatisch wirksamen Stücken der jMchen dramatischen Literatur erschöpft, wenn man von dem sehr feinen, seelisch tief schürfenden, aber nicht völltz als dramatssch anzuspvechenden Spiel ,Mrikaturen" von Katzenels o n absieht. A n—s k i s so viel bewundertes und besprochenes Legendenspiel „Der Dhbuk" schöpft seine Wirkung ausschließlich aus dem Mlieu urch ist weit mehr als ethnograPhisch-foMorsstssche Darlegung denn als Vvamatssche Gestaltung zu werten. Die Tassache, daß die jüdische dramatische Dichtung bisher über das Milien nicht hinausgekommen ist, sst auch wohl die tiefgründige Ursache dafür, daß dvs jüdssche Drama bisher ein Komödie echten Stils, ein gutes Lustspiel, nicht hervorgebracht hat. Denn Komödie erfordert, selbst wenn sie im Milieu einige ihrer Humore schöpft, unbedingt ei» Hinausheben der Handlung und der'Typen , über das Milieu gewissermaßen in die Sphäre der Menschlichkeiten der Menschheit. Etn einziges Mal sst, wenigstens' zum Teil, dieser Gvmchsordevnng an emr Komödie David Pinski m seiner Komödie „Der Schatz" gerecht geworden, welche eigentlich mehr eure Satire sst. Was die dramatische Literatur der Volkssprache, sonst an Komödien produzierte,^ ist unzulänglich und kann eigentlich.nur als Milieuhunior ängesprochen werdim. Das Volks stück in seiner .modernen künstlerischen Form, wie es Perez H irs chb e in in manchen recht ausprechenttzn Stticken zur Geltung 'bringt, ist überall eine reine, bei Hirschhorn übrigens viel« fach zu Üterarssch angesaßte MilieuangeleAenheit. Damüs schon ist zu erseherr, daß dq^ Mssche Thoatev bisher, Wenigstens in der cxriiginalen dramatischen Produktion, viel zu wenig Möglichkeiten für seine Entwicklung gefimden hat. Es ist geradezu tmgssch für . das jüdische Theater, daß es durch den gewissermaßen engen dramatischen Horizont der dmrnatischen Produktion gerattzzu bis zum Ersticken beengt wird. Dem jüdischen Theater steht freilich auch die reiche dramatische Produktion der ganze» Weltlitemwr von Aeschylos bis Kaiser und Brecht für theatmlssche Ausbeute zur Verfügung. Der Einwand, daß anderssprachige Dramen dy Jüdischen nicht „klingen", sst nicht stichhältig. Ob Hamlet der Dämnprinz englisch, derüsch, russisch oder LüMtz ttzvicht. sst gleickgülttg. Freilich 44554514151

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