Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1471 (18.3.1923)
- Date
- 1923-03-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ome c Wien, Sonnlaff >surHfi'chrung des Nurmrus clausus in Posen jüdische Studierende mir in der Höhe von 3 Prozent ausgenommen werden würden, weil dies auch das prozentuelle Verhälnis der Juikn zur Gcsamtbevölkerung rm Posener Gebiet ist. Das Pvoftssorenkollegmm ist der Ansicht, daß eine solch große Beschränkung der jüdischen Hörerschaft der Universität in Posennicht von .Vorteil wäre. Ungarn. Ae antisemitischen Sxzesse der Krwachendeu HrchschNer. Budapest, 17. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) rLie Studentenkrawalle nehcken an Ausdehnung immer zu. Bei dem Zusammenstoß zwischen Erwachenden Hcchschüiern und Polizei Freitag abends wurden mehrere Scharen und machten Miene, die Zeitungsgebaude des „Az Est" und „Pesti Naplo" anzugreifen. Di« Polizisten zerstreuten die Demonstranten mit der blanken Waffe. Die Erwachenden alarmierten sofort ihre hohen Protektoren und gegen Mitternacht erhielt d'e Polizn direkt non der Kabinettskanzkei Horthys die Weisung, gegen die Polizeibeamten und Wachleute, diestch gegen die patriotische Hochschuljugend vergriffen haben, eine strenge Untersuchung ei-nzuleiten. Auch der gerade tagende Ministervat wurde alarmiert, und faßte den Beschluß, eine Untersuchung der Angelegenheit in Gang zu setzen. Die Spitze dieser Untersuchung richtet sich aber nicht gegen die Hochschüler, die Juden verprügeln und Polizeicgrane niederstrecken, sondern gegen die Polizisten, welche sich die! Kühnheit nehmen, radaulustige Erwachende genau so wie andere Exzedenten zu behandeln. Dieser Eifer ist um so bemerkenswerter, als Lei dem Zusammenstoß auf dem Elisabethring bloß zwei Studenten und auch diese ganz unbedeutende Verletzungen daböntrugen. Als Minister des Innern Rakovszky!^ute vor- , mittags in seinem Amte erschien, fand er dort die Vorladung der Kabinettskanzlei, wonach er sofort beim Reichsoerweser zur Audienz zu erscheinen habe, Rakovsky begab stch sofort zu Horthy. Die Audienz währte, über eine Stunde. Nach ihm erschien Kultusminister Klebelsberg beim Reichsverrveser, ebenfalls zur Audienz dringenvorgeladen. Während dieser Zeit spielten sich vor den Hochschulen blutige Szenen ab. Die Erwachenden Hochschüler, die vorgestern beschlossen haben,' keinen einzigen jüdischen Hörer in die Hochschulen hereinzulassen, verstellten die Eingänge und forderten einen jeden zur Ausweisleistung aus. Die l Straßenpassanten ernmnterten die Juden zum Widerstand. ' Einige der jüdischen Studenten wollten dann mit Gewalt in die Gebäude, emdringen,. doch wurden sie mit Blei-... knütteln niedergeschlagen. Sechs schwerverwundete jüdische Studenten aus drei verschiedenen Hochschulen wurden in das Rochusspital überführt. Nach zwölf Uhr mittags erschien rrne Abordnung der christlichnationalen Hochschülerverbände beim Minister de- Innern und forderte Genugtuung für die „wilde Brutalität der unverantwortlichen Polizeileute", dir die patriotische Jugend angegriffen und mißhandelt haben. Sie for- ' derten,.daß sämtliche beteiligten Polizeibeamten und Wachleute ohne Pension und AFertigung sofort aus dem Verband der Polizei entfernt werden. Die Redner beriefen z sich darauf, daß die Hochschuljugend jene national« Kraft , bilde, auf welche sich das ganze Regieruugssystem stütze. In seiner Antwort würdigte der Minister die Bedeutung der Hochschuljugend für das horthhsche System und gab zu, daß die Polizei sich gegen die Studenten versündigt habe. Er versprach, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und im Sinne ds Wunsches der Studenten gegen sie vorzugehen, und sagte, daß die Polizei ihn bisher durch falsche Meldungen irregeführt habe, das Recht läge auf feiten der Studenten. Nachher begab sich die Deputation zum Kultusminister KlebelsLerg, den: man die Forderung stellen wollte, daß auch der Numerus clausus abgeschafft wevd>i und kein einziger Jude die Hochschulen betreten dürfe. Klebelsberg empfang aber die Abordnung nicht. . -Der Rektor der Bndapester UnivevMt bechied heute die Führer der reaktionären Studenten zu sich und tollte ihnen mit, daß er, wie auch der akademische Senat, die Forderung der Studentenschaft im vollen Maße billigen. Der „Turanische Kameradschaftbund", die größte reaktionäre Smven- Lenorganisation, hielt Samstag nachmittags eine Sitzung ab, in welcher beschlossen wurde, Lei den Forderungen bezüglich die Maßregelung der Polizei auszüharren und auch vom Unterrichtsminister die Zustimmung für den völligen Ausschluß der Juden aus allen Hochschulen zu erringen. Nachmittags trat ein außerordentlicher Ministerrat zusammen und beriet die politische Lage. Diese hat sich infolge des Einschreitens Horthys zugunsten der rechtsradikalen Elemente sehr zugespitzt. An sämtlichen Hochschulen lag heute der gesamte Betrieb still. Von oppositioneller Seite wird die Schließung aller Hochschulen und Auflösung der terroristisch-militärischen Jugendorganisationen gefordert. Nus Mer Bett. Paris. 17. März. Im Senat wurde das Militargefetz mit 268 gegen 4 Stimmen angonomanen. London, 17. März. In den'östlichen Groiffchasten hat wegen Lohndifferenzen die Aussperrung der Landarbeiter begonnen. 10.060 Arbe: er sind bereits ausgeispevrt; man befürchtet eine Ausdehnung der Bewegung. . Breslau, 17. März. In mehreren Gruben siird die .Acheit« in den AuLüand g?wrt«r. r4.0iu" Drorgenzettmrgl. dtö. Marz 132» gfa unrj Der Hochschulterror in Bien. Skandale der BSMchen an der Hochschule für Welthandel. — Rektor Snmtzel attackiert? Die Heldentaten, die vorgestern kn Budapest vollbracht worden sind, haben den Ehrgeiz der Wiener Hochschüler für Welthandel deutscher Nation geweckt. Es ist nicht daS erste Mal, daß diese Bildungsstätte der Schcurplatz deutschvölkischer Betätigung ist. Gestern vormittags .haben die jüdischen Hochschüler für Welthandel in einem Hörsaale der Anstalt eine Versammlung abgehalten. Diese Versammluug nahm einen ungestörten Verlauf, was den Deutschnationalen. die sie zuerst nur auf „Bodenständige" beschränken wollten, offenbar leid tat. Deshalb bildeten sie auf dem Korridor, den die Versammlungsteilnehmer nachher pasiieren mußten, öin Spalier und nun kam es zu den an den Wiener Hochschulen leider nicht mehr seltenen Szenen. Di« jüdischen Studenten mußten es sich gefallen lassen, daß die deutschen T e r r o r st u d e n t e n, die bewaffnet waren, stch die Rechte einer Obrigkeit anmaßten. Sie mußten es sich bieten lassen, daß sie einer Leibesvisitation unterzogen wurden, wobei die militärisch organisierten Verteidiger des Deutschtums nach verborgenen Waffen suchten. In der Versammlung der Jüdischnationalen hatte sich auch der Rektor G r u n tz e l eingestrnden, der den jüdischen * Hörern den Dank für ihre musterhafte Haltung aussprach. Nachher intervenierte er gegen d?e skandalöse Blockade. Er ermahnte die deutschnationalen Studenten zur Ruhe und Ordnung und wies darauf hin, daß es aus akademischem Bodennur gleichberechtigte akademische Bürger gebe, und daß von der Hochschule im Interesse des Ansehens des Staates jeder Terrorakt ferngehalteu werden müsse. Er erklärte, daß die akademische Lehr- und Lernfreiheit unter allen Umständen von allen respektiert werden müsse und forderte die deutschnationalen Studenten auf, den jüdischen Studenten einen ruhigen Abzug zu gewähren. Nachdem die Blockade fast zwei Stunden gedauert hatte, entschlossen sich die deutschnationalon Studenten, die aus der Versammlung kommenden jüdischen Hörer ruhig abzuziehen zu lassen. Die Polizei hatte, als sie vpn den Vorgängen in der Hochschule Meldung erhalten hatte, ein größeres Aufgebst vor das Gebäude beordert,hatte jedoch keinen Anlaß, irgendwie einzuschreiten. Während der erwähnten Untersuchung, bei welcher übrigens' außer Retter Gruntzel noch aÄeve Professoren anwesend waren, und die vollkommen ergebnislos verlief, kamen zwei deutschnationale Sürdenten,' die sich inzwischen auf den Währinger Friedhofi wohin die Fenster des Versammlungslokals münden, begeiben hatten, mit der Mitteilung, sie hätten dort zwei Revolver und Schlagringe gefunden. Für diese Behauptung existiert kein anderer Beweis, als die Aussage der beiden antisemitischen Studenten. Es ist festzustellen, daß keiner der jüdischen Hörer im Besitze einer Waffe tvar. Im Laufe der Exzesse wurde auch Rektor Gruntzel von den Vökischen attackiert. Er soll auch von Stockhieben getroffen worden sein. Heute wird in feierlicher Weise in Anwesenheit der Vertreter der österreichischen Negierung und fremder Mächte die Wiener Messe crössnet werden. Man wivd dabei nicht verfehlen, die Stadt Wien in schwungvollen Reden zum so und so vielten Male als ein Kulturzentrum zu feiern. Mau wird darauf Hinweisen, daß die Wiener Messe als volkswirtschaftliches Instrument die größte Bedeutung für diese Stadt besitzt, die ein wichtiger Handelsplatz zwischen dem Osten und dem Westen, dem Norden und dem Süden ^werden soll. Durch eine rege Propaganda versucht inan Kaufleute aus allen Ländern nach Wien zu ziehen, man benrüht sich, den Fremdenverkehr, welcher in unserer Bilanz eine so große Rolle spielt, nach Möglichkeit zu heben. Die antisemitischen Exzesse an einer Wiener Hochschule am Vortage der Messeeröffnung, die grellen, weithin sichtbaren antisemitischen Hetzplakate, welche wie Giftpilze allenthakben auftauchen, sind die Begleitmusik zu den feierlichen Reden bei der heu-, tigen Eröffnung der Wiener Messe. . Dieselben deutschnationalen antisemitischen Studenten, die gestern, wie schon oft, ihre jüdischen Mitschüler mißhandelt haben, werden nach Beendigung ihrer Studien wahrscheinlich in den Vorzimmern von jüdischen Bankdivektoren, Kauflenten und Industriellen sitzen und werde« sich bemühen, bei den Vätern jener, die sie an den Wiener Hochschulen nicht dulden wollen, Posten zu finden. Dann' werden das Hakenkreuz, der Gummiknüppel und all die brutalen, hohlen Phrasen, welche sie heute gegen das Judentum ständig im Munde führen, verschwinden. Die jüdffchen Kauften te und Industriellen aber mögen sich die Vorgänge, welche sich gestern wieder abgespielt hüben, end lich als sine Mahnung dienen lassen. „Sabotageakte". , Düsseldorf, 17; März.. (Hapaß,). Einige .mit. der . 2klSbesserung von Telegraphenlinien bsfchäftigte Soldaten haben drei Deutsche da.bei betreten, als sie das Kabel sabotierten. Sie wuvden verhaftet und gestanden, daß sie formelle Bofchle ihres Gruppenführers erhalten hatten.' Dieser wurde ebenfalls verhasst. Er erklärte, die Befehle vom Bureau der deutschen! Post-, Telegraphen- und Delephonangeistellten in Düsseldorf erl halten zu haben. Die hierauf in dem Bureau durchgeführten! Hausdurchsuchungen führten zur Beschlagnahme von Schriftstücken, aus denen hervorgcht, daß das Bureau der Sitz der Leitung der systematischen Sabotageakt« ist. Eine Soziaiistenkonferenz. London, 17. März. (Router.) Die Besprechungen zwischen englischen, fvar-zösischsn, italienischen und belgischen sozia.'islischen Deprüirrten über die Ruhvfrage werden in der nächsten | Woche in Paris beginnen. Daran wird sich eine Exkursion in ' das Ruhrgebi-et und nach anderen Teilen Deutschlands anschließen. Kn Attentat auf Smertr Köln, 17. März. Wie das Wolsssche Bureau vor« zuverlässiger Seite erfährt, ist Smeets heute abends durch einen Kopfschuß schwer verletzt und sein Sekretär getötet worden. Einzelheiten über den Vorfall sind bishernicht bekannt. Neqnifitivn von Maschinenfabriken. Berlin, 17. Mai. (Wolff.) Nach den neuesten BovgangeN jin Düsseldorf scheinen die Desetzuugsbchörden nunmehr tauch gegen die Maschinenfabriken Vovzugchen. So kontrollierte eine fvanMsche Kommission in der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik di« Bestände an Wagen und Lokomotiven und erklärte diese für requiriert. In dem genannten Werk rnht M geftem nachmittags die Arbeit. K« Vertrag der Sowjets mit Krupp. Berlin, 17. März. (WM.) Healte ist in der hiesigen russischen Botschaft der Vertrag über di« Landkonzession dev Firma Krnpp in endgültiger Form von den Bevollmächtigten der russischen Regierung und der Firma Krupp unterzeichnet worden. (Der Vertrag räumt der Firma Krupp bedeutende Kon- ' Zessionen in Sowjetrußland ein und ist das erste derartige W-. kommen mit dem Auslandskapital, welches pevfckt geworen ist; der englische Urguart-Bertrag ist sernerge.it cm denr Wider» spmch der Sowjetväte gescheitert.) . Protest Litauens gegen die Zuteilung Wilna» an Polen. London, 17. März. (Wolff.) Der litauische Gesandt« in London hat gestern im Foreign Office gegen dm Beschluß der Botschafterkonferenz. durch den Wilna Polen zugesprochen tvurde, mündlich Protest erhoben unerklärt, die getroffene Regelung widerspreche dem Geiste des Versailler Friedensvertmges und der Völkerbund, satzungerr und ebenso den Grundsätzen, für die die Alliierte * und mit ihnen Litauen gekämpft haben. « ««»»»» , »,»«»»»,., ««,«««»«« ««»«««» n««ww« wwgBBwwawwawmowfy wli »' » » » » » » » » > » » » « » » » » > » » B H B B ■ 0 B B B a m m b.«l« a er« n b ■ m w * u und Mazzothgriess eigener Erzeugung BkZZOTH. unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde MazzotHbäckerei H. St rum En gi»o3 II. Botensterosasss 11, Tel. 47-7-17 En detail Unsere Verkaufsstellen sind durch Anschlag unserer Plakate gekennzeichnet. Es wolle im eigenen Interesse darauf geachtet werden, dass jedes Paket mit f/*T unserer Stampiglie dv versehen ist 9078 5 >a«B«NeiiRH 00 au nu bjb 0*0110 0 00 aa ■■■■■■ ■«■■«•■•Biaafli»