Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1471 (18.3.1923)
- Date
- 1923-03-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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'"•TJTy^lyl'^ii;;1' “ i!( «L 1471 Men, Somttag Wiener Morgenzeitung. 18. Marz 1923 Sette 8 mäßigere Beschäftigung die industrielle Entwicklung zu bieten imstande wäre. Anderersets ist der Lohn der ungelernten Arbeiter-sehr gering, verglichen mit den in Amerika und Europa gezahlten Löhnen. ’ Die größten Hindernisse für die industrielle Entwicklung verursachen der Mangel an Kohle, -er Mcnrgel an guten Häfen und die hohen Zölle für die Rohprodukte und das Heizmaterial. Was letzteres betrifft, so hofft man, mit der Verwirklichung des Rutenberg-Projektes in der Elektrizität eine billigere Kraft zu gewinnen. Ehe die palästinensische Industrie so aufblühen kann, , wie wir rs wünschen» muß auch der Mangel eines geschützten Hafens beseitigt werden. Die Kosten für die Ausladungen bei Jaffa und Haifa machen stets einen außerordentlich hohen Betrag auS; dazu kommt noch, daß während vier Monate des Jahres die Schiffe oft tagelang vor diesen Häsen liegen bleiben müssen, rhe es möglich ist, ihre Ladnngen auszuschiffen oder die zu exportierenden Waren einzuschiffen. - Die Hafenbau frage wird jetzt von der Regierung geprüft und es steht zu hoffen, daß bereits binnen kurzem ein Plan für die endgültige Lösung vorgelegt wird. Was die Zölle betrifft, so besteht noch immer der türkische Importzoll von 11 Prozent plus 1 Prozent Oktroi, der nur für wenige Artikel, besonders für Baumaterialien, ermäßigt worden ist, während die Rol-Materialien für industrielle Zwecke, wie Kohle, Metalle, Hartholz, Gerbmaterialien usw. noch immer dem vollen Zoll von 12 Prozent unterliegen. Selbst der eingefleischteste ^Freihändler" wird Wohl zugeben müssen, dasz die palästinensischen Verhältnisse noch einen gewissen Grad von Schutzzöllen nötig machen und daß auch ein wen'g. Unterstützung von seiten der Regierung dringend notwendig ist. Trotz all der erwähnten negativen Faktoren haben die Juden mit ttet Herstellung von Baumaterialien, Mhbeln, Kerzen, Schokolade und Kon fekt usw. gezeigt, „daß einheimische Industrien mit Erfolg betrieben werden körmen. Diese Entwicklung des jüdischen Lebens in Palästina hat auch den BÄürsnisstandard der arabil'chen Bevölkerung rasch gehobei und einen Markt ge schuf ff en für beinahe alle Arten von Fertigfabrikaten, die gewöhnlich in Europa benützt iverden. Da die «reisten dieser Waren vorher im Lande, wenigstens nicht in nennenswertem Maße, im Gebrauch waren, so ist auch keine Konkurrenz für deren Fabrikation im Laude vorhanden. Aber neben dem einheimischen Markt könnte Palästina auch noch sehr gut die Märkte von Aegypten, Sh r i e n, C h p e r n, der Türke i sowie der Länder am R o t e n M e e r beschicken. Fernerhin ist auch die Nähe von Port Said als Knotenpunkt des Verkehrs, über die Weltmeere als äußerst günstig zu bezeichnen. Palästina ist somit geographisch nicht mt nicht ungünstig, sondern sogar besorchers günstgi hinsichtlich seiner industriellen Entwicklungs-Möglichkeiten gelegen.Wir müssen wm allerdings nicht nur in Rechnung ziehen, daß Palästina noch vollständig unenkwickÄt ist, sondern daß neben den oben genanten natürlichen. Schwierigkeiten noch gewisse politische und industrielle Jmpondevablien zu überwinden sind, die sich aus der gegenwärtigen Lage Palästinas ergeben. Aus all Viesen Gründen bedarf die industrielle Entwicklung Pa-- lästinas mehr Kapital, als es jedes andere Land unter ähnlichen wirtschaftlichen Bedingungen benötigen wurde. Wenn aber für die eilten Einrichtungen und Ausgaben ein angemessenes Kapital zur Verfügung gestellt wird, Kmn dürste wohl fast jede Industrie in Palästina nach Ablauf einiger Jahre Gewinn abwerfen. Der Erfolg der Kerzenfabrikation, für die fast das gesamte Rohmatriaj eingeführt werden muß, kann dafür als Beweis dienen. Diese industrielle Entwicklung, die die Einwanderung gelernter Arbeiter erforderlich macht, sollte Hand in Hand mit den Fortschritten der landwirtschaftlichen Besiedlung vor/sich gehen, indem der eine Teil der Bevölkerung die Bedürfnisse schafft für die Produktion des anderen. Zugleich würde auch die wirtschaftliche Entwicklung der jüdischen Siedlung die Handelsbilanz schnell zu unseren Gunsten ändern, indem einerseits der Import für den einheimischen Verbrauch verringert und gleichzeitig der gegenwärtig noch sehr niedrige Export gesteigert wird. Denn tatsächlich haben industrielle Unternehmungen in Palästina großen Spielraum, in welchem sie gedeihen können und gedeihen werden, wenn man sie auf geschäftsmäßiger Grundlage aufbaut. Sesterreich. Sie KoalMsnrgeriichte. Die Regierung wird in dieser Woche dem Außerordentlichen Kabknettswt ihre. Anträge betreffs der. Zusammenlegung der Ministerien vorlegen. Die Vorschläge des Kabinettsrates besagen im einzelnen: Angliederung des Ministeriunls für Aeußeres an das Bundeskanzleramt, jedoch Bestellung eines eigenen Ministers, des Aeußern, solange der Bundeskanzler» mit Arbeiten belastet ist, ferner Zusammenlegung, der Ministerien für H e e r w e se n und I n n e r e s und von V.e r! e h r und Handel, und betont weiter, daß mnehralb dieser Einteilung gewisse sinnganüiße Verschiebungen der Agenden staitfinden können. Es besteht die Absicht, die Vorlage im Außerordentlichen Kabinettsrat noch vor Ostern zu erledigen..Ueber die damit zusammenhängenden Fragen einer formellen Demission des. Gesamtkabinetts oder des Rücktritts der aukscheidenden Minister ist bis zur.Stunde noch keine Entscheidung gefallen und eine solche, auch vor Erledigung der Vorlage im Außerordentlichen Kabinettsrat kaum zu erwarten. Bei Gelegenheit, der Demission soll auch die . Frage der Umbildung des Kabinetts ins Rollen gebracht werden. Die Gerüchte über eine angeblich bereits erfolgte Einigung zwischen Christlich sozialen und Sozialdemokraten eilen den Tatsachen voraus, doch sind Verhandlungen tatsächlich im Gang. Angeblich soll der frühere Handelsmimster H e i n d l im Gegensatz zum Bundeskanzler Dr. Seipel die Annäherung an d'e Sozial.domokrai'en sehr energisch betreiben, da er im künstiaen Kabinett,-,!« das-er an.Stelle des großdeutschen Herrn Kraft kandidiert, n'cht ohne die Sozialdemokraten arbeiten wi'l Von seiten der Soz'aldenr-'kiaien ist keine definitive Aeußerung abgegeben worden. Bei den Gr ^deutschen, die w hl das erste Opfer dieser Einigung wären, herrscht Bestürzun-!».- Jhve Parieiführer waren gestern stundenlang beisammen. Reformen aitt den NmdrrbBnen. In einer Versammlung in Margareten sprach gestern Bundesmlnister für Verkehrswesen Dr. Odehnal über die Reformen auf den Bundesbahnen und erklärte, es wäre für den Staat das größte Unglück, die Bundesbahnen an das Privatkapital zu veräußern oder zu verpachten. Cs sei zu hoffen, daß die inländischen Konferenzen dazu führen werden, eine ausländische Kontrolle zu v e r m e i d e n. Was die Notwendigkeit.der Reformen auf den Bahnen anlangt, anerkenne der Minister diese vollständig, es wäre aber gefährlich, sie über Nacht durchführen zu wollen. Es werden von allen Reformvorschlägen die besten herausgenommen und etappenweise durchgefichrt werden. Weiter teilte Minister. Odehnal mft, daß in den nächsten Tagen neue Bestimmungen über die Dien st st u n d e« im Verkehrswesen herausgsgeben werden. Es wird eine Kommission eingesetzt werden, die sich in die Aemter begeben wird, Um die Möglichkeit von Vereinfachungen de8 Betriebes sowie einer Ar- Leitsintensivierung sestzustell'en. In diesem Zusammenhang soll auch eine neue Normierung der Amtsstumden erfolgen. - Bezüglich des Abbaues bei den Bundesbahnen erklärte Minister Odehnal, daß alle bisher genannten Zahlen unrichtig seien. Bis 31. Dezember 1922 wurden 10.800 Eisenbahner abgobaut. DleBewegung «nter den Post- und Telegraphenangestekten. Die Vertreter der Technischen Union und der Postgewerkschaft beschlossen.gestern, um die Entziehung der Regiekartenbegünftigung für die Posiangestelltenzn Lekämpftn, zunächst ab Montag bei Post, Telegraph und Telephon omni des Warenhauses | Waechwaien | Blaudruck . . Cotton de Lene Wasch-Krepon Jackenfutter ......... Etamine, 115 cm breit.. Etamine, 115 cm breit, gemustert . Seiden-Cloth, 140 cm br., alle Farben Brüder Schiffmann UL. 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Seit anfangs Dezember Hobe keine Demonstration auf akadmr'vschen Boden stattgefunden, und der Versuch einer „außerhalb der Hörerschrft stehenden Gruppe", die Universität in den Morgenstunden des 5. d. zu blockieren, sei von den Führern der deutschen Hochschrükammer selbst vereitett worden. Der akademische Senat, heißt es dann weiter, spricht die sichere Crlvartung ans. daß die gesamte deutsche Studentenschaft auch in Zukunft den allein zulässigen Weg eines gesetzlichen Borgehens nicht verlassen wird. Bezüglich der Verweigerung der Saalüberlassung an die Sozialdemokratische Swdenten- und Akademikervereinignng für einen Bortvag Dr. Renners, erklärt der akademische Senat, daß der Rektor in Ausführung des Senatsb?schlusses vom.17. Juni 1922 fehr Entscheidung gefällt hat Zschecho-TlswM. Dar Gesetz ,um Schutze der Republik im 8-uat auaenommm. Prag, 17. Marz. (Tschech-slowwat. Preßbur,) Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf zum Schutze der Repriblik und die Vorlage über die Errichtuug des Statsgerichthofes in 'der Fassung des Abgeordnetenhauses in erster Lesung angenomen. Polm. MrmMe Smen im Sekm. Warschau, 17. März. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeii-ung.^ Die heutige Sejmsitzung verlief dramatisch. Sejrmnarschall R'a t a j verlas den Beschluß des Botschafterrates bezüglich der Anerkennung der O st g r e n z e°. Hiernach werde auch die Autonomie, die Polen O st g a l i z i e n gegeben hat, als genügend anerkannt. Indiesem Arrgenblick erhob sich der Ukrainer Luckafewicz untt rief: Es lebe die Ukraine! Wir lassen uns nicht unterkriegen. Der Präsident schloß den Abgeordneten schließlich für einen Monat von den Sitzungen des Sejms aus. Sämtliche 24 j ukrainischen Abgeordneten verließen darauf den : Saal, nur Luckasewicz blieb, worauf sich zahlreiche Abgeordnete. auf ihn stürzten. Es entstand ein Tumult. Schließlich wurde Luckasewicz von sechs Saaldienern aus dem Saül gebracht. ‘; Der Obmann des ukrainischen Klubs im Warschauer Sejm, Wasinczuk, hat seine Stelle niedergelegt, da ihm vorgeworfen worden lvar, daß er eine Opportunitätspolittk betreibe. Zu seinem Nachfolger wurde Abgeordneter P ohirsky, der dem: radikalen Flügel des' Klubs angchört, gewählt. Proteste der jüdischen Gemeinden gegen de» Rnmerns rlanfns^ Warschau, 17. März. (I. C. B.) Täglich laufen bevuz Sejmvorfitzenden PvötestvefolntionenXjMscher Ge- ' mmnden gegen die geplante Einfühntng der Prozentnorm für Juden an den polnischen Universitäten ein. Bis jetzt sind über 50 solcher telegraphischer Protestresolutionen <tu£ den größten jüdischen Zentren Polens eingelaufen. Die Pojener AnlvrrWt gegen de« Rnmerns klmrsns. Warschau, 17. März. (I. C. B.) Das Professoreükollegium der Posener Universität sprach sich in seiner letzten Sitzung gegen eine konsequente Durchführung dev Prozentnvrm fiir jüdische StudievenVe an der Posener Universität aus. In der der Blildungskonrmission. des Sejnr vovgelegten Begründung heißt es, daß bei einer strengen 1 Damen- und Herrenatoffej Covercoats ........... 66.000, K 39.800 kvgl. Schafwollstoffe . ... . . . ... . K 45000 Kammgarne und Cheviots.55.000, K 99.000 Mode-Schotten u. -Streifen.K 48.000 Regnnmfintel 175.000, 148:000, K 135.000 XX. — e a o r m e .Ä.. ii 1 — 1> s 1 » | Herrenwäsche and Modeartikel j Modehemden mit 2 Kragen ... . . . . . K 49.800 Cretonhemden . . . . . . . ..K 99.800 Unterhosen ........ 35.000, 25.000, K 18.000 Pyjamas » » »»».».»«.».»..» K V8.000 Seidenbinder. ... . . K 15 000 Gestrickte Binder . . . .... . . 9.800, K V 500 Socken ... » .. . . » . « » » ...» > K 4,800 Strümpfe ..... ... .... . .H. K 9.000 plello« ‘billige Preiset - m^389BSSSB&BA däas