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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-16 · Heft 1469 (16.3.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1469 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Wien, Freitag Wiener Morgenzettnns. 16. Mörz 1923 Nr. Verbot rechtsnrditaler Kanchflieder in Berlin. I Das Berliner Polizei-Präsidium hat das Absingen [ ^rechtsradikaler Kampflieder ttt de« Straßen Berlins verboten und die Schutzpolizei angewiesen, diejenigen, die da§ Verbot übertreten, zu verhaften und dem Polizeipräsidium vorznführerr. «Wodmq eine» Kaffenlmer«. Potsdam, 16. März. (TÄ. der „Wr. Morgvnzeitnng".) 5tuf dem Schlosse Rapluth wurde cm geheimes Waffenlag er ausgchobm. 'Zehn Kisten mit Maschinengewehren, Pistolen und Rcvowem wuvden beschlagnahmt. Der Schloßbositzer gibt an, von der Herkunft der Waffen nichts zu wissen. nene« ben Staat. Erfurt, 15. Märtz. (Del. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Staatsanwaltschaft hat gegen mehrere Personen ein Verfahren wegen Umtriebe gegen die Staatsverfassung omgeleitet. Der Führer der nattowlistischen Ortsgruppe, ein Postsekretär, wurde verhaftet. Bei mehrere« anderen Personen wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen. Re ist»« de» Harden-Pnzeffer. Leipzig, 15. März. (Tel. der ,Mr. Morgenzortung".) Vor dem Raichsgericht begann heute die Revisiousverband« lung im Harden-Prozeß. Sowohl Harden als auch der Staatsanwalt hatte gegen das erstrichterliche Urteil die Berufung eingelegt. Storr»' Besuch bei Ford. Erregung der amerikanischen Zionisten. New York, 14. März. (I. C. B.) Das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten „New Pa lest ine" veröffentlicht einen längeren Artikel, in welchem der Enttäuschung über die Wirksamkeit des G o n v er n e u r s von Jerusalem Ronald Storrs in Amerika 2krsdvuck gegeben wird. ' § „Gouverneur Storrs" schreibt ö.re Zeitung, ,chat wäh-! rend seines Aufenthaltes in Amerika nrit keinem einzigen! Worte die Balfour-Deklaration, das Pcrlästma- Mcvndat, die Anwesenheit der Juden in Palästina, die Notwendigkeit des jüdischen Kapitals und der jüdischen Arbeit in Palästina beruht. Herr Storrs hatte über die englische Politik in Palästina Aufklärung geben sollen.^ Er hätte die Zionistische Organisation unterstützen und die Beunruhigung der amerikanischen Juden über die Haltung der englischen Beamten in Palästina, von denen man bchmrptet, daß sie unter arabischem Einstusie stehen und der Entwicklung der Juden im Lande unfreundlich gesinnt sind, beseitigen sollen." Werter schveibt das zionistische Organ: ,Mir wenden «ns nun einem Schritt des Gouverneurs Storrs AN, der das größte Erstaunen aller heworgerufe» hat, die an der jüdischen Sache interessiert sind. Wir meinen, das sonderbare Jnteresie, welches Gouverneur Ronald Storrs für die Persönlichkeit Henry F o r d s gezeigt hat. Sei» Besuch bei Ford istvon allen Juden als ein Affront betrachtet worden. Die Gerüchte bringen die folgenden zwei Tatsachen miteinander in Verbindung: 1. Die Araber Palästinas haben in einer Mitteilung an ihren Emissär in Amerika Ford als ihren Freund hingestellt, der in Palästina ,-tätig zu sein beabsichttgt", 2. daß bald darauf der Gouverneur von Jerusalem diesem neu entdeckten Verbündeten der Araber einen formellen Besuch abgestattet hat und seine Fähigkeiten l o b t. Der BHuch bei Ford muß als ein politischer Schritt beurteilt werden. Wenn dre Anweisungen des KolonialmiMstermms Bedeutung haben, hätte der Besuch des Jerusalemer Gouveweurs bei einem Feinde des jüdischen Volkes unterbleiben muffen. Der Mord in der Aerugasse. Heute sind eS vierzehn Tage, seit die Prostituierte Fvanziska John ermovhet auifgoftmden wurde. Das Sicherheitsbursau hat seine Erhebungen zunächst auf die Person des -früheren Geliebten des Opfers erstreckt und schon am ersten Abend ermittelt, daß die John mit dem Küoschriergchiffen Josef U r b a n e k ein Liebesverhältnis unterhalten hat, das aber deshalb in Brüche gegangen ist, weil er mit der Kellnerin Barbara Weißlehner Beziehungen angeknüpist hatte. Als Urlbaneck hörte, daß man ihn suchte, war er selbst nach Mitternacht in das HanÄommiffaria-t gekommen. Er konnte fiir die Stunden, in denen die Bluttat geschehen sein mochte, iniso« ferne ein Alibi erbringen, als er behauptete, daß er dom Morgen an bis zum Nachmittag um 6 Uhr, als seine neue Geliebte, die Weißlchner, heimkchrte, in der Wlchnnng. 2V. Bez., Jägerstraße 14, eingesperrt geblieben war. Diese Behauptung hat auch seine Geliabte, die Weißlhner, bestätigt. Nun haben aber die unablässig geführten Erhebungen Grund genug geboten, um an der Wahrheit dieser Behauptungen zu zweifeln. Der Sohn der Weißlehner, ein 16)ähriger Goldarbeiterlchrling, der in der Tegel choffftraße bedienstet ist, Walter Weißlehner, sollte nach der Behauptung seiner Mutter, a>n dem kritischen 1. März am frühen Morgen in die Arbeit ge- Aus Mer Welt. Belgrad, 16. MmH. Im Banat sind die Donau unb die Theiß aus Sen Usern getreten. In Serbien die Morawa und der Wardar. Einige Städte sind unter Waffer. Der Schaden ist enorm. Paris, 18. März. Die Zahl der Mgeordneteri der französischen Kammer dürste von W6 ans 5M herabgesetzt werden. . Paris, 16. März. In der ftantzoschhen Presse mchre« sich die Simmen, die von bevorstehenden dmffch-stMMsisihen BerhanLSungen sprechen. Die Matter konstatieren, daß eine deuÄiche Strömiu-ng für eine Intervention und FrredenSverhandklngen bestehe. Man dürfe nicht erstaunt sein, wenn es noch vor Abbaus eines Monats zu VechaMungen komme.» werde. Rom, 18. Mach. Der große Rat der Fasziste« hat einstimmig das vovgsschlayone Uebereinkommen mit den Deutschen SDtivÄs verworfen. Gens, 16. März. Der Patriarch von Konstantin o p e I hat sich an das Rote Kreuz um Hivfe geigen die Epidemlieaesahr infolge Zustxmnenstvömens der kleinasiatischen MuchtKnge gewendet. Bern, 15. März. Das Gescmvtdesizit der Schwechsrifchev Staatsbahnen beträgt N4 Mill-wmn Franken. Berlin, 15. März. Wetzen eines KonMtes mit den FMn-verlechern Wer die HDe der Tenevunasyuischkläge drohen m. Kinoibesitzer mit einer Sperrung aLler deutsche« Kinos für den Monat Styreü. Budapest, 15. März. .Heute beginnen die Verhandlungen der JiDustviellen mit den Metallarbeitern. Paris, 15. Marz. Der hoMnddsche Gvenzfchutz wurde wogen der Ereignisse im SduhvgeviÄ verstärkt. Berlin, 15. März. Im HoMchiner Landchen wurde der Ort Sauden der Tschechoslowakei zugefprocheu. Damit ist die GwM zwischen Deutschland und der Tschecho-Slagangen uitd erst am Nachmittag «ach Hanse gebomimen sek». Durch Zeatgenaussagen. wurde aber erwiesen, daß ent-, gegen dieser Behauptung, der Lehrling um etwa halb 2 Uhr j nachmittags aus der Wohmmg gchen gesehen worden ist.' Schon dieser erste leise Widerspruch in den Behaupbungen bot Anlaß, daß Barbara Weißlehner und ihr Sohn in das* Sichecheitsibuvean gebracht und dort cnlch Ucharvek vom Landesgerichte, dem er wegen seiner Betrügereien emzeNefevt worden war, zu weiteren Verhören hingebracht wuvde. Der junge Weißlehner hat nun bei dem fortgesetzte» Verhör seine ursprünMchen Angaben wesentlich geändert und einMauden, daß er au dem kritischen 1. März, doch zu Hause war. Der junge Weißlchner behauptet nun,! daß an dem Tage Uvbanek nicht in der Wohnung der Mutter geweilt hat, wie er früher angegeben hat. Der. junge Bursche machte schließlich die ungemein wichtige Angabe,' er halbe, als er das Geschäft in der Tegetthossftraße verlassen hat, im Durchhau.se in der Rotentuvmstrahe den Urbanek^ getroffen. An dom Datum, gibt der Bursche an, fon* kein Zweifel obwalten. Alles, was der junge Bursche bchMlPtet,' stellen sowohl seine Mutter wie ihr Liebhaber Urbane? in- Abrede. Tagesbericht. Las Kinderpaar in der Straßenbahn. Das Plakat für das Jngendhilfswerk. Wenn du jetzt die elektrische Straßenbahn besteigst, geht dir' die Sonne auf. Zwei Kinder sind in jedem Wagen zugegen,, selbst im bockigsten, verrauchtesten Anhängewagen. Wer mtf di? trostlos verregneten, schmutzigen Straßen blickt, den grüßen die beiden aus einem wunderschönen Plakat, das au den Fenstern klebt, und, wers übersieht, bleibt ärnier. Da stehen sie, auf einem weiten, märchenhaft Hellen Wiesenplan, die zweijährige Schwester und der fünfjährige Bruder. Sie hat die übergroße Botanisierbüchse übergehängt, kehrt uns den Rücken, steht überaus zufrieden, mit den dicken Beinchen in den Rasen eingepflanzt, im Sonnenglanz da, die großen Augen vermutlich auf eines der tausend Frühlingswunder gerichtet. Das Brüderlein hat das Schmetterlingsnetz geschultert, zeigt uns sein höchst erfreuliches Profil mit der überlebensgroßen Hahnenfeder am Hute, und halt die Knie galant eingeknickt, damit er die kleine, rundliche Schwester nicht allzu, kränkend überrage. Er gibt Anschauungsunterricht, der Siebenkäsehoch und erklärt der Gescchrtin, der wir leider nicht ins Gesicht blicken dürfen, eben jenes eine von den tausend Frühlingswundern. Kinderpaar und Wiesenplan, Mittagsnrh und lcnttlos flatternde Schmetterlinge, Sonmnglast und köstlich weiten Horizont hat der Künstler — es gibt noch Plakatzeichner, die Dichter sind — mit einer Seifenblase umhüllt, wie wir sie alle in unseren glücklichsten Stunden in die Lüste steigen ließen. Die farbenfrohe, wunderschöne Seifenblasenszene gilt der KinderhilfsWoche, fiir welche die ersten Aprillage bestimmt sind, und e8 ist gut, daß just durch Kinderlust auf sonniger Wiese der Gedanke an müde, blutarme, schmetzenreiche Kinderscharen geweckt wird, die in dieser besten aller Welten vom Frühling ausgeschloffen sind. Er hat den Glauben bewahrt, der rühmliche Schöpfer dieser illustrierten Ankündigung einer verflucht notwendigen Fürsorgetat, daß der Mensch gut ist, daß man besseren Menschen nicht *den grausamensten Jammer, die Kindernot, Hinmalen muß, mn die Geldtaschen zu öffnen. Er vermeint, daß Erinnerung an unbändige Kinderlust, daß der Anblick gesunder, luftgegerbter Kinderwangen quälendes Schuldbewußtsein wachruft und schleunigste Hilfsbereitschaft für die Ungezählten, die — weiß Gott — schlechter anssehen, als da8 Kinderpaar auf dem Wiesenplan in der Seifenblase. Erspart ihm die Enttäuschung! O. A. Jas Wohnmigselend. Starker Rückgang der Wohnungsanforderunge». Die Lage des Wohnungsmarktes ist durch die Aenderung der Anforderungsbestimmungen, welche das neue Anforderungsgesetz gegenüber der früheren Ansorderungsverordnung brachte, äußer ordentlich ungünstig beeinflußt worden. Die Wirkung ^dieser Verschlechterung der Anforderungsmöglichkeiten äußert sich bereits in den ersten zwei Monaten nach Jnkraftreten des Gesetzes mit geradezu erschreckender Deutlichkeit. Insgesamt ist in den beiden ersten Monaten des heurigen JahreS ein Ausfall von 840 Wohnungen und Wohnräumen zu verzeichnen, der znm Mergrößten Teil auf die Mängel der gegenwärtigen gelockerten Anforderuugsbestimmnngen zurückzuführen ist. . , Stadtrat Weber hat nunmehr neuerlich an den zuständigen Referenten im BundeSministerimn für soziale Verwaltung ein Schreiben gerichtet, i« welchem er auf die durch das'neue Anfordemlngsgesetz geschaffenen Uebelstande hinweist. Auch in den Bestimmungen über die Doppelwohnungen sowie über das Verfahrm bei generellen Anforderungen enthält das Gesetz Abänderungen gegenüber dem früheren Zu» stand, die sich als nachteilig" für die Bekämpfung der Wohnungsnot erwiesen haben« Dazu kommt die schon oft beklagte unzulängliche UnierstÜtzüng der Gemeinde Oien durch die Blnch-'sverwalluna gerade auf dem Gebiete der Linderung 111,0 IIH* des Wohnungselends. Da§ Wohnungsamt der Stadt Wien^ macht mit allem Nachdruck die Oeffentlichkeit auf diese SSei-j Verhältnisse aufmerksam, die eine Reform des Anforderungs-, gesetzes zur dringenden Notwendi gkeit machen. Das> Wohnungsamt ist aber auch bemüht, im eigenen Wirkungs-. kreise immer neue Maßnahmen zur Linderung der Wohnungs-'. not zu ergreifen und kein Mittel unversucht zu lasten, umj diesem drückenden sozialen Nebel nach Kräften beiznkommen. Auch jetzt bereitet das Wohnungsamt neue Akttonen vor. So wird' der Plan erwogen, jenen Parteien, die durch Verlegung ihrer Wohnungen Wohnraum ftennachen, eine „Uebersied lungshilfe" zu gewähren, indem die hohen Kosten der Uebersiedlung durch materielle Beihilfe« erleichtert werden. Ebenso will das Wohnungsamt den Versuch machen, die Ausnützung und Vermehrung des vorhandenen Wohnraumes dadurch zu fördern, daß es für Stockwerksaufbauten und für die Einrichtung von Wohnungen i« Dachgeschoffen (Mcursarden) namhafte Beihilfen aussetzt. Die Stadtbaßnfrage. Me verkantet, muß Wien sich wieder ans daS Warten auf die Sbadtibahn einrichten. Von technischer Seite wird er*, klärt, daß einer der Grüwde für die neueMche Verzögevung die schadhaften Deckentraversen in den ttmuelarttg! geführten Tellen der Anlage sind. Die eisernen Traversen hccken im Laufe der Jcchre durch Feuchtigkeit und das Kohlenoxydgas aus den LokomoÄvschornfteinen so schr, Mtten, daß sie xumeist durch neue ersetzt werden Mtzben, was. allein Milliarden Koste» verursachen würde. Sechshundrtt Lohnsuhrwerkslizeuzen vom Magistrat eingezoge». Eine Verfügung der Magistratsdirektion hat die Wiener. Lohnflchrwerkergmofftnischaft irn eine große Aufregung vevsetzt«. Eine Reche von Mitgliedern dieser Genossenschaft echM. nämlich zu chrer größten'UeLerraschung eine V-erftÄndigung der. Magifttatsdirettion, nach welcher diesen mitgeteilt wird, daß'- ihre Fu-Hrwerkslizenzen, mchdem sie sechs Mmmte außer Betrieb waren, als verfallen umd eingezogen zu betrachten sind. Von dieser Verfügung werden zum größten TMe solche' betroffen, die sich infolge Armut kein Pferd kaufen können oder Automobi Dösitz er, deren Wagen eine Generalreparatur erfordert und die sich heute eine solche Reparatur nicht leisten könnerr. Es handelt sich um ungefähr sechShundext LizeHen.. Verbot des Tabakbaues. Mit Rücksicht auf die hinsichtlich der Tabakversorgung gänzlich geänderten Verhältnisse entfällt für die FinanJverwaltung die Notwendigkeit, dre in den letzten Jcchverr geübte Duldung von Tabakpflanzungen kleineren UmstnrgeS in Hausgärten für Zwecke des.Eigenverbrauches weiterhin auftechtzuevhalten. Es wird demnach .das Verbot des privaten Tabakbaues Nach den strengen gesetzlichen Bestimmungen, der-Zoll- und Monopolordnrvng und des Gefällsstrafengesetzes gehandhabt werden. Zuwiderhandelnde haben empfindliche Geld strafen^ unter Umständen auch Arrest zu gewärtigen. 9er Linrer Virebürgemelster unter Betrag» vewacht. Linz, 16. März. Wegen großer BWmateriMerM gen zum Schaden der StMgemeinde Linz und der gemeinnützigeu Baugenossenschaft der freigewerkschastÄch organisievte« Ardeller und Angestellten beim Bau von zwanzig WohnhÄffer« wurde am 26: November v. I. der GemeMdebsaE und Platzbauleiter' LvMvig Hauser verhaftet. Auf GmNd seiner im Verlaufe der Untersuchung gemachten Aussagen wurde der soMdemdkrattlfche Landtagsabgeordnete und Bizebürgermeister der StMgeineinde Anz Mehr belastet, weShaLb das hiesige Landesgericht am IS. Fobyuax wegen. Per» leittmg zum, Verbrechen des Betruges, wegen des Be« dachtes des BetvtWes und des Mikbranches der Amtßft

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