Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1469 (16.3.1923)
- Date
- 1923-03-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 1469 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 1L. Mürz 1923 TLtte s -rr Jugoslawien. Kn Negimewechsel in Belgrad? , Laibach, lä. März. „Iutro" meldet aus B e l g r a d, Aaß die Stellung der radikalen Regierung gefährd e t sei. Als Hauptgrund wird die Nachgiebigkeit Der den Verhandlungen mit Italien angeführt. Aber jauch in der unparteiischen Haltung des Königs, die in Meinem Schreiben an P a s i c zum Ausdruck kam, sowie in den g e m inderten Wahlaussichten erblickt man Grunde für einen Regimewechsel. Es sei nicht unmöglich, daß die Ereignisse nach den Wahlen zu einer rqschen Klärung drängen werden und daß der Rücktritt des radikalen Kabinetts sich schon nächste Woche vollzieht. Was die Lösung der Krise anbelangt, so «wird die Bildung einer Regierung der Demokraten mit bctt früheren Oppositionsparteien am günstigsten be- Berftkmmnng gegen Dr. Seipel. Agrmn, 16. März. (Tel. der „Wiener Movgenzeilt'ung".) Das führende Organ der Demvkvatenpartsi, „Rjetsch", meldet aus Belgrad, daß es in dortigen diplomatischen Kreisen sehr verstimmt hat, daß die Wiener „Reichspost" vom IS. d. einen Brief aus der Umgebung der montenegrinischen Exkönigin Milena veröffentlicht hat, dessen Spitze und Jn- HM sich gegen das serbische Mni-gshaus richten. Man ist der Ansicht, daß der gewöhnlichste diplomatische ,DM die Veröffentlichung dieses Briefes in Dr. Seipels Parteilblatt hätte veMet-en müssen» um so mehr als Dr. Seipel bei seinem Bchuch m Belgrad Worte der Loyalli-- tät gesprochen hat. Ungarn. Ae Bewegung unter de« Staatsaugestellte«. Budapest, IS. Alä-rz. (Del. der „Wr. Morgerzeitung") Heute ist die achttägige Frist abgelanfen, welche - die Staatsangestellten der Regierung zur Bewilligung ihrer Lohnforderungen gestM haben. Die Regierung erklärte gestern, ^daß von' einer allgemeinen Gehaltserhöhung keine Rede sein kann» die TeuerungsAtlagen aber rund um 60 Prozent -erhöht werden. Gleichzeitig findet ein Mprozentiger Abbau des Bsamitenstaindes bis zum 1. Oktober statt. - Der Nationalvevband der öffentlichen Angestellttn hielt Donnerstag nachmittags eine Sitzung ab, welche einen fchr stürmischen Verlauf nahm und zu erregten Debatten führte. Der Verband beschloß, das Anbot nicht zurKenntn i s zu nehmen mid bei der vollständigen Erfüllung der Forderungen der Beamtenschaft zu verharren. Wenn« die Regierung nicht gesonnen ist, sich den Standpunkt der Beamtenschaft zu eigen zn machen — heißt es m der einstimmig angenonrmenen Resolution —, wird, sich die Beamtenschaftzur Anwendnrg »ue r gische rer Mittel gezwungen sehen, Ae Mrzfeier. Budapest, IS. März. (Teil, der ,Mr. MovgerzeittMg") Der JahEag der Märzrevolution 1848 wurde heute im ganzen Tande festlich begangen. Das Denkmal Betöfis auf dem Budapester Donaukai war Mittelpunkt der Huldigung zahlreicher gesellschaftlich-^.' Vereine. Die Arbeiterschaft legte einen riesigen Kranz am Sockel des Denkmals nieder. Die Hochschubjugeud sowie der Verein der Erwachenden Magyaren hielten ihr Fest am Fveiheötsplatz ab, wo die vier irvederiistischen Standlbilder, die abgotrsnnten Gebiete Ungarns darstellend, bekränzt wurden. Mehrere Redner sprachen über eine nahe Befreiung dieser obgetvemrten Gebiete. Maßnahmen gegen die Antisemitenexzesse rnt . der Preßburger UniverstM. Budapest» 15. Marz. Wie die Blätter melden, hat der Dekan der medizinischen Fakultät der Preßburger Universität, die gegenwärtig.provisovisch, in den Räumen der hiesigen Hochschule untergebracht ist,. die, chemischen Seminarim für das llmfonde Semester eingestellt, da trotz seiner wiederholten Warnungen sich die antisemitischen Ausschreitungen nach Schluß der Vorträge in diesen Semiuarim in den letzten Tagen iwisderholi haben. Pole«. Ae Festsetzung det polnische« Sstgrenzen. Paris, 16. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng") Heute nachmittags um 6 Uhr wurde im Außenministenum das Protokoll unterzeichnet, das die Ostgrenzen Polens feststellt. Der polnische Gesandte in Paris Graf Zamoyski Unterzeichnete den Vertrag im Namen Polens, Poineare im Namen Frankreichs. Die in de^ Botschafterkonferenz vertretenen Staaten werden daS Protokoll ebenfalls unterzeichnen. Charkow, 19-März. .(Wolfs.) Der ukrainische BoMkonr- «Mär für auswärtige Angelegenheiten Rakowsky hat d?r englischen, französischen und italienischen Regierung eine Note übermittelt, die unter Hinweis auf den von der polnischen Regierung den alliierten Mächten gemachten Vorschlag, die Frage Ostgaliziens endgültig zu regeln, gegen. jede ohne Beteiligung der Sowjetukraine zustande gepemnäcbst erscheint in deutscher, hebräischer uiid englischer Sprache ff Illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie unter der Mitarbeit hervorragender jüdischer Schriftsteller, Künstler und Forscher mit zahlreichen künstlerischen Abbildungen nach Werken alter und neuer jüdischer Kunst. Die Monatsschrift ..MENORAH“ ist völl'g parteilos, sie dient den national-kulturellen Interessen des Gesamtjuderitüms, n-mmt zu allen jüdischen Problemen objektiv Stellung, behandelt alle den gebildeten Juden aller Länder interessierenden Fragen und berichtet über alle literarischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Neuerscheinungen. — . Die „MENORAH“ ei'thalt eine Fragen- und Jugendbeilage, eine Musik-, Sport- und Schachrubrik, sie bringt Interessantes für Mann, Frau und Kind, kurz sie ist die für die jüdische Familie Alle Zuschriften sind zu richten an die Verwaltung der „Menorah“, Wien, I., Kolowratring 9. Branchenkundige Vertreter für den Vertrieb im Ausland gesucht. mm komm'ene Entscheidung über das politische Schicksal Ostgaliziens protestiert. Die Note weist darauf hin, daß der Vorsitzende der ukrainischen Delegation auf der Rigaer Friedenskonferenz Joffe bereits damals der Konferenz die Erklärung des allrussischen Zentralexekutivkomitees zur Kenntnis brachte, wonach den Ostgalizien bewohnenden Nationalitäten das freie Selbstbestimmungsrecht belassen werden sollte. Die Note erinnerte -darandaß die Bevölkerung Ostgaliziens sich dem Wunsche der polnischen Regierung, den provisorischen Okkupationsakt in einen Annexionsakt mnzuwandeln, mit allen Mitteln wÄersche, und schließt mit der EMarung, daß die ükraimM Regierung jede En'ts^erdu'ng, die in Oshgalizien.ohne ihre vorherige Zustirmmmg und ohne die Einwilligung der Bevölkerung werde, als null nrch nichüg ansehenwerde, - Wilna und Sstgalizieu. Re Sowietnlraine verlmgt Bolkrabstimnumg in Sftgalizie«. Warschau, 18. März. (Tel-Komp.) Die ofsiziche Meldnng über 'den Beschluß der Botschafterbmserenz betreffend die Ostgrenzen erfüllt, wie in hiesigen politischen Kreisen mtt.größter Befriedigung erklärt wird, restlos die Forderungen Polens, da sowohl das Wilnaer Gebiet als auch O st g a l i z re n Polen endgültig gesprochen werden. Wilna ist in dem Communique ausdrücklich genannt und auch bezüglich Ostgalizien , ka-mr. nicht - der geringste Zlveiftl obwalten, da der. Botfchafterrat die im Vertrag von Riga getroffene. Grenzregulierung zwischen Rußland und Polen genehmigt hat. Damit hat die Botschafterkonferenz in aller. Form Ostgalizien als polnisches Gebiet anerkannt. * Für die rasche Erledigung der Angelegenheit dürste nach M-ffassung . polnischer maßgebender - Kreise in erster Linie die geänderte Haltung Englands Polen gegenüber maßgebend gewesen sein. Ae Numerus rlansns-Bewegmg in Lemberg. Warschau, 15. März. (Tel. d.. „Wr. Morgenzettmvg".) A-bg. Dr. Rosmarin interpellierte die Regierung in Angelegenheit der Verge waltigung der Verfasiung durch die beabsichtigte Einführung des Numerus clausus in der Lemberger Polhtechni k. Die Jüdische Gemeinde von Lemberg hat an den Ministerpräsidenten S i k o r s k i und das Präsidium des Sejm und des S enats ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die beabsichtigte Einführung des Numerus.clausus schär fst e r Purste st erhoben wird. SchriftstelleOlbMnm Ik.Fofef Klausners. Aus Jerusalem meldet I. C. B.: In diesen Tagen beging der bekannte hebräische Schriftsteller und Philosoph Dr. Josef Klausner, , der langjährige! Herausgeber der Zeitschrift,Haschiloach", das dreißWÄhvige Jubiläum seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Aus diesem : Anlasse wurde Dr.. Klausner von zahlreichen hebräischen und. jüdischen Organisationen Palästinas und her Welt beglückMWt.. ^Dr. KläitStter hat sMen den - Kveiten - und dritten Band seines, großangel-egten Werkes ,^Die G esich ichte des VolkesJsraeI" vollendet. : .' Tnglanb nnd Msopotamie«. Lsndon, 15. März. (I. C. B.) Wie genreldet, wnvdr dieser Tage im englischen Unterhaus der Regierungsantrag über die Gewährung eines Ergänzungskredits im Höchstbetrage von 813.000 Pfund zur Deckung der Mehrausgaben Großbritanniens im nahen O st e n im Budgetjahre beraten. Jnc Laufe der Debatte gab der Unterstaatssekretär fiir die Kolonien OrmsbyGoredie Erklärung ab, das Ergänzungsbudget fei nur dadurch, notwendig geworden, weil bas beabsichtigte Programm der Herabsetzung wegen der so überraschend geänderten Position der Türken im letzten Sommer von der früheren Regierung fallen gelassen worden ist. Die militärische Regierung ist der Meinung, daß es im gegenwärttgetr Moment, da die Nationalversammlung von Angora über die Abrnachung von Lausanne zu urterlen hat, dem öffentlichen Interesse widerspräche, , genaue Angaben ülM die Zähl und die Verbindung der englischen Streitkräfte in irgendwelchen Gebieten des nahen Ostens zn machen. Ob wir in Mesopotamien bleiben oder nicht: jedenfalls kann das Land nach den Siegen der Generäle Maude und Allenby den türkischen Bajonetten nicht mehr ansgeliesert werden. Der Ministerpräsident habe es klar herausgesagt, daß, solange in Angora die Erörterung der Frage des „nähen Ostens" andauere, er jede Anregrrng, daß sich England sofort ans Mesopotamien zurückziehen solle, bohnere. Dies schon arls dem einfachen Grunde, weil die Debatte im englischen Parlament unverzüglich der Nationalversammlung in Angora nntgeteilt sowie den russischen Bolschewikenvertretern in London bekannt werde und von diesen dazu ausgenützt werde, einen Druck auf die Türkei zum Schaden des britischen Reiches auszuüben. Dev MinisterPräsideM hat ausdrücküch erklärt, daß von einer unverzüglichen Räumung Mesopotamiens - gegenwärtig keine Rede sein kann. Der Ministerpräsident hat aber ivährend der Wahlen und cnrch hier im Parlament erklärt, es sei notwendig, daß wir so früh als möglich und sobald es mit der Staatsrarson und mit unserer Ehre zu vereinbaren ist, unsere VerPflichMngen in Mesopotamien möglichst einschränken. Unsere Politik in Mesopotamien war nie eine Annexionspolitik. Nie und von keiner Sette wurde beabsichtig^ Mesopotamien zu einem Teil des brittschen Reiches zu machen. Wir haben uns nur als die Mandatavmacht verpflichtet, hier so lange. zu bleiben, bis der arabisch e Nationalstaat m den Völkerbund e'mtritt und als ein unabhängiger Staat von den Völkern anerkannt sein'wird. Sir Percy Eox hat sich nur unter der Bedingung bereit erklärt, den Posten eines Kommissärs von Mesopotamien zu 'bekleiden, -wenn er evmächttgt werden wiÄ, in diesem Lande eine arabische Regierung einzusetzem Unsere ganze Politik verfolgt das Ziel, der arabischen Regierung immer mehr Funktionen zu übertragen, damit sie befähigt sein soll, einen -eigenen arabischen Staat zu begründe. Bas «eae bulgarische Kabinett. Graz, 15. März. Die „Tagespost" meldet aus Sofia? Mmstevpräfident Stambuliski hat ein neues Kabinett gebildet, das als Wahlkabinett bezeichnet wird. Die Zusammensetzung ist folgende: Ministerpräsidium und Aeußeves Stambuliski, Jnneves — Pop^ow, Kultus mrd Unterricht Botew,. öffeittliche Arbeiten -- Stojanow, Justiz Dubariwow, Finanzen — Janew, Krieg Morawjew, Berkehr —-Atanasow. khaim Bahnm kfendi als Retter der Lansmner Konferenz. Konstanti«opel, 15. Marz. (I. C. B.) In türkisches politischen Kreisen wird mtt großer Befriedigung konsta-, tiert, daß auf der Läufanuer Konferenz der frü-! Here Oberrabbiner von Konstantinapel Chaimi Na hu m Efendi in der Durchführung der ihm ander--^ trauten turrischen diplomatischen Aktrow einen gwßen Erfolg errungen hat. Die türkischen Zeitungen heben hervor, daß Ehaim Nahum EfeM die ganze Mt bemüht gewesen war, die Lausauner Konferenz vor einem frühzeitigen Abbruch zu bewähren Nnd sich hierbei feiner Verbindungen m den französischen polittschen Kreisen bedient hat. Kn franzöfischer Hakenkreuzler. Paris, 15. März. (Molsi.) Im Laufe der Debatte irr der Kammer über die Wahlvesorm kam es zn sehr heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängerit Clemenceaus und den Radttalen über die Rolle, die Ca i ll aux gespielt hat. Der Royalist Daudet erklärte, Deutschland spekuliere aus die kommenden Wählen. Dies beweise feine Presse, die auf einen MeiMngsumschwung im französischen Parlament und auf eine radikale sozialisttsche Mehvhett hoffe, damit Deutschland' wie zu Zeiten Caillaux' und Malvys^ seine Manö'er-wieder aufnchmen kömte. Es gebe nur ein Mittel, diese Gefahr'zu verhindern, /nämlich die Leberts-, dauer des gegenrvärtigen.Parlamertts zu verlängern und die Wahlen hinauszuschieben. ynser Prinzip: 1 II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En erps En detail TE