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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-15 · Heft 1468 (15.3.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1468 (15.3.1923)
Date
1923-03-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ät 1468 DKm, Donnerstag menet Motgenzennns. Lv. Varcz a;täj s Zionlstiscbe Bezlrkssektion - Lebpol^staflt Jeden Donnerstag awangslose Zusammen- . k&nfte für Mitglieder nnd eingeführte Gaste 0 e tot ö den 15. Marz 1923, 8 Uhr abends, im Cafe Fetzer, Wien, TI., Praterstrasse VORTRAG *R x1 ix xi o IR a b i n o w i t z: ,JGdische Arbeitspflicht1 Lugam. öabolagedrohaagea der Eisenbahnangestellten. Budapest, 14. Marz. (Tel. der ,Mener MorymMung".) /£>te Lohnbewegung der Staats«,ngestellten dauert fort ^nnd elnzettde Gruppen scheinen den Wag des eigenmäch? itigen Handelns betreten zu haben. In den Couloirs der l Nationalvevsammlung wurde heute ein Rundschreiben des jGeneraldirektors der SaatseisMahnen Dionys Kelety, der j gileichMÄig Präsident des StaatsangestelitenjVerbandes ist, vorgelesen. Dieser Brief bedeutet nach Auffassurdg der Mehrzahl der Mg-eordneten den reinen Bolschewisj mus. Kelety ließ diesen Briesmit Umgchung des Mnistermms jden Bstriebsleitungen der Stvats-eisenbahnen züschicken und fordert diese zu HaMnngen auf, die als Sabotage bezeichnet »wechen können. So droht Kelety in ssinem Rundschreiben jenen i Orbscha-ften, in denen nach der ' teÄweisen Aufhebung des 'Mieterschutzes viele Eisenbahner gMndigt wurden, so daß sie jetzt in Eisenbahnwvggons wohnen müssen, mü Repres- '^salixn von seiten der Staatsrifenbahnen, indem die 'Direktion anordnen werde, daß die Eise nb a h n z ü-g e in Diesen. Ortschaften nicht halten uHd. die Personen- *owie bie Frachtkasien gesperrt werden sollen. Generaldtrekbr ^Kelety fordert die Betriebsleitungen asuif, ihm die Namen jener -Ortschaften umgehend bskanntzugeben,, damit er die Drosselung des Verkehrs unverAuglich ins Leben treten Haften könne. In der heutigen Sitzung der MtioMvvevsamm!luug be- '«Mvortete der Mnistevpräsident Bethlen mehrere Jnter- 'pellationen in Angelegenheit des Beamten a b b a u e s und der Besoldung der Beamten. Er führte aus,'die allgemeine Tauevung mache Gehaltserhöhungen unvermeidlich, doch sei die von den Beamten verlangte lOOProzentige Erhöhung der TsueMngsbelträge Vertrieben. Der vom M'misterrat beschlossene 20pvozentige Abbau des Deamteustanldes Werde in der Weise durchgsführt werben, daß den zu erMssen- ^den samten am 1. Juni auf. 1. Oktober gMnidigt werbe. Die vom Nationalvevband der öffentlichen Angestellten angeregte gemischte Kommission, in der die Beamten und die Re- 'gierung bohufs Feststellung der Gehalte paritätisch vertreten sein sollen, könne die Regierung nicht ännehmen, da dies mit der ministeriellen Verantwortung und dem Parlamentarismus .im Gegensatz Mulde. Horthy-Iuftiz. Budapest, 14. März. (Tel. der-,Mr. MoMnzeitung".) DekannMch wurde vor einigen Tagen der Polizeirvi und Mitglied der Erwacherchon Julius v. Dar nah verhaftet, weil er der Gattin-eines Kaufmannes 1,100.000 K. erpreßt hat>!e. Der Mraftenut hat honte beschlossen, v.. Darnah zu enthaften mit -er Begründung, daß es sich in divsean. Falle nur Mr eine 'DisWl'inavveÄetzung handeln könne., ■. lucker zur Mgung ausländischer Schulden. Budapest, 14. März. (Tel. der „Wiener Moryenzeitnmg".) Der FinanMinister beschloß die Wsftchr von 1000 Waggons Zucker nach England zu bewilligen. Der Ertrag soll zur Dil- MngTder Staatsschuld' von 150.000 Pftmd Sterling, die am 26. Feibvuar fällig war, verwendet werden. Polen. die MmdtAen wollen in die Apposition gehen. Warschau, 14. März. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Der ukrainische Abgeordnetenklnb brachte einen .Dringlichkertsantrag ein, in dem die Negierung anfgeforbert wird, die Frage der ukrainischen Politischen Häftlinge in Ostgalizien raschest zu erledigen. Dwser Dr'urglichkeitsantrag wurde auch von den jüdisch e n Abgeordneten mittmterzeichnei. Nach Ablehnung her Dringlichkeit dieses Antrages erklärten Führer des ukrainischen Klubs,.daß ihr Vub aus diesem Grunde aus der Regierüygsmajorität anstreten mtd ln die O-p P o s i t i o n übergehen werde. Sienehmen an, baß die W.e ißrussen, die' bis jetzt sie stets unterstützt haben, Hrem Schritte folgen werden. Ebenso herrscht unter den deutschen Abgeordneten seit einigen Tagen eine starke' oppositionelle S tim m u ng gegen die Regierung. Aus all dem ist zu schließen, daß in den allernächsten Tagen die nationalen Minderheiten den Regierungsblöck verfassen ^werden, durch welchen Schritt die Re- - gierung S i korskis zur Demission gezwungen wäre, da sie nicht mehr über eine Majorität verfügen würde. Die letzte Rede,des jüdischen Abgeordneten Grünbaum in der Debatte über den Finanzplam fand lauten'Beifall bei den ukrainischen Abgeordneten; welche Haltung bei der Regierung große Verwunderung hervorgerusen hat. Minister Sosnkowski soll den Minister Markows kr während dieses, Zwischenfalles darauf-aufmerksam gemacht haben, wie zuverlässig die Majorität der Regierung sei, Wenn die Ukrainer Gvünbaums Rede applaudieren. > - Aatisemktlrmar in der Schale. Warschau, 13. März. (Tel.d. „Wr. Movgenzeitung".) Der Jüdische Klub hat eine Reihe von Jnterpellatiynen über die a n ti semitische 0‘t r 5 m u n g in den öffentlichen Schulen und die Requirierung tzon jüdischen Schullokalen iu Ostgaliziyn für Mllitärtzwecke eingebracht. ' Eine Verleumdung gegen die „Hias". Ans,Warschau wird gemeldet: Das Hetzblatt. „Kurjer" veröffentlicht an» gebliche Enthüllungen ge^en ,die Emigratior.sorganrsation „Hlas" und bchauptet, ,^ias" habe mit der vor kurzem verhafteten Schmuggler- und Dollarsälscherbande in Beziehungen gestanden und sich ihrer zu dem Zweck bedient, jüdische Emigranten über die Grenze zu schmuggeln. Bekanntlich hat gerade die ,Zias" die Aufmerksamkeit der' Polnischen Behörden« auf die gefährliche Tätigkeit der Bande gelenkt, die bei den in ihre Hände gefallenen Emigranten aus Rußland Geld zu erpressen pflegte. Die Leitung der. „Hias" tritt den Behauptungen des „Kurjer" öffentlich entgegen. ' Litauen. Ler Manische Seim aafaelllft. Kowno, 14. März. (WoW.' Die Bedingungen -er Botschafterkonsevenz, betreffend, das MemelgeLiet, wurden gestern von der. litauischen Regiemrrg voribehaltslos angenommen. Der litauische Sejm wurde aufg e l ö st. Die N e u w a h l e n werden im M a.i swttfinden. General Storr» bei Hrarh Ford. Die Berliner Zionistische Korrespondenz^, meldet: Nach zwanzigtägigvm Aufenthalt in Amerika hat sich der Gouverneur vcn Jerusalem, General S t o r.r s, am 20. Februar wieder nach Palästina eingeschifst. Er besuchte zahlreiche Städte in Amerika, darunter auch Detroit, wo er dM bekannten Automobilfabrikauten: Henry Ford einen Besuch abstattete. Reportern gegenüber, die ihn über seine UntechalAng mit Ford ausholten, wgr Gouverneur Storrs sehr zurückhaltend. Er erklärte, Ford tatsächlich besucht und iir einem längeren Gespräch.nähere Bekanntschaft mit ihm genracht zu haben. Ford nehme starkes Interesse an der industriellen Entwicklung Palästtnas; er, Storrs,' habe, ihm die GeschäftAmöglichkeiten in Palästina Mlseinandergesetzt. Ford werde wahrscheinlich in BLl'de Palästina besuchen. .... Vor seiner Abreise bat General Storrs noch um die Uebermittlung seines Dankes an die zionistffchen Führer in Amerika, besonders an Louis Lipsky, für alle ihm tyährend seines kurzen Besuches m. Amerika erwiesenen Freundlichkeiten. (Herr Storrs erfreut sich bei der jüdischen Bevölkerung Palästinas keiner Sympathien und wird von dieser als Antisemit bezeichnet. Sein Besuch bei dem närrischen Antisemiten Ford, dessen AutonroM allerdings in Paläst'mä guten Absatz finden, wird.sicherlich zu. verschjodenen Deutungen Anlaß geben.). Die Lage in Flame. Aus FiuNre wird uns gemeldet: Während dje italienisch-jugoslawische Kommission in Abbazia Wer die künftige Gestaltung des Kondominiums 'im FiurnEr .„Freistaat" berät, ist die Lage Fiumes selbst schlechter als oor der Uebevga-be Susaks an die Jugosialv".«. Zwar, haben die Jugoslawen den Grenzderkehr in keiner Weise oingeschränkr, aber die F a s z i st e n, die in Fiume vor den Augen her Karabblneri ihr halb offizielles Spiel mtbchelligt weiter, treiben, fangen jedermann, der es wagt, nach Sussäk. hmüheyzugehen, bei seiner Rückkehr an der die Grenze bildenden Brücke ab, um ihn halbtot zu prügeln. Diese Feindseligkeit gllt nicht so sehr Jugosiawon, als vielmehr der Fiumaner legitimen Regierung Z a n e s l a s, die am 3. März vorigen Jahres, durch einen blutigen Handstreich, der italier«!sch?n Faszisten.Ms Fiume oertviebon 'wurde und seither in Porrovr, jetzt in S u s a k, unter jugoslawischem Schutz aus den Abzug her Italiener von Fiume wartet.. , ' Tatsächlich hängt einzig von diesem die Wiederkehr normaler Verhältnisse in-Fiume ab, da Jugoslawien nur mit der legitimen Fiumaner Regierung verhandeln und eiren Handelsvertrag schließen will, während es die Annäherungsversuche der derzeitigen faszistischen Machthaber 'beharrlich ab- lehnt. Da Jugvflawien mit der ins. Hrntevland führenden Eisenbahnlinie-den Lebensnerv. Fiüntes beherrscht, dürste unter LioniZt. öe2irk8sek1ion LriZitlenaü Lamstse den 17.. März, halb 8.Uhr .abends, im Saale des| Caf6 Neptun, XX., Gaussplatz 1 Jüdische TAQESOKPNUNO: „Die politische Lage der ftiden and der Aul bau Palästinas“ Referenten: Dr. Leopold Sofer Dr. N. M. Gelber Dr. Israel Waldmann dem Druck Belgrads die Regierurg Zanella und mit ihr die Legitimität ihren von der BevAkemug erjehnten Wiedereinzug. hatten. " ' ' Die Renan-Feier in Paris: Aus Paris wird uns berichtet: Die Reüan-Fei<^ der Republik verlief, trotzdem alles, was Rang u-nd Namen hat, selbst der Polizeipräfekt anwesend war, ziemlich küh( ganz akademisch schablonenhaft. .Man fühlte der ganzer, Feier-an, daß sie nichts mehr als ein Akt.des Taktes, als die Erfüllung einer Anstandspflicht sein sollte. Der Präsi, dent der Republik Millerand hielt, vielimehr las sein, Rede nicht als Präsident, sondern. Äs Madsmiker, und di, Rede war auch danach. Das größte Jutereffe erweckte -de, letzte Redner Maurice Bar res, der bekannte PoMsch. publizistische Vertreter des nrilitanteu Katholizismus, der sich bemühte, so objektiv als möglich zu sein. Er glaubt^ sich rechtfertigen zu müffen, daß er als Redner bei dieser Feier figuriert. Barr es enlwdigte sich ziemlich geschickt dieser Ausgabe, denn er sprach von Renan fast ausschließlich als demjenigen, dem es gelungen sei, in einer gleichgülttger, Generation die Neugierde und das Interesse für-die großen Phasen der Religion zu erwecken. Er schilderte das Zeitalter des Auftretens Renans, jener Generation, welche nach denj Verlassen der Schulbank. sich um die Ideen und die Ge, schichte des Ehristentums nicht mehr gekümmert habe. Diy Werke Renans haben jedoch mit einem Schlage die dre, Jahrhunderte der Anfänge des Christentums in den Mittel-, Punkt des Interesses -gerückt und schon damit der Sach^ der Religion große'Dienste erwiesen. Allerdings muß auch Barres. zugeben, daß Renan über die Apostel sich ironisch .äußerte und ihre Bedeutung und Gestalt herabwüMgte, aber Renan sah in ihnen Menschen, er vermenschlichte sie, .und habe auf diese Weise die große Entfernung, in welche die offiziell Schule der Religionsphilosophie auch hie Begründer des Christentums gerückt hatte, wohltuend überbrückt. Großes Aussehen erregte eine Redewendung Barres, in der er sagte, es sei eine große Frage, wessen Tat besser? und dankenswerter war, die Stellungnahme der offiziellen Religionsgeschichte, die die Apostel aus großer Entfernung zeigte und sie als übermenschlich groß hinstellte,, oder Renan, .als er ihnen kleinere Maße gab, aber sie dafür näher brachte und in ihnen den Menschen ausdeckte. Die Rede Barres bildet bereits den Gegenstand scharfer Arrsemandersetzungen in der Presse der verschiedenen Richtungen. Verschlechterung im Bestchea Lenins. Moskau, 14. März. Rach einer Meldung . der' Russischen Tettgvaphen-Agentur hat sich der GestlndheitszilstanL» L c< n i n s, der sich Mitte DezenMr voll der Leitung der Regierungsgsschäfte mfolge erneuter Anzeichen ' einer. Ueberarbeitung hatte zurückziehen.nrüssen, in den leßten Tagen fühlbar verschlechtert, so daß die Sowjetregievung sich zur Herausgabe täglicher Bulletins entschlossen hat. Nach den Billletins vom 12. und 13. d. sollen Symptome einer Störung des Bluttreislauses ausgetreten sein, ferner eine leichte Lähmung der rechten Hand, auch die Sprache soll in Mtleidenschast gezogen sein. Ein arabischer Staatenbaab. London, 13. März. (Reuter.) Abgeordnete der a rab^ scheu Völker haben in einer hier abgehaltenen Versammlung beschlossen, den Versuch zu unternehmen, die Einheit a l l e r a r ab i s che n Völker zu verwirklichen und dieses Ziel durch den Abschluß von Abmachungen zu erreichen, in denen sich die einz-elnen Vertragsteile gegenseitig Unabhängigkeit und Integrität Zusagen und wonach sie gleichzeitig in ihrer Gesamtheit einem Staatsnbundbilden. Für die gemeinsamen Angelegenheiten, besonders die auswärtigen Beziehungen soll ein Bundesrat sorgen. Aus aller Welt, Hamburg, 11. März. Bei dem Großfeuer in HanMvg» durch das der englische Dcmchser „Benveunto" fast völlig der» nichlet wurde, ist auch in den MWeuLagern von Helm im Hamburger Hasen sin Ri-esenbrand ausgebrochen. Graz^ 14. März. Der durch, mehrere Tage geführte.Pwzetz gegen die der Teilnahme an den Unmhen in Judenvü'rg angall>g!en Arbeiter endete mi' der Vemrteilung aller Angeklagten bis auf einen, der freigesprochen wurde; die Strafen bewegen sich zwischen sechs Wochen und sechs Monaten Kerker. Unser Prinzip: Gut rScHjffmann 41., TatoorstraBe 48 Telenhnn 47-1-79 En gres En detail v ■'

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