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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-14 · Heft 1467 (14.3.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1467 (14.3.1923)
Date
1923-03-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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I Sette 4 Men, Mttwoch Wiener Morgenzeitung. 14. März 1923 R» 1483 Lschecho-Elowakei. 9er Streik km Sstrauer Revier. Prag, 18. März. (Dschecho-sivw. Pr.-B.) Me auS Mih» tffdMDftwm gemeldet wird herrscht im ganzen, Revier Ruhe. Der Streik trifft mSbeifvackere die BergweÄWetvre>be sel'bst fühlbar/ da bet jjdiojttk KoWnvvrrait im Revier narr für zwei Tage reicht. In der heutigen Konferenz des AentüaPvSircmSfchuffes sei bsschloffen worden» Freitag mit einem schärferen Vorgehen eir^usetzen, falls bis Downerstag keine befriedigende Antwort auf die gemachten Vorschläge einlanfe. Sie koalierte« BergarbeiterverbSnde und der Sstrauer Streik. Prag, 13. März. (Tfchecho-flow. Pr.-Bur.) ' Die koalierten Bergarbeiterverbände veröffentlichen ein Communiqne, worin es heißt: Die koalierten Bergarbeiterverbände b i l I i g e n das Vorgehen der Bergarbeiter rm Ostvaü- Karwiner Revier und erklären sich mit ihnen im jetzigen Kampf solidarisch. Ueber das weitere Vorgehen in den übrigen Revieren wird die R e i.ch s k o n f e r e n z der Berater der koalierten Bergarbeiterverbände, die für Samstag nach Prag omberufen ist, entscheiden. Staat umd Kirche. Prag, 13. März. Die „Lidove Novinh" erfahren, daß frch Minister S ch r a m e k zu Ostern nach Rom begeben wird, um den Standpunkt'des Vatikans bezüglich einzelner Fragen, die mit der Regelung des Verhältnisses von Staat und Kirche znsamnterchängen, kennen zu lernen.. Zugsslatvie«. Kn verhafteter kommunistischer Agitator. Belgrad, 13. März. (Ävala.) Die Polizei hat den bulgarischen Abgeordneten'Nikola Pegew, der vor fünf Tagen hier angekormnen war, um anläßlich der am 18. d. stattfindenden Wahlen im Interesse der jugoslawischen kommu- 'nisttschen Partei eine A g i t a t i o n M entfalten, v e rchaftet. Aus den 'bei ihm Vorgefundenen Dokumenten geht hervor, daß zwischen den bulgarischen und den' jugoslawischen Komnmrnften eine systematische Verbindung belleht. . Matemische Rowöies. Budapest, 13. Mä^. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) lFm Gebäude der Tierärztlichen Hochschule, wo ein Teil der ehemaligen Preßburger ungarischen Universität untergebracht ist, kam es Montag abends wieder zu. Prügelszenen, deren Opfer die jüdischen Hörer dieser Hochschule -waren. Wie schon dreimal in diesem Semester, griffen mit K n ü t t e l n und Totschlägern bewaffnete Erwachende Hochschüler ihre jüdischen Kollegen im unbeleuchteten Garten der Schule an und prügelten sie blutig. 'Zehn jüdffche Hochschüler blieben verwundet liegen, den übrigen gelang es, mit-nicht unerheblichen Verwundungen davonzukomwen. Sie mußten aber ihre-Bücher und Instrumente zurücklassen, welche dann von den Angreifern mitgenommen würden. - Es ist bemerkenswert, daß das Rektorat der Tierärztlichen Hochschule trotz mehrfacher Intervention - der Universität die Beleuchtung des Gartens nicht in Ordnung bringen lassen will und auf dieser Weise die Schlägereien sozusagen begünstigt. Die bisherigen Beschwerden der Angegriffenen blieben erfolglos, obwohl sie in der Lage waren, einige ihrer Angreifer namhaft zu machen, von den anderen genaue Pevsonsbeschreibungen -zu geben. '. Pole«. ' Jie oftgalizische Frage. Warschau, 13. März. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Außenminister S k r z h n s k i ist nach Paris abgerefft, um beim Botschafterrat in ' ll^nheit der osigaWschen Frage, deren Losung, wie bereits gemeldet, verschoben wurde, zu intervenieren. Zwecks Unterstützung der Aktion des Außenministeriums hat der Klub der ukrainischen Abgeordneten aus Ostgalizien an den Ministerpräsidenten Sikorski ein Schreiben gerichtet, in dem festgestellt wird, daß die Regelung der ostgalizischen Frage eine innere Frage Polens sei. Die polnische Regierung habe bereits Schritte eingeleitet, um diese innere Frage zu regeln,, indem sie sich -bestrebe, die von genanntem Klub vorgelegten Forderungen zu realisieren. In demselben Schreiben stellt der ukrainische Klub fest, daß er,keine Verantwortung für die Schritte der P e t r u s z e w i e z - Regierung übernehme. Er erkläre jedoch fthte Bereitschaft, dem Botschafterrat mit Informationen über Ostgalizien, und zwar durch Vermittlung des polnischen Gesandten "in Paris, des Grasen Zamojski, zu dienen. mentÄlubS in Sachen der Flü chtlingsauSweisungen bestellt. Zugleich mit der jüdischen Interpellation wollen die Rationaldemokraten wegen einer Verschärfung der Maßnahmen gegen die Flüchtlinge interpellieren. Die Diskussion in der Vollsitzung der Kommission wird erst in drei Wochen erwartet. Vor dem Plenum des Sejm dürste die Frage erst im S o m m e r zur Sprache kommen. Die Hoffnung auf parlamentarischem Wege, die Zwangsausweisungen gegen die Flüchtlinge abzuschaffen oder zu mildern, ist sehr problematisch geworden. > Sie llaiverfitiit Krakau u»v der Numerus tlmtftss. Aus Krakau wird uns gemeldet: Die philosophische Fakultät der..Krakauer Universität hat sich' g ege n die Einführung des R u m e r u s clausus ausgesprochen.. Die medizinische Fakultät, akzeptierte dagegen einstimmig die Einführung eines Rwrnebus clausus. Die juridische Fakultät sprach sich für die Einführung des Numerus clausus aus rmd vertrat den Standpunkt, -daß der NumruZ'clausus auf legalent Woge, uud zwar.durch die Ä e n d e r u ng d er Be rfas suug 8b e st i m m u n g e n, 'durchgesührt ^-werden könne. I WSftiin. Sie englisch-arabischen Beziehungen. London, 10. März. (I. C. B.) Wie der Londoner I. C. B.-Redaktian mitgeteilt wird, nähern sich die gegen-. wartig in London statffindenden Unterhandlungen mit dem Sondergesandten des Königs Hussein von Hedjas, Dr. Naji, wegen der Zukunft der arabischen Staaten dem Ende. Es'wird ein Vertragsentwurf zwischen Großbritannien und Hedjas vorbereitet, den Dr. Naji, der sich demnächst nach Hedjas begibt, dem König Huffein unterbreiten wird. In öem Vertragsentwurf ist mit keinem.Worte von Palästina die Rede. - Sie arabische Delegation von London abgereift. ' Loydon, 13. März. (I. C. B.) Die palästinensischarabische. . Delegation hat London verlassen, um sich nach Palästina zu begeben. Der Präsident der Delegation sandte der Londoner Presse die MitteUung zu, daß die Delegation in etwa drei Monaten nach London zurückkehren wich, um hier ihre Tätigkeit fortzusetzen. (Die Delegation hat bekanntlich in London kernerlä Erfolge gehabt.) Die Wischen Einwanderer. . Ans London Meldet I. C. B.: Sir F. Sandorfon fragte im Unterhaus den Unterstaaissekretär der Kolonien, wie groß die Zahl der englischen und amerikanischen Staatsangehörigen unter den jüdischen Einwanderern nach .Palästina sei und wie sich überhaupt die Einwanderer nach ihrer Staatsangehörigkeit zusammensetzen. Der Unterstaatssekretär der Kolonien Ormsbh G ore erwiderte: Die Zusammensetzung der jüdischen Einwanderer in Palästina nach ihrer Staatsangehörigkeit in der Zeit vom September'1920 bis Dezember 192^ wurde vom früheren Staatssekretär der Kolonien am 14. März 1921 bereits mrtgeteilt. Die enffprechenden Zahlen in der Zeit vom Jänner 1922 bis Dezember desselben Jahres sind: Englische Staatsangehörige 0,4 Prozent, amerränische 2 Prozent, polnische 41 Prozent, russische 9 Prozent, ukrainische 14 Prozent, rumänische 12 Prozent, letÜändffche 3 Prozent, österreichische 2 Prozent, ägyptische s Prozent, Staatsangehörige der asiatischen Staaten 2 Prozent, andere Staatsangehörige 9,6 Prozent. Rundschau. Ire FMchtlingssmge vor dem Sesm. Warschau, 11. März. (I. E. B.) Die Verwaltungsfommission -des Sejm hat den Deputierten I. Grünbaum Mm Referenten über die Interpellation des jüdischen Palla-« Am aller Wett. Laibach. 18. Matz. Ir.« Tomcknge (Jugoslawien) hqs der Bauernsohn Jagodnik seine, Eltern ermordet und sich dann erhängt, well sein Vater ihn wegen Schmuggels ange^ .zeigt hatte. Dublin, 18. März. In der Grafschaft Kerry fft eiru Mn.-e explodiert, wobei fünf gefangene Ausständische. 2 Offiziere getötet und 7 Soldaten verwundet wurden. London», 13. März. In Amerika bat ein Wirbelstnrn in mehreren »Städten Verheerungen angerichtet. In Pinson (Tennessee) wurden 20 Personen getötet, 75 verwundet BO Häuser zerstört. . Hamburg, 18. März. Der Dampfer „Berdenute" ff m Brand geraten. Das Feuer konnte noch nicht gelöscht werden. Budapest, 13. März. Der gewesene Generalstabsches der Roten Armee Aurel Ström selb bleib: ln Haft. London, 13. März. Die Gräfin W aswich hat der Arbeiterpartei ihr Schloß in der Grasich.ffi Essex zurfreien - Verfügung gestellt, um darin sozialistische Konferer.-zen abzn. halten. Straßenuuruheu in Barcelona. Barcelona, 13. März. (Havas.) Zwischen Syndikalisten und der Polizei fft es zu Z u s a m m e n st ö ß e n gekommen, wobei Schüsse gewechselt wurden. Zehn Personen wurden verletzt, darunter drei schwer. Die -Polizei hat zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Syriens Schicksal. Aus London wird gemeldet: Der Korrespondent des ,/D.aUy Telegraph" will erfahren^haben, daß srantzvisisch« BerstärEungen nach Syrien untenwegs? sind und daß General Gvuraud selbst nach Syrien zurückkchrt. Die framzösffchen MWäekvrffe sollen über die. Lage in Syrien beunruhigt sein, da mehrere Symptome dafür sprechen, daß eine intensiv arbeitende türkische Propaganda einen Guerillakampf für das kommende Frühjahr vorderes bet. Ms offizieller Grund der Truppensendung wird angegeben, daß die in Syrien stationierMden Truppen komplettiert 'werden sollen. . Sie Zionisten Polens gegen die Whawmg des Kongreffes in Sanzig. Aus Warschau wird uns ■ telegraphiert: In der letzten Sitzung des Zion ist «scheu Zentralkom itees wurde die Frage des nächsten Kongresses erörtert. Die Sitzung hat sich etlfftimnrig gegen die Abhaltung des nächsten Kongresses in Danzig ausgesprochen. Bon dem BcschibuW wurde bereits-die Londoner ExeAftive verständigt. Für den 18. d wurde der Zionistische Partei rat, . M dom auch Nahum S okolow telluedmen wird, embenffen. Zagesbericht. Eine Revolstionsaurftülnng im Wiener Rat« Hanse. Zur Erinnerung an die März- und OltoSerereignisse 1818. In den Räumen des Historischen Museums der Stadt: Wien im Neuen Rathause fand gestern vormittags in Anwe«! senheit prominenter Persönlichkeiten durch den Bürgermeisterj R e u nra n n die Eröffnung der „Revolutionsausstellung" statt,! welche das städtische Museum anläßlich der 76jährigen Wie-! derkehv' der „48er" Revolution veranstaltet hat. Nachdem dorl Bürgermeister in einer schwungvollen, von echter Menschenliebe erfüllten Rede die Bedeutung der damaligen Ereignisse und! Kämpfe geschildert hatte, traten die Gäste, unter denen sich auch! der Sohn des Freiheitssängers und. Legionärs Ludwig August! Frankl, Herr Dr. -Frankl, befand, den Rundgang durch die in! vier Sälen befindliche Ausstellung an. Es muß vorweg gesagt! werden, sie ist ungemein" interessant und lehrreich zugleich.! Wäre es aber möglich gewesen, das ganze im Besitze düS> Museums befindliche Material, das auf. die Revolutionstagei Bezug hat, unterzubringen, so wäre, wie der Museumsdirektori Dr. Trost meinte, ein fünfmal so großer Raum nötig gewesen-! Immerhin, was man zu schen bekommt, ist interessant und! läßt genügend den Geist erkennen, von dem zu jene^ Zeit die! Wiener beherrscht waren. Gleich im e rst e n Saale sehen wir die führenden Per», sönftchkeiten jener historffchett Tage, die Träger des Sieges) und der N i e d e r l a g e. Neben den leitenden Männern des^ juridisch-politischen Lesevereins als Legionäre prmtgen in ernärl Ecke, der „reaktionären Ecke", wie jemand sarkastisch bemerkt,) die Porträts des Kaiserpaares, des Erzherzogs Franz Josef,! des Grafen Kolowrat Und die Büste Metternichs. Von der) Stirnwand grüßt ein großes Oelporträt Adolf Fischhofs-! der immer wieder auf Kupferstichen als Legionär und Führer! wiederkehrt. Packend ist das Bill) des Volksdichters Friedrich! Kaisers, wie er als Legionärhduptmann beim Kampfe ander Taborbrücke die bewilligte Konstitusion verliest. Der zweite Raum gestaltet sich lebhafter. Er zeigt n. Stichen und Oelgemälden die Vorfälle vom Mai bis Septem-) ber; die Stürmpetition vom 16. Mai, die-Barrikade vom- 26. Mai und die Sitzung des Reichstages im Juli. . Der dritte Saal zeigt uns Plötzlich ganz andere Bilder., Die Herrlichkeit der siegreichen Revolution ist vorüber, der Zu-! s a m m e n b r u ch naht. Ein Gemälde schildert in packenderj Weise die Ereignisse vom 6. Oktober, ^andere die Belagerung Wiens, die heroische Verteidigung und endlich die Eroberung der revoltierenden Haupfftadt. In diesem Saale finden wir zahlreiche Schaukästen mit Briefen, Manuskripten und anderen Erinnerungsgegenständen von den fänden der Opfer der Reaktion, von Robert Blum, Messenhauser, Dr. Becher. Von hen vielen Flugblättern fallen viele durch ihren werkwür-! digen Stil auf. Eines führt den Titel: „Hans Kudlich, der) Bauernpeglücker — ein Wort zur rechten Zeit bei Gelegenheit) des-dem Obigen von den Landleuten der nahen Und .fernen! Umgebung von Wien dargebrachten Fackelzuges", ferner die! Rede des Rabbiners«I. N.'M annheimer am Grabe der! Märzgefallenen. Da heißt es, daß aer jüdische Seelsorger am; Grdbe als Erster sprechen müßte, um zu zeigen, daß cmch auf; konfessionellem Gebffte die Schranken gefallen seien. Wir sehen! weiter eine Freiheitsrede des ungarischen Ministers Ludwig!- Kossuth, deutsch vorgetragen von dem Juristen Putz aus^ Tirol am 13. März am Brunnen im Hose des Ständehauses,; ferner die Rede des Feldkaplans Professor F ü st e r am Grabe' der Märzgefallenen. Autogramme von Messen haus ervseine Kuupmachungen und seine Taschenuhr. Interessant ist sein: letzter Befehl, den er wenige Stunden vor seinem Tode er-; gehen ließ und der da lautet: „Das Feuer ist überall) ein zu fiel len." Der Befehl kam bekanntilch zu spät für! die Rettung Wiens, so daß die Ereignisse ihren unglücklichen! Lauf-nahmen. Ebenso interessant sind die vielen Erinnerungen! an Robert Blum, die einen großen Platz einnehmen. Die traurigen Eindrücke, die man in diesem Saale erhält^ werden im vierten ,Saale erfteulicherweise verwischt. Wir bq-! obachten hier di oft heiteren und ernster; Eindrücke, welche die Revolution auf das geistige Leben, auf Dichtung, Musik und darstellende Ärmst ausgelöst , hat. Aus der Fülle des Materials! heben wir hervor: Das berühmte Gedicht. Ludwig August) Frgnkls. „Die Universität", das etwa zwanzigmal komponiert wurde, unter anderen: auch, was weniger bekannt ist, von dem jungen Le sch eti-tz ky; Kompositionen von Strauß, Väter unq Sohn, Akten des Bnrgtheaters, und als besonderes Kuriosum den ersten Druck von Richard Wagners Gedicht „Gruß aus Sachsen au die Wiener". Zwei große Käst ensmd gefüllt nt Leitungen aller Art-—, Eintagsfliegen—, die wie Pilze an van** Jm rTÄmnsffl es.triw.w

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