Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1464 (11.3.1923)
- Date
- 1923-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m IML . ' , WM, TöMtag ■ ---- --- I;— Samstag bis 6 Uhr geöffnet ImW2enJl *tnmarfct aZ&fimi^mßzßrk j'iitiJMmkifo.vA , /! zeitig einem ihnen entsprechenden Berufe zuzuführen und die »Mittelschulen von einem Ballast zu befreien, der ihr Niveau^! naturgemäß herabsetzt.!., Unsere Lehranstalten sind von idealere Zuständen noch!sehr weit entfernt. Um sie aber ihrer wahren Bestimmung zuj zuführen, Erziehungsschulen für die ■ künftigen intellektuellen;Kräfte des Volkes zu sein und ganze, lebensfrohe und tüch- 'i tige, auf der.Höhe zeitgenössischer Bildung stehende, von Dünkel lund chauvinistischer Beschränktheit freie Menschen ins Leben , j hinauszuschicken, däzu gehört eine gründliche Reform des 'ganzen Systems, eine Revision des Berechtigungswesens, das jzum Beispiel einem Eisenbahnschalterkassier das Studium der! Trigonometrie als Vorbedingung ausnötigt, und nicht zuletzt! die Erkenntnis, daß Schulreform in erster Reihe bei. den lLehrern ihren Anfang machest muß. Die Rückkehr zur alten > Matura ist nicht der Weg, der zu jenen Zielen sichren kann. '.Das Ziel selbst aber ist deutlich und ein Blick auf den Geist,! der die Hochschuljugend beseelt, genügt,, um zu erkennen, woran es fehlt! / . . , " Ser „Lalmudienner" der Reichspost. Man schreibt uns: Die „Re-ichZpost" läßt sich von ebnem .„TÄliwuÄkenner" Mtteibungen iiber die Borfchviften machen, iWe cmgeiblilch der Talmud den Juden für die Purimfeier dekretiert. Gegenüber diesen Auslassungen ist mit jedem Zwetifsl .!äwb jode Zwaidsutigbeit ausschließenden BesüinmrtheÄ zu er- Mren, >daß der famose Talmuhkenner 'der „Raichspost" ein ifrecher. Lügner, eÄr Fälscher und Verl-euander 'ist. Der. „DailumLÄenner" der „Ntzichspost" . beginnt Mit 'der ^Beristchevlmg, der Pnrim sei der Tag, ,M dom jeder Jude Mach den Vorschriften' dos Talmud alle MchMlden mit gräßilichen Verwünschungen und Drvhmdgen bedeM". Das ist eine 'Lüge! Im Dccknud ist auch nicht die leiiseste Spur von einer : soilchen Vorschrift z»u 'entdecken: Fast würden wir es wagen, selbst den Herrn Professor Nivard SchWgl als Gewährsmann ifür diese unsere Behcmptlmg anzrurufen. . Wellers berichtet der „Talmtidkenner": . . Nach 'der -Verlosung der Mozilla ist zu sprechen: . . . VerGucht selten alle Götzendiener (d. i. N-ichtjuhrn)." Wr wollen uns bei der schuifiigen Eskamotoge, die. im Handumdrehen aus „GötzeMeuern," ,>Nichtjuden" macht, nicht weiter «ushalten. Nicht cito* 'darum, weil eine solche EsVaanoi'age nicht unter Umstäinlden den. Versuch Mer vevbrecheriischen AusreHzurig gegen die JU'den en'thiolte, sondern aus dem einfachen Grunde, tveil der infame '„TalmuAkMirer" der. „Reichspost" auch die ,-verachten Götzendiener" nicht in den. PurÄNVouschviften des Dcrlaimd vorgeifuulden, sondern mit frecher Stirne in dies-vllben hmdingologen hat. In einMN Punkte muffen wir allerdings dorn „Dwlanuldkeuner" der „Reichspost" das Zugeständnis machen, daß er nicht gelogen/nicht gefälscht, nicht vevlonmdet hat. Ja,'es ist wa«hr, nach der Verlesung der Mozilla ist — nach dein Talmud — zu sprechen: „Verflucht sei Haman, gesegnet sei Atordochai, verflucht sei Seresch, gesegnet sei Esther!" Es ist Nicht zu lülWien: Nach. dmn Talmud soll dichsr Much Haman treffen, dieses blutrünstige llugehoner, das^ die Vernichtung eures ganze,'. DoWes plante! Dieser Fluch galt auch der ihm gleichgestmwen Gattin, die ihm noch den besonders zarten Rat ge-!geben hatte, einen fünfzig Ellen höhen Galgen siir den Inden Mordochai zu erriichten, der sich vor dem UiiaffenmoMnstigen Minister nicht beiugen wollte. Wir begreifen es, daß die Hamaüisien. der „Reichsipoist", zu denen «der famose „TalmMönuer" des Ma«ttes sicherlich, in erster Reihe zählt, Nicht erbaut davon sind, daß der Täbirmd für ihren geistigen Ahnherrn keine Segenswünsche kennt, obwohl es. im Alten Testament von den Feinden Israels heißt: „Mögen jene fluchen, du aber segne!" Es geht geigen die menschliche Natur, Nicht domAndeniken eines Manms zu stuchen, der, ive'il m soiner persönlichen Eitelkeit verletzt, alle Glmtbensgonvffen seines Belkeiidi'- gers niedevmetzeln lassen wollte! Die edlen Hunmmsten dor „RelichSpost", die . so viel sympathische Nachsicht für die Hakenkreuzljüngvinge haben, die nett Gummilnütteln über harmlose Besucher «luer wrssenschafÄichen Vorlesung hevfallen, verübeln!es dem Talmud, daß er Nicht auch für Hänmn «mrd seine Genossen so.zarte EmpsiNdungen mrfbvachte. Aber das dürste, doch iden „Daimudkenirer" der „Rdichspast" nicht zu solch schamlosen Äugen, Fälschungen und Verleumdungen des Talmuds veran- ^lassen! Wir würden es vielleicht als eine zu strenge Strafe erachten, wenn diesem! ,Iälmuldkenuer", der in den Niederungen der ,M>chsPost" mit solchen Mitteln seilte Juldenhetze betreibt, enre . fünfzig Ellen betragende Echölhung a la Hcvmxm znteiiil würde, aber wit möchten doch nicht a^uken: Gastgwet sei die Hand, die {o!tö* Lidoeu. schreibt! . Eao, Wiener Morgenzeitung. , 11. März 1923 '. Seite 7 erstlclasLlger (ZusUtat unck ^uskührung bei SsWSm, Gsnuninränfelfabrik, Vien III, Beatrixgasse 26 Tel. 585 Ifaamarkt 7 Ansländer Exporteure kaufen am vorteilhaftesten «CSUIIBRMMMMNMMmHMBIflBEfataianHB UMWcher Parteirat. 1 >^iür beit 11. d., haW 3 Uhr nachmittags, wird der Pavtetrat einbemsert. Pie Sitzung findet im Sitzungssaals drS Landeskomitees, 2. Bez., Taborstraße 20 a, statt. Tagesordnung: ' 1. Die Mgellwävt.iye Lage im ZionisiPls. Referent Ing. Strick.er. \ , 2. Keren Hajessod. Raferelit Dr. Leopold^ S ofer. 3. Berichte' über die Tätigkeit in der verflossenen Arbeits- Periode. - 4. Everriuelles. ^, Wir fordern sänviliche Parteirai smitglieder auf, zu dieser Tagung zuverlässig zu erscheinen. Dr. N. M. GeMer m. p. Dr. Desidep Friedmann m. p. Km Msenerbschaft des Mm« HMffsd. Wie der Warschauer „Najer Hajut" von der zionistischen Leitung; erfahren, haben will, 'hat Georges S ch e m t o Ui m B a s r a (Mesopotamien) dem Keren Hajessod sein ganzes Vermögen iry Betrage von 140.000 Pfund Sterling hinterlaffen. PaWineuMe ErzevgMe mlf der Prager Meffe. Aus Prag wird uns gemeldet: Auf der diesjährigetl Prager Mustermeffe, welche in den nächsten Tagen eröffnet wird, wird eine intereffante Exposition palästinensischer, landwirtschaftlicher und rndristrieller Erzeuglnsse zu fehert fein, welche der Initiative 'des Hattdels- und Jndustriedepartoments der paläftinensischsn Zion i ft ischen Exekutive zu 'danken ist. Die Ausstellung wird durch die vorgeführten Waren und Muster zeigetr, was jüdische Arbeit und jüdisches Kapital in wenigen Jahren in Palästilra'geschaffen haben. Ferner soll sie dazu dienen, auf die Handelsbeziehungen zwischen der Tschecho-Slowakei und Palästina anregend zu wirken und zeigen, welche Awglichkeiten in. Palästina für Landwirtschäst, Industrie und Gewerbe 'besteheü. An der AussMmrg sind mehrere Fivnun lmt ihren Produkten beteiligt, unter anderem die Kremenecky Works in Jaffa, welche elektrische Batterien und Lampen ausstellen, die Silicate Gesellschaft von Tel-Awiw, welche verschiedenartige Ziegel erzeugt, ferner dje Palestine Textil Vorn Jcfffa. Andere Firmen bringen Marmelade, Honig, Schokolade, verschiedene Oele, Seifen, Kerzeir, MeMUsPlÄzeug und Stickereien zur Ausstellung. Mehrere Kolonien,, wie Sichrcm-Jakow, Rosch-Pinah stnd Mikweh- . Israel stellen Tabak/ Weine, Getränke und Olivenöl. aus. Von der bekannten Kunstgewerbeschule B e z a l e l in Jerusalem werden interessante Kameen zu. sehen sein, die Palestme Land Development Co. in Jerusalem zeigt in ihren Tabellen , die Möglichkeit des Bodenkausts. Jes Gatteumordversucher verdSchtts. 'Uinter dem schwsven Verdachte, an seiner Vlgenen Fra^. einen Gistmordversuch verübt Zu haben, wnnLe vorgestern der Mmrergchi'lse Johann K., in Erlcm wohnhaft, verhaftet und dem Bandesgevichte.eingetiefert. Der jmtge Möann ist das Opfer, seiiter Lsidünschaßt zu einer, anderen Frau. Wir erfahren über die Sache: Die ManrergeihiilfenZMttM Josefa K. hatte ^berm Polizei- Lo-NMfiffartiiat Msergrund. die Anizoiige erstattet, daß ihr Gatte im Verdachte steht, ihr durch Gift nach dem Leben getrachtet zu haben. Vor etwa einem halben Jahre hat er sein Verhalten scinor Fvaru Menüber geändert. Er Ee!b rrächteliantz' aus, beschimpfte di» Fvüiu oft und suchte, ihr förmlich geifliiffenMch dÜS LÄM zu Vevbittern. Frcm K. schöpfte Verdacht, daß ihr Mvmr ihr untren sei. Gümval nahm K. seine Frau nach Wiair mit,-und h«r lernte sie die Geliebte ihres Mannes, Frau Thorchm Sennen. Sie 'fand rine Anzahl von Briefen vor, aus. welchen sie den tenilichen Beweis sü^ die U-ntwüe KZ erhielt und in welchm.Ech -Stellen enthalte^ waren, vre den Wunsch K.s verrieten, sich seiner Frau durch Gift zu en scdlge-n, * Das Neueste ist... Dar Neueste ist nämlich die iatsächi liche Eignung. Sie^ist die Voraussetzung "'des erfolgreichem Stndiruns und sie muß daher auch vor der Aufnahme in di« technische Hochschule aufs genaueste, und grüirdlichste überprüft werden. Für diese Prüfung sind Sachverständige in Rassesrageu mobilisiert worden, die sich auf Nasen und andere'untrügljcha Merkmale spe-ziastsiert haben und mit. aller deutschen Gründlichkeit die tatsächliche Eignung feststellen. Bei der Universität scheint.man die Dache noch genaueren nehmen, denn dort wird die Erhebung >d« tatsächliÜM Eignung gleich an der Pforte ) mit dazil geeignetem seinen Meßinstrument (lies; Knüppel) vorgenommen. Wer sich äls Mitglied des Vereins „Teutsche« Suff" ausweisen kann, wird zngelassen. Daß ans diese Weise die Auslese der Tüchtigster? erfolgt, ist' klär. Weniger klar ist das, Verhältnis der tatsächlichen Eignung zu den „volkswirtschaftlichen Jlltcvessen". Man vermutet, daß diese Wendung eitler kür-stigen Wahlrede des Herrn Jerzabek entnommen wurde und daß eine solche Wahlrede für den Leiter eitler Wiener Hochschllle eine Fülle geistiger Anregungen enthält, ist ja ganz klar. Weniger klar ist die Ailgslegenhoit der zehn Prozerlt. Die zehn Prozellt stehen fest, nur weiß leider nienlänauf welche Gesamtheit sie sich beziehen — 'ein kleiner Schönheitsfehler dös Erlasses. Er soll darauf zurückzusichven seit:, daß die ^valtigen der Technik im Ueberstr'ölnen ihres beut> scheu Volksgesühls. vergessen haben, sich 6ie deiltsche Sprache anzneignen.?luf der Technischen Hochschule tveoden ja schließlich nur exakte Wissenschafteil 'gelehrt, und daß man., dazti dis deutsche Sprache nicht beherrschen mutz, ist ja Mnz klar. Weniger klar ist, wieviel sich der Herr Rektor von seilten Be-, schlüssen abhandeln lassen wird. Man sieht. 'der Entwicklung des Ktrhhandels mit Spannung entgegen. Denn .daß /der - teutsche Geist mit. sich reden laffcn wird, wenn das Ällsland mit seinen Hochschlllhilssaktionen sparsam wird, das ist ja ganz klar. Weniger klar ist allerdings, ob man die Methode, des Ueberfovderils von einem ostjüdischen Klerdechausierer oder von einer arischen Grünwarenhändlerin übernomnren hat. Aber daß llmn an der, Hochschule ein neues Fach eingesührt hat, die Technik des Drehs — das ist ja ganz klar. Kater Murr. * Falsche Gerüchte über den Pollzcipräsidenten Schober. In wehrerell Blättern hat die Nachricht ElWang gefunden^ daß PollZnpräsiden: Schober ausersthen sei, hie Präsidentell^ ' stelle der Unionbank zu übernehmen. Der Poilizeipräsidetst bititÄ. die Erklärung zur Kenntnis zu nehmen, .daß mit ihm in dieser Angelegeliheit überhaupt lltemanid FWumg gcinoim-, men hat und er selbst absolut nicht die Absicht helgt, einen derartigen, ihm ganz ferne liegenden Bernssposten ,je zu akzeptier n. Alle darüber veröreiteren Meldrmgeü und alle daran geknüpften Kombinationen sind glatte ErfMu'nigen. . v * Das 40jährige Doktorjubllärrm des Hofratss Doktor Frankfurter. Der Direktor der Wiener UmversitÄts!bMiothek,j Hpsiat Dr. Fvankisuvter. erhiM geistern ans Anilas; seines vierzigjähvigsn DoAovjubÄauMs das Wgende Schveilberr von dem mn der Lettnng des ülmcirichesamles betcaarten Bundes-, llr-inifter Dr. Schneider: „Wien, 10. März 1933. Sehr ge-f ■ ehrrer Herr Hofrar'. Der Dag, «cm welchem Sie die Vierzig, zigjährige GedelEfeier-der Evweöbuing des DMorgrades ibegehen, bietet mir die' ängawehrne BeEllvMkW. Ihnen -mein« herzlichsten und wärmsten' GWckwÄnlschecmZMspvechen. Es gereicht imir zur besonldevan Genmigtmmg, Jlmen Zugleich mit, teilen zu können, daß dr>r Herr BuindöspräsiderL Jhneil Mst Entschluß vorn heuitigen Tage den Titel emes Proßeissors ver«i liehetl «hat. Mit dem Ausdrucke' der dochüAWtLn Hochachtung 1 Ihr ergebenster Schmider m. p." In dieser am Wstri-gen- Dagz , erfolgten Auszeichnuing sillidet die auch im Auslände aners karrnte Üv-issenschasMche «nuld Literarische TätWe.i't auf dem Gebiete der klassischen ZliltertumswUenschasi und der Pädagogik ihre ehrenvolle MiüvdiMng. - . * Die Gemeinde Wien für das biologische Institut. Es ist kein Geheimnis, , daß. das biologische Institut im Prater, das, durch die Forschungen Professor Steinachs einen Weltruf erlangt hat, schon seit längerer'Zeit sich in finanziellen - Nöten befilldet. Im vorigen Jahre schon hatte die ©emchtbe Wien dem Institute eine Spende von zwei Millionetr Kronen xugetotefen, einen Betrag, der nach den damaligen Wertverhältnissen kein geringer war. Inzwischen hat sich °me Situativst oes Institutes neuerlich verschlechtert. Wie wir erfahren, wird. Bürgermeister Reumann, um die Existenz des berühmtest ' Institutes wenigstens für die nächste Zeit zu sichern, im Namen der Gemeinde ihm neuerlich eine Millionenspende widmen, die sich der heutigen Geldentwertung allpaßt. ' * Der Mord in der Sterngasse. Am Freitag fand daz ' Leichenbegängnis der ermordeten FvanzMa John statt. Jl)r«i nnglücklichen Lerufsg.'nos:rnncn. hatten -durch eine SaimlAulrü - nn.:.rr - sich eine Summe von dn i Milliomn «mfgebmch't^ durch die,die Kosten des. Leichenbegängnisses und e-ttres eigenen Grabes bestritten wurden. * Großer Kassencinbruch. Güstern Mchts haben Einbrecher in den Räumen der.Aniofavrik „Adler",-9. Bez., Mhanstraße Neiieröffnuiig S Das —. 4 V