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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-11 · Heft 1464 (11.3.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1464 (11.3.1923)
Date
1923-03-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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W. 1464 . Witn, Sonntag »» AMMeds Bezirk8Sektlon leopoldstadt "C B* Dienstag den 13. MIrz, 8 Uhr abends, Im * Cafe-Restaurant Central, ll., Taborstrasse 8A, J « Grosso jüdische i : Versammlung j 2 Redner: S J Oberbanrat Robert Strioker 2 S Gemeinderat Dr. Plaschkes ■ 2 Gemeinderat Br. Ehrlich ■ S Jüdische Mitbürger! Erscheinet zahlreich! ■ pnnnnim ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ Grenzregvlierung im Burgenland. Wien, 10. März. Entsprechend einer im österreichischungarischen Grenzregelungsausschuß getroffenen Vereinbarung fand am 8., beziehungsweise am 9. d. die^Uebergabe jener westlichen Grenzstrecken in den Sektionen B und C der burgenlandischen Grenze statt, die bisher noch nicht übergeben , worden waren. Diese Grenzstrecken umfassen die Gebietsteile, welche Gegenstand des Kompensationsabkommens mit Ungarn gebildet haben, sowie den Helenen-Schacht im Ge- «neindegebiet von Ritzing, der auf Grund einer Entscheidung öes Grenzregelungsausschusses an Oesterreich/fällt. Danach erscheint die Staatsgrenze in den Sektionen B und C, '-as heißt, vom Neusiedler See bis zum südlich-. Ken Punkt bei Toka, definitiv festgesetzt. Die,durch die interalliierte Generalskommission seinerzeit fixierte neutrale Zone hat somit in den genannten Sektionen zu bestehen aufzehört. _j Ungarn Ue Budlchester MorLgeseLschast. Pater Bonis, Hejjas und Pronay. Bukarest, 10.' März. Die Agentur Orient, Radio mel-- Itef! Die Führer der irredentistrschen ungarischen Vereinigung „Ebredo" versuchen noch immer, sich ihrer Verant- Portvichkeit zu entziehen, die auf ihnen lastet, indem sie ftlrgnon, daß zwischen ihnen und den Urhebern der Verschwörung gegen das rumänische Königspaar enge Bestehungen bestünden. Aus den Geständnissen sowie dür Zeugenaussagen geht jedoch folgendes klar hervor: Erstens, -er Plan ^u dem Attentat aus das Königspaar ist in Besprechungen gefaßt worden, an denen die bekannten Führer der Erwachenden Magyaren Pater Bonis, Dr. Daniel Sandor, Hejjas, Pro nah usw. terlnahmen. P r o n a y war. es,, der das' Mitglied der Debrecziner Sektion der Vereinigung Turoczy dem Barosz vorstellte, dev die -geheimen Fäden in Budapest. Barosz.inseiner Hand bereinigte. Letzterer hat Äuroczy beauftragt, das Attentat auszusuhren, nachdem dieser dm Treueid geleistet hatte. Barosz war es auch, der Turvczy und feine Komplicen die notigen. Gelder^ und die f a l s ch e n t s ch e- Wienev MobSenzellüng chischen Pässe eingehändigt hat, die den Prozeßakten beiliegen. Der Gchanke, das Attentat, im Bukarester Hypodrom. auszusuhren, ist von Barosz Men Ende August genehmigt worden., Er hat in Budapest im Vereinshaus^ selbst die Höllenmaschine.und die Ex.plosivkörper Ttr-z roczy übergeben und chm geschildert, wie er damit hantieren müsse. Es ist daher mehr alH erwiesen, , daß die hervorragendsten, Mitglieder der genannten irredentistischen Vereinigung die Führung bei dein Attentatsplan gegen das rumänische Herrscherpaar innehatten'und die Idee zu den: Verbrechen selbst von der Ebredo ausgegangen ist. @in „erwachender" Polireir^t als tzrvreffer. Budapest, 10. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeiümg".) Wie bereits gemeldet wurde der Polizeirat Julius Tarnay wegen Erpressung an einem jüdischen Kaufmann verhaftet und der Staatsanwaltschaft eingeliefert. Die Verhaftung hat in den Kreisen der Erwächenden Magyaren, deren eifriges Mitglied und Vorkämpfer Tarnay war, peinliches* Aufsehen hervorgerufen und das extrem-antisemitische Organ der Erwachenden Magyaren „A N e p" versuchte in einem Bericht, den verhafteten Erpresser als einen'Juden hinzustellen. Dieser Versuch endete aber mit einem kläglichen Fiasko. Die heutige. Rümmer des gewiß nicht judensreundlichm „Uj Nemzed e k" stellt nämlich auf Grund authentischer Daten fest, daß Tarnay einer vornehmen christlichen ungarischen Familie entstamme. Die Erpressungen Tarnahs drohen sich zu einer großen Skandalaffäre auszuwachsen! Die nnznfriedenrn Beamten. Budapest, 10. März. (Tel. der „Wr. Morgenzertung".) Der gestrige Ministerrat befaßte sich vorwiegend mit der Resolution der Staatsbeamten, die erklärt haben, daß sie hei ihren Lohnforderungen HUsharren und in erster Linie die Einsetzung einer paritätischen LohnkomMission wünschen. Der Ministerrat verwarf die Forderung der Staatsangestellten. Ministerpräsident Bethlen erklärte, daß das Memorandum der Staatsangestellten eigentlich ein U l t i m a t u m sei, dessen Ton die Rem iniszenzen der Revolutionszeiten erwecke. Der Ministerrat beschloß, sich das Beamtenabbauprogramm des Finanzmimsters zu eigen zu machen. Wen. Abermalige Verschiebung der Numerus klüusns- Frage im polnischen Sejm. Warschau, 10. März^ (I. C. B.) Der BiMngsausschüß des polnischen Sejm beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung abermals mit. dem natiönaldemokratischen Vorschlag wegen Einführung der Prozentnorm für Juden an der polnischen Hochschule. Der jMsche Deputierte Dr. Thon stellte den Antrag, die Abstimmung so lange II. Mrz lRz ' - ' «Ue»' KH! WJW W1BBBBB—m Schuhel mssaaas zu verschieben, bis in derr folgenden Fragen Aufflärung, geschasst« ist: 1. Wie ist das wirkliche A-hlenvechältniH zwischen den jüdischen und ven polnischen Studenten an allen Hochschulen, die' landwirtschaftlichen. Hochschulen und! das Polytechnikum mitinbegriffen? 2. Da laut § 86 be8, Schulgesetzes die Studentenzahl an gewissen Fakultäten, eingeschränkt werden kann, soll untersucht werden, wieviel! JMn auf Grund dieser Beschränkung bis jetzt zurückgewiesen wurden. Es besteht'nämlich die Erfahrung, bafy meist nur Juden zurückgewiesen werden. Da der Regierungsvertreter keine erschöpfende And.' wort auf Dr. Thons Fragen geben konnte, wurde Kv schlossen, die Frage bis zum 20. d. zu vertagen. AntisemMsche Aasschreiiungea in Kowno. Kowno, 9. März. (I. C. B.) Im Anschluß an oim Abstimmung im litauischen Sejm,' welche die Wahl eines jüdischen Deputierlelr in das Sekretariat abgelehnt hatte, zog eine Menge von Demonstranten aus dem Sejmgebäude in die besonders von Juden bewohnten Straßen und schlug , in den jüdischen Geschäften die Scheiben ein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte ftch große Panik. Bald waren in der ganzen Stadt die jüdischen Geschäfte geschlossen. Die Polizei verhaftete einige der Exzedenten, doch wurden diese aus dem Wege zur Kommandantur auf eine kategorische Aufforderung litauischer Offi», ziere, die drohten, von den Waffen. Gebrauch zu machen, wieder aus freien Fuß gesetzt. Valästim. Sie neuen Handelsviertel inüaffa, Jerusalem und Haifa. Der Bau des neuen Handelsvrertels in Tel-Awiw an der Sarona-Nablus-Chnussee ist zu einem großen Teile erfolgwich durchgeführt. Das /Terrain enthält 1300 Meter neue Straßen, die, vom Misrad Laawodoth Ziburioth Binjan der Histraduth Haklalich ausgeführt, vorzüglich chauffiert sind. Unter ihnen die 16 Meter breite. Verlängerung der Herzl-Sivaße nrit 160 Meter Länge, welche jetzt noch weitergeführt wird. Die Geschäftshausbauten an dieser Straße sind zum größten Teil nach Entwürfen des Architekten Alexänder Levy mit dem' wundervollen Material des Jerusalemer Kalksteins ausgeführt und die ersten Unser Prinzip: Gut und billig WiM'Schiffmann raborstraOe Telephon 47-1-73 En gros En detail Nasse und Volkszählung. Hit Zugrundelegung des in der jüdischen Tischgesellschaft ^Innere Stadt" am 21. Februar 1923 gehaltenen Vortrages von Dr. Siegmund Kornfeld. „Mit der Frage der Raste" — hier will ich einen der klefften und zugleich vornehmsten Denker sprechen lasten, dessen Zugehörigkeit zum deutschen Volke niemals bestritten wurde, Hermann Latze -— „betreten wir ein Gebiet, in welchem der bisherige Zustand unserer Kenntnisse uns nicht bloß keine Gewißheit, sondern häufig nicht einmal ein entschiedenes Urteil über die Wahrscheinlichkeit der Hypotheken gestattet, die wir wagen möchten." Schon die Frage, die den Ausgangspunkt der gesamten Rastcnproblerne bildet, ob die Rasten in naturwissenschaftlichem Sinne, als „Arten", „Spezies" oder als „Spielart", „Varietät" aufzufassen sind, ob demnach alle Menschenrassen nur Spielarten derselben Art, oder ob sie verschiedene Arten einer Gattung sind, ist noch ganz ungeklärt, und ebenso die damit zusammenhängende'Frage, ob alle Menschenrassen aus einem und demselben Nrstamme, oder ob sie aus mehreren Urstämmen hervorgegangen sind. Diese Ungeklärtheit steigert sich geradezu zur Verwirrung, wenn die, theoretischen Anschauungen ins Praktische umgesetzt, wenn die Einteilung des Menschengeschlechtes in Rassen nach bestimmten charakteristischen Merkmalen tatsächlich durchgeführt werden soll. Wie wenig Uebereinstimrnung hier herrscht, ergibt sich daraus, daß die Zahl der tatsächlich ausgestellten Gruppen zwischen zwei und sechzig-schwankt, und wie verläßlich die für die Rastenzugehörigkeit entscheidenden Kriterien sind, zeigen die vielen Ausnahmen und die gewaltsamen Unterbringungen, ohne die es nicht abgeht. Seitdem die Frage der Menschenrassen ein wissenschaftliches Problem. ist — von dilettantischen Versuchen darf man füglich absehen —. seitdem eine Linnee, . ein Kant, Naturforscher wie Blumenbach, C u v i e r, Huxley,.Hackel, Sprachforscher wie Wilhelm v. Humb o l d t, S1 e i n t h a l, Fr. M ü 11 e t, Ethnographen wie Peschel, Ratzel sich mit diesem Problem beschäftigt und die wissenschaftlichen Grundlagen der Anthropologie durch die Arbeiten eines Retzi^rs, Virchow und andere ausgebaut -und, eigens anthropologische Gesellschaften in, allen Kultur- 'staaten zur Konzentrierung der wissenschaftlichen Forschung -Mf dieseur Gebiete entstanden sind.-sind immer n«»ue Einteilungen der Menschenrassen versucht worden und neue Krikerien der Unterscheidung aufgestellt worden. Aber noch immer gelten die Worte, dje Lotze mit.Bezug auf die fünf Rasten Blumenbachs gesprochen: „Wir müssen zugeben, daß nur wenige Züge, der gezeichneten typischen Bilder eine allgemeine Gültigkeit für die sehr mannigfachen Gestalten besitzen, welche wir doch im Laufe der Dinge wirklich sich innerhalb einer und derselben Raste entwickeln sehen. Nicht ohne/Zutat unserer Phantasie von zweifelhaft.er Berechtigung haben wir n u r Idealbilder entworfen. . . Wie daher die zahlreichen Zwischenförmen, die keinem der gezeichneten Bilder völlig sich uNterordnen lassen, ihnen anzureihen sein mögen, welche Gestaltungen als Kreuzungen verschiedener Rassen, welche andere als klimatische Umwandlungen anznseheN sind: über diese Frage müssen wir die Entscheidung der speziell der-, gleichenden Ethnographie und - wahrscheinlich einer viel späteren Zukunft überlasten." J Es ist nun gewiß von großem Jnt.eresse für die Bewertung der. „durchgreifenden" Unterscheidungsmerkmale der Rassen, daß 'die fortschreitende'Forschung dahin geführt hat, daß die „rote" oder indianische Rasse, die malaiische und die mongolischezusammen nur eine Raste bilden und daß innerhalb der einzelnen Rassen Annäherungen an die anderen stattfinden und Abschwächungen der typischen Merkmale Vorkommen. Keines der vielen als charakteristisch angesehenen Kennzeichen hat sich zur Scheidung der einzelnen Rassen konsequent durchführen lassen. Die von Retzius>dr,rchgeführte Einteilung in Langschädel (Dolichokephalen) und. Knrzschädel (Brachykephalen) hät zu der Wohl nur als-Witz zu wertenden Behauptung geführt, daß die, brachykephalen Möngolen vom Orang Utang, die.dolichokephalen Neger vom Schimpansen abstammen, gber sie hat nicht zur strengen- Scheidung der langschädeligen äthiopischem und der kurzschädeligen mongolischen Rasse hingereicht, indem von den ^Angehörigen der letzteren Rasse die . Eskimo, die Patagonier und von. den Malaien die Jgorsöten ausgesprochen dolichokephal sind. Bon den Kaukasiern sind es unter den Jndogermanen die Skandinavier, bei denen sich Dolichokephalie findet/ doch müssen sie diesen Vorzug mit den Semiten und den Hamiten teilen. . Nicht viel mehr hilft die Beschaffenheit der Haare; 'die Lockenhäarigkeit' ist wohl das Kennzeichen der als „Mittelländer" Zusammengefaßten Volksstämme und-kommt allen Europäern zu mit Ausnahme der der mongolischen Rasse angehörigen, welche zu den Straffhaarigen aäfclt, doch kommt sie auch den Drawidas zu, der dunklen. Urbevölkerung Indiens, dann den Nubiern und sogar den Polynesienr sowie den Maori auf Neuseelands Auch die' berühmte Einteilung der Kaukasier in blonde und brünette versagt; blond, sind-nur die Bewohner Skandinaviens, Schott-! lands und nur zum Teil die Nord§eutschlanys. Dem: die Zahl der Blonden ergab sich in Norddeutschland kaum höher als! 43 Prozent, in Süddeutschland yar nur 18 Prozent. Ueberdies' . sind Blonde auch in Palästina schon im Altertum nachge-! wiesen, nämlich die Amoriter, so daß auch dieses Merkmal,' zur Scheidung der „Germanen" und der Juden sich als hin-' fällig erweist. Es ist bis jetzt mit allen als charakteristisch hin-!- gestellten Rastenmerkmalen so gegangen, daß sie Zusammen-- gehöriges anseinanderreißen und Fremdartiges vereinigen.? Bei der Schwierigkeit, die als charakteristisch ausgestellten Rasserylnterschiede richtig zu werten — „wir wissen keineswegs, ob diesem ästhetischen (das heißt, sinnfälligen) Eindrücke,! dessen Macht wir empfinden, eine physiologische . Bedeutung! zukommt" sagt Loße ist in allen diesen Fragen die größte^ Vorsicht geboten. Hier zeigt sich der'sittliche Ernst des Forschers. in der peinlichen Gewissenhaftigkeit, mit der er will-, kürliche Konstruktionen vermeidet. Ein.Naturgesetz oder auch nur eine in der Natur gegebene Tatsache läßt sich nur auf-, finden, aber nicht e r f i.n d e n, und eine willkürlich ausgestellte oder erfundene Rafft läßt.sich selbst durch eine erdrückende Majorität in ihrer tatsächlichen Existenz nicht glaub-! würdiger machen. Der gegebenen Wirklichkeit, gegenüber hilft, keine Berufung auf Machtgefühle, kein Pochen selbst auf alle! , Erdenmacht, selbst dem Mächtigsten bleibt nur „die bange. ' Wahl", sich in Demut, also. mit Entänßerung seiner persönlichen Wünsche und mit Ablegung aller vorgefaßten Meiuun-! gen, um dft Erkenntnis der Wirklichkeit zu bemühen oder aust diese Erkenntnis^ zu verzichten. Das heiße Bemühen, die dor-. ,nen- und entsagungsvolle Arbeit im Dienste der Erkenntnis! der' Wirklichkeit durch--Majoritätsbeschlüsse ersetzen zu wollen/ ist eine Selbstverurteilung, ein. freiwilliges-. Ausscheiden aus! der Gemeinschaft der Kulturmenschheit. Der Versuch, über. Rastenfragen durch Majoritätsbeschluß etwas entscheiden zu wollen, beweist dieselbe intellektuelle und sittliche Höhe, wir der! vor nicht langer Zeit, von Vertretern der deutschen Studentenschaft gefaßte Beschluß, die Einst ei ns che Resativitätstheorie abfthuen zu' wollen.. / Bon diesem Gesichtspunkt sind auch bjc durch Man joritätsbeschluß oder durch Machtspruch angeordneten „st« tistischen Erhebungen" Zu beurteilen. Die "?'istik zählt jßj

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