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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-10 · Heft 1463 (10.3.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1463 (10.3.1923)
Date
1923-03-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Men, TcknSttg Genres orm verweiset werden müsst. Wenn also dem iWmlsche -er Erivachen-den -Mlgarischen Studenten Rechnung', -getragen werden soll, so müßte dieses Gesetz geändert wer- -den. Immerhin versprach auch Juftizminister Daruvary Len getreuen Knappen des christlichen Kurses, das Möglichste zu tun, um ihren Wünschen Rechnung tragen zu können. Re Arbeiteraurftönde. Budapest, 9. März. (Tel.-Komp.) Heute fanden unter" Vorsitz des Handelsministers B a l k o Vermittlungs- Verhandlungen zwischen Len Arbeitgebern und Arslbeitnehnrern aller Industriezweige statt, in denen gegenwärtig eine Lohnbewegung im Gange ist. Nach Beendigung -der Verhandlungen teilte der Minister mit, ' daß in der Ziegel- und Holzindustrie Aussicht auf eine Einigung bestehe. -Zwischen den Metallindujttieilen und chren Arbeitern ist jedoch eine Annäherung dev beiden Standpunkte vorläufig nicht erfolgt gnrd es wird daher rn dieser Branche noch mit einem l ä naeren Ausstand zu rechnen sein. RmnSnie«. Ne Bürgerrechte der Faden. Bukarest, 8. März. (I. C. B.) Die parlamentarische Merfaffungskommisfion beschloß über Antrag des ehemaligen Ministers Con staut in es cu die bisher in Geltung stehenden Dekretgesetze,über die Einbürgenu n g vonIuden b e i z u b e h a l t e n. (Das bedeutet, daß die jüdische Forderung nach Einverleibung der Dekrete in die Verfassung nicht erfüllt wurde.) Re Numerus rlausus-Hehe. Bukarest, 8. März. (I. C. B.) Die Delegierten' der rumänischen Studmtenschafi beschlossen, aus allen bisherigen Forderungen zu bestehen^und die Stndenterrschaft aus- -zufordern, sich zu keinen Prüfungen zu melden, -bis nicht die Frage des Numerus clausus in positivem Sinne gelöst sein wird. . Ae bisherigen Wahlergebnisse. Jerusalem, 8. März. (I. C. B.) Die 'Urwahlen ,tn Palästina, die am 28. Februar beendet werden sollten,, ftttb um eine Woche, das heißt bis zum 7, Mürz, verlängert worden. Am 28. Februar waren insgesamt 172 Wahlmänner, unter ihnen 89 Juden, gewählt. Bekanntlich wählen nach dem palästinensischen Wahlgesetz alle 200 lAvwähler einen Wahlmann, so daß die gewählten 172 Wahlmänner zirka 34.000 wahrend der Urwahlen abgegebenen Stimmen repräsentieren. Die Regierung hofft, daß . sich trotzdes arabischen Boykotts die Wahlbeteiligung bedeutend er höhen-wird. Mt kraftvolle Lebenswille kontrastiert grül mit der seelischen und moralischen.Kraftlosigkeit, mit der Indolenz und Indifferenz der Juden des 19. Jahrhunderts, aus deren Dumpfheit wie ein Wunder der echte Erbe einstiger innerer Größe, Agathon Geyer, als Haupbgchalt des eigentlichen Romans hervovgcht. ' Agachons Kampf .gilt dieser SeelenkosiMt, dieser „Intelligenz des Augenblickes, die von den verborgenen Werten der Dinge nichts weiß," diesen Götzen, deren Kirchen er leidenschaftlich niederb rennen lassen will. Er ist der Apostel eines neuen Judentums, so wie ,/Renata Fuchs" den neuen Typus des Christentums vorbereiten .und um seinetwillen leiden soll, und aus der Vereinigung beider muß dann der wahrhafte und selige Mensch erblühen. Diese meffianffchen Träume, in Menschen unserer Tage gestaltet, lassen Wassermann nicht mehr los. Doch gewinnen sie Nicht Form als beseligende Vorstellungen einer nahen oder fernen Zukunft, sondern ihre Vorboten stehen als Kämpfer inmitten der tieftragffchen Konflikte,;bie der Dichter erschaut. Wie kleinlich erscheint uns bei solcher Auffassung Wassermanns das Lob des Kritikers über diss glühende Farbenpracht im ,Mexa-nder von Babylon" oder die einfältige Frage, ob „Kaspar Jjxmfer" ein bewußter Betrüger gewesen. Das eine Mal ist es der Höchstes verlangende Welteneroberer, der der betäubenden und entnervenden Glut des Orients unterliegt; das andere Mal fällt die reine Seele des Kindes unter der Wucht der Bosheit seiner Feinde und der feigen Trägheit des Herzens seiner Freunde. Daniel Nothafft im „Gänsemäunchen" ist das Schicksal eines Künstlers, der, umringt von Unverstand;Miä> Tücke, nur sich selbst und seiner Berufung getreu sein möchte, so wie sich „Christian Wahnschaffe" über dür sinnlos gewordenen Kapitalismus seines Zeitalters gebrochen und doch richtend erhebü " < - Um der hohen Traume und tiefen Enttäuschungen seiner .jüdischen Menschlichkeit willen lieben wir diesen Dichter, lder in seinen Schöpfungen sich Mt und uns gestaltet. Mag ihm auch noch sei« Judentum noch Probleme ge- Weben sein, wo wir schon entschieden haben; sein Mem vor der Entscheidung stammt nicht aus der Trägheit des .Herzens, sondern aus ernstestem Vevcmwortpngsgefühl, das 'M WWn wDnt. tzU der LehknswilleAntwZrt fockM, Merrer Mvrgerrzekkrmtz._io. März 1923 , Nr. M Gegen me § §in Vorschlag aus der Provim. Antwort auf den gndentÄW. Wir erhalten aus der Provinz' eine Zuschrift, die zeigt, daß die Mische Bevölkerung auf dem Lande unter, der antisemitischen Hetze nicht, -weniger zu leiden hat wie die Juden in Wien. Der Einsender.lebt als Geschäftsmann -in einern kleinen niederösterreichischen Orte, wo schon sein Vater sich stets -des besten Ansehens und der Achtung seiner Mitbürger erfteute. Seit einigen Monaten hat sich dies alles geändert. Es bildete sich eine völkisch-antisemitische Tafelrunde, der die öffentlichen Beamten und die Angestellten der benachbarten Jndustrieunternehnmngen angchören. Dieser Stammtisch ist der Ausgangspunkt der wüstesten Juden hetze, deren Leiter und geistiges Oberhaupt ein Ausländer ist. Seine Gesinnung hindert ihn jedoch nicht im mindesten, bei einer jüdischen Firma angestellt zu sein. Mit den abgebrauchtesten Schlagworten wird die bisher.ganz snehlich .gesinnte Bevölkerung von den Hetzern aufgestachelt und zum Boykott der Mischen Kaufleute aufgefovdert. Natürlich sind die wenigen Juden, die im Orte leben, gegen dieses Treiben wehrlos und man hat den -Gedanken erwogen, sich an die Regierung nm Schich zu wenden. Was aber kann man von -der Regierung erwarten? Wir haben eingesehen, daß uns Herr F r a n k und Herr W ab e r nicht helfen werden und so gibt es für uns nur ein Mittel: den Selbstschutz. Natürlich — in Anbetracht der Mnoritätsstellnng — nicht den physischen, wohl aber den wirtschaftlichen, und ich möchte an dieser Stelle einem Gedanken Ansdruck geben, der eigentlich von der jüdischen Kaufmannschaft schon längst hätte gefaßt werden müssen. Genau so wie unsere Gegner Jndenkataster anlegen, so müßten die Mischen .Kaufleute und Industriellen solche Listen aller Angestellten, die sich in antisemitischen Organisationen befinden, anfertigen. Ebenso von Firmen, deren Inhaber Antisemiten sind. Denn eines der Hauptschlagworte gegen die Juden ist, daß sie „ein volkswirtschaftlich schädliches ElemeM" sind. Daher muß man, die Leute, die dieser Ansicht sind, davor bewahren, ihrem Volke Schaden zuzufügen, indem sie bei jüdischen Firmen angestellt sind. Ganz abgesehen davon, daß der deutsche Charakter -dieser Herren leiden, könnte, wenn sie sich von Juden bezahlen lassen. Kurz gesagt: Die jüdischen Kaufleute und Industriellen müssen sich von Angestellten solcher Gesinnung befreien. Hinaus' mit dgn Hakenkveuzlern aus jüdischen Firmen! Wozu wollen jüdische Geschäftsleute mit ihrem guten Gelde Leute bezahlen, die nach Geschästsschluß Vielleicht in eine Pogromversanrmlnng gehen und die Firma ihres Chefs proflribieveri? Warum dulden es Mische Kaufleute und Industrielle, daß pranl sie zwingt, Mm Gcheimfonds -des JlMstriellerwevbandes beözutragen, einem Fonds, vondsm.man genau weiß, daß er zur Unterstützung der völkffch-antistmitrfchen Bewegung dient. Jüdische Industrielle! Keimn Heller für diesen Fonds! Und schließlich müßten -die Mischen Industriellen auch gegen antisemitische Firmen mit der sofortigen Kündigung des Kredits Vorgehen. Das ist die einzig wirksame Art des Selbstschutzes. Ich würde zum Schlüsse noch die Bildung eines „Bundes jüdischer Kaufleute und Industrieller" Vorschlägen, der hie Aufgabe hätte, die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder gegen die antisemitischen. Ueber-, griffe dmH kräftige wrrffchaMche. Maßnahmen zu schützen. Me Ausschreitungen an der UniverfiM. (Eine sozialdemokratische Interpellation im Wiener Ge, meinderat.) Die Gemeinderäte Skaret und Genossen haben au den Bürgermeister folgende Anfrage gerichtet: Die Vorgänge an der Universität und an -den anderen. Wiener Hochschulen, die mau zuerst für das vevantwor-! tuugslose Treiben unreifer Jungen halten konnte,! beginnen zu eurem gemeingefährlichen Skandal auszuarten. Die akademischen Behörden lassen nicht nur die Autonomie der Universität als Deckmantel für terroristifche Roheitsakte einer kleinem M i n v x x i a t mißbrauchen, sondern verstehen sich, nn-tet dem Diktat dieser Minderheit, selbst dazu, Unrecht und'! Schikanen gegen diejenigen, die reicht -dieser Minorität angehören, zu üben. Nicht als erster, aber als einer der' krassesten Fälle dieser Willkür wurde kürzlich die Ueber-. lassung eines Hörsaales an die sozialdemokratische Studentenverelnigung für einen Vortrag des ehemaligen Staatslanzlers Dr. R e n n e r verweigert, Mvohl dieser Vortrag ein rein wissenschaftliches Thema behandeln sollte/ und obwohl die Ueberlassung des Saales zunächst zugesagt' worden war.. Die Zusage wurde erst in letzter Minute in' der unhöflichsten Form und unter den fadenscheinigsten' Ausreden zurückgezogen. - Die Gruppe, die sich in dieser Weise als Herrin der' Universität geberdet und d e r.e n Wünsche d i e.a k lade mischen Behörden aus führen, steht politrschl -den beiden großen Parteien, die die stärkste und ztveitstärkst« des Nationalrates undches Wiener Gemeinderates bilden) fern, und sie steht auch fern der übergroßen Mehrheit der arbeitenden und schaffenden Bevölkerung Oesterreichs, aus deren Steuergeldern die Un-rverfität erhalten wird. Es ist in der demokratischen Republik ein unerträglicher Zustand) daß die Hochschulen zwar vom Volk erhalten, aber von' einem Klüngel volksfremder, wenn auch sich „natio nal" nennender Reaktionäre beherrscht werden. Die Unterzeichneten sind sich -bewußt, daß der Gemeinde Wien ein unmittelbarer verfaffnngsmäßiger Einfluß aus die Hochschulen nicht zustehl. Es liegt den Unterzeichneten auch fern, die Aichinömie der Universität an-j tasten zu wollen. Da aber die Universität einen wichtigen Faktor im öffentlichen -Leben der Stadt darstM, deren Ansehen zu wahren die Gemeindeverwaltung berufen ist, MUß die Gemeinde in ihrem Wirkungsbereiche Mittel a n w e u d e n, um >die terrorfftffchen Kveffe dev Hochschulen zu einem anderen Vorgehen zu zwingen. Die Gemeinde kann das erreichen, indem sie gegen nationalisttsche Vereine ■ . ebenso vergeht wie an der Universität gegen'nichtnationa- ' listtsche Vereine vovgegattgen wird. Die Unterzeichneten richten daher an den Herrn Bür germeister die Anfragen: 1. Was gedenkt der BÄvgevmeister zu tun, uan die S chande, die durch daß Treibest an dev Universität dem Ruf der Stadt Wien zugefügt wird, abzuwehren, und welche Maßnahmen will er ergreifen, um mittelbar auf die mitschuldigen akademischen Behörden einzuwirken? 2. Ist für den Fall, daß es irotz älter Bemühungen nicht gelingen sollte, den deutschnationalen Ter^ rorismus an der Universität abzustellen, dev Bürgermeister bereit, dahin zu wrtken, daß bei Bergebunä städtischer Lokale gegenüber Vevmrigungen, die den natio-. nalistischen Terroristen nahestehen, mit entsprechenden Ge^ genmaßregeln Vovgegangen wecke? / Rmdschlw. Alchsm—Zesterreich—llngarn. Die Münchner Verschwörer. Münchelt, 9. März. Die Polizei beschäftigt sich derzeit mit «der Sichtung des bei den verhafteten Putschisten beschlagnahmten Materials. Der Behörde ist es gelungen, aus Grund ausgefundener Aufzeichmwgen Waffensendungen zu konfiszieren, die aus dem besetzten Ge bi et -nach Bayern gekommen sind.- Die Waffen sind französischer Herkunft und man gewinnt immer mehr Anhaltspunkte dafür, daß die ftanzösischen Diplomaten D ard und A l l i z e die Protektoren dieser ganzen Bewegung sind. Der Plan der französischen Monarchisten geht, wie schon gestern gerichtet, -ahm, Oesterreich und Bayern zu vereinigen und einen katholischen Staat im Süden Deutschlands zu 'errichten, Man ist bereits auf der Spur von Agenten, die in Ungarn ähnliche Pläne verfolgten und als Anhänger! des Legitimismus bekannt sind. Nach den Ergebnissen der! Untersuchung zu schließen, gehen Fäden der Münchner- Verschwörung auch nach Wien. . In bayrischen polittschen Kreisen wU manglaube«; machen, daß die Verschwörer keinen Rückhalt in der breiten! Oeffentlichkert haben, und daß es für die französische mili-! taristifche Politik sehr blamabel sei, Leute vom Schlage betj Putschisten ernst genommen U haben. Eines geht aus der! Münchrrer Affäre -deutlich hervor: In Frankreich trachtet! man mit allen Mitteln, die Einheit des Deutschen Reiches! zu sprengen, und es findet immer willige Lakaien inden Reihen des extremen Pogromantisemitismus. Weitere Besetzmge» im Mhrgebiet. Münster, 9. März. (Wolff.) Heute fröh^ wurde K r o« nenberg bei Elberfeld besetzt. In Wippen a. d. Ruhr wurde die Schutzpolizei entwaffnet und abgeführt. Nie Warschauer Mische Gemeiude uud de» Keren Hasessod. Ms Warschau meldet I. C. B.r Anläßlich'des Besuchied; Mhüm S o k o l o w s in Polen -hat die Exekutive der War«! schauer jüdischen Gemeinde einstimmig be« schloffen, aus ihren Mitteln zwei Millionen Mark für den 'Keren Hajessod zu spenden. Dev Beschluß der Ge-, momdeexekutive, - die sich bis vor kurzem jeder DeÄnahMtz, an Palästina-Aktionen konfeauent Hernaebalten bat^bat.Wk - starken Eindruck aemE ' .« -

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