Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1460 (7.3.1923)
- Date
- 1923-03-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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velre l Wien. Mittwoch_ »Frage der Jewish Agency beschwert hat. Die Exekutive des | mraLischen Kongresses in Palästina läßt in der arabischen Presse eine Erklärung veröffentlichen, daß der Boykott der Uuvahlen m den gesetzgebenden Rat Palästinas 'm Jeru- Isalem, Jaffa, Hansa, Tulkeram, Nablus, Beisan und Se- -mach von der einheimischen arabischen Bevölkerung geschloffen durch geführt wurde, dagegen haben sich die Araber litt Beerscheba, Gaza und Bethlehem an ben ^Wahlen beteiligt. PaiMnenfisches Bürgerrecht. Ueber dis Möglichkeit der Erlangung des palästinensischen Bürgerrcchts wird aus Palästina berichtet: Niemand kann vorläufig das palästinensische Bürgerrecht erlangen, da bis jetzt noch kein Staatshürgerschaftsgesetz heransgekommen ist. Die palästinensische Regierung ist indessen ermächtigt, provisorische Zeugnisse für palästinensische Nationalität zu gewähren, und zwar in folgenden zwei Aällen: 1. Wenn Personen, die ihren Wohnsitz in Palästina , Haben, gemäß den Wahlbestimmungett für den Palestine! Legislative Council eine Erklärung abgegeben haben, daß sie für die palästinensische Nationalität optieren. 2. Wenn -eine Pers'U, die in Palästina geboren ist oder von palästinensischen Eltern stammt, eine dahingehende Deklaration abgibt, daß sie für palästinensische Nationalität optiert und dauernd in Palästina zu wohnen beabsichtigt. Im zweiten Falle kann die Deklaration auch von einer in Palästina gebürtigen, aber außerhalb Paläftinas wohnenden Person abg. geben werden. Der britische Konsul, dem dwe Deklaration abzugeben ist. übergibt den Fall dem Direktor of Immigration and Travel in Jerusalem. Wenn dieser die drei folgenden Bedingungen erfüllt sieht, wird das provisorische Zeugnis gewährt. Diese- Bedingungen sind: 1. Gebürtig in Palästina und gegenwärtig ottomanischer Nationalität; 2. Optron für das palästinensische Bürgerrecht; 3. Nch-aweis der Absicht eirws dauernden Wohnsitzes m Palästina. Sie Entwicklnng der hebräischen Gymnasiums in Lel-Awiw bei Faffa. In den fetzten Jahren haben sich die Lehret des Gymnasiums in T el» Awiw bemüht, in den Lehrplan Unter- . Vicht in Praktischer handwerklicher Arbeit einzuführen. An- | terricht in Gartenbau wird seit längerer Zeit erteilt: Die ErzichnugsAbteilung der Exekutive hat außerdem bestimmte Stunden für handwerkliche Arbeiten festgelegt. Eine Tischlerei und eine Buchbinderei sind eröffnet worden, in der Knaben und Mädchen unterrichtet werden. Der Versuch ist gut gelungen, eine Gruppe von Schülern arbeitet regelmäßig nach v.m Unterricht und fertigt in der Tischlerei die notwendigen Gebrauchsgegenstände für die Schule an, eine andere macht Bnchbinderarbsiien. Es wird beabsichtigt, auch eine Werkstätte für Schmiedearbeiten einzurichten. Für die Einrichtung derselben ist ein Betrag von 100 Pfund erforderlich. Das Budget des Gymnasiums betragt im gegenwärtigen Schuljahr 11.000 Pfund. Das Edunüion-Departement gibt 3000 Pfund, 7000 Pfund werten von dm Eltern und Fveunden der Schule erwartet, so daß ein Defizit von 1000 Pfund bleibt. Neuerdings ist die intereffante Tatsache zu konstatieren, ttatz Schüler aus Amerika kommen, die dort die höheren Schulen besucht haben und nun das Gymnasium besuchen, um eingehende Kenntnisse des Hebräischen zu erlangen. Die Zahl der Schüler beträgt 578, davon 327 Knaben und 251 Mädchen, 147 Schüler befinden sich in den Borbereitungsklassen, der Rest in den höheren Klassen. Rundschau. Wettere Besetzungen. Münster, 6. März. (Wolfs.) Tie Truppenbewegungen km Raume südlich von Elberfeld dauern fort. Wipperfürth ich heute morgens durch französische Kavallerie beseht worden, die mit anderen Abteilungen in Richtung Gummersbach weitergerückt ist. ’ Es handelt sich augenscheinlich um die Abschnürung -es van den Engländern besetzten Brückenkopfes Köln nach Osten. - Nahender Mrsenstreik in Berlin. Berlin, 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Wie der „Vorwärts" berichtet, stehen in Berlin schwere Ly hm kämpfe bevor. In den nächsten Tagen werden wahrscheinlich 300.000 Arbeiter und Angestellte in den St re ik treten. Nach der Meinung des Blattes kann nicht damit gerechnet werden, daß der Stveik noch in letzter Stande vermieden wird. Sine nette tAMche Friedenskonferenz? Konstaullnopek, 5. März. (Tel.-Komp.) Einem hiesigen .Blatte zufolge spricht man an zuständiger Stelle von einer neuerlichen Konferenz zwischen den Türken und den Alliierten zur Fortsetzung der Lausanner FrredenSver- -harrdlungen. Diese Konferenz soll in Prinkipo stattsinden» Wiener Morgerrzektims._1. Wtfaiistö* titL iitUf Henry Ford und die RMsualsozialiften Ser,amerikanische Demokrat für die dentsche« Monarchisten. Nus Rcilv-Dork wird Uns berichtet: Der „Iewish Gazelle" wird unter der Ueberschrift „Was lM Ford in Deutschland zu suchen?" geschrieben: „Als der große Weltkrieg ausbrach, unternahm Ford als Friedensbote eine Europaveise. Diese Mission schlyg fehl und Ford wurde ein Mords Patriot. Als dann die Politischen Verhältnisse dazu drängten, daß Amerika Deutschland den Krieg erkläre, war Ford unter den ersten, die in die Kv'.easpcsanne bliesen. Während des ganzen Krieges hielt Ford zu jenen, wvlche die Vernichtung Deutschlands als politisches 'Endziel verkündeten. Heute erklärt sich Ford als Freund Deutschlands und, w'.e nunmehr offiziell festgcstellt und bestätigt wurde, schickt sogar Geld nach Deutsch and, weil er sieht, daß man dort mit Geld viel 'ausrichten kann. Und wißt ihr, für welchen Zweck und an wessen Adresse er diese Beträge schickt? An die Adreffe der deutschen Monarchisten. Im Grunde genommen denkt er sicherlich nicht daran, mit feinen Bei tri gen die Monarchisten zu stützen. Ford hat sich unzählige Male als guter Amerikaner bekannt und als solcher begreift er es selbst, daß es sich für eilten amerikanischen Demokraten nicht schickt, den Monarchismus zu stützen und zu fördern. Da aber hinter den deutschen MöA, archisten alle Judenfeinde vereinigt stehen und dev Kampf der Monarchisten gegen die deutsche Republik auch gleichzeitig ein Kamps gegen die Juden ist, hat Ford sofort Lins« Rechtstitel für fein undemokralisches Verhalten herausgesnuden. Er begründet diese Form der Unterstützung des deutschen Monarchismus damit, daß er damit indirekt den Antisemitismus unterstütze. In Amerika selbst ist die Verbreitung des Antisemitismus eine schwere Arbeit, und Ford mußte sehen, daß seine ungezählten Millionen in Amerika nutzlos verschwendet wurden. Aber in Deutschland kann man mit amerikanischen Dollars Wunder wirken, und so schickt unser Ford tatsächlich ungezählte solche Dollars an die Monarchisten in Deutschland, für welche diese den Monarchismus verbreiten und gleichzeitig auch' Fords Antisemitismus in großem Stile betreiben können. Daß die deutschen Arrtd scmiten auch von ihrem Erbfeind Geld an nehmen und den, Standpunkt vertreten, daß der Dollar auch von dem größten Deulschensemd nicht stinkt, ist bei der Denkungsart dieser Gesellschaft nicht weiter verwunderlich. Aber man sicht, wie Fcrd immer tiefer sinkt und sich dazu hergibi, di« guten amerikanischen Dollar an diese Gesellschaft zv vergeuden." Ser Mlkerbnnd und dar englische Mandat für PalMm. Aus London meldet das I. C. B.: Im englischen Unterhause fragte Mr. M o s l e y. aus welcher Quelle die Regierung das Recht.ableitet, die Macht in Palästina auszuüben, und wer di? Regierung ermächtigt hat, Wahlen in Palästina auszuschreilen, obwohl es Tatsache ist, daß das Palästina-Mandat noch nicht endgültig ratifiziert ist. Der Unterstoatssekretär d>r Kolonien Ormsbh» Gore erwiderte: „Am 3. Oktober 1921 hat der P r ä s identdes Völkerbund rates an den früheren englischen Ministerpräsidenten die Aufforderung gerichtet, daß die englischeRegierung auch weiterhin die a d m i n i st r a t i v e M a ch t in Palästina im Sinne des dem Völkerbundrat vorgelegten Mandatentwurfes ausüben möge bis zur endgültigen Klärung der Mandatfiage/das heißt bis zu dem Moment, wo die Negierungen Frankreichs und Italiens dem Völkerbund mitgeteilt haben werden, daß sie ein Uebereinkommen über gowiffe Einzelheitm v.4 syrischen Dpa n d a t e s erzielt haben. Dieses Uebcreinkmnmen ist zwar vorläufig noch nicht erzielt worden, doch berührt dies in keiner Weife die Regii ruugsmacht in Palästina." Aufstandsbewegnng lm syrischen Mandatsneblet. Konstanklnopek, 5. Marz. (Tel. der „Wiener Morgenzeitrmg".) Nach einer türkischen Agenlnrmeldung, fft unter der Bevölkerung der Umgebung von A l e p p o ein gegen die Franzosen gerichteter Aufstand ausgebrochen. Bei den Zusammenstößen seien fünf französische Soldaten getötet worden. Die Bewegung dehnt sich w e i t e r a u S. Semifflon des englischen Wohlfahrtsministers. London, 6. May;. (Tel.-Komp.) Wohlfahrtsmlnister Boseawen, der Montag bei den Ersatzwahlen gegen den Kandidaten der Arbeiterpartei unterlegen ist, hat demissioniert. Man spricht davon, daß der gegenwärtige erste parlamentarische Führer der Konservativen im Unterhaufe, Oberst Leslie Wilson, sein Nachfolger sein wird. Als Nachfolger von Oberst Stanley, der ebenfalls infolge seines Mah'durchsalles zurückaetveten ist, wird Lord Robert Ce eil genannt, doch spricht man auch von dem gewesenen Kr'regsnnnister Evans, von Lord P i r k e nhead und Austin Chamberlain. J ' Tagesbericht. zionistischer Lmiderlomttee. Die Schekolpropaganda ist angesicht des bevorstehenden Abschlusses von den BeziMsektionen, Sonderveveinen und Gesinnungsgenossen intensiv zu betriebe^. Die Versammlungen und Veranstaltungen sind ausgiebig für die Schekelpropaganda auszunützen. Die Sch:kelkommiffäre der einzelnen Institutionen werden ausgefordert, Gruppen der Gesinnungsgenossen zu bilden, die sich mit dem Verkauf der Schekalim beschäftigen sollen, ebenso Gesinnungsgenossen, die öffentliche Geschäfte haben, auf'/ufordern, in ihren Geschäften Schekelverbaussstellen zu errichten. Bisher haben sich nachstehende Gesinnungsgenossen bereit erklärt, in ihren Geschäften Schekalim zu verkaufen: Brüder E r n st, Textilwaren 1. Bez., Rudolsplatz 3; Salomon Goldschläger, Vereinigte Stickerei-Industrie, 1. Bez., Kai 29; Gold- | bergu. Eober, Seidenbänder und Motzewaren, 1. Bez., . Kohlmessrrgasse. 8; Brüder S ch i f f m a n n, Warenhaus, > 2. Bez., Taborstvaße 48; Löw u. BlumerpfelN | Tuck- und Textiüvaren, 1. Bez., Kai 62. Sonntag den 11. Mar; um halb 3 Uhr nachmittags, 2. Bez., Taborstmße 20a/ Parteiratssitzung. * Jugendreferat: Heute um 7 Uhr abends, 2. Bez., Ta-- borstraße 20a, Sitzung des Zchnerausschuffes. Fm Herbst Neuwahlen in den Gemeinderat. Bis vor kurzem waren die Regierungsparteien der An-' schauung, .daß die Neuwahlen für den N a 1 i o n a l r a t erst im Frühjahr des nächsten Jahres stattfinden sollen. Nun scheint nach den Aeßerungen des Bundeskanzlers Dr. Seipel,- die er am Sonntag in einer Wählerversammlung in Purkersdorf gemacht hat, als sicher sestzustehen, daß auch die Christ- Uchsozialen gegen die Neuwahlen im Herbst keine Einwendub. gen erheben werden. Obwohl die Funktionäre des Gemeinderates nach der Gemeindeverfassung auf die Dauer von fünf Jahren gewühlt sind — ihre Mandate sind also noch nicht abgelaufen —, bestehen die Sozialdemokraten darauf, daß mit dem Nationalrat zu gleicher Zeit auch der Wiener Gemeinderat aufgelöst und die Wa len für beide Vertretustgskörper gleichzeitig stattfinden sohlen. Zur Begründung ihres Standpunktes führen sie 'an, daß durch die gleichzeitige Vornahme der Wahlen in den National- und Gemeinderat die großer? Wahlkosten bedeutend verringert werden. . Wie sich der sozialdemokratische Klub im Gemeinderat zur gemeinsamen Durchführung der Wahlen für diese zwei Vertretungskörper stellen wird, ist gegenwärtig noch nttcttl schieden. Wie aber aus diesen Kreisen verlautet, dürfte es vor' anssichtlich zu den gleichzeitigen Neuwahlen in die zwei tretungskörper zu Beginn des Herbstes kommerr. Ein Mklonenkredtt der Gemeinde Wien. Im 'Stadtfenat ist gestern das JnvestitionsproHramm, das amen Kredit von 1200 Milliarden Kronen für. W o h n h a u s b 6 «u t e n, neue StraßenibaihnÄnien, lO.ÖOOj M ietinstailat tonen und ander« Jnrest'tt tonen Vorsicht, nach längerer Debatte genehmigt worden. zwei ötimtswiftien oder der abgMiktr Friedrich- ,,Az Ujsz.ag" glossiert die Reise Stephan' Friedrichs rach Rom und Angora wie folgt: Ankunft in Rom. Ein geschloffener Wagen hält dem Palais des italienischen Ministerpräsidenten Mussolini. Stephan Friedrich steigt aus dem Magett, geht elastischen Schrittes die Stufen hinauf zum Amtszimmer des Sekretärs. Gegenseitige Vorstellung. Friedrich: Ich bitte, mich Sr. Exzellenz anzumelden. Es ist mein alter Wunsch, mit dem Führer der italienischen Faszisten bekannt zu werden, um ihm das r Gefühl meiner aufrichtigen Liebe zu verdolmetschen. Der Sekretär: Ich melde Sie sofort an, obgleich Se. Exzellenz einen Besuch hat, den Faszistenführer Adolfs Grosso (Tableau). Se. Exzellenz wird sich sicher über den Besuch Euer Exzellenz freuen. (Geht hinoin und kommt schr bald wieder heraus.) Zu meinem Leidwesen muß ich Ihnen mitteilen, daß Se. Exzellenz Mussolini nicht empfängt. (Kurze Pause, ein Photograph wäre sehr am Pilatze.) . In Angora. Ein geschlossener Wagen hält vor dem Pa.!ais Kemal Paschas. Stephan Friedrich steigt aus, elastischen Schrittes steigt er die Treppen hinan. Vorsichtgvrwrife läßt er sich nicht anmelden, sondern trifft wie n>enn es irrtümlich geschehe, in das Arbeitszimmer des Pascha. st Friedrich: Huldigung Dir, heldenmütiger Heer' führer. Ich kam zu Dir, um mit Dir unsere gemeirtsaE Ideale, unsere Zhrle mb unsere Absichten zu besprechen. Ke mal Pascha: Willkommen bei uns! Nehme« Sie auf dem Diwan Platz, rauchen Sie eine Zigarette an. Wir werden alles gleich gründlich durchbevaten, aber sie i gestatten, daß ich vorher alles mit Genossen Tschitfcheq rin bespreche. (Neuerliches Tableaus