Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-03-07 · Heft 1460 (7.3.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1460 (7.3.1923)
Date
1923-03-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980541--14011-3000708
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«MW Whnter MorgenKettung. 7. März 1923 0erte3 BEaoBflmzsesuqcm IE3XterxirTD\xn.c3L Id^27. DD, Hotel 3?a.llats HEUTE im Festsaale des KanMnnisclien Vereines lies, I.; Mannesgasse Nr. 4 BABELRE DO UTE Babylonischer Wirrwarr / Schönheitskonkurrenz (drei wertvolle Preise) / Maskeneinzug I Schneeballschlacht / Orient. Wahrsagerin Beginn 9 Uhr abends fitem in Kraft. 2. Mit ihrer DürchfühM«nlg ist der BundesmmPer sürFinauM betrmü. Die Erlassimg einer auf tbnefcr Hesetz'lichen GruM'Lge fußenden Verordnung der Bimdesregiemmg steht unmitteilbv.r bevor. Nach dem WkderauPaWesetze snid die Best imnlun'gen über die VovauHetzungen nnd den Uinfang der Steuerpfficht der Lks-evunigen aus dem Auslände dem Verordnungswege Vorbehalten. . Der Abba« im. Bundestzeer. Jan PüÄannent fand.gestern eine ttsueriiiche Befiprechiunig Mischen den: Bunldeskmlzler Dr. Seipe«l und den Ministern Dr. Frank und Bangonn, sowie den Abgeordneten Seitz und Baal er m Angelegenheit des projektierten Abbaues von 7200 Wehvinännern statt. Die BerihauiNungen dcmern fort. Tschecho-AMM. Krawall im Paüament. ^rag, 6. März. (Tschecho-slow. Preßburcark.) Das Mgeordwtenhaus begann heilte die Beratung des Gesetzentwurfes 'betreffend den Schutz d e r R e p u b l i k. Zu Beginn der Sitzung kam es zu stürmischen Szeuerr. Die deutsche sozialdemokratische Partei und die urrgaoischen Abgeordneten gaben Erklärungen ab. und verließen den Saal. Als das Haus zur Tagesordnung überging, setzten die kommunistischen Abgeordneten mit einer lärnrenden Obstruktion ein und veranstaltetell. ein Pultdeckelkonzert. Mehrere kommunistische Abgeordnete wurden von der Sitzlmg ausgeschlossen und durch die Parlaments wache aus dem Saale entfernt. Präsident T0ma se k mußte wegen der andauernden Lärmszenett die Sitzu!ng wiederholt unterbrechen. . ZWoflMW. ßm Mischer Kasbidat fllr das M«dat Pasik' in Belgrad. Julius Andmssy des Aeltereir hat wohl sein eigener Sohn und Nachfolger iit der Politik begangen, «indem er nicht nur den Liberalismus,, dein er selbst Jahrzehnte hindurch zu huldigen vorgab, verleumdete, sondern sich mit seinem Namen, mit seinem Gelde und seinem allerdings schon arg Derfaulteu Ansehen an die Spitze der blutrünstigsten R eaktr 0 n stellte! Ne Arbetterausstzemmge«. ' Budapest, 6. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die kleineren Maschinen- und Eisenbetriebe haben sich bisher der seitens der Großindustrie begonnenen großen Arbeiteraussperrung nicht angeschlossen. Hierauf entserrdeten die Fabriksiudustriellen Kontrollorgane in die «kleineren Betriebe, um «deren Besitzer zum Anschluß zu blwegen. Dienstag vormitta«gs kam es irr mehreren kleineren Betrieben zu stürmischen Szenen, indern die Arbeiter di«: Agenten der Fabrikanten gewaltsam hinaustrieben. Wie die Gewerkschaft der Eisenünd Metallarbeiter mrtteilt. wird die Arbeiterschaft auch in «der Zukunft ihr nröglichstes zu tun wissert, die Ausdehnung der gewaltsamen Allssperrung zu vereiteln. Uebrigens sind bisher gar keine Elnigungsversuche oder behördliche Vermittlnngsaktionen eingeleitet worden.' Me AMre der Kümmerzialbank. Budapest, 6.. März. (Tel. «der „Wr. Morgenzeitung".) Der Untersuchungsrichter verkündete heute nachmittags seinen Beschluß betreffend die Angelegenheit der sechs verhaftetetr Bankdirektoren. Bier Direktoreil der Budapestec Filiale der Wiener Kontmerzialbank bleibell weiterhin in Untersuchungshaft, mit der Begründung, daß sie ihrer Bank schweren Schaden zugesügt halben. Die zwei Direktoren der Bankfirma Wilhelm Lukacs sind aus freien Fuß gesetzt worden, weil ihnen nichts Strafbares uachgewiesell werden kann. Die vier meldeten den Rekurs an. itiMsi Belgrad, ,5.; März. (I. C. B.) Die Pasie-Parivr unterstützt die Kandidatur eines spaniolischen Juden in Belgrad. In der Partei melden sich wohl einzelne Stim-- men gegen das Aütretcn des traditioistrllen Paste-Mandats iil Belgrad an einen Juden, doch sprach sich die Partei mit großer Stiinmenmehrheit für die Arlfstellung des jüdischen Kandidaten ans, um dadurch den D a n k des serbischen Volkes für die Heldenmütigkeit imb Opferwilligkejt der Belgrader Judenhcit im Kriege zu dokumentieren. llugaru.! FM«r Andraffv der Nettere. Die Ungarn scierlt den 100. Geburtstag des Grafen Julius Alldrassh des Aelteren. Weshalb sie den 8. März für die Feier wählten, ist nicht recht verständlich, demr nach seinem Tausscheür wurde Julius Andrassy am 2 3. März 1823 geboren. Graf Julius Andrassy war der erste europäische Diplomat nla«gharischer Herkunft. Die Politische Karriere Anidrassys, die die Reforinepoche, die Bach-Epoche und die Mrsgleichsepoche umfaßt, war reich an Wechselfällen und rc,incmtischeu Kaprte-lu. Zu diesen gehört sichevlich die Ernennung Andrassys, dev im Jahve 1849 in contnimacianr verurteilt wurde, zum Minister des Austuärtigen mrd des allerhöchsten Hauses. Sein Haupt- «wevk war jedoch der Aus gleich im Jahve 1867. Andmssy hatte sdwohl in Budahiest nnt den unabhängigen Achtundvierzigern als auch in Wiell, «ivo er als Liberaler vevschrierl war, mit dem reaktionären österreichischen Adel, mit den Thuns, Martins, Schwarzenbergs ufw., schwere Kämpfe zu bestehen. Ein« feste Stütze fand Graf Audrassy in Bismarck. In Ungarn «lmr Graf Andrassy eine Sällle des Liberalismus, und ganz besonders «bei der Berhan«dlung der kirchenpülitischen Gesetze der Emanzipa'tion und später «der Rezchtion der ^inderr ergriff er jedesmal, wenll die Gefahr «drbhte, daß «die Reaktion die liberalen Gesetze zu Fall bringen könnte, das Wort,'um fomi Liberalisnrus zum Siege zu verhelfen. Se«in Sohn, Graf Ju«lins Audrassy der Jüngere muß setzt zur Jahrhundertfeier für senken Vater seststellen, daß die drei Hauptwerke dessolben nunmehr zum Teil für immer, zum Teil für lange Zeit bogra'ben sind. Der Dreibund, an «dessen' Zustandekommen «Andrassy der Aeltere den HauPtanteÄ hatte, Mt heute nur mehr in dev Evmnerrmg, der A u sg l e r ch und die dua l i st i s ch v M 0 n a r ch i e sind unter den Stüvmeir der belvegten Zeit der letzten Jahre untergegangen, und das liberale Ungarn, das er mitgeschaffen hatte, ist heute gerade in seiner Heimat Gegenstand «des Hohns, des Spottes und der Berleumduug. Aber die größte und niedrigste Schärrdung des Andenkens des Grafen Mn Ko«greß der Fubm SroßrmnSniens. Aus Blckawsi tvird uns berichtet: Die vom Verband dev einheimischen «rumänischen^ -Juhen' vor kurzem ombevusene Konferenz hat neiden den verschiedenen aktuellen innerpolitifchen Fra'gen auch die Frage einer Orga«nisation «der Juden Großmmäniens in Beratung gezogen. In der Debatte über diesen Gegenstand standen die jüdischnational orientterten Juden den sogenannten O pportunisten gegemiber. Diese letzteren würden es mcht gerne «schen, daß der vor einigen Jahrzchnten vom, gegenwärtigen Abgeordneten Advokaten Dr. Adolf Stern gegvünd'ete Verband durch eine «neue jüdische Organisation abgelöst werde. Die „Nu«iunea Evreilor Pamanteni", wie der -offizielle Titel des Verbandes lautet, ist ihrem Wesen nach keine konfessionelle, sondern eine Organisation, welche ursprünglich in erster Linie zmn Schutze der für -ihre bürgerliche Gleichbrvechtigung känrpsenden jüdischen «Minorität gegründet wurde. Dieser Verband hat'den Charakter einer Rechtsschutzli'ga, die jedoch .wiederholt bei . Politischen Wahlen auch als politische «Partei m Akttou tmt und bei den letzten Parlaments'wcchlen ihrem Begründer Dr. Adolf Stern p einem Mandat verholst Es muß aber der Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß d«er Verbirnd seit seinem Bestände wertvolle Arbeit geleistet und manchen schweren Kamps für die R«echte der Ju«den äusgesochten hat. Seit einigen Jahren ist der wirkliche Führer des Verbandes der Bukarester Advokat Dr. 'Wilhelm Fildermann, «der dem bereits 73jähvigm Präsidenten Dr. A>dols Stern den größten Teil der Arbeit awib der Führung abnahm. Unter der Leitung Dr. Fildermanns, eines außerovdelrtlich agilen Politikers, hat dsr Verband in Altrumänien sehr viel an " pölitischenr Gewicht gewonnen.' Hmsichllich der zur Bekänrpfung des «Antifemittsmus und der sonstigen auf der Tagesordnung des Kongresses ge'standeinen Fragen herrschte' unter den Kongveßteilmh-mern im großen und ganzen Ein- Nlüti«gke«lL. Nur bezüglich der Bildung einer Landesorga'ni-> sation der «Inden Gvoßvitmäniens entstand eine hesttge Debatte^ zwischen den Vertretern des jüdischnationalen und des ' opportmristischen Stan'dpunktes. Die Nationalen erklärten, «daß iiit Interesse der Schaffung einer solchert Organisation «diese «sich vor allein ein entschieden nationales «Programm zu eigen nrachen müsse, während die «Ge«gner «ein «solches« Programnl aus opporttrnistischen Gründen ablehn-ten. Der als Gast erschienene «Präsidertt des siebenbürgischen jüdr-- schen Nationalverlbandes Dr. Theodor Fischer erklärte, «daß, obgleich sein Verband bedingungslos sein jüdischnationales Program-ur aufrecht erlMt, er die Gründung einer die Gesamcheit der rumärnschen Judesr vereinigenden politischen' Organisation für so lebenswichtig 'Halle, daß eine« solche Organisation, «weirn sie' derzeit nicht aus klaren:, jüdischuationalem Programm aufgebaub werden könne, unter allen «Umständen gefcha«ffen «werden müsse. Die Jüdischnatioualen stellen bloß die eine Bedingung. L>aß «das Statut und das Programm einer solchen OvZani« sation nichts enthalten dürfe, was die Entwicklung «derselben in jüdischnationaler Richtung von vorncherein ausschließt. Jeder solcher Versuch würde die Mitarbeit der Jüdischn«ationalen schon an «der Borbereitung der Landesorganisatron unmöglich machen. Diese Erkläru«ng wurde vmr der überwiegendel: Mehr» heit der Anwesenden.mit «lebhaftem Beifall ausgLnommen, tvoraus die Jüdrschu'ationalen den Entschluß ziehen, daß der größte Teil der rltmäni'scherr Jachen national orientiert sei. Die 5ton«ferenz «beschloß, da eine Ein«igu«ng nicht zustande kam, die Frage, welchen Chara«kter die zu schaffende Landesovganisation zu tragen habe u:ch mit welchem Programm sie «ihre Tätigkeit ausnehmen solle, einem binnen kurzem einznberusenden Kongreß «der Juden Großrumänivns vorzulegen. Das Präsidium und das gewählte Kongreßkorüitee erhielten «den Lluftrag, schon in den nächsten Wochen eine Delegiertenkonferer.z sämtlicher Parteien und Richtungen innerhalb des JudentttMs Großrnmäniens zur Vorbesprechllng einzuberufen. Polen. Me oMMMe Fmse. Paris, ö. Mär«z. (Tel. «der „Wr. «Morgenzeitung".)' Im Zusammenhang mit der Regelung der Ostgrenzen in Polen sollen in: Botschaftsrat einige Vertreter ihrer Ateinnng Ausdruck gegeben Haben, daß mau gogenivärtig sämtliche Ostgrenzen, Ostgalizien an-sgenoininen, regeln solle. Durch die Nichtr«egelung der ostgälizischen Frage soll eben die Auerkennnng des zwischen Polen und Rußland ahgeschlossenen Rigaer Vertrages, -nach welchem Rußland Ostgalizien Polen zuerkan«nt «hat, durch die Ententemächte vorv gebongt werden. Voraussichtlich wird der Botschaftsrat die . Regölryng der ostgalizischen Frage wiederum verschieben. An KonM Mrski—AasmkowM. Warschau, 5. Marz. (Del. der,>Wr. Morgenzeitung".) In gut unterrichteten politischen! Kversen verlautet,-daß. seit einiger «Zeit zwischen dem Ministetpräsidenten Generäl S ik o r 's k i und dem Kriegsminffter Geue-r-al S o s.n k 0 w skr ein Konflikt .bostche. Dieser «datiere seit dein Zeitpunkte der Durchführung des Beschkusses des Völkerbundes in Angelegenst der Besetzung der Sanralinie in der polnischlitauischen Zone. General Sosnkowski soll bezüglich, der polnischen Politik Litauen gegenüber eine aktivere Stellungnahme verlangt haben. Wie verlautet, soll Feldmarschall Pilfuidskr bemüht sein, diesen Konflikt aus der Welt zu schaffen. ... 8rW««g der KseÄchMrife k» Pole». Lemberg, 4. März. (Del. «der „Wr. Morgenzeit-uirg".) Mit 1. d. hat eine Muerliche, schr nanchafte Erhöhung der Tarife im Personen- und Güterverkehr aus «den polmschen Eisenbahnen Platz gegriffen. Sie beläuft sich auf durchschnittlich 100 Prozent. Polnisch-rummüschr E??e»bahn?mfLr«. Lemberg, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) In den letzten Tagen fand «in der hiesigen Staatsbahndirektion eine Korserenz statt, an der sich Delegierte «der «polnischen uu«b «der rumänischen Eisenlbahnbehörde beL«ei't!gt«en. Als Ergebnis der Verhandlungen wurde 'beschlossen, die Gcbühvsn für Ei«senbahnfaihrten von Rumänien nach >der Tschecho-Slowakei «und Testerreich im Transitverkehr über Polen an: Ausgangspunkt der Fahrt einzuheben. Durch diese icrleichlewde Maßregel soll es den Passagieren ermöglicht werden, die Fahrt «in direkten Waggons zurückiMogen, ohne dieselben in den Grenzstationen verlassen zu müssen. A«m Me, Wahien in den Gesetzsebende» Rot. Jerusalem, 2. März. (I. C. B.) Der Oberkommissak Volt Palästina Sir Herbert Samuel hat eine Reihe Verordnungen «betreffend die Wahlelt in den Gesetzgebelwen Rat erlassen. Für Versuche, die Wahlen «durch Gewalt zu stören oder jemand durch Gewalt von der Beteiligung aLzu'halten, wird eine Strafe von 200 .Pfund odxr z w e i I a h r e rr A r r e ft arrgedroht. Von der Agudah ist Dr. Jakob de Haaw als Kandidat ausgestellt worden. Wie ernmerlich, wurde Dr. de Haan «durch die jüdischst Studenten und andere' jüdischm Gruppell in Jerusalem boykottiert, weil er sich gegenüber den: seither verstorbenen Lord Norlhcliffe über den zionistischen Emftntz in Palästina im Zusammenhang mit der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.