Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1459 (6.3.1923)
- Date
- 1923-03-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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j"'i'«f’fy ’i ’ ‘"",T' ^: mim Wm, MenAag «.MSrzlM EMG Wische, kann hie Kulturschande des Schächtens tveLboni der jtottlfar grausamsten Art der Tiertötung. Die Bandefi-ndvtbsi jedem Anlaß Gelegenheit zu cmtisemritschen Gemeinhovien; <dtssel«ben Leute, die -die unschuldigste Kreatur m eirreml fünfjährigen Blutabenteuer hingeopfert. baden." Sie Numerus elausus-Frage in Polen. Warschau, 4. Dtarz. (Tel. d. „Wr. Movgenzeltung".) In der Kömmiflivn für Unterricht wurde abermals über der» Antrag der Natimialdemokraten betreffs Einführung des Numerus clausus verhandelt. Nach einer längeven Debatte, an der sich als Vertreter des jüdischen KlüvS Abgeordneter Dr. Thon beteiligte, wurde der Antrag des Abgeordneten Kernik, wonach das Unterrichtsministerium aufgefordert wird, bis zum 20. März e'm^ Gutachten des Universitätssenats vörzulogen, angenommen. Abgecidneter Stapinski trat gegen die Einführung des Numerus clausus auf mit der Begründung, daß der Numerus clausus eine ganze Reihe unvorhergesehener Folgen nach sich ziehen könnte. Abgeordneter Thon verlangte, daß vom Unterrichtsministerium die Vorlage genauer statistischer Materialien über die Anzahl der jüdischen Hochschüler gefordert werde. Abgeordneter Wigodski stellte in der lebten Seimsitzüng ciiu*. DrmMchkeitsantrLg über die Erteilung einer Hilfe an die jüdische Hochschuljugend aus staatlichen Mitreln. Im Anträge wird die Negierung aufgefovdert, aus den zur Unterstützung der unbemittelten Hochschuljugend bestimmten Staatsmitteln einen bestimmten Prozentsatz den jüdischen Selbsthilfeorganisationen Zuzuweisen. - * Sesterrelch. Sie BolkrzWum. Für die morgen den 7. d. angesetzte Bottszahlung Ist bisher keine amtliche Belehrung Über die Fragen nach Volkszugehörigkeit und Raste ergangen. Die diesbezüglichen Frage« sind in folgender Weise An beantworten: Zu Frage 6, Glaubensbekenntnis ist das Wort Israelitisch zu unterstreiche«. — Frage 7, Sprache: iaj Sprachliche Zugehörigkeit: deutsch; BolkszngehörigfitU jüdisch; Raffe: weiß. Kn tschechischer Protest. Wie berichtet» fand am Sonntag in der Volkshatte des neuen Rathauses eine Versammlung des Vereines der Düdete»deutschen statt, in per auch deutschsnat io male Abgeordnete aus der Tschecho-Slo- Lvakei als Redner auftraten. Nach dieser Versammlung blockierten die Teilnehmerden Saal unL-v e r eit eit e n eilte für den Nachmittag projektierten Versammlung der. tschecho-slowakischen Sozialisten. ' Wie wir erfahren, wird die hiesige tschecho-slowakische Gesandtschaft über Aufsowerung des Prager Außenamtes bei der österreichischen Regierung «inen s ch a r s e n P r o.t e st gegen das Austre'.ender dcutschnationalen Abgeordneten aus der, Tschecho-Slowakor in Wien überreichen. Die Prager Negierung steht auf dem Standpunkt, daß nach dem La na e r Ve r trag die österreichische Regierung, eine irredentistische Propaganda deutschnationaler Abgeordneeteer aus der Tschecho-Slowakei in Wien veröieten müsset Die Ssterrelchisch-unsarische» Fioanzverhandlunse«. Im Finanzministerium begannen gestern' nachntittags unter dem Vorsitze des Fmattzmmiftcrs Dr. Kienböck Verhandlungen mir den Bcrrrctern der ungarischen Regierung üb-.r d i t Lrgnid! erung des gemeinsamen Eigentums der ehemaligen österreichischungari'chen Monarchie Ctfuraicf; ist btt diesen Verhandlungen durch Scktionschef Tr C ch wa rzwald,, durch Ministerialrat Dr. Bärnklau, Sektionschef Schaube r g e r. Sektionsrat Pacher und Mmisterialrat Doktor Bittner vertreten. Bon ungarischer Seite nehmen an . den Verhandlungen Gesandter v. Maserevies, Lega- ' tionsrat Nickel, fünf Bcertreter der verschiedenes ungarischen Ministerien sowie Vertreter der ungarischen Liquidier» ngskommiffon in Wien teil. Srode Lolomoiiv- und Waggonbestellmgen Mr die Bmderblchnen. Die österreichischen Bundesbahnen gehen daran, ihren Fahrpark durch Neubestellungen zu ergänzen. Selbstverständlich wird die Bundesverwaltung ihren Bedarf ausschließlich bei den inländischen Fabriken decken. Für daS Jahr 2023 sind bei der Grazer und bei der Stimme ringer WaggonfaZrik 29 Lokomotiven, 17 Tender söhne 249 Personen- und Güt.erwagen in B.estellüng gegeben worden. 'Die Kosten dieser Bestellungen werden 90 Milliarden Kronen beziffert. Zurzeit sind die beiden Fabriken noch mit Bestellungen aus dem Vorjahre beschäftigt. ■ Für Rechnung der Bundesverwaltung werden in der Floridsdorfer Waggonfabrik und in den Brown-Poveri- Werken 47 elektrische Lokomotiven für die Arlberg- ' und Salzkammergutlinien, die elektrisch befahren werden sollen, gebaut. Bon diesen sind gegenwärtig sieben im Bau Durch die Aufträge des Berkehrsministeriums ist die Lokomotiv-und Maggonbaundustric bis über den Sommer hinaus.m i t Bk s ch ä s t i g u.n g v ei s o rg t. Das FaveWonsprogramm der «emdlde. Gütern verhandelte der städtische Finanzausschuß die Vorlagen über das siroße JnvesMonsprogramm der Gemeinde zur Bekämpfung der Ar- Le i t s l o s i g k e i t. Sie betreffen 27 Milliarden, außerordentliche Investitionen der städtischen /Unternehmungen, woran die Strahenhahtren mit 18.25 Milliarden, Re Elektrizitätswerke mit 5.5 Milliarden und die Lagerhäuser mit 3.25 Milliarden. beteiligt sind, ferner 93 Milliarden für B a u s ü h r u n g e n und Arbeiten der 'Gemeinde,, wovon 60 Milliarden auf Wohnhausbauten entfallen. , Für diesen Betrag wird eine Wohnbauanleihe ausgenommen,, die die großen, städtischen. Unternehmungen übernehmen. Die Anträge wurden ohne wesentlichen Widerspruch genehmigt und gelangen noch m dieser Woche m den Stadtsenat und Gemeinderat. Kaudgrbungen arbeitsloser Bamrbeitrr. Das Parlamer»! war gestern wieder, von einem starken Wacheaufgebot besetzt, da vormittags im Rathaus eine Versammlung a rbe itsloser Bau arbei ter tagte. Nach Schluß der Versammlung marschierten die TeAn'chmer, etwa 15OO an der Zahl, durch die Reichsratsstraße am Parlament vorbei und entsendeten eine Abordnung ins Haus, die dem FinanMinister Dr. Kienböck die Wünsche der arbeitslosen Bauarbeiter vortragen sollte.' Sie verlangen die Bereitstellurg größerer Mittel für die produktive ArbeitÄosenfürsorge und die Inangriffnahme öffentlicher Bauim, um die Zähl der Arbeitslosen zu vennindern. Da der Finanzmin-ister nicht öm Hause war, wurde die Abordnung für heute um 10 Uhr vormittags ins Finan-Ministermm beschüden. ■ ' Err« Mtglied der Abovdnung teilte mit/ daß die arbeitslosen Bauarbeiter den Avbciterrat Rotier, der sich an der Monarch!stischen Schießerei in Breitensee beteiligt, hatte, aii3 dem Betrieb itt der Leopoldstadt, in dem er gegenwärtig beschäftigt ist, herausgeholt haben, und daß sie dort die Zusicherung erhalten hätten,-daß Rotier.nicht mehr beschäftigt werden würde. Die Llquidatioa des itaNeMchen Kredits an SesterrM. Die Verhandlungen des Hofrates Stankovics in RM über die Liquidation ' des Von JLalien Orfterreich eingeräumten Kredits von 70, Millionen Lire nehmen einen raschen Verlaus, so, dgß ein baldiges Ergebnis •' zu erwarieit ift.;'; ' , ' Die HUMgerelen in kt Kommerziakank. Budapest, 5. Mä^.i (Tel., der „Wr- Morgenzeitung".) . Die Recherchen der Polizei in der AnMegenheit -der W i e-! ner Kommerzivlbank sind abgeschlossen, die Akten sind bereits der Siaatsantvaltschaft abgetreten worden. Die Btlchachvcrständ^en werden ihr Gutachten erst nach, einiger Zeit abgoben können, .weil das, zuüberprüftnde Buchnnd ,Korrespondenzmaterial äußerst umfangreich ist.- Sie werden auch die Privatgeschäfte, des, Generaldirektors S e L e ft h e n zu überprüfen.,haben. Dieser wird in seiner Wcchnuni st ä n d i g , v o n z w e i Ä ,r i m i n a l b e a m t e n bewacht.., - . . l Der Untersuchungsrichter begann houte mit dem Verhör der, sechs verhafteten Bankdirektoren.' Er wivd erst Dienstag über die Untersuchungshaft die Entscheidung treffen. Die Verhafteten -berufen sich aus die Tatsache, daß es in jeder Großbank üblich^ift, Privatgesch äste 'der Direktoren im Navren des Instituts abzuwickeln.. 8« wird weiter Seschlmmahm. Budapest, 6. März. (Tel. der' „Wr..'MoDgcnzeitung".) Eine F-ünskirchner Zeüung Hot anläßlich des Ar-teils im Karolhi-Prozeß angeregt,, daß mmr mit der Ber.mogenZb e s ch l a g n a h m e auch gegerÄber denjenigen Vorgehen solle, die während Siet zweijährigen Besetzung Fünffirchens durch die Mkgosla>wcn ' eine ungarnseinblichs ' Stellung eingenommen haben, ^lu zuständiger Stelle wurde, wie die Abendblätter zu berichten'wissey, erklärt, daß-diKser Anregung baldigst Folgss gMster werden wird. We«. Dar KabiM. Warschau, 4. März. (Tel. der „Wr. Morgenzeiiung".) In den politischen Kreisen sind noch immer..Gerüchte über einen hevorste-hendest Stürz des KMnstts verbreitet. Wie verlautet, soll es doch noch zu einer Verständigung z w i s ch e n' K o r f a n t y u n d W! t o s gekommen sti». In der letzten Klubsitzüng der Wtos-Partei griff Witos in einer längeren Rede das gegenivärüge Kabinett scharf an. Vor allom tyurde 'der Kriegsminister S y s. k o w s k i wegen der Em'bernfung der Reservisten zu einer achtwochigen Waffenübnng angegriffen. Nur Dank dem linken Flügel des Klubs ist die Fastung einer gegen General Soskowski gerichteten.Resolution unterblieben. . Der Minister hat die . Vorsteher der Klubs, welche Hw gegenwärbige Regierung unterstützen, den weiß russischen, deutschen und ukrainischen Klub inbegriffen, Zu einer Besprechung eingeladen, in der über die Möglichkeiten einer da,wer nde n Majorität für diel gegenwärtige Regierung verhandelt wurde. Die Frage kr Sftgreuzm. Narschim, i. März. (Set. fcet ,Mr. Morgeiqeitmq-.), Der. französische Gesandte hatte mit dem Ministerpräsidenten eine längere Besprechung, in deren Verlause er ihm einen Brief P o i n e a r e s in Angelegenheit der R eg e l u n g d e r O st grenzen übermittelte. Der Brief, der von Poincare persönlich geschrieben ist, behandelt die allgemeine europäische Politik, insbesondere aber die französisch-polnische, und stimmt einer gü.nstigen Regelung der polnischen Ostgrenzen zu. Rumänien. ' Sn Mtig und die 8«denfra«e. Bukarest, 4. Marz. (I. C. B.) Ue-ber die vor kurze« stattgefundene Audienz des jüdischen Deputierten Dr. Adolf Stern beim König Ferdinand von Rumänien wird bekannt, daß der König das Versprechen gab, sich, persönlich dafür einzusetzen, daß die Verfassung die jüdffche Frage berücksichtigt. Der König sagte wörtlich: „ES ist mein Wunsch, daß die I u d e n f r a g e g e l ö st u n d für alle Zeiten abgeschlossen werde." Der König empfing zahlreiche oppositionelle Abgeordnete.-in Audienz und sprach ihnen gegenüber vom nationalen Standpunkt seine Mißbilligung über die antisemitischen Ausschreitungen a-us. .De« König betonte die Notwendigkeit des konfessiau-Ä l l e u F r i e d e» s , im Äande. Rundschau. »« Einbruch in irie bentsche Lotschsst Vn Rom. Rom. ö.Marz. (WoA)> Zn - de-r Nacht.vom 3. aus bm. 4. h. r-rau^en drei Männer M die Kanzleiräume der deutsche« .. Botschaft, ein, wo sie einen eisernen Schrank evbrachen und Dokumente en'nchmen. Die Botschaft, die durch zahlreiche ver° dachtervegende DsobachtufAen in den vorausgehenden Tage« aufmerksam geworden war, hatte Vovkchrungen Hetwsstn^ so daß. die Tqter nach dem vollbrachten Einbruch durch das Persona! der Botschaft, das sichin..den Kanzieiräumen verstelft hatte, gestellt werden'konnten. Emenn der drei Verbrecher gelang es, boi dem entstehenden.Kamps zu entkommen. Die zwei' anderer.« konnten ergriffen und Beamten des italienischen. Mnisternrms >s Aeutzern, beziehungsweise - der Polize-i, übergeben werden. Le-La-twnMretär - Altenburg, der einen Fleischschuß durch den Ob-erschenkel erhalten hatte, ist außer Gebens» gefchr. Der Wen- und CWstrnrarw rst vollständig derelickl worden. - Paris, 5.- März. Die Agenee .Havas meldet aus Rom: Der deutsche Propa-gandadienst - hat das Gerücht verbreitet, daß der Dirbstcchlsversuch in der deutschen Botschaft von Tätern Lm Dienste Frankreichs.verübt-worde» sei, um' sich der geheimen Dossiers der ^Botschaft zu bemächtigen und aus diese Weise der«' Stand der -i'.alienisch-deutschen Beziehungen kennen Zu lernen. E^tgegM dieser Version, der die italionischr Polizei und die iialienischen, B«chördsn keinen Glauben beimessen, sind.die beiden Diabe Italiencr und der PÄizei vollkommen bekannt. Nach-aus guter' Quelle stammenden Auskünften hat der Diebstahlsrersuch zu einer Inszenierung Anlaß gegeben, die daran^ Kreiseln läßt, ob der Versuch tatsächlich undochLvgesehen sei. . So sind die deutschen Journalisten-sofort zusammenbrruson worden, rvm das Losungswort zu.erhalten, wie sie den Zwischyffall dranvatisch darstellen und ihm einen politischen Charakter geben sollten, um das zwischen Frank-, reich , und Italien-bcstehende hevzbiche Verhältnis zu trüben. Berlin, 6. März. (MoHs.) Die gesamte Presse beschäftigt . sich oingrhend mit :bem Einbruch in die deutsche Botschaft, in Rom und findet,öZ,' höchst.selffairn, daß die Agence Havas ihn Zunr Anlaß nahm, Fvankvsich von jeder Teilnahme an dern Einbruch reinzuwaschen, .noch ehe von deutscher Seite irgendein Verdacht aüsgssprochen war, daß Frat-Lreich daurit in Zu» ftmnnenhaAg stehe. Ae ImtschM StiMMieferrmM» «tt Belgie« «ich FrmWch. \ Berlin, 5. März. (Tel. der „Wr. MoWnzeiümg".> Die Reparationskonmtifflon hatte Kr Montag den 5. d. Vertreter der deutschen Regierung zu einer Besprechung über die Stickstofflieferungen an Fra.'nkrei ch, Belgien und Italien eiygeladen. ' Deuischers.eits hat man daraus geantwortet, daß sich die deutsche Regienlng wegen des R u'h r e i n s a l l e S nicht in der 2age sehe, Lieferungen au F r a n k r e j ch u n d B e l g i e n a u s z u f ü h r e n, daß dagegen, unmittelbare Verhandlungen wegen Stickstoff lieftrungsn mit den italienischen Vertretern bereits einge--! kettet worden feien.