Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1455 (2.3.1923)
- Date
- 1923-03-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sind Vre Behörden einer weitverzweigten Verschwör« n g^auf d-ie Spur gekommen, welche sich als eine gefährliche»Bedrohung «der öffentlichen Ordnung darstellt und auf einen gewaltsamen U in st u r z abzielt. Es handelt sich 'um eine organisierte Unternehmung einer geheimen Filhalorgamsalion der allweltlichen „Weisen von Zion", welche unter der Führung des Präsidenten der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinde, des Generalstabsarztes i. P. und Umversitätsprofeffors Dr. Pick steht, während als dessen Adlatns und Genera llwvollmächtigter der jüdische Politiker Wolf P a p p e n h e i m fungiert. Nach langen Necherchen ist es der Findigkeit der Behörden gelungen, nachdem der Vizekanzler Dr. Frank Persönlich die Untersuchung in die Hand genommen hatte, die Zentrale der Wiener Umsn'irzler auszuheben und eine Fülle von belastendem Material zu erbeuten. Aus der saisterten Korrespondenz, welche mit einem von einem Zionsstern eingerahmten Totenkopf signiert ist, geht hervor, daß die Verschwörer mit den wichtigsten Filialen der weltumspannenden Organisation der „W eisen von Zion" in steter Verbindung standen, und zwar wnrde der Verkehr durch Kuriere vermittelt, welche durch die strengsten Eide zum absoluten Stillschweigen verpflichtet sind und sich durchwegs aus dem Rabbiner st ande rekrutieren. So sind unter anderem wichtige und sompromittlerende Briefe in die Hände der UntersuchungsbeHörde geraten, welche von TrotztY, Poincare, dein Berliner Kommunistenführer Levi, dem Führer des jüdischen parlamentarischen Klubs in Polen Abg. G.rünbaum und von M u s s o l i m herrühren. In diesen Schreiben werden die Wiener Verschwörer zu-ihrem Unternehmen beglückwünscht und darauf aufmerksam gemacht, daß der Tag nicht mehr weit sei, an dem die jüdische Weltherrschaft Tatsache geworden sein werde. Vorbedindnng dazu sei nur, daß die jüdischen Genoffen in allen Landern mit dem gleichen Mute tätig seien wie in Wien. Wie aus der Untersuchung hervorgoht, haben die Verschwörer, welche sich bei ihren Aktionen hauptsächlich der Mitglioder der Wiener Benai Berith- Logen bedienen, ~ nach genauen und detaillierten Weisungen gearbeitet, welche sie von dem Großmeister der „Weisen von Zion", dem bekannten Schriftsteller Achad H a a m (Ascher Ginzberg) aus Palästina erhielten. Ginzberg bediente sich hiebei eines eigenen Kabels, welches für diesen Zweck von Jaffa nach Triest gelegt wurde, und seinen Anschluß an eine unterirdische Telegraphenleitung findet, welche im Präsidialbureau der israelitischen Knltusgemeinde in Wien endet. Die Legung des Spezialtelegraphen, welcher den Behörden so lange unbekannt geblieben ist, ist dank der Verbindung mit dem „V e r e i n d e r j ü d i s ch e n P o st l e r" möglich getvesen. Die Untersuchung wird nunmehr vom Polizeipräsidenten Schober in persona geführt. Doch haben sich auch die m Wien beglaubigten Diplomaten der kleinen und der großen Entente mit dein Falle beschäftigt. Wie man in gilt unterrichteten Kreisen anniinmt, wird eine gemeinsame Demarche, beim Bundeskanzler Seipel erfolgen. Die Beunruhigung der Vertreter der Mächte ist damit zu erklären, daß sich eine Reihe von, auffälligen Momenten ergeben hat, die dafür sprerl)en, daß der Bundesminrster für Aeußeres Dr. Grünberger sowie der Finanzmimster Dr. K i e n b ö ck in die Affäre verwickelt sind. Kienböcks verlängerter Aufenthalt im Anslande soll in Wahrheit nicht den Ve> Handlungen bezüglich der österreichischen Anleihe gedient haben, Dr. Kienböck soll vielmehr die Gelegenheit lvnntzt haben, mn für die geplante Aktion große Geldmittel nach Wien zu scl)affen, welche er vom Chef des Londoner Hauses Rothschild erhalten hat. Es Mrden bereits zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Auch der Wiener Oberrabbiner Dr. C h a j e L erscheint stark kompromittiert. Bei einer in seiner Wohnung vorgenommcnen Hausdurchsuchung wurde eine tNciijc von Talm u d exemplaren und ein „Schulchan Arnch" gestmden, wodurch Dr. ChajeS stark belastet erscheint. lieber daß endgültige. Resultat der Erhebungen lverden wir in unserer näcl;ftcu Pnrimtumiuta. herichüuz < Das Budayester Bombenattentst restlos aufgeklärt. Me hsMmagyarWe Rechtsordnunq gläiizrny MMMrrt. Budipcsi, 8k. Februar. (Ureigenster Bericht.) Die we-. gen der letzten Bonibenatteutate entstandene Erregung ist einer völligen Beruhigung der Bevölkerung gewichen. Die Leiche des einen Todesopfers, der wte Punkt der polizeilichen Untersuchung, wurde einbalsamiert, um sie vor Verwesung zu schützen und auch für künftige Gelegenheiten gebrauchsfähig zu erhalten. Das Aktenbündel der Untersuchung, gleichfalls ein Opfer des Attentates, wurde am dritten Tage unter Bewachung einer Ehrenkompagnie der Erlvachenden Ungarn zur Staatsanwaltschaft überführt und dort im Pantheon horthymagyarischer Justiz in eigener Gruft zur ewigen Ruhe bestattet. Die Beruhigung dcS Publikums ist darauf zurückzuführen, Laß es der Energie und dem Zielbewußtsein der ÜntcrsuchungSorgane gelungen ist. den Fall restlos aufzukläven und die Attentäter ausfindig zu machen. Wie bei allen bisherigen Attentatsfällen mündete auch diesmal die Untersuchung in das Internierungslager von Zalaegerszeg, welches von den Feinden Ungarns, wie man gleich sehen wird, fäl'chlich als die „Hölle Horthy-Ungarns" bezeichnet wird. Die vor einigen Tagen nach dreimaliger Voranküntt'.gung und Verfügung plötzlich und unangemeldet durchgesührte Revision des Lagers hat das überraschende Ergebnis zutage gefördert, daß alle bisher unaufgeklärt gebliebenen Attentate von jüvischen und kommunistischen Internierten des Zalaegerszeger LagerS ausgeheckt und ausgeführt wurden. Die im Lager internierten galizischen Juden und die ehemaligen roten Soldaten, ft.ren Kommandanten jetzt in Budapest hohe Stellungen bekleiden und an fetten Geschäften beteiligt sind, sehen sich durch die Quertreibereien deö liberalen Elisabethstädter Klubs sowie der Abgeordneten Rassay, P r o p p e r und des' Redakteurs des „A z E st" gegen das ZalacgerSzeger Internierungslagers in ihrer Paradiesischen Existenz bedroht. Die von. diesen landesverräterischen Kreisen angestrebte Auflösung des Internierungslagers würde für die internierten Juden und politischen Häftlinge die Vertreibung der Glückseligen aus dem ParodieS bedeuten. Die Internierten dieser Kategorie beschlossen daher denTod ihr eS F e t u d e. Dis jüdischen Opfer des Attentates gegen den Elisabethstädtcv Klub mußten auch deshalb den grausamen Tod sterben, weil sie durch ihr Verhalten ihre Solidarität mit den jüdischen Internierten von Zalaegerszeg verletzten und sich dagegen wehrten, im Jnterniertenlager einem langsamen, aber ebenso sicheren Tod entgegenzugehen. Die Erhebungen ergaben, daß die zu Bomben verwandelten Sardinenschachteln mit jenen Steinen und Hufnägeln gefüllt waren, welche die Internierten aus ihren Speisen h e r a u s g e f i sch t haben. Daraus erklärt sich auch^ daß die auf Horthy beeideten Sachverständigen d'.e Bornben als ungefährlich bezeichneten, denn sonst hätten die Internierten, die die.Speisen mitsamt den Kieselsteinen und Hufnägel genoffen, schon längst in die Lust gehen müssen. Isaak Jsakowitsch, der 70jährige einbeinige galizische Internierte (das zweite Bein verlor er in Zalaegerszeg, als er zur Durchführung des Attentats das Lager verließ und angeschoffen wurde) sowie seine Genossen wurden für ihre patriotische Tat zu lebenslänglichen Ehrenmitgliedern im Paradies von Zalaegerszeg ernannt. Zur Feier des Triumphs der nunmehr in vollem Glanze erschlagenen Rechtsordnung gab Reichs- Verweser Horthy ein großes Festbankett, zu welchem auch seine ausländischen Freunde geladen waren. In den Trinksprüchen feierten der italienische Gesandte R o m anelli, der Wiener Hakenkreuzler Riehl und der Münchner Nationalsozialist Hitler die ungarische Rechtsordnung und stellten mit Befriedigung fest, daß die Ertvachenden Ungarn, die Faszisten, Hakenkreuzler und Nationalsozialisten einander völlig würdig seien. Nach dem Bankett tvar alles illuminiert, und daß es zu keinen Ausschreitungen gegen widerspenstige Juden in den Straßen Budapests kam. ist nur dem Umstande zuzu^chreiben, daß die Gäste Horthys zu so, später Nachtstunde keinm Juden begegneten. b. sz. Telegramme. U- Mrlandskndite Mr Srstrireich. Die Bedingung der englischen Negierung. Wie wir von bcfo-n derer Seit« erfahren, hat die englische Regierung, ch« Bereitwilligkeit zur Teilnahme <m bet öfter* veichischen Kvctdsty-iwn an eine bisher m der Teffentlichke'st nicht bekannte BcdinMNg geknüpft. Finauzm mister Doktor Kren bock hat bei seinen Londoner Verhandlungen die Ansage gegeben, daß die von den Ministern W a b e t und Frank eingeloitete VersohmilirgSM'wn zwischen den Konfessionen in konkreter Richbung fortgesetzt und ausgobaiut werden soll. Ms eines der Mittel hierzu smd in Nachahmung der Institutionen der AuMlfchpvvfefforen Anstanfchpredigten vorgesehen. So soll in nackIer Zoll in einer fc* Wiener Syna gvgen der vuhmlichft. bavcmmte Ritual mordforsch er Umversitätspr-ofMr Dr. Nivard Schlögl eine Predigt hatten, wäl-rend am nächsten Sonntag Rabbiner Dr. Grünwald im Dome von St. Stephan das Hochamt zsleibrieren wird. (Karttn an der Abendkasse.) Dr. MStt fiel Rothschild. London, 1. M^rz. iPurim-Agentnr.) Der österreichische Finaqrzministe: Tr. Ki:nbkck stattete Lord Rothschild einen Besuch ab. Da- Gespräch nahm stellenweise einen intimen Charakter an. Man sprach nch über die Vergangenheit und Zukunft der Familien deS Rothschild und Kienböck unge§wllngen auS. Rothschild bemerkte lächolnd, daß seine Famklie in absteigender Linie arisch geworden sei. „Ich höre", fügte Rothschild hinzu, ,-wß auch Sie, Herr Finanzmmister» in der absteigenden Linie einer jüdifchrn Familie der arische Puntt sirid." Dr. Kienböck quittier « diesen Rothfchld^Ditz mit vevb-indllichem Lächoln. ,^ch begreife nur nicht, warum Sie dann, Herr Doktor ein so wütender Judenfeind sind", fragte Rothschild weiter. ,^)ch bin gar kein Jrldenfemd", erwiderte Dr. Kienböck lächelnd. „Ich schwör« es Ihnen, ich nwchte gleich lieber »der Rothschild als der Kienböck sein." „Faule Geschäft mache ich prinzipiell nicht", replizierte Rothschild. Damit war der Uabergang zmn geschäftlichen Teil der Unterrednng gesundrn, StrlSer u«d Horthy. Bvdapest, ZI. gbbmar. LSpe-ialbertcht.) Die Ernemnrng des Wiener ZionistenfühverS Ing. Robert Stricker . -um Ehrenmitglird der Budapester Chewra Kadis cha hat in hiesig-n Mischen und politischen Ändfen - freudigste Gemrgnmng ansgelöst. Die Horchy nahcftehonde Presse machte dos freudige Ereignis in der ganzen Stvdt sofort durch Ertra-Ausgab.en bokanm. Wie Jhr«n Spe- ^ialb.r'ichterftatte.r mitgeteilt wird, hat ReichSversvcfer Horthy aus diesem einen Kurier nach Wien entsandt, welcher Ina. K t ck /v;'r Überreichen soff, wÄchet tnrt Brillanten besetzt ist und die gravierte Widmung entihält: Dem. unermüdlichen Vorkämpfer jüdisch-chazarisch-magyarif cher Verbrüderung in steter Gewogenheit Nikolau8 von Horthy. ' Wie Ihr Gpe^vaWerichteDstatter aus -befttinnttest-'r Quelle erfährt, hat Horthy glei-cl^ei-tig an Jn>g. Stricker die Einladung ergehen ttchsen, nach Budapest zu kommen, mn ihn dauernd m Ungarn zu seffel-n. da er, Horthy, überzeugt ist, daß Stricker,' falls er dieser Einladunig Fobge leiftete,. nie mehr Mch Wien, tznrückkäme. Henry Morgentau ausgezeichnet. New-Iork. 30. Fobmiar. Der gewesene Botschafter dnki Vereinigen Staaten vn Konstantmopel und Chef der seinerzerttgen^Delega^ion zur Untersuchung der Pogrome m Polen. Henry Morgentau erhielt für setim ersprießliche.Tätigkeit gegen das EhrMfühl der Juden zu gleicher Zeit Kvei Mistz.üchn'ungen. Der panarabifche Nat iona listeyverHa nd verlieh ihm die Ehrenbürgerschaßl des ertrLwmten sudenreinen arabischrn GroWaates. während die Polnischen Nationaldemokraten ihm für seine wahchoitsge-- twurn Ben.chtt über die seiner,zeitigen Pogrome m Polen den Tirol „Pa rade-A n t isem ii“ verliol^n. Diese Auszeichnung Morgent-aus wurde anläUich des^ fünifzigsährUe-n Jubiläums des amevMni'sch-m NofovMijnden« timns. bei de)sen Tagung er 'den Antrag aus Beteilig^.der Reformiuden am Wiedeoaufban Paltiistinas zu Falle bracht«, durch einen eigenen Fcfda-bend gefeiert. Henry Morgeni-au. der sich durch bssonderv AhNungs'losigke'i't über die wahren Bor--- gänge nn Judentum Mszeichnet, hat cm Ja'bot'mAy anläßlich seirnes Rücktrittes von der Zionistischen' Pa-rtellc'liniwg ein Glückwunschtelegramm gerichtet und chnr die Wafserobrnderschast angeboren. Die Begtichmmg „Waffenbrüderschaft" hat auf Jebotinsky einen so^ mächtigen Eindvuck gsübt, daß er das Änbot annahm, i Me Wiener bodenWMge« Fudr« für Palästina. Jentfalem, 14. Adar. (Privat-Telegmmm.) - Sv-.be» sind hier als Vertreter der Wiener israelitischen Kuldusgonwinde B-auwt Kempler sowie als Vekt-retcr der Union österreichischer Inden die Herren Dr. Qrnstein und Pwf. Königstern eingelangt, um das von den lwiden genann-ten Körperschaften gemeinsam beschloffeue Werk der Er» vichtnng von zwanzig landwirischa f-rlichen Kolonien m ber Nachbarschaft des Emek Jisrnel in Angriff zu nclMen. Die Wiener 3i<präsentanren habet» die rnrgskausten Böden besichtig! und über die cht^cfcwcien Okk,u;'at!onsarl'0lt0R j ihre vollste ZnftiedanM gcä'tißeri. Sie lialvn als erste A«- zablwng zu Händen des VertveL'xs der Zionistischen C^tutisjc! NM«nH«jHr.»22aatfa 6