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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-02 · Heft 1455 (2.3.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1455 (2.3.1923)
Date
1923-03-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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; n «-.ES MM, UVLMA SBtene* Myeseitzettvms. 2. mm m Getto 9 "mm Polen. ittgeminieter Dr. Reich vor seinen Wühler«. - Lemberg, 28. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenjeltonfl".) Eine Woche nach dem mißglückten Auftreten WrHluekiS fand im selben Saalh eine imposante fWLHlerversammlung statt, Lei welcher der Präses des sKlubs der jüdischen Abgeordneten aus Ostgalizien, Abgeordneter Dr. Leon Reich, den Rechenschaftsbericht über die bisherige Tätigkeit der jüdischen parlamentarischen Beriwetung erstattete. Eine kmftndköpfige Menschenmenge hielt ttlle Räume bis zmn Stiegenhaüse, besetzt. Abgeordneter JDr. Reich besprach in einer fast zweistündigeu Rede die , pruste Situation der polnischen Ju-denschaft und beleuchtete alle wichtigen Fragen, zu denen die jüdischen' Abgeordneten und Senatoren bisher Stellung zu nehmen Gelegenheit hatten. Er motivierte auch die oppositionelle Stellungnahme des Jüdischen Klubs zur Regierung Sikorski, die unter Hintansetzung aller demokratischen Grundsätze K.tvohl durch das Expose des Ministerpräsidenten als auch durch Stellungnahme in der Frage t^r rusiischen Flüchtlinge, in der Schenkersvage, in Angelegenheit der Brodver ,Mozwoj-Affäre" bewiesen habe, daß sie dem Drucke der antisemitischen Rechtsparteien mehr als gewünscht Folge Leiste. Der Jüdische Klub wolle auch weiterhin in der Verteidigung der gefährdeten jüdischen Interessen nicht ersahmen, insofern er an dom Vertrauen der jüdischen Bevölkerung den notigen Rückhalt finden werde. Die Versammlung bereitete dem Lemberoier Deputierten stürmische Ovationen und beschloß einstimmig Dank und Vertrauen für Dr. Reich und die übrigen jüdischen Abgeordneten. > Sie Rmaemr üausllr-Agttalio« ln Lemberg. Lemberg, 1. März. (Tel. der „Wr. Morgenzertung.") Bie von der «ationaldemokratischen Studentenschaft seit Monaten mit allem Nachdruck betriebene Numerus ^la u s u s - Kampagne für die jüdischen Studenten an den Hochschulen, hat in den letzten Tagen in Lemberg ihren Höhepunkt erreicht. Es ist charakteristisch, daß die sich jmnmehr über alle Universitätsstädte Polens ausdehnende Pewögung von hier aus mit kundiger Hand gelleitet wird. Da die Angelegenheit, als deren Wortführer im Warschauer Sejm nebst dem Hetzpater öütoslawski die Univetsitätsprosesioren K o n o p- . Lghnski und Dubanowiez austreten,.in den allernächsten Tagen spruchreif werden dürfte, lasten die in Bewacht körnenden, unter der Patronanz der akademischen Lehrer und anderer hochgestellter Würdenträger' stehenden Mdemischen Organisationen kein Mittel unversucht, um durch stürmische Versammlungen, Straßen- »uszüge und ähnliche Demonstvationen einen Druck auf die Abgeordneten und Senatoren auSzuüibem Als sehr bedauerliche Tatsache steht nunmehr fest, daß die hiesigen - pePrden diesem wüsten Treiben mit voller Gleichgültigkeit gegenüberstehen. Während die für letzten Freitag vom Da-wnisthen Bevern Zjed-noczenie cinberuftne Protest Versammlung gegen den Numerus clausus »us angeblich formalen Gründen polizeilich verboten wurde, fand gestern^ eine vom Gros der polnischichauvmistischen Studrntenovganisationen in den Sokolsaal dkniberusen»' Versammlung statk, wobei rn rüdester Weift gegen die jüdischen Studenten losgHogen und ein« Reihe . von diesbezüglichen Resolutionen beschlossen' wurde. Die Polizeidivektvorr hatte gegen diese Kundgebung nicht nur nichts e'mzuwenden, sondern sie beorderte auch p'm Mastenilmfgebot von Sicherheitswache zu Fuß und zu Pferd, um etwaige Gegendemonstrationen der ohnehin dünn gesäten fortschrittlichen Universitätsjugend im Keime zu ersticken. Dieses Verhalten der obersten Sicherheitsbehörde hat in -en wertesten Kreisender Lembecher Judenschast begreifvcke Erbitterung hewovgerusen. . vie Sftgrenrm. Paris, 28. Februar. (Tel. der „Wr. Morgonzeitu^.) kder Botschafterrat, der sich demnächst mit d>r Regelung der polnischen Osdgrenzen beschäftigen wird, wrrd voraussichtlich aus Grund der Instruktionen, die die Vertreter der einzelnen Regierungen haben, nur die R"gelung der polnisch-litauischen Grenzen erledigen. In dieser Hinsicht ist die Mehrheit der Mitglied«-! des Botfchaftervates geneigt, das ganze Wilnaer Gebiet gegen Litauen zu, die neutrale Zone inbegriffen, Polen zu Übergeben. Bezüglich Ostgaliziens jft die Haltung einiger Mitglieder des BotschasterraieS noch unbekannt. RWSuieu. Las Weil gegen die «ngaMe» Derschwü rer Bukarests 28: Februar. (Orient-Radio.) Im Prözeß gegen die ungarischen Verschwörer haben die Hauptangeklagten das volle (Geständnis abgelegt, daß die .Verschwörung dltrch den Verein der Erwachenden'Ungarn ansgeheckt und organisiert, wurde'. .Das Haupt der Verschwörer, Jstdan Turoezy, wurde zu zehn' Jahren G e f ä n g n r s verurteilt. Ueber die drei anderen Hauptschuldigen, Sandor Mosgo, genannt „Graf von. Belmont", P a lä g y und Balaczy, der damit betraut war, die Höllenmaschine nach Rumänien, zu bringen, wurde die gleiche Strafe verhängt. Außerdem wurden 14 Mitschuldige, deren man nicht habhaft tverden konnte, in contumanciam zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Unter ihnen befinden nch die bekannten Budapesier Jrredentistenführer Ivan He;ias und Paul Pro näh, ferner der ungarische Abgeordnere Georg Hic. der die für die Verschwörung notwerd'gen Geldmittel verschafft hat, der ungarische Eiftnbahnbrainte Josef Thb oldh und Dr. , Sarwor Daniel-, durch dessen Vermittlung die. notwendigen falschen Pässe beschafft wurden. Mm«. 8ta Wttrag twf AEIiMmg Wmm m fceraBBRcrtnnb. W«fcka«,1. März. (Tel. -er „Wr. Morgenzeitung.") Per polnische Delogierte beim Völkerbund Profestor Askenasy hat dem Genevalftkretariüt des Völkerbundes seine Note übermittelt, in der im Zusammenhang mit dem polnisch-litauischen Konflikt sn der neutrale« Zone der lAusschluß Li t auens aus de.m Bölkerbund verlangt wird, da Litauen stets Gowaltmetheden anwende. MuffoLrü leM ein? Aus Rom schreibt.man uns: Verschiedene Vorgänge in der letzten Zeit scheinen zu beweisen, daß Mussolini bestrebt ist, die von ihm geschaffene Bewegung der Faszisten in ein ruhigeres.Fabrwassrr hMÜberzulenken. Der Diktator von heute, der sich im Besitze der höchsten Macht in Italien sonnen pars, möchte anscheinend die Vergangenheit vergessen machen und die zwischen den Faszisten und ihren Gegnern bestehende Kluft Überbrücker;. .Es kann dem gegenwärtigen Repräsentanten einer straffen. Staatsautor'.tat nicht gleichgültig sein, daß. die Faszisten'die uner seiner Patronanz so lange geübten Methoden des Torrors da und dort noch immer fortsetzen und damit den Regierungschef selbst in Mißkreditbringen. Vor einigen Tagen hat Mussolini dem faszistischen Gewerks chastsb und in Rom einen offiziellen Besuch abgestattet und erklärt, der Ministerrat werde demnächst das Gesetz für die Erhaltung des AchtstuNdrntages erledigen und andere wichtige Maßnahmen zugunsten der, Arbeiterschaft verfügen, die sich noch rm Stadium der Vorbereitung befinden. Die Regierung müsse von Arbeitnehmern und. Arbeitgebern Disziplin, Ruhe und EiqNtracht fordern, urü> er habe den Eindruck, daß die Arbeiterschaft der faszistischen Regierung sympathisch gegenüberstehe, da in erster Reihe das arbeitende Volk an dem nationalen Wiederaufbau, den die ' Regierung mit ganzer Kraft anstrebr, interessiert sei. Besonders, auffällig ist jedoch eine Rede, die der Vertreter der Stadt Triest im römischen Parlament, Ginn 1 a, in direkten^ Aufträge Mussolinis in Trieft1 gehalten hat und die sich an alle Faszisten JtlienS richtet. Es ist charakteristisch genug, daß Mussolini seine Botschaft an die FaSzisten durch Grunta ergehen läßt, der als einer der rücksichtslosesten faszistischen Radaumacher bekannt ist, der die deutschen Abgeordneten Siidtirols an ihrer Teilnahme an den Kammersitzungen zu hindern suchte, verschiedentliche Exzesse in den Zwischen Teilen von Istrien veranstaltete und als einer der Arrangeure der Faszfftenbesetzung. von Fiume anzuseben ist. Derselbe Abgeordnete Gmnta hat nun im Namen Mussolinis verkündet, daß von nun an alle individuellen Mionen zu Ende sein müssen, da die Staatsgewalt allein berufen fei, zu strafen und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Besonders warnt G'unö» vor der Teilnahme an den Exzessen der faszistischen U e b e r-! äufer, die gestern noch Kommunisten oder Anhänger Giolittis waren und gegenwärtig ihre faszistische Gesinnung besonders unterstreichen zu müssen glauben. Ebenso hat der Unterstaatsftkretär L u p i, gleichfalls einer von den Intimen Mussolinis, in dessen Auftrag eine scharfe Rede gegen die undisziplinierten Elemente der neubekehrten Faszisten gehalten, welche die notwendige straffe Disziplin stören und Mussolini an seinem Wirken hindern, der bestrebt fei, in friedlicher Arbeit das Regime des Faszismus zu sichern. Man ersieht aus allen diesen Erscheinungen, daß es auch Herrn Mussolmi schwer wird, die Geister los zu werden, die er so oft und so laut gerufen hat. M ÄM8M HMen. , MilnH-n, 1. März. (Sei. der „Wr. Morgenztg.") DI- Münchner Hakenkveuzley haben bekanntlich ihre wüste Radaupropaganda vor einiger Zeit schon von Alt-Bayern nach Franken übertragen, wo sich als erster der schäm» losesten Hetzer ein Nürnberger Bolkschullehrer Streicher hervortut. Dieser Geselle ließ nun in verschiedenen Zeitungen ein Inserat veröffentlichen, in welchem behauptet wird, in den Nürnberger Fabriken würden geheime Zirkulare verbreitet, die für eine Ermordung Streichers eine Belohnung von zwei Millionen Mark versprechen. Aehnliche Aeußerungen hat Streicher in seinen Versammlungen getan, bis sich das Nürnberger st ä d t i s ch e N a chrrchtenamt zu einer Erklärung an die Presie veranlaßt sah, in der es heißt, die Behauptungen über angebliche Mordpläne gegen Streicher seien frei erfunden und das Geheimzirkular sei offenbar zu agitatorischen Zwecken fälschlich, an gefertigt worden, wobei als dessen mutmaßlicher Hersteller ein Mitglied der H a k e nk r e ü z l e-r, ein gewisser Keßler, ein mehrfach bestraftes Individuum bezeichnet wird. Derselbe Geselle "hat in vev, schiedenen Bänernversammlungen die gemeinsten R i» tualmordlützen verbreitet und.erzählt, daß in Nürnberg zu Ostern drei Christenkinder ermordet worden seien, eine Behauptung, für . welche er zu vierzehn. Äagen Gefängnis Verurteilt wurde. So sehen die Vertreter der arisch-germanischen Höhenmoral aus! , MikHemr ROanche-Amte. Müncken, 1. Marz. (T,el. der „Wiener Morgenzeitung".) Die hiesigen' ältlichen Verbände, der Aerziebund - und der Hartmann-Bund haben an die deutschL Aer;te.schast in ememAufruf dieAikffovdrrung gerichtet, von. „jeder Hilft für Franzosen und Belgier abzufthen und keinen; zu raten oder zu helfen, ehe nicht die besetzten Ge- . biete geräumt sind". Die französische Aerzteschaft hat darauf mit der Erklärung - geanttvortet, sie werde Hemmt Deutschen die ärztliche Hilft verweigern. tote ItteidMslmehrheit im bayrische« . Landtkg.- Münchw, 1. März. (Wolff.) .Im bayrischen Landtag haben die von der-Bayrischen Volkspartei und der Bayrischen Mittelpartei eingebrach'en Anträge - aus V e rf a s s u n g s ä n d e r u n g nicht die notwendige Zweidrittelmehrheit eÄalten und sind somit .abgelehnt. Gegen dir Anträge stimmte;; außer den Sozialisten dis Demokraten und die Bauernbündler, . Der beMche BMchafter beim enMche« Muigspaar. Loads«»» 1. März. (Wolff.) Der deutsche Botschafter Md besten Gemahlin waren beute dem Frühstück beim Königspaar im Bü ckin gh a m-P a l ast zn ge z o g e n. Anarchistenrazzia iu Sosw. Sofia» 1. Marz. (Telegramm der „Wiener Morgenzeitung".) Die Polizei hat in der vergangenen Nacht in einem Kaffeehause in S o s i a eine Gruppe von A n a r ch i st e n aufgestöbert. Im Verlaufe eines heftigen Kampfes wurden zwei Anarchisten getötet, während" die anderen flüchteten. . Von einem benachbarten Hause bewarfen die Flüchtenden die s'o'izisten mit B. oi yr b e-n^Der Ministerpräsident hat Sicherheits. m ßnahmen angeordnet, um die Anarchistenbewegung zu unterdrücken. Eben werden, mehrere Hausdurchsuchungen tzsrgrnommen Uttrn Kasemrth l'gsrael Mischer Rktümvk »« «tte Safi«»««sss««»llev «n» FrLvvSo Los Ssre« . Jtajeatfl) l'Zsrael! < ^Trotz der infolge der.Geldentwertung der Länder der jüdischen Maffensiedlungen erfolgte» Rückgänge seiner Einnahmen im Jahre 1922 hat unser Fonds in diesem Jahre neuen Boden erworbenr ' 1. SÜOV 'Dunäm in T e k - A d a S, auf denen eine Siedlung transsylvanischer, landwirtschaftlich besonders geschulter Juden gegründet wird; 2.114.37V Quadratellen in Haifa, am Fuße des Karmel. Außerdem hat der Keren Kajemeth ^Israel von bem tth Jahre 1921 erworbenen Boden durch Trockenlegung von Sümpfen urbar gemachtr I« N ah aläl 8000, in N uri s 11.000 D « n am. Femer hat er für jemenitische Familien in der Kolonie R i s ch o n l e Z i o » 13 H ä «s. e r zu Ende gebant und 1V n e u e begonnen, Schlleßlich hat er in N a h a l a l (Jesreelebene) die Restauration eines uralten Waldes auf etat Strecke. »or 4600 Dunam eingeleitst. Wir sehen hier eine sehr bedeutende Kulturarbeit fürdasganzejüdischeVolL ES bedarf aber einer Mobilisierung a X l e r Zud e «, die ihr Judentum ernst nehmen, damit allem giftigen Haffe unserer Feinde zum Trotz, die uns h i e.r anfeinden und in Palästina unsere Entwicklung verhindern wollen, «reg 3!rail tos -üttfcho JStim nrerl«» Unsere Pioniere geben Leben und Gesundheit für n«S alle her, wir hier sollen ihnen wenigstens mit Geldmitteln helfen. Geben Sie selbst mtb -? das ist von entscheidender Wichtigkeit — veranlassen Sie zumindest «och eineu Ärdeu, daß er da» nämliche tut. J ' / L«k fwfim sei der äußere Anlaß hierzu. - Sie.helfen dadurch, Max Nord an ein ewige» Leu» mal in Mserem Laude errichten, die . . Lv. Max »or-a«'Varfenpa»r. Die Gesinnnngsgeuoffen werden ersucht, sich der ihn« auf ihre Privaigdresse. zugeschickten Erlagscheine für die Entricht«»;» der P u r i m s p^e n d e bedienen zu wollen.. DieLandeskommiision.de» mtm «ofe»Äh r»Rr«k Mvisch« in VeNerreich. f Lokd Weardale gestorbe». 2<mbon, 1. März. (Funlspruch de» tschecho-sürw. Preßbureaus.) Lord Weardale fft gestorben«^ Er war eines der tätigsten Mitglieder dtr interparlamentarischen Union unh einige Zeit Vorsitzender dieser Institution. Nach dem Kriege nahm er in hervorrageMr Werft an verschiedenen Hilfsaktrorftn für Europa tell mch war BorsitzeMr' Ver Kinderhilssaktiön. litt H

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