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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-01 · Heft 1454 (1.3.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1454 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Me«, DoMeMatz 9R TWOTUhw 9(8 sHttJttfft», (W8|8S# ' Bukarest, §8. Februar. (Tel. der „Wr. tnyf.) Gestern erschien eine Abordnung der Bukarest« hnstlichen Studenten beim Unterrichtsminister AngheirSru, um Hm den jüngsten Beschluß der christlichen Studentenschaft über den Numerus clausuS zur KwuttriS er -bringen. Der Whrer der Abordnung gab die Erklärung jb, die christliche Studentenschaft habe «ach, reiflicher Überlegung den Beschluß gefaßt, von der Forderung des flumems clausus an der Universität «bzusehen und floß eine Rsgelung der Frage der für anatomische Zwecke ^forderlichen Leichen herbeizusühren. Minister Anghe-- iescu ließ nach dem Empfang der christlichen Studenten fen Generalsekretär des Verbandes der rumänischen §Mn Tr. Magder zu sich bitten, und nachdem er von ihm sie Versicherung erhaltenhatte, daß die jüdische Gemeinde ker Regelung der Leichensrage kein Hindernis entgegenteilen tverde, suchte der Minister in Begleitung Doktor Nagders die Universität auf, wo er m Gegenwart der »erfammelten Studenten folgendes erklärte: . „Ich stelle mit Freude fest, daß die Ruhe, die für eine -siegreiche wiffenschastliche Arbeit unerläßlich ist, zwischen jen christlichen uiw jüdischen Studenten endlich hergestellt em wird. Wollen Sie zur Kennttris nehmen, daß Sie alle, pelcher Nation Sie auch angehören mögen, .rumänische Staatsbürger und demnach gleichberechtigt sind. DeshcÄ, Verde ich es niemals zugeben, daß der. FriM auf der Unirersität je durch das Schlagwort des Numerus clmffus gehört werde. Ich wiederhole, daß ich das unter Leinen Umranden .dulden kann. Was die Leicheriftage betrifft, fl» jaben die Führer der JuLenfchast ’ sich verpflichtet, . die triedliche Löstrug auch dieser Angelegenheit zu fördern." Der Beschluß der christlichen Mudentenschaft ist auch }xt bk Universität m IaDHHn^Üd, urw nachdem nunu.chr auch der Professor cm der Jassyer Universitär, kimonescu feine Demission schrfftlich^überreicht hat, fcttb in den nächsten Tagen die Neuwahl des Rektors der Fasiyer Universitär stattfiuden können. Dis im Zusammenhang mit den letzten Ausschreitungen verhaftewn Sturenten wurden bis auf zwei, deren Berufung gegen ihre Ferhastrrug noch nicht vechauhÄt wurde, auf .freien Atß zssetzt. «9iCnfr WlQCSvnSvtnilTB*!■ Grosse IQdlschV ersamml ti Gegenstand: Die HakenltreiJZbewegung Kekereoie»: Obeibatmt Rodert Stricke*, G >8. Dr. Leopold Plaschkes» G.-R. Or. Jakob Ehelich mrck Band KebesszabL ■jtl^^LLr-' ' 'js^aLauAaii Marz IVA Ser Gouvernesr va» F««sa!rm bei» PrÄdeute» H«Mss. Washington. 27. Fchrnar, (I. B.) Der jetzt in Arne- Ks 'wettende Gosversevr von Jerchsiem,' & tot iS, (Miete »m PrSsSdestten Harbing im Weiße» HauS eine» Besuch?Ä. Storrs informierte den Präsidenten über'die TätigkeU Und -re Ziele der Pro - Ierrrsa! em - Gese lkfch a f t, fotok aber andere PalLstina-AngelegörcheiteN. DararHiu war der Gouverneur bei dem . M Zivwste«-- jreunL» LokÄmten Senator Crrrtiß zu Mittag geladen. Am Tage darauf gab der englische Batischsfte-r i« Msthüitz-. Wi §n Ehren Sir Stores ein Diner, welchsm Richter Brandeis, der rumänische GefanbLs Prinz Bibescu und Gernchlin OkAmnKich eine Tochter des früher«» englische» Pr-MrerZ AZAich), sowie, archeve PerforÄichkeiten des difllo» rnatischerr Korps'urG der jüdischen OeffenKichkett berwohnten. Gorwerneur Sto-rrs wird mm für einige Zeit Gast de- Herr» Na!hM Strauß m dessen AAE New-Mk -ßdilheÄÄ.- WÄüerha-usse fei». - , , , ‘ ’ ■ M fÖjCttTDJßC. . -r / ZewsaLem» 27. Februar. <J. C. B.) Der e«>Kif«he - J^° tzenrsur Palmer, der dam englischen öwkmialckrüisterimn Amu SirÄium der Frage der Erdichtung deines HafenS in Pa- Wi«a delegiert wurde, P in Jerusalem eingetroffen. Zur Deratung. Palmers wurde eine amtliche.Kommrssjon eingesetzt, welcher die Direktoren der öffentlichen Arbeiten, der Han'oÄL- und JndNstrieMeMng, der ÄeuerMeAung, der Chef des Ei-sendchnweiserrs mL die Gouverneur« vo« Haifa und Jaffa MLgchören. ' PMMa mrd die eoMsche NeWavsstM««. Aus Jerusalem Meldet I. E. B.: Der Rat der palästinensischen Regierung hat befchloffen, an der englischen HandelsaussLellnng Leilzunehmen.' Es soll ein besonderer Pavillon für die Ausstellung der Produkte und Fabvikate Prläftüias errichtet werden. der liberalen Gruppe ist der ehemalige Ackerbauminister Ricard. Bei der frarrzösischrn Regierung überwlegt der Einfluß der liberalen Agrarier, währenin der in Paris befindlichen Zentraleder grünen Internationale die französische klerikale Parier das Ueherocwicht hatte. Me bestehende Kluft zwischen den beiden Lagern Umritt noch dadurch vergrößert, daß der italienische Partsto popolave, üvelcher gleichfalls auf volksparteilicher Grundlage organisiert ist, sowie die Holländer und Belgier mit der Führung der französischen kkrikalen Agrarier unzufrieden sind und wr Jnteveffe der Einigkeit de«'französischen Genossen dringendst eine Annäherung an die liberale Agrariergruppe nahelegten. Diese Einigkeit soll nun in. der am 12. März statisindenden Delegiertenbesprechung zustande gebracht werden. Sollte dieser Versuch scheitern, so müßten die Franzosen sich dämuf gefaßt machen, daß der Sitz der grünen Internationale von Paris in die Hauptstadt eines neutralen Staates verlegt wird, wo dann die Einheitsfront der Agmrierverbäude der ganzen Welt geschaffen würde. Die grüne InternaüoMe verfolgt außer einer organisierten Defensive gegen die sozialdemokrattsche Internationale noch praktische Ziele und der nächste Kongreß wird darüber schlüffig zu haben werden, auf welche Weise zwischen den Agrariern der einzelnen Nationen ein ständiger Warentauschverkehr errichtet werden könnte. Diesem Plane gegenüber verhallen sich jedoch, dis Italiener bisher durchaus ablehnend, welche-an Stelle dieser Expernneyte auf die Schaffung eines nichtigeren wirtschaftlichen Organs her Agrarier Gewicht legen. Zu diesem Zwecke wird die Errrchürng eines Finanzinstituts Ln Paris ins Auge gefaßt, für welches die Franzosen mit internationalen Beiträgen das Kapital beizustellen hatten. Dieses JnstiML würde dann jene Verbände, welche Mitglieder der grüner; Jnternasionale sind, mit den erforderlichen Krediten versorgen. Segen die Msskmer Mawr. Mripimi«. SS. Februar. (Woiff.) Auf der «andisverfammlung der Kommunisten wurde gestern abends der sogenannte CWstiania-ShtWlMdch eine größere Unabhängigkeit von dex Moskauer kommunistischen Internationale verlangt, mit, 94 gegen 92 Stimmen angenommen. Die 92 Stimmen waren für einen Bermittlungsvorschlag des Vertreters der kommunistischen InLermdtionale Bucharin abgegeben worden. ' Fnmkreichr SchaNrn aa England. London, 28. Februar. (Tel.-Komp.) Schatzkanzler 'Galdwin erklärte auf' sine Anfrage im Unterhaufe, daß Frankreich England gegenwärtig 610 Millionen Pfund Sterling schulde, was bei dem heutigen Kurs 47 Milliarden Franken ausmache. HochverratsMlage «egen Wender««. München, 28. Februar. (Sudd. Korr.-Bur.) Gegen das 'Mllg^keL.bayvrschen LüNdtages Wfenbergsr, den'veramwort- KcheMReidÄteur der kommumistischen Roten.. Bechewstchne", D M» Bechchren wegen HochpermteS efsgÄestet wvrW Der , /■ffttftjBoe föf0t em in hW.WE^erfchioye«« AMsl MMM.? ^' ko-MMimistilsche Partei wird dis Angelegenheit im LaMage zur Sprache bringen. Prim Wilhelm vim LW« »«haftet. Paris, 28. Fsbmar. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Essen ist dort Prinz Friedrich Wilhelm von Lippe ver^ haftet worvsn. Er soll mit einigen anderen Nationalisten einen Deutschen angegriffen haben, der in der Kontroükommiffion von Essen beschäftigt ist.. ' Aus dem bei ihm Vorgefundenen Papieren soll hervorgehen, daß Prinz Lippe einer natioMistischen Organisation angehört. Rundschau Ar »Schste WeMougreb d« grüne» z«j«° nationale. Aus Paris wird uns berichtet: Die grüne Jnternadoncäe hat die Agrarier der ganzen Welt für den Monat Mar zu einem Kongreß einberufen. Eine Vorbesprechung zur Vorbereitung des Kongresses sindet am 12. Mürz gleichfalls in Paris statt, bei welcher dör Versuch unternommen werden soll, die innerhalb der grünen Internationale ‘ LesteheMn Gegensätze auszllgleichen und eine Einigung herhsizuführen. Gegenwärtig bestehen nänrlich zwischen den perschieö-enen europäischen Agrarverbänden scheinbar unüberbrückbare Gegensätze. Diese haben ihren Ursptmig darin, daß es in Frankreich eine liberale unfr eine Uex&tä. orientierte Aararvortei gibt. Der Kräüdent Ke?« Umtscher BechandlunnrdsMla»! Prag, 28. Februar. (Tschech.-flow. Preßburean.) Durch Funkspruch wird auS London gemeldet: Pvemierministev Bonar Law hat im Unterhaus, erklärt, daß die deut'che Regierung der britischen Regierung keinen Vorschlag unterbreitet habe, der darauf abzieHe, den gegenwärtigen Verhältniffm im Rührgebiet ein. Ende zü machen. Verein Tefiwda Halewl Heute halb 9 Uhr abends im Wintergarten de« Hotel Co»tine»tai VORTRAG Leopold Plascblces wDle Lage der Juden In Oesterreich“. Tiij.trif*. hv\\ wimm SiMKi^MMW« MrEllM' Pezvgnchmend auf unser letztes Zirkullar fordern wir die Br-ir!LMivnen auf, .za> der heute Donnerstag DattfitcheMD^ Bchnechung ihre Präfidialmiigl-isder und Keven ' reforente-n zu delegi-wen. Bei. dieiser Befpvechrmg wird Herr' Adolf Böhm ein mstruLtweS ReftrMiÜ^^iKMGodenlde' Keren Hajesiod-ArLeit hÄ'tsn. Angesichts der Wichtigkeit eines intensivere« Ausbaues'unserer Keren Hajessod-Ä'Ltigkert. wostw di« Bezirrssert.ionen ihre Dellegierten zuverlässig enffenden,. D« KUegsblknde. Wäre der Krieg nicht gewesen, der Blinde jaße wohl heute noch als ehrsamer Spenglermeister in feinem offr galizischen Städtchen, würde Weib und Kind mit der Ar bert ferner Hände redlich ernähren, am Werktag mit Blechschere und Lötvisen hantieren, am Sabbat in den heiligen Büchern lesen und über Gott und die Wet" „Karen". Sein Leben hätte vielleicht keine jubelndr Freude, aber es hätte doch, aller menschlichen Voraussicht nach, auch keinen fürchtbaren Jammer gebracht. Er würde av beiten, durch ^die Straßen eilen wie jeder andere. Uyd er könnte sehen. Sein Weib, sein Kind, die Blumen im Fenster, den Himmel, die Wölksn, sehen ... Aber der Krieg kam und schlug das kleine Glück entzwei. Der Thron Habsburgs war bedroht und ehe der Manu wußte, wie ihm ggschah, steckte er in Kaisers Rock> und war ans dem Weg in den Schützengraben, mn vre, Grenzen seines Vaterlandes zu verteidigen. Seine Frau; mit dem KirÄ, das wenige Monate zählte, war unter wrn ersten, die „evakuiert" wuÄen. Eine solche Evakuierung^ war das einfachste auch von der Welt. Um sieben Uhrmorgens wurde der Bevölkerung verkündet, daß der Ort> bis drei Uhr nachmittags geräumt sein müsse, weil dev! Feind im Amrmrsch fei und das „Schußfeld" frei ge-i gemacht werden müsse. Wie eine Herve trieb man diel weinenden Frauen, die Grrffe, die verängstigten Kinder zum Bahnhof, stopfte sie in einen Zug und fort ging eS s nach Wien. Mtt den ersten Flüchtlingstvansporten kam dies Frau in die Reichshauptsjadt, wurde hemmgestoßen und! h.'rumgejagt, lernte das Mißtrauen, die Geringschätzung, den Hatz gegen das Flüchttingselend in aller Gründlich!nt kennen und erprobte jo recht ausführlich, wie das goldene Wiener Herz" aus unbequeme Mahnungen reagiert. Hatten sich nicht die Juden ihrer erbarmt, die begeisterten Patrioten hatte« das Opfer lws BawAundS-Rummds ganz geruhig zu Grunde, gehen lassen. EL währte View ' MoWte, ehe die Frau so w?rt kam, sich von ihr«« Mchm' Nrhricht verschaffen zu können. . - w Jahrelang lauteten diese Nachrichten, mit dem Matz- , stab der Kriegszett gemeffen, günstig. Der Mann lag in den Sümpfen Podoliens, er machte den grauenvollen Rückzug aus Galizien mit. Er stürmte wie alle Kameraden, wenn der Besthl gegeben ward, und war nicht ftiger und - nicht mutiger als alle arrderen. Die Leute, die Witze und Witzchen vom Machen Drückeberger im Umlauf bmchren, vergessen cm die Tausende und Abertausende, die still und mit schlichter SelbstverstäMichkett rh« Pflicht getan, die Wicht des Krieges, in der jeder Tag Heldentum bedeutet.. Auf dem Monte Pasubio ereilte den Ostjuden sein Schicksal. Eine Gaswolke ließ sein rechtes Auge ausrinnen und beraubte sein linkes Auge der-Sehkraft. Als er aus der Betäubung erwachte, war um ihn herum tiefe, undurchdringliche Rächt, eine, sonterbare Nacht, in der die anderen Menschen hin und her liefen, sprachen» mit Gerätschaften klapperten, pfiffen und luchte«. Es dauertr lqnge, ehe der Mntve sein Schicksal begriff, ehe er begriff, daß diese Nacht für ihn nicht mehr zu Ende gehen Wte. ' ' Man brachte den Unglücklichen nach Men, gerade drei Wochen vor dem Umsturz, mau «ahnt sich feiner an die Blindtzn haben ja beim großen Publikum auch danmls noch Unterstützung gefunden als die Mode der Kriegern sürforge schon »Kaffee" war. Die Familie konnte immerhin leben — da sie ja nicht verhungert ist. Das sind die drei nämlich merkwürdigerweise noch immer nicht. Die Frau macht gelegmtlich Besorgurrge« von Lebensmitteln.und erhält kleine Beträge für ihre Arbeit. Einen Handel zu eröffnen oder, wie sie am liebsten täfe, mtt kleinen Kram von Dorf zu Dorf haufisren zu gehen, verbietet ihr teils der Mangel an Kapital, teils die ausgezeichneten Gesetze unseres Landes, das sich gegen Ausländer (wenn es nicht Schieber sind) zu wenig Entgegenkommen verplichtet fühlt. Denn Ausländer ist der Kriegsbliyde selbstverständlich geblieben. Sein Optionsge such tarnte glatt abgewiesen und ein Blinder, desserk Fron immer noch dem Großstadtgetriebe hilflos gegenüber» steht, war wohl nicht derjenige, der die schwerwiegendenj Bedenken unserer weisen Regierung zerstreuen konnte. Nun sind natürlich die Neuumalklugen leicht mtt einend Rat zur Hand: zurück in die Heimat. Warum die Stadt belästigen, die für Fremde keinen Raum, keine Hilfe, kein. Interesse hat. In der Stadt an . dev Grenze der Ukraine ist immer noch Krieg und wenn die'Arier, diö j Sehenderr, bk Arbeitsfähigen Not und Elend preisgegeben sind, mag man sich das Schicksal der blinden Juden.selbst ansmalerr. Dann hält den Unglücklichen aber eine Hoffnung in Wiest ftst, Pie einzige Hoffmmg seines jamüirrvollen Lebens:, sehen. Der Leiter einer Klinik behandelt das geblendet- Auge feit Jahren und glaubt, daß eine schwache Möglichkeit besteht, durch eine ^Operation im geeigneten Zeitpunfß dom Blindeti zwar nicht das Augenlicht, n?ie wir es besitze^ aber doch einen „Schimmer" davon zu aewLN,

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