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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-28 · Heft 1453 (28.2.1923) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1453 (28.2.1923)
Date
1923-02-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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V / feHt * Wk», Mittwoch" SBfette* ivrm;senNeitv«s. 88. fteottutt 1988 ^ganzen Kräften Lei dem großen Werke, das sie zudoll- Lringen hat, zu unterstützen. Aber mau muh sich fragen, vb das gewünschte Ziel erreicht wird, wenn die Regierung selbst durch ich re Zusamm.ensetzung und ihre Mentalität nicht die genügenden Garantien hie unerläßlichen Maßnahmen in Kraft zu setzen." Diese Frage ist ein sehr verständlicher Hinweis Mf die Artz wie die einzelnen Minister ihre Stellung zum Staat und seinen Bewohnern auffassen.- Die Regierung zahlt drei Vertreter der großdeutschen Partei zu ihren.Mitgliedern, die ihre Parteifetische ins Amt mitgebracht haben. -Zu ihnen, die die Ö&jcftifciiät ihrer Stellung nicht emhalten, kann niemand Vertrauen haben. Solange die Regierung das österreichische Problem durch eine Einteilung der Bedolkw'.ng in brave Arier und böse Semiten kompliziert, bietet sie nicht die genügenden Garantien für die Saniernrrg. ' - ' - i VölkevLundsrat und Bundesbahnen. Ter vom Generalkommisiär Dr.-Zimmerman ängerundigte Eisenbahn sachverständige der Garanktemächte trifft iiw Laufe der nächsten Woche hier ein. Dieser Fachdelegierte wird, zunächst über die Betriebs- und Arbeitsmethoden, über die dienstlichen Angelegenheiten und. über die Bu^etierüng der Bundesbahnen genaue Erhebungen pflegen und sodann dem Bölkerbuadsrateinen Bericht über die Lage des österreichischen Bundesbahnwesens sowie über die Möglichkeiten der Verringerung des Betriebsdefizi 1s und Besserung.der Betriebsmethoden erstatten. Der Name des Delegierten wird schon in den nächste» Tagen den östcr^-'Aschen Regierungsstellen nritgeteilt werden.; . Ile MMche und MrtschMi-e Lage in i Sie IrüaMer Sowüensifrkc Das Gutachten gefälscht. Budapest, 27. Febvrme. (Tel. dev „Wiener MorgenzerLung".) Wie „Az Eft" meldet, hat dir vfls\%ielle Pollzerkorrespondenz das Gutachten der Sachverstandigen in der Bombe na ffa re verstümmelt nnd gefälscht, «w die Oessentlichkert glauben zu machen, daß die Bomben zur Explosion ungeeignet, daher ungefährlich.waren. Das zitierte Blatt behauptet, die Sachverständigen habest im Gegenteil die G estährlickkert un-hoheExPlosronsfähigkeit fesl ge stel lt. Die offizielle Polizeikorrespondenz ist 'in Händen einer Unternehmung, welche arrsschliehlich aus Erwachenden Ungax» besieht. Lerhaktete tzeMÄe AMatsre«. . Paris, ZI. Febnlar.' (Havas.) Wie die Blätter Ms Düsseldorf MeWn, haben vre BssatzungsLehörden rn Essen 150 Rat i o na! i st e n ^verhaftet, darunter Agitatoren die aus Münster gekouünen waren . Mrsterei ftrnMschsr ßoEM». - London, 27. Februar. . (Tel/ der. „Wiener Morgen- Zeitung".) „Evenlng News" meldet aus Düsse l d o r f, daß d-te Meutereien unter den französischen Truppew immer häufiger werden. Mehrere Regimenter seien zurückgezogen worden, well man ihnen nicht mehr das Vertrauen schenkt. ' In Duisburg seien ln den letzten 'Tagen v r e r französische Soldaten wegen Gehorsamsverweigerung erschossen worden. Hkglaud lrhnt die fnmMche» Forderungen ab. Paris, 27. Februar. (Wolfs.) Der Londoner Korrespondent des „New Hork Herold" bestätigt, daß die letzten französischen Forderungen in der Frage des Transit- Verkehres durch die Kölner Besetzungszone wahrscheinlich in h ö f l i ch e r Form tverden abgelehnt werden und fügt hinzu, daß die englische Regierung die gleiche Haltung hinsichtlich der von Frankreich verlangten Abtretung eines neuen Gebtetsstreifens im Nordwesten der englischen Zone emnehmen werde. Der Düsseldorfer Sonderberichterstatter des „New Kork Gerald" hält die Aebernahme der rheinischen Eisen- Lahnen in französisch-belgische Regie für unmöglich, wenn ß den Besetzuirgsbehördett nicht gelange, eine.Mi-^"n'-'.:ng der Engländer. im Kölner Bereich zu erzielen. Wemich. Nationalrat. vergangenen DiertStüg-/sprach Ing. Stricker im Rahmen der allwöchentlichen Vortragsabende, der Zionistischen Sektion-für die ^westlichen Bezirke über die gegenwärtige politische 'und wirtschaftliche Lage- Palästinas. Wie der Redner einleitend bemerkte, sind - wi< infolge des gewaltigen Aufschwunges,, welchen unsere Bewegung nach dem Kriege genommen hat, bereits in der erfreulichen Lage, tm Zionismus, eine äußere und innere Politik unterscheiden zu müssen. Stricker gab zunächst eine kurze Uebersicht über die gegenwärtige . Stellungnahme der Großmächte zur zionistischen Frage, welche tm allgemeinen E Hunstig bezeichnet werden kann. In. England hat der Kabinettswechsel'keine grundlegende Wandlung in der Paläsünapolitik dieses Staates mit sich-gebracht und die Angriffe, die im Verlaufe des Wahlkampfes von den Gegnern Lloyd Georges gegen den Zionismus gerichtet wurden, Haber; bloß auf dem Gebiete der Preßkampagne eine nachhaltigere Wirkung auszuüben ^vermocht, während die Stimmung der weiteren 'BÄ»M".-".-nskreise sowie der maßgebenden politischen Faktvrw Unverändert freundlich ist. Auch Bonar Law hat bald nach Uebernahnre der Regierungsgeschäfte seine ursprünglich uns gegenüber ablehnende Haltung aufgegeben; unsere zuverlässigsten Stützen Im englischen Parlamente sind aber nach wie vor die Liberalen um Lloyd George sowie die Arbeiterpartei. Ein für. uns überaus vorteiphaster Stimmungsn'"-ich^-'--- bat sich in Frankreich vollzogen, wo . . Potucare, heute die maßgebendste politische Persöküc^.^ Lundes, vor allem dank der unermüdlichen Bemühungen Sokolows bereits von seinem ziönistenfrinblichen Standpunkte, der hauptsächlich ans den schädlichen Einfluß ' der Assimilationsjuden Reinach und Silvain Levi znrückzusühren war, abgekommen ist und unserer Sache'nunmehr Sympathien entgegenbrrngt. Auch hat die in letzter Zeij^eingetretene, vorwiegend auf die europäischen - Interessen. ' Züchtete Einstellung der französischen Politik eine Abkehr von den im Orient verfolgten Plänen bewirkt, so daß Frankreich eine größere Bereitwilligkeit zu Konzessionen England gegenüber an > den Tag legt. In unvermindertem Maße hält auch die Freundschaft Amerikas an, aus dessen sichere und. tatkräftige Unterstützung wir im erforderlichen Momente stets rechnen können. Hingegen hat hie Negierung M us s o l i »12 und die Herrschaft des welchen prinzipiellen GrnüÄn zu erklären, sondern vielmehr durch seine gegen England gerichtete Polisik - »d Vc allem durch sein Entgegenkommen gegenüber - dem Vatikün, - besten Hilfe er zur- Festigung' seiner Stelln-^ ,zü entgraten können .glaubt;, immrxhin ist es Weizmanu gelungen, . .von Mussolini die Zusage zu Erhalten, in der nächsten Zeit eine Neutrale Haltung'einüehmen zu wollen. Auch' die Angoraregierung hat infolge des Wiederwachens der türkisch-arabischell Gegensätze die' Hoffnung ans eine mit der Restauration der Türkeiverbundene NeU-Einverleibung Palästinas aufgegeben und es hat daher auch ihre Interesse ' an nnsereut Lande, welches für uns sicherlich nicht von Nutzen gewesen wäre, stärk nachgelassen. Auf die innere Lage übergehend, erwähnte Stricker zuerst die Wirkung, welche der allseitige Arferat der gtzarnleurr Stricker. Mißerfolg der arabische» Delegatto» auf die Araber Palästinas ausgeübt hatte und die in den besonnerey Köpfen bereits die Erkenntnis reifen läßt, daß es an der Zeit sei, Abstand zu nehmen von der bisherigen verfehlten Politik. Sodann unterzog der Referent unser Verhältnis zur palästinensischen Regienrng einer eingehenderen Betrachtung. Wenn auch dje Anhänglichkeit Herbert SamueZH an unser Volk und seine Sympathien für den Zionismus nicht! in Zweifel gezogen werden können und auch seine schwierige Situation nicht unterschätzt werden darf, so tritt etzboch intmesj deutlicher hervor, daß seine Regierungsführung, welche in-j sylge seines ängstlichen Strebens, im Lande um jeden Preis die, Ruhe zu erhalten und den Ruf her Unparteilichkeit zu. 6^ wahren, mit einer schweren Benachteiligung des . jüdischen, Volkes besonders -in der Einwanderungsfrage verbunden efty auf die Dauer sich nicht behaupten können wird. , - Die wirtschaftliche Lage de§ Landes stellt sich nicht in de«, sonders rosigem Lichte dar. Andererseits darf vW.,t werden, daß die schwere ökonomische Krise, welche Palästina jetzt durchzumachen hat und welch- ... durchs Anspannung aller wirtschaftlichen Kräfte erfordert, diepoliti^ schen Gegensätze einigermaßen zurücktrete» läßt. . Schließlich können sich auch die Araber nicht der Erkenntnis verschließen-,' daß ein Großteil des.Geldes, das der Zionismus-ins Land bringt, in letzter Linie doch ihnen selbst zugute kommt. ES ist hauptsächlich der ungewöhnlich hohe Stand der Währung, der in steigendem Maße die Gründung einer wirtschaftlichen Existenz für' die Einwanderer erschwert und außerdem sind dir Juden mit Recht über die mangelnde materielle Unterstützung! von seiten ihrer Volksgenossen aus den anderen - Ländern er-, bittert. Die herrschende Geldknappheit ist für die Entwicklung eines geordneten Kreditwesens Ungemein hinderlich. Um fö! dringender ertönt daher im ganzen Lande der Ruf nach priva-, ter Initiative und stärkerer Heranziehung d<^. PrivatkapitalL zum wirtschaftlichen Aufbau, eine Bewegung, dir selbst bei de^ Arbeiterschaft lebhafte Unterstützung findet. .Dringend not tut? auch die Errichtung von Kredit-Instituten und Stricker erinnerte in diesem Zusammenhänge <m Mserq älteste wirtschaftliche Institution in Palästina, den .Jewishj Colonial Trust, dessen Bedeutung für unsere Bewegung bishtzv bei weitem nicht entsprechend gewürdigt worden/ist und betj mit allen zur Bersügung stehenden Mitteln gefordert werden! müsse. Trotz aller dieser Uebelstände werden jedoch , die Wirt»! schastlichen Aussichte/t selbst von Persönlichkeiten, welche son^? wenig zum Optiniismus neigen, als günstig. bezeichnet, und, wenn man sich die wirtschaftliche und kulturelle Gesamtleistung, vor Artgen hält, welche das palästinensische Judentum in einer? verhältnißmäßig so kurzen Zeit durch seine' unerruüdliche ÄN-» dauer und seine grenzenlose Opferfrendigkeit vollbrs'-bi bft) man denke yur an die Inangriffnahme dev Elektrifizierung des Landes , . . daun kann man mit ruhiger Zuversicht in die , ,; „ qf bilden, in der Uevrrzeugnng, daß unser Volk auchjoeiierhln in rastlosem Schaffen alle Hindernisse bewältigen wird, dir, sich ihm entgegenstellen, um zur Verwirkltchitng unserer Ideale, zu gelangen. ' Mit einem warmen Appellen die Anwesenden znr steten, und intensiven Mitarbeit an unserer Bewegung schloß Ing.' Stricker seine hochinteressanten und mit lebhaftem Beifall aus-? genommenen Ausführungen. Dr. H. aamfinw Fr-nürtzmirristee Dr. Kienböck noch nicht aus 2 o u b u n ssirrück-gskchrt ist, einigten sich die Parteien, den Beginn der ersten Äasun-g Les Vm,n!dcsvo-ranisch'lcvges auf romm-enden Freitag zu verhieben. Die gestrige Nation-ÄlvatÄsitzuug dauerte deshaG auch irur wenige'Minuten. Nach Bev« tesimg des, Einlaufes, der zwei ReMevungsVorlagen, eine N ov ei l e zum Wer mg es e tz mb ein' Gesetz, boireffeub dir Errichtung einer Aktiengese!4schaft für den funkentelegraphifchen Dienst in Men enthielt, ILeantragte Abg. Se i tz, die Sitzung zu schließen-. Er «begründete ft in Verlangen mit idem Hinweise darauf, daß der Fmanzminilster nach nicht in Men eiiMirofsen und daß es unmöglich ftä, ohne das eirölertende Expaft Dr. Kienb'öcks in die Berainug' des Bundesvornnsch-IaKes eintzutreten. Dicisem Anträge kti:nr!U2 das Haus zu, worauf die Sitz/ung geschlossen wurde. Nächste Sitzu-ng -Freitag den 2. März, 11 Uhr tonmi¥.i^ß. Sie BolksMIung mtb die Fnden. LiltS Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat im Einvernehmen mit der Politischen Kommission den Beschluß gefaßt, der jüdischen Bevölkerung anläßlich der Volkszählung die Beantwortung der Im Zahlblatt enthaltenen Fragen nach Religion, Rationsbekenntnis, Rasse und Umgangssprache in folgender Weise zu empfehlen: Zn der Frage „Religion" ist das Wort „i s r a e l i 1 i s ch" zn u n t e r ft r e ich e n. Es ist ferner zu schreiben: Umgangssprache: D e u.t s ch. Volkszugehörigkeit: Z ü v i«s c- . Nasser Weiß. Sie tschechischen «Ü^'.-^mW«te »ach F»«nlrM. . , In dem Konflikt wsgen.deS in Innsbruck aufgchckltenen Transportes tschechischer Arbeiter nach Frankreich, ist eine Ei n i g u n g z u st a n d e. g e k o m m e n. Die österreichische Regtevung anerkennt den Standpunkt der Prager Regierung als berechtigt und hat beschlossen, die sofortige W.e i t e r l e i t n n g des Transportes > Über öisterrerchischeS Gchtet zu ermöglichen. WlW^sMBIQWÜI»! I!>«>«> .1!! \\l Zu diesem Zwecke sind Vertreter der svziaftenwkratrschsn,^ christlichsoMen und grvßdeu-schen Partei nach Linz rvP» um den Transport zu beglteiton und die reibü ngslosie Durchfahrt durch Innsbruck zu «rm>öoilichen. DtA Transport ist gestern abends aus Linz'äbgsi gangen und passierte he-ute nach Mitternacht Innsbmlch Man hofft, daß die Weiterlei'uug des Transportes ^urch, l?m'Al>rück ohne Schwierigkeiten Vor sich gehen wird. Zar Bünderbürgerrecht. - In parlamentarischen Kreisen wird erklärt,, das; ver vüM Mmist-erium des Innern ausgearbeitete Entwurf, betreMch das B u n d e sb ür ge r r e ch t, in politische-n Kreisen starte Bedenken hervorgeruftn hat, und daß diese Bedettten sich' bei* nahe zu einer einstimmigen Ablehnung, verdichtetf. Auch aus den Ländern liege» eine Reihe von' ablchitende» Gutachten vor und insbesondere in der Frage über, das Heimat S recht der Optanten nach dem Friedensverträgr von Sa-inl-Ge-vmain, wird sich eine Einigung unter den Pa'rq teien nicht erzielen lassen. Der Berfassungsausschutz wird deshalb ein Subk om itee ein setzen, um die M-vckichl teil zu schaffen, durch Äbänderimg des : -? % aus dem Gesetzentwurf zu vntsernen. . Die WghnbWsteuer siü In der gleichen Höhe tvie für Februar. Da die Regierung noch immer nicht die GLuchilunun, für das vom Landtag beschlossene Wohuba^teuergefttz fü Wien erteilt hat, wurde gestern vom Stadtsenat als Lüildes'-s regtetu»g beschlossen,, die Wohnbausteuer im Verordnung^ Wege für den Monat März in derselben Höhe' wie für 'beit Monat Februar festzusetzen und die Eirch«!nnte '-"-ritehinen z-itz lassen. ' >

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