Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1453 (28.2.1923)
- Date
- 1923-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie wird ihre Meinung in der Bolkshalle des Rathauses kundgeben, an dem gleichen Ort, an dem jüngst die Heerschau des radikalen Antijudentums stattgefunden hat; an dem gleichen Ort, an welchem die Juden den Fidschi-Insulanern gleichgestellt wurden, an welchem die Juden für vogelfrei erklärt worden waren. Die jüdische Einwohnerschaft wird bekünden, daß sie den politischen und sozialen Hintergrund dieser mit ungeheuerlichen Mitteln geführten Propa-?anda sehr wohl erkennt. Sie wird vor der. gesamten )effentlichkeit dieser Stadt, dieses Staates und Europas erklären, daß dieses Schandtrewen eine Gefahr für die österreichische Republik ist, daß es von seinen Anregern i als eine solche Gefahr angestiftet ist und daß es in erster -Linie um Leben, politische Geltung und Existenz des -hier lebenden Judentums, in letzter Linie aber um Leben, politische Geltung und Existenz der Republik -Oesterreich geht. Wir alle kennen den' Inhalt der unter den Augen i und unter der Zensur der Behörden dieses Staates -entstandenen Plakate, wir kennen den Inhalt der 'Reden, die in Io und so vielen Versammlungen gegen das -Judentum gehaltenen Reden, wir kennen die tausend -Zeitungsartikel, in denen alle Freibeit der Meinungsäußerung. die die Republik gewährleistet, zur ekelhaftesten Prostitution erniedrigt wird. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text und wir wissendaß es sich 'nicht um leeres Gerede handelt. Hinter den schreienden -Beschimpfungen, auf den grellen, mannshohen Affichtzn, .hinter der frechen Ausschlachtung erlogener, gefälschter j«mb entstellter Zitate aus dem. jüdischen Schrifttum, '■$m& Menten des Hasses, ,stM .Mille zum' Mord an dein gesamten Judentum; das -jüdische Volk soll in Feme und Acht erklärt, seiner .bürgerlichen Rechte beraubt, aus-dem wirtschaftlichen -Leben heransgedrängt werden. Was von ihm nach dem -großen Pogrom noch etwa übrig bleibt, soll auf das Mittelalterliche Niveau der Schutzjüden und Kämmerknechte gepreßt werden, die. man duldete, so lange in ihrer Tasche etwas zu holen war. Das ist das Ziel des Treibens^das sich wider uns entfaltet, die ohne Rückhalt eiügeftandene Absicht, die die vermeintliche Wehrlosigkeit des Judentums ausnützen will, um dieses für Krieg und Not und Korruption solidarisch haftbar zu machen. Alle die Demagogen, die sich unter dem Symbol des Hakenkreuzes die Hälse besser schreien,' .stehen im Sold eines wohlerwogenen Planes, der, aus internationaler Giftmischerei entstanden, die von dem Weltbanditentum des Krieges betrogenen und bis zum Weißbluten ausgesogenen Massen des ehrlich arbeitenden und erwerbenden Volkes von der Quelle der Not ablenken und nach altem Rezept in die jüdische Gasse dirigieren will. Dort, in Hn Häusern der Juden soll die erste Schlacht des Gesindels' geschlagen werden, das die Abrechnung fürchtet und durch immer neue Unruhe den Frieden vernichten will. Was die -Unfähigkeit der Berufspolitiker, die Gedankenlosigkeit der Regierungen, verschuldet hat, das soll das Judentum büßen. , Nicht an letzter Stellq steht das Judentum bei der Aufrichtung dieses durch verbrecherischen Uebermut in den Krieg gestoßenen Staates. Seit er um seine Existenz ringt, hilft ihm die jüdische Kraft im Innern, die jüdische Menschlichkeit von außen her. Juden halten seinen wirtschaftlichen Bäu aufrecht, Juden vermitteln seinen Warenaustausch mit dem Osten,- Juden Haben seinen Kindern die erstd Rettung vor dem Hunger gebracht. Juden zeichnen seine Anleihen und; werben für ihn um Vertrauen, Verständnis und Geduld. Sie tun dies auä dem ihnen eingeborenen Empfinden für unverschuldetes ' Elend, aus dem vom jüdischen Wesen untrennbaren Bekenntnis zur Solidyrität alles Menschentums. Sie verlangen für die Uebung ihrer.'Pfllcht" keinen-Lohn, \ nicht einmal die unter „Ariern" so selbstverständlichen! Kompensationen. Aber sie dulden es nicht, düß ihrten ' für all ihre Mühe von NWsÄerns von bezahlten^Pack? mit der Drohung des Mordes geantwortet wird. Das jüdische Volk kann über - Jerzabek, - der Wolf und Whl hiniveggehen. AHrD macht die Führer des politischesdes HistHn uüd fül* turellen Lebens, die sich äst Mr MM jMDreMyM -' Wellt Haben, für alldas PeWtwtzrtW/was voyMnD l passiv oder aktiv gefMertsMstcpvd.:söjnx^Ohe«MW durch ihre Teilnahme erhMAs' ist/ unter der «Wür,^ jüdischen Nation, haS^zü -tittk-tästen,-NMwihrr-nch. Die «nlisemitiMe Bewegung hgt Formen angenommen, welche ein tangeres-Schwei« gen uumSgUch wachen. Täglich und stündlich wird in Plakaten und Versammlungen der jüdische Name besudelt und zu Gewalt Tätigkeiten» gegen die Juden ausgereizt. Wir wollen nicht Beschimpfung mit Bes Hsmpsnng, Aufreizung mit Aufreizung ve» antworten. Wir wollen würdig und nachdrücklich der Oeffentljchkeit und der Regierung kundgeben/daß wir die Einstellung der gese Widrigen, für die jüdischen Bürger unerträglichen und die SLaatsLnIeressen gefährlichen Hetze verlangen. Zu diesem Zwecke findet statt. /. /? Mische W»»L2 Wh FrMk» krscheiaw ist EhreatzMt! Mr den Klub der jüdischen Mandatare der SLadLgemeinde und Knttusgemeinder Wemeinderät Dr. I. Ehrlich. Gemeinderat Dv.L. Plaschkes. Gemeinderat Dr. B. Pollak-Parrran, Del D. Friedmann. Vizepräsident der Kultusgemeinde ,v.‘ Dr- I; Schalit. «,1- Oberbaurat Robert Stricker. zu dem Zwecke gelögey wftd^Wn Teil' deWHoMichg' außer Wetz und Recht. zu?. stellen, um dann mitden gewonnenen Erfahrungen übet' den anderen herzufaÜen und aus dem Staats ein Nationalzuchthaus zu wachen. Aber das Judentum'läßt sich-nicht dadurch täglich aufs neue beleidigen, daß Regi^rungsmitglieder es für unwürdig der Staatsbürgerschaft erklären, es unter schimpfliche Zählung stellen, daß Universität srektoren an ihm ihr bißchen Witz üben. Es läßt sich auch nicht zum Blitzableiter für abgebaute Diurnisten, für arbeitslose .Packmeister herabwürdigen. Es duldet nicht'und wird nie dulden, daß älle die sozialen und politischen Streitereien der zu jed^r Positiven Tat unfähigenPar- , teienauf seinem Rücken aUsgetrygen werden. v . Die Juden in Oesterreich entziehen, sich - keiner Pflicht, den ihnen zukommenden Anteil an den Lasten des Staates zu - tragen. Sie haben -für die -Monarchie ihre Blutsteuer ehrlich und gewissenhaft gezahlt i:nd sie lasten sich in der Erkenntnis staättzbürßerlichev'tPsticht und Notwendigkeit Don niemandem belehren, am wenig-! sten vdn dem Gelichter der Demagogen., des aus dem Ausland hergelaufen, für gutes-Geld sein Hetzhandwerk betreibt. Aber es ist hoch an der Zeit, deutlich und nachdrücklich zu sagen, daß das Judentum auch eine große Summe politischer Macht repräsentiert und daß -seine Geduld! erschöpft. ist^Die Antwort, auf' die geredeten, und gedrückten. Nichtswürdigkeiten sadistischer Narrest oder Schurken ist keine Sache einer Partei ihr Judentum.. Sir wird Dom ganzen Judentum erteilt; das-darweiß, daß', die- Hetze ihm H seiner Gesamtheit, gist. -Und-mit^ den 'Jüden Oesterreichs.werden auch die Juden außerhalbder Republik die Daten der Verantwortlichen. Re- . giernng abwarten! und' sich: darnach einrichten. . Der Bericht ^Zimmermansüber Oesterreich. Es liegt!der, Bericht vor, deü der Generalkommissär fsir Oesterreich, Tr. Z i m m e r M a n, über. den.ersten'' Monat - feiner ^ätißkeit an den Pöfle'rbünV erstattet' hah DaS'RDrätr.ist<eiüe'-ejiPeheydr,'w^strenger Pflichterfüllung ^uMWte^Darstellüyg. .des Zusammenwirkens - dev aus- ^landlsMn Finanzkontrolle mit der österreichischen HHierung, ' wobei' pä.türlich''' die Schwierigkeiten , der ',Äüierungsaktion,, wie.sie sich aus der .OesterreiM^iM^ ^mitten M europäischen Wirrch ergehen, - aus , VÄstayh-' -T« Sfklsf .il C4I4LMMftl Ullu VmiM aAaM 2 m t strn klares^ flrteil durch keinerlei. unberechtigte' UWcht^ Ünd^ Schönh.eitßfürberei> eutstellen! lassen \will.- IrW? Oinem »BchkiW--hervor, dak der U m b a u d e s B eÄw a l t u ü g'§ apW seine Anpasiüng - an das geringer gewordene SiaatMbiet,- bisher, nicht den Forderungen des - Geuse r Prog ramm es entsprechend durchZeführt werden konnte.. Die R-egierung habe,-nur adq mmistrativiL. ResörMien'^sekjchdären-'.Wraktech. durchge- Whrt und'sich im übrigen aus siskälische Maßnahmen beschränkt. Aber diese Frage M A b b a u o 's' , d e r -B e a m- 1 .e n, über die schon - so viel Tinte verschrieben worden, ifo liegt nicht so einfach, daß sie nach einem machematiW' mechanischen Schema behandelt werden könnte. Sie umfaßt die Existenz von Menschen, die sich für ihren Wirküngskreis vorbereitet, in ihn eingelebt habendes laufen in dieser Fratze die subtilsten politischen und sozialen Erwägungen zusammen und - schließl'ch handelt es sich - auch um Familien,. um Frauen und Kinder, Der, Beamtenäbbau. ist so," wie-er bisher erfolgte, ein^^verpfuschtes Werk geworden, <isj wird ohne' erkennbares System 'durchjeführt, wenn MM nicht etwa - in dem Abbau der i w l t u r e l l e n I n.st i t '. t i o n e,n ein solches erblicken will. Jetzträcht sich , eben die- Untätigkeit? der Politischen Parteien, die hier Jahre ^rnit dem Problem getändelt .haken und niemals ihre Aütö-i ' rität. einzsisetzen-. wagten. Sie haben darauf gewartet, HK ^ihnen Hs Ausland die Durchführung Hr hchten Mot»!- , Wendigkeit aufoktroyiert Md.^chchmötzr,,-wy'.-ddr erwärieta! Befehl, erfolgt ist, fehlt ihnen die soz'alpoliüsche Einsicht, den Abbau an den höchsten- Stellen der Beamtenschaft zu 'beginnen. Die Parteien stehen den so unendlich, komplizierten. Fragen der Verwaltung ohne jede sachliche.KenntniÄ Hgenüber und muffen mit? Rechteine noch tiefer gehenH Desorientierung der Administrative: befürchten. Deshalb! blechen sie dem Abbau lieber fern -und sind höchlichst »er-, freut, wenn ihnen die hohe Büreukratie die Arbeit d>» nimcht.; >' " '■ , . Mit auffallender Schärfe wendet sich - der Generalßomm'.ffär gegen die P e f i z i t w^^i r t s ch a f.Me-r E i s e nbahnen, deren Gekaruing er als eine.heillose erklärt. Er schlägt die Reorgänisatchn' des Betriebes durch einen' außländischrn Experten vor. Doch ist . auch diese.-Frage. MW so einfach zu losem Es -ist.sicherlich -richtig, -daß hie Bundesbahnen -trotz aller Ankündigüngen der Regierun-! 'gen nichwrü kaufmännischen Geist Wleitet? werden; über. die! Eisenbahneü hängen durch ihr Betriebsmateriaft die Kohles 'al^ästärk von ausländischen PerHstnissen üb und die- Dle' ssiewedur kann msthkühier^nich't. hon Hesterreich allein! kymnwn.' - V.• ' VsHer ^Äarbiualpupkft M ^Schrift.' Hs. GMralkom-;?WMirs aber, istHeütMuüg'^der \