Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1450 (25.2.1923)
- Date
- 1923-02-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»Lim Cßfeü, EWmcküA WifiiBV wiwgni|viiunj» SL Mruar tm Sette» die gvoßheHitze DavbvetMg Englands, eme DaMaveit, Lös Iahrbaufend« nicht erschöpfen werden. (■' Daö zweite Gefühl aber -ft das einer übewuS ernsten /Gevaulwsrttichkeii, die uns von dieser Stunde an aus eri%H**tM*,i England hat znm jüdischen Bcilke bas Bev- ^vmren, daß ss gewillt und fWg ist, das 8hm geöffnete Palästina in großer Zahl zu 'besiedeln, es aus einem dervdtteu Brachland in einen blühenden Garten zu verwandeln, wo Wieder, wie in den biblischen Tagen, Milch «nd Honig stießt, und dort Vre vorgeschrittenst- Kultur der Neuzeit einzupflanzen, die es zu. einem Vorbild der Ordnung, der DiMrng, des Wohlstandes, der nmßvollen, bürgerlichen Freiheit machen soll. Die Aufgabe ist schr groß, fast beängstigeröd groß; sie 'ist nicht zu groß für unter Wollen und Können.! . Jeder Jude, dem die Ehr«, das Dasein, die gesunde Entwicklung seines Volkes am Herzen liegt, muß jetzt ferne!ganze Kraft, alle seine geistigen und wirtschaftlichen iFLhigkeiten daran fetzen, an seinem Teile znm Gelingen jfceS hohen Werkes beizutragen. , M-er den Manderftab ergreifen will, ziehe hochgemut, intit kvaftspendender. .Hoffnung und schöpferischem Streben!nach dem altneuen Hermatslande, entschlosien, künftiges Glück mit härter. Arbeit zu erzwingen und zu verdienen. Ätzer nicht gewillt ist, die Fahrt selbst anzutreten, helft den Auszrehenden mit Rat und Tat, mit Geld, mit VeransLaltmrgen der Fürsorge, mit fachmännischem Beistand auf allen technischen und wirtschaftlichen Gebieten. Es darf sich.nicht zeigen, daß da§ jüdische Volk imt Mschsidentzen Arrgenblick versagt,. daß es sich als unfähig erwiesen hat, den ihm geöffneten Platz im Kreise der gesitteten freien Volker mit Würde und Ehre emzunehmen. Das Vertrüüsn Englands zum jüdischen Volke darf nicht i getauscht werden. Feiern wir den heutigen Tag, unaussprechlich bewegt, als ein hohes Fest des Dankes und bat Hoffnung. Aber wenn unsere FrenLengefänge verstummt, unftre^Festlichter erloschen sein werden, töne ein einstimmiger von Unser aller Lippen: J Auf! A» die Arbeit! Samstag bi« 8 Uhr geöffnet Gleichzeitig werden die CollateraibonS, das find jene Schatzscheine, die die garän iegebenden Mächte siir den Fall hinterlegen, als Oesterreich ftmen Be-rMchtungen nicht nachTsmMen sollte, bei der N «: t i btm?Iba nk -i y Bern h'lnteÄegt.werden. Ein Beamter der. O.estLrreichisch,en Natiorraldank hat sich noch Nv>nr bcgobon, um bei der Bonca di Roma und bei fcer italienischen Na ionalharck dje naltvendigen Formalitäten wetzen ÜcdernaHme des italienischen .Kreditreltes. ja der Höhe von siebzig Millionen Lire M erfülle^. Die VerhaMung-en weMy Ledernahme .pleftr Räliquate -sind, vollkommen aibgeschlossen. Es hauLslr sich «Äso nur die banktechnische Durchführung. . - Finanzministrr Dr. Kipn b ö ck wird dovcmsH'ichÄich heute abondS in Wien eimtreffta und Diens F% tem Natwneb ■/x'sdie Dedingrmgen/der Kredit« Mitteilung machen. Jsr fnlstMche Teil der WweMchm SefterrM. M österreichische Anleihe. Die Londoner Verhandlungen perfekt. London, 23. Februar. Die Vereinbarungen mit dem englischen Banken syndikat, cm dessen Spitze die Wank von England sicht, sind in all.en Punkten PerfÄ'. Die öffentliche Peichmrng der hiesigen Tranche von;1,8GO.GOO Pfund Sterling erfolgt anfangs.nächster Woche. Die Zeichmrng der sseMMgen.'Tranchen folgt gleichzeitig öder innerhalb kurzer Antervalle.' Paris, 24. Febnurr. Die Verhandlungen mit der französischen Bankengruppe, an deren Spitze. die Banque de Paris et les Pay's'-Bas steht, tvo-en Ueö-eruähsne. von 60 Millionen Franken der in Gemäßheit .der Genfer Protokolle jetzt zu begebenden vorläufigen kurzftistigen Anleihe sind numrwhr zum Abschluß gelangt Die Schrrldverschreibungen werden von der geriannten Bankengruppe eskomptieri. Die Begebung erfolgt am 1. März. - . ®5r!erfentt^uüRcn fs Stipp»-- . vier Konventionen. Belgrad, 34. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzbg.") , Die Besprechungen der Sektionen für die Verhandlungen mit Oesterreich sind fast schon beeüdigt. Es würde über alle Fragen ein Einvernehmen erzielt und das Rssutat in vier Verträgen niedrrgclegt. Mnser Prinzip: Gut lind billig "S Die erste Konvention betrifft den Sequester Danach wird das in Oesterreich und Jugoslawien sequ« strierte Vermögen drn Eigentümern zur voller Verfügung gestellt. Besondere Bestimmungen sind über di« in Oesterreich und Jugoslawien sequestrierten Depots.ge« troffen worden. Die zweite Konvention umfaßt die Zahlung der auf österreichische Kronen lautenden-B o v> kriegsschulden. In dieser Beziehung wurde das Verhältnis 100 österreichische .Kronen gleich 32 jugoslawi» schr Kronen (8 Dinar) festgestellt'. Es wurde eine Klausel angefügt, Wonach eine Frist von 15 Tagen zu bestimme» ist, innerhalb welcher sich die wirtschaftlichen, finanzielle» und Handelskreise Sloweniens zu äußern hätten. Auch is Angelegenheit des Lombardgeschäftes wurde rin Einvernehmen erzielt. . ' Die dritte Konvention betrifft die bosnischherz e g o w i n i s ch e ch mit östrrvrichijchem Kapital ge» gründeten Unternehmungen. Jügoflawien übernimmt 28.000 Aktien des Steinheißunternehmens. 2840 Aktie« des UntermhmenS in Zenica, 4300 Aktien des Unternehmens in Usova,. 15 Aktien des Unternehmens in Bares^ 150 Aktien, des Bergwerks Bosnü. Alle diese Aktien befinden sich in den Händen der. österrrichischen Regierung. Die oftcrreich'zsche Regierung verpflichtet' sich, diese Aktien der Belgrader iRegierung gegen. Zahlung von 10 Millionen Dinar äuszufolgen. Die österreichische Regierung ver«- Pflichtet sich weiter, das Gebäude der ehemÄs serbischen, j jetzt jugoslawischen Gesandtschaft, zurückzustellen. Dagegen .< überläßt, dir Bolgrader Negierung der öfterrerchischeu das \ .D e P o t von 16 Millionen Papiermarks das bei der Oester»! reiHisch-ungarrschsn Bank hinterlegj ist. . - Die vierte itonvention umfaßt die Bestim» ' nmngrn bezüglich der Uebersi rdlung der U nter» ] nehmungen, hie ihren Sitz in Oesterreich, ihren Be> trieb aber in Jugosiawlen haben. Diesen Unternehmungen und Go'-ellschaften wird das Recht eingeräumt, binnen sechs Monsten ihren Sitz nach Jugoslawien zu verlegen/ oüne daß irgendwelche Gebühren und Taxen zu entrichten sind.- .; ‘... .. Ten Hauptgeäwstand der gestrigen KonftvMM bllÄ.^ re die Frage des Abschlusses eures neuen HandelAiertrageÄ zwischen den 'beiden Siaaicn, der in seinen G^mdzügen ftstgelegt. tpurde. Längstens Mitte März werden dis beiderseitii^en Delefterten zur Fortsetzung der. Handelsvertrags- Verhandlungen zusammentreffen. Bezüglich der Regelung der Frage der Schulden zwischen den beiderseitig^ Staats« angehörigen würde ein .SchlüM 100. Kronen gleich, 8 Dinar ftstgesbellt. Heute mittags' wurden die Verhandlungen zwischen de» beiderseitigen Delszierten und Experten beendet'und, wie an' maßgebender Stelle erklärt wird, wurde in allen zur Verhandlung gestandenen Fragen eine vollkommene Der» ständigltrng und Einigung erzielt. Die Regierung wird heute abends eine amtliche, ErklaMng über. da§ Dgobnis der Verhandlungen veröffentlichen. -!!.. IsdorrvsSs 4L lel»9hm 47-1-73 6n «Rfflbs , k,W «Eetal! Sm WMbshnwWWN. Eine Skizze von Jona Roftnseld. Wir saßen als zwei „Paare" einander gegenüber und -annten einander nickst. Ich „ihm" gegenüber neben ^meiner" Düme und „er" neben „seiner" Dame. Wir benahmen uns gut . . Ich weiß nicht nrehr, wer von uns i— er oder ich — die gute Haltung zuerst annahm. Aber ich ibeobachtete ihn und er mich und wir hielten uns gegenseitig mit unserer „Haltung" im Bann. - Der Zug ging, sein gewöhnliches 60 Kilometer-Tempo. Por dem Fenster hüpften Telegraphenstangen vorüber, von ifteii zu Zeit rauschte ein Baum mit dem Geräusch der Blätter und Teste vorbei, die der vorbcisausende Zug in Belvegung. brachte.. Ich merkte an all dem nur, wie die Zeit verflügt. So rasch verfliegt sie und neben mir sitzt ein entzückendes Mädchen, hat die Lippen zusammengepreßt, auch um ^Haltung" und Fvenchheit zu maskieren, und kümmert sich gar nicht um mich, der neben ihr sitzt. Im Waggon säßen außer uns noch ein paar Paffagiere, aber cs war bequem. Auf der anderen Seite, der Rückwand führte eine Gesellschaft ein Gespräch; es klang so gemütlich als tvärrn sie eine Famllie. Einige saßen schweigend da, andere machten ein Schläfchen, den Kopf an eine frenrde Schulter gelehnt. Im ganzen Waggon herrschte gute Stimmung (reisende Menschen sind, wenn sie bequem fahren, stets in guter Stimmung und duldsam gegeneinander). Ich zündete eine Zigarette an, blieS den Rauch vorsichtig aus und trieb ihn unaufhörlich mit der Hand dom Fenster weg, damit er ja nicht nie ine Nachbarin streife; Mein Gegenüber räuchte auch eine Zigarette, blies auch den Rauch vorsichtig'äuS und ^rieb ihn unaufliörlich mit der Hand vom Fenster weg, damit er ja nicht seine Nachbarin streife. Dicker übereinstimmenden Tätigkeit von uns beiden entsprach die völlige Gleichgültigkeit in der Haltung der beiden Damen: sie. sahen angestrengt zum Fenster hinaus und waren geradezu gepanzert mit Fremdheit und Abweisung; ich konnte wahrhaftig nicht feststellen, ob sie überhaupt von unseren intensiven Bemühungen um sie, hem Blasen und Händeschwenken,^ etwas wußten ... Aber zum Teufel, ich Hatte doch mtr deswegen eine Zigarette angezündet; ich halte wirklich kein Bedürfnis, zu rauchen; getan hätte ich es 'nur, um dadurch beweisen zu können, ivie galant, höflich und avtMÜiE M hm.i .urch VÜ1_Li4le« ihre Aulmerksamkeit auf mich zu ziehen und den Boden für, das weitere zu ebnen . . . Zum Kuckuck, man kann doch nicht mit einem reizenden Mädchen einfach nur zusarumen ' fahren . . . und wer weiß, wievie! Stationen sie noch zu fahren hat! Der Zug eilt vorwärts, eine Telegrapheusrartge entflieht, um die andere und jede ist ein verlorenes Stück Weges ... ein Paar taufend Telegraphenstangen und cs ist vorbei! ... Wenn wenigstens „der" da nicht so dasciße!... Denn tdenn er. weiter so sitzt/ wird seine Nachbarin auch weiter so sitzen muffen, wie sie fetzt sitzt, und sitzt sie so, so wird meine Nachbarin sich auch genötigt sehen, so zu sitzen. Das ist nichts ... „Entschuldigen Sie, Fräulein — belästigt Sie vielleicht der Rauch?" Sie wandte das Gesicht vorn Fenster ab, richtete schwarze Kirfchaugen nach der Soite, wo ich saß, «rächte eine Kopsbetvegung, die „nein" hieß, setzte eine Miene auf, die.artsdrückte, daß es ihr glÄchyültig sei, ob ich rauche oder nicht, warf einen.Blick auf „ihn" -und „sie" und und drehte sich wieder zum Fenster. Noch während ich meine Frage stellte, wußte ich sofoity daß ich eine Dummheit begangen hatte. . . .Denn ist meine.Nachbarin ein intelligentes Mädchen, so versteht sie sicher, daß alle meine Fragen nur ein Vortvand sind, um ein Gespräch ynzuknüpfttr uitb1 mit ihr bekannt zrr werden. „Er", mein Gegenüber, begriff das anscheinend, denn er sandte ein höhnisches Lächeln zu seiner Dame hinüber, mit dem er ihr offenbar zu verstehen geben wollte, er sei klüger tznd anständiger als ich nnd iverde eine solche Schablone nicht in Anwendung bringen. Und schon, daß ich ihm eine gute und gerechtftrtigte Gelegenheit gab, ein Lächeln zu .seiner Unbekannten zu enthüben, daß allein brachte mich in Aufregung. Ueberddes hatte ich einett bitteren Grschurack im Munde von der Zigarette, die ich ohne Lust geraucht hatte; all das verdrehte mir, ein tven ig den Kopf. Meine Nachbarin saß wie vorher und sah zum Fenster hinaus; ich schaute auf ihre Schultern, auf den schmalen, fast kindlichen Rücken, welcher sich leicht zur Taille zog; ich sah ein rosiges Ohrläppchen ohne Ohrring, das übrige Ohr verbarg sich in dem dichten Blondhaar, welches in einem mächtigen Knoten auf Hals und Nacken fiel und es verdeckte. Sie sitzt halb abgerverwet und widmet ihre ganze Auftnerksamkeit der Landschaft, hat wohl ganz vcrgeffen oder sich vergeffen gemacht, daß jernand neben ihr sitzt. Ich jchaue weiter bm imd We. däß das OhAappcherr ein lleines Ringloch hat. Zufällig tmg ich ein Ohrgehi«ge bei mir, das ich vor kurzem gefunden ha!te.-Ohne lang zu überlegen, nahm ich heimlich das Ohrgehänge aus der Westentasche und bückte mich, als wollte ich etwas aufhebeA» dann zeigte ich das Ohrgehänge meiner Nachbarin: . / „Entschuldigen Sie, ist das nicht Ihr Ohrgehänge?" . Ich tvar erfahren in Frauenkteinlichksileu und tvußre, daß Frauen die Schwäche haben, solche unv.'rmutete Gewinstnicht abzülehnen. Diesmal aber bewährte sich dieses mein Erfthrungsgrundfatz nicht. Nein, ich trage keine Ohrgehänge," anttM'tete sie kurz und trckcken. . Diesmal lächelte mein Gegenüber ftftre Nachbar« schon vertrauter an und sie antwortete ihm auch mit ernenn Lächeln; ich fühlie.deutlich: je nishr ich mich, hineinlege, desto fester und lasier bereitete ich den Boden f&? die Bekannt» schaft des Pääres gegenüber vor. Tenn dank mir hat er fo* vechtigte Möglichkeit, seine Nachbarin anzulächeln. Mich verdroß das.. Nein — sagte ich mir — du sollst nicht ithtnt* phierem Ich will mein Ziel erreichen. Ich werde mit nvemrr Dmne Bekanntschaft machen und du wirft der Blamierte sein, du Schlaumeier, welcher mein« Blamagen für. sich ausnützen will. Indessen höre ich (und wünsche, m^ine Nachbarin nwge es auch hören), daß im nächsten ALtell zwei Männer ein sehr lockeres Gespräch führen. Ich muß gestehen, daß mir das sehr willkmnmen war; auch meimm Gegenüber lenchieLen die Augtzn. And unsere Nachbarinnen? Sie hören nichts . . . Da erhob ich mich, ging zu den Leuten im Ne-- denabteil und'sprach zu ihm« (natürlich so, daß man ei in unserem Ableilhören konnte): ' ' „Meine-Herren, entschuldigen Sie. nebenan scheu Danren und man hört jedes Wort, das Sie reden." Hochznfrieden kehrte ich auf meinen ^sllatz zurück. Dä war ich „ihm" züvorgekommen. Dabei wollte ich gleich ein Paar Flieger: mit einem Schlage haben; erstens sollen. „sie" und meine Nachbarin merken, ich ft« ein wohlgesitteter junger Mann; zweitens sollten „sar" und meine Nachbarin wiffen, daß ich wußte, sie hätten das Gespräch der Nachbarn gehört; und wtznn das meine Nachbarin weiß, wird sie so henke ich -f-' einen guten Eindruck gewinnen und ihre Haltung andern. Bald aber merve ich, daß ich einen großen Fehler begangen hatte. Min» Täme drückte sich, noch stärker ans Fenster und wollte tzkr nichts mehr von mir wiffew i' 'a!*..fL’r:±’,