Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1446 (21.2.1923)
- Date
- 1923-02-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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«i IW V^.WGvo'H LKWch SJ. Wmüö 1SLS Raschm Wt 'bewiesen, wa§ er beweisen wollte, er hat M unglaubliWHicherhelt seinen Staat aus der ihn um-' .j^ebmdsn Sturmflut der verfallenden NachLarwährungen h^emnsgeführt und dadurch einen großen Teil des .tschcchssjowakischrnHatinalvermögens vor dem Verfalle gerettet.;; Damit hat er sich und seinem Volke die Achtung und Las Vertrauen,der Finanzkveife d.s Inlandes, und -— was noch 'viel wichtiger ist—, des großen Auslandes erw. rben. Raschin hat seinen Staat aus den dunkelsten Tiefen des Währungsverfalles m bk lichten Höhen auf den Weg zur G o l.d wahr u n g geführt. . Und jetzt setzt die große Tragik des unvergleichlichen Fknanzküustsers ein: Nahe an seinem Ziele — fast an diesem Ziele angelangt —, kommt Plötzlich der Verfall der deutschen Reichsmark und wirft das Progra mm Nasch ins übet den Haufen und zurück in d e Unmöglichkeit d:r Vollendung. Die tschechische Kram war auf 20 in Zürich gestiegen «nd die deutsche Mark beginnt zu stürzen, die Maßnahmen für die Einführung der tschecho-slowakischen Goldwährung sind bereits getroffen und Raschin läßt plötzlich abblasen und tritt den Rückzug an auf dem finanziellen Schlachtfeld. Hier hat sich-die meisterhafte finanzielle Strategie Räschins erwiesen, er hat den finanziellen Vormarsch eingestellt. Raschln war der Ueberzeugung, daß eine tschecho-si^wakische Goldwährung gegenüber der katastrophal verfallenden Währung des durch tausend Fäden mit der tschechö-siowakischen Republik wirtschaftlich verketteten Deutsche« Reiches mit einer wirtschaftlichen Katastrophe' des tschecho-slowakischen Staates selbst verbunden sein könnte. Raschin kam zur. Ueberzeugung, daß es eine glückliche Wahrungsinsel des tschecho-slowakischen Staates nicht geben könne. Die Kloaken der Nachbarstaaten müssen die gute. Lust des tschecho-slowakischen Staates selbst verpesten. „Die stürmischen Fluten der Jnflationsmeere der Nachbarstaaten drohen unserer Grenzen Dämme zu durchbrechen und uns mitzuveißen in die vernichtenden Tiefen der Geldentwertung." In dieser durch die harten Erfahrungen gefestigten Ueberzeugung liegt ater auch die große Bedeutung des Verlustes der Räfchinschen Persönlichkeit für die Nationalstaaten und insbesondere für Oesterreich. Raschin wußte nun, daß er zur Rettung seines eigenen Staates an der Rettungsaktion für die Nachbarstaaten und insbesondere' auch für Oesterreich, Mitwirken müsse. Mehr denn je — und das vevgrößrt die Tragik des Räfchinschen Todes — brauchte Mitteleuropa diesen Mann, der durch seine historische Wirkungsweise berufen gewesen wäre, richtunggebend zu sein für die wirtschaftliche Rettung des auf sich selbst angewiesenen mitteleuropäischen Wirtschaftsbereiches. , » Raschin hat seinen Tode gewisstrnraßen erlebt. Cr hat mt seinem Krankenlager die Stimmen ' des In- Nutz des großen Auslandes: vernommen, die seine historische Bedeutung in reichem Maße gewürdigt haben. Möge das tschechische Volk die durch die Littereu Ei> fahrungen seines großen Toten gefestigte Ueberzeugung übernehmen, daß die Wohlfahrt seines Staates mit jener seiner Nachbarvölker innig verkettet sei. Sefterreich. Ae Kreditverhandlungen. Es ist mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß die gesamten Kreditverträge noch r m L a u f e d i e s e r W o ch e unterzeichnet werden, da die" Verhandlungen auf den in London bestimmten Finanzplätzen des Kontinents bemahe ausnahmslos beendet sindt Auch über die noch andauernden Verhandlungen auf den skandinavischen Plätzen liegen heute sehr günstige Berichte dort danach ist die Beteiligung dieser 'Finanzgruppen an der österreichischen Anleihe Prinzipiell bereits zugesagt. Der definitive Abschluß dürste heute oder morgen grsolgeu. .- * Fknatzzminister Dr. Kienböck kehrt Ende der Woche zurück und wird am Dienstag dey 27. d. vor dem Plenum des y Nationalrates über den ganzen Komplex der Kreditverträge referieren. •* Ae Belgrader Stelle Ir. Seipels. Bundeskanzler Dr. Seipel, Minister des Aeußern 'Dr. Grünberger, Sektionschef Peter als politischer Gesandter, Dr. Wildnerals handelspolitischer, Generalkonsul Lukesch als juristischer Referent und Regierungsrat Bodo sind gestern abends.nach Belgrad abgereist. Die Verhandlungen finden Donnerstag, Freitag und Samstag statt. Die Belgrader Konferenz hat nebst einer Aussprache über allgemeine poUtische Fragen besonders handelspolitische Bedeutung. Es Herden daher in erster Lime die Grundlagen festgesetzt werden, auf denen dann Handelsverträge abgeschlossen werden, sollen. Schuster und Hammerschmld. . Die Bruder Jakob Schloma und Menachem Baruch Retter wurddn von der Polizeidirektion aus Wien ausgewiesen. Ihren' Rekurs , wies der B ü r g er m e ist er als Landeshauptmanns ab. Die Beschwerde der Abgewiesenen au den Verwaltungsgerichtshof kam gestern zur Verhandlung. Dabei machte der Beschwerdevertreter Dr. Ebner geltend, daß bet den beiden gut beleumunbeten Brüdern, von denen der üne Hausbesitzer, der andere Vizepräsident des Palästina- » ^üä1seLsL1«oÜLv»oU»vLLlt «Inner* Stadt* ■ Heute Mlttwo:h den 31, Februar im ICIttbsa») der ■;.TischpcseIlschaft, Jasomirgoltstrasse 2 (Mezzanin) J, S Dozent Dr. S*.Kornfeld: ■ Rasse und Volkszählung ■ * Beginn '/99 Uhr abends Gäste willköhimen I ■ Amtes sei, kein Grund zur Ausweisung vorliege. Ueberdios widerspreche die Ausweisung den Bestimmungen des-Staats- Vertrages von Säint-Germain. ' > ' Der Vertreter des Landeshauptmannes, der Magistratsoberkommissär Dr. Hammerschmid,.gab in seiner Erwiderung deutliche Zeichen von jener das Stäatsrecht mit Füßen tretenden Anschauung, mit welcher die Verwaltungsbehörden bis heute bestrebt sind, ihre Ausweisungspraxis gegenüber oen Ostjuden zu rechtfertigen. Zunächst legte er dar, die Beschwerdeführer gehörten zu jenen polnischen Flüchtlingen, die zu Kriegsbeginn nach Wien gekommen seien. Die ganze Welt weiß, daß zu Kriegsbeginn ein polnischer Staat nicht existierte und daß nur ö st e r r e i ch i s ch e Flüchtlinge nach Wien kamen, als sie durch die ruhmreichen Rückzüge ihrer eigenen Armeen von diesen aus ihren Wohnsitzen vertrieben wurden.. Dann führte Dr. Hammerschnnd. aus, daß für die Flüchtlinge damals vorgesorgt werden mußte, daß.es jetzt aber höchste Zeit sei, daß sie Wien wieder verlassen, schon mit Rücksicht auf die Wohnungsnot. Wozu zu bemerken ist, daß die Brüder Netter in ihrem e i g e n e n Hause wohnen. Zum Schlüsse verflieg sich det treffliche Rechtsvertreter des Landeshauptmannes zu der Behauptung, die Polen hätten sich beim Völkerbund über die Ausweisungspraxis der Wiener Verwaltungsbehörden beschwert, seien aber mit dieser Beschwerde abgewiesen worden. Der Völkerbund billige also die Abschaffung der Ausländer. Diese Behauptung, ist denn doch eine glatte Verdrehung der Tatsachen. Die Beschwerde, welche seinerzeit die polnische Negierung gegen die österreichische Ausweisungspraxis richtete, ist niemals vom Völkerbund abgewiesen worden. Vielmehr haben die österreichischen Vertreter, als sie sahen, es könnten sich unangenehme Komplikationen ergeben, rasch darin eingewilligt, die Auswersungssäche.durch eine Vereinbarung mit den polnischen Vertretern zu regeln. Es kam eine solche Vereinbarung zustande, welche die Willkür-aus der Ausweisungspraxis ausschlo ß. Der Völkerbund hat also niemals , die Abschaffung der Ausländer gebilligt. Der Verwaltungsgerichtshos ist diesmal auf die sonderbaren staatsrechtlichen Darlegungen des Herrn Magistratsoberkommissärs, nicht näher eingegangen, hat aber die Beschwerde der Brüder Retter mit der Motivierung abgewiesen, daß die Behörde mit Rücksicht auf die Wohnungsnot berechtigt fei, Ausländer aus dem Wiener Gemeindegebiet vbzuschafsen. Welch'seltsame Anschauungen Herr Drl Schuster doch hat! Nach dem Friedensvertrag kann das Wohnrecht der Ausländer und deren Bewegungsfreiheit nicht angelastet , werden, wenn sie sich nicht gegen die Gesetze des Staates vergehen. Man sieht also: Herr Bürgermeister Reumann hat einen trefflichen Rechtsvertreter, dessen Rechtsanschäuung: „Flüchtlinge können ausgewiesen werden, wenn man sie als überflüssig empfindet", schon einmal bei einer Ausweisungsbeschwerde unliebsam auffiel, und der jetzt, um s iner Anschauung zum Siege zu verhexen, zu offenkundigen Verdrehungen der Tatsachen greift. Und zu all dem macht der Verwaliungsgerich'ts« hos die Mauer. Alles im Sinne der vom Kanzler Seipel in Genf und Paris angerufenen moralischen Solidarität. Mgiioni bei SJlnMini. Rom, 20. Februar. Ministerpräsident Mussolini empfing Samstag den Finanzmann C aftiglioni und hatte mit ihm eine lauge Besprechung. §in Schweizer Fimmmmnr in der überreichlichen Notenbank. Generalkommissär Dr. Z i m m e r m a n hat während der Völkerbundkonfcrenz in Paris Verhandlungen geführt, daß ein Vertreter der Schweiz in der \ Oesterreichischen Nationalbank tätig sein soll. Die Verhandlungen haben zu einem Abschluß geführt und '.der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank Direktor Schnyder von Wärtensee wird als auswärtiger Konsulent bei, der Oesterreichischen Nationalbank tätig sein. Zur Ausübung dieser Funktion wird Herr Direktor Schnyder, der als einer der hervorragendsten Finanzmänner der Schweiz M, einige Monate des Jahres in Wien sein. Ier Staatsaerlchtrbof. Prag, 20. Februar. Die Negierung »hat heute dem Par-' Eament den Entwurf bei!reffend den nach >dem Schutzgefetze zu errich!«enden S ta a t s g e r i ch l s h o f vorgelogt-. Darnach ist ein einziger Gerichtshof am Sitze de8 Obersten. Gerichtshofes vorgoschon. - . Er. setzt sich aus drei Mitgliedern des Obersten Gerrch'shoises und Ms einer jeweilig von der Regierung zu bestimmenden Zahl vott Beisitzern zusammen. Berufungen,. und zwar an den Obersten Gerichtshof sind zulässig bei Verletzung der Bestimmungen des St-vasgesetzes oder eines wichtigen Grundsatzes des Prozeßverfahrens.; . , llugarn. Äe emachendm Beamt«. Budapest, 20. Februar. (Tel. der „Wr. MorgenzeitmrgEL Gestern fand hier.eine Versammlung von' öffentlichen Angestellten statt, die dem Vere-in der „Erwachenden" aNgchören. Den Vorsitz führte der trotz aller an geblichen . Disziplimernngen fröhlich weiter amtierende Oberstuhlrichier Förster, der durch die Austreibung der Iraker Juden berüchtigt gewovdeu ist. Einer der'Redner, der Obernotär von Cs epel, beschuldig:«' die vier liberalen Minister des. Kebinebts Äechlen, sie,, seien beflissen, die Autorität der christlichen Negierung zu zerstören. Cs wurde eine in diesem Geiste gehaltene Resolution ange-- nommen, welche in einem Punkte die Anwendung der jubi« jchen Prozen zahl auf die GÄverbekonzesswncn Vevlangt. ' Lnraner nnter sich. Aus Budapest wird UNS berichtet: Turauer nennen sich jene 100prozentigen Magyaren, die sich eine Muränen Nasse konstruierten, um auf diese Weise auch mit den anderen Nationen, die sie in diese Nasse einzuschachteln bemüht sind, einen. Turanex Bund zu schassen. Aber genau so wie. die lOOProzenn'gen.Germanen in Deutschland und Oesterreich sind sie wohl; darin einig, daß sie dazu da sind, um die Andersraksigen einfach auszurotten, aber mit einer kleinen.Variation sagen sw beide, in der KönigLftage liegt die Schweinerei. Während bei den Deutschnationalen der innere Streit: hie Habsburger, -hie! Hohenzollern lalltet, geht bei den Turanern.die Balgerei uuc, die Frage, ob Legitimismus oder freie Königsw a h l die magyarische Rasse zum^ Heil führen,könnte. Diese- Streitfrage hat sich so tief in btc* Turäneo Gesellschaft cinge»; fressen, Paß. sie am letzten Sonntag bei der Generalversammlung zu den > wüstesten Szenen führte.. Der große! Sitzungssaal des ölten Parlaments war v^n ausschlie^ich reinrassigen turcm'schen- -Magyaren gefüllt, die der.strengste», Kontrolle standhatteu mußten. Es handelte sich umdie Neuwahl der Verbandsleitung und da standen die Legitimisten: den. freien Königswähleru gegenüber.- Kaum war die Der-, sammlung eröffnet, entstand ein Tumult, der bald in eine! Rauferei ausartete, so daß Polizei einschreiten und die! Versammlung a u f l ö s'e n , mußte. - Die" gleiche Rasse! half über die aus egoistischen politischen Zielen entstehende Ge«-l nerschaft der beiden Gruppen nicht hinweg. Neuerliche SchKgereien an der Dudapestek vnivMSt. Ms Budapest wird uns. bericht-et: Eine Zeit lang hat .M den Budapestei; Universitäten' Ruhe geherrscht. Es scheint, daß die Erwachenden Ungarn! u-w'er den S udent-en der ruhMN Fortführung der Borl-osunxen schon überdrüssig geworden sind,! denn am letzten Montag, inszenierten sie inv Garten derim Gebäude der Tierärztlichen Hochschule, unte-rgebrachteu sogenannten „P r e ß b.-u rg er U n i v e r s i tat" eiyen feigen-' .Angriff auf die jüdischen Studenten und StüdentüNnem Diese Anstalt war auch gegen Ende des vorigen Semesters der Schauplatz-wüster Schlägereien, bei denen sich die Erwachenden, dÄrurch auszeichneten, daß sie den jüdischen Hörern im stockfinsteren. Garten auflauerten, si« mit einer Übermacht überfielen, verprügeltenMnd ihrer Bücher und sonstiger Habselig-, leiten beraubten. Damals Hai der Rektor -der TierärztlichLn Hochschule die Anordnung getroffen, daß der Garten bis zürn Schlüsse der letz en Vorlesung und bis zur Zeit, da sämtliche Professoren, und. Hörer das Gdbäude in Sicherheit 'verlassen haben, beleuchtet sein müsse. Letzten Montag haben mm bisher unbekannte. Tater um 7 Uhr, als die Hörer mach' einem Labo° vatoriumsvortrag die Vorlestmg verli-chcn, plötzlich die Beleuchtung atbgedreht, und als die jüdischen Hörer, un'er ihnen auch eine Hörerin, durch den stockfinsteren Garten, gingey, wurden sie von ein-er mit Schlagringen, Stöcken und Gummiknütteln bewaffneten Bande überfallen', verprügelt und getreten. Mehrere jüdische S'udenten und ganz besonders eine jüdische Studentin trugen schwere Verletzungen davom Die ' lleberfalleneu würfen, um sich nach Möglichkeit zu wehren,' ihre Bücher und Instrumente fort. Daß dieser ganze tUebersqÜ vorbereitet war, geht daraus hervor, daß irgendeiner 'der Deteiligten genau nach Schluß der Vorlesung die Veieuch'mlg abdrchte, und als die feigen Kerle sich zurückzogen, die Beleuchtung sofort wieder anfflammte. Als die UebarfaL-encir.. nun. bei. elektrischem Licht ihre.'Habsoli-gkeiteu suchten, waren die- Angreifer, wie bei dcn früheren ähnlichen feigen Udb-erfälleu, wieder verschwunden. Einem jüdischen Hochschüüer - wurde' auch, die Uhr gestohlen. Man ist .chier begierig, wie der Unterrichts-, minister Graf Kuno Kl ebelsberg, der-iu Versammlnngsreden immer von der Sehnsucht nach Wieiderk-chr von Kultursitten in Ungarn übertrieft, sich zu dieser neuen Aultnriat .seiner Jünger Men wird. i. Polen. Ne MMnsrMe. . L e m b e t (i, 19. Februar. (Tel. der „Wr. Mor^enzeitung".) Von der Grenze bei H u s i at i) n sind Nachrichten eilngelanAt, welche das Elend der ausgewiesemen russischen Flüchtlinge in den krassesten KarLen schildern. Die Ausaewiesenen werden don polnischen Patrouillen an die Givenze gebracht, wo ihnen bedeutet wird, daß! sie nun gegen die russische Grenze marschieren müssen. Die russischen Grenzwache? w e i gern stch, die Heimkehrer nach Ruß- Unser Prinzio: Gilt und mann TaborstKäße 4$ Telanhan 47*1 *79 Rn qros detaB. -«äm jnst ..