Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1444 (19.2.1923)
- Date
- 1923-02-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SWWwWJJ BSNteWHp 9tWQ^lf^RlH^Sii 8&.M» . Mß er allein mrr imstande war, bei Differenzen, die sich »P zwischen kommunistischen und sozialistischen Arbeitern töt Betriebe ergaben, einen Ausgleich herbeizuführen Sein ^Rot und sein Wort wurden in beiden Lagern unbedingt re- Dektiert. Was ihn zu seinem schwierigen. Amte als Vermittler! besonders befähigte, war eine geradezu unerschütterliche Ruhe, die ihn auch darm nicht verließ, wenn die Meinungen hitzig jnneinänderpraltten. Schon diese Ruhe und Besonnenheit lassen es als ganz ausgeschlossen erscheinen, daß er die motvarchistischeu Schutztruppler provoziert oder gar tätlich an«; FUgreifen versucht hätte. Es ist sogar mit Gewißheit anznnehmen, daß sich Herr Birnecker nur deshalb in die Nähe des Versammlungsortes begeben hat, um eventuell beruhigend aus seine Genossen einzuwirken. Aber auch das war garnicht iwiig, denn es waren, wie oben gesagt, höchstens zehn 'sozialistische Arbeiter in der Nähe des Versammlungswkales. Birnecker hinterläßt eine Witwe, die nun von dem schweren Unglück ganz vernichtet ist. Sie hatte mit ihrem Watten viele Jahre in ^glücklichster Ehe gelebt. Niederschmetternd Ivird das tragische Ende Birneckers auf seine .greisen, aus dem Lande lebenden Eltern wirken, deren einzige Stütze er war. Noch in den letzten Tagen hatte Birnecker Rn seiner großen Fürsorglichkeit für die Eltern Brennmaterial besorgt. In Hietzing war er nicht nur in Arbeiterkreisen schr bekannt. Ueberall erfreute sich der ernste, ruhige Mann großer Beliebtheit. Diese kam auch bei einer Trauerfeier zum Ausdruck, die die sozialdemokratische Partei gestern an der U n g l ü ck s st e l l e veranstaltete und zu der sich etwa Personen eingefunden hatten. Stadtrat Grünwalb die Gedenkrede, die auf alle tiefsten Eindruck machte. Persammelten gingen dann still auseinander. Das amtliche Kmmmmkime. Dle Polizeidirektion veröffentlicht folgendes amtliche Communique: Am 17. Februar l I. «m etwa 1V Uhr abends kam «K nach einer monarchistischen Versamprluyg i» der Waidhansenstraße im 13. Wiener Gemeindrbezirk zu einem Hlv 1 igen Zusammenstoß zwischen Versammlungsteilnehmern und deren Gegnern. Nach der.ohne Zwischenfall geschlossenen Versammlung haben sich ungefähr s i e bz e h u T e i l u e h m e r, die offenbar auch mit dem Schutze der Versammlung betraut gewesen waren, zu einem stadtwärts fahrenden Stratzenbahnznge begeben und sind von den Gegnern verfolgt, in den ersten Beiwagen des Straßrnbahnzuges eingestiegen, wogegen ihre Verfolger den zweiten Beiwagen besetzten. Gleich bei der ersten Haltestelle v e r- «sachteu die Gegner der Monarchisten in -en ersten Beiwagen einzudringen, was die Monarchisten zu verhindern trachteten, indem sie mit PtScke» und Gnmmiknütteln die Plattform dieses . Wagens verteidigten. In diesem nur ganz kurz Wahrenden Handgemenge fielen von der Platt- Kur «Schüsse. Der Motorsührer setzte, als er die pchüsie hörte, die Fahrt eiligst fort; doch sprangen hie Monarchisten vom fahrenden Straßenkahnzuge ab und ergriffen die Flucht. Sicherheitswache fand an der Statte des Kampfes einen ArveilerLot, zwei andere durch Schüsse versetzt vor. Der Tote ist mit dem Betriebsräte der „Sem- Perit"-Werke Franz Birnecker identisch; er ist offenbar durch einen Schuß in die Herzgegend sofort ßietotet worden. Durch die umfangreichen und mit allem Nachdruck «och im Lause der Nacht durchgesührten polizeilichen EchÄnngen und Einvernahmen ist es gelungen, schon in den frühen Morgenstunden derTaterhabhastzu werden. Ms der Manu, der den tätlichen Schuß abgegeben hat» wurde der Postunterbeamte Franz Vpiela ausgeforscht und verhaftet. Er ist der Tat geständig, behauptet jedoch nur Alarmschüsse, ohne zu zielen» abgegeben zu haben. Außer Hm dürste auch der G^schastsdiener Friedrich Bevijtaqna Schüße abgegeben haben; ein Arbeiter hat nach eigenem Gestarrdnßfe zur Abwehr der Schüsse Gleichfalls einen Nevolverschutz gegen den Tramwaywagen abgegeben, offenbar ohne jemanden -«treffen. Bisher sind insgesamt zehn Personen in Haft. Die Erhebungen dürften im Laufe des morgigen Tages zum Abschlüße gelangen; die Verhafteten werden sodann der Staatsanwaltschaft übergeben werpen. Dtto Sattei4 Mer die politische MMgt. Forderung nach Sühne. In einer Bersanrmlnng jugendlicher Arbeiter in der Bolkshalle, die zur Frage der Arbeitslosenunterstützung Stellung nahm, gedachte Abg. Dr. Otto Bauer des Opfers des von Hakenkreuz lern verübten blutigen Verbrechens, das nach Sühne verlange. Die Reaktion sei durch die herrschende Arbeitslosigkeit ermutigt, gegen die Arbeiterschaft rücksichtslos vorzugehen, aber die Arbeiterschaft sei stark gwmg, jeden Anschlag aus die Republik abzuweisen, sie werde Mit dem monarchistisch-reaktionären Gelichter fertig werden, sie werden sich blutigeKöpfe holen. (Anhaltende EntrüstungZkundgebungen und Rufe: „Nieder mir den Hakenkreuzlern!^ Namens der jugendlichen Organisationen, erklärte Acker--, mann, daß die Jugend bereit sei, alles für die Erhaltung der Republik einzusetzen. Zum Zeichen der innigen Anteilvphme für das Opfer der Bluttat in Hietzing umhüllte ein Trauerflor die Fahne der Organisation deS ersten BeztrkvS. Die Maßen verlangen, daß das ruchlose Verbrechen gesühnt »erbe. Nach der Bersanrmlung veranstalteten die Teilnehmer einen Demonstrationsunlzug, der ohne Zwischenfall verlief. Raschln gestorben. Pvatz, 17. Februar. (Tschech. Pr. B.). WttarrWcknkstrr Dr. Raschin ist heute um 12 Uhr 45 Minuten mittags gestorben. ■ i * Der Tod Dr. RafchinS beschließt ein tief tragisches Schicksal. DaS Leben, welches ein fanatischer Jüngling vernichtete, war insgesamt dem Bolle gelvidmet, dem. Raschin angehörte. Bon seinen Jünglingsjahren an bis zu seinem letzten Atemzug hat dieser bedeutende, mit reichem Mssen und einer ungewöhnlichen Energie begabt» Mann nur das Ziel gehabt, dem tschechischen Bolle zu dienen. Er hat als Student Anteil gehabt an jener Emanzipationsbewegung der tschechischen Jugend, die mit geistigen Mitteln eine ideelle LoSlösung von Oesterreich anstrebte, er war Omladinist und hat für seine Überzeugung gelitten. Er ist im Kriege mit den österoeichifchov Staatsanwälten in Knflikt geraten, hat die ganze Härte der Untersuchungshaft getragen und die Schauer des Todesurteils erlebt. Er war unter allen tschechischen Politikern die stärkste Kraft, die nach, dem Umsturz den tschechö-slowakischen Staat formten. Ihm verdankt Me Tschscho-Slowakei die Währung und die Festigung der Finanzen, ihm auch die Ordnung des Staatsbudgets, die er rpii - rücksichtslosem Willen durchsetzte. Er war im Ministerium Svehla der leitende Geist, er war das Programm der nächsten Zukunft. Der Revolver eines unreifen Buben hat die Tschechen um einen ihrer'besten Söhne armer gemacht. Dr. Raschln ist als Märtyrer, als Patriot gestorben; schon vom Tode umfangen, galten seine letzten Gedanken einem Manifest an die tschechische Natton. _; Polnische TruWe» ht der ventral«» Avne? Den unaurgesehten Bemü-mg« der Feuerwehren gelang ei ge-m 2 Ahr früh den Brand gSuzsich zu unterdrücken. Zut Opfer gefallen war ihm ein Drittel des Dachstuhles. Dr Däumungsarbeiten dauerten bis zum heutigen Vormittag. Da Schaden geht in die hundert« Millionen, ist aber durch Peii stchenmg gedeckt. Aeber die Entflehungrursa-r des Brands konnte bisher nichis in Erfahrung gebracht werden.. Die Sota güfle konnten zum. allergrößten Teil ihre Zimmer miede beziehen. __ MenbahmmgM bei Eperway. ücherwah, 18. Februar. (HcüxlS.) Der Schtwllzch PariS-^StraWurg ist bei Eperway mit evuem Mtsyzuj NvsaurmengestvßM, wobei Zehn Personen den Tod fandet ueöd ungefähr dreißig-verletzt wurden. Zer Hausarzt. Bon Sanel Beer. QtvB Si^vllUtiUUUBBv# Waö versteht mau unter Rheumatismus? Damws kam rächt einumL die heute so/fortgeschrktLme uvedizinrschi Wißervfchaft eine klare Antwort geben. Der Ausdruck iß sehr alt und wurde zm Bezeichnung der velschiedenstert 5LranLheitSerscheinungen angewendet. Bis in die jüngst» Zeit war alles, wofür man in der Medizin keine Erklärunz fand, rheumatisches oder nervösen Ursprunges. Die usuell Erkenntnisse in den Heilwißenschaften, die sich die aus. strebenden Methoden der Bakteriologie, der Chemie müs der.Röntgenlehre zunutze machten, räumten langsam mü dem Begriffe „Rheumatismus" auf. Denn die damit zeichneten Krankhvitszustande wurden vielfach als selbständige Organ-, Infektions- oder Stoffwechstlleiden erkannt. Heute spricht man nur von einem akuten oder chrm riffchen Gelenksrheumatismus und verbindet dcumt ein ganz ausgeprägtes, scharfes KvankhertSbrld, über deßon Entstehung man aber trotz vielfacher neuer Erkenntnisse auch heute nicht viel weiß. Ovarch besetzt hatten, auf litauisches Gebiet eingedrungen seien und die litauischen Truppen angegriffen -hätten. Hiebei sollen ungefähr zehn Personen getötet und mehrere hundert verwundet worden sein. Die litauische Regierung habe an den Völkerbundrat das Ersuchen gestellt, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die. Ausbreitung des Konfliktes zu verändern. An offizieller Pariser Stelle liegt eine Bestätigung dieser Meldung nicht vor. FrledenMMMMg in KsrOanirnchÄ. Konstantinopel, 18. Februar. (Havas.) In hiosiM Mitischen Kreisen scheint man sich immer mehr nach einem raschen'Friedensschluss zu sehnen. Die Note der alliierten Obrrkommißävc, die wegen dcr Vorfälle in Snthvna an Adnan Bei übergeben worden Lvar, hat hier einen günstigen Eindruck hervorgerufen. Mr MgMert ihre LhromnkAÄch?. Ein Manifest an das ungarische Doll. Madrid, 17. Februar. (Havas.) Aus Sau Sebastian wird gemeldet, daß Graf Apponhi, aus Budapest komurerrd, heute morgens dort eingetroffen fei und die Exkaiserin Zita besucht habe. Diese soll den Willen bekundet haben, milallenMittelnihre und ihrer Kinder Rechte auf den ungarischen Thron zu wahren und den BorMag gemacht haben, ein Manifest in diesem Sinne an das ungarische Volk zu richten. ZagesberW. Jas Hotel Hopfner kn Flamnen. Um elf Uhr nachts brach im Hotel Hopfner in Hietzing ein Brand aus. Um 2 Uhr nachts war der ganze Dachstuhl bereits ein Raub der^ Flammen. Sämtliche Hotelgäste sind gerettet. Sie sind ins Hotel Hietzingerhof Übersiedelt. Um halb 3 Uhr morgens war der Brand bewalttgt und jede Gefahr beseitigt. Die 2'öscharbeiten dauern fort. UeLer den Brand wird weiter berichtet: Unter den Kotelgästen entstand eine furchibare Panik, die sich auch dann nicht beruhigen ikeß, al5 das Kotrlperfonal darauf verwies, daß keine unmilieibale Gefahr drohe.^ Mit einiger Echwiengkeit wurden zwei gelähmls AoteigSsie ins Freie geschafft. Begünstigt wurde die Löscharbeii dadurch, daß völlige-Windstille herrschie. Erschwert wurde die Arbest, dadurch.^ dc>ß die Kydranien teilweise eingefroren waren. hertSuvsache zur Erklärung hermMzogen. Darüber siud sich >!vohl alle Autorml c'mig, daß Äk irgrndemer Form ftr§ Moment der Erkaltung fast immer nachMversen ist. Man kann durch Ausfragen immer tvieder auf eim stattgestrndene Drrrchnüßuug, Mirhlurrg eines bestimmten Körperteiles, auf eine feuchte Wohnung stoßen. Meist sind es Menschen in der Vollknrft der Jugend, dis vom Gelcriksrheumgtismus zum ersten Male befallen iverdm. Wäscherinnen, Tollsten, Touristtlr, Frauen «US denr Arbritevstainde, für die das Rheuma gswrßermaßest eine Berufskmnkhort darftellt. Professor Wiesel definiert die Erkältung als einen Borgarrg, bei dem es im Anschluß cm einen isolierteni Kältereiz zu einer Fevnwirkung in andeven Organe»! kommt, ohne daß eine akute Infektion notwendig wäre. Professor Chvostck nimmt eine Erkältungsidioshrckmsie (Usbevempfüchl'ichkeit) an. die bei bieleit Individuen auf Emwirkmdg abkühlender Vorgänge zu .Kvankheitserscheinungen in Vevschiedeneir Organen führt. Erwe angeborene Schwäche einzelner Gslvebe, eine! gelvffse Minderwertigkeit der Konstrtmtton, wird als Bor>! bedingung der cheuumtischerr Infektion neuerdings angesehen. Eine Erkältung, die her einem Menschen mit itat* indem Körper spurlos vorübe-rgeht, führt -bei einem! Individuum mit einer degeneraiiven KonstituiÄm zuj rheunratffchen Gewebsschädigungeu, die das Eindringen! krankmachender Keime ermöglichen oder die Bermchruug! der sonst unschädlichen, in den Organen ruhondan Bak«^ tevien begünfttgerr. Es ist bekannt, daß an dorr verschiedenste Körperstellen harnrlose Bakterien sich befinden, die cttr Kälteveiz aus dem RuhMstande in ein aktives Stad'umr Kr bringen! vermag. Untersuchlrngen, die Professor Wiesel an Nheumatikevn Vorrvahm, ließen 'ihn vielfach an diesen Kranken hereditäre Belastung feststellen. Die Aerzie kennen: ganze^ Rheumattkerfamilien. Man findet bei solchen Leutetr Besonderheiten im Skelettbau, lote Hoch- und Kleinwuchs, abnorme Fettsucht oder auffallende Magerkeit, labile VeränÄeruNgen am Herz- und Gefäßsystem, Neigung zu nervösen Störungen und insbeslondeve Tkbnornritäten in der^ sexuellen Sphäre. Bei solchen Indioidtmr mit degenevatiber Konstitution schließt sich an eine karlnr beachtete .Halsentzüudung, Zahiteiterung oder chronische Nasenrachenerkraukung ein Gelonksrheuma an. Zur Vorbeugung rheumatrscher AMt^onen 'bsdarfi es somit eben der möglichsten Ausschaltung von Erkältungen der Bekämpsnng der ininderwertigen Körperanlage von Jugend auf durch zielbelvußte Ldrästigung und Ab- I härttlng des Organismus. Meldung von einem polnisch-litauischen Konflikt. Paris, 18. Februar. (Havas.) Die litauische Gesandtschaft veröffentlicht eine Mitteilrmg, wonach vsguläre polnische Truppen, die die neutrale Zone in der Gegend von ES lag mche, in der Aerv, in der man die Krankheitep auf kleinste Lebewesen, BaMen, zurückführt, auch in dem Gelenksrheumattsmus eine InMionSkrankheit zu der« muten, doch ist es bisher nicht geglückt, ein die Krawcheit verursachendes Agens aarfzusinden. So wird denn immer noch die alte Anschauung von der. Erkälttmg als Krank- Unser Prinzio; Gut und billig "SMfeSchlffmanii