Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1444 (19.2.1923)
- Date
- 1923-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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dazelmmnisr K7M Wien' Zorn Abholen in der Expedition, U^Taborstr.1-3, oder in einer VerschleissteHe (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. jOesterr. monatl. K 28.000 - Ta eh e c h o-S I owa k e i r Mon. K17, Ungarn :Mon;K 600,'J n g o s 1 awi e n: Mon. Qinar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Franko Belgien: Monatl. Frcau 8 M* Ni«butl«afei “W9 PreiierbSbungen verMultn Rk. 1444 DerStmmder SOutteuzler. ~y. Wie «. IS. FebwÄ. 'Der Vorfall, der sich irr der Nacht vm Samstag lürrf Sonntag in Wen ereignet hat, zeigt, daß cs keine l leere Redensart' ist) von einer Vorbereitung des Bürgerkrieges zu sprechen. Nach einer nationalsozialistischen i Versammlung kam es auf der Straße zu einem Streit, - in dessen Verlauf eine Stutmschar von Hakenkreuzlern jeine Schwannlinie quer über die Fahrbahn bildete und auf Arbeiter eine Salve abgab. Ein Arbeiter blieb sofort tot, zwei wurden verletzt. Es ist zu beachten, daß die Hakenkreuzler sämtliche mit Revolver ausgestaltet waren und daß sie auf Kommando feuerten, während die Arbeiter unbewaffnet waren. Es gibt also in demi europäischen Kulturzentrum Organisationen, die ihre i Mitglieder zum Mord erziehen- Düs ist eine Wahrheit, i die nicht erst von heute stammt. Denn die Agitation, die! als einziges Argument den Revolver besitzt, hat sich -schon seit geraumer Zeit in Oesterreich festgesetzt und; hat weder ihre Methoden, noch ihr -Ziel verschwiegen. Sie redet in ihrer Presse, vor allem in dem großdeutschen Regierungsorgan „Deutschösterreichische Tageszeitung", und auf ihren Plakaten die offene Sprache cheL politischen Mordes, sie predigt in ihren Versammlungen den Massenpogrom gegen das Judentum und!die „verjudete" Sozialdemokratie, und sie bedroht jeden an Leib und. Leben, der nicht ihre Ansichten teilt und idas Geschrei dieser Bänden als tiefe Schande mit Ekel ablehnt. Diese' nationalsozialistische Richtung, wie sie sich nennt, ist unter den Augen der Behörden zuansehnlicher Stärke gelängt und hat sich der zum nätiomalistischen Exzeß geneigten studierenden Jugend bemächtig. . - . An der Spitze marschiert der Rektor Diener Her deutschen Universität, der den Krieg gegen „die rassenfremde jüdische Jnvasion" unter sein hvhM Prö^' - Lektorat genommen hat. Aber außer ihm und den Pogromprofessoren seiner Umgebung^ gibt es noch andere Elemente, die dem Hakenkreuztizm ihre , moralische und materielle Sympathie zugewendet haben, weil' sie in dieser Propaganda eine sehr brauchbare Hilfe für die Durchsetzung ihrer reaktionären Ziele erblicken. Die jungen Leute in den Sturmhundertschaften lernen von ihren Kommandanten, daß der soziale Fortschritt eine auf die Knechtung der Deutschen berechnete Forderung der Juden ist. Und da diese Jugend nicht politisch denken kann und ihren Führern blind vertraut, so ist sie ein williges und knetbares Werkzeug in der . Hand der Scharfmacher. Es sind die Großindustriellen,- die ihre Streitfragen mit der Arbeiterschaft auf Kosten des inneren Friedens austragen und denen.fast unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung stehen. Unter dem Titel eines politischen Dispositionsfonds wirdallen Unternehmern ein bestimmter Prozentteil der Lohnsummen als Steuer abgezogen und zu „Selbstschutz"-Zwecken verwendet. Dieser Selbstschutz sind die antisemitischen Hakenkreuzler, und so fügt es die Ironie der skrupellosen Hetze, daß' auch die jüdischen Unternehmer für die antijüdische Mordpropaganda zahlen. Und gar nicht wenig. ' Es ist wirklich so, daß heute in Oesterreich die politische Atmosphäre durch den Gestank der Kaserne vergiftet ist, und daß wir von Budapester Zuständen gar nicht weit entfernt sind. Diese Stimmung ist gut vorbereitet worden. Die Hetzplakate passieren die Zensur der StaatSanlvältschaft und da diese an der Aufforderung zum Aiord nichts auszusetzen findet, ist auch ein großer Teil der Bevölkerung geneigt, an ein patriotisches Unternehmen zu glauben, das, zum Besten der Allgemeinheit ins Werk gesetzt wird. Die Sozialdemokratie hat aus feiger Angst ' vor der Judenschutzdenun-' ziation mit offener Stellungnahme gezögert, bis die MaLionalsozialistische Werbearbeit auch in ihre Reihen eingedrungen ist. Erkennt sie jetzt die Situation? Erkennen die Juden die ganze Gefahr? Wissen sie,' daß sie nur inehr ein Objekt der österreichischen Politik sind und daß ihnen nunmehr das Mittel, der eigenen nationalen Organisation offen steht? Die gemeinsten Schmähungen werden ihnen zugerusen, ihre Boden- 'ständigleit und damit das gleiche Recht negiert, der Minister Waber nimmt den Optanten das ^Recht, der Minister Frank will-durch die Rassenverordnung Yen gelben Fleck einführen. Und die Juden, ohne deren Arbeit und Fleiß dieser Staat verfaulen würde, dulden daß alles. Bis sie durch den Reimer unsanft in ihrer Lässigkeit gestört werden. jener Tsch8(ho*Slo«ak«l! tschech. K 1.— Italien: Monatl. 10 lir^ R u man i e n» Bulgarien Monatl. 60 Leibe£*.Lewaj S c hw ei z nnd.das übrig« Ansland monatlich Frcs. 3; Redaktion n. Administration Wien, n„Tal*MtrasTOl-J Telephone: 44-0-38&tf-3-19j ab 6 Uhr abds.l6*3(Hfl 9-483 Tel.» Adr.: ,Morgenzeitang,i Wien 0 csterreichischeaP ostspar* hassen-Konto' Nr. 150.693 ,19. Februar 1923 (gilt Arbeiter tot, zwei schwer verletzt. — Ser Wer verhaltet. Wie der Mord geschah. Zwölf Monarchisten verhaftet. — Geständnis zweier Täter. In Hietzing haben vorgestern Monarchisten auf Arbeiter geschossen, wobei ein Arbeiter getötet, einer schwer und einer leicht verletzt worden ist. Bisher wurden zwölf Berhaftungen vorgenommen. Zwei der Verhafteten haben hereits gestern das Ge st ä n d n i s a b g e l e g t, auf die Arbeiter Revolverschüsse abgegeben zu haben. Blutiges Nachspiel zu einer Monarchisten- Versammlung. Die Hütteldorferstraße in Hietzing war Samstag in der zehnten Abendstunde der Schauplatz einer schwere n - p o l! t i s ch e n Bluttat. Monarchistische Schutztruppler, die eben aus, einer Versammlung kamen, schossen während der Fahrt von der Hmterplattform eines Stvaßenbahnbeiwagens aus Revolvern auf A rb eit er, die eben den nächsten.Beiwagen verlassen hatten und sich M Fuß nach Haufe begeben wollten. Durch die Schüsse wurde ein Arbeiter getötet» ein Arbeiter schwer verletzt, und ein Arbeiter leicht am Arm verwundet. Es war dies das schreckliche Nachspiel'der konstituierenden. Versammlung der Ortsgruppe 13 der Partei der österreichsschän Morvarchistan. Die Versammlung fand um 8 Uhr abends in. dem vmr der WirtsstM vollstaMg getrennten Gartensalon des Gasthauses Zehentner m der Waidhausenstvaße20 statt.. Es hatten sich etwa' fünfundvierzig TeLnLhmer.emgefunden, von denen fünfzehn als ,MchutztpuPple< süÄMVM; mchreve^ von dieseniHvEn^vor.-dem GÄ-' King -zum Gärtensalon postiert, MN die VWlrmMng vor einem eventuellen Ueberfall durch polittsche Gegner zu schützen. Diese Vorsichtsmaßregel erwies sich als unbegründet, well vo-n keiner Seite auch nur' der geringste Versuch gemacht wurde, in das VersammlMvgslokal einzudrmgen oder die Versammlung zu stören. Allerdings waren - gleichzeitig in der Wirtsstube etwa fünf sozialistische. Arbeiter anwesend. Sie tranken aber ruhig ihr Glas Bier und kümmerten sich /nicht um die Vorgänge in der Versammlung. Als einer von ihnen die im Flur befindliche Toilette cmssuchte, horte er, wie die „SchutztruPPler,, über die in der Wirtsstube sitzenden Sozialdemickrateu Bemerkungen machten, wie: „Dem nvrt dem g'fpitzten Hut wer'n ma's zeigen" und ,^en mit'nr Vollbart, den holli ma außi". Er berichtete dies seinem Genossen in der Wirtsstube. Diese bezahlten nun ihre Zeche, verließen das Lokal und trafen auf der Straße mit vieranderen Arbeitern zusammen, die eben auch nachhausegehen wollten, well ,/ohnehin nichts los war". Sie gingen an die Ecke der Hütteldorferstvaße vor, um mit der Straßenbahn nachhause zu fahren. Gleichzeitig hatte die Versammlung ihr Ende gesunden und die Teilnehvier zogen in Trupps ab, nur . etwa zwanzig Mann verfügten sich ebenfalls zur Straßenbahnhaltestelle m der Hütteldorferstraße. Schon auf. der Straße kam es hier zu Wortplänkeleien. Im rechten Augenblick kam ein Straßenbahnzug herbei, die Monarchisten, sechzehn an der Zahl, bestiegen den ersten Beiwggen, wahrend fünf Arbeiter in den zweiten Beiwagen entstiegen, um mit chren Gegnern nicht in ein und demselben Wagen zu fahren. Während der Fahrt zogen die Mcmarchffton Knüppel hervor, mit Lewen sie den Arbeitern im nächsten Wagen drohten. - Diese riefen: „Das ist eine Frechheit, öffentlich mit Knüppeln herumzusuchteln. Schäntt's Euch'." An. der' nächsten Straßenbahnhaltestelle gegenüber dem Cafe Baumgarten verließen die Arbeiter den Zug. Hier war es schon früher zu einer " Keilerei zwischen Monarchisten und sozialistischen Arbeitern gekommen und es hatten sich ziemlich viel. Leute angesammelt. Zwei Mann aus der Reche der Monarchisten sprangen auf die hintere Plattform - des i ersten Beiwagens des Stratzenbahnzuges, der sich bereits in. Bewegung gesetzt hatte und an den Arbeitern, die soeben ausgestiegen waren, vorbeifuhr. _ - Gs wird geschosserrk In demselben A«Mvl!ck ertönten ln tsschtt Fvtze mehrere Revolverschüsse. Ein Ärbeiter, der NMriqe in dck Semverttwerkeu LeiLAüM« rat Franz Bir necker, stürzte zu Boden. Gaste, die aus dem Cafe Baumgarten herbergeeilt wareNt trugen ihn in den Flur des Hauses. Jede Hilfe wa< aber bereits vergebens. Eine Kngel, die ins Herz gedrungen war", hatte rhu auf der Stelle getötet. : . Ein anderer Arbeiter, der ISjährige Anstreicher, . Schilfe Franz Krat«sch, würde ''durch mehrere Schüsse sehr schwer verletz». Eine Zlugel durchbohrte ihm die Brust . und blieb im Oberarm stecken, die zweite ging ihm. iq den rechten OberschejNkel. Kratusch flüchtete in das .Kaffeehaus, imrdort Labung zu finden. Er würde aber von so schweren!.Unwohlsein bei Men, daß ihm . zwei Kaffeehausgäste zur Wachstube' unh von da ins Ro ch uss p i t äl brachten. Der dritte Verletzte, der 37jährige Mäschmen-! ärbeiter und Armemat Wenzel Bednarik, hatte einen ' Schutz in den linken Oberarm erhalten. Zum Glück erlist er nur eine F l e i s ch w u n d e. Er konnte sich selbst ins Rainerspital begeben^, Wo er verbunden und sodann n» häusliche Pflegeentlassen wurde. \ Verfolgung und Flucht der Mrssetüter. . Inzwischen sötzte der Straßenbahnzug .seine Fährt fort. Als jedoch Zeugen der Bluttat die Verfolgung der Monarchisten ausnehmen wollten und dem Straßenbahntvagerc nachvannten, stellten sich in der Nähe der. Fabrik boii Cabos fünf. Monarchistentft .Schwarmlin« quer.über-'dis Straße, hielten: bsy.Hexaneilenden":....: t. .U r— n i§rc hocherhobenett ReVoMr ' ' ' entgegen und d r oh t-e n j ma N nn i e d e r.z ue schießen, der-eS Wagen würde, sich zu-nähern.' In dev Nähe der Mitisgasse wurde der Straßenbahnzug-von eineist SicherhertÄvachmanu angehalteu. Diese Gelegenheit bcq nützten die Monarchisten, um von' dem Wagen abznspringen. :'; ';;; Sie überlisteten de» Wachmann . . dadurch, daß sie ihn: sagten, daß bei der Waiühausenstrazq eine Mtevolverschießerei sei ' und' er sich eiligst hinbegebeui nwge. Tatsächlich kam der Wachmann dieser.Aufforderung nach und die Monarchisten fliesen durch die Mitisgasse davon. Auf Grund verschiedener Aieldungerr wären einstweilen Srcherheitswachleute am Schauplatz des Ereignisses erngeiroffen und diese nahmen nun in einem zweiten Stvaßenbahnzug die Verfolgung des ersten Straßenbahn-, zuges aus, in dem sich die Monarchisten .befanden. Als . der - erste Stvaßen-bahuzug endlich erreicht wurde, wären düj Missetäter schon über alle Berge. y der Polizeipräsident auf dem Tatort. Um Mitternacht traf Polizeipräsident S ch o b. auf dem Tatorte ein und übernahm die Leitung der Polizei^ lichen Nachforschungen zur Aufklärung der Vorkommnisse und zur Ausforschimg der Täter. Es wurden rin ganzest zwölf Verhaftungen vovgeiMMnen.. Unter den. Verhafteten befanden sich M Schlosser, ein Tischler, ein Bergmann, ein Monteur,- eht; Dreher und ein Schriftsteller. Geständnis zweier Täter. Bon den Verhafteten legten gestern mittags der Post» nnterbeamte vnd Packmeister am Westbahnhof, Franz O p i a l a, 16. Bez., Degengasse 65 wohnhaft, und best Bureaudiener Friedrich B e r i l a e q u a, Kreubangasse §4! wohnhaft, das Geständnis ab, gef cho ffen zn! haben. Sie erllärten, daß sie der ALrinung waren, dÜ! sozialdemokratischen Arbeiter wollten den.Straßenbahnwagen stürmen «nd daß sie nur um einen Angriff abzuwehren, Schreckschüsse abgegeben hätten. Gezielt hätten sie' ans die Arbeiter nicht. * Der Ermordete. Der ermordete Arbeiter ist, wie oben erwähnt,- der-- 47jährige Betriebsrat Franz B i r n e ck e r. Er ist schön seit mehreren-Jahrenin den Semperit-Werkeu beschäftigt nnd' . wqr rin so tüchtiger Arbeiter, daß er bei den kärglich erfolgten BetrieLSemschränkungen nicht entlassen, wurder Geerfteute sich , bei feinen .Arbeitskollegen einesgeradezu sel-g tenen Vertrauens und .seine Stellung tu der Arbeiterschaft war Mm solcher Bedeutuya, u»d fein Am'eheu so - gwtz)