Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-02-16 · Heft 1441 (16.2.1923) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1441 (16.2.1923)
Date
1923-02-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980522--13804-3000482
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sk. 1441 5ß3tett, Freitag CDieik'et SnotfftrttgeHttttfr der „WenÖHHi"«? heute im 16. fttMtfeit 1923 t Bezirk Taborstt. \A » VW V y M'W W'WW »rv» ryyyyryyy V V vww WneSfallS dulden. können. Die nationalen Minderheiten, feien -eine Gäste und wohnen e-benio lange wie alle übrigen Einwohner nn Lande. Es sei Pflicht der Regftri'ng, energisch anszutreten, da man-sonst aruehmen müß'e, daß die Autorität der Regierung geschwunden sei. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung über die letzten Vorgänge empör: sei ttitb eine strenge Un'ersuchung e-iickeiten werde Im Verlauf seiner Erklärung behauptete er, daß die. jüdische Preise in letzter Zeit a n t! st a a t l i ch sei. Noscnbaum erklärte hierauf, daß Staatlichkeit und Regierungsorgane keineswegs identisch seien. Wenn die jüdische.Presse ip letzter Zeit gegen eu'-zeine antisemitische Äebwgrifse der Minister ausgetreten sei, so könne man dies nicht als antistaatlich bezeichnen, und wenn die Juden gegenwärtig verlangen, daß man die nachlässigen und feigen Beamten entferne, die es gcGckdet halben, daß jüdische Schilder herunkrgerissen oder mit Farbe überstrichen wurden, so verlangen Ne eben die Stärkung der staatlichen Autorität. Der Übertreter der **otnii)d)cn Minderheit erklärte, daß die Polen nicht antistaatlich gesinnt seien, der beste Beweis dafür sei, daß sie an den Sejm-' Wahlen te-lgenommen haben. Zum Schluß versicherte der Ministerpräsident nochmals, daß die Regierung alles tun wer.de, was hn Rahmen des Gesetzes liege. In der Tat hat die Regierung bereits eine entsprechende Erklärung in der gesamten Presse veröffentlichen lassen. Allftlm Einstein — Ehrenbürger von Tel-ÄKiiN. Am 8. d. besuchte P-roftsfor Albert Eiuftz.in die Stadt lkel-Awi/tv. Zu Ehren des Gastes veranstaltete der Stadtoat von Tel-Awiw einen festlichen Empfang. Der Bürgermeister Herr Disen.gof.f 'begrüßte Professor Einstein im Namen der Bevölkerung -von- Tel-Awitv und überreichte ihm das Ehren- Hürgerdiplom. ' - Sie neuesten Einwanderer. Jerusalem, U. Februar. (I. E.' B.) Mit dem letzten Schiffe kam ein großer Teil der jüdischen Arbeiter ins Tand, 'welchem die - Regierung deson-dere Einreiseerlaubnis auf Grund der lokalen Ardeitsbedür-snisse gewährt hat. Im ganzen sind 1100 solcher EinroiseerlaubniGe ausgegeiben worden: hundert für guali-fizierte und tausend für mchtqualifi- Lierte Arbeiter. - , Ser arMche WaKlbotzkott. Jerusalem, 13. Fobr-uar. (I. E. B.) Ungeachtet de-r stventzen Gegenmaßnahmen der Regierung wird das Manifest des arabischen Ausschusses über 'den Boykott der Wahlen in den gesetzgebenden Rai sehr intensiv verbreitet. Bor.einigen Tagen wurde von Organen der RegKrung km Bureau der arabischen Exekutive eine Haussuchung vorgenommerr, wobei große Mengen Propagandamateriais konfisziert .wurden. Die Knklmer. In e'nem der.Romane Karl May§ findet sich die wlgn'de Mitteib'nü über den Gelteünh'and „Kukl-uxklan", dessen Vrtaten geaenwärtig die amerikanische Oeffmtlichkeit beschästiasn: Obiges Wort ist noch heilte ein sprachliches Rätsel, das versch'edentliche Lösungen gefunden hat. Der Name des berüchtigten Krrklurktan cder anders geschrieben Ku-Klux- Klan soll nach einigen nur eine Nachahmung des Geräusches sein, welches durch das Spannen eines Gewehrhahnes hervorgebracht wird. Andere setzen ihn zusammen aus ruc, Warnug, gluck, glucksen, und^clcm, km schottischen Worte für Stamm, Geschlecht oder Bande. Aiag dem sein, wie ihm wolle; die Mitglieder des Kukluxklan wußten wohl selber nicht, woher ihr Name stammte und was er zu bedeuten hatte; es war ihnen gewiß auch ganz gleichgültig. Einem von ihnen war das Wort vielleicht in den Mund gekommen, die anderen fingen es auf und sprachen es nach, ohne sich um den Sinn oder Unsinn dieser Bezeichnung zu lummer». Nicht so unklar war der Zweck, welchen diese Verbindung verfolgte, die zuerst in einigen Grafschaften Nordkarolinas auftrat, dann sich schnell auch über Südkarolina, Georgien, Alabama, Mississippi, Kentucky und Tennessee verbreitete und endlich gar ihre Glieder nach Texas sandte, um dort für ihre Zwecke tätig zu sein. Der Bund umfaßte eine Menge grimmiger, gegen die Nordstaäten erbitterter Feinde, deren Ausgabe es war, mit allen. Mitteln, auch den unerlaubtesten und verbrecherischesten, gegen die nach der Beendigung des Bürgerkrieges eingetreHrre Ordnung anzukämpfen. Und in der Tat hielten die Kukluxer eine ganze Reihe von Jahren lang den Süden in. beständiger Aufregung, machten jeden Besitz unsicher, hemmten Industrie und Handel, und selbst die strengsten Maßregeln vermochten es nicht, diesem unerhörten Treiben ein Ende zu machen. Der Geheimbund, welcher infolge der Rekonstruktions- Maßregeln, welche , die' Negierung dem besiegten Süden gegenüber zu treffen gezwungen war, entstand, rekrutierte sich aus Leuten, welche Anhänger der Sklaverei, aber Feinde der Union und der republikanischen Partei waren. Die Mitglieder wurden durch schwere Eide zum Gehorsam gegen die heimlichen Satzungen und Androhungen der Todesstrafe zur Geheimhaltung ihrer Organisation verbunden. Sie scheuten vor keiner Gewalttat, auch nicht vor Brand und Mord, zurück, hatten regelmäßige Zusamnrenkünste und erschienen bei Ausübung ihrer ungesetzlichen Taten stets zu Pferde und in tiefer Vermummung. Sie schossen Pfarrherren von den Kanzeln und Richter von ihren Plätzen, überfielen brave Familienväter, um sie mit bis auf die Knochen zerfleischtem Rucken bunitteu ihrer Familie liegen zu lassen. Alle Raufbolde und Mordbrenner zusammengenommen waren nicht so zu fürchten, wie dieser Kukluxklan, welcher es so entsetzlich trieb, daß zum Beispiel der Gouverneur von Südkarolina. den Präsidenten Grant ersuchte, ihm militärische Hilfe zu senden, da dem Geh im- I Hunde, welcher bereits die bedenklichsten Dimensionen au genommen hatte, nicht anders beizukommen sei. Gran legte die Angelegenheit dem Kongreß vor und dieser criie* ein Aniikukluxklangesetz, welches dem Präsidenten drktatvri sche Gewalt verlieb, die Bande zu vernichten. Daß man ge , zwangen war, nach einem so drakonischen Ausuahmcgesck | zu greisen, ist ein sicherer Beweis, welcde außerordenil'ch Gefahr sowohl für den einzelnen wie für dre ganze Ratio; in dem Treiben der Kukluxer lag. Der Klan wurde nach > gerade zu-einem infernalischen Abgründe, in weichem fiö alle umstürzleriH gesinnten Geister zusammenfande» Einer der geistlichen Herren, welcher von der Kangel'go , schössen wurde, hatte nach der Predigt für das Seelenher einer Familie gebetet, deren Glieder bei Hellem Tage vor den Kukluxer» ermordet worden waren. In seinem fani men Eifer und auch ganz der Wahrheit gemäß,, bezeichnet er das Treiben des .Klans als einen Kamps der Kinder bcs , Teufels gegen die Kinder Gottes. Da erschien auf der ga ' genüberliegenden Empore eine vermummte Gestalt ruck 1 jagte ihm eine Kugel durch den K-ms. Ehe sich dr: er-; schrockene Gemeinde von ihrem Entsetz: n zu erholen oev mochte, war dieser Teufel verschwunden. Ae Mord-ropWMda irr München.! München, 16. Februar. (Tel. der; „Wiener Movgeiß | zestnng".) Hier Imtrb-o vor einigen Tugen eine neue poliick . sche M o r d v e r s ch w ö r u n g arifgedeckE. Wie die Pölich heute mitteilt, ift am 18. d. ein Njährvger Gymnasiast vev haftet worden, der sich ernstlich mit dem Gedanken beschäftigte . den sozialde-mokratischen Abgeordneten A u e -r zu ermorden j Die weiteren Ermittlr.ngen der Polizei in dieser Augelogenhes ' haben nunmehr zur Verhaftung von weiteren neun Pev fonen geführt, von denen bereits vier der Uutersnchnngsbs Hörde vorgeführt wurden. Die zehn Personen haben zusammen einen politischen Stammtisch gebildet und den P'ta, zur Ermordung Auers vorberoit.-t. Sie gehörten verschiedene; rechtsgerichteten Organs > a-tionen a»..Die Name» der Verhafteten werden im Interesse der UnLersuchung nock . Scheimgehalten. Ae MnoNMerrftage in LMM. Aus Riga meldet I. C. B.: Auf Grund des Beschluss des Ministerrates, daß die Regierung ruit Bezug auf die Ba Handlung der nationalen Minderheiten keine internatipnalej Verpflichtungen mehr singehen,. sondern in direkte Unterhand lmvgen mit den Vert^tern der nationalen' Mindechenstn in Lande treten solle, hat der lottische Delogierte beim VölktzrbunÄ Dr. Walter, am 6. d. die Vertreter der Mindcrhestenzv e'mcr Besprechung eingeladen. Die jüdische Minderheit was - durch die Sejmdeputierten F r f ch m a n n, Duöin, N u-r oj i und Lasersohn vertreten. Die Minderheitsvertreter' ev hoben gleich §u Beginn der Verhandlungen die Beschwevd.', dqj ihren Schicken die eigene Jnspeiktion entzogen und dichelben d>B allgemeinen Inspektion unterstellt wunden, was eine Beschraq kung der krckturellen Autonomie der nationalen Minderheiten bedeutet. Da Dr. Walter keine beftiedigend.-n Erklärungen a& geben konnte, erklärten die Vertreter der Minderheiten, nich? in der Lage zu sein, die Unterhandlungen fortZusetzen. Taborstraße 4L Telephon 47-1 «79 Sn ciros Rn tfieftafl nser rrmzio er Komerte. Im Jahre 1838 erlebte in Magdeburg „Das Siebes verbot", die Oper des starnals 23fährigen Theaterkapellmeisters Richard Wagner, ihre erste und einzige Aufführung. Seitdem schlummerte sie im Münchner Archiv, um nun demnächst in München und an der Wiener Volksoper wieder ans Nampenlichi zu gelangen. In seinen Lebens- Lrinnerrmgen erzählt Wagner von der denkwürdigen Premiere: Dais Ensemble war in Auflösung bogrissen, nur zehn Tage standen zur Einstudierung zur Verfügung, die Sänger waren bei der Premiere derart irnsicher, daß eine alle Wirksamkeit ihrer Nöllen lähmende^ Befangenheit entstand und er ft löst ftrhlts, daß seine Oper keinen Eindruck hervorgebracht Hatte. Die Handlung, die frei nach Shakespeares „Maß für Ällaß" gestaltet, at.f kecke energische Aktion und Sprache abgesehen war, wurde so ein musikalisches Schattenspiel auf der Szene. Noch vor der zweiten Aufsübrung kam es auf der Bühne zu einer blutigen Prügelei zwischen dem eifersüchtigen Gatten d:r ersten Sängerin iiiflf dom zweiten Tenoristen und mit dieser pvaktischen Demonstration über ein Liebesverbot fanden die Auffiihvnngen daurals ein unerwartetes Enste. — „Fra Diabolo" und „Zanrpa" standen danr.ils im Spielplan des Magdeburger Theaters und Auber und Herold tummeln sich mich im F-ischrrlgstreiben, der Ouvertüre zum „Lieöesverbot", die im letzten „P h i l h a r m o n i s ch e n" zur ölusführuttg gelängte, daneben auch Meyerbeer, der Allzervaltige im Reiche der großen Oper. Kastagn-Äten, Tamburin und Triarigel leiten den Karneval ein nnd spielen kuch weiterhin eine große Rolle und so ist es nicht ver- Mnidrrlich, daß der Direktor eines preußischen Militär- Msikkorps dem Komponisten nach ster Aufführung eine wohlgemeinte . Anleitung zur Behandlung der türkischen tromiml zu geben für nötig hielt. Das große Pathos und den melodischen NebörWlvastg Hat das Vorspiel noch v'ft der späteren Rienzi-Ouvertüre gemeinsam; bei dh'r strengen Wucht, mit der ein Unisono-Thema der überschäumenden Lebenslust Halt gebietet, mögen wir Nachgebormen eine Vorahnung von späterer Leitmotivit und Sprechgesang empfinst.'N, der Rest ist bombastisches Klangwerk im Geiste der großen Oper. Während die Philharmoniker in diesem Paradestücke ihre Birtuosität voll entfalten kostuten, war ihr Spiclriser in Brahms A-Dur-Serenade fühlbar gehemmt. Die Violinen fehlen in diesen, fünf zärtlichen Sätzchen, die der junge Brahms a>ls Musiklehrer des Detmolder Hofes schuf, die. Bratschen führen un-st damit ist das Stück in eine Art Halbdunkel getaucht, in richtige Abendstimmung, in der nicht nur die Farbe sondern auch der Einfall gedänrpft scheint. — Mit einer wohl-disziplinierten, durchaus klaren Ausführung der „Eroika" saust das „Philharmonische" fernen Abschluß. Wie mit Röntgenstrahlen schicn der komplizierte Bau m seinen mannigfachen Verästelungen^ und Verzweigungen durchleuchtet von Weingartners Meisterstab, der ohne dienende Liebe mit beherrschendem Können gebot. Ein F u r t w ä n g l e r-Konzert ist imumr wieder ein Ereignis. Selbst Mendelssohns A-Moll-Symphonie, die in den. Farben stark verblaßt ist, vermag Furtwängler Helle Lichter aufzustrcken. Wir wissen von Mendelssohn selbst, daß sich ihm die ersten Themen st.'s Werkes an den Stätten Maria Stuarts enthüllten und so rechtfertigen auch mehrfache Anpassungen an die schottische Volksnmsik die Bezeichnung „schottische" Symphonie. Prachtvoll dramMsch gestaltete > Furtwängler das Adagio, dessen zweites Thema in seiner fremdartigen Feierlichkeit dem Geiste Hamlets verglichenwird. — Weniger feierlich aber ebenso herzlich ging es an einem Beethoven-Wagner-Abend zu, an dem der Dirigent Bernhard Tittel von der großen Schar der dankbaren Abonnenten stürmisch bedankt wurde. Maestro Edoardo Grane l l i, der sich in Wien um Povularisierung italienischer Mruüt bemicht. führte unter Mitwirkung des philharmonischen Chores NossiuiZ „Stabat mater" auf, eines der wenigen Werke, die Rossini in den letzten vier Jahrzehnten seines Lebens nach Vollendung des „Wilhelm Tell" geschaffen hat. Unter dem kirchlichen Gewände birgt sich Opernmusik, die von dramat'rsch:m Odem erfüllt ift, st'.e schönsten Arien und Kavaiiney Wersten zu Ehren des lieben Gottes angestimmi und ein. frommer Text muß zu einem weltlichen M-elodiegepränge herhalten. Irr Lebzeiten Rossinis fand das „Stabat matcr" in Wien nur eine laue Aufnahme und kein Geringerer als Grillparzer warnt in einem Gedichte vor übereilter Ablehnung des Werkes und verweist auf das Schicksal von Mozarts „Don Juan", der gleichfalls von den ZeitgenofleN verkannt worden wäre. Heute ist das melodreselige Werk unserer Antcilna>hme sicher, zumal wenn Piccaver, Mayr und Fräulein Anday die Solls singen. Unbegreiflich, stch man» solchen Künstlern eine Sopvauistin zu-, gesellte, deren Material rrud Technik kaum bescheidensten Ansprüchen genügt. Im G o t t e s m a n n-Quartett wurden drei japanisch^ Stücke von Igor S t ra w i u s k i j mit Begleitung von Streichquartett, Bläsern und Klavier von Frau Ruzena Hcrlmger mit großer Sicherheit gesungen. Der Komponist des Feenmärchms „Feuervogel" und des berühmten orchestralen „Feuerwerkes" läßt hier bald brennende, baild siekalt schneidende Dissonanzen ausflimmeru. E§j quält das Ohr und doch fühlt mali, daß sich hinter diesen^ Wunden Klängen, deren Schmerz nur wenige Minutenandvuert, ein stimnmngsschwangeres wunderbares Etwas birgt.. Das aus den Herren Lehner, Smilowits, Hartmann und Roth bestehende Lehn e r-Quariett spielte mit reicher Klangentfaltung, musterhafter Präzision, mannigfacher Nuancierung und mitreißendem Temperament. Vor wenigen Jahren kamen die ctrva zwanzigjährigen Ungarn mit! leeren Taschen und vollen Herzen zum erstermral

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.