Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1440 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980521--13793-3000470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
W. 1440 " ' *:-'r;Vr Men, DümrerSÄlß Im Anschluß an die Werkstätten müssen Abendkurse §ä* theoretische Fachausbildung cmgerickM werden. / i Um in näheren Kontakt mit den jüdisch.'n Handiwerkern ruck Gehilfen §u treten, ist es notwendig: a) eine Registrierung aller Gewerbe, die in jüdischen Händen' sind wie auch der jüdischen Handwerker, die in nichtjüdischen Betrieben arbeiten, durchzuführen; b) eigene Arbertslosen- Vernvittlungsbureaüs zu gründen. Eine höl'Lr«.S!affel unserer Palästina-Arbeit in Gallus ist dir Schaffung von jüdischen Gewerbeschulen in Len bedeutenden Meschen Zentren. 3. Reisefonds. Ein wichtiger Punkt des Emigrationsprogramms ist &te Beschaffung der Rei,sesond Z für Emigranten. In den größeren Städten ist wohl mit mehr oder weniger Glück versucht worden, Vereine zum Schutze d.-r Palästina-Wanderer ins Leben zu rufen, welche die Mittel zur Errichtung und Erhaltung von Chaluz-Heimm, Bestreitung der Ueberführungskosten und. vergleichen mehr aufzubringen haben. Mit Ausnahme von Wien, wo die Erfolge nicht unbedeutend sind, konnten keine nennenswerten Resultate erhielt werden. Eine intensive Sammlung für den Fonds ist dadurch erschlvert,. daß wir alle unsere Kräfte anstrengen müssen, um die Keren Hajessod-Aktion auf eine bestimmt: Höhe zu bringen und dabei mit den atterschwersien Hindernissen zu kämpfen haben. Die Mittel müssen aber doch beschafft werden, weil die Wanderung den Lebensnerv unserer ganzen Palästtna-Arbeit bildet. Zum Schlüsse möchte ich noch auf die Wichtigkeit der Sammlung von Werkzeugen und Büchern für Cbalu- Hinweisen, was nicht mit allzu großen Schwierigkeiten verbunden wäre, wenn nur genügend Sammler zur Verfügung stünden. Ein besonderes Kapiie! bildet die Angelegenheit Hvr Beschaffung von M o s k i t o n e tz e n für Palästina- Mandever. Dies gehört jedoch in das Gebiet der sanitären Maßnahnren und l^darf einer speziellen Erörterung. , Es ist zu hoffen, Vaß die hier berührien Fragen das richtige Verständnis in der jüdischen Oef'entlichkeit finden werden und Widerlegungen, Aend erringen und Erlvei Gerungen der gemachten Vorschläge Gegenstand der össenttichen Diskussion sein werden. Dr. A n z e I m S t r o m w a s s e r. Dr. AnzeIm Stromwasser. ^Wiener „Morgenzettrmg". Wiener „Mrgemeitnng WreMr Morsertzeitung.;»ZifintsUEche Bezirkssektion Leopoldstadt*; ■ Jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkünfte » ■ ' lgr Mi’gUeder nnd eingeffihne Haste 2 ■ Heule Donnerstag, IS <d. M«, ft Uhr abends, ■ 2 im ^affe FeUer, IL, Prai-mtmse 2 : v«fl*,ira*A.«3- : : Dr. N. M. Gelber \ ■ „Napoleon I. und die Juden“ S 2 Donner? he den, 2?. d. Va> ttyxx A. Schwertflfger: „Die 2 ■ Krise In der jüdischen Geschichte“ a ■ 310 viN«ieiinaaiiiiiaiMfliaBi«iiiaaaiiR>iiii Ae zwlschenkredite. Gestern mittags ist in Wien die Meldung aus London eiugelangt, daß alle auf den zwischenwelligen Kredit von dreieinhalb Millionen Pfund bezüglichen Abmachungen abgeschlossen und durch die eullprechenden Unterschriften bekräftigt worden sind. In Paris wurde gestern der Präsident der Nationalbank Dr. Reisch vom Finanzminister De Lastehrie empfan'-en, der eine rasche, günstige Entscheidung bezüglich des Einschreitens wegen der Gestattung der Ausgabe von österreichischen Schatzscheinen auf dem PariserPlatze zusagte. Für diesen Fall ist eine Gruppe von Paristr Banken unter Führung der Banque de Paris bereit, diese Anlage fix zu übernehmen, worüber in den .Hauptpunkten ein Einverständnis bereits erzielt ist. Ter Abschluß des Vertrages wird nach der Erledigung der i n d e r S ch w e i z zu regelnden Fragen erfolgen. Präsident Dr. Reisch ist zur Aufnahme der Verhandlungen mit der Schweizer Nationalbank nach Bern abgereist. Ueber'die Einzelheiten des Anleiyeplanes wird von informierter »Seite mitgeteilt: Der gesamte vorläufige Anl-eihebetrag ist dreieinhalb Millionen Pfund. Davon gelangen nach dom Plärre, der: der Gouverneur der Bank von England, Adr. N o r m a n, und das Frnanzkomttee des Völkerbundes ausgearbeitet haben, in Engl a n d selbst unter Mitwirkung der Bank von England 1,800.000 Pfund zur Placierung. In Frankreich werden irr Franlwährung 800.000 Pfund ausgegeben. Auch hier erfolgt die Begebung der Anleihe auf Aufforderung der Regierung von verschiedenen Banken mit Unterstützung derBankvon Frankreich. Von Belgien erhalten wir 400.000 Pfund in belgischen Frank, wobei gleichfalls die belgische Nationa! ba n k die Äegyde 15. Februar rsZZ ' . Zäk % der Emission hat. H.o l l a n d patizipiert mit 150.006 Pfmid, miSgezahlt in chplläud'.schen Gulden. Nach allen bisher eingelause'nen Nachrichten ist diese Tranche als völlig gesichert zu betrachten, denn die noch verbleibenden 350.000 Pfund werden in folgender Weis« aufgeterli: 200.000 Pfund werden von der schweizerischen Nationalbank und 150.000 Pfund von den drei skandinavischen Staaten aufgebracht werden, mit deren gemeinsamer Vertretung, der Reichsbank in Stockholm, gegenlvärtig verhandelt wird. Von amerikanischer Seite dürfte sich die Morgan-Gruppe beteiligen. Außerordentlicher KoMettsrm. Der Kabinettsrat setzte heute die Spez laldebattK über die Abbauverordnung fort. Sie brachte nichts Bemerkenswertes. Abgeordneter Seitz nahm Anlaß, um auf die Art, wie in den wissenschaftlichen I n st i tuten des Staates abgebaut wird, hinzuweffcu und wandte sich energisch gegen den Plan, das staatliche Gewerbeförde r u n g s i n st i t u t,, das samt seinen wertvollen Objekten, vor altem den unersetzlichen Maschinen, abgebaut werden soll, zu beseitigen. Sonst gab es öde Auseinandersetzungen über einzelne Wehrmänner und Off'ziere, deren Abbau, respektive Erhaltung sich der verflossen- und der gegenwärtige Heeresminister vorwarsen. llngam. Zweierlei Fuftiz. Budapest, 14. Februar. (Tel. der „Wiener Movgeg^ zeitung".) Ein Redakteur dcs berüchtigten Hetzblattes der; Erwachenden „A Nep", Lehel Kadar, hat unlängst einen Artikel veröffentlicht, in welchem er wüsteste Pogromhetze betrieb, und die Erwachenden zum Raub des Wirschen Verrnögens aufsorderte. Einige liberale Abgeordnete verlangten von der Regierung die Anstren-nna d?8 Strafverfahrens gegen Kadar, mit der Begründung, in einem Land, wo jede Woche mehrere liberale Redakteure zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurteilt werden, dürfe ein Erwachender-Held, der auch seinerzeit im Mittelpunkt der blutigsten Terrorakte stand, keine Schonung und 'besondere Handhabe genießen. Die Budapester Staatsanwaltschaft strengte tatsächlich das Strafverfahren wegen des Verbrechens der öffentlichen Aufreizung gegen Lehel Kadar an. Bei der Verhandlung vor den; Budapester Stvasgerichtshof erklärte Kadar, er. fühle sich nicht schuldig und halte sämtliche Behau p t ungesi und Aeußerungen, die er in feinem Artikel getan, aufrecht. Der Gwichishof konnte ihn nach /diesen Aeußerungen nicht sreisprechen und verurteilte ihn izu zwei Wochen Ehrenhaft und 2000 Krormr «»»»»»»«WUMMSMWMtUMMBMMMAEMWSW rinssf?>“in2io: Gut und [Schiff mann I!., TaborstraSe 48 Talenho» 47-1-7’S En s*r©s Ebs deSagf Äritischr Hochzeitsbräuche in PMftim. , Von Ben-Jakov. Die verschiedenen Zeremonien einer arabischen Hochzeit gehören zu den merkwürdigsten und scheuetvcriesten Erscheinungen in Palästina. Ich hatte vielfach Gelegenheit, arabischen Hochzeitsfeiern in Palästina beizuwohnen, cinmal sogar als Beistand dcs Bräutigams, mit dem mich aus der Zeit, da wir zusammen bei einem jüdischen Kolonisten arbeiteten, gute Freundschaft verband. Die arabische Hochzeit findet nicht, wie es bei den Juden auch in Palästina üblich ist, im Haust der Braut, sondern im Hallst des Bräutigams statt. Selbst die ärmste Hochzeit dauert nicht weniger als drei bis vier Tage. Am ersten Abend versammeln sich die Männer des Dorfes, vorwiegend die Freunde und Angehörigen des Bräutigams. Sic setzen sich mit unterschlagenen Beirren in einen runden Kreis um ein gr ß?s Feuer auf dem Hose. Einer von ihnen sorgt dafür, daß das Feuer nicht ausgeht, indem er ständig Holz und Mist zuwirst. Die anderen rauchen ihre „Nargilchs" (Wasserpfeifen) und trinken Kaffee. Manche rauchen auch Zigaretten, di« als Hochzeitsgabe vom Freunde des Bräutigams gespendet wurden. Dieser Freund spielt eine wichtige Atolle: Er leitet den ganzen ersten Hochzeitsabend. Später beginnen einige Hochzeitsgäste zu tanzen und machen verschiedene. Spässe. Die Frauen lassen von ihreiu abgesonderten Platz aus ihre Hellen Stimmen hören und klatschen in die Hände. In den ersten Tagen der Hochzeitsseirr gehen die Freunde des Brautpaares in die Stadt, um das HochzeitK- Herb, und Schmuck als Geschenk. für das Brautpaar einznkaufen. Dieser Weg erfolgt in Scharen; sie singen, schießen in di« Lust und vollfühven auf ihren Pferden dir bekannte „Fantasia". Die Braut wird in den erstell Hochzeitstagen mit Oel gesalbt und bei Gesang und Tanz geputzt und geschmückt. Auch der Bräutigam wird in Anwesenheit seiner nächster! und treuesten Freunde festlich gekleidet. Die Eheschließungszeremonie findet beim Dorfältesten statt. Ten ganzen Tag der Eheschließung hiMrrch geht es im Dorfe ^ehr lustig zu. /Am Abend wird zunächst der Bräutigam von seinen Freunden, nach dem Brauch unter großem Lärm, im Zuge durch das ganze Dorf zu seinem Hause geführt: dabei werden Liebeslieder gesungen, die in ihrem Inhalt vielfach an'das Hohelied erinnern. - Dann folgt das Hochzeitsmahl. Geladene und ungekbm Gäste Wn sich mit ttuterschiaaeneu iSd^u auf'&«* Erde und essen gebratenen Re iS. der stark mit Ocl versetzt ist. Sechs bis acht Personen essen aus einer Schüssel. Wenn sie satt sind, räumen sie den Platz für andere. Der Reis wird ohne Zuhilfenahme von Löffeln oder Gabeln gegessen; derlei Gerät kennt der Dorfaraber noch nicht. Er steckt die Hand in die Schüssel, faßt kunstvoll eine Handvoll Reis, schiebt sie noch kunstvoller in bei! Mund, ohne daß ein Körnchen dabei zu Boden fiele, wischt das Oe! vom Munde und ißt weiter, bis er satt ist. Ich erinnere mich noch mit Schaudern meiner Qualen bei einer arabischen Hochzeit, zu der ich geladen war. Ich saß bei der Reisschüssel und sah den Äkrabern genau beim kunstvollen Reiöessen zu. Doch ich konnte ihnen das Kunststück absolut nicht nachmachen. Ich bekam sehr wenig zu fassen, wenn ich die Hand in die Schüssel steckte, was ich in der Hand hatte, fiel zu Boden, ehe es zum Munde kam, und überdies machte ich mich am Oel schmutzig. Die Araber machten, allerhand Scherze über den Europäer, der ohne Lössel nicht essen könne. Meine Qual hatte erst ein Ende, a'is die Reisichüffel leer war. Nach dem Reis wird den Gästen Kaffee vorgesetzt. Indessen befassen sich die Freunde des Bräutigams damit, ohne Zeremoniell die ungebetenen, unerwünschten Gäste hinauszuwerfen. Dan erst beginnt die Musik zu. spielen, welche aus einem Paar verschieden gestimmter Mandolinen, Pfeifen, einer Gitarre und einer Pauke besteht. Allmählich beginnen einige Gaste zu tanzen. Getanzt wird der Schwertertanz, bei dem eine Gruppe von Männern tanzt und dabei die scharfen, blinkenden Schwerter gegeneinander zücken. Wer sich am Schwertertanz nicht beteiligen tvill oder kann, muß sich mit Geld loskaufen, das den Musikern zufällt. Nach dem Schwertertanz breitet, der Freund des Bräutigams auf dem Boden ein Tuch aus, auf welches jeder Gast ein Geldgeschenk legen muß. Der Name des-Spenders, wird.wiederholt laut und ehrfürchtig, von einem Segensspnich begleitet, ausgerufen. Um der Ehre und des Segens öfters teilhaftig zu werden, geben viel« ihr Geldgeschenk m Teilen. Zu gleicher Zeit findet im Hause der Braut eine zeremonielle Feier statt, an welcher außer dm nächsten männlichen Verwandten des Brautpaares nur Frauen teil» nehmen. Nach Musik und Tanz werden die Vorbereitungen zur festlichen Einführung der Braut in das neue Heim des jungen Paares getroffen. Das geht aber nicht leicht. Da fordert ein Oheim der Braut ein Geldgefchenk.für die Erlaubnis, bas Mädchen aus dem Hause zu führen. Bis dieser Fovdenrng nach viel Gcschxel, Zank u.id Handel» Genüge getan ist, kommte der jüngste Bruder der Bwut und will auch Lösegeld für die Erlaubnis, die Braüc aus dem Hause sichren. Endlich setzt sich rer Zug in Bewegung.' neben dem Hause des jungen Paares bleibt die Braut stehen' und tut, als wolle sie sich nicht hmeinstihceu lassen. So ist cs Brauch. Dieses Spiel dauert längere Zeit, Auf der Schwelle des Hauses wird der Braut ein Stück Sauerteig gereicht, den sie mit einer zeremoniellen Handbewcgung auf; ihre Stirn legt. Sie betritt das Haus mit einem Krug Wasser auf dem Kopfe als Zeichen der Üebernahme ihrer Pflichten als Hausfrau. Spät am Abend versammeln sich dir Frauen mit der Bwut in einem Zimmr, der Bräutigam .sitzt allein im anstoßenden Zimmer. Die Tür zwischen beiden Räumen ist offen, der Bräutigam sitzt ihr gerade gegenüber. Unter ohrenbetäubendem Quietschen der Weiber geht die; Braut dem Bräutigam entgegen. Sie schreitet mit gesenktem Blick, eine Hand mit gespreizten Fingern vor den Augen haltend. Mit der anderen winkt sie dem Bräutigam, zu ihp zu kommen. Der aber rührt sich nicht vom Ort. Die Braut geht langsam der offenen Tür zu. Wie sie die Schwelle betritt, steht der Bräutigam hastig auf, macht einige schnell^ Schritte der Braut entgegen, faßt sie um-den Leib und dis Tür schließt sich hinter beiden. Im Zimmer des Bräutigams .wirft sich di« Braut zu Boden, auf den ein Teppich gebreitet ist, und der Bräutigam entschleiert dann erst ihr; Gesicht. Das bedeutet, daß er sie offiziell zur Frau nimmt. In manchen arabischen Dörfern besteht folgender wilder Brauch: In der Brautnacht muß der Bräutigam pünktlich um Mitternacht mitten im Dorfe einen Schuß abgeben, als Zeichen, daß die Braut jungfräulich war. Das ganze Dorf wartet ans diesen mitternächtigen Schuß. Ein Mädchen, das nicht als Jungfrau in die Ehe tritt, wird getötet. Biele Araber — nicht mir reiche, auch sehr arme —. heiraten einige Frauen. Es kommt vor, daß ein armer Araber, welcher kein Geld hat, um sich eine zweit« Frau zu kauftn, seine Tochter verkauft, um sich eine Frau kaufen zu können. Das tun allerdings die niedrigsten Klassen, aber der Austausch der Tochter gegen ein« Frau kommt öfters vor. An dem Tage, da der Mann eine zweite Frau heiratet, bleibt die erste allein und betrauert ihr Schicksal.' Sowie aber der Mann die zweite Frau ins Haus führt, empfängt sie die erste mit Küssen und wartet ihr mit Kaffe, Süßig^ ketten und Höflichkeit aller Art auf wie einer Schwester. Macht der Mann keinen Unterschied unter beiden Freuen, so leben sie in Freundschaft. Aber selten ist das Verhältnis des Mannes zu beiden Frauen gleichartig. Ich kenne nt Palästina Araber, die großes Vergnügen daran finden, ihm zwei Sder drei Frauen, gegeneinander zu reizen, es auch zu . Tätlichkeiten zwischen ihnen kommen -m lassen. Sie sitzen dabei und rauben ruhig ihre.„Nargileh", - "