Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1439 (14.2.1923)
- Date
- 1923-02-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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« ' Ae» 1430) Men, MrtÄvoch Den zitieriLN Blättern zufolge wird die Zahl der ^Kombattanten der „Erwachenden" aus 150.000 bis 200.000 ^geschätzt. Bereits im Dezember vorigen Jahres sollen 200 jSpione in die Slotva-kei entsandt worden sein, die auf iS ch m u g g l e r w c g e n die Grenze überschritten, um sich {mit den Terrainverhältnissen möglichst vertraut zu machen, 'um gegebenenfalls als Führer verwendet zu werden. Die '„Erwachenden" haben eigen» Propagandaschulen errichtet,!wo ihre Anhänger für diese Aktion vorbereitet werden.! Es liegt ans der Hand, das; die t s ch e ch o - s l o w a k i->!fch e Negierung, die von dVen Vorbereilun'wn wissen jmuß, entsprechende Gegcmnaßregeln ergriffen hat. Aevorftrhende StajMima der Karoltzk- AroMe«. Budapp 13. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Gericht vertagte die Beschlußverkündung im {Konfiskationsprozeß gegen Grafen Michael!A a r o l y i wegen angeblicher Erkrankung des einen! {Senatsmitgliedes ans den 21. d. Wie verlautet, soll!dcr Prozeß demnächst ganz niedergeschlagen; werden, weil der Völkevbundsrat die ReparationsLem- Mission ersucht habe, das Weiterführen dieses Prozesses, welcher den Bestimmungen des Friedensbertrag-es widerspricht, zu verbieten. Mttandernng der Zvdnftriearbeiter. Budapest, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Mrrgenzei- Sing".) Seit Beginn des gegenwärtigen politischen Regimes wandern die Facharbeiter wegen ihrer kläglichen politischen und wirtschaftlirhön Lage in der Heinrat Massen- . weist in die brnachearieu Staaictl Jugofäwicn und Rumän'en aus, aber auch nach Frankreich und Deutschland. In der H o l z-, M e t a l l- « n b Baui n d u ft r i e sowie in der M o n t e u r b r a n ch c hat diese Auswanderung , bereits solche Dimensionen arrgenommen, daß sich namentlich in Provinzstäd^u ein großer Mangel an Ar beilern dieser Brauche bemerkbar macht. HnlMttWhW in TvdWe". Budapest, 13. Februar. (Tel. der „Wiener Mrraen- Kcitung".) Laut Bericht des Oberstadtphys.kus sind in Ule fern Monate in Budapest ,z ehr: Fälle v o n H u n g e rly phu s vorgekommon. Aus Warschau wird uns gemeldet: Fm Ssm es anläßlich der Beratung über die Erieilnng der Garantie für einen 120 Millionen-Kredit zur Herrichtung ller Straßen in Lemberg zu stürmischer: Szenen zwischen | dem ukrainischeri Abgcorlltceteu L u c z k i e w i c z und der { Ecimmehrheit. Abgeordneter Luczkicwicz erklärte, daß für! ein Gebiet, welches noch kein inograler Teil des Polni- | stistn Staates sei, kein Kredit bewilligt werden könne. Ost-; galizien befinde sich in einer besonderen staatsrechtlichen { Situation. Der Sejm-Marschall unterbrach den Abgcord- _Wiener MorgenzeiLung. _ -* Zlonistifcbe Bezirkssektion Leopoldstadt«; ■ Jeden Donnerttfiag zwangsloae Zueatnmenkänfte 2 für Mi glied^r und eingrf»hffe < Äste. 2 ■ - ‘ ■ ■ Morgen Donncnti;v 15. tf„ 8 llhr abentfit 2 ~ im raffe Fetter, II.. Taborstrn-se , : voRTitACi; : Dr. N. M. Gelber s j „Napoleon I« atid die Juden** 5 2 Donnerstac den 21. d. Voitrag A. SchwertHrger: „Die 2 , Krise der Jüdischen Geschichte“ m su »•*••««■■■■■■«■■■■■■■■■■■•■■«■*■■■«■■ Verträge, darunter auch den Rigaer Vertrag, wonach Ostgalizien und Polen von Rußland zugesprochen wurde, all)len müsse. Als Abgeordneter Luczkiewic; trotz dieser Ermahnung über die staatsrechtliche Stellung Ostgaliziens weitersprechen wollte, entzog ihm der Sejm-Marschall das Wort. Während der Rode des Abgeordneten Luczkiewicz kam es zu stürm'.''chen Szenen. Das ganze Hans unterbrach st:ne Rede mit Ziv'/ck-eurufen wie ^Hejdcnnak", „Provokation", „Skandal", „Bolschewikenagent" und dergleichen. Wie in den Couloirs verlautet, soll der Ukrainische Klub die Erklärung abgegeben haben, daß der Abgeordnete Luczkiewicz keinerlei Ermächtigung zur Abgabe dieser Erklärung erhalten habe. Abgeordnter Grünbaum inierpellierte in Angelegenheit i\r 2cichtcrfüllurrg der Fusatakte zum Versailler Fr'ellensvertmg betreffend die M i n d e r h e i t s r e ch t e. Außerdem brachte der Jüdische Klub ei.re Interpellation bezüglich der einheitlichen Bestimmung ll.s staatsrochtlichen Dogrisfs „P o! e n" und des Begriffs „Staatsbürger polnischer Nationalität" ein. Nack dieser Interpellation soll der Begriff „Polen" nur die S.aatszugehörigkeit zum polnischen Strate, jedoch nicht zur polnffchen Nationalität enthalten. Abgeordneter Dr. F e ll e r b u s ch nurrpeliiere in der Angelegenheit des aus die jüdischen Kinder in öffentlichen Schulen cmsgeübten Zwanges, am Samstag zu schreiben. Potnrare Wer Malizien. Aus Lemberg meldet man uns: Der ukrainische „H r o m a d s k i W i st n i k" teröfsentlicht folgende rr Brief Poincares an den frattzösisch'.n Abgeordneten Ba n sel, der in einer der lebten Sitzungen der französischen Kammer über das Verhalten der polnischen Behörden gegenüber der ukrainischen Bevölkerung in Ostgalizirn interpelliert hatte. Das Antwortschreiben Poincares lautet: Herr Deputierter! Am 17. Jänner d. I. haben Sie mir eine Zuschrift mit der Darstellung der Klagen der ukvaini-schen Be'cölleruug in Ostgaliz'en gegen die Verordnung der politischen Mililär-- behörden auf diesem Territorium überreicht. Wie Ihnen b.wannt fft, wurde nach Artikel 91 des Friedens Vertrages von Sa'nt-Gerniain Oftgalizien von der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie getrennt und das Land Verbleibt jetzt bis zur endstiltigen Bestimmung seines rechtteten ttnd wies darauf hm, dctß er die Angelobung als polrischer Staatsbürger geleistet habe und sämtliche Staats kichen Zustandes unter der Souveränität der Ententemächte. Ir: Ausführung des Mandates, welches der Oberste Rat im Juli 1919 der polnischen Regierung erteilt hat, okkupieren und verövalieu im gegenwärtigen Moment Ost- 14. Februar 1923 . Seite S\ galizien das polnische Militär unddie offens lichen Behörden. Aus diesem Grunde ist nur dös Boffchafterkonferenz als Organ der Entente kompetent, düt Klagen, auf die Sie mich aufmerksam gemacht haben, z? untersuchen. Diese .Klagen hat man bereits weitergegeben Empfangen Sie die Versicherung meiner Hochachtung Poincare. . Litauen. Eine Stzaltunr der „ftrirr Sion". Aus Kowno wird uns berichtet: Bei der Testet Konferenz der „Zeire Zion" kam es anläßlich der Debatst über die Taktik der „Zeir; Zion" zu einer Spaltung. Dü Minderheit, die den Austritt der „Zeire Zion" aus tok Hitachduth beantragt hat, ist infolge der Nichtannahmß ihres Atttrages aus der Partei ausgetreten und hat eint eigene Parteikonferenz eiuoemstn, auf der der Anschluß litauischen „Zeire Zion" an den Wcliverband „Zeire ZiorZ beschlossen wmrÄe. 8m Febmar—Mahlrn kn dr» ge?etzgÄ«dr« Jerusalem, 10. Februar. (I. C. B.) Der Jerusaleme» I. C. B.-Vertrerer erfährt aus glaubwürdiger Quelle, das l'\: Urwahlen in den gesetzgebenden Rat Volästinat am 20. d. beginnen sollen. Einstei« in PaMina. Jerusalem, 10. Februar. (I. C. B.) An: 5. Jöunel fand in Jerusalem ein feierlicher Empfang zu Ehren E i nv steins statt. In einer gev'.ein foncen Sitzuna der Zionisti« scheu Erekutive und des Wae.d Leumi begrüßten U s'! i s äs kin namens der Exekutive und David Aellin namentz des Waad Leunü den (^ast. Beide Redner gaben der Hofsi nung Ausdruck, daß Professor Einstein seinen Wohnsitz in Palästina nehmen uu sich hier ganz und gar der wissem schaftlichen Tätigkeit und dem Dienste V.s jüdischen Volker widmen wird. In seiner Dankröde sagte Professor Einstein, die j'k'dst sche Arbeit in Palästina erfülle ibn mit tiefer B o? w u n L z r u n g, er sei überzeugt, daß allein der Z i o, n i» m u s die jüdische Seele und den jüdisches Körper gesund machen kann. *— Der Vorsitzende der zionistischen Exekutive in Palästina, Ussii'chkin, veranstaltete einen Tee zu Ehrert Einsteins, zu welchem sich oll? führenden jüdischen Persönlichkeiten Jerufalems eingesun. den laben. Am folgenden Toae arrangierten sLmliich^ jüdischen Organisationen Jerusalems aus Anlaß der Anwesenheit Einsteins e'ne gemLinstbaftliche Feier. Namens der vereinigen jüdischen Organisationen überreichte dc^ Vorstand des Maad Leumi David?) e! l i n Einstein eine vor: den Vertretern fämiltcher jüdöfcher Austalwit nnt.'r. zeichnete Adresse. In seiner Donkrede führte Einstein ans, er betrachtden ZioniSrmis als eine Bewegung, die nicht te-iglich spirituellert Charakter trage, der ZioniZmus sei berufen, »WWjW»»WWiWWg»«lMk^^ vinssn f-'kinrio: 8« 5chikkmsrs 'Tstvokon 4i~i»n En «ros Ca detasf Ein Bild von Schalom Asch. lieber den vielfach gcwrtndenen Pfad, der sich über Hügel und durch Täler längs des fchnralen Flüßchens Tauber schläugcli. schleicht vorsichtig, ganz allein ein Jude, ein hoch gctvachsener schöner Alaun mit langem schwarzen Bart um das lange, schmale, hochstiruige Antlitz. Den Pack auf der Schulter, einen Steck in der Hand, geht er cinsant über den einsamen verwilderten Weg, auf dem ßlras und Tornengebüsch wuchern, und ist froh, daß niemand zu sehen ist. Ta ist er all: in mit Gott, lind sinnt über eine schwere Rechtsfrage, die ihm ich einen geheimen Boten der Rabbi von Worrns zur Entscheidung vorgelegt hat, oder der Rabbi von Mainz oder einer anderen vemschsn Dddt, aber auch aus teu fernen, fernen Orten des Landes Polen, wo erst jüngst Juden einen Iluheplatz gefunden haben, hat man stine Entscheidung ungern stur und harrt t.ort seiner Antwort. Zeigt sich aber j.'mar^ auf dem Wege, ein Ritter zu Pferde, ein Landsknecht ein Fußgänger, so biegt der Waitderer seitwärts und verbirgt sich in einem nahen Wäldchen, einem Gebüsch oller, wenn es nicht anders geht, in einer Grube am Wege. Ist der Fremde dann vorbei, so kriecht der Jude auS seinem Versteck her» vor und zieht fröhlich seines Weges weiter, indem er Psolmenabschnitte vor sich hinsrugl oder ein Stück aus der B.'marah hersagt oder weiter dem Sinn einer schweren R.'chtsfrage nachgeht. Bücher braucht er dazu keine; in sen:r Zeit sind keine zu finden. Was er we.iß, das Hann er mswcndig bis auf den letzten Buch staben. Währettd der Jude so in tiefem Sinnen über eine Awcre Rechtsfrage fürbaß wand.'rt, sprengt ihm ein Reiter rntgsgen, in Stahl und Eisen gepanzert von Kopf bis ,?u in der Hand eine lange, schmale Lanze; hinter ihm sein Fähulnn Landsknechte. Der Jude will sich im seilpärts gelegenst» Wäldchen verbergen, hoch zu spät der Nli'er hat ihn schon von weitem bemerkt: „.Halt, Jude!" Und bald fassen ihn zwei Landsknechte an den Armen und führen ihn vor den Ritter. „Wohin geht der Jude?" ,Jch gehe ins heilige Land, ich habe Sehnsucht nach Jernsalem, der halligen Stadt, edler Herr!" anttvortetc der Rabbi llmrütig. „Die Judett -von Baycrland sind Eigentum Seiner Ob.raden Ludwig des Herzogs von Bayern. Wie durftest du wagen, des -Herzogs Land zu verlassen?" Der Ritter gibt Be'ehl, den Zallen an den Schweif seines Pf.rdeS zu binden und schlappt ihn so in die befestigte Freistadt Rothenburg, dahin er auf dem Wege ist. Dort üt ergibt er ihn den Burggrafen von Rot^ertburg, und bald wird der Jude in einen der vielen Türme der Rarbcnburger Stadtmauer geführt, in den „Straflltrm" geschlossen und harrt dort des Richtspruchs. Vorn Turntwächter erfahren die Judett llioihenburgs, d'.iß in der Stadtmauer ein Jude eingeschlossen sei; sie bringen koschere Speise, schleichen sich zürn Turm und sck'cken llen Gefangenen durch einen Ot-eheimboten das Essen. Der fremde Jrvde sendet ihnen durch den Bote;: einen Brief, in dem er bittet, sic mögen des Me Haram Frau und Kirillern Nachricht geben, daß der Meh.iram auf dent Wege nack Jentsalcm gesangerr tvorden und in: Turm geschlossen säße. Als die Inden Rothenburgs vernommen, wer der gefangene Jude sei, entsanll cn sie Boten überall hin, nach Worms, nach Mainz, nach Speyer und in virlc andere Gemünden D:uü'chlands, und noch weiter gingen Bote» zu den jüdischen Gemeinden in Frankreich und Italien; auch zu den Juden des Landes Polen drang die Kunde, der große Rabbi, der größte (>iaon seiner Zeit, der Mcharam, sti gefangen im Stadtturm von Rothenburg. Und die Jtldert verkaufen Perlen, Brillanten und kostbaren Schmuck und bieten großes Lösegcld dem Herzog für den teuren Gefangenen. So erfährt der Herzog, wer ihm ins Netz gekommen, und fede 0mttme ist.ihm zu klein, jeder Edelstein zu Kein, jedes Schntuckstück zu klein als Preis für freu Kobs des Er lmll. ne uröaet: ihm als Löse für den Kopf des heiligen R'^bbi soviel Edelsteine bringen, daß er ein Meßgewand damit besticken lassen kann; ss seltene Perlen, daß er mit ihnen das Blutkreuz in drr JäkobsMirche zu Ro.henburg besetze, null so viel Gold, daß er bajiir einen Dom in seiner Hauptstadt errichte. Emsig sammeln die Jtldert in J älien und Lotbrin^ gen. in Deriffchland und im Polenreich: Gold. Silber, Pcrlcn unll Edelgestein: — der gefangene Rabbi hört von dem teuren Preis, den der Herzog für sein sündiges Leben gesordirr, und fein Herz blutet ob der blutigen Erpressung an den Juden. Er weiß: die Juden müssen Schmuck und Steine haben für die lxrr>:n Zeiten, wetm sie den Wandeosürb tverden zur Hand nehmen und dl: Stalle verlassen müss.n. Ist denn sein sündiger Leib wert, daß man für. ihn solche Schätze opfere? Unll aus dem schmalen, kleinen Feusterchen int Sirafturm der Rothendurger Stadtmauerläßt der Rabbi ein Bamwcrbot ergeben: „Niemand wage es, mich auszulösen!" Hier i>m Gefängnis will er sein Leben lang verbleiben; kein Herzog soll Kirchen aus jüdischem Geldc bauen. In die ganze indische Welt, die weit unbreit verstrcMc, dringt das Wort des heiligen Rabbi: Allem bleibt der Rabbi in seiner Einsamkeit: im Turm der Stadll mauer von Rothenburg sitzt er an dem schmalen, kleinen Fenstrrchen null fchaut hinüber zunr „Etlgelsberg", der. sich gegenüber der Stadt erhebt, auf das tiefe Tal, das K-r.t die Stadt zieht, und aus Las stille Flüßchen Tauber, -reiches, sich in liefern Tal um die Stadt schlingt. Nicht ohne. Grund h«ben sich die ersten Kreuzfahrer, als sic aus Jerusalem zurückkshrtcn, in Rothonburg angesiedelt. Rothenburg sieht aus toiv Jerusalem, und das Gelände tun die Stadt' gleicht dem von Jerusalem. „Heiliges Jerusalem!" hatiew llch erstetr Kreuzfahrer attsgerufen, als sie Rotlerckrtrg auf dem Hügel daliegen sahen. Und vielleicht ersah auch der heilige Rabbi, als er von dern schmalett Feusterchen seines Gefängnisturmes ins Tal, auf den Fluß und aus die Hügel^ blickte, in ll.r Landschaft sein Eiliges Jertffalem. Das Tal um Nochenburg benannte seine Phantasie „EZehittosn", das der Jontfalem liegt; und die Tauber der: der