Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1439 (14.2.1923)
- Date
- 1923-02-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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k eriteS ''Wien, Mittwoch Merrer MorgrnzrMtns. 14. FebUtE.1923 •Ä 1499 Sie Srokelung -es Verkehrs. Berlin, 13. Febnrar. (Wolff.) Der Fernfprechver? Mrhr mit Duisburg, Ereseld, Offenburg und Appenweiler ^ift unterbrochen. Das Telegraphenamt in Wiesbaden hat /wegen der Besetzung durch die Franzosen den Betrieb eingestellt. Beim Postamt in Mainz haben die Franzosen wieder -eine Paßkontrolle eingerichtet. Im Bezirk Ludwigshafen ist <seit gestern nachmittags jeder Güterverkehr auf den Bahnen 'Und Straßen nach dem unbesetzten Gebiet gesperrt/ r Kin Generalstreik unmöglich. Frankfurt, 13. Februar. (Wolfs.) Der erste.Sekretär des Internationalen Amsterdamer Gewerkschaftsbundes iFimmen hielt gestern abends vor den Funktionären des .'Frankfurter Gewerkschastsvereines eine Rede über die sWeltläge und über die Aufgaben -des internationalen.Pro- Kiats. Finnnen besprach den Stand' der Arbeiterbewein Frankreich, Italien und England und Gedauerte, daß die Amsterdamer Internationale bei' der 'Ruhrbesetzung die Erwartung der-deutschen Arbeiterschaft nicht erfüllt habe. Angesichts der Ohnmacht det Arbeiterschaft in den alliierten Ländern sei Ls nahezu «nmöglich, die Arbeiterittaffe u zu einem intern Nationale.« Generalstreik zu veranlassen.! Srfolg meubölk, in »elgie«. ' Finanzmimster Dr. Kienböck hat gestern den 12. d. Brüssel die Verhandlungen erfolgreich abgrschloffen und;sich am gleichen Tage nach Amsterdam begeben. . > - Ministerialrat Dr. Patzauer, der dem Generalckommiffär Dr. Zimmer man zugeteilt ist, begibt sich heute nach Kopenhagen, von wo er dann nach ^Christiania und Stockholm wüterreist. Zweck 'dieser Reise ist es, auf diesen Plätzen, die ebenfalls für die \ Placierung der österreichischen Anleihe in Be- \ trachi kommen, ^.rtit den maßgebenden Faktoren die nötigen Berhanlun^n einzuleiten. Die nordischen Finanzkreise sind vom englischen Fmonzkonzern bereits dahin unterrichtet worden, daß Man Vre österreichische Anleihe auch auf Len nordischen Platzen aufzulogen beabsichtigt, i Der Präsident der Rationalbank Dr. Reisch verhan-- mt gegenwärtig in Paris und wird sich von dort nach der'Schweiz begÄen- Die Reisen der österreichischen Finanzpvütikrr nach den!verschiedenen großen internationalen Finvnzmärkten der-'! folgen den Zweck, die Anleihe auf eine möglichst zbreite internationake Basis zu stellen. Es wird «als Jrrttrm bezeichnet, aus der Tatsache, daß das englische -Kapital nach den letzten Meldungen ungefähr 1,8'Millw-!nen Pfund zü übernehmen bereit ist, während der Rest in den neutralen Staaten ausgebracht werden soll, den Schluß .zu ziehen, daß darin ein Rückzug zu erblicken sei. Der Betrag von 3,5 Millionen Pfund kann als f e st st e h e n d angenommen werden, nur die' Art der Aufteilung wird von. den Unterhandlungen an den verschiedenen Märkten abhängen, so daß England nötigenfalls auch ohneweiters einen größeren Betrag als 1,8 Millionen übernahmen wurde. Wien, 13. Fsbruvir. Aehnlich wie'aus Brüssel gemeldet wurde, sind die Verhandlungen über die Placierung eines Teiles der österreichischen Anleihe auch in Paris bereits mit günstigem Erfolge abgeschlossen. Die österreichischen Unterhändler haben sich von Paris nach Bern begeben. Me ruhige Sitzung des ÄMnettrrates. , : Im Kabinetisrat fand gestern nachmittags hie Fortsetzung, der Debatte über die Abänderung und Ergänzung des Angestelltenabbaugesetzes statt. Es wurde nach einer längeren Debatte beschlossen, in Verhandlungen über diesen Gegenstand zu treten und die Generaldebatte abzuführen. Hierauf trat der Kabmettsrat in die Spezialdebatte ein. An Stelle des Abgeordneten E l d e r s ch, der sein Mandat zurückgelegt hat, wurde Abgeordneter A u st e rl i tz von der sozialdemokratischen Partei in .den Kabinettsrat nominiert. Sie neue« Kseadahntarife. Im heutigen Bundesgesetzblatt werden hie hn außerordentlichen Kabinettsrate beschlossenen neuen Eisenbahn«' tarife verlautbart. Die bisherige Zoneneinteilung wird in dem Maße 'beibehalten, daß die bisherigen Zonen 17 bis 19 und 20 Kilometer in eure Zone 17 bis 20 Kilometer zusammen gezogen werden. Die Fahrpreise für die entfache Fahrt in der dritten Klaffe der Personen- und gemischten Züge werden für all«' Strecken auf Grund der nachstehenden Einheitssätze für das Zouenende gebildet: 1 bis 13 Kilometer 246.154 K., 14 bis 80 Kilometer 200 K., 61 bis -70 Kilometer 480 K., 71 bis 250 Kilometer 160 Ä., 251 bis 500 Kilometer 120 K., 501 dis .800 -Kilometer 80 K. Für die Benützung von Schnell- und D-Zügen sowie irurMzügen werden entsprechende Zuschläge eingehoben. Für tw-e 1. und 2. Masse gelten die dreifachen, beziehungsweise voppelteu Preise der 3. Klaffe. Die bisherigen für die Beförderung mit Personen- und gemischten Zügen gültigen Frachtsätze für Reisegepäck werben auf durch 1000 ohne Rest teilbare Kronenbeträge auf- '■mi.’Mx. Diese Frachtsätze gelten auch für die Beförderung mir Schnell- und D-Zügen. Die bisherigen Miudestsrachten verden auwebo^n. Geschildert von . Maxa N o r d au, die ölteste Tochter Max 8. : Nordaus/'- ^eine begabte MÄevki,^ -hat von den letzten Lebenslagen «ihres Vaters''in einer englischen Zortschvift eine rrgtüifettde 'Schilderung unter dem/Tilel .Mernes Vaters letzte Tage"'gegeben. Wir lassen diese Schilderung hier folgen: Ende Dezember' verlor mein Vater schon ganz seinen Lebensmut. Das starke Herzklopfen quälte ihn sehr- und er fühlte, wie die Kräfte seinen stämmigen Körper verließen, dessen Gesundheit durch zlveijähvige Krankheit bereits ünt rgvabett lvar. Er verließ das Zimmer nicht mehr, und dres vermehrt^ noch seinen Unmuts Sonntag Herr 14. Jänner mußte er sich zu Bett legen. Seine Atemnot machte ihm viel Beschwerden, aber sein starker Geist ließ sich nicht besiegen. Täglich las ihm meine Muttes die ihn nicht eine Minute allein ließ, die Post und die Zeitungen ans aller Welt vor, deren Massenstrom sich mich jetzt nicht verminderte, und hals ihm bei der Korrespondenz., Wenn meine Schwester und 'ich nach Hause kamen, mußten wir dem Vater, wie stets, die kleinsten Än-; zelheiten des Tages erzählen; alles interessierte ihn und ein Lächeln trat auf seine Lippen. Jeden Morgen fütterte er unsere Siamkätzchen,' dertn Gesellschaft ihm bis an sein Lebensende Fverwe bereiten. Er liebt sie mit jener Zärtlichkeit, die von ihm auf alles äusstrahlte, was da lebt,'was schwach ist und hilflos. Die' besorgten Mienen der Aerzte erschreckten uns: aber hat man den Müt, ein Unglück vorauszusehen? ^Von Tag zu Tag wurde der Vater schwächer und schwächer. Das schlimmste war die gänzliche Schlaflosigkeit, gegen die infolge der Herzschwäche keine Schlafmittel angew endet werden durften. Sein Atem, der immer kürzer; wurde, pfiff furchtbar und schreckliche Hustenkrisen unterbrachen ihn häufig. Was der Vater wünschte, wurde sofort erfüllt. Worte reichen-nicht aus, um die Treue und Ergebenheit zu schildern^ mit welcher ihn . Dr. Marmore! und Dr. Jacobsohn behandelten. Viele Male im Dag waren, sie an seinem' Krankenbett, beriefen Spezialärzte und erprobten .aste Mittel, die neuesten Errungenschaften dermedizinischen Wissenschaft. Max N ordan entzog sich keiner Art der Behandlung; aber er wußte, daß alles vergeblich sei — als : scharfblickender Arzt beobachtete er selbst die Fortschritte - seiner Krankheit; und er wollte nicht mehr leben. Seit.zwei! Jahren war seine. Berbstterüüg.darüber, daßer sein Werk unvollendet lassen muffe und daß er der Grausamkeit und «ntisemMchr Persammwuge». Der völkisch-antisemitische Kampfansschuß beruft für heute um 7 Uhr abends drei Bersammlungen ein, die ün Rathaus, in der Katharineir-Halle und im Dreher-Saal stattsirwen sollen. Die Einladung nirnmt Bezug aus die Franks.che BölksZahlungs-- verordnung, die,als erster großer Erfolg gepriesen .wird. Als Zweck der''Versammlungen wird „vine entsprechende' Fassung des Gesetzes : klüglich ' dev'''Staatsbürgerschaft'" angegeben. Das Gesetz zum Schatze der RWiMk. Prag, 13. Februar. Die Blätter veröffentlichen den Wortlairt des Regierungsentwurfes über das Gesetz zum SchutzvderRe p u b l i?, wie es heute im Abgeordnetenhausvorgelegt wird. Die wichtigsten Strafbestimmungen sind: Gewalttätige Anschläge gegen die Verfassung werden mit 5 bis 20 Jahren, gegebenenfalls mit lebenslänglichem Kerker bestraft, Anschläge auf - das Leben verfassungsnmßiger Faktoren werden mit lebenslänglichem Kerker,. gewalttätige Verhinderung-der Amtstätigkeit der vcrfaffungsmäßigen Faktoren oder Annraßung ihrer Befugnisse mit 1 bis 10 Jahren schweren Kerkers bestraft, unerlaubte Bewaffnung zum Zwecke eines'Anschlages unterliegt einer Strafe bis zu 5 Jahren, öffentliche Aufreizüng gegen einzelne Bchölkerungsgruppen bis zu einem Jahre strengen Arrests, Gründung' staatsfeindlicher Organisatimren bis zu zwei Jahren strengen Arrests, Rückkehr der Mitglieder der ehemaligen Herrscherfamilie oder Unterstützung einer solchen bis zu emenr Jahre Arrest. Unerlaubte Berichterstattung in der Presse über militärische Bewegungen-Wird mit Arrest bis zu sechs'Monaten bestraft. Bezüglich der Preffe enthält der Enttvurf die Bestimmung, daß das Gericht, falls begründete Furcht besteht, daß durch den Inhalt einer periodischen Druckschrift die in den-obigen Bestimmungen angeführten-Straftaten weiterhin begangen werdsü können, die Herausgäbe bes betreffenden Blattes, und zwar bei Tagesblättern auf( einen Monat, bei den übrigen'Druckschriften auf längstens sechs Monate, emstellen kann. Sie BolkrMhlmg. Prag, 12. Februar. (Dschecho-stowakischrs Pveßvureau.) Das staatliche Statistische Amt veröffeirtlicht, wie die- ^Prager Presse" m-eldet, soeben died e f i n i t i v e n - E r g e bnis seder ersten Volkszählung in der tschechv-stowakischen Republik. Am 15. Februar 1921 hatte die tschrcho-stowakische Republik 13,611.349 Einwohner <6,658.566 Männer Wch. 7^062.763 Lwmen), hon denen 13L7L406 tschechoseiner rochier. dem eilen Getri-Lder Welt gegenüber -hnmSchtig sei, J groß, daß alle Liebe der Seinen feinen Kummer nicht lw Ldrn konnte. Aus den Tod sah er von der Höh seiner große! ' Seele herab. Samstag den 20. Jänner fühlte er, daß es zu ErL. ' gehe. Er wurde ruhig und litt nicht mähr; aber er hatt' ' auch keine Hoffnung mehr. Sein Herzschlag wurde rrumo schneller und die Lungen nahmen mühsam, ein wenig Lus auf. Am Nachmittag kam sein Enkelcherr, das kleme Mäd chen meiner Schwester, Max Nordaus echteste Freude, m den Großvater anzulächeln. Es war eine große Erleichtcrun,-/ für ihn, sie noch eintna! zu sehen und des Kindes hoi des Bild sich eiuzuprägen. Am . Abend Verscunmelte er uns alle um sich: weiiu Mutter, meine Schwester und den Schivager, mich und seine - drei oder vier besten Freunde, die man noch rechtzeitig-hnit,/ verständigen können^ - Er nahm Abschied , . ‘‘ von jedem, umarmte uns lang und schweigelw imü schloß die Augen.'Seine Lippen murmelten oftmals: „beende t." - Er litt nicht mehr. Sonntag vermochte er nicht mehr zu sprechest;'aber,er,. fühlte noch meine Anwesenheit mrd die meiner Mutter, die' wir au seinem Bette saßen. Er nahm unsere Hände in di*,; seinen und drückte sie zärtlich. Noch einmal streichelte' er das kleine Kätzchen, das er sehr liebte; das Tierchen schaut^ trüb, als verstände es, was hier vorgche. Am Aberrd der-.'; lor er das Bewußtsein. Die ganze Nacht hindurch tönto^ uns sein röchelnder Atem schmerzlich ins Ohr, aber er iüfj nicht nrehr. Um 1 Uhr 5 Minuten weilte Max Nordan uich? mehr unter den Lebenden. Er, der stets für andere gelebt und nie an sich selbst' gedacht hatte, wollte noch im Tode einen Lichtstrahl auf die werfen, denen er so viel gegeben hatte. Befreit Won aller kvümpfhasöen Spannung, in ruhige Regelmäßigkeit - ver^,- jüngteu die edlen, fernen Linien seines Gesichtes noch mehr * sein Antlitz, als wollte er uns eine letzte Vision von Schmu»; heit hinterlaffen. Nichts läßt sich mit dem Adel und der ' > Reinheit dieses elsenbeinharten Antlitzes vergleichen, das da in ewigem Frieden richte! Das Toteukleid und der Tallis verstärkten noch den klaren Ausdruck dieses Prophetenkopses. Es war, als. spräche die Glorie seines Antlitzes: „Seher, die allerhöchste-Majestät, erfüllt mich, mit ihrem Licht!,VeweineL mich nicht! Ich hin glücklich in euch, unter euch'.^ , 7 - . Ein einfacher Alter aus dem- Volle, sagte: wie er, braucht nicht.,unsere Gebote. .Germ.es..ei»>'Pa.xKlKpgrbt, so werden seine'.T^ore^ fur^ fijd^ep offen ';* l Maxa Nordark^ slowakffche Staatsangehörige und N8.943 Fremde' waren. - Von den tschecho-siowakischen Staätsangehövigen bekanntes! sich 3,760.957 zur tschrcho-flowakffchen, 3,123.448 zür deütschell, 747.096 zur magyarischen, 461.466 zur russischen'/ 180.535 zur jüdischen, 75.852 zur polnischen Nativ-^!i nalität und 23 052 zu anderen Nationalitäten. Der Religion nach bekannten sich 10,384.860 zur-r römisch-katholischen, 992.083 zur pwtestantischen Religion; (aller Bekenntnisse), 724.503 waren konseffronslos, 535.8^2' Angehörige der tschechd-stowakischen Kirche, 353:923 j'üd u:, scher Konfession, 532.608. griechische und arnreni-\ sche Katholiken, 73.096 Orthodoxe und. 25.342 anderen od^' unbekannten Glaubens. : . Salmatie». Belgrad, 12. Frbmar. (Ävala.) Die Meldung Über M‘-'' Ratifikation der Abkommen betreffend die Ausführung des Vertrages von Rapallo wird seitens de» ' Presse und der öffentlichen Meinung günstig aufgenominew? Der Minister des Aeußern hat der zur Besitznahme der v dritten Zone dcnrnächst nach Abbazia reisenden Kommiffimi-/; die entsprechenden Weisungen erteilt. ' Sas FM des Mas. Angrfffsplan gegen die Slowakei. IN einer vor kurzem stattgesundenen Versauuulüng der „Erwachenden" in Budapest hat bekanntlich' H e j ja s mysteriöse Andeutungen über eine geplante Aktion der „E r w ach ende n" genrächt und erklärt, daß falls' alle Erwachenden" treu zu ihinhatten würden; 1923 das I a h r H e j j a s' und der Erlösung der ungarischen Nation sein würde. K r o a i i s ch e u n d s l o w e n i s ch e B'l'ä tter veröffeuttichen jetzt Meldungen über einen angeblich geplanten Einfall der Heffas-Äeute in die S l o wake i Unü nach K a r P a t h o r u ß l a n d. Es sollen zu diesem Zwecke Banden gebildet worden sein, die unter Führung Pronays, Hejjas' und eines gewissen Budahazt in ' Frühjahr über >das Burgenland nach Preßburg und! die Weftslowakei einfallen sollen. Eine andere Gruppe soll j in die Ostflcwakei, in die Gegennd von Kas ch au, vor^ gehen. Selbstverständlich sollen'an diesen Aktionen regulär ungarische Truppen nicht teilnehmen, und. öic. Banden« sühvev hoffen, ' daß dev ungarische diesen Mionen feilte Schlvieriakeiten bereilau. wird.