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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-14 · Heft 1439 (14.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1439 (14.2.1923)
Date
1923-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ElBzclnmnmerK 11)00 Wien- Zum AMiolen in der Spedition, ^..Talborstr. l-3„ oder in einer Verschleißteil« (Trafik) monall. K 28.000 Mit Poatversand für Wien u, jOesterr. monatf. K 28.000 ,Ts clb e e t> o-S I owa k ft i; Mon. K 17. Ungarn: Mon K 600. Jugoslawien: Mon. 'D'nar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. F r a n k r„ Belgien: MonaH. Frcs. 8 1»*» Nachsablonire» HB Sxi Prciserhöhunjitn Vorbehalten Sir. 1439 ■( Wiener ♦ Kien. Mittwoch. 14. Februar 1923 ' rsehetho Slowakei c ttschech. K 1.- Italien: Monatf. 10 s^r» JiT. Rum anien, Bulgarien '{ Monatl. 60 Leihezw. Lewe, Schweis, und das übrige •f/ Ausland monatlich fres. 2- Redaktion n. Administrativ* ■ Wien, IL.Tahorstrassel—i Teleohone: 44-0-38.43-3-*!», ab 6 Uhr abdr. 16*301,19*48* Tel.-Adr.: ,Mer?en?eifcuug*' Wien Oeaterreicbisehea Postmar ka^sen-Konto Nr. 150.6055 S. glchrgan, Ae krSffnung -es e»Mchen Parlaments. London» 13. Februar. (Wolfs.) Die Eröffnung! des Parlaments durch den König fand heute mit dem j üblichen Zeremoniell statt. Eine große Menschenmenge! wohnte der Auffahrt des königlichen Zuges bei und! begrüßte den Monarck)en und die Staatsmänner bei , ihrer Ankunft vor dem Parlament mit lauten Zn-! rufen. \ Die Thronrede spricht daS Bedauern dari über aus, daß auf der Pariser Konferenz kein allgemeines Abkommen erreicht worden sei» und erklärt die englische Regierung habe in dem Wunsche, eine vollständige Regelung des Revarationsprobiems zu beschleunigen, den Alliierten auf dem Gebiete der alliierten Schulden weitreichende Z u g e st ä n d - n i f f c gemacht, daß es aber trotzdem unmöglich gewesen iei, zu einem allgemeinen Abkommen zu gelaugen. Daher seien die französische und die belgische Regierung mit ihren eigenen Plänen vorgegangen und Italien i egünstrgt ihre Aktion. Die britisch Regierung sei nicht imstande, an den Ruhrvperatio-ren innznwi'.seri oder an ihnen teilzunehmen; sie handle ade". in solcher Weise, daß sie die Schwierigicuen der Allii:rtcu nicht vcrmehre- Die Rede weist dann auf die Weigerung der Türken hin, den Lausanne: Rertrcg zu unterzeichnen, und. spricht die Hoffnung ans, daß die Türken unterzeichnen werden, wenn in Angora-der vollständige Bericht über die Verhandlungen der Konferenz eingetroffen sein werde. Die Regelung der englischen Schuld bei Amerika. wird ^.mit Senugtlmngi MPilbnet, da sic den Entschluß des' Wkischen Volkes besveisc, seinen" Verpflichtungen gerecht zu' werden. Einscbränküngen in tden öffentlichen Ausgaben seien dringend erforderlich. Die Thronrede gibt schließlich der tiefen Sorge wegen des e r n st e n Standes des Arbeitslosenproblems Ausdruck, und erklärt, es seien besondere Maßregeln ergriffen worden, um die Not zu lindern; in diesem Zusammenhang weist die Thronrede aus das jüngste Wiederaufleben des auswärtigen Handels, insbesondere mit den briüWn Dominions hin. Nr Debatte über die Thronrede. London, 13. Februar. (Wolfs.) Heule nachmittags um 3 Uhr begann im dichtbcscsten Unterhaus die Debatte über die Thromvde. Sie Thrqmede. Das unionistische Mitglied Roberts erklärte öc£U^. Kid) der Ruhraktion, die Herzen der Engländer-seien bei den Alliierten. De wünschen.FrankreichErfolg i bei einer Aktion, die nach ihrer Ansicht ulkMngZ kerne Erfolg haben könne. Der nächste Redner der Unionisten, C o ll i n g w o ob, H n g h e s, führte aus, der srcundschastlichc Geist, der seit so vielen Jahren zwischen England und Frankreich bestanden habe, müßte gefördert und dauernd gestaltet werden. Der Sprecher der Arbeiterpartei Ramsey Macdo-. nald sprach dir Ansicht aus, daß die Besetzung des Ruhrgebietcs durch die Franzosen nicht von Erfolg begleitet sein könne. Er bedauerte den Geist, der die Alliierten beherrschte, als sie die Reparatwnspokmk in Berfa dies ststsetzien. Irr PrrmierrmMer über die RuhraMgu. Hieraus ergriff Premierminister Vonar Law da8 Wort und führte zunächst aus, daß die ArbeitslosiaE.it um 25 Prozent zurückeeeangen sei sowie daß die Handelsver»: hältnisie sich gebessert hätten. Er besprach sodann bk Verhältnisse im nahen O ft e n und sagte, niemand in Großbritannien wünsche den Krieg. Hinsichtlich des Sk* parationsproblems sagt^Mr Premiexmiüister, daß beb Frankreich das Gefühl der unzulänglichen Sicherheit den Ausschlag gegeben habe. Ueber die B e s e tz u n g d e s N n h r g e b i e i e s Karte der Premierminister unter anderem: Die sraizösrsche öffentliche Meinung findet sich mit der Läge nicht ab, solange dbr Versuch per Okkupation des Nubrgebietes nicht dürchgeführt sein wi?d7MM. der Versuch wurde jetzt, ge- ' mache. Ich habe geglaubt, daß wir . die Nekonst t u f - ti on Eur opas mit Fra u kre tch gcme i usa n: hatten durchführen können. Gleich zu Beginn war ich sicher, daß Frankreich, indem es diesen Weg beschreitet, etwas Verhängnisvolles nicht nur für Europa, pndern auch für sich selbst unternimmt. Nach unserer Ansicht war diesem Vorgehen gefährlich und dcrhängsnisvoll für das Wirtschaft^./ leben Europas. So hat es sich auch erwiesen. Das, r ich befürchtete, ist eingetreten, und dies ist noch nicht all< Das Ruhrgebiet ist die Hauptader des Jndustr'elebens k >gas und Frankreich hat sich selbst mehr geschadet, aii >rnd jemand anderem. Fm Ruhrgebiet. Neues Telephon der „Wiener Morgeazrituns". Die Nedalttien der „Wiener MorgenfeUuug" dann von he« e an unter der Telephon» immer 1) 183 \b G U't abends an e usen werden. Die Regiffeme des Hasses. -y. ®ier, 14. Februar. Zu boDen Seiten des Rheins sind die Durchhalter km Besitz der Regierungsgewalt. Sie halten täglich Reden, in denen sie ihre Unnachgiebigkcil versichern. Die Herrschenden hier wie dort sind entschlossen, bis ans Ende zu gehen, und sie vertrauen auf die in den langen Kriegsiahren gebildete und erprobte Propagandanierhode, auch die Beherrschten, denen die Zusammenhänge der Erscheinungen, das Wechselspiel zwischen llrjacl c und Wirkung fremd ist, mit dem gleichen Geist zu erfütli'n. Ties führt auf beiden Seiten zu einer immer tiefer greifenden Verbitterung, die jeden Vermittlungsversuch. von welcher Seite er rmnwr angeknüpst wird, ans Licht zerrt und sabotiert. Es ist sicher, daß im Lause dieses Monats von England ans eine Beilegung des Streites angebahnt wurde; aber jedesmal folgte von Paris und von Berlin der kalte Wasserstrahl der Unentwegten. Alle beteuern ihren Berhandlungswillen. Das ist rnnnerhin ein Fortschritt. Aber Poincare wie Enno haben sich persönlich engagiert und finden das Prestige ihrer Staaten bedroht, wenn sie jetzt, mitten in der Aktion und Gegenaktimi, den ersten Schritt run sollten. E.s ist den Negierungen tatsächlich iZelungen, sich eine Bolksstmimung zu erzeugen, aus die sie sich jederzeit berufen könneni ' Die traurigste Erscheinung in dieser Krise ist die Verhetzung bix breiten Massen. Weder in Frankreich noch in Denstchland ist an einen Sieg der Vernunft' für die nächste Zeit zu denken- In Frankreich ist die Arbeiterschaft durch die komminnstischen Spaltpilze bis zur SRachilosigkeit gelähmt. In Deutschland stehen die Arbeiterparteien in beut durch Zvllmaucrn und -M.ili» tärkordon abgeschlossenen Ruhrgebiet der freindmilnari-. scheu Okkupation gegenüber, die sie durch Gewalt und durch Hunger kirre umllen will. Llußerdem aber müsse sic sich noch gegen den 'Rationalismus wehren, der sich mit voller Kraft ans das ergiebige Agitationsseld geworfen hat und bestrebt ist, jede klare Erörterung über die Schuld an den Eereignisscn unmöglich zu machen. Bis zur Wahnsinnshitze wird diese Arbeit 'betrieben- Im. Gcschäslsleben, im Theaterwescn tauchen die alten bc--- '.vahrten Schla-gworte von der Reinig'.mg des völkisä)en Wesens auf. Der Scelenanfschwung mengt sich mit Boykott gegen Franzosen und Belgier; selbst^.rstündlich feiert auch die ontijüdische Kanaille ihre Orgien und tobt in schäumenden Irrenhansphantasien gegen die von den wohlbezc.hlien' Anslandsagenten denunzierten „Semiten", denen natürlich auch der Rnhrkonflikt aufs Uonto gesetzt worden ist. Die Bestätigung wird Tag für Tag erbracht, daß der Chauvinismus im offensten Interesse der letzten Ziele der frartzösischen Ludendvrfss arbeitet, die jetzl den Zeitpunkt für gekommen erachten. Deutschland urb das deutsche Volk politisch und wirtschaftlich zu erledigen. Den Hintermännern dieses widerlichen Treibens würde es als Katastrophe erscheinen, wenn Deutschland den .Hungerstreik, den ihvl die iatten Dnrchhalter smernpsi'blen, cblehnen und einen Vergleich mit Frankreich suchen würLa. Sic haben ein anderes Mittel in Lereitschasi. Sie Predigen mit auffälliger Eindringlichteil den Anschluß an das bolsclewikische Rußland- Lielleicl t bekommen sie auch von dort her ihre Stich' Worte. Es wird plötzlich das Lied von der roten Armee gesungen, die, miltionenstark, bereit steh-e, Deutschland zu I>dfen. Vielleicht ist daran etwas Wahres, aber doch nur in dem Siirne, daß die Moskauer Diktatur sich wieder neue Wege zur Meltrevolütion öffnen sieht und daß sie, die in ihren Akiiteln alle Erfahrungen des Zarismus akzeptiert, den Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft d& willkommene Voraussetzung ihres Sieges fördert. Aus dieser Strafe blüht der nationalsozialist-ische 'Pogrom, die Bolfchewifierung Deutschlands, der Bürgerkrieg' in allen angrenzenden Staaten. Dieses Ziel wünschen sie alle aufs innigste, die Linksbolschcwiken in Rußland, die illechtsbolschewi-ken in Deutschland, in Oesterreich, in Ungarn. In diesem Hexenkessel wünschen sie alle zu fischen und Frankreichs Politik ist ^er Vorspann», Die Lyrische Antwortnote aus dar fravMsche Anosnhrderbot. Berlin, 13. Februar. (Wolfs.) Der deutsche Geschäftsträger in Paris ist bcausiragt worden, der französischen Negierung folgende illote zu überreichen: Die deutsche Botschaft beehrt sich, in: ÄrfttrazVihrer Negierung dem Ministerium für answärrige Angelegenheiten auf eine Verbalnote vom 11. Februar st'llerrdes zu erwidern: Die französische und die belgische Negierung wollen vom 12. Februar an die Ausfuhr der in den besetzten Gebieten ltzirgestellren metallurgischen Erzeugnisie und sonstigen Fabrikate nach dem übrigen Deutschland sperren. Sie begründen diese Maßnahme mit dem Hinweise auf die von der Reichsregierung den deutschen Beamten im Ruhroebiei erteilten Befehle sowie mit der Behauptung, daß die Re i chs regle ru ng i n die se n Ä e b ie t e n:lt nruhe aller Art herverzurusen suche. Die Begründung der neuen Maßregel kennzeichnet sich s e l b st a l s Vorwand und bedarf keinerlei Erklärung. Sie ist ein offenes Eingeständnis der Tatsache, daß die Besetzungsmächte mit den bisherigen Gewaltakten d e m m i t d e r R u h r b e se tz u ng begangene n Unrecht nicht zum Erfolg ve rhelfe n könn en und daß sie sich deshalb zu immer schwererem Unrecht getrieben sehen. Jkachdem sie versucht litten, Kohlenrequisitionen vorzunehmen, und die alsdann angeordnete Sperre der Kohlenausstrhr nach dem unbesetzten Gebiet n'cht zum Ziele geführt hatte, scheuen die Mächie jetzt.nicht einmal rnehr vor einer Maßnahme zurück, die mit der angeblich angestrebten Sicherung der Reparationslieferungen in keinerlei Zusammenhang gebracht werden kann, sonder» Üb» LediLlich die Folge Labsrz kann, das deutsche Wirt" s ch a f t s l e L e n weiter zu zerstören. Dr^deutschs Regierung weiß, Laß es den Bcfetzungsmechten auch mit diesem Geivaliakt nicht gelingen wird, sich die Bevölkerung der besetzten Gebiete gefügig zu machen. Sie protestiert gegen das neue Urecht und macht die französische und die belgische Regierung dafür verantwortlich, daß dic Fähwkeit Deutschlands zu Reparalionsleistungen - zum Nachteile aller alliierten Mächte in immer höherem Maß.- vernichtei wird. Der Gesch'istä-rä^er in Brüsiel ist angewiesen worden, eine gleichlautende Rote zu übergeben. Wesel und Emmench beseirt. Essen, 13. Februar. (Wolfs.) Tie Besetzung vor Wesel und Emncergch.ist heute früh zur Tatsache geworden. Französisches und belgisches Militär sind um 8 Uhr früh cingerückt. In Wesel wurden das Zollamt und das Rathaus Lehrst. Das gesamte Eise n bahn m a t. C’ rial ist noch im Lause der Nacht w egge sch afft worden. In Emmerich wurden der Hafen und das Zollamt besetzt. Aebennchme der Nuhrbah«en durch die ANierten. Paris, 13. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzeikunstll) Die Zeitungen teilen mit, daß ' die Uebernahme -der R h e i n- und R u h r e i s e n b a h n r n durch die alliierten Behörden heute morgens erfolgen wird. Im besetzten Gebiet sind heute vormittags Mauev» a n s ch l ä g *>. erschienen, in denen die deutschen - Eisen« bahn er ausge fordert werden, sich in den Dienst, der Alliierten zu stellen. Der gesamte Eisenbahndienst ist der Teiturdg. des GenersLs D«gL zulterstellL.

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