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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-07 · Heft 1432 (7.2.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1432 (7.2.1923)
Date
1923-02-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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9tS» AVOm Men, wrirttvory Wiener Mov-iettzektuns. 7. Februar 1VZ8 SeVeS Segm die nationalen MnorMen. Warschau, 8. Februar. (Tel. der „Wiener Mvrgrnzeitung".) In der SSimkommiissiou für die Schaffung oiner ^.schäfls- .ordmmg wurde beschlossen, daß jeder Antrag von hundert LHgeordneten gefertigt weiden mutz. (Bisher genügten fünfzig Unterschriften.) Es ist klar, dcß dieser Beschluß aus-- schl^Uich. gegen die n a t i o n a l e n M i n d e r h e i t e n gerichtet ist, um ihnen das Einbringen von Anfragen zu erschweren. Es ist -allerdings eine Frage, ob rnan in solcher Weis« die nationalen Minderheiten bekämpfen können wird. Mnidlerrmg der goinMigkeit in WgaWea. Aus Leinberg wich uns gemeldet: Das JoinI^DPribution-Committee schreitet in der nächsten Zeit an die Liqui- Viemng seiner Bureaus in Polen und damit auch in unserem Landestelle. In erster Linie erfolgt die Liquidation der sogenannten. s a it i t ö x? it Aktion, wobei leider noch ein beträchtlicher Teil des Arbeitsprögramrnes unerfüllt bleiben durfte. Diese Tatsache ist vom Standpunkt der arg darmederftegenden Volkshhgiene in den Mischen Gemeinden in Ostgalizien, deren Jnstiiutlonen, wie Bäder und dergleichen, im Lause der Kriegszvit zum großen Teile vernichtet wurden, sehr bedauerlich. Außerdem wird in den nächsten Monaten auch die in so großzügiger Weise in Form der finanziellen Adoptierung geleitete Waisenq k t i o n ihren Mschluß finden und die Hinkunft für diese Zwecke in Amerika arlfznbringenden Geldmittel dom Zentral-Waisenkomitee in Lemberg überwiesen werden, das dann sämtliche bisher vom Jointbureau geführten Agenden übernehmen dürfte. Augrsichts der großen in die Tausende gehenden Zahl der noch unversorgten Kriegs Waisen werden die in Betracht kmnmenden Faktoren im Lande vor eine ebenso «schwere als verantwortungsvolle Aufgabe gestellt, deren zufriedenstellende Losung mit großen technischen und finanziellen Schn .rigkeiten verbunden sein dürfte. Die auf den 18. Februar nach Lemberg einberüsone Delegiertenkonferenz sämtlicher vstgalizlschen Ortskomitees für Kriegswaisenfürsonzr wich die Pflicht erwachsen, die sowohl infolge der Liquidierung des Jointklubs als auch angesichts her kritischen finanziellen Situation der Waisenhäuser notwendig gewordene Nenorgansievung des Gesamtapparates i« die Wege zu leiten. Litauen. Die Manischen RaüanaMe« sordem eine» Handstreich ans Wilna. - . Kowuo, 8. . Februar. (Tel. d r ,/Wiener Movgenzeitung".) Die hiesigen natwMrltstischenK've'ije smd.rn di« Regierung auf, ähnlich wie in Memel, auch im Wilnaer Gebiet einen Mfftandzu organisieren, um dann durch, die Besetzung Wilnas ein fait accompli für den Wirtschastsrat zu schaffen. Die hiesigen. nationalistischen Kreise nchmen an, daß es mit Hklife der litauilschrn. Bevölkerung von Wina gelingen wird, Wilna durch einen Handstreich zu besetzen. , Mische Kandidaturen an der Kownoer UaivrrstM. Kowno, 6. Februar. (I. C. B.) Um die vakanten jüdischen Lohrstühle an der litauischen Universität m Kowno haben sich fönende jüdische Gelehrte beworben: der Dozent der Hamburger Univevsität Herr Obermann auf den Lchrstuhl fütz semitische Sprachen, Herr Gulak aus Berlin auf den Lehrstuhl für jüdische Geschichte. (Gulak ist der Verfasser des in hobräischer Sprache erschienenen, Merkes .Wundlagen des jüdischen Rechtes".) Wie dem I. C. B.- Dertvoter mitgeteilt wird, bilden diese Bewerbungen gegenwärtig Gegenstand der Beratungen im Professovenrat der litauischen Universität. a Sie DollsMlnnd. AuS Jerusalem wird uns gemeldet: Die vor kurzem TbgehalteNe Volkszählung hat in, der hiesigen Judenschaft ein gewisses Erstaunen horvorgerufen. Der Führer der Arbeiterpartei Don Zwi veröffentlicht einen rfsenen Brief an die Regierung, in dem er feststellt, daß die als Ergebnis der Volkszählung mitgeteilten Zahlen unrichtig feien und zuungunsten der Jhdest ausgefallen sind. Er fordert, daß in mehveren Orten, speziell aber in Jrmsale'm und Liberias, wo die Juden ein.kompakte Majorität bilden, neuerliche Volkszählungen durchgesührt werden. In diesen Ortschaften sollen auch Juden zu Bürgermeistern gewählt werden, weil ihnen ihrer Zahl nach dieses Amt zu falle. Sie Mische Paiäftina-Wandenmg. Bukarest, 3. Februar. (I. C. B.) Das Emigrationsldepartoment der Zionistischen Organisation hat einen Vertrag mit der rumänischen Regierung abgeschloflen und unterzeichnet, laut welchem die Palästina-Manderuing aus Ost- und Südouvopa sich dcfimtiv über rumänische Häfen, Peziell über G a l a tz, zu bewogen habe. Die rumänische Regierung hat ferner ausdrücklich die D u r ch w a nd,e ru n g uk r ain i s ch e r F l ü ch t li n g e nach Palästina-gestattet. Durch diese Abmachung werden die Neffekosten aus don dsteuwpäffchen Ländern nah Palästina Wesentlich Vervingevt. Ser WiderstM gegen Frankrekch. Schwere Störungen - im Eisenbahnverkehr. Berlin, 6. Februar. (Wolsst) Infolge der Weisungen der Reichsregienlng, daß dqs deutsche Effenbahnpevsoyal bei Anwesenheit fremder Kräfte n i ch t D i e n st tun darf, wurden heute die Bahnhöfe von Düren, Grevenbr,oich, Jünkerath und Krefeld, München- Gladbach und Aachen st'.llgelegt. . Im Bezirke Trier ist der Betrieb vollständig einge stell t. In M a i n z verweigern die Eisenbahner ihre Mitwirkung bei der, Zollkontrolle. Die für die Kohlenaussuhr aus dem Ruhrgsbiet ins unbesetzte Deutschland in Betracht komrirestden Woge ' sind von den Franzosen durch Ä u f r e i ß e n d e r Schienen unfahrbar gemacht wordem Pole» qIs BermMer? Warschau, .5. Februar, (Te'legrawnr der „Wiener Morgenzeitung".) Wie in rnaßgebeiwen Kreisen verlautet, söll der polnische Delegierte beim Völkerbund, Professor Aschkena s y, anläßlich' ferner Audienz beim französischen Präsidenten Millerand mit ihm die Frage einer V e r m i t t l u n g im Streite zwischen Deutschlm^ und Frankreich besprochen Huben. / Rußland und Frankreich. Paris, 6. Februar. (Tel. d., „Wr. Morgenzeikrng".) Tschitscherin gc'.vährte dem Lausanner Korrespondenten der „Information" eine Unterredung, in der. ererklärte, daß die Meerengenkonvention, auch wenn sie unterzsichnet -worden wäre, k e in e n langenBestand gehabt hätte, da wrder Rußland noch die Türkei dieses Damoklesschwert auf die Dauer hätten ertragen können. In der Fmge der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Fra n k r e i ch drückte Tschitscherin die Hoffnung aars, daß bald ein Handelsabkommen zwischen beiden Lauern abgeschlossen werde. Die Frage -der russischen Schulden cm Frankreich könnte in diesem Vertrage eingeschlossen werden, wie dies im Fa"le des russischrumänischen Vertrages geschehen sei. Rußland sei bereit, die Vorkriegsschulden anzuerkennen, wenn Frankreich Rußland genügend Kredit gewähre. Zur §ausanner Koufevenz erklävte Tschitscherin, daß dje Russen die einzigen wirklichen Freunde der Türken feien, da sie ihnen kein Hindernis bei ihrer Entwicklung M den Weg legten. Sie uattonaleu Miv-erheiten ln Lettland. Rigot, 4. Februar. (^. E. D.) Der neue lettische Premiermmrster P.arliuo^lcherte.sich in^ fernem E^wfee vor dem lettländischen Sejm äuch über die Melluug der Regieruing zu den natio»alen Min.de,rheiten. Er sagte, di« Regierung würde die „bevechttgten" Forderungen der nationalen Minderheiten erfüllen. Im Namen'der Minderheiten ergriff der deutsche Vertreter Dr. Schiemann das Wort und führte aus, daß die Negierungskoalition mit Msicht die Vertreter der nationalen Minderheiten aus ihrer Mitte sernhält. Da sich die neue Regierung als „nationales Kabinett" konstituiert habe,'bleibe den Vertretern der nationalen Minderheiten nichts anderes übrig, als der Reg'iemng das Vertrauensvotu-m zu verweigern. Bei der Mstimmung echielt das neue Kabinett, eine Majorität von 65 gegen 19 Stimmen. Die 13 Vertreter der nationalen Minderheiten enthielten sich der Stimmen. Dangen stimntte der B ü n d i st Dr. Mors e l f ü r da s Kabinett. Verbot der zioalrmnr l» der Alrlel. Wie dem a o la m" aus Konstantinopel berichtet wird, erließ die türkische Regierung an di« jüdischen Zeitungen ein, Verbot des Abdruckes von Artikeln und Mitieilungen über die Zionistische Bewegung. In den letzten Tagen folgte! eine weitere Vt'rovdMrvg» laut welcher auch di« Verwendung , zionWscher Fahnen und das ^öffentliche Tragen zionistischer Ab-, zvichrn verboten wird. Einige Zionisten, die diesenr Verbot zuwidechandellen, wurden aus der Türkei ausgM-irsen. Die ErMmug der itallemschen Kammer. Rom, 5. Februar. Die Kammertaguug wurde h e ü t e eröffnet. Die Ma x im allsten brachten eine Tagesordmmg über die innere Politik ein. Abgeordneter Canepa (Turati-Gruppe) erklärte, ^ß die Umtarier die Verantwortung nicht übernehmen, den faszistischen Versuch zu verhindern. Sie verharren in der Opposition und warten loyal ab, bis die Vollmachten der Regierung abgelaüsen seien, rmd würden ftrnn wieder ihre ÄkiÄm a uf n e h m e n. Die faHisti.chr Pegievung und Diktatur seien nur vorübergehend und die Pairlamentsfreiheit werde wieder zurückkchren. Kommunistenvechaftnngen ln Ztalien. . Rom,.6. Februar. Die Verhaftungen von Komurumsten nehmen einen g r o ß e n Umfang an. In den Marken allein wurden gegen d r e L H und er t, in Perugia zwölf Kommunisten verhaftet.. In Dolpgw wurden sechszehn Kommunisten in Gewahrsaen genommen, darunieder gewesene Bürgermeister uttd zahlvciche Gemeinderäte. Für die „BaMherrigen »rüder". Die „Barmherzigen Brüder" verösstnilichen die folgende Danksagung: \ „Dem edlen Menschenfreunde, Herrn Siegmund Breitbart, Artisten, erlaubt sich die.ergebenst gefertigt« Krankenhausverwaliung für die durch seine Wohltätigküts- Vorstellung in hochherzigster Weise denr Spiivl gütigst zu. gewiesene Speiche von 17 Millionen. Kronen, 10,000 Reichsmark, 2 Dollars; 2 türkischen Psund und 11 tschechischen Kwnen im Namen der armen Kranken den wärmsten Tank mit Herzinnigstem „Vergrli's Gott" Höstichst quszufpvechen. Fr. Amatus Cyvon, Prior." . - Damit quittieren die Barmherzigen BtuVet den Empfang von insge.ämt etwa 18 Millionen Kronen, dir ihnen Bre-ilibart als Ertv^g einer zugunsten ihres Spitals veranstalteten Vorstellung zugswrrsen hat. Es ehrt Bvri-thart' der Jude rst, Laß er der Barmherzigen Brüder gedachte, deren.Wirken keine. Unterschiede zwischen den ihrer ärztlichen Hilft BeLÄrftigen macht. Aber erfahren sie diese Förderung aus dem Kreise der „Roichspost"-Leser und „Reichspost"-Anhänger? Ihr Prior hat sine Sammlung für das heute unter den schwierigsten Verhältnissen erhaltene Spital der „Barmherzigen" veranstaltet und das Ergebnis war--- knappe 30 Millionen Kronen ein* schließlich der Brcitbart-Sperldq. Und dorr L^n zirka 13 Millionen, welche naich Mzug der Breilbart-Spendr übrig bleibest, wurLv über mehr als d-ie HAfie von' —< Juden des Leopoldstädtsr Armeuvierwls gespendet, die drs segensreiche Wirken der ,Darmh'erzigen" mit eigenen Augen 'sehen. Die große christliche Bevölkerung Wiens aber, vor allem die Anhänger und Gönner der „Reichs Post" und ihrer Ideen, haben herzlich wenig für eine Institution getan, die vom Geiste der Nächstenliebe erfüllt ist, einem Geiste freilich, der der „Reichspost" sehr fernstcht. Es ist doch eine -merkwürdige Tatsache, wiß Verständnis für wahre Nächstenliebe am ehesten^ dort zu finden 'ist, wo sie nach Ansicht der „Neichspost" .nicht, vorhanden fft! Das sollte den Funder-Leuten 'doch zu denken geben, besonders wenn sie durch dokumentarische Bewsiift wie best oben zitierten ad ohfurdum geführt wertvnl Ser AuÄrltt. > In feiner Ausg7tbe von MoMag dcrcIff'Är.ttW - der „Abend" sine ZufchM,.m wolcher dwvuÄer Bsschwerde -geführt wird, daß.- om- Mischer «HaRLÄmgDHIHv. durch BoröfftMÄchung ftines ÄarMit-hes. aas dem Ji'L>cn!-MN -rnatWisllsn Schrden evli Een hetbe. Das Blatt beiätelt diese Zlüschrist ,Dv-- Pvesstmg" und-der^Ern^erLier möchte gegon die BerkGmÄlchuiNg der Austritte sogar die Sstv-Lsgewialt Mvbi'I>'.!sier>en. Gegen die Beschwerde des Eüffenders wäre mm schgeüdes ftstsustelben: Mit der VevösftniLichuing der Austni tMste wollen wir durchaus nicht in diie privaten AnMLeMMhsi'.M des Austvetenden eingvoisen. Für uns «st die Austoittsliste nicht 'sin -.AngvWssondern «in De>sen)lPmi>ttVl. War «us dem Jildmi'.avm austritL, tut eS en> weder — und das ist dsr aller sei t e n st e Fall —, wie der Einsender von ssinom Kliow'.en bchcmptet, cvus Neder- ZougM^ oder oder aus Fvüghvit. Im eosten Falle muß . der Ausgetnoteue den Muthab-cn, die äußschleu KorthAxuenzM seiner Uederzouguing zu tragen. Der weitaus üibeMegenW' Teil der Ausritte Es.dom J>rlden>!um erscLgt jedoch «uS charaL^rrloftr und SorviLiismus gLgenüb-er der Majovität. Tüeft Kategorle von Rsnega-ten, die sich cm.8 dam Judentum - schteichm möchlen, um mit oinoin konftss'iEllm, Jawlsgeisich! bei don Juden als Juden zu gcl-tM mch - die Vorteile der'Zugchörigk-eit zrnn Judondmn zu H-onütz«n, und auf der - anderen Saite mit dom Austrüttschsin' zu paradiWe-rr und sich vor den Beofok^Mgen dos Judentums zu schützen, sind Schädlinge der Gäsellschasi, uud da -ist. es rvohl nicht nur daS Recht, sondern die Pflicht der xüdiischcn PuMgisten, den iry Kämpft gegon die Bedrückung a-rlshaurenden VoKsgenoffsn bekamnti-'.vgcbvn, wer noch z» ihnen gohört und wer fahnann. geworden ijt ~ ' Mvard SchlW — der SlttuakmEoMer. Aus Preßburg schreibt man uns: Die Nachricht ihres Blattes, daß es Universstätsproseffor Dr. Nivard Schlögl unternommen hat^ das alberne Märchen vom Ritualmord im christlichsozialen Regierungsorgan aufzuwärmen, hat auch hierzulande lebhafte Empörung, hevvorgeruftn. Der hiesige Oberrabbiner Dr. Fu nk nahm diesen beschämenden Vorfall zum Thema, einer Tempelvode, in welcher er der Methode der Wahrheitsfalschn auf dsm Universitätskacheder Mafäryks Auftreten gegen dem dunklen Rituälmvrdwahn gegenüberstellte. : Wir ha'ben, wie erinnerlich, gögerl die -reiste Ge schichtsfalschung Nivard Schlögls energisch Stellung genommen und den B e r l e u m der des I u d e n t u m s ausgeforii dert, den Beweis für seine Behauptungen im Gerichtssaale :W-.erbripM..Herr>.GchW?schweigt und zieht es vor, sich . eü^n- Berlei-mderii nennen zu lassen. i Unser Prinzip: II., TaborsiraBe 48 Tfllephon 4 7-1 »79 ‘ Cn sros En dAI^Vvi

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