Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1427 (2.2.1923)
- Date
- 1923-02-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1427 —-.AU Wien, Freitag Wiener Morgenzeiluns. 2. Februar IKK Gerte. S Morgen Saifislag iss an cs ©*6' (■Sa*«lftv,aelaf); 25. Februar. r*-r jterKonzerthauss* I . >: V »I _ilvrML» 'Fi ln allen KonxerthaussElen »7-7---——7-—- — -r—-77-7-r—. 1- *;■ -- Sein Leben und sfetn Wirken ■; , - ..-„ ______ In allen Buchhandlungen erhälüich ** Sportkostüm oder Abendtoilette r-uzier hosst, daß der zo-ch« wichtige Derhanbkmgsgegenstmd- Vizekanzler Dr. Frank^ hielteS ebenfalls für zweckeine ebenso erfolgreiche E ndigung finden werde. Es ist dies uräßig, daß m weiteren Parterenbesprechungen eme.endgülbb, Ergänzung der Garüvlien für die Äuleihe auf die vollen tige Formulierung getroffen werde, und trug dem Wunsche 10Q Prozept, die dadurch erzielt. werden sollen, daß einige Abg^ Steinegger ^echuung^ Staaten, welche die bettcfsmdrn Vorlagen für ihre Parlamente schon vorbereitet haben, diese rasch zur' Erledigung bringen und für die wenigon noch fehlenden Prozente einige neue Staaten (Holland und die skandinavischen Länder) znm Beitritte veranlaßt werden. * Was den dritten BeralungZgogenstand anlangt, der die har.delspolitffchsn Fragm Zetvifst, wurde die Zeit des Pariser Aufenthaltes der österreichischen Delegierten auch nach dieser Richtung nach Möglichkeit ausgenützt und es haben eingehende Besprechungen der. verschiedenen Experten untereinander stattgesunden. - Aeamtensrfetze und Arbeitslosenversicherung. Ein Kompromiß bevorstehend.. Uebxr die strittigen Fragen der Erhöhung der ArbeitZ- Hsenunterstützung, der Beamtenabbaunovelle und des Penstonsstillsgungsgefetzes istim Laufe des'gestrigen Tages ein Generalkompromiß vorbereitet worden, dessen Einzelheiten zwar noch nicht genau paraphiert sind ' und das-teilweise noch der Genehmigung durch die Parlamentavischen Parteien bedarf. Jedenfalls aber ist bis auf weiteres die.sozial demokratische Obstruktion im Außerordentlichen Kabinettsrat eingestellt «rid der Weg für die Erledigung der Beamtengesetze und der Arbeitslosenvetsichernngsnovelle freigemacht. . ' ' Der Ausschuß für soziale Verwaltung hat gestern die Novelle zum Krankenversicher.ungsgesetz, Welche die Erhöhung der -Arbeitsloselmnterstützung auf 87P60K. enthalt, die Abänderung des Krankenanstaltengesetzes, die Erhöhungen der Unsallsrenten und der Bmderladenpensionen beschlossen. Bezüglich der hart umstrittenen R0velle zum Arbeitslosendersicherungsg e s e tz wurde grundsätzlich eine Beitragspfkichtder E em e i nd'vir v 0 n 6 Prozent statuiert, während der Bund 14 Prozent, Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 16 Prozent zu den Kosten der Arbeitslosenversichevung beizutrageu ' haben." ' ' ' Im außerordentlichen Kabinettsrai Vizekanzler Dr. Frank bekannt, daß bei den Parteienbesprechungen zu, denen von den Parteien auch Vertreter der ihnen politisch nahestehenden Organisationen beigezogen wurden, sowohl die Abbaugofetzuovelle als auch die Pensionsstillegungsnovelle erörtertwurde. Hierbei wurde in den' G r u ndzügen eine Uebereinstimmung erzielt, der auch die Bundesregierung ihre Zustimmung grundsätzlich nicht versagen würde. Die genaue Formulierung wird noch vor- Aunehmen sein. . Dbg. S t e i n e g g e r beantragte, die Verhandlung zu vertagen, um die Neutextierung der beiden Vorlagen vornehmen zu können. . Nächste Sitzung Montag mittags. , N den 5. d. im 4 Uhr nach- Zionistischei1 P r ate r sprenge! c Sanlslag den 3. Februar um 6 Uhr abends hamischahftasur- und Mordau-Gedenkfeier Souterrain des Caf6 Venedig, II. Stuwerstrasse 1 Redner: Prof. A. Freud, Dr-1- Löwenhers Eintritt frei Juden des Pratersprengels erscheinet In Hassen I MnistervrM»r«t Svchla. Prag, 1. Februar. Der „Prager Presse" zufolge begibt sich der Ministerpräsident Svehla. im Laufe der nächsten Woche zur Erholung nach dem Süden, wo er zwei Wochen verbringen wird. %\ Raschi«. Aus Prag wird uns ^e-mrwet: Im Befinden des Ministers Dr. Raschrn ist keine , Veränderung eingetreten. Die Entzündungserscheinungen auf dem Bmstfell gehen zurück. Der Zustand des Patienten ist zufriedenstellend. Ungar». Ae ungarisch-lsgoflawischm Verhandlungen versanden. . Budapest, 1. Februar. (Tek.-Komp.) In den nächsten Tagen hätten in Belgrad Verhandlungen für den Abschluß eines uggarisch-jugofläwischen HanVelsvertvages beginnen sollen. Knapp vor der Abreise der ungarischen Delegierten ist telegraphisch mi Belgrad eine Absage ohne jede Begündung erfolgt. VrlharenMU. Budapest, 1. Februar. (Tel. d, ,Mr. Morgenzeitung".). Der Untersuchungsrichter setzte heute -den Bankbeamten Karl C s z l a r y, der Mrattag seinen Vorgesetzten, den Prokuristen der Budapester Filiale der Wiener Kommerzialbank Friewabdsky erscheß, auf freien F u ß, mit der Begründung, daß.Wach aus Notwehr handelte«. Die Staatsanwaltschaft' meldete gegen die Freilassung die Berufung an, nachdem die Untersuchung zweifellos sestgestellt habe, daß Eßlary der Angreifer war unfc fchwsm Opfer vor der Schießerei drei Ohrfeigen, versetzte. Die «ngarischm Färzisteu. l ' . Budapest, 1. Februar.^ (Del. d. „Wr.. Morgenzeitung".) Der Minister des Innern bewilligte die Statuten des neulich gegründeten ungarischen Faszist.en l agers nur unter der Bedingung, daß die Vereinigung sich „S khthe Lager" nennen werde. RmenSndmlnq der Erwachenden. Budapest, 1. Februar. Wie „Uj NemzÄwk" meldet, hat dekj Verein der ungarischer.« Faszisten mit behördlicher Genchmi-. gung seinen Namen in F,Skythenlager" abgeändert. Der Mluifter als Pferdedieb. Budapest, 1. Fvbmar. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".^ Justizminister a. D. Julius Fe r dina ndy wurde von einem Mitglied des Homitatausschusses des Pferdediebstahles beschuldigt. Der Minister entwendete das' Pferd eines kleinen Landwirtes, Ivas auch durch eine m i n i st e r i e l k e K 0 m m i f s i 0 n festgestellt wurde. Ferdinaudy klagte und das Gericht ordnete das Zeugenverhör chit dem ehenraligen Ministerpräsidenten Paul Teleky.an) dem die erwähnte ministerielle. Kommission, seiner; üt' Meldung erstattet hatte. Ta Graf Teleky mit Berufung auf das Amtsgeheimnis die Zeugenaussage Verlveigerte, beschloß, jetzt das Gepicht, uyr die E n t h e b u n g Telekhs von der, Schweigepflicht beim Ministerrat anzufuchem Die Demisston SaMs. Budapest, 1. Februar. (Tel. d. „Wr. MorgenzeitungE.^ Entgegen der amttichsn Dementis kann die D e m i s s 10 tti des FinanKMMiisters Kallay als beschlossene Ta fc sa cheMtrachtet werden. Finanzminister Kallah, der 'hishev keinen Tag im Vrinisterium fehlte, tritt gerade jetzt, vor' Einbringung ^ber Budgetvorlage, einen „Urlaub" an. ©ei«; Sturz ist eine Folge des v ö ll ige n M i ß ling e ns d er bisherigen mechanischen Finanzpolitik Telechs, welcher die Bestreitung der staatlichen Auslagen! in der Einführung neuer Steuern und Erhöhung der alten; Steuern suchte. Als Nachfolger Kallays wird in politischen! Kreisen der gegenwärtige Handelsm'mister W a l k 0 genannt,! Ae «Mstrophe der Wische» Schulen. ' Aus Budapest, wird uns berich'et: Die Bemühungen'des! israelitischen Landeskanzlei, die in ihrer Existenz bedrohten! Mischen Schulen vor den Berfolgungm der dom.christlichen! nationalen Kurs evgMnen. Unterrichtsveolvaltung zu.rotten., sucherfolglos göblie'ben. Das Ministerium für: Kultus und; Unterricht hat von den 497 Mischen Schulen 49 söge na n n»! ten Kleinschulen und 28 Mischen Lehrern, welche cmj verschiedenen ^teilten Schulen tätig warm, die bisherige staatliche Subvention entzogen. Durch diese Matz- Unser Prinzip: Gilt lind billig A 11^ Taborstraße 48 Telephon 47*1-79 En gros En detail ,.Clektra"im Burgtheater. (Erstäufsühruug am 1. Februar 1823.) . , Dvsses griechische Theater von Hugo Hof m a n n skh a l war die Tat eines Wagemutigen. Half nicht, auch sträfliche Selbstsicherheit und Ueberhebuug mtt? Durfte er,. antiker Form sich nähernd, auch Gestalten nach antiken Maßen schaffen? Der letzte,- der es versuchen dürste, war xomr geniale Sohn des norddeutschen' Maurevgehilftn. Friedrich Hobbel, dem der Holofernes gelang, wäre Vevnmtilich auch die besessene Tochter Agamemnons geglückt, dje flirchtibave Rächerin, die „das Blut aus hundert Kehlen stürzen" sehen will auf des gornordeten Vaters Grab und ihm alle Hunde des Hauses schlachten, >,Iveil sie der Wurf find und der Wurf des Wurfes vbn denen, die mit dir gejagt . . ^. . ' . . . , Aber der feine, hochbegabte Rodauner Epigone durste die titanische Geste nicht wagen. Leitspruch hätte ihm bleibm müssen, was er in Jünglingsjahren in diese Mnfe faßtb: v „Den Erben laß' verschwenden An Adler Lamm und Pfau, Das Salböl aus den Händen Der guten alten Frau." ' * ' Nackt, ohne Opevmnusik, auf sich selbst gestellt, ist die fchom Dichtung allzu wortreich, die Menschen, dre.am Fuße der gewaltigen Burg — dräuend ragt sie rm Burgcheater hmauf — teils mit sich selbst, teils mit Partnern sprechen, sind recht geschwätzig und eine erdrückende Fülle von Gleichnisse«, Bildern, blühenden Worten^ Worten, Worten ist ihnen stets zur Hand. Am pemlichsten wirkt es bei Elektras schüvem Schtvesterl^lm der lebeilssüchtigen' Chrysothemis, daß sie, die Geschreckte, Unkomplizierte, sich immer wieder in hevrlicherr GediMn erM und ckui. betet, „dcck -m Gott ein Licht mir m der Bmft «msteckte, daß ich mich rn mir kann wiedersinden!" O, hätte die liebliche Chrysothemis dieses und andere Poetische Lichter nicht angesteckt! 4r. Gleichwohl ist der klare, knappe Bau des Werkes hoch zu Preisen und die Gestalt der Gattenmörderm Klytämnestra, wohl die geglückteste , der Tragödie, nähert sich ernstlich antiken Maßen. An >der Plektra aber hat sich Hofmannstal entschieden übernommen. Die Furchtbar«, von der wir m der Exposition erfahren, daß sie „um den Vater heult', daß alle Wände schallen", wird, erst in der letzten Szene so, wie sie die Weiber «des Palastes sehen und schildern, wenn sie die Todesschrsie Klytäumeftvas urrd Aegischs zu mänadischer Tanzorogie begeistern. Atrsonsten aber ist sie allzu sehr m^it Hamlets ironischem Gerste belastet, hott sich unverfwren des dänischen Prinzen Eigenart in dies griechisch Trauerspiel, tvenn sie ihrer Mutter Klytämnestra Vorhalt, daß ihr neuer Gatte, „daß Aegisch, dein Mann, die alten Mäntel dorr meinem, wie dir weißt, verstorbenen Vater, denr fruheren König, tragt". Ach ja, die Reste von einem reichen Mahl« (um bei Hamlet zu bleiberr) ergaben ein. neues üppiges Gericht. Die Szerre mit dem lustigen jungen Diener urrd dem fröhlichen alten Koch ist durchaus bei Shakespeare für das griechische Drama ausgelichen. f ' 0 ' Mit bewundernswerter Hingabe spielt Frau M edelsky die Elektra. Ms Pantomime wäre ihre Leistung meisterlich. Leider kommt das gesprochene Wort dazu, der Text,'den sieman kann es nur so ausdrücken — in ihrer gcwaltlgen Erregung in sich „hineinfrißt". Späterhin, hoffen wir,-wenn die große Künstlerin ihre Rolle gebändigt haben wird (die gegenwärtig noch s i e bändigt'und knobelt), wird die Elektra der Medelsky eine Tat' sein. Nur die sexualpsychologische Studie a la Dr. Magnus Hirschfeld in der letzten Szene mit Chchfochemis ist wirklich überflüssig . . . Gewaltig, .'Stück und .AnWhvum überragend, Fvau Bleibt reu als Klytaumestra. Bis w die Fingerspitze^ bebt die Gestatt von Lebensekel, modrige Gräberluft atrnet! ihre Rede, der Anblick hundert gräulicher Erinnyen macht! ihre Augäpfel starr und irr. Sonst noch Frau M a y e n, bte' Herren T hie«ti g (Vater und Sohn) und Frau Serdler schr angemhm, während Herr Aslan für den Knochtzw Qrest Wohl zu reif und routiniert ist. # •' Die Regie hat die bluttge Tragödie.dreimal in BluV getaucht. Der himmelstütmende Palast und die niedrigen; Seitengebäude, in l denen die Diener wohnen, die Erde, in; der Elettm das Mordbeil Klytämnestas verbirgt, die? nichtige Treppe, Klytämnestras Mantel, und Gewarrd und!, Kopftuch hinter dem bleich-goldnen Stirndiademalles dumpfiges gestocktes Mut. (Nur die Seile anv Brunneneimer durften ihre Naturfarbe behalten.) . Das Bühnenbild, von Remigius Geyling geschaffen, ist ja grausam schön. Aber verträgt Hofmannstars Tragödie, antiker Fornr sich nur sachte nähernd, eine solche Umrahmung? Ist es dieser Dichtung förderlich, Lärm m der Burg durch rythmisches Paukengedonner anzudeuten?! Ist es gut, alte Sinne durch mittvandelnde Lichtkegel auf du einzelnen Gestalten zu lenken und auf ihre Reden? Man Mt dem Wert der Dichtung nicht Abbmch, man schmälert die Verdienste des Schöpfers nicht, wenn, man feststellt: Hofmannsthals „Elektra" ist zu klein für solche Maße. ' Und man kürzt nicht die. löbliche Kunstarbeit des Spielleiters P a u l s c n, dem insbesondere die Schlußszene herrlich gelang, wenn man einwendet: Mit solcher: Aufmachung wird des Wiener Poeten allgriechische Tragödie fast erdrückt. Das Publikum nahm daS Werk mit begeistertem Bei^ fall auf. Wohl ein dützendmal erschien der diensttuende Regisseur, Herr Treßler, vor der Nampö und dankte, für Hmmännstbal. - . .^ito ..delas.